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Düsseldorfer Gemäldebriefe

Wilhelm Heinse: Düsseldorfer Gemäldebriefe - Kapitel 8
Quellenangabe
typeletter
booktitleDüsseldorfer Gemäldebriefe
authorWilhelm Heinse
year1996
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main und Leipzig
isbn3-458-19162-3
titleDüsseldorfer Gemäldebriefe
pages3-87
created19990404
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1776
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II. Fortsetzung des Schreibens über einige Gemälde der Düsseldorfischen Galerie

Himmelfahrt der Mutter Gottes
Von Guido Reni

Wahrhaftige Guido Reni, Die Himmelfahrt Mariae Verklärtheit. Aufschwebende Jungfrau in ewiger früher Jugend zum Throne des Himmels. Ein unsterbliches Mädchen voll Unschuld und Demut und unaussprechlicher Reize, dem mit Recht dieses Glück zu Teil ward. Ihr Gesicht geht über das schöne Wesen jeder Menschentochter; es ist lauter, reiner, süßer, sonder alle Zier echter Göttinnengeist. Hinauf wird sie gehoben mit sanft nach der Höhe gebreiteten zarten Händen, endlich nun Gottes Sohne nach, den sie, unentweiht, unter ihrem Herzen getragen; dem Ewigen entgegen. Ihre, im Feuer der Entzückung, und doch fromm und mägdlich, emporgekehrten hellbraunen Augäpfel so, daß nur wenig von dem Braunen, und lauter Weiß zu sehen ist; die weibliche Erhabenheit über den aufgezogenen sich herumverlierenden Bogen der Branen; die sonnenreine Lauterkeit; lichtreine Heiterkeit des Herzens auf der kurzen Stirn, in die das lichtbraune Haar aus dem Schleier herüber sich webt; die geschlossnen kleinen Rosenlippen, in solcher Heiligkeit, daß nie über sie ein sträfliches Wort kommen konnte; das geründete Kinn, die blühenden Wangen, und alles in der süßesten Form der Liebe; der zarte Hals; der feine schlanke Oberleib – Denken Sie sich das alles in Grazie lebendig, in blaßroten anliegenden vorigen Sterbegewande, wodurch die schönsten Brüste sich ein wenig über dem falben Streif von Gürtelbinde ründen; der überirdische ebene ein wenig sich erhebende Unterleib – Doch, ich werde zum Schwärmer über der Betrachtung. Und Dank dem Himmel, daß ich das werden kann! Schwärmerei für das Schöne macht allein zum glücklichen Menschen. O Petrarca, o Plato, euch hatte Adam des Paradieses nicht verlustig gemacht!

Über sie, ganz von der linken Schulter, die rechte Seite über der Hüfte unten hinüber, ist ein blaues seidenes Überzeug in den leichtesten Falten geworfen. Flügelregende Engel, worunter die zween größten von himmlischer Schönheit, und hohe Ideale schöner Knaben sind, berühren mit ihren Schultern, schön im Kreis herum, in Unschuld und Anbetung, den Saum des untergesunknen Gewands zun Füßen; und oben empfangen sie andre, klein in weiter Entfernung, im Lichte, das von dem Himmel aller Himmel, wie die allerheiligste Glut, herunterleuchtet, und den ganzen Luftraum erfüllt.

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