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Die Wunder des Antichrist

Selma Lagerlöf: Die Wunder des Antichrist - Kapitel 13
Quellenangabe
typefiction
authorSelma Lagerlöf
titleDie Wunder des Antichrist
publisherNymphenburger
yearo.J.
isbn3485004863
translatorPauline Klaiber
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.7et
created20140731
projectid74651dac
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X. Schirokko

Hierauf vergingen zwei Jahre ganz ruhig. Das einzige, was in Diamante und auf Sizilien geschah, war, daß die Menschen ärmer und immer ärmer wurden.

Dann wurde es wieder Herbst, und die Zeit kam, wo die Trauben gelesen werden sollten. Zu der Zeit fließen stets die Kanzonen in vollendeten Versen von den Lippen, zu der Zeit entströmen den Mandolinen neue und schöne Melodien.

Da pflegt die Jugend in Scharen in die Weinberge hinauszuziehen; den ganzen Tag hindurch wird unter Lachen und Scherzen gearbeitet, die ganze Nacht wird getanzt und gescherzt, und man weiß nicht mehr, was Schlaf ist.

Dann ist das klare Luftmeer über dem Gebirge schöner denn je. Da erwachen in allen Köpfen lustige Einfälle, da zucken wie Blitze feurige Blicke umher, da empfängt die Luft nicht allein von der Sonne Licht und Wärme, sondern auch von den strahlenden Gesichtern der jungen Schönen, die am Ätna wohnen.

Aber in diesem Herbst waren alle Weinberge von der Reblaus zerstört. Keine Winzer drängten sich durch die Ranken hindurch, die Winzerinnen zogen nicht mit gefüllten Körben auf dem Kopf in langer Reihe zu den Pressen hin, und nachts wurde auf den Dächern nicht getanzt.

Und in diesem Herbst lag nicht mehr die klare, leichte Oktoberluft über den Ätnagegenden. Wie ein Bundesgenosse der Not wehte der schwere, lähmende Wüstenwind von Afrika herüber und brachte einen Staub und einen Dunst mit, die die ganze Luft trübten.

Während dieses ganzen Herbstes war nicht ein einziges Mal ein frischer Bergwind zu spüren. Immer und immer blies der unheilvolle Schirokko.

Bisweilen kam er trocken und staubig und so glühend heiß dahergezogen, daß man Fenster und Türen schließen und sich in den Häusern aufhalten mußte, um nicht zu ersticken. Aber viel öfter war er schwül, feucht und drückend. Die Menschen fanden keine Ruhe; ihre Sorgen quälten sie Tag und Nacht, der Kummer türmte sich so riesengroß vor ihnen auf wie die hohen Schneewehen auf den Bergen. Diese Unruhe ergriff auch Donna Micaela, die noch immer Don Ferrante, ihren alten Ehegatten, pflegte.

In diesem Herbst hörte sie nie ein Lachen, nie einen Gesang. Die Menschen schlichen aneinander vorbei, so voller Grimm und Verzweiflung, daß sie beinahe erstickten. Und Donna Micaela war überzeugt, daß sie über einem Aufruhr brüteten. Sie begriff, daß ein Ausbruch nicht mehr zu vermeiden war. Es würde zwar ganz und gar nichts helfen, aber die Menschen mußten sich irgendwie Luft schaffen.

Im Anfang des Herbstes hatte Donna Micaela oft auf ihrem Balkon gesessen und von da die Gespräche der Leute auf der Straße mit angehört. Und da hatten diese immerfort von der Not gesprochen. »Wir haben eine Mißernte bei Weizen und Wein«, tönte es zu ihr herauf. »Der Handel von Schwefel und Orangen stockt. Das gelbe Gold Siziliens ist mißraten. Wovon sollen wir leben?«

Und Donna Micaela begriff, wie schrecklich das sein mußte. Weizen, Wein, Orangen und Schwefel, das gelbe Gold der Sizilianer!

