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Charles Edouard Duboc: Don Adone - Kapitel 19
Quellenangabe
typefiction
booktitleDon Adone
authorRobert Waldmüller (Charles Edouard Duboc)
year1901
firstpub1883
publisherFr. Wilh. Grunow
addressLeipzig
titleDon Adone
pages440
created20140927
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Siebzehntes Kapitel

Der zunächst seinen Trab verkürzende war Lazaro; er mochte wieder Disteln am Wege gesehen haben und hatte keinesfalls ein Verständnis für die Gefahren, die seinen Herrn, seit man den friedlichen Stall zu Sant' Aniello geräumt hatte, so unaufhörlich hetzten und jagten.

Nachdem Lazaro säumig geworden war; glaubte auch Fiammetta, sich einstweilen genugsam außer Atem gelaufen zu haben.

Endlich begann nicht minder Don Adone in seiner Hast nachzulassen, und so fanden sich denn nach und nach alle drei Leidensgenossen wieder zusammen, sämtlich in lautem Verschnaufen.

Es ist mir erst während des Laufens eingefallen, sagte Fiammetta und schnappte nach Luft, daß ich Euch eigentlich einen recht dummen Streich gespielt habe. Konnten wir irgendwo besser aufgehoben sein, als unter dem Dache der edeln alten Dame? Und dann der liebenswürdige Don Luigi, der das Gelübde gethan hatte, jedem Menschen hilfreiche Hand zu leisten – 231 findet man Leute dieses Schlages so oft, daß man keine Ursache hat, von ihrer Herzensgüte Vorteil zu ziehen, wenn sie einem in den Weg laufen? Es ist wahr, der grimmige Don Ruffo konnte uns große Ungelegenheiten bereiten. Aber er war immer doch nur einer. Alle übrigen, zumal die wunderschöne junge Dame, hatten für uns wahre Sammetpfötchen. Wieviel Gläser sie mir eingeschenkt hat, und wieviel Leckerbissen sie mir auf den Teller packte! Und nun sind wir wie die Katze von dem Taubenschlag ohne Dank und Sang davon gerannt. Ich möchte mich prügeln, bester Herr! Ohne meine einfältige Angst beim Wiedererblicken Don Ruffos lägen wir jetzt im süßen Schlaf, Ihr in der Ölpresse, ich in dem Raume, der so stark nach Wein roch, und morgen früh ginge das fröhlich behagliche Leben von neuem an! Was meint Ihr, wenn wir noch wieder umkehren?

Ich würde ganz deiner Meinung sein, gab Don Adone nachdenklich zur Antwort, läge die Sache so einfach, wie du meinst. Gewiß, man hat uns soviel Liebes erwiesen, daß mir das Herz bei dem Gedanken daran blutet. Wie wird man sich morgen unsern nächtlichen Ausbruch erklären! Und du weißt noch nicht einmal alles, um was sichs handelte.

Ihr meint, die Wassermelonen und die Orangen – o, ich habe aus meinem Versteck so einige Worte erlauscht.

Weder von den Früchten, noch dem Schinken rede ich . . .

Es ward Euch auch ein Schinken versprochen? rief Fiammetta. Kehren wir um, Don Adone. Wenn Ihr wirklich auf der Reise nach Salerno besteht, haben wir die Pflicht, zu nehmen, was man uns irgend 232 gutwillig giebt. Kehren wir auf der Stelle um, bester, lieber Herr!

Don Adone sah sich nach der Seite um, wo die Villa Tiburzia, die sie umgebenden Baumpflanzungen und die Trümmerburg Don Luigis, von dem Nachtnebel silberweiß im Mondenschimmer umwogt, dämmergrau in den gestirnten Himmel hineinragten. Ich halte dafür, sagte er, daß die Früchte und der Schinken des armen Colantonio ein bloßes Hirngespinst sind. Offenbar hat der gute Mann seine fünf Sinne nicht beisammen. Er sprach über die schöne Capriccia-Pomponia in einer zu unbegreiflichen Weise.

Ach, was fällt mir ein! rief Fiammetta, man hatte sie ja für die Erbschaft zurechtgestutzt. Sie sollte ja die bewußte würdigste Nachkommin sein. Gehn wir, Don Adone! Das war mir ganz entfallen.

