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Charles Edouard Duboc: Don Adone - Kapitel 30
Quellenangabe
typefiction
booktitleDon Adone
authorRobert Waldmüller (Charles Edouard Duboc)
year1901
firstpub1883
publisherFr. Wilh. Grunow
addressLeipzig
titleDon Adone
pages440
created20140927
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Achtundzwanzigstes Kapitel

Fiammettas Erlebnisse waren inzwischen wenig erfreulich gewesen.

Die beiden Nonnen in der dumpfen, kellerartigen und schwach erleuchteten Strafkammer konnten für die am schwersten regierbaren des ganzen Klosters gelten. Sie waren zwar der Äbtissin zugethan, und ihre Vergehn durften, bei Licht besehen, nicht gerade wichtig genannt werden; sie liebten es aber sowohl in ihren Reden wie in ihrem äußern Behaben den Frommen im Kloster möglichst häufigen Anstoß zu geben, und nicht minder hielten sie es für unerläßlich, den alten ehrbaren Beichtvater des Klosters, den Pater Gentile, von Zeit zu Zeit durch ihre Beichten in große Verlegenheit zu setzen; denn bald wollte die eine, bald die andre etwas gründlich verfängliches begangen haben, und der ehrliche Alte mußte manche Stunde lang auf das Ausreden dieser von ihm für Selbsttäuschungen gehaltnen Phantasiebegebenheiten verwenden.

Sie hatten vor Jahren, die eine wie die andre, 381 den Schleier wider Wunsch und Willen genommen, beide als Opfer von Geldinteressen und allerlei herzlosen Verwandtenspekulationen. Die Äbtissin war dabei insofern nicht ohne Schuld, als sie der Sache nicht beizeiten ernstlich nachgefragt hatte, wie allerdings ihre Pflicht gewesen wäre. Diese schwere Versäumnis stimmte die Äbtissin nachsichtig, was wiederum zur Folge hatte, daß sich die beiden schlecht regierbaren Naturen einer Art von Sonderstellung bewußt wurden, deren Privilegien sie mit großer Hartnäckigkeit ausnutzten.

Pellegrina, die ältere von beiden, eine schmucke kleine Person mit mandelförmigen, schwarzen, blitzenden Augen und einer kreischend hohen Stimme, mochte fünfundzwanzig Jahre alt sein, stammte aus Syrakus und redete aus Lust am regelwidrigen zumeist im sizilianischen Volksdialekt. Sabina, zwei bis drei Jahre jünger, eine Neapolitanerin, blond, rundlich, mit Grübchen in Kinn und Wangen und in ihrem ganzen Mienenspiel nicht ohne das Gepräge eines gutherzigen Naturells, hatte sich dennoch auch aus Langweile eine fremde Mundart angewöhnt, die wohl nirgends ganz heimisch war und gleich jenem sizilianischen Dialekt den Zweck verfolgte, sich im Laufe der Zeit zu einem den übrigen Nonnen unverständlichen Diebsjargon auszubilden.

Beide Nonnen hatten, ehe sie den Freuden der Jugend und der Freiheit hatten entsagen lernen, Anwandlungen von tiefer Schwermut, ja von Verzweiflung zu erleiden gehabt, und nur der vorsichtigen Art, wie die Äbtissin sie behandelt hatte, war es zuzuschreiben, daß die ihnen zuerst unerträglich scheinende Fessel allmählich, unter dem Hineinleben in den 382 Geschmack an der Rebellenstellung, minder drückend geworden war.

Diesen beiden Unbändigen fand sich nun Fiammetta überantwortet. Zunächst sahen sie die Klarissin mit großen Augen an, denn Fiammettas Jugend und kleine Statur gaben ihr ein fast kindliches Ansehen, und das Gerücht von der Einlieferung einer mit einem Mönch durchgegangnen Nonne, das auch schon in die Strafkammer gedrungen war, hatte die Phantasie der beiden Strafnonnen mit groteskern Zügen erfüllt, als sich hier verwirklichten.

Per San Cristallo! sagte lachend und in gutherziger Weise die blonde Sabina, lange hast dus im Kloster aber nicht ausgehalten. Da sind wir anders geduldig gewesen. Du bist ja noch kaum über das erste Zahnen hinaus.

