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Dörchläuchting

Fritz Reuter: Dörchläuchting - Kapitel 1
Quellenangabe
typefiction
booktitleDörchläuchting
authorFritz Reuter
yearca. 1910
publisherMax Hesses Verlag
addressLeipzig
titleDörchläuchting
pages13-14
created20020513
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1866
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Fritz Reuter

Dörchläuchting

Damit er sich daran etwas verlustiren und vermüntern möge, habe ich diese heitere Geschichte meinem lieben Freunde, dem

Dr. Julian Schmidt,

in herzlicher Liebe und unwandelbarer Freundschaft gewidmet.

Fritz Reuter.

'Ne Vörred',

dormit dat mi nahsten kein Nahred' dröppt.

Wenn ick mi vermeten dauh, in dit Bauk ut de kümmerlichen Tiden nah den säbenjöhrigen Krig 'ne Geschicht ut de gaude Vörderstadt Nigen-Bramborg tau vertellen, so darw Keiner sick inbilden, dat ick mi vel mit vörnehme Lüd', mit Grawen un Gräwinnen bemengen ward – natürlich, as dat all de Titel beseggt, Dörchläuchten utbenamen – oder dat ick mit Gold un Gesmeid' un sidene Kleder 'rümmer spillunken ward – natürlich ok hir wedder Dörchläuchten utbenamen – oder dat ick vele klauke un gelihrte Lüd' up en Band trecken un sei vör de Ogen von mine Lesers up un dal danzen laten ward – hir äwer vör Allen Dörchläuchten wedder utbenamen –; ne! dat All nich ! Grawen un Gräwinnen gaww dat dunntaumalen in Nigen-Bramborg nich un giwwt dat ok hüt noch nich; mit Gold, Gesmeid' un sidene Kleder hett sick dat frilich up Stun'ns bet upsmeten, dunntaumalen was dat äwer dormit Essig, un mit klauke un gelihrte Lüd' hett sick dat frilich ok hellschen upbetert, indem dat ick mit Plesir en por Dutz von jede Ort uptellen kann, dunntaumalen was – Dörchläuchten utbenamen, un de was 't ok man dörch sinen Hofpoeten – kein einzigste gelihrte un besonders klauke Mann in Nigen-Bramborg ; Einer hadd denn tau de irste Sort den Herrn Konrekter un Kanter Aepinus un tau de tweite den Herrn Hofrath Altmann reken müßt. – Ok mit annum un datum is dat in mine Geschicht sihr swack bestellt, un ick ward mi woll häuden, doräwer Hals tau gewen, denn wenn so'n richtigen kronischen oder kronologischen Klüsterkopp doräwer herfallen süll, denn künn hei mi Perfesser Kohlrauschen sine Tabellen unner de Näs' hollen un mi fragen: wo stimmt dit? un wo stimmt dat? un mi in de gaude Meinung von mine Lesers gründlich verrungeniren. Ick ward dat also maken as de Schriftstellers, de sick up Stun'ns mit de geschichtlichen Romanen befaten, wo vel von Roman de Red' is un wenig von Geschicht, ward Allens schön dörchenanner mölen un nah ehre Ort so anfangen:

»In der letzten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts, als Columbus grade Amerika entdeckt hatte, ritt an einem finstern Novembertage ein eisenbepanzerter Ritter durch die blühende Landschaft und erquickte sich an dem Dufte des Flieders und Jasmins. Sein Mackintosh schützte ihn und die Rüstung , und als er in die Herberge zur goldenen Kugel in Neubrandenburg eintrat, hatte er das Glück, mehrere Weinreisende aus Lübeck, Hamburg und Rostock zu treffen, auch einen Zigarrenhändler aus Bremen. – Man verstand sich bald, und als sich ihnen der Chirurgus erster Klasse, Herr Doktor Bernhard KellerZahnarzt und Chirurg in Neubrandenburg zu Reuters Zeit. , freundlichst zugesellt hatte, sangen die fröhlichen Reisenden die Neubrandenburger Nationalhymne aus dem Jahre 1849: ›Oh, Holzenburg, oh, Holzenburg, Du Segen für Neubrandenburg!‹Refrain eines Spottliedes auf einen Neubrandenburger Literaten aus dem Jahre 1849. was ihnen aber mit Recht schlecht bekommen mußte, denn sie wurden von Jakob BendschneiderPolizeidiener in Neubrandenburg um 1860. abgefaßt und nach einem ehrwürdigen Gesetze ans dem Jahre 1543 verurteilt, welches anhebt: ›So reisige Knechte in einer Herberge singen, &c.‹ – Auch der Herr Doktor Bernhard Keller wurde, weil er verschiedene Doktor-Reisen auf das Land gemacht zu haben dem Gerichte bewußt geworden war, als reisiger Knecht angesehen und diesem gemäß Rechtens verurteilt . . . .« – Na, so geiht dat doch woll nich, will'n man wedder annersüm! Mit de hochdütsche Sprak une den erhabenen Styl un den grotorigen Stoff ward ick in minen ollen Dagen woll ebenso wenig farig, as in minen jungen, ick will man wedder so an tau fläuten fangen, as ick vördem fläut't heww. Also:

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