Ich würde unrecht handeln, sagte Don Adone, wollte ich in Salerno nicht nach der schönen Capriccia sehr gründliche Forschungen anstellen. Aber dein Vorschlag hat mein Gewissen noch einmal in andrer Richtung beunruhigt. Der treffliche Don Peselino hat mir nämlich verraten – nachdem ich ihm allerdings durch Offenheit entgegenkam –, daß ich der Mann bin, den eine Prophezeiung von unzweifelhafter Glaubwürdigkeit zum Gatten der schönen Capriccia bestimmt hat, und auf den sie seit Jahren wartet. Wenn ich nun auch . . . .

Fiammetta schlug vor Schreck die Hände zusammen. Ihr träumt, bester Herr! rief sie, zupft Euch einmal an den Haaren; Ihr träumt wahr und wahrhaftig. Aber wo bleiben denn auch all Eure schönen Pläne? Ich denke, Ihr wolltet nie und nimmer heiraten? Ihr wolltet ja ins Kloster gehn! 233 Und da ich Euch das ausredete, sagtet Ihr, dächte ich, es käme Euch auch nicht darauf an, mit meinen Tiegeln in Ruhe und Gemächlichkeit daheim wieder einmal ans Goldmachen zu gehn. Denket nur, was die Leute in Sant' Aniello die Augen aufreißen werden, wenn Ihr den ersten Topf mit purem Golde vom Feuer hebt und in die Kirche tragt! Und wißt Ihr was? Weil die gute Signora Trasi – Gott habe sie selig – Euch immer nur solche Töpfe borgte, denen schon irgend eine Rippe fehlte, und weil deshalb alle Eure Mühe bisher umsonst war, da meintet Ihr, würdet Ihr auch künftig mit Euern Tinkturen nur braune Brühen zusammen destillieren. Hoho! Ihr sollt Euch wundern! Die ganzen Spinde in unsrer Hanf- und Flachskammer stehn noch voll blitzblanker Töpfe. Die sollt Ihr alle haben! Hei! wollen wir den Leuten einmal aufspielen, daß sie vor Neid bersten. Was wettet Ihr – aber ich armes Eidechschen habe ja nichts zu verspielen! –, übers Jahr, wenn Iddio uns das Leben schenkt, kommt der Vizekönig mit Achten bei Euch vorgefahren und bittet Euch auf den Knieen, Ihr möchtet ihm Euer Geheimnis verraten. Ei! Ihr heiraten! Und noch dazu die zimperliche Prinzessin mit den Spinnwebenkleidern! Die wäre die Rechte, Euch Topf und Tiegel in Ordnung zu halten! Geht mir, Don Adone! – Und sie gab ihm einen herzhaften Schlag auf die Schulter.

Du hast einen so unglaublich langen Atem, sagte Don Adone, daß du dich bei einem Schmied als Blasebalg verdingen könntest. Soll mich denn das alles abhalten, mich der schönen Capriccia gegenüber so zu benehmen, wie es einem Manne von anständigen Sitten ziemt?

234 Bester Herr, rief Fiammetta, hätte ich ahnen können, daß man in der Villa droben von Eurer Vermummung weiß, nie und nimmer wäre ich auf den unglücklichen Einfall gekommen, Euch von Umkehren zu sprechen. Mag sein, daß Don Peselino reinen Mund halten kann. Aber nun soll auch die geschwätzige Capriccia in Euer Geheimnis eingeweiht werden? eine Weibsperson? Dabei glaubt Ihr noch mit heiler Haut in die Villa hinein und wieder heraus zu kommen! Iddio tröste Euch – Euch und mich! Denn an mich denkt Ihr wohl gar nicht . . .? Fiammettas Stimme hatte einen weinerlichen Klang angenommen.

Ich denke auch an dich, sagte Don Adone begütigend.