Habe ich dir nicht immer gesagt, Schwester, spottete die schmucke schwarzäugige Pellegrina, eine Klarissin von sechzehn Jahren sei flügger als eine Ursulinerin von sechsundzwanzig? Wir arbeiten zu viel. Das bloße Beten witzigt ganz anders.

Da setz dich auf den Dreifuß und erzähle, sagte die blonde Sabina, indem sie gutmütig einen Sitz frei machte; die zinnernen Wärmflaschen, die man hier in diesem Inferno zur Strafe scheuern muß, werden erst im Winter wieder gebraucht; erzähle, wir arbeiten währenddessen für dich mit.

Ich mag nicht erzählen, sagte Fiammetta; ihr habt mich mit Spott empfangen, und jetzt soll ich mich, um euch die Zeit zu vertreiben, dazu hergeben, mein Unglück auszuläuten? Das mutet dümmern Leuten zu. Ich will hinaus. Über andres mag ich nicht reden.

383 Pellegrina schlug mit lautem Lachen in die Hände. Ei, rief sie, ich will hinaus! ich will hinaus! wie das Kind eigensinnig ist! So scheure erst für uns die Untiere dort. Hernach sollst du von uns erfahren, wo dieses Haus undicht ist. – Sie wollte Fiammetta vom Dreifuß herabstoßen, aber Sabina verhinderte es.

Wozu sie quälen? sagte Sabina; es gefällt mir, daß sie nicht erzählen will. Sie hat wahrlich Ursache, den Kopf hängen zu lassen. Mit einem Liebsten glücklich der Langweile des Klosters entflohn zu sein und dann eingefangen zu werden – maledetto! Ich habe herzliches Mitleid mit ihr.

Meinetwegen mag sie ihre Abenteuer für sich behalten, sagte Pellegrina ruhiger; aber wie dein Schatz aussieht, das magst du uns wenigstens zu wissen thun. Ich wette, er ist ein Goliath. Dergleichen Gelichter vernarrt sich allemal am ersten in solche Zwerghühnchen.

Ich habe mit euch nichts zu thun, sagte Fiammetta beharrlich und begab sich an die Strafarbeit. Wollt ihr mir verraten, wie ich hinauskommen kann, so will ichs euch danken. Aber ich fürchte, ihr wißt es selbst nicht. Warum säßet ihr sonst in diesem Moderloch hier und plagtet euch und andre?

Hinauszukommen, kleiner Naseweis, wissen wir schon, rief Pellegrina und zog die Brauen dräuend zusammen, und dir hinauszuhelfen wäre uns auch ein leichtes. Halt einmal still! Und sie stellte sich, als wolle sie Fiammetta mit einer der großen zinnernen Flaschen den Garaus machen.

Fiammetta wich bestürzt ans die Seite, und Pellegrina rief lachend: Evviva! Evviva! Evviva!

384 Warum solltest du nicht entwischen können? fragte Sabina, nachdem sich Fiammetta von ihrem Schreck erholt hatte; hast du nur erst das Vertrauen der Äbtissin, so ist die Sache nicht einmal schwer.

Es kommt nur auf eine kleine Beiläufigkeit an, setzte Pellegrina hinzu, daß man dich nämlich nicht wieder einfängt.

Wir habens freilich in dem Punkte zweimal schlecht genug getroffen, sagte Sabina, jetzt geht es uns schon mehr wie den Stubenvögeln, die sich in ihrem Bauer so eingewöhnt haben, daß man den Käfig offen ans Fenster stellen kann, ohne daß sich die dummen Tierlein entschließen, in die Freiheit hinauszufliegen.

Und ohne das Vertrauen der Äbtissin zu mißbrauchen, fragte Fiammetta, wäre überhaupt kein Entwischen ausführbar? Sie ist nämlich sehr gütig gegen mich gewesen.

Ich merke schon, sagte Pellegrina spöttisch, du bist nicht halb so ungern hier, als du uns glauben machen willst.

Sabina zuckte die Achseln; nein, sagte sie, das Vertrauen der Äbtissin mußt du mißbrauchen.

