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Die wunderbare Gesellschaft in der Neujahrsnacht

Jean Paul Richter: Die wunderbare Gesellschaft in der Neujahrsnacht - Kapitel 1
Quellenangabe
typenarrative
booktitleDas Diogenes Lesebuch klassischer deutscher Erzähler I
authorJean Paul
year1980
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20727-1
titleDie wunderbare Gesellschaft in der Neujahrsnacht
pages52-65
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1801
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Jean Paul

Die wunderbare Gesellschaft in der Neujahrsnacht

(1801)

Wir haben alle schon verdrießliche Geschichten gelesen, die uns mit der lieblichsten Irrhöhle voll Verwicklungen bezauberten und ängstigten und uns unruhig nach einem hellen Ausgang bogenlang herumgreifen ließen, bis endlich die unerwartete Zeile, »als ich erwachte,« uns die ganze Höhle unter den Füßen wegzog. Bei dem zweiten Lesen fanden wir dann alles durchsichtig und hell und waren nicht mehr zu peinigen. Eine solche trockne Historie ist gottlob meine von der wunderbaren Nacht-Gesellschaft nicht; ich war leider bei der Erscheinung derselben so wach als jetzt, und saß am Fenster.

Vorher muß sich der Leser einige Personalien von mir gefallen lassen, damit mein erbärmliches Benehmen gegen die Nacht-Sozietät, das meinen Mut mehr verbirgt als zeigt, zu erklären ist. – Nachmittags am Valettage des ein Jahr lang sterbenden Säkulums ging ich von 3 bis 8 Uhr nachdenkend in meinem Schreibzimmer auf und ab, weil ich vor Migraine nichts schreiben konnte; und hatte besonders über den unabsehlich-langen um die Erde kriechenden Strom der künftigen Zeit meine schwermütigen Gedanken, wovon ich am Neujahrstage die besten ausklauben und niederschreiben wollte für dieses Werkchen. In die hinter fünf, sechs Jahrtausenden liegende Vergangenheit zurückzuschauen, gibt uns mutige Jugend-Gefühle; sie kommt uns als unsere antizipierte Kindheit vor; hingegen vorauszublicken weit über unsern letzten Tag hinweg, und unzählige Jahrtausende herziehen zu sehen, die unsern bemooseten Spiel- und Begräbnisplatz immer höher überschneien und auf uns neue Städte und Gärten und auf diese wieder neuere und so ungemessen fort aufschichten, dieses ewige immer tiefere Eingraben und Überbauen verfinstert und belastet uns das freie Herz. Dadurch verdorrt uns die Gegenwart zur Vergangenheit und sie wird von todtem Schimmel traurig überzogen. Der Geist des Menschen hasset nach seiner Natur die Veränderung, erstlich, weil er sie außer sich nur bei großen Schritten und nie in ihrem ewigen Schleichen wahrnimmt, und zweitens weil er sie in sich weniger merkt, wo er der unveränderliche Schöpfer seiner eignen ist; dem Regenbogen und Lauffeuer in und außer sich sieht er nicht an, daß immer nur neue Tropfen und neue Funken sie bilden.

Und gerade am Nachmittage, wo ich mein Inneres mit Trauertuch ausschlug und den Flor anlegte für das einschlummernde Jahrhundert, war ich ganz allein in meinem Schlößlein zu Mittelspitz – Hermine war in der Stadt bei einer kranken Freundin, und wollte erst Nachts heimkommen, »obwohl noch in diesem Jahrhundert«, nach dem gewöhnlichen säkularischen Scherz, den der Mensch nicht lassen kann – ich saß oben einsam in meinem Museum, unsere Magd war unten im Bedientenzimmer – wegen der grimmigen Kälte lagen alle Lehnsmänner meiner Mittelspitzischen Krone in ihre Schneckenhäuschen eingespündet und das dunkle Dörfchen war still. –

Mir war nicht wohl, sondern etwa so in meiner Haut, als hätte sie mir Nero harzig anpichen und annähen lassen, um mich in seinem Garten zu lanternisieren. Ein ätzenderes Sublimat für flüssige Gelehrten-Nerven konnte wohl schwerlich erdacht werden, als rechte Dezemberkälte ist; jeder Schnee ist ein Märzschnee, der sie abfrisset, der Frost ist ein Baumheber für unsere Wurzeln, kurz, wenn Todes- und Fieberkälte ein Auto da Fe ist, so ist Winterkälte ein Autillo da Fe. Leben kann man ohnehin nicht, nur leiden. So schwächten nun Frost und Migräne gemeinschaftlich alle Entschlossenheit in mir, die ohnehin zur Winterszeit in keinem Wesen zunimmt, das nicht gerade ein Wolf ist.