Sie begann auch zu verstehen, daß das Elend größer sein mußte, als daß die Menschen es auf die Dauer ertragen könnten, und sie klagte, daß das Leben so schwer für sie sein mußte. Sie fragte sich, warum denn die Menschen gezwungen würden, so große Steuern zu bezahlen? Warum mußte denn das Salz besteuert werden, daß zum Beispiel eine arme Frau nicht einmal das Recht hatte, an den Strand zu gehen und sich einen Eimer Seewasser zu holen, um es zu Salz verdampfen zu lassen, während sie nun das Salz um teures Geld in dem Laden der Regierung kaufen mußte? Und warum wurden die Palmbäume besteuert? Jetzt fällten die Bauern zornigen Herzens die alten Bäume, die so lange ihre Kronen über die schöne Insel gebreitet hatten. Und die Fenstersteuer, was wollte man damit? Sollten etwa die armen Leute ihre Fenster zumauern und aus ihren Stuben in die Keller ziehen?

In den Schwefelgruben gab es Arbeitseinstellungen und Unruhen, und die Regierung sandte Soldaten, die die Leute wieder an die Arbeit zwingen sollten. Da fragte sich Donna Micaela, ob denn die Regierung auch wisse, daß man in diesen Gruben gar keine Maschinen hatte? Die Regierung hatte also nie gehört, daß Kinder das Erz aus den tiefen Schächten herausschleppen mußten? Sie wußte also nicht, daß diese Kinder Sklaven waren, ja daß ihre Eltern sie an die Arbeitgeber verkauften? Wenn aber die Regierung es wußte, warum wollte sie dann den Grubenbesitzern helfen?

Dann hörte sie auf einmal von einer furchtbaren Menge Verbrechen reden, und wieder begann sie zu fragen. Warum läßt man die Menschen zu Verbrechern werden? Warum müssen sie alle so arm und von allem entblößt sein? In Catania und in Palermo brauchte man allerdings keine solche Frage zu stellen, aber hier in Diamante, da konnte man das Fürchten und das Fragen nicht lassen. Warum läßt man die Menschen so arm werden, daß sie Hungers sterben?

Noch war der Sommer kaum vorbei, noch war man nicht weiter in den Herbst hineingekommen als Ende Oktober, und schon begann Donna Micaela den Tag vor sich zu sehen, an dem der Aufruhr ausbrechen mußte. Sie sah die ausgehungerten Menschen auf der Straße daherstürmen. Sie sah sie die Läden plündern und die wenigen Reichen, die es in der Stadt gab, ausrauben. Vor dem Sommerpalast machte eine wilde Schar halt, und die Kecksten kletterten auf den Balkon und an den Fenstern empor. Heraus mit den Juwelen der alten Alagonas! Heraus mit Don Ferrantes Millionen! Der Sommerpalast war ihr Wunderland. Sie glaubten, er sei mit Gold gefüllt wie ein Märchenschloß.

Wenn sie aber dann nichts fanden, dann setzten sie ihr den Dolch an die Kehle, um sie zu zwingen, Schätze herauszugeben, die sie nie besessen hatte, und dann wurde sie von den raubgierigen Scharen getötet.

Warum konnten die Großgrundbesitzer nicht daheim bleiben? Warum mußten sie die Armen dadurch zur Wut aufstacheln, daß sie in Rom und Paris ein üppiges Leben führten? Wenn sie mehr daheim blieben, würden die armen Leute nicht so gehässig gegen sie gestimmt sein, und sie würden nicht hoch und teuer schwören, daß sie alle Reichen umbringen wollten, wenn nur erst die Zeit gekommen sei.

Donna Micaela wäre gern in eine der großen Städte geflohen. Da aber sowohl ihr Vater als auch Don Ferrante kränkelten, mußte sie um ihretwillen bleiben, wo sie war. Und sie war überzeugt, daß sie getötet werden würde als ein Sühnopfer für die Sünde der Reichen gegen die Armen.

