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Diogena

Fanny Lewald: Diogena - Kapitel 1
Quellenangabe
typefiction
booktitleDiogena
authorFanny Lewald
year1996
publisherUlrike Helmer Verlag
addressKönigstein/Taunus
isbn3-927164-37-2
titleDiogena
pages5-145
created19990308
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1847
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Iduna Gräfin H. H. (= Fanny Lewald)

Diogena

Roman


Erstes Buch

Es ist ein Vorzug alter, adeliger Geschlechter, daß sie vermöge ihrer Stammbäume zurückblicken können in die Vorzeit, die ihnen speziell zugehört, und daß sich dadurch in dem Bewußtsein der Nachkommen die Schicksalsfäden zu einem Ganzen verweben, die für den Niedriggeborenen nur einzelne zerstreute Tatsachen bleiben.

Überhaupt, wahre, großartige Schicksale hat nur die Aristokratie! Es gehört Muße dazu, ein Schicksal zu haben, es ist eine Vokation, eine Distinktion, ein Schicksal! Ein großes Schicksal adelt das Leben eines sonst müßigen, eiteln, frivolen Menschen, es fällt vom Himmel herab wie die edlen Prärogative der Geburt; aber es will nur von feinen Händen aufgefangen sein, es will nur in englische Parks und auf persische Teppiche herniederfallen; denn das Schicksal selbst ist ein Aristokrat des Himmels.

Oder denkt euch, ein großes, gigantisches, ein exklusiv tragisches Schicksal fiele auf das Leben eines Handwerkers herab! Wie könnte es sich da gestalten? Not und Sorgen treten so sehr in den Vordergrund, der Hunger und die Arbeit ertöten alle Sentimentalität, die Phantasien, die vagen Träumereien, die idealischen Erhebungen fliehen vor dem Klappern der Werkzeuge und das ignoble Verlangen hungernder Kinder läßt den Eltern weder für die poetischen Allüren des Herzens noch des Geistes freien Raum.

Wie anders gestaltet sich unser Los, die wir nie arbeiten, die wir nie hungern und die wir von dem Erdendasein nichts kennen als die Salons und die daranstoßenden Bowlinggreens; die Reisekalesche und die eleganten Hotels; die Armen, denen wir mit graziöser Nonchalance ein Almosen zuwerfen, die Dienerschaft, welche wir mit vornehmer Impertinenz ignorieren, und die Frauen unseres Standes – Rivalinnen, mit denen wir eine Lanze brechen – und die ebenbürtigen Kavaliere, Sklaven unserer hochadeligen Kaprizen, Spielbälle unserer phantastischen Herzensunersättlichkeit.

Oh! Das Leben ist schön auf diesen Höhen der Existenz! Wie die ewig lächelnden, leichtlebenden Götter des Olymps leben wir, und heißen Dank sollte das bürgerliche Gros der Menschheit denjenigen zollen, die ihm in ihren Romanen ein Abbild unseres Daseins gewährten, die ihm vergönnten, die Portieren zu lüften, hinter denen sich unsere aristokratische Existenz, unsere nobeln Passionen verbergen.

Ich liebe die Großmut in dem Charakter des Edelmannes, sie gehören zu ihm wie der Helmsturz in seinen Blason; und ich schätze die Milde in dem Herzen einer Frau, denn sie kommt ihr zu wie die blaßgelben Handschuhe ihren zierlichen Händchen. So will ich, obgleich es mein Herz zerreißt, untertauchen in die schmerzlichen Erinnerungen meines Lebens und mich sakrifizieren zum Besten der Roture, die schon seit Jahren mit blödem, adorierendem Staunen den mirakulösen Schicksalen unsers Hauses folgte.