Beklommenheit umspannte mein Herz, ich sah den Menschen trotzig mit dem Schwerte in der Hand unter einem über dem Haupte fechten, und sah das Haar nicht einmal, das es trug. Noch engbrüstiger setzte ich mich nach dem einsiedlerischen Essen in die Fenster-Ecke, bedeckte die Augen mit der Hand und ließ alles vor mir vorüberziehen, weswegen der Mensch das Leben eitel und nichtig nennt – schnell eilten die künftigen Jahrhunderte, wie Fixsterne vor dem Sternrohr, vorbei, endlich kamen lange Jahrtausende und trieben ein Volk nach dem andern aus den Städten in die Gräber; die Generazionen verfolgten einander wie fliegende Strichregen und schossen in die Grüfte herunter und rissen den Himmel auf, worin der Todesengel sein Schwert durch die Welten hob und keine Sterbenden, sondern blos das Sterben sah. –

Während dieser Phantasien war mir einigemale gewesen, als hört' ich leise Worte; endlich vernahm ich nahe an mir diese: »die drei Propheten der Zeit«; ich tat die Hand vom Auge – – die wunderbare Nacht-Gesellschaft war im Zimmer. Ein langer, todtenblasser, in einen schwarzen Mantel gewickelter Jüngling mit einem kleinen Bart (wie der an Christusköpfen), über dessen Schwarz die Röte des lebendigen Mundes höher glühte, stand vor mir, mit einem Arme leicht auf einen Stuhl gelehnt, worauf ein erhaben-schöner, etwa zweijähriger Knabe saß und mich sehr ernst und klug anblickte. Neben dem Stuhle knieete eine weißverschleierte, mit zwei Lorbeerkränzen geschmückte Jungfrau, von mir weggekehrt gegen den hereinstrahlenden Mond, eine halb rot, halb weiße Lankaster-Rose in der Hand, eine goldne Kette um den Arm – die Lage vor dem Knaben schien ihr vom schwesterlichen Zurechtrücken seines Anzugs geblieben zu sein. Sie glich mit der niedergebognen Lilie ihrer Gestalt ganz Lianen, wie ich mir sie denke, nur war sie länger. Auf dem Kanapee saß eine rotgeschminkte Maske mit einer seitwärts gezognen Nase und mit einer Schlafmütze; neben ihr ein unangenehmes mageres Wesen mit einem Schwedenkopf und feuerroten Kollet, höhnisch anblinzelnd, das nackte Gebiß entblößend, weil die Lippen zu kurz waren zur Decke, und ein Sprachrohr in der Hand.

Himmel! wer sind sie, wie kamen sie, was wollen sie? – An Räuber dacht' ich nicht im Geringsten – so nahe auch der Gedanke lag, es könnten ja während unsers Dialogs Helfershelfer mich ausstehlen, mir die Juwelen einpacken und das Federvieh aus den Ställen austreiben –; die edle feierliche Gestalt des bleichen Jünglings vertrat mir sogleich diesen kleinlichen Argwohn. Ob es nicht Wesen entweder der zweiten Welt oder meines Gehirnglobus sind? Wahrlich diese Frage hatt' ich später zu tun. Sonderbar war's, daß sie mir alle ganz bekannt vorkamen, sogar die Stimme der Maske, indeß ich mich doch keines Namens entsann.

Aus einem gelinden Nervenschlag – nicht aus elender Mutlosigkeit – muß es abgeleitet werden, daß ich unvermögend war, mich zu regen, geschweige zu erheben, als der hohe Jüngling winkte und langsam sagte: »tritt in das Reich der Unbekannten und frage nicht, wir verschwinden mit dem Jahrhundert – das eine Jahrhundert erntet der Mensch, das nächste erntet ihn – der Engel der ZeitZwei Flügel verhüllen die Füße der Seraphim, zwei das Haupt, zwei tragen sie. fliegt mit sechs Flügeln, zwei decken ihren Ursprung, zwei decken ihren Ausgang, und auf zweien rauscht sie dahin – Heute heben wir die Flügel auf, die auf ihrem Antlitz liegen!« – »Schaudert nicht, mein Herr (sagte die Maske und ihrzete mich, wie Leute tun, die lange in Frankreich und Italien gewesen) – wenn alles Erscheinung hienieden ist, so ist der Schauder darüber auch eine und nicht sehr erheblich – der Ernst ist ein wahrer Spaßvogel und der Spaß ein Sauertopf, ich stehe mit beiden auf freundschaftlichem Fuß – Bossü versichert, in die Nacht sei keine Tragödie zu verlegen; das wollen wir heute sehen, wenn der Polterabend des Jahrhunderts verstummt in Einer Minute um 12 Uhr, nämlich in der sechzigsten.« –

»Mein Name ist Pfeifenberger (redete der widrige Schwedenkopf mich durch das angesetzte Sprachrohr, aber leise, an). Wir sind die drei Propheten der Zeit und weissagen Ihm, mein Freund, so lange, bis das Jahrhundert dezembrisiert ist. Ich spreche zuerst.« –

Die Jungfrau schwieg, der Knabe sah unwillig gegen den Schwedenkopf, der schöne Jüngling hatte die Hand der Jungfrau genommen und beschauete auf dem Ringe ein herrliches großes Auge, dem gleich, unter welchem sonst die Maler den Allsehenden vorstellten.