Seit Jahren hatte sich das Unglück über Sizilien zusammengezogen, nun konnte man es nicht mehr abwenden. Jetzt begann selbst der Ätna mit einem Ausbruch zu drohen. Schwefelrauch leuchtete feuerrot über dem hohen Gipfel, und das Dröhnen in seinem Innern drang bis nach Diamante.

Alles würde auf einmal ein Ende nehmen, alles gleichzeitig zerstört werden.

Wußte denn die Regierung gar nichts von der Unzufriedenheit? Ach, die Regierung hatte endlich Kenntnis davon bekommen und ein Komitee eingerichtet. Es war ein großer Trost, als eines schönen Tages die Komiteemitglieder auf dem Korso in Diamante anfuhren. Wenn nur das Volk auch verstanden hätte, daß sie ihm wohlwollten! Wenn nur nicht die Frauen vor den Türen gestanden und die feinen Herren vom Festland verspottet hätten! Wenn nur nicht die Kinder neben den Wagen hergesprungen wären und gerufen hätten: »Diebe! Diebe!«

Was auch getan wurde, es trug nur dazu bei, den Aufruhr noch schneller zum Ausbruch zu bringen. Und es war niemand da, der sich des Volkes hätte annehmen können, um es zu beruhigen. Man traute keinem einzigen von den Beamten. Solche, die nur Bestechungen zugänglich waren, wurden noch am wenigsten verachtet, aber es hieß, mehrere unter ihnen seien Mitglieder der »Mafia«. Man behauptete, sie dächten nur daran, Geld und Macht an sich zu reißen.

Je länger es dauerte, desto deutlicher wurden die Zeichen, daß etwas Furchtbares bevorstand. In den Zeitungen las man, daß sich in den großen Städten die Arbeiter zusammenrotteten und in Scharen durch die Straßen zögen. In den Zeitungen las man auch, daß die Sozialistenführer im Lande umherreisten und aufreizende Reden hielten. Da wurde es Donna Micaela plötzlich klar, woher diese große Unruhe kam. Die Sozialisten waren es, die den Aufruhr entfachten. Ihre Brandreden versetzten die Gemüter in Gärung. Wie konnte man das zulassen? Wie konnte man sie so ihr Wesen treiben lassen? Wer war denn König in Sizilien? Hieß er Da Felice oder Umberto?

Donna Micaela wurde von einer schrecklichen Angst gequält, die sie gar nicht wieder loswerden konnte. Es war ihr, als hätten sich alle Menschen gerade gegen sie verschworen. Und je mehr sie von den Sozialisten hörte, desto größer wurde ihre Angst.

Giannita versuchte, sie zu beruhigen. »Wir haben keine Sozialisten in Diamante«, sagte sie. »In Diamante denkt man gar nicht an einen Aufruhr.«

Aber Donna Micaela fragte sie, ob sie nicht wisse, was es bedeute, daß die alten Spinnweiber in ihren dunklen Winkeln von den großen Räuberhelden erzählten und von dem großen Fischer von Palermo, Guiseppe Alesi, den man den Masaniello von Sizilien nenne.

Wenn es den Sozialisten gelänge, einen Aufruhr ins Werk zu setzen, dann würde auch Diamante mit hineingezogen. Ganz Diamante wüßte schon, daß etwas Schreckliches bevorstünde. Man habe den großen schwarzen Mönch auf dem Balkon des Palazzo Geraci umgehen sehen. Die ganze Nacht hindurch höre man Eulen schreien, und viele behaupteten, die Hähne krähten bei Sonnenuntergang und schwiegen bei Tagesanbruch.

An einem Tag im November füllte sich Diamante plötzlich mit gefährlich aussehenden Menschen. Es waren Männer mit wahren Raubtiergesichtern, mit struppigen Bärten, großen Händen und ungeheuer langen Armen. Mehrere trugen weite, flatternde leinene Anzüge, und man glaubte in ihnen berühmte Banditen und erst kürzlich freigelassene Galeerensklaven zu erkennen.