Ich stamme von einem altgriechischen Hause ab, dessen Uranfänge sich in die Zeiten des Deukalion verlieren. Der erste Ahne, dessen Name in den Registern unsers Geschlechtes verzeichnet worden, ist Diogenes; seine Laterne, mit der er Menschen suchte, leuchtet in unserm Wappen. Er hinterließ keinen männlichen Erben, er selbst hatte in seiner schroffen, gewaltsamen Natur die Kraft ganzer Generationen verbraucht. Nur eine Tochter blieb von ihm zurück. Ihr vermachte er seine Laterne, sie segnete er in seiner Sterbestunde mit den Worten: »Suche einen Menschen, bis du den Rechten findest.«

Dies mysteriöse Wort ist der Segen und der Fluch unsers Geschlechtes geworden. An ihm sind die edelsten Herzen zerbrochen. Die ganze wandernde Rastlosigkeit, der ganze zynische Idealismus, oder soll ich sagen, der ideale Zynismus und alle Abnormitäten in dem Behaviour unseres Stammvaters sind auf uns übergegangen und machen heute noch die Grundzüge unsers Geschlechtes aus, das sich merkwürdigerweise fast nur durch die Geburt von Töchtern fortpflanzt. Die Laterne ist ein Kunkellehn geworden.

Ich übergehe mit rücksichtsvoller Diskretion das Leben der Frauen unsers Hauses im Mittelalter. Man ist es sich schuldig, égards zu nehmen und nicht freiwillig dem blöden Auge der Masse die partie honteuse seiner Familie preiszugeben. Wie leicht könnten bürgerliche Frauen, in deren rohe, von schwerer Arbeit zerstörte Hände mein Buch fiele, das edle, unbefriedigte Dasein meiner Ältermutter mißverstehen. Wie könnte eine Frau, die sich begnügt mit der kühlen Liebe eines bürgerlichen Regierungsrates und mit der waschenden und kochenden Pflichterfüllung in ihrer engen Sphäre, das große Leid einer Kaiserin Messalina, einer Lucrezia Borgia, einer Königin Johanna von Neapel verstehen! Wie könnte sie die Schmerzen rastlos suchender, ewig unbefriedigter Liebe verstehen, die in jenen Frauen so gewaltsam wurden, daß die glühende Liebe sich in Haß verkehrte und die Fackel des Hymen sich verwandeln mußte in den Dolch und in das Schwert! Oh, es gibt furchtbare Sensationen, es gibt tragische Emotionen in dem Dasein edler adeliger Weiber, von denen ihr nichts wisset, die ihr in den Tälern und nicht auf den Höhen des Lebens geboren seid!

Aber die nivellierende Macht der Zeit hat auch unserem Geschlechte die Titanenkraft gelähmt. Wir sind nicht mehr, was wir waren. Wir sind nervös geworden in der engen Atmosphäre der Städte, seit wir herabgestiegen sind von den Zwingburgen des Mittelalters. Wir haben das heilige Himmelsfeuer in unserer Brust zu verbergen gelernt, wir müssen uns menagieren. Der Dolch ist unserer Hand entfallen vor Schreck über das plebejische Institut der bürgerlichen Assisen, unsere Empfindungen sind dieselben geblieben.

Wir suchen heute noch das Ideal des Mannes, wie es unserer Phantasie vorschwebt – und wir finden es nicht; wir dürfen die Laterne in unserem Wappen noch nicht verlöschen, der »Mann par excellence« ist noch nicht in den Horizont unseres Hauses getreten. Wir suchen ihn durch alle Länder, durch alle Stände – vergebens! Wir finden den »Rechten« nicht, und doch muß er da sein, denn was bedeutete sonst die mysteriöse Laterne unsers Ahnen? Was bedeutete sein Segen, unsere mystische Devise? Wir, seine unglückseligen Töchter, sind die ewigen Juden des Herzens; dieses Suchen hat die Herzen meiner nächsten Verwandten usiert, die edle Toska Beiron, die geniale Faustine, die himmlische Gräfin Renate und meine göttliche Mutter Sibylle hatten ihre Herzen erschöpft in vergeblichen Liebesversuchen, und ich – ich verzweifle an der Liebesfähigkeit meines Herzens, und ich muß dennoch die Liebe suchen. Das ist ein großes, tragisches Schicksal!