So werde ich begehren, rief Fiammetta, daß mich der Marchese wieder zu den Klarissinnen zurückschickt. Ihn zu betrügen, daraus mache ich mir kein Gewissen. Warum hat er meine offnen Bekenntnisse so schlecht gelohnt! Die Sbirren und ihre schwerfälligen Hellebarden fürchte ich aber nicht im mindesten. Ich will diese plumpen Tölpel schon überlisten. Beim zweitenmale bin ich noch nie so dumm gewesen wie beim ersten.

Und wenn ihre Hellebarden am Ende doch rascher 385 sind, als du denkst? warf Sabina ein, indem sie auf ihre eigne Achsel wies.

Ein Pfund Fleisch, rief Pellegrina, hackt einem so eine schwerfällige Axt im Umsehen aus der Schulter, und gerade du, meine ich, hast von dieser Ware nicht so viel zu verlieren.

Fiammetta wurde etwas kleinlaut.

Dort hat sies hergeben müssen, bestätigte Pellegrina, dort an der linken Schulter. Aber die Freiheit, he? und der Herzallerliebste, he? – Nun? – Ist dir ein Pfund Fleisch nicht dafür feil?

Gewiß – vorausgesetzt, ich könnte wirklich eins wie das andre dafür einhandeln! rief Fiammetta. Aber, fügte sie hinzu, wie um ihr Erröten zu bemänteln, ihr sitzt doch nach wie vor in der Klausura. Es war also alles umsonst?

Was uns mißglückt ist, kann dir ja glücken! sagte Sabina.

Ach, seufzte Fiammetta, wenn ich nur wenigstens eins wüßte. Ich selbst habe eben vorhin ein so gutes Nachtmahl gehalten. Mir wills doch das Herz abdrücken, bedenk ich, wie mancher andre vielleicht hungrig schlafen gehn muß.

Zum Exempel dein Freund, der Mönch! sagte Pellegrina; und da Fiammetta die Lippe aufwarf, setzte sie mit einem plötzlichen Anfluge von Trübsinn hinzu: Närrin, du hast wohl gar keine Ahnung, daß es Menschen geben kann, die dich um dieses Gefühl beneiden würden.

Sabina sah sich besorgt nach Pellegrina um, als fürchte sie einen Rückfall in mühsam überwundne Stimmungen von Verdrossenheit und dumpfem Brüten.

386 Es wurde eine Weile still fortgearbeitet. Pellegrinas Spottlust schien vorüber zu sein. Sabina redete gleichgiltige Dinge und stieß von Zeit zu Zeit ihre Freundin unsanft mit dem Ellbogen an, als wolle sie sagen: Nur keine Grillenfängerei! Sonst geht dirs wieder erbärmlich!

Als aber Pellegrina immer mißmutiger dreinstarrte, rief Sabina, indem sie von der Arbeit aufsprang: Thorheiten, Thorheiten ohne Ende! Ich glaube gar, Pellegrina ist auf dem Wege, einmal wieder Kopfhängerin zu werden. Und dabei – sollte mans glauben! – ist weder Äbtissin noch Profoßnonne zu Hause! Wollen wir denn um allen unsern Kredit kommen? Was wird Pater Gentile von uns denken!

Sie räusperte sich und fragte dann: Was soll ich singen, Pellegrina? das Lied von dem morosen Graukopf Anakreon? oder das von dem geprügelten Pastetenbäcker? Du weißt, meine Auswahl ist nicht groß. Aber daß hier kein Gicks und kein Gacks gehört werden soll, während die hohe Obrigkeit auf Reisen gegangen ist, das kann ich nicht zugeben.

Du bist ein Quälgeist, sagte Pellegrina und stützte ihr Gesicht auf beide Hände und die Ellbogen auf den Schoß.

Wie sie plötzlich das Murmeltier spielt! rief Sabina lachend. Zweimal hat sie neulich das Lied von dem Graukopf Anakreon statt des Horagesangs eingeschmuggelt! Höre nur, wie es geht, Schwester Beata; die letzten Zeilen werden wiederholt, die kannst du mitbrummen. So lautet das Zwiegespräch des verdrießlichen Alten und der schönen Lydierin, die vermutlich nicht auf den Namen Pellegrina hörte: 387

Trüb ist die Welt und ohne Glanz,
Ich weiß nicht, wie solls enden?
Nimm aus den Locken mir den Kranz,
Und hole andre dir zum Tanz,
Trüb ist die Welt und ohne Glanz,
Und nimmer wirst dus wenden.