Giannita erzählte, daß sich diese wilden Menschen für gewöhnlich in den Gebirgseinöden des Landes aufhielten; jetzt aber hätten sie den Simeto überschritten und seien nach Diamante gekommen, weil ein Gerücht zu ihnen gedrungen sei, daß es in Diamante »losgegangen« sei. Da aber alles noch ruhig und die Karabinierikaserne noch voller Soldaten sei, hätten sie sich wieder verzogen.

Donna Micaela dachte nun ständig an diese Männer und war überzeugt, daß sie sie ermorden würden. Sie sah deren flatternde Gewänder und ihre Raubtiergesichter deutlich vor sich. Sie wußte, daß sie in den Gebirgshöhlen auf der Lauer lagen und nur auf den Tag warteten, wo sie das Schießen und den Lärm des Aufruhrs von Diamante herübertönen hören würden. Dann würden sie mit Brand und Mord über die Stadt herfallen, an der Spitze des ganzen hungrigen Volks, als dessen Generäle und Anführer bei der Plünderung.

Donna Micaela mußte den ganzen Herbst hindurch ihren Vater und ihren Gatten pflegen, denn beide lagen einen Monat um den anderen krank darnieder. Man hatte ihr jedoch gesagt, daß keine Gefahr für ihr Leben sei.

Sie war sehr froh, daß sie Don Ferrante behalten durfte, denn es war ihre einzige Hoffnung, daß diese Menschen doch wenigstens bis zuletzt auf ihn, der aus einem alten hochgeachteten Geschlecht stammte, Rücksicht nehmen würden.

Während sie so an den Krankenbetten saß, dachte sie oft mit heißer Sehnsucht an Gaetano, und oftmals wünschte sie, daß er doch daheim wäre. Wenn er wieder in seiner Werkstatt stünde, würde sie gewiß keine Angst und keine Todesfurcht haben. Dann hätte sie kein anderes Gefühl gehabt als das der Sicherheit und der Ruhe.

Selbst jetzt, wo er so weit entfernt war, war er es, den sie in ihren Gedanken aufsuchte, wenn die Angst sie halb wahnsinnig machte. Sie hatte jedoch seit seiner Abreise nicht einen einzigen Brief von ihm bekommen, so daß sie manchmal glaubte, er habe sie vergessen. Zu anderen Zeiten wieder wußte sie ganz sicher, daß er sie liebte, denn sie fühlte sich förmlich gezwungen, an ihn zu denken, und dann war sie fest davon überzeugt, daß auch er mit seinen Gedanken bei ihr weilte und sie rief.

Endlich im Herbst erhielt sie einen Brief von Gaetano. Ach, welch ein Brief! Donna Micaelas erster Gedanke war, ihn zu verbrennen.

Sie war auf das Dach gestiegen, um allein zu sein, während sie den Brief las. Hier oben hatte sie einst Gaetanos Liebeserklärung angehört. Und diese hatte sie damals gar nicht erschüttert, sie hatte sie weder erwärmt noch erschreckt.

Dieser Brief jedoch war etwas anderes. Gaetano bat sie, zu ihm zu kommen, die Seine zu werden, ihm ihr Leben zu weihen. Als sie das las, erschrak sie über sich selbst. Sie hatte das Gefühl, als müsse sie in die Luft hinausrufen: »Ich komme! Ich komme!« und dann sofort abreisen. Es zog sie, es riß sie fort. »Wir wollen glücklich sein!« schrieb er. »Wir verspielen die Zeit, die Jahre vergehen. Laß uns glücklich sein!«

Er beschrieb ihr, wie sie leben würden. Er erzählte ihr von anderen Frauen, die auch dem Gebot der Liebe gefolgt und glücklich geworden seien. Er schrieb verlockend und überzeugend. Aber nicht so sehr der Inhalt des Briefes war es, was sie hinriß, sondern vielmehr die Liebe, die darin brannte und glühte. Wie duftendes Räucherwerk schlug es ihr aus dem Brief entgegen, und sie fühlte, wie es sie durchdrang. Heiße Sehnsucht sprach aus jedem Wort.

