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Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: Dietwalt und Amelinde - Kapitel 3
Quellenangabe
typenarrative
booktitleGrimmelshausen Werke II (Bibliothek der frühen Neuzeit Band 17)
authorHans Jacob Christoffel von Grimmelshausen
year1997
publisherDeutscher Klassiker Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-618-66470-2
titleDietwalt und Amelinde
pages145
created20000831
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1670
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ERSTER THEIL.

NAch dem die unvergleichliche teutsche Waffen ums Jahr Christi 480. vor und nach / ihnen durch die gantze Welt den Ruff einer gleichsam an sich habenden unüberwindlichen Krafft erworben / So: daß sich auch kein ein einige fremde Nation mehr an sie zureiben erkühnen dorffte; genossen die jenige Helden / welche dieselbige so rühmlich geführt / die Früchte ihrer verrichten grossen Thaten / so da waren die Besitzungen der eroberten Länder ihrer überwundenen Nachbarn; Der gewaltige Held Dieterich von Bern ein Ost-Gothischer König hatte dem edlen Jtalia sampt Rom der berühmten Weltzwingerin selbst zugebieten: Der grosse Ludwig aber beherrschte das Königreich Galliam / dessen trefflicher Uberfluß seiner tapffern Lands-Kinder ehrmalen Rom in ihrer besten Blüt geplündert und alle Völcker deß Erdbodens erschrecket; Ja zu Bestättigung der neugewonnenen Wohnungen seine Siegs-Fähnlein aufgestecket hat; An diesem Gallia / so eben umb diese Zeit den Namen Franckreich von seinen neuen Innwohnern den teutschen Francken bekommen / hat damalen Gundwald der Burgundianer König / der Sequaner Gegend: Und Adelreich der West-Gothen König / beyde teutschen Herkommens / Aquitaniam besessen und regiert; Nach dem sie selbige Provinzen zuvor mit Gewalt den Römern abgezwungen hatten.

Weil sich dann nun nach denen vollführten schweren Kriegen eine Friedens Zeit ereignete / in deren angeregte teutsche Helden ihre sieghaffte Waffen ruhen lassen musten; gedachte der grosse Ludwig / der ihm selbsten nicht ohnbillich einbilden dorffte / under allen berühmten Kriegs-Fürsten seiner Zeit einer aus den gewaltigsten zusein / sich mit seinem Adel und Rittern / die in den Kriegen das Ihrige gethan / nicht allein zuergetzen / sondern sie auch hin und wieder seinen Uberwundenen Allemanniern vorzusetzen / und einen jeden nach seinen Verdiensten mit Land und Leuten zubelohnen; Zu welchem ansehenlichen Pracht den er scheinen zulassen gesinnet / er die benachbarte teutsche Christen-Könige wünschte / sie nicht allein seine Grosmächtigkeit sehen zulassen / sondern auch mit denselbigen nachbarliche Verständnis und Vertreulichkeit zustifften / um dardurch ihre in denen erst allerseits neulich eroberten Ländern angefangene Königreich wider aller fremder Völcker Macht zubefestigen; Derowegen wurden an alle Königliche Hoffhaltungen teutscher Nation dem damaligen löblichen Gebrauch nach Ehrenholden gesendet / Ludwigs Vorhaben und seinen zu solchem Ende angestellten offenen Hof zuverkündigen / und der Potentaten Personen selbst sampt ihrem Adel / Rittern und Frauen-Zimmer zu denen angestellten Turniern und Ritterspielen gebühret einzuladen.