Das Leben meiner Mutter ist bekannt bis zu dem Zeitpunkte, wo ihr der schöne Engel, ihre Tochter Benevenuta, starb, dies Kind ihrer ersten Ehe. Benevenutas Vater, Graf Paul, war gestorben. Meine Mutter hatte den brillanten Grafen Astrau geheiratet und sich von ihm getrennt, sie hatte gefunden, daß er nicht »der Rechte« sei. – Vergebens war es gewesen, daß der geniale Musiker, der edle Meister Fidelis, sie liebte, wie man Gott und die Sterne lieben würde, wenn sie sich in ihrer Unerreichbarkeit plötzlich als reizende, gefallsüchtige, phantastische Weiber zeigten. Weder Astraus: »Sibylle, wach auf!«, mit welcher Zauberformel er das Herz meiner Mutter aus seiner unmenschlichen und wohl darum göttlichen Apathie zu reißen strebte, noch Fidelis' tragische, verzweifelnde Klage: »Eine immense Seele, aber leer!« hatten in dem Titanenwesen meiner unglücklichen Mutter einen Funken wahren Gefühls hervorgerufen. Da schien es, als ob des Jünglings, des Grafen Wilderich Liebe sie erwärmen wolle; aber war es die Kälte der Gletscher, in deren Nähe sie lebten, war es einer der Zaubersprüche, die über uns schweben, meine Schwester Benevenuta liebte den Jüngling, und meine Mutter fühlte eine edle Apprehension, die Rivalin ihrer Tochter zu werden. Sibylle resignierte, und Benevenuta starb aus Gram, weil Wilderich nichts für sie gefühlt hatte. Vielleicht waren aber auch die ewigen Reisen meiner Mutter, auf denen Benevenuta sie von Kindheit an begleiten mußte, und der daraus folgende Wechsel des Klimas und der Lebensweise schuld an meiner Schwester Nervosität und ihrem frühen Tode.

Meine Mutter glaubte zu sterben vor Schmerz und Leere. Die Ärzte fürchteten eine Verknöcherung des Herzens für sie, da alle ihre Anlagen sie zu diesem Übel prädestinierten. Die Luft Roms lastete erdrückend auf ihr, sie mußte fort »in die Welt«, wie meine Tante Toska es bezeichnet hatte, als der edle Sigismund Forster um ihretwillen erschossen worden war. »In die Welt, gleichviel wohin!« rief meine Mutter ihrem Kuriere zu, als sie im Hotel Meloni an der Piazza di Popolo zu Rom ihren Reisewagen bestieg; und da ihr Kurier eine schöne Grisette im Quartier Latin zu Paris wiederzusehen wünschte, ließ er den Wagen nach Nordwesten fahren.

Mit geschlossenen Vorhängen, die Füßchen auf den Rücksitz gelegt und in kostbare Kaschmirs gewickelt, ganz allein, so fuhr meine Mutter durch die blühenden Fluren Italiens. Sie blickte nicht hinaus, denn ihre Seele war in ein apathisches Hindämmern versunken. Sie sprach kein Wort, weder mit dem Kurier noch mit ihrem Mädchen, das seit zwanzig Jahren in ihren Diensten war. Wie konnte sie auch sprechen mit Menschen aus jenen Sphären, die von den Elans einer Seele wie die immense Seele meiner Mutter keine Ahnung haben.

Es war im Spätherbste, als meine Mutter plötzlich das Halten ihres Wagens bemerkte und, zum ersten Male seit Rom die Augen aufschlagend, sich vor dem Hotel des Grafen Astrau zu Paris erblickte. Indigniert über dieses Ereignis, fragte sie den Kurier, wer ihr das getan habe. Der Kurier sah sie ganz verwundert an, er verstand nicht einmal ihren Zorn. In seiner bürgerlichen Einfalt hatte er gemeint, wenn die Gräfin Astrau es ihm überlasse, sie »in die Welt« zu fahren, so würde es wohl das Natürlichste sein, daß er sie zum Grafen Astrau bringe, von dem sie nur getrennt, nie geschieden worden war.