Und lachend sah sie ihm ins Aug:
Du weißt nicht, wie solls enden?
Hier bring ich dir den Cyperschlauch,
Dazu mit munterm Lippenhauch
Verscheuch ich deiner Grillen Rauch –
Und also werd ichs wenden.

Geh! sagte Pellegrina, die Liebkosungen Sabinas abwehrend, mir sind wirklich vorhin heftige Kopfschmerzen angeflogen.

So muß ich rasch noch den Pastetenbäcker darauf setzen, rief Sabina lachend; der hat, wie du weißt, alle möglichen Arten von Schmerzen, und Pater Gentile empfiehlt uns ja immer, unsern eignen Kummer über die Leiden andrer zu vergessen.

Sie begann sofort das ungezogne Lied von dem »Pastetenverkäufer, dem es schlecht erging,« anzustimmen, und sie traf dabei so vortrefflich den Ton der Schiffer, die unterhalb des Klosters tagelang im Sande der Marina faulenzten und solche Weisen vor sich hin zu leiern pflegten, daß Pellegrina bald nicht umhin konnte, ihrer trüben Laune Valet zu geben.

Der Text des Liedes, das den bekannten Ruf der neapolitanischen tortanielli »Wer will Pasteten?« als Refrain benutzt, lautete etwa wie folgt:

Ich betrunken? Ei behüte!
Bin geprügelt, bin zerzaust,
Habe Zeche zahlen müssen,
Ohne daß ich nur geschmaust.
  Lo tortaniello co a'nzogna? 388

Ging mit meinem Tortenkorbe
Durch die Stadt von Haus zu Haus,
Guckten zwei geschminkte Püppchen
Just zum Fensterchen heraus.
  Lo tortaniello co a'nzogna?

Winkten mir mit Aug und Finger,
Und ich spottete: Habt acht,
Daß ihr mit den Wangen meine
Torten mir nicht brandig macht.
  Lo tortaniello co a'nzogna?

Fielen sie mit ihren Fängen
Über meine Ware her,
Warfen alles in die Gosse,
Daß mein Korb auf einmal leer.
  Lo tortaniello co a'nzogna?

Hier die Zahlung! hört ich rufen,
Und ein Kohlstrunk flog mir grad
In die Zähne, daß das Wasser
Mir in beide Augen trat.
  Lo tortaniello co a'nzogna?

Hilfe! rief ich, Diebe, Mörder!
Ach, steht mir denn keiner bei?
Seht, da kichern sie am Fenster!
Kommt, wir dreschen sie zu Brei.
  Lo tortaniello co a'nzogna?

Aber ein verwünschter Schnauzbart
Mischte sich auf einmal drein
Und begann mich so zu fuchteln,
Daß ich kaum vermocht zu schrein.
  Lo tortaniello co a'nzogna?

Püffe hab ich eingeheimset
Ohne Zahl und ohne Maß,
Kaum, daß er an meine Körper
Eine Stelle nur vergaß.
  Lo tortaniello co a'nzogna? 389

Ja, so ist es mir ergangen:
Bin geprügelt, bin zerzaust!
Aber künftig, künftig weiß ich:
Vor der Zeche wird – geschmaust.
  Lo tortaniello co a'nzogna?

Pellegrina, endlich umgestimmt, wiederholte ein paarmal in bewundernder Nachahmung Sabinas den langatmigen Ruf lo tortaniel - - lo! lo tortaniel! - - lo! Dann aber unterbrach sie sich plötzlich und huschte mit dem Flüsterrufe: Potz Chrysam! man kommt! nach ihrem Platze hinüber.

Sabina ließ die Wärmflasche, die ihren Fingern beim Singen des Liedes zur Trommel gedient hatte, dröhnend auf die Steinplatten entgleiten.

Fiammetta, die mit verwundertem Ohr dem Klageliede des armen Geprügelten gelauscht hatte, machte sich geduldig auf eine häßliche Szene gefaßt und arbeitete, ohne sich stören zu lassen, fort.

Inzwischen war die Thür, die nur angelehnt gewesen war, leise geöffnet worden, und das spähende Auge der alten Bibiana lugte in den schlechterleuchteten Karzer hinein.