Also erschienen ohne der Frantzösischen Cron zugewandte Fürsten auff die obbestimmte Zeit / König Ludwigs erster Schwär-Vatter aus Jtalia / der Weltberühmte Dietrich von Bern / mit seiner Schwester Amalfridis samt denen Princessinen Amelbergæ / Amelsindtis / Teutetusa und Teutelindis / davon die drey letztgenannte sein eigne: Jene aber besagter seiner Schwester Tochter war / beydes von Gestalt und Verstand daß allervollkommeste Frauen-Zimmer daß ihrer Zeit gantz Jtalia trug; Aus Thüringen so damalen kein geringes Königreich war / kamen die drey Königliche Printzen Herman / Friedberthar und Baltereich Gebrüder; von Wormbs König Gibig und seine Tochter Grimhild sampt dessen Ritterschafft / die zwar an der Zahl gering geschetzt: aber ihrer Fertigkeit und verwunderlichen Helden Stärck wegen unter den Ausbund der streitbarsten Helden deß ErdKreises gerechnet wurde; Aus Aquitania / Adelreich der West-Gothen König / und aus Burgund weil der regierende König Gundwald seines hohen Alters wegen nicht reisen konte / und seinen Ältern Printzen den jungen Gundebaldum bey sich haben wolte / zumalen dessen jüngster Printz Gottgiesel oder Gut-Gesell noch kaum aus der Wiegen kommen / langten an nur die zween mittlere Printzen / Gottmeyer und Hilffreich (welcher letzt gesagte Königs Ludwigs Gemahlin Clothilden Vatter war) neben Printz Sigismunden dem Heiligen / welcher obgenannten Printz Gundebalds Sohn: und also des alten regierenden Königs Gundwalds Enckel gewesen.

Ludwig der König in Franckreich und seine Eheliebste Clothilt erfreuten sich über der willigen Erscheinung so vieler hoher Königlichen Personen und tapfferer Helden / beydes der Fremden und ihrer nahen Verwandten: Nichts wurde gespart diese aller Edelste Zusammenkunfft königlich zuunderhalten / und mit allem Lust der nur zuersinnen war / zuergötzen; Vornemlich wurden damahl nach Gewonheit der alten aus blosser Kurtzweil mehr Sper zerbrochen und Schwerdter zerschlagen / als sonst in manchem ernstlichen Treffen drauff gehen; da musten etliche ritterliche Helden die zuvor niemalen wann es ohne Schertz golten / ihre Sättel geraumbt / hinder ihren Pferden aufstehen; Dann da war der Kern der besten Ritterschafft Europæ beisammen / die ihres gleichen weder von herkommender Art: noch an Kräfften deß Leibs oder in Ubung der Waffen auff der gantzen Welt nicht hatten; ein jeder fande da seinen Mann der ihm wiese was er gelernet; Dannenhero nicht auszusprechen / wie sich je einer über des andern Stärck / Tapferkeit und Erfahrung in den Waffen verwundert; Ein Tag trugen die Francken und Burgunder: den andern die Ost- und West-Gothen: und den dritten die Thüringer mit König Giebigs Helden den Preiß und Danck darvon; under welchen dreyen Partheyen sich viel vom alten Römischen Adel befanden / welche nach offt erlittener Niderlag vielfaltigen Plünderung und endlichem Verlust der Hoheit ihres Vatterlandes bey diesen teutschen Königen sich aufhielten; Ein jeder aus den gekrönten Häuptern / als Ludwig der Francken: Gibig zu Worms: Dietrich von Bern der Ost- und Adelreich aus Aquitania der West-Gothen König / schlossen aus dem Augenschein gegenwertig-erscheinender Helden-Stücke / welcher Fürst diese tapffere Leut allein beisammen in seinen Diensten hätte / daß er sich kühnlich unterstehen dörffte / die gantze Erd-Kugel durch sie zubezwingen.

