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Dorfgänge

Ludwig Anzengruber: Dorfgänge - Kapitel 7
Quellenangabe
typenarrative
authorLudwig Anzengruber
titleDorfgänge
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Der Schatzgräber

Humoreske

Zu erzählen wußte der Zirmhofer, wie schier kein zweiter, das galt für ausgemacht, und nie setzte er seine Rede anders, als daß es so herauskam, als wär', was er vorbrachte, lauter Selbsterlebtes. Es gelang ihm auch eine geraume Zeit über, die Leute bei gutem Glauben zu erhalten, bis seine Hörer anfingen, stutzig zu werden und nachzurechnen, wobei es sich denn herausstellte, daß der Zirmhofer, wenn man nur die Halbscheid dessen, was er mitgemacht, unternommen, gelitten und genossen haben wollte, gelten ließ, statt seiner fünfundfünfzig Lebensjahre mindestens doppelt so viele hatte zählen müssen.

Nachdem die Leute es einmal weg hatten, daß der Alte es mit der Wahrheit nicht gar genau nehme, wollten sie sich, als die Gefoppten, auch auf die Beleidigten hinausspielen; da aber der Zirmhofer davon gar keine Notiz nahm und nach wie vor Glaubhaftes und Unglaubliches mit dem ernstesten Gesichte von der Welt vorbrachte, nur daß er zeitweilig seinem nunmehr »aufgeklärten« Publikum die kleine Konzession machte, eine im treuherzigsten Tone gehaltene Erzählung mit einer Schnurre zu schließen, so einigte man sich bald dahin, die Eulenspiegeleien Zirmhofers anzuhören, und es jedem zu überlassen, ob er sie für wahr oder »ausgedacht« halten mochte.

Es war an einem Sonntagnachmittage, der Segen war vorüber, im Regen waren die Bauern in die Kirche getrabt, im Regen gingen sie aus derselben und saßen nun verdrossen in der Wirtsstube, in welcher sich der Qualm aus den Tabakspfeifen mit den Ausdünstungen der am Leibe trocknenden Kleider vermengte und eine Luftart erzeugte, in welcher es selbst für abgehärtete Naturen unbehaglich war.

Unter den zusammengepfercht sitzenden Gästen herrschte denn auch die erdenklich schlechteste Stimmung, denn der Regen kam den Landleulen, abgesehen davon, wie »ruinierig« er für ihren Sonntagsstaat war, auch sonst sehr ungelegen, da die Heumahd vor der Türe stand. Alle Gottesfürchtigkeit schien in der Dorfkirche zurückgelassen worden zu sein, denn von vielen Seiten wurden die lästerlichsten Flüche laut und die nachdrücklichsten Aufforderungen an den Teufel, dareinzuschlagen, alles zu holen, besonders das Wetter, obgleich man selbst gestand, daß dieses »'m Teufel zu schlecht wär'«.

Der Zirmhofer saß kopfschüttelnd dabei. Er war ein langer, wie ausgetrocknet aussehender Mensch, sein scheinbar gutmütiges Gesicht war so braun, wie seine breiten, dichtbehaarten Hände. Er trug keinen Hut, sondern jahraus jahrein eine Tuchkappe mit »Ohrlascheln«, im Winter band er letztere unter dem Kinn zusammen, im Sommer ließ er sie frei baumeln. Er rauchte aus einem mächtigen Fladerkopf »Ordinären«, eine Tabaksorte, die eigens erfunden zu sein scheint, um die Opferwilligkeit des Menschen darzutun, wo es gilt, lasterhaften Neigungen zu frönen; wäre Rauchen eine Tugend, so würde sich niemand dazu verstehen, dieses rohgeschnittene, oft mit Schuhnägeln und Spagatschnüren vermengte Kraut zu qualmen.