Pfeifenberger fing an: »in der künftigen Zeit wird freie Reflexion und spielende Phantasie regieren, keine kindischen Gefühle; man wird keinen Namens- und Geburts- und Neujahrstag mehr feiern und kein Ende des Jahrhunderts, weil man nicht weiß, wenn es schließet, ob bei dem ersten Viertel- oder letzten Glockenschlage, oder ob bei dem Ausgehen oder bei dem Anlangen des Schalles; und weil in jeder Minute 100 Jahre zu Ende sind. Auch wird die Erde, eh' sie verwittert, noch oft von anno 1 an datieren, wie die Franzosen – Die Juden und Priester werden aufhören, und die Völker, die Weiber, die Neger und die Liebe frei werden – Sprachgelehrte werden in allen Bibliotheken nach einer Edda und nach einer Bibel forschen, und ein künftiger Schiller wird das neue Testament lesen, um sich in die Charaktere eines Christen und Theisten täuschend zu setzen und dann beide aufs Theater – Griechenland wird wie Pompeji den Schutt der Zeit abwerfen und, von keiner Lava übergossen, werden seine Städte in der Sonne glänzen – Große Geschichtsforscher werden, um nur etwas von den Begebenheiten und Menschen des barbarischen, kleinstädtischen, finstern Mittelalters (so nennen sie das aufgeklärte Jahrhundert) zu erraten, sogar einen daraus übrig gebliebnen homerischen Hans Sachs studieren, von dessen Werken ein künftiger Wolf erweisen wird, daß sie von mehrern Sängern zugleich gemacht worden, z. B. von einem gewissen Pfeifenberger – was freilich Seine opuscula omnia anlangt, mein guter Freund, (- hier lächelte das Eisfeld; denn zu einem Eisberg war das Ding nicht kräftig genug) so wird es dem besten Literator, der sich zum Studium der seltensten Inkunabeln sogar bis ins zwanzigste Jahrhundert zurückgewühlet, nicht glücken wollen, mit irgend einer Notiz von Ihm und Seinen Schreibereien auszuhelfen.« –

– Es wäre mir in dieser Gespensternacht nicht zu verdenken gewesen, wenn ich von diesem Überläufer aus dem jenensischen Amizistenorden in den Inimizistenorden einigemale geglaubt hätte, den lebendigen Teufel vor mir zu haben. Aber seine Hoffnung, daß die kultivierte Zukunft keinen Gott und Altar mehr haben werde – wie bei den Juden nur unpolierte Steine zum Altare taugten, – sein vernünftiger Frost, worin keine Blumen mehr wachsen, als die aus Eis – seine perennierende Aufgeschwollenheit, die ihn gegen jede Rüge verpanzert, wie nach dem Plinius sich der Dachs durch Aufblasung gegen Schläge verwahrt – und seine Bitterkeit, die jetzt die sanftesten Neuern (mich selber ausgenommen) mehr an als in sich haben, so daß sie wirklich so gut zu genießen sind, als die Staaren, denen man, bevor sie gebraten werden, blos den bittern Balg abzieht – – alles dieses zeigte leicht, daß er mehr zu den sanften Neuern zu schlagen sei, als zu den Teufeln selber.

Obgleich die Pfeifenbergerische Bosheit wieder Lebensfeuer unter meinen vom Gespensterhauche kalt geblasenen Nerven anschürte: so machte doch die Kälte, womit der Schwedenkopf menschliche Gesichter in Brod bossierte und die Physiognomien einem schwarzen Spitz unter dem Kanapee zu fressen gab, mir es schwer, ihm wie einem rechten Menschen zu begegnen. Ich fing denn so gefasset, als ich konnte, an: »Ich antwort' Ihm, mein Pfeifenberger, auf Seine Weissagung nur mit Still- und anderem Schweigen, besonders puncto meiner. In kalte Zeiten, wo die Menschen nichts mehr im Herzen haben als ihr Blut, verlang' ich nicht einmal hinein, leider sind jene von der ewig wachsenden Volksmenge des Erdballes zu fürchten, die wie eine große Stadt und Reise und aus gleichem Grund Kälte gegen Menschenwert mitteilt; der Mensch ist jetzt dem andern nur im Kriege so heilig, wie sonst im Frieden, und im Frieden so gleichgültig, wie sonst im Kriege. Übrigens bescheid' ich mich gar gerne, daß Jahrhunderte, ja Jahrtausende kommen, die mich nicht lesen. Wie bisher, so muß künftig mit der Ausdehnung und Durchkreuzung der Wissenschaften, mit dem Veralten der Schönheiten und mit der Übung des geistigen Auges die Kürze des Styls, die Verwandlung alter Bilder in neue Farben, und kurz der ästhetische Luxus höher steigen; mithin wird ein zeitiger Schreiber, wie ich, zwar anfangs noch eine Zeitlang als korrekt mitlaufen, aber endlich werd' ich als gar zu nüchtern, als ein zu französischer ha- und magerer zweiter Gellert, der blos glatt- und matten Leipzigern gefallen will, bei Seite geschoben. Niemand ist wol von diesem Unglück mehr fester überzeugt, als ich selber. – Irgend einmal wird Sein und mein Deutsch, Freund, sich zu dem künftigen verhalten, wie das in Enikels Chronik zum jetzigen; wir werden also gerade so oft auf den Toiletten aufgeschlagen liegen, als jetzt Otfrieds Evangelium, nämlich blos um die einfältige Schreibart und die Reinheit der Sitten zu studieren an Ihm und mir.