Aber nichts artlicher und verwunderlicher ereignete sich bey diesen Ritterspielen / als dieses! Dietrich von Bern hatte seinen jungen Oehm Wittich einen tapffern Jüngling der grosse Hoffnung von sich gab: So dann Printz Gottmayer von Burgund seinen einigen Dietwalt mit sich gebracht / jeder der Meinung / ihnen von König Ludwigen ihre erste Haar benemen: und sie zugleich durch eines solchen sieghafften Monarchen Händ zu Ritter schlagen zulassen / welche beyde Stück mit dem allergrösten Gepräng verrichtet zuwerden pflegten; daß selbige beyde Jüngling die erste Prob ihrer Ritterschafft an sich selbst üben wollten / und dannenhero mit der allerschönsten Zierlichkeit und den Vörtheln als immer wolversuchte Ritter an sich haben möchten / so manchen Sper auff einander zertrümmerten und dannoch einander nicht Sattelloß machen konten; Eben also giengs auch mit den Schwerdtern / in welchem Gefecht keiner dem andern nichts vorgab; Dieser Unterscheid befand sich / daß Wittichs Streiche etwas dichter: Dietwalts aber so geschwind aufeinander fielen / daß die schnelle Bewegung einer Schlangen Zung gleich schiene / oder als ob er drey Schwerdter in der Faust gehabt hätte; viel tapffere junge Ritter gelustet / und wünschten die Ehr zu haben / ihre Stärck und Fertigkeit auch an diesen beyden zu üben; Aber der grosse Ludwig wolte es nicht zugeben / sondern erkandte daß sie mit gleicher Ehr die Schrancken verlassen: und auch ein gleichen Danck ihres löblichen Verhaltens aus den schönen Händen der überirrdischen Princessin Amelindæ seiner Tochter (die er ausser der Ehe neben Printz Dietrichen von Metz mit seiner Buelschafft dem allerschönsten Meisterstück der Natur erzeuget) empfahen solten.

Nicht weniger lieblich wars anzusehen / daß beyde junge Printzen nach abgelegten Helmen einander in die Arm namen / sich küssten / und in dem sich einer über den andern verwunderte / einer dem andern auch ewige Treu im Hertzen schwure; Der Ost-Goth Wittich war von falben krausen Haaren / etwas bräunlich / gleichwol aber sehr schön; mit seinen ob gleich brandtschwartzen Augen eines lieblichen Anblicks / und umb die Wahl kürtzer: aber hingegen auch besser undersetzt / und dem Ansehen nach von ein wenig starcken Gliedmassen zusammen gesetzet / als der Burgunder Printz Dietwalt; der hingegen von Person ein wenig länger: weit wolständiger gebildet: und mit einem zusammen geloffenen gelben Haar geziert war / welches dem besten Gold / ja der Sonnen-Stralen selbst an Farb und Glantz daß geringste nicht nachgab; Sein Angesicht war viel zärter als Manns-Bilder vor dem Frauen-Volck gewöhnlich zu haben pflegen / und mit den höchsten Farben so ordentlich undermischt / daß man wohl sagen können / die Natur hätte hierzu mit Fleiß keine andere gebraucht / als die jenige damit sie ja dem lieblichen Vor-Sommer nur Rosen und Lilien mahlet; Amelinda von deren diese zween junge Printzen den Danck zuempfahen / war mit nichts bessers zuvergleichen / als mit dem Helffenbeinenen Bild Pygmalionis deß Königs zu Tyro / von dem die Poeten schreiben / daß keine höhere Schönheit auff Erden hätte können geboren werden; Die Lieblichkeit ihres Angesichts und übrige wohlständige Geberden entzuckte gleich im ersten Anblick die Gemüther aller ihrer Anschauer / und in dem sie ihre vorwitzige Augen erfreut und belustigte / verwundet sie ohnen ihr Wissen und Willen zugleich ihre Hertzen; Mit welchen anzündenden Stralen der gute Printz Dietwalt / dessen Unschuld sein Tage noch nicht erfahren was Lieben were / vor andern am allerhärtesten getroffen wurde; Er empfieng daß Kräntzlein seines Ritterlichen Verhaltens kniend / welches ihm seine neue Gebieterin mit ihren schneeweissen Händen auff das Haupt setzte / und als er ihr dieselbige wie bräuchlich aus schuldiger Danckbarkeit küssete / geschahe solches weit mit einer andern Innbrunst / als sonst die Gewohnheit erforderte; Wordurch die keusche Princessin gereitzet wurde / den so tapffern als schönen Printzen genauer zubetrachten / und eben den jenigen Angel zuschlucken / der dem Dietwalt bereits im Hertzen stack; Der schnelle Verlust gehabter Freyheit gieng beyderseits so unversehens und mit einem solchen gewaltigen Sturm zu / daß diß Edel junge Paar die innerliche Flamm ihrer keuschen Hertzen mit ungeänderter Farb der Angesichter nicht verbergen konnte; welches der grosse Ludwig sampt der Königin Clothilt seiner Eheliebsten am eigentlichsten: und zwar lieber warnamen / als die jenige Liebs-Regungen die sie hernach anderwerts vermerckten; Woraus dann wie auch aus der Folge dieser Histori abzunemen / daß die alte teutsche Vertraulichkeit bereits damalen zwischen diesen benachbarten / gewaltigen Königen bey weitem nicht so groß und offenhertzig gewesen / wie man sich wol hätte einbilden mögen.