Ich hab euch unnützes Zeug singen hören, keifte sie, was war das?

Nennst du Gebete unnützes Zeug, entgegnete Pellegrina, indem sie sich rasch von ihrem Schreck erholte, da nur Tommasa oder in ihrer Stelle Basilia zum Revidieren berechtigt war; warte, wir werden dich morgen bei der Äbtissin verklagen. Als ob wir nicht seit zwei Stunden, ohne auch nur eine Sekunde auszusetzen, Contra hostium insidias und immer Contra hostium insidias gebetet hätten! Hebe dich fort von 390 hier, alte Blindschleiche! Man weiß schon, daß dir fromme Gemüter ein Greuel sind!

Die Pförtnerin, die es gewohnt war, bei ihrem freiwilligen Spionieren mit Spott heimgesandt zu werden, murmelte zwischen den Zähnen: Domeneddio! Domeneddio! und damit zog sie sich zurück.

Pellegrina lachte ausgelassen. Rasch ein noch tolleres Lied! rief sie; der alte Drachen ist noch auf dem Gange. Presto, prestissimo! Wir wollen sie nicht so billigen Kaufs fortlassen. Das abgeschmackteste, das dir einfällt!

Und da Sabina nicht hurtig genug bei der Hand war, trällerte Pellegrina selbst in ihren Kopftönen der Verhaßten das ja noch heutigestags am Golf sehr wohlbekannte Liedchen nach, dessen Strophen mit dem Refrain: M'me voglio m'maretà! – ich will heiraten – etwas unklösterlich schließen:

Ich mag nicht länger warten,
Verstehst du mich, Mama?
Ich sag ihm heut: Ich will ihn –
  M'me voglio m'maretà.

Die beste Milch wird sauer,
Verstehst du mich, Mama?
Der beste Teig wird zähe,
  M'me voglio m'maretà.

Jetzt gleich ich noch der Rose,
Verstehst du mich, Mama?
Doch Rosen muß man pflücken –
  M'me voglio m'maretà.

Und läßt du dir nicht raten,
Verstehst du mich, Mama?
So muß ich . . . . . dich beklagen –
  M'me voglio m'maretà.

391 Der letzte Vers kam nicht ganz zu Ende, denn im besten Lachen und Singen wurde das ausgelassene Paar auf einmal mäuschenstill. Draußen auf dem Gange hatten sich Schritte vernehmbar gemacht, die nicht die der schlurrenden Bibiana waren.

Fiammetta, von einer eigentümlichen Ahnung durchzuckt, ließ ihre Arbeit in den Schoß gleiten und sah sich gespannten Blicks um. Was giebts? fragte sie mit klopfendem Herzen. Und da die beiden Schelme, eifrig über ihre Zinnflaschen gebückt, ohne zu antworten sich in eifrigster Weise abarbeiteten – denn sie glaubten, eine der Profoßnonnen sei im Anzuge –, war Fiammetta die einzige, die bei dem jetzt erfolgenden abermaligen Öffnen der Thür Don Adones rundliches Gesicht hereingucken sah. Mit dem im Fistelton gesprochnen Befehl: Komm heraus, Beata! hatte er sich rasch wieder zurückgezogen.

Fiammetta war nah daran, vor Freude von der Bank zu fallen, aber sie besiegte ihre Schwäche, stand auf, verneigte sich gegen die Schwestern und folgte dem an sie ergangnen Befehl.

Wer wars? zischelte Sabina nach einer Weile, ohne aufzusehen.

Ja, wer wars? wiederholte Pellegrina, über ihre Arbeit gebückt, der Santo Diavolo soll mich holen, wenn das Basilia war.

Auch nicht Rosalba.

Per Bacco no! Sie ist ja mit nach Puzzano auf die Jagd nach Vermächtnissen!

Pazienza! Vielleicht wars die verrückte Tante Sirena. Ich hatte so einen rötlichen Schein vor den Augen.

Nun, wenigstens haben wir uns für morgen 392 wieder eine Strafpredigt verdient. Das war ja doch die Hauptsache. Avanti, avanti! es muß ohnehin gleich Horazeit sein.

Und sie suchten geschwind ihre bisherige Säumnis noch durch rasches Fortwerkeln gut zu machen. 393

 

 

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