Wahrlich bei einer gar zu langen Unsterblichkeit verflüchtigt sich der Autor und nur der Bodensatz, das Werk, sitzt fest; ich wünschte nicht, ein Konfutse, Homer oder Trismegistus zu sein (ihre breiten Namen sind in ein unartikuliertes Luft-Pfeifen gefahren), sondern lieber etwas näheres und kompakteres, etwa ein Friedrich II., oder ein J. J. oder ein Pfeifenberger nach Seinem Tod.« –

Hier wurd' ich, zumal in einer so kranken Haut, ungemein erweicht von einem benachbarten Gedanken: »ich werde also so gut verschwinden, fuhr ich fort, wie mein Jahrhundert – die Sanduhr der Zeit wird ihren Hügel so gut über mich gießen, wie über den Hesperus am Himmel, wahrlich ich werde und muß einen letzten Leser haben... Letzter Leser – – eine wehmütige und sanfte Idee! Beim Himmel! ich häng' ihr irgend einmal nach und rede den Menschen an und sage etwan:

O du, in dem ich mit meinen spielenden Kindern und mit meinem ganzen Herzen zuletzt wohne, sei der Seele günstig, an die auf der weiten Erde und in der weiten Zukunft kein Freund mehr denkt als du, und deren Träume und Welten und Bilder alle sterben, wenn du einschläfst. –«

Der Knabe nickte, als meint' ich ihn. Der ernste Jüngling schien niemand zu hören.