Dessen erste Ursach möchte meines wenigen Erachtens auff Seiten der Francken und Burgunder wol dem Underscheid der Religion zuzuschreiben gewesen sein; Sintemalen die beyde Gotische Könige / Dietrich und Adelreich dem Arianischen Jrrthum beygethan: worzu ihre Vorfaren von Weyland dem Kayser Valente durch selbiger Sect Bischoffe / die er ihnen vorgesetzt / da sie noch in der Gegend Moesiæ wohneten / verführt worden / da hingegen die Francken und Burgunder sampt dem König Gibig Catholischer Religion gewesen; Die drey Thüringische Printzen aber hatten sich mit ihren Unterthanen noch nicht eigentlich zum Christenthum; und also auch nicht zu keinem absonderlichen Theil erklärt; Die andere und zwar die Haupt-Ursach aber mag gewest sein / daß Adelreich mit seinen West-Gothern ein Theil von Gallia / nemlich daß gewaltige Hertzogthum Aquitaniam: Dietrich von Bern aber nach Odeacers Todt Rom und gantz Jtalia mit sampt Neapolis und den Jnsulen Sicilia und Corsica alleinig beherrschte / vor aller frembder Völcker Uberfall ritterlich beschützte / und noch darzu die benachbarte in der Forcht hielte / von ihm selbst überfallen zuwerden; und gleich wie er das Lob hatte / daß ihm weder an grosser Weißheit noch tapfferem Heldenmuth weniger an genugsamer Königlichen Macht im geringsten nichts abgieng / sich und die Seinige zubeschützen / also handhabet er auch hochrühmlich die Gerechtigkeit / hielte steiff über den guten hergebrachten Ordnungen / und bezeugte / welches das Meinste war / beydes gegen den Jtaliern und seinen Gothiern gleiche Lieb und Holdseeligkeit; So! daß seine löbliche Regierung beyderley Völckern nicht anderst als annemlich sein konnte / ja diese und andere seine Tugenden weren genugsam gewesen / nach damahliger Welt Lauff sich ein Monarchen der Welt zu machen / wann er nur gewolt; massen ihn nichts geirret hätte / seiner Würdigkeit nach Kayserl. Kron und Wappen anzunemen; wiewol er sich nur mit dem Titul eines Königs Jtaliæ genügen liesse; Dieser Ursachenhalber waren die Gothische Könige dem Christlichen Ludwigen etwas verdächtig nicht weniger entsetzlich / welche heimlich gefasste Grillen ein Mißtrauen erweckten und zugleich ein wachendes Aug eröffneten / auff alles genaue Achtung zugeben / wie sich beyderley Gothier Könige so wol gegen sich selbst als auch gegen den Thüringern und seinen Francken verhielten / ohnangesehen er hiebevor Dietrichs von Bern Tochter zur Ehe gehabt und zween noch lebende Printzen Hilffreichen und Lutharn aus ihr erzeuget; König Gibig / weil er von geringer Macht / wurde allerseits nicht sonderlich in Bedencken gezogen.