Die Pfeife begann zu schwingen, und die Lappen der Mütze flogen dem Zirmhofer um die Ohren, als er immer nachdrücklicher mit dem Kopfe schüttelte; endlich sagte er: »Ös befleißt's eng aber, 'n Gangerl herbeiz'rufen.«

»Laß s' 'n rufen«, lachte ein dicker Bauer, »er kimmtjadochnit.«

»Wohl, wohl«, nickte der Zirmhofer, »was sollt' 'r auch? Heuttags is sein' faulenzete Zeit. Es is so wenig Christentum in der Welt, daß er ruhig in seiner Höll' verbleiben kann, 's lauft ihm ja alles schar'nweis, von freien Stucken zu; aber in frühern Tag'n, wo noch Gottesfurcht im Land war, da hat er sich oft schwere Müh' nit gereuen lassen, um so a arme Seel' z'fangen. Und wer, in welcher Weis' immer, amal mit ihm z'tun g'habt hat, der erinnert sich all sein' Lebzeit dran. Ich bin ihm in meiner Bub'nzeit a af 'm Leim gangen, und ich kenn' ihn, ich tue 'n kennen. Halt ja.«

»Willst 'leicht mit 'm Leibhaftigen z'tun g'habt hab'n?« rief es von mehreren Seiten.

»G'wiß auch noch, Leuteln! Soll 's Hemd af 'm Leib nit mein sein!«

Die Gäste horchten verwundert auf, nur die Wirtin schmunzelte, sie hatte dem bis auf die Haut Durchnäßten ein Hemd aus dem Wäschespinde ihres Mannes geliehen.