O nein, Ihr denkt nicht an mich! jammerte Fiammetta; aber gut, geht nur hinein und laßt aus mir werden, was will. Sie hängen mich auf. Was thuts? Euch kanns ja gleichgiltig sein, denn Euch gehts nicht an den Kragen. Davor seid Ihr sicher. Wird eine so vornehme Dame nicht Mittel und Wege wissen, Euch vor dem Hängemann zu schützen, wenn sie Euch doch einmal zum Manne begehrt! – Und warum müßt denn Ihrs gerade sein? Ich möchte wissen, was sie gerade an Euch findet? Giebts nicht Männer die Fülle im Lande?! Madre di Dio! Wie die Heuschrecken schwirren sie an allen Kanten! Was braucht sie gerade nach Euch die Finger zu lecken?

Sie ließ Don Adone nicht zu Worte kommen, bis Lazaro plötzlich in seiner ohrzerreißenden Weise einen in der Ferne von ihm gewitterten Kollegen mit dem herkömmlichen Eselsrufe: Gevatter!!! Gevatter!! Gevatter! und so weiter begrüßte, zuerst fortissimo, 235 dann nur forte und so stufenweise abwärts, als ob es nach der Vorschrift diminuendo e perdendosi ginge.

Man hat uns nachgesetzt, sagte Don Adone kleinlaut; kein Wunder! die unüberlegte Ausreißerei hat uns erst recht verdächtig gemacht.

Ihr irrt Euch in der Richtung.

Um so schlimmer! Kommt man von Castellammare aus hinter unsre Schliche, so haben wir nicht einmal mit Leuten zu thun, die aus Rücksichten durch die Finger sehen. Ist kein Gebüsch in der Nähe? Ich möchte um jeden Preis rasch das abscheuliche Weiberkleid los sein.

Da hört man schon Stimmen, sagte Fiammetta, oder ists nur eine, und zwar eine Kinderstimme? Jetzt kommt drüben etwas um die Ecke. Nun, mit diesem friedlichen Buschklepperchen werden wirs wohl noch aufnehmen können!

In der That war die Gefahr nicht groß. Auch Don Adone, der die Augen mit der Hand beschattete und gespannt auslugte, begann sich zu fassen. Ein hinkender Esel, sagte er, trägt eine Ladung frischer Maulbeerblätter, und eine Bucklige geht, indem sie dem Lahmen freundlich zuredet, nebenher. Wie manche Nacht hab ich meine selige Mutter mit Lazaro auf solchem Wege begleitet! Wenn unsre Seidenraupen am Fressen waren, ist sie, glaub ich, fast nie ordentlich ins Bett gekommen. Und daß sie nachts die Raupen nicht ebenso mit frischgepflücktem Laube gefüttert hätte, wie dies am Tage geschieht, das ist ihr, glaube ich, zeitlebens nicht passiert.

Fiammetta stimmte bei, denn es lag ihr nicht wenig daran, nur vor allem erst die Umkehrpläne Don Adones in Vergessenheit kommen zu sehen.

236 Inzwischen hatte es wiederum Begrüßungen zwischen Don Lazaro und dem herankommenden Eselein gegeben, und Lazaro machte jetzt plötzlich einige so ausgelassene Kapriolen und ging dann in einem so lebhaften Trabe der Kollegin entgegen – es war, dem Stimmklange nach, eine Eselin –, daß Fiammetta und Don Adone ihm ohne viel weiteres Überlegen folgen mußten.

Sie hatten die kleine Bucklige mit ihrem Tiere Halt machen sehen, und Don Adone, immer voll Mitleid, wenn er jemand unversehens Furcht einflößte, war bemüht gewesen, durch beruhigende Zurufe ihre Sorge zu beschwichtigen. Im Näherkommen sahen und hörten sie jedoch, daß die Bucklige sich durchaus nicht fürchtete, daß die Maulbeerblätter überhaupt schon am Ziele waren, und daß sich Nebbia, wie die Bucklige sagte, nur nicht von der Landstraße fort bringen lassen wolle, während das gute Tier sonst das letzte Stückchen Weges, hügelauf bis zur Casa Bisi – einem weißlich im Mondlicht herabschimmernden, kläglich zerfallnen Häuschen – immer am liebsten im Trab zurücklege. Beide – Nebbia und Lazaro – schienen in der That ausnehmendes Gefallen aneinander zu finden, und zwei seit langen Jahren getrennt gewesene Freunde hätten durch Worte und Umarmungen ihrer Freude nicht beredtern Ausdruck geben können, als die zwei Langohre dies thaten. Zuletzt legte Lazaro seinen Kopf quer über den Nacken Nebbias und blickte Don Adone mit einem so sprechenden Blicke an, daß Don Adone seine schon nach Lazaros Halfter ausgestreckte Hand wieder zurückzog und vor herzlichem Mitgefühl lächelte.