Jetzt fing die geschminkte Maske einen entsetzlich-langen Perioden an und sagte mit eintöniger ergreifender Stimme: »Wenn die große Uhr in der Marienkirche zu Lübeck nicht mehr zu brauchen sein wird, weil sie gar zu oft umgestellet worden, und weil auch der Mond schon anders umläuft als sieSie zeigt den tägl. Stand und Gang der Himmelskörper etc. bis zum Jahre 1875; dann muß sie verändert werden. – Wenn mancher Hottentott noch einen alten, ›nach verbesserter und alter Zeit wohl eingerichteten lustigen Historienkalender auf das gemeine Jahr 100 000‹ vorweisen kann, den seine Urgroßeltern durchschießen lassen, um Termine, Gäste und Haushaltungssachen auf treuherzige alte Weise (der Enkel kann's nicht ohne Lächeln lesen) einzutragen – Wenn die bittere Zeit da gewesen ist, wo Menschenliebe in keinen Herzen mehr war, außer in denen der Hunde – Wenn, obwol lange nach der Eroberung Europa's durch die Amerikaner der häßliche Weißen-Handel aufgehört, den die Schwarzen zum Teil nach ihren nordindischen Besitzungen hingetrieben – Wenn wegen der entsetzlichen Bevölkerung alle Dörfer sich zu Städten ausgebauet und die großen Städte mit den Toren an einanderstoßen und Paris blos ein Stadtviertel ist und der Landmann oft auf seinem Dache ackert, das er ganz artig urbar gemacht – Wenn in ganz Europa so schwer ein hölzernes Haus zu finden ist, wie jetzt ein goldnes, blos weil man bei dem mir begreiflichen Holzmangel statt der Silberstangen Holzstangen sowol aus Indien holen muß, als aus unsern Schachten, wo die Vorwelt sie so vorsichtig aufgespeichert; daher es leidet zu erklären, warum man dann Glas nur mit sich, nämlich mit Brenngläsern macht, und warum man im Winter so künstlich von außen heizt mit der Sonne durch besonders geschliffne Scheiben – Wenn endlich, weil durch ewiges Graben und Münzen das Geld schon lange zu spanischem Eisengeld devalviert geworden, nur Perlen die kleine Münze sind und Juwelen die große – wenn die Prachtgesetze die einfache alte wohlfeilere Tracht zurückgeführt, indem sie überall auf Seide bestanden, und wenn die Mode die höchsten Verlängerungen und Verkürzungen (bis zur Nazionalkleidung der Menschheit, der Nacktheit) und jede Versetzung durchgespielt, so daß bei Weibern die maillotsIch brauche den Leserinnen wol nicht zu sagen, daß dieses erst zukünftige Moden sind. , die Schürzen am Hals, die am Rücken, die hinten offnen Todtentalare, die bed-mats, und bei den Männern die mat-beds, die peaux de lion, die Berghabite, die hinten zugeschnallt und zugespitzten Schuhe, die hinten zugeknöpften Röcke, der doppelte SchuhAn den jetzigen eigentlich halben Schuh wird nämlich künftig hinten ein neuer angebauet, der leer bleibt wie unser hoher Hut. und die Schleier und Schürzen wieder schon ein paarmal ab- und aufgekommen sind – Wenn die Handwerker und Gelehrten in immer kleinere Subsubdivisionen auseinander gewachsenDer Wilde und der Westphälingische Bauer machen sich, wie der Redner Gorgias, alles selber; mit der Kultur teilen sich die Handwerker auseinander; diese Abteilungen werden sich wieder spalten, und z. B. die Mundköche sich in Vögel-, Fischköche etc., diese wieder in Lachs-, Forellen-, Karpfen etc. Köche sondern. Bei den Gelehrten werden die Abästungen noch üppiger ausfallen. Z. B. in der ungeheuer aufwachsenden Geschichte wird jedes Volk, jedes Jahrtausend seinen eignen Historiker fodern, der von seinem historischen Wandnachbar gar nicht zu wissen braucht, daß er in der Welt ist. – Wenn das letzte wilde Volk aus seiner Puter-Eierschale ausgekrochen, und zwar schneller als das ersteVölker (wie Kinder moralisch und physisch) wachsen anfangs am schnellsten und stärksten; in einer gewissen Höhe der Kultur kann die Menschheit sich nur langsam ändern und höher heben, wie alle Sterne vom Horizont schneller aufsteigen als von der halben Bahn. , weil alle zahme an der Schale hackten, wenn zwischen allen Völkern, wie jetzt zwischen Herrnhutern und Juden die Schiffe wie Weberschiffe verwebend hin und her schießen und der Thüringer seinen nordamerikanischen Reichsanzeiger mithält und den afrikanischen Moniteur – Himmel! wenn dann der ganze Globus schreibt, der Nord- und der, Südpol Autor ist und jede Insel Autorin, wenn Rußland die Werke selber verfertigt, die es eben daher früher nicht eingelassen, und die Molucken mit den Gewürzen aus Habsucht die Makulatur dazu liefern und die Kamtschadalen alle die Blasphemien, Zweideutigkeiten und Höhnereien, die sie vorher mündlich verrauchen ließen, besser in Romane auffangen; wenn natürlicher Weise eigne Städte gebauet werden müssen, wo blos Bücher wohnen, so wie ganze Judengassen blos für schreckliche Registraturen; wenn die Menge so herrlicher Genies und die Menge der Nazionalgeschmäcke so vieler Inseln, Küsten und Jahrhunderte die höchste Toleranz, Übersicht, Vermischung und Laune geboren – Wenn man die Wolken so richtig, wie kürzere Sonnenfinsternisse prophezeien kann, Schwanzsterne ohnehin; und wenn die Flora und Fauna im Monde so gut bearbeitet ist, als die Länderkunde des Abendsterns – Wenn alle Raphaele verwittert, alle jetzigen Sprachen gestorben, neue Laster und alle mögliche Physiognomien und Charaktere da gewesen, die Zartheit und Besonnenheit und Kränklichkeit größer, die Hohlwege zehnmal tiefer und die tiefsten Wahrheiten platte geworden – Wenn Flotten von Luftschiffen über der Erde ziehen und die Zeit alle ihre griechischen Futura durchkonjugiert – Wenn alles unzähligemale da gewesen, ein Gottesacker auf dem andern liegt, die alte runzlichte graue Menschheit ein Jahrtausend nach dem andern vergessen und nur noch, wie andere Greise, sich ihrer schönen Jugendzeiten in Griechenland und Rom erinnert, und der ewige Jude, der Planet, doch noch immer läuft – – sag' an, o bleicher Jüngling, wenn schlägt es in der Ewigkeit 12 Uhr und die Geisterstunde der Erd-Erscheinungen ist vorbei?« –

»Ach Gott (sagte der Knabe sonderbar-klug), das Leben ist lang, aber die Zeit ist kurz, sie hat nichts als Augenblicke – Alle Uhren gehen sehr (wobei er eine herauszog und ansah, auf der sieben über einander stehende WeiserNämlich die Terzie wieder in 60 Teilchen, jedes wieder in 60, und dieses wieder geteilt. unten rückten, liefen und oben pfeilschnell flogen) – O die große Uhr rasselt schon und schlägt das Jahrhundert aus – dann fliegt die weiße Taube sehr anmutig durch die Sterne und die Todten des Jahrhunderts ziehen getrost.« Hier schlang er sich an die Brust der Jungfrau und gab seine Uhr mit den 7 Zeigern der Maske. »Die große Uhr draußen hat freilich, sagte diese, ein Richtschwert zum Perpendikel und das ist Geistern ganz fatal.«Geister fliehen nach dem Aberglauben Richtschwerter.