»Guckt's so verwunderig, wie's wollts, aber ich sag' eng, fünfadreißig Jahrln mag's her sein, wie ich zwanzig zählt hab', dös is so g'wiß als was. Mir is's damals just nit schlecht gangen, aber auch nit gut, und so wie wohl a jeder Mensch, hätt' ich's halt doch lieber gut g'habt. Na, wann mer jung is, da is mer so viel unb'sonnen und meint, raucher wie der Bär kunnt der Teufel auch kein' Pelz haben. Kurz, ich hab' mir eing'bild't, der müßt' auch mit ihm reden lassen, wann mer's g'scheit anstellt, und ich hab' schon g'wußt, was ich ihm will. Dös war so. Wann gleich heuttags kein Glauben mehr drauf is, so weiß doch wohl jeder, 'm Hör'nsag'n nach, daß mer an einer Stell', wo nachtig Lichter herumg'tanzt sein, ein vergrabener Schatz vermut't hat. Ein' Öften, wann ich im Dunkeln ohne Monscheinlicht durchs G'hölz g'strichen bin, wo 's selbe die ertrunkene Wiesen Eine ertrunkene Wiese ist die volkstümliche Bezeichnung für eine durch Wasseransammlung überschwemmte Wiese. säumt, Hab' ich dort immer an ein'm und den nämlich'n Fleck drei Irrwisch' tanzen g'sehn. Holla, Hab' ich mir denkt, da schildwachten die armen Seelen bei ihr'm z' Lebzeit Eingrab'nen, und weil ihnen in ihrer höllischen Livrei z'heiß wird, können s' nit stillhalten und hupfen h'rum. Na, wart's nur, Hascher, mit einsmal soll's Loch leer und der Tanz aus sein. Nämlich mir war um 'n Schatz, aber da ich g'wußt hab', die Lichter sein nit die einzige Hut, unter der ein solcher steht, sondern es haltet auch der Teuxel sein' Pratzen drauf, so wollt' ich dem ein gut' Wörtl geb'n, daß er seim haarete Pfoten davontut und mir das Vergrabene freigab'. No, is aber derselbe a hoher Herr, wie er denn auch ›Fürst der Finsternis‹ und ›Herr der höllischen Heerscharen‹ benannt wird, und es laßt sich nit so mit ihm reden, wie mit ein'm Michel oder Hans, und wer mit ihm anbandeln will, der muß's in dem seiner Sprach' und in der vorgeschriebenen Weis'. Das zu erlernen, war mir nit bang, denn daheim z'unterst in der G'wandtruhen hab' ich a alt's Zauberbüchl g'wußt, 's hat's a Zigeunerweib mit ihr g'führt, dö einmal bei meine Eltern über Nacht eing'kehrt is, a hinfällig' krank's Ding, das zu meiner Mutter Schreck 'n nächsten Morgen tot im Heustadl g'leg'n is. 's Buch war also a Vermächtnis von der Alten, es hat sich aber niemand damit abz'geb'n g'traut, weil d' Furcht war, mer könnt' unversehens a unrecht's Blattl aufschlag'n und der Teuxel stund' ›wie vom Himmel g'fall'n‹ vor ein'm und drehet ein'm 's G'nick um. So hat mein' Mutter dös g'fährlich Büchlwerk mit zmoa Fingerspitz' vorsichtig ang'faßt, in d' Truhen fallen lassen und 's G'wandzeug drüberg'worfen, no, und um dieselbe Zeit, wo mir's Schatzheb'n im Sinn g'legen is, hab' ich dem Doktor Fausti sein' Höll'nzwang aus'm alten G'lump, worunter er g'legen is, wieder hervorg'holt und hab' alles zum Lernen ang'hob'n, was einer, der a richtiger Schatzgraber werden will, erlernen muß. Jed'n Tag nach 'm Feierabend hab' ich mich in mein Bodenkammerl eing'riegelt und bin drüber g'sessen, ein jed'r Student hätt's mit mein' Fleiß zu was g'bracht, wann er 'n af G'scheiters ang'wend't hätt', wie ich, mich aber hat döselbe Studie nur allweil verzagter g'macht. Unser Herrgott im Himmel macht keine so Um- und Anständ', wann mer a Anlieg'n an ihn hat, wie der Teuxel in seiner Höll'. D' Beschwörungen auswendig lernen, war schon kein Spaß, aber doch noch der geringste im Vergleich zu den anderen Veranstaltungen und Erfordernis. Af einer Kuhhaut sollt' ich sitzen, ein bloß's Schwert in der Hand und a g'weihte brennende Wachskerzen in ein'm Leuchter z' neb'n mir; an dererselben hätt's freilich nit g'fehlt, dö hat mer heut noch in jed'n frommen Haus und gibt's ein'm, was verstirbt, in die Hand' z'halten, aber woher d' Kuhhaut nehmen, und wie käm' ich zun Schwert? Das hat mer nit wenig Kopfzerbrechen g'macht! Aber da ein's Tags geht unser' Kuh unter 'n Kalben z'grund', der Fleischer muß ins Haus kommen, Vieh aushäuten und zurichten, daß mer's g'nießbar' Fleisch in Rauch hängen kann, no, so denkt's, wie ich g'schaut hab', daß mit einmal d' Kuhhaut da war, und tags drauf hat unser Dorfwachter Vagabunden d'erwischt, oder dö ihn, denn sie hab'n ihn durchg'prügelt, sein Sabel ihm aus der Scheid' g'zogen und im Davonrennen über unseren Zaun ins Gesträuch g'worfen; es macht sich keiner ein' Begriff, wie mir word'n is, wo ich selben Abend im Dunkeln, zu einer Zeit, schon z' spat, ihn noch z'rückz'geb'n, den Wachtersabel auffind' und ihn über Nacht b'halten mußt'. No, hätt' ich's Schwert a g'habt!