Während meine Mutter noch in sich überlegte, was sie zu tun belieben würde, öffnete ein Stallknecht das Portal des Hotels, eine elegante Gique rollte daraus hervor. Otbert Astrau, in dieser Trauer schöner und faszinierender als je, saß darin, an der Seite seines Grooms, der eine Trauerlivrée trug.

Sibylle sehen, herabspringen, ihren Wagen aufreißen und sie in seinen Armen die breiten Treppen des Hotels hinauftragen, war das Werk eines Momentes. Meine Mutter wußte nicht, wie ihr geschah. Willenlos lag sie in den Armen des Grafen. Seine Augen sprühten flammendes Leben in die erstarrten Glieder der wundervollen Frau. Er warf sich vor ihr nieder, er strömte alle Glut seiner Phantasie, alle Poesie seiner Dichternatur vor ihr aus. Er sagte ihr, wie er sie ersehnt seit lange, er klagte ihr, daß auch ihm seine Tochter, Arabellas Kind, plötzlich gestorben sei. Sibyllas Tränen um Benevenuta, die, zu Eis erstarrt, sich um ihr Herz gelegt, begannen zu schmelzen und zu fließen vor der Flamme seines Auges. Sie fühlte ihr grauenhaftes Isoliertsein, der Magnetismus seiner Natur, der Zauber seines ganzen Wesens begannen eine Reaktion in ihr zu erwecken, und von widerstrebenden Gefühlen angezogen und abgestoßen, sank sie, instinktiv seine Hände ergreifend, an seine Brust.

Ein kurzes, traumstilles Glück folgte dieser Stunde. Ihm verdanke ich mein Dasein. Aber kaum war ich geboren, als die Illusionen entschwanden, die sich verhüllend eine Weile zwischen meine Mutter und die Wirklichkeit gestellt. Sie hatte an Astraus Liebe glauben wollen, sie hatte gehofft, er werde dennoch »der Rechte« sein, nun das wilde Feuer seiner Jugend verraucht wäre. Aber was konnte für Sibylle ein Otbert sein, der wie alle Roués, und ein Roué war er immer gewesen, zu einem entschiedenen Materialisten geworden war. Der Tod seiner Tochter, das Wiedersehen Sibyllas hatten ihm für Momente einen Reflex seiner Jugend gegeben, und blitzschnell hatte er kombiniert, welche finanziellen Ressourcen eine Wiedervereinigung mit seiner immens reichen Frau ihm, dem armen Weltmanne, gewähre. Meine unglückliche Mutter war dupiert, trotz der vielfachen Erfahrungen, die ihr Leben ihr bereits gegeben hatte.

Wenige Tage nach meiner Geburt starb mein Vater in einem Duelle, das er wegen einer hübschen Tänzerin mit dem Redakteur eines oppositionellen Journales hatte. Meine Mutter war in Verzweiflung, nicht über den Tod ihres Gatten, denn dieser erlöste sie von einer freiwilligen Abhängigkeit, die sie gerade deshalb wie eine doppelte Schmach empfand; aber der edle Stolz ihrer Seele war verwundet dadurch, daß der Mann, dessen Namen sie und ihr Kind tragen mußten, sich mit einem Bürgerlichen geschlagen hatte. Sie blieb sich gleich in schöner Marmorkälte in jedem Moment ihrer Existenz.

Dieses Evénement rief ihren alten Herzkrampf hervor, und in der Alteration jener Tage verschlimmerte sich das Übel derart, daß sie starb, noch ehe ich getauft war. Friede ihrer Asche und Ruhe ihrer Rastlosigkeit!

Sie hatte verordnet, daß ich, zum Andenken an unsern Ahnherrn und als Bezeichnung unseres tragischen Geschickes, das uns »zu suchen und nicht zu finden« verdammt, Diogena heißen sollte. Oh, wie ist der Name mir eine ominöse Vorbedeutung geworden.