Er trug die schwindelnd in einander laufende Uhr unter den Spiegel. Fürchterlich war es mir, als ihn der Spiegel nicht abbildete und die andern auch nicht. – Im Hintergrund des Zimmers standen wieder neue unkenntliche Gestalten, die alle strenge auf ihre Uhren sahen – Der Schwedenkopf drehte bald umarmende Menschen, bald Herzen aus Brod und fütterte den schwarzen Hund. – Die Jungfrau faltete sanft die Hände empor, aber unter dem Erheben überzog sich das göttliche Auge des Ringes mit einem weißen Augenlied. – Mein Herz zuckte bange zurück vor dem nächtlichen kalten Anwehen eines hin und her geschwungnen Dolchs und vor dem ersten Glockenton, der das Jahrhundert ausmachte.

Der Mond stralte plötzlich den Jüngling an; groß, unbeweglich, bleich, aber voll Glanz fing er an, ohne der Maske zu antworten, und unter der Rede bebten tiefe Töne im Klaviere, aber keine Taste regte sich:

»Es gibt einmal einen letzten Menschen – er wird auf einem Berg unter dem Äquator stehen und herabschauen auf die Wasser, welche die weite Erde überziehen – festes Eis glänzet an den Polen herauf – der Mond und die Sonne hängen ausgebreitet und tief und nur blutig über der kleinen Erde, wie zwei trübe feindliche Augen oder Kometen – das aufgetürmte Gewölke strömet eilig durch den Himmel, und stürzet sich ins Meer und fährt wieder empor, und nur der Blitz schwebt mit glühenden Flügeln zwischen Himmel und Meer und scheidet sieDie Astronomie beweiset, daß sich die Erde der Sonne (wie nach Euler der Mond der Erde) in einer Spirale immer näher drehe; und schon die Mechanik beweiset es, da es eben so wenig außer als auf der Erde ein perpetuum mobile geben kann, weil ja Kraft und Zeit im umgekehrten Verhältnis stehen und mithin jene null würde, wenn diese unendlich würde. Aber ehe der Planet zur Sonne wird (wie der Mensch zur Erde), wovon er genommen ist: so ist weniger die Erhitzung des Erdkörpers die z. B. nicht bisher mit der Sonnennähe am Äquator unter den geraden Stralen wuchs und die ja nicht vom Sonnen-Abstande abhängt, da wir keine diversen Merkmale desselben in den fernsten und nächsten Planeten entdecken – als seine Überschwemmung zu befürchten, weil – außer dem, daß alle Meere immer gegen den Äquator hinaufströmen – die nähere Anziehung der Sonne, des Mondes und mithin der andern Planeten, wie in den Äquinokzien, fürchterlich die Flut der Meere und eben so des Dunstkreises und zuletzt der Elektrizität auftreiben und über unsere Ameisenhaufen, die wir vom Maulwurf des Erdbebens geerbet, herüberstürzen muß. – Schau' auf zum Himmel, letzter Mensch! Auf deiner Erde ist schon alles vergangen – deine großen Ströme ruhen aufgelöset im Meere. –

Die alten Menschen, in welchen die frühern Alten lebten, wie Versteinerungen in Ruinen, zergehen unter dem Meere – nur die Welle klinget noch und alles schweigt und das Geläute der Uhren, womit deine Brüder die Jahrhunderte wie einen Bienenschwarm verfolgten, regt sich nicht im Meeressand – Bald flattert das noch von dir bewohnte Sonnenstäubchen hinauf, und die größern blinkenden Staubkörner auch; aber die Sonne trägt den Kindersarg der Menschheit leicht im Arm und hüpfet, von deiner Flugerde schwach bestäubt, jugendlich, obwol kinderlos, mit andern Schwestern um die Muttersonne weiter... Schwacher Sterblicher! der du vor allem zitterst, was älter wird als du, höre weiter! Auch die Sonnen der Milchstraße ergreifen endlich einander feindlich und umschlingen sich kämpfend zu Einer Riesenschlange, und eine chaotische Welt aus Welten arbeitet brennend und flutend – Aber im unendlichen Himmel hängt ihre schwarze und feurige Gewitterwolke nur unbemerkt und klein, weit über und unter ihr schimmern die Sterne friedlich in ihren tausend Milchstraßen. – Vernimm weiter, Erschrockner! In der Ewigkeit kommt ein Tag, wo auch alle diese Straßen und weißen Wölkchen sich verfinstern und wo in der weiten Unermeßlichkeit nur Gewitterwolken ziehen, aus Sonnen gemacht, und wo es dämmert in der ganzen Schöpfung... Dann ist Gott noch; er steht licht in der Nacht, seine Sonne zog die Sonnen-Wolken auf, seine Sonne zerteilt sie wieder – und dann ist wieder Tag. – – Und nun sprich nicht mehr von der kleinen Vergangenheit der kleinen Erde. – Gott hat den Donner und den Sturm in der Hand und den Schmerz, und ordnet die Ewigkeit – und das weiche Würmchen pflanzet sich doch fort durch die stürmischen Jahrtausende; – aber der Mensch, die Parze der Erde, die auf Würmchen auftrat, und die überall Opfer foderte und machte, klagte über die höhern für das Höchste. – – Der Unendliche und die Sonne waren ihm, so wie seine Erdscholle sich auf- oder unterwärts kehrte, bald im Auf-, bald im Untergang – Tor! sie haben beide keinen Morgen und Abend, sondern sie glänzen ewig fort, aber sie ziehen mit dir und deinem Ball in die unbekannte GegendBekanntlich bewegt sich die Sonne mit ihrem Gefolge nach einem noch unbekannten Ziel im Norden des Himmels.  – – Letzter Mensch, denke nicht nach über die lange Welt vor und nach dir; im Universum gibt's kein Alter – die Ewigkeit ist jung – sinke in die Welle, wenn sie kommt, sie versiegt, und nicht du!« –