Wohl hätt's mich sollen stutzig machen, daß sich der Teuxel mir in all'm so fördersam erweist, aber Schneid hab' ich einmal zur Sach' g'habt, jung und kuraschiert war ich, und wollt' ich dö Schatzgraberei ins Werk richten, so gab's kein lang Bedenken und Herumzipfeln, ich mußt' mich gleich in derselben Nacht noch dazu entschließen, wo ich all's Dazug'hörige bei der Hand g'habt hab'. Also, denk' ich, tust's! Bis so gegen a dreiviertel af zwölf in der Nacht hab' ich mich daheim in mein'm Stüberl verhalten, dann bin ich schön stad h'nausg'wischt. 's Zauberbüchl und 'n Wachtersabel Hab' ich mitg'führt, im Hof hab' ich d' Kuhhaut, die dort zum Trückern ausg'spannt war, zu mir g'nommen und sauber z'samm'g'rollt, dann bin ich auf 'n Zehen und mit verhaltenem Atem in d' Stuben, wo meine alten Leut' g'schlafen haben, zieh' sacht die Schublad' auf und nimm die g'weihte Wachskerzen und nachher pack' ich all das Zeug auf, steig' über 'n Zaun und renn', als jaget mich einer, 'm Waldl zu.

Erst in der Näh' der ersoffenen Wiesen hab' ich eing'halten, um ausz'schnaufen, und hab' mich umg'schaut. Es war heller Monschein, wo Wasser in Lacken überm Gras g'standen is, hat's g'blitzt und g'spiegelt, nix hat sich g'rührt, von nah und fern kein Laut z'hör'n. 's G'hölz is dunkel dag'leg'n, über'm Schatzgrund aber sein dö drei Irrwisch' wie verrückt auf und nieder und durchernander g'fahr'n. Es war völlig schauerlich schön.

Aha, is's mer durch 'n Kopf 'gangen, dö merken was!

Ich will's nur frei g'stehn, wie ich mich da so mutterseelenallein g'funden hab' am verrufenen Ort, in der ung'wissen Mondleuchten, all's wie ausg'storben, kein Hundbell'n, kein Hahnkräh'n, nur 'n Hall von mein'm eigenen Herzschlag im Ohr – sapprawolt, Leuteln, schleunig zun Hoamrennen is mer da für'n erst'n Aug'nblick word'n!

Aber schamen hätt' ich mich doch müssen, wenn vor niemand, so doch vor mir selber, und das is immer 's Schenierlichste. Eh' ich's denk', hebt schon af der Wiesen a Wasserfrosch zun Quarren an, das hat mer wieder Kuraschi g'macht; sein mer doch hitzt unser zwoa an der Stell' g'west. Ich hab's Maul g'spitzt und hab' g'pfiffen, denn 's Pfeifen is 'm Teuxel sein' Musik, koan bravere braucht er nit, unserm Zerrgott singt mer was und 'm Gottseibeiuns pfeift mer was.

Ich marschier' also af dö drei Irrlichter los. Dö sein aber nit schlecht af mich zug'fahr'n, nit anderst, als wollten sie sich meiner erwehren und mich verjagen, ein anderer wär' vielleicht a ausg'rissen, doch ich, ich wußt', was von dem G'lichter z'halten is, versengen können s' kein', so hab' ich's tun lassen, so wütig, als sie woll'n, nur hab' ich mich g'hüt't, daß ich mir ein unnötigen Grausen mach', und hab' nach kein' g'faßt, denn so mer eins erwischt, bleibt ein'm ein lediger Totenknochen in der Hand.

Ich hab' mich nit im g'ringsten durch sö irren lassen, hab' dö Kuhhaut af 'n Boden ausg'breit't, hab' dö g'weihte Kerzen ang'brennt und selbe af ein' Stein abtropfen lassen und draufgepickt, dieweil ich kein' Leuchter nit mitgebracht hab', dann nehm' ich's Schwert, 's Wachters blanken Säbel, in die ein' Hand und 's Zauberbüchl in die andere – 's war just an der Zeit, denn fernher vom Dorfkirchturm schlagt's Mitternachtstund' – und fang' zun Beschwören an.