Meine Mutter hatte kurz vor ihrem Tode ein Testament gemacht, in dem sie bestimmte, daß ich, fern von dem Treiben und den Erregungen der großen Welt, auf unseren Stammgütern im Norden Deutschlands erzogen werden sollte. Einer Freundin, einem Fräulein von Dornefeld, ward meine Erziehung übergeben. Diese würdige und treue Pflegerin war der entschiedenste Gegensatz von meiner Mutter. Sie hatte in ihrer Jugend einen adeligen Referendarius geliebt, der früh gestorben war, noch ehe er sie zum Altar führen konnte. In treuer Liebe hatte sie den Witwenschleier über ihr Dasein geworfen und war still und einsam durch das Leben gegangen, Hilfe spendend den Hilfsbedürftigen und überall sich einfindend, wo es irgend eine Lücke auszufüllen gab. Meine Mutter hatte ihre Bekanntschaft im Hause unseres verehrten Verwandten, des Bischofs von Bamberg, gemacht, dem sie eine treue Pflegerin gewesen war bis an sein Lebensende.

Mit stummer Irritation hatte die gute Dornefeld die Exaltationen, das Meteorartige in dem Wesen meiner Mutter angestaunt, das ihr bald mirakulös, bald monströs erschienen war. Aber ihr ängstliches Staunen wich dem Gefühl des Mitleids, als sie sah, wie unglücklich diese Frau war, welche kometenartig die Bahn an dem Horizont des Lebens durchstürmte. »Oh, meine Gräfin!« hatte sie oft gesagt, »wie anders wäre Ihr Los geworden, hätte man Sie früh an eine treue, weibliche Brust gelegt; hätte eine linde Frauenhand die wilden Stürme dieser Natur durch milde Liebe magnetisch kalmiert.« Und mit solcher Konfiktion hatte sie diese Worte gesprochen, daß meine Mutter sich derselben noch auf ihrem Totenbette erinnerte und mich der treuen Seele zu übergeben beschloß.

Meine ersten Erinnerungen knüpfen sich an unser Stammgut und an die Dornefeld. Meine Mutter hatte gewünscht, mich von allem fernzuhalten, was meine jugendliche Seele eritieren konnte. Sie hatte es der Dornefeld zur Pflicht gemacht, für eine kräftige Entwicklung meines Körpers zu sorgen und meinem Geiste Zeit zu gönnen, sich innerlich zu developpieren, ehe man ihn nach außen durch Wissenschaft und Kunst zu beschäftigen suchen würde. Nur Frauen sollten mich unterrichten und in meiner nächsten Umgebung leben, denn meine Mutter erinnerte sich, wie früh sich ihr Verhältnis zu dem Meister Fidelius eigentlich entfaltet hatte, und wünschte mich davor zu bewahren.

So führte ich ein wunderbares Doppelleben. Auf einer Seite klösterliche Zucht und Einsamkeit, auf der andern ein wahrhaftes Elfenleben in Wald und Feld. Da mein Körper durch Übung entwickelt und dennoch männlicher Unterricht vermieden werden sollte, wählte die gute Dornefeld eine Mademoiselle Rosalinde, die früher Mitglied einer Kunstreitergesellschaft gewesen war, zu meiner Lehrerin im Reiten und ließ eine Hallorin, Margarethe Feller, kommen, welche mich im Schwimmen, Turnen und Schlittschuhlaufen unterweisen sollte.

Rosalinde war eine ganz aparte Erscheinung. Sie war schön gewesen, war adoriert worden von den brillantesten Kavalieren, bis ein unglücklicher Sturz vom Pferde ihre ganze Existenz bouleversierte. Sie mußte auf ihre Karriere renoncieren, und da in der Zeit, welche sie an das Krankenlager gefesselt verlebte, ihr Geist sich mit Intensität nach innen wendete, war der Wunsch nach einem reinen, moralischen Wandel in ihr rege geworden. Sie hatte einen Geistlichen verlangt, dieser hatte sie mit seiner Freundin, der guten Dornefeld, in Rapport gebracht, und so war sie von dieser in unser Haus aufgenommen worden, um sich zu erheben durch ein ruhiges Leben und mich zu bewahren von einem unruhigen, durch männliche Leidenschaften getrübten.

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