Die kleine Bucklige staunte den fremden Esel an. 237 Sie war eine kränklich blasse, magere Person von vielleicht zwanzig bis zweiundzwanzig Jahren, blatternarbig, mit leidenden Augen, ärmlich gekleidet, die Füße beide mit ciuccienartigen Leinwandstreifen umwickelt, einen groben Sack über Haar und Schultern. Sie hatte eine heisere Stimme, wie vom häufigen Draußensein in Wind und Wetter, aber in ihrer Miene lag etwas ungemein Gutes, Saubres und Weibliches.

Als Fiammetta, Don Adone und die kleine Bucklige mit dem Vorrat gütiger Zureden am Ende waren, die sie ebenso an Nebbia wie an Lazaro verschwendet hatten, um sie zu trennen, sagte Fiammetta, die in ihrer Männertracht füglich etwas ungeduldigere Töne anschlagen zu müssen glaubte: Wir werden hier auf diese Weise bis zum Morgen stehn können, Mutter. Was meint Ihr, wenn wir das gute Mädchen nach ihrem Hause begleiten? Die Nacht ist lau. Ich finde schon in irgend einem Schuppen Unterkunft. Euch räumt sie vielleicht in einem Winkel der Casa Bisi ein Plätzchen ein. Denn seht selbst: Lazaro hat sichs entschieden in den Kopf gesetzt, mit dem Nachtmarsch ein Ende zu machen, und wer weiß, wie recht er hat? In der That! wer treibt sich denn nachts auf der Landstraße herum? Man könnte uns nicht glauben wollen, daß wir um eines Gelübdes willen unterwegs sind; muß man sich aber erst rechtfertigen, da hat man schon halb verspielt.

Du sollst keine Mühe von uns haben, liebe Tochter, sagte Don Adone den Vorschlag Fiammettas unterstützend; wir haben freilich kein Geld zu verschenken, aber da man uns erst unlängst in einer andern Herberge in reichlicher Weise gesättigt hat, so nehmen 238 wir dafür die Gastlichkeit der Deinen auch durchaus nicht weiter in Anspruch.

Ihr kehrt bei armen Leuten ein, sagte die kleine Bucklige, und wenn ich der Madonna santissima nicht gerade heute schon zu arg mit Bitten in den Ohren gelegen hätte, so wäre ich, als ich Euch sah, wohl versucht gewesen, von ihr als himmlische Fügung ganz so etwas zu erflehn, wie es jetzt gekommen ist. Ich bin noch lange nicht mit dem Blätterpflücken zu Rande, und dabei ist niemand drinnen, der seine fünf Sinne beisammen hat.

Don Adone machte eine bedenkliche Miene.

Welches Kreuz, beste Signora! fuhr die Redende fort, in die fünfte Woche geht es nun schon so! Wenn mein armer Bruder das erlebt hätte! Ach Signora, man soll nicht sagen: Sterben ist ein Unglück. Wie gut ist er jetzt aufgehoben!

So redend hatte sie einen von niedrig herabhängenden Baumzweigen fast ganz versperrten Bergpfad eingeschlagen, der wie eigens für die untermäßige Statur der hinkenden Nebbia und nicht minder für die der Buckligen berechnet schien. Hurtig folgte Lazaro, langsamer Don Adone, noch langsamer Fiammetta, denn nach ähnlichen Erfahrungen, wie sie in dem Hause Niccolosas gemacht hatte, lüstete sie es nicht.

Und zu wem kommen wir denn eigentlich? fragte Fiammetta argwöhnisch.