's erst'mal ganz gelind, ohne viel Flüch' und Verwünschungen, denn es müßt's wissen, ohne Droh'n und Beleidigungen bringt mer 'n Teuxel nit zur Stell'. Umständ' macht mer wohl a Menge mit ihm, aber keine Höflichkeiten.

Auf dös erste Zitieren, wie 's in dö Magiebücher heißt, is aber völlig gar nix g'schehn, nur wollt's mich bedünken, es wär' daraufhin noch stiller word'n, wie voreh', und ein Wolken is über 'n Mond hing'strichen, dann war all's wie zuvor.

Du kommst mer schon, denk' ich; denn es fuchst ein' schließlich doch a bissel, wann ein'm so einer erst will a Weil' warten lassen! Ich vertu' dir schon dein Versteckenspiel! – Fang' also noch einmal, dösmal aber härter, zum Beschwören an.

Wie ich fertig bin, fahrt a Windstoß herwärts über die Wiesen und verlöscht mer fast 's g'weihte Licht, aber ich hab' noch rechtzeit die hohle Hand davorg'halten. Dös war a Anmelden, daß er in der Näh' is, und daß ich 'n jetzt völlig hervorkitzel', das war mir nit bang, nur hab' ich mich ganz in der Still' g'fragt, ob ich mich's doch unterstehn soll und es nit g'scheiter sein möcht', es sein z'lassen, aber eins wie's andere, was a orndlicher Mensch is, der führt 's einmal Angefangene z' End', und dann wußt' ich ihn nah, und da wär' nit g'raten g'west, von meiner Kuhhaut wegz'treten, er hätt' mer 's Läufel, wie ich's drüber h'naussetz', wurzabhau'n können, und so wurd' mer wohl af Zeit und Dauer auf der Kuh ihrer Haut um mein' eigene bang worden sein. ›Nein‹, sag' ich zu mir selber, ›machst a noch dö dritte Zitation‹.

Ich streck' mich also, wie lang ich kann, führ' mit 'm blanken Wachterschwert nach alle vier Weltgegenden einen scharfen Hieb und fang' an mit einer schneidigen Stimm', daß's rundum im G'hölz nur g'hällert hat: ›Vagoth osi gratiel naziel; wir erwarten hier wirklich ursion, ohel beatus nozel heoti Raphael osecht, komme bald!

Ariel heneche lolle heoti gratiosa Adonnai celibat Raphael heneche agra jod semele loi itos pant Zellianelle König Pagmon, komm, komm, komm!

Amon nazot frater noster amma.

Hiermit sollst du vor meinen Kreis zitieret sein!‹«

Nachdem der Zirmhofer dieses Kauderwelsch höchst wirkungsvoll herausgebrüllt, schlug er mit der Faust auf den Tisch, worüber sämtliche in der Wirtsstube anwesenden Frauenzimmer laut aufkreischten. »No, no«, sagte er, tief aufseufzend, «erschreckt 's nit, heut kimmt er nit, dazu braucht's anders und a Kuhhaut, da richten Gänshäut' nix.«

»No, is er damal kumma?« fragte die Wirtin.

Der Zirmhofer nickte ernst, nahm einen Schluck Wein und fuhr fort: »Kaum war's letzte Wort aus mein'm Mund, siech ich von fern a feurige Kugel, wie ein' zweiten Monschein, in einer riesigen Schnellen daherkämma und immer gerad auf mich zuhalten und immer größer is s' word'n, je näher s' herankommt, und die Erd' hat zun zittern ang'hob'n, und das Malefizding hat g'pfiffen, wie 's durch d' Luft g'fahren is.

Jesses und Joseph! denk' ich, das reißt dich in der Mitt' vonnand, wie mit einer Kanon'kugel, und kaum ich's denk', steht das Ding, groß wie a Wagenrad, vor mir still, drauf zerfahrt's mit ein'm Knall, wie ein Donnerstreich und sieigt ein schwarzer Mann daraus hervor, hab's gleich g'wußt, daß der der meine is, denn er hat Bockshörndel, ein' Geißbart, Pferdefuß', ein' rauchen Leib g'habt, und 'n Kuhschwanz hat er a nit dahoam lassen.