Andern Theils musten beyde Gotische König die Fränckische Macht die mit Eroberung Galliæ und gäntzlicher Uberwindung der Allemanier in kleiner Zeit groß worden / nicht unbillich entsitzen; der Westgoth zwar so viel desto mehr / umb daß er eine zu Gallia gehörige Provintz besasse / die mit etwas scheinbarlichem Vorwand von der Frantzösischen Cron eben so leichtlich gefordert und bekriegt / als bezwungen werden möchte; Dieterich von Bern aber sorgte / vornemblich weil obgemeldte seine Tochter die der Grosse Ludwig zur Ehe gehabt / vorlängst dem Leben geurlaubet / es dörfften diese Landzwinger durch die Fruchtbarkeit des edlen Jtaliæ verleckert und gereitzt werden / sich zu unterstehen / ihn aus seinem Nest zu treiben / warumb sich dieser Held zwar tapffer gewehrt haben würde; König Giebig und die drey Printzen aus Thüringen bekümmerten sich am wenigsten mit dergleichen Sorgsamen Gedancken / jener zwar / weil er als ein friedliebender alter Fürst einigen Potentaten so wenig Ursach gab ihn zu bekriegen / als wenig er gedachte sein kleines Reich mit List oder Waffen zu erweitern; diese aber / zum Theil weil sie noch jung und beydes mit den Gothiern und Frantzosen so nahe nicht benachbart waren; und dann daß der Grosse Ludwig seiner Mutter Basinæ halber ihr naher Verwandter gewesen / welche Oehmschafft sie zwar umb etwas sicher machte / aber gleichwol nicht vor aller künfftigen Gefahr befreyete; das Königliche Burgundische Haus steckte zwar soviel den alten König Gundebald und seinen ältern Printzen gleiches Nahmens / anbelangt / gegen den Ost-Gothiern in Jtalia und den Francken in Gallia in etwas heimlichem Mißtrauen / wessentwegen dann besagter Printz bey diesem offnen Hof auch nicht erschienen / und hatten doch gegen König Ludwigen ein zwar ungewisse: aber doch bessere Hoffnung / als die Gothier und Thüringer / weil er nicht allein mit ihnen ein gleiche Religion: Sondern auch Clothilden Printz Hilffreichen von Burgundien Tochter zur Ehe hatte; Also waren nun die Gemühter dieser gewaltigen Könige beschaffen; jedoch begegneten sie einander in dieser Zusammenkunfft so höflich / und bezeugten allerseits ein solche Verträulichkeit / daß der Tausentste nicht das geringste Mißtrauen zwischen ihnen hätte argwohnen könnten.

Adelreich der Westgothier König so sich der Schwächste auff den Beinen: der nächste Nachbar der Francken: und also auch der besorgenden Gefahr am allermeisten unterworfen zu seyn befande / machte sehr verträuliche Freundschafft zu den Thüringern / ohne daß er mercken liesse was er damit suchte; aber gegen Dieterichen von Bern liesse er sich gantz offenhertzig vernehmen / mit was für Gedancken er bishero in seinem Gemüht zu handtieren durch den glücklichen Fortgang der Fränckischen Waffen veranlagt würde / mit Bitt / er König Dieterich wolle solches gleichfalls genugsam bedencken / und mit ihm Adelreich eine Schutz-Bündnis aufrichten / umb sich vermittelst derselben wider alles der Francken besorgendes Beginnen / so sie wider einen oder den andern aus ihnen beeden vornehmen möchten / mit zusammen gesetzter Macht zu vertädigen; Dieterich von Bern aber / dessen hoher Helden Sinn glatt niemand verbunden seyn wolte / schlug solches ab; jedoch mit einer solchen Art / daß er diesen König gleichwol auff allen Nohtfall den Trost seiner Hilffe nicht beraubte; wie er dann auch den Thüringern / so ihn etwan eben hierumb ersucht / gleiche zweiffelhaffte Hoffnung geben.

Jndessen machte sich alles lustig / als worzu diese ansehenliche Zusammenkunfft und dabey angestelltes Freudenfest vornemblich angefangen zu seyn schiene; neben den Turniren wurden auch kurtzweilige Wirthschafften / Ringelrennen / artliche Täntz und Lust-Jagten gehalten und altem Teutschen Brauch nach der Trunck ohnzweiffel nicht vergessen / worbey sich alles frölich erzeigte und bekannt: Und Kundschafft zusammen machte; welches alles eigentlich und weitläuffig zubeschreiben / der Großgünstige Leser / als eine unnöhtige Sach mir verhoffentlich nicht zumuhten wird.

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