Sie nennen mich hier in der Gegend Giuliana oder auch Torsella, gab die Bucklige während einer kurzen Steigepause dienstwillig Bescheid, den ersten Namen, Giuliana oder Nachtviole, haben sie sich erdacht, weil ich so oft nachts unterwegs sein muß, denn 239 die zwölf Tagesstunden reichen nicht immer aus; mir geht so manches nicht rasch genug von der Hand. Wie ich zu dem Namen Torsella oder Nadelkissen gekommen bin, weiß ich nicht zu sagen. Es soll in irgend einer Legende ein vielgeplagtes Frauenzimmer vorkommen, das der heilige Sebastian, als er noch ein unheiliger Spötter war, so betitelt, und an das er sich dann mitfühlend erinnert hat, als er von den vielen Pfeilen seiner Mörder durchbohrt am Marterpfahle stand. Damit wenigstens hat mich einmal Pater Luvi beruhigen wollen, als ich noch kindisch genug war, mich über diese Necktitel zu ärgern. Aber er hat mir auch vielleicht aus gutem Herzen etwas aufgebunden. Das wird ihm die Madonna schon nicht anrechnen. Getauft bin ich, zu dienen, auf den christlichen Namen Susina.

Da Fiammettas Neugier mehr in der Richtung der übrigen Bewohner der Casa Bisi zielte – denn daß sie alle nicht recht bei Sinnen sein sollten, war ihr besonders verdächtig –, so wiederholte sie ihre Frage in bestimmterer Weise und bekam nun den Bescheid, Cola Bisi, Susinas Bruder, sei Kapitän auf einem sizilianischen Kauffahrer gewesen und habe mit ihm weite, weite Reisen gemacht. Auf der letzten sei er leider Gottes verunglückt, und als habe es daran noch nicht genug sein sollen, sei die Trauerbotschaft so plötzlich und zu so unschicklicher Zeit eingetroffen, daß Colas Frau, Vigilia, darüber eine Fehlgeburt gethan und den Verstand verloren habe. Nun sitze sie schon in der fünften Woche drinnen und kenne ihre Kinder kaum, noch rühre sie eine Hand. Der Doktor habe gesagt, wenn sie nur erst an irgend etwas Anteil oder Freude bezeuge, so bringe er sie wohl noch wieder 240 zurecht. Aber wieviel sich Susina auch schon bemüht habe, ihre Stumpfheit zu brechen, es habe zu nichts geführt. Jetzt weiß ich nicht, schloß die kleine Bucklige, wird Eure Einkehr von ihr beachtet werden oder nicht? Daran hatte ich noch gar nicht einmal gedacht, und das wäre doch freilich die größte Gnade, die mir die Madonna erweisen könnte. Aber wir haben vier kleine Kinder im Hause. Da denkt Euch meine Lage, Signora, sagte sie, indem sie sich insonderheit zu Don Adone wandte, der sich vorkam, als sei er von der Scylla in die Charybdis geraten; die wollen abgewartet sein! Und daneben – wir haben eine Kuh und drei Schweine, Signora –, man möchte sich zerreißen, um nur für alle das Futter zu beschaffen. Nun ist auch noch die saure Zeit der Seidenraupen hinzugekommen. Auf die hat Vigilia sonst immer besondern Fleiß verwandt. Vielleicht, wenn sich alle glücklich eingesponnen haben werden, und der Himmel fügts, daß unter den Cocons recht viele weiße sind – ja darauf, Signora, steht nun meine ganze Hoffnung. So seht Ihr denn, mit wie wenig Mühe Ihr mir einen großen Dienst leisten könnt; nur daß ein verständiges Frauenzimmer in der Nähe ist, wenn Vigilia etwas zustoßen sollte, oder wenn eins der Kinder nach mir riefe. Dank dem Himmel sind sie liebe, gute Kreaturen. Aber Kinder sind Kinder. Und muß ich wie heute nacht immer draußen auf den Beinen sein, so preßt mir die Angst das Herz ab, und mir ists allenthalben, als höre ich meinen armen Cola rufen: Susina, Susina! Du vergißt ja meine armen Kleinen!

Es wird schon keinem mehr aufgeladen, als er tragen kann, sagte Don Adone, um die Bucklige zu 241 beruhigen; führt uns nur getrost hinein. Was geschehn kann, soll geschehn.

Fiammetta dachte für sich: Die Sache kommt mir verdächtig vor; ich werde nur aufzupassen haben, daß die angeblich verrückte Vigilia nicht über unsre Zecchinentasche gerät. 242

 

 

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