Ein' Weil' hab'n wir zwei ohne a Wartl uns geg'nseits beaug'nscheint, wie a Paarl, wo sich keiner vom andern was Gut's erwart', und ich für mein Teil hab' damit wohl groß recht g'habt, denn war' ich über sein schreckhaft's Veranstalten etwa aus mein' Bannkreis h'rausg'rennt, so hätt' ich mich in Handumkehr einmal auch von rückwärts betrachten können, so sauber wurd' er mir 'n Kragen umg'dreht hab'n.

Nachdem er g'merkt hat, daß's mit mein'm G'schrecktsein aus und vorbei is, fragt er mit einer z'widern Stimm', wie a Steuerbeamter, der ein' weg'n 'm Einkommen z' Protokoll nimmt: ›Was willst du?‹

Durch den heillosen Spuk und dös Getös', was 'r vollführt hat, ganz wild word'n, hätt' ich ihm bald was g'schafft, was mer unter unsersgleichen gleich oft selber sagt, wie z'hören kriegt, aber doch keiner tut, noch leid't, rechtzeit' is mer noch eing'fall'n, daß wohl g'scheiter sein wurd', mit ihm keine Mäus' z'machen, und ich sag' also kurz: ›Den Schatz will ich, der da vergraben liegt.‹

›Da drüber laßt sich ja reden‹, sagt er, ›aber wirst dran auch a G'nüg'n haben? Könnt'st anderswo leicht mehr finden!‹

›Papperlapapp!‹ sag' ich drauf, ›'s g'nügt mer vollauf. Was macht's denn aus?‹

›No‹, bescheid't er mich – ›'s is nur a irdenes Weinkrügel mit paar hundert Silbergulden.‹

Ah, denk' ich mir, der Kerl is a Lugner vom Anfang her, er will mich nur von da hinwegfoppen und gunnt mer nix, 's Krügl dürft' schier a Krug, wo nit gar a Faßl sein und dö silbern' Gulden statt in d' Hundert' in die Tausend'; darum sag' ich laut: ›Is schon recht, es steht mer völlig an

Auf dös sagt er: ›No gut, so red'n mer d'rüber‹

Ahan – war mein Denken – jetzt hebt der Seel'nschacher an! Aber d' meine verschreib' ich dir nit, a mein erst's Kind, wann ich mal eins gebären sollt', kriegst nit, ebensowenig, wie ich mich etwa drauf einlass', aus der Kirchen wegz'bleiben oder Gott und die lieben Heiligen z'lästern. Sag' ich also in der lauen Weis', wie unsereiner tut, wenn er beim Kauf 'n Preis drucken will: ›Freilich, reden können mer sich ja, a Wort is kein Faustschlag und a Bot kein Handschlag' – und brumm' noch für mich: ›Du Hundling, ich werd' dich schon zwiebeln!‹

Er aber knotzt vor mich auf 'n Boden hin und fangt mit seine Klebeln an der Kuhhaut zu zupfen an, ich aber versteh' kein' G'spaß, fahr' gleich mit meiner Kerzen hinzu und tropf' ihm g'weiht's Wachs af d' Pfoten, hui, is er da in d' Höchen und hat nit schlecht zun trompeten ang'hob'n und mit der Hand g'schlendert. ›Du sollst's ja hab'n‹ – hat er ganz giftig dazwischeng'schrien – ›du sollst's ja hab'n!‹

›Is mir ganz lieb‹ – hab' ich g'lacht – ›reich mir's nur a frei gleich da aus 'm Boden h'raus!‹