Der edle Jüngling hatte vor Entzückung die Augen geschlossen und der Schnee seines Angesichtes war zu Glanz geworden. Plötzlich änderte sich alles in der überirdischen Minute; der Knabe rief schreckhaft: »es wird 12 Uhr; meine Weiser stehen.« Auf der Uhr mit sieben ruhten schon fünfe über einander und nur die schnellsten flogen noch um. »Draußen fliegt schon die Taube aus Osten«, rief jemand, und die Thurmuhr schlug aus.

Ich blickte durch das Fenster und in den langen Bogen des Fluges zog eine blendende Taube unter den Sternen durch den tief-blauen Himmel hin; und Luftschiffe voll unbekannter Gestalten jagten nach und eines ging wie unter Schleiern vorüber, worauf alle Menschen waren, die ich innig geliebt und nur am Grabe verloren habe – und dann schoß eines vorüber, worin der Knabe und die verhüllte Jungfrau ruhten; und Sterne fielen in ihr Schiff, sie aber warfen Rosen aus.

Ich blickte nach dem Zimmer zurück. Welches ringende Geister-Chaos! Die alten Gestalten gingen durcheinander – neue liefen zwischen sie – die Saiten klangen ungespielt – der Knabe, die Jungfrau und der Jüngling waren entflohen – In dem von Innen hell erleuchteten Spiegel war nichts als mein sitzendes Bild; dieses richtet sich auf, bewegt sich, tritt nahe vor das Glas und will drohend heraus und sagt mich anblickend: »oh seh' ich mich dort selber? – Warte, Lufterscheinung, ich fürchte dich nicht, ich setze mir, wie Nicolai, einen Blutigel an den After, und dann zerfließest du.« – O wie ist der Spieler, der Mensch, ein Spiel! – Glühende Todten-Asche legte sich finster auf mein Auge – das gepreßte Leben schlug gewaltsam gegen die kleinste Ader an – endlich bückte sich der überströmte Kopf und ließ sein heißes Blut aus sich fließen.

Zugleich lauter und dunkler wurd' es um mich; ein schärferes Getöne umfloß den Betäubten und warf höhere Wellen, um das Leben wegzuspülen; aber die Gestalten fingen zu erblassen und zu weichen an, selber die Maske wurde weiß – peinlich dröhnten in meine offnen Adern die langsamen Glockenschläge von 12 Uhr wie Kanonenschüsse neben der Gruft des Jahrhunderts und ich erwartete bebend den zwölften – aber er verzog, der Tod hielt die Streitaxt des Glockenhammers immer aufgehoben und die zusammenrinnende Menge, weiß wie Ertrunkene, murmelte immer banger: zwölf, zwölf – – als auf einmal eine blühende, beseelte die Türe öffnete und durch die lustigen Figuren durchging und mit einer teuern lebendigen Stimme meinen Namen nannte; ach es war meine Hermina. O wie der Mensch nur durch den Menschen in das Tageslicht des Lebens tritt, indeß er in der auflösenden Einsamkeit auf seinen Geist und Leib nur wie auf einen todten fremden unter ihm zuckenden Torso niedersieht! –