Spott bringt den Sakra am meisten auf, er hat 'n Rachen aufg'rissen und g'ring a paar Fäust' voll glühende Kohlen ausg'spuckt, ich hab' mer schon nix Guts versehn, aber mit einmal g'schleht was, was noch kein' Schatzgräber g'sehn is, seit die Welt steht! Der Teuxel hebt richtig an, mit seine Krampeln dö Erd' aufz'wühl'n. No hat aber noch jeder Beschwörer selber ans Graben müssen, höchstens hab'n sich dö vorgerufenen Geister zum Zureichen vom Schatz verstanden. Dabei dürft' aber kein Wort laut werd'n, sonst is der Kessel oder o' Goldtruchen, was's halt eben war, wieder klaftertief in d' Erd' h'neing'rumpelt. Wie 'r mit 'm Ausgrab'n fertig war und mir das Ding zuschiebt, so daß ich's mit 'm Sabel durch 'n Henkel fassen und zu mir ziehen kann, da hab' ich freilich g'sehn, daß der Teuxel a mitunter d' Wahrheit red't, wann d'selbe ein'm Ärgernis gibt, 's Schatzgut war richtig nur a klein's Weinkrügel und mit dö paar hundert Silbergulden und kein Groschen drüber hat's auch – 'm Augenmaß nach schon – sein' Richtigkeit hab'n müssen.

Wie ich so von mein' Töpfl aufschau', das ich, mit all' zwoa Händen ang'faßt, g'halten hab', nit anderst, Leuteln, wie das da vor mir af 'm Tisch, merk' ich, daß der Höllische an der Quasten von sein'm Schweif sich 's Lachen verbeißt. Ei, denk' ich, der Kerl meint wahrscheinlich, ich hätt' d' Abdankung vergessen, und wüßt 'n nimmer losz'werd'n, spring also in d' Höh', schwing' das Schwert und schrei ihn an: ›Maschilla, Jehova stuadisohilanus!‹

Da drauf sagt' er nix, wie: ›Servus!‹ – hat mich nit g'wundert, denn Lateinisch versteht der Teuxel über ein' Pfaffen, und Griechisch weiß er mehr, wie so einer d' Jahr her davon vergessen hat – sagt also: ›Servus‹, kehrt mer d' abige Seiten zu und fahrt ab, ein' G'stanken z'rucklassend, daß ich nit g'wußt hab', wohin mit der Nasen.

Aber, wie ich wieder zu Atem kommen bin, hab' ich mich mit aller G'walt z'ruckhalten müssen, daß ich nit ein' hellauten Juchezer tu'. Denn, meine lieben Leuteln, obgleich 's Schatzgut nit danach war, daß mer über sein' G'winn 'n Kopf vor Freud' hätt' verlieren können, so mußt' ich mir doch sag'n, es war a g'schenkt's Geld – und daß ich dasselbe 'm höllischen Erbfeind, so mir nix, dir nix, ohne jed's Verschreiben und Bedingen herauspraxelt hab', dös war mir a Hauptspaß und hat mer a damische Freud' g'macht, und nit träumen hätt' ich mir lassen, daß a so lustige G'schicht' ein' traurigen Ausgang nehmen könnt', aber trau' einer 'm Teufel!«

Der Zirmhofer schwieg, senkte den Kopf und starrte nachdenklich vor sich hin.

»Oh, Zirmhofer, mer kennt dich«, unterbrach ein vorlauter Bauernbursche die andächtige Stille, »hitzt willst uns wohl aufbinden, du hätt'st 'n Morgen drauf im Schatzhäferl nix wie Kohlen oder Glasscherben aufgefunden!«

Zirmhofer warf dem Sprecher einen sanft zurechtweisenden Blick zu und sagte: »Nein, Hiesl, weit g'fehlt. Der Gangerl hat ganz gut g'wüßt, wozu er 's Geld herschießt. Sechs Wochen danach war ich – verheirat't!«

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