Durch die gute Erschrockne und durch die Krisis der blutenden Natur kam ich aus meinen Bildern zurück, die sich immer mehr verglaseten und sich endlich nur zu zerstreueten Gliedern eines Antikenkabinets zersetzten. Pfeifenberger hielt sich am längsten und wollte schwer zerfahren, und sogar als er schon verflüchtigt war, streckt' er noch sein Sprachrohr aus. Ich beruhigte die gute Hermina durch Nicolai, dem ähnliche Erscheinungen viel länger zugesetztDem Publikum sind die Gestalten, die Nicolai's Augen und Ohren erschienen, schon bekannt. Ich kenne drei zartorganisierte und phantasiereiche Mädchen, welche dieselbe optische Plastik quälte. Es kann keinem Psychologen schwer fallen, meine optische Nachdruckerei der Wirklichkeit, diese größern mouches volantes sich zu erklären, wenn er den Frost, die Nervenschwäche, die Einsamkeit und das Abendessen und Trinken zusammennimmt. Ja jedes Wort der wunderbaren Gesellschaft getrau' ich mir aus den Betrachtungen herzuleiten, die ich Nachmittags über die Zukunft angestellt; und selber die drei Akteurs (wie anfangs in der griechischen Tragödie) scheinen nur Söhne und Konterfeie der Charaktere zu sein, denen ich im Aufsatz für dieses Werkchen meine säkularischen Betrachtungen soufflieren wollen. Der Schwedenkopf ist eine offenbare Reminiszenz des wilden Jägers, der jetzt aus dem jungen burschikosen Jena ausreitet und dessen Jagdpersonale, Wildzeug, Hifthörner, Hundekoppel und Weidwerk, am Tageslicht besehen, auf eine Mandel mausender Eulen hinauslaufen. – Manches ist aus den Gemälden meines Zimmers zu erklären, z. B. aus Da Vinci's Christus im Tempel. , der sie aber mit besserer Entschlossenheit empfangen als ich.

Wie erstaunt' ich, als mir Hermina sagte, sie habe ihr Wort gehalten, noch früher zu kommen, als das 19te Säkulum. Es war erst 11 Uhr; so richtig hatte das innere Ohr, das immer den zwölften Schlag begehrte, mitten unter den Stürmen nachgezählt; dieser stille Sonnenzeiger in uns bewies sich schon bei Wahnsinnigen und am Ende bei Schlafenden, die in der vorgesetzten Stunde erwachen. Aber nun war ich für die letzte Szene des fünften Akts ganz kalt. Ein Jahrhundert schwand ein vor den gigantischen Jahrmillionen, die der Jüngling vorübergeführt; und selber die Lebendigen schienen mir, wie die wunderbare Gesellschaft, sich jetzt leichter zu entfärben und aufzulösen. Die frische Sonne, dacht' ich, wird morgen (wie in ein altes Menschenherz) in das Gebeinhaus des alten Jahrhunderts scheinen auf zerschlagne Statuen, Torsos, Aschenkrüge und Ruinen; und sie wird ein neues herüber bringen, das die Erde mit dem Interdikt belegt, das die Altäre entkleidet, die Reliquien vergräbt und die Heiligenbilder mit Disteln bedeckt und die Tempel verschließet. Aber sie thu' es denn! Ein trübes Jahrhundert ist in der langen Jahreszeit der Erde nur ein fliegender Maifrost, eine Sonnenfinsterniß; o wie viele Fröste und Stürme dazu sind schon bei Frühlingsanfang da gewesen! – Aber das bessere Herz bleibe sich nur treu und verstumme nicht vor der tauben Zeit. Am Nordpol versteinert (nach dem Märchen) der Winter den Strom der Musik, aber in den Frühlingslüften fließen die ausgelösten Töne wieder laut dahin: so wird manches warme Wort erstarren und die heiligen Laute wird niemand hören; aber sprecht sie aus, es kommt die mildere Zeit und dann klingt die Äolsharfe aus der rauhen neu.

Weich, aber gestillt stand ich mit Hermina am Fenster vor dem zauberisch wie ein Frühlingshimmel auf die winterliche scharfe Erdennacht erhaben herunterleuchtenden Sternengewölbe, und wir feierten sanft die ernste Stunde. Der Mond schwamm einsam in einem weiten reinen Blau, gleichsam das große Auge auf dem Ringe der Jungfrau, und weit von seiner Lilienglocke waren die Maienblümchen kleiner Sterne gesäet. »O wie gut ist es, Hermina, (sagt' ich, als ich ihre von der Reise sanft nachglühenden Wangen ansah) daß Du vorhin nicht unter den Gestalten erschienest, die neben mir blaß wurden – es hätte mich sehr ergriffen.« – Du hast ihr Gesicht nicht gesehen, sagte sie, vielleicht war ich die knieende Gestalt mit dem Schleier. – »Das verhüte Gott (sagt' ich), denn die Verschleierte saß mit auf dem Todten-Schiff, das durch den Himmel flog – Rühre mich heute nicht sehr – ich bin ganz aufgelöset, und noch immer schießen mir weiße Gesichter auf und es tönet mir noch von weitem her.« Da ging die Gute, gleichsam um das Tönen zu überstimmen, an das Clavier und sang ihr liebstes Abendlied, mit den betenden Augen an den Sternen liegend; und unter den heiligen Tönen, die unser Herz verjüngten und es wieder in seinen ewigen Frühling trugen, löseten sanft und kaum bemerkt die Jahrhunderte einander ab.








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