Nun war sie nicht mehr eine Heilige für ihn wie früher. Das kam überwältigend, unerwartet nach dem mehrjährigen Schweigen. Und sie erschrak, daß es sie so entzückte.

So hatte sie sich die Liebe nie gedacht. Würde ihr eine solche Liebe auch gefallen? Ja, voll Angst erkannte sie, daß sie ihr gefallen würde.

Und dann strafte sie sich selbst und ihn damit, daß sie ihm eine strenge Antwort schrieb. Sie enthielt Moral, Moral und nichts als Moral. Donna Micaela war stolz, als sie den Brief geschrieben hatte. Sie hatte nicht geleugnet, daß sie Gaetano liebe, aber vielleicht fand er die Liebesworte gar nicht heraus, so sehr waren sie unter Ermahnungen verborgen. Er mußte sie wohl auch nicht gefunden haben, denn er schrieb keinen zweiten Brief mehr.

Aber jetzt konnte Micaela nicht mehr an Gaetano als an einen Schutz und Schirm denken. Jetzt war er gefährlicher als die Männer aus dem Innern des Landes.

Und mit jedem Tag trafen schlimmere Nachrichten in Diamante ein. Die Leute begannen sich Waffen anzuschaffen. Und obgleich es verboten war, solche zu besitzen, trugen doch alle Männer sie im geheimen bei sich.

Alle Fremden verließen die Insel, dagegen wurde ein Tausend Soldaten nach dem anderen von Italien herübergeschickt.

Die Sozialisten hielten Reden über Reden. Sie waren wohl von bösen Geistern besessen und konnten sich nicht zufriedengeben, bis ein recht großes Unheil angerichtet war.

Endlich hatten die Aufständischen den Tag festgesetzt, an dem der Sturm losbrechen sollte. Ganz Sizilien, ganz Italien sollte sich erheben. Jetzt war es keine Drohung mehr, jetzt war es Wirklichkeit.

Immer mehr Truppen kamen vom Festland herüber. Die meisten davon waren Neapolitaner, die in ewiger Fehde mit den Sizilianern leben. Und dann kam die Nachricht, daß die Insel in Kriegszustand erklärt worden sei. Es sollte keine Gerichtshöfe mehr geben, nur noch Kriegsgerichte. Und es wurde behauptet, die Soldaten hätten die Erlaubnis zu plündern und zu morden, soviel sie Lust hätten.

Niemand wußte, wie das enden würde. Die Angst schien alle wahnsinnig zu machen. Die Bauern aus dem Innern des Landes verschanzten sich droben zwischen den Bergen. In Diamante waren die Männer in großen Haufen auf dem Markt versammelt. Tag und Nacht standen sie da, ohne an ihre Arbeit zu gehen. Ganz unheimlich sahen diese Haufen von Männern aus in ihren dunklen Mänteln und mit großen Schlapphüten auf dem Kopf. Sie träumten wohl alle von dem Augenblick, wo sie den Sommerpalast plündern würden.

Je näher der Tag herankam, wo der Aufruhr losbrechen sollte, desto kränker wurde Don Ferrante. Und Donna Micaela begann um sein Leben zu bangen.

Wenn sie auch noch Don Ferrante verlor, so war das ein sicheres Zeichen, daß sie zum Untergang bestimmt sei. Wer würde sich wohl ihrer annehmen, wenn er nicht mehr lebte? Sie wachte bei ihm. Sie und alle Frauen der Nachbarschaft saßen in stummem Gebet um sein Lager.

Und eines Morgens, gegen sechs Uhr, starb Don Ferrante. Donna Micaela trauerte um ihn, weil er ihr einziger Beschützer gewesen war, und auch der einzige, der sie vor dem Untergang hätte retten können. Deshalb wollte sie den Toten so ehren, wie es damals in Diamante noch Sitte war.

Sie ließ das Sterbezimmer ganz schwarz ausschlagen und alle Fensterläden schließen, so daß das heitere Sonnenlicht nicht in die Stube hereindringen konnte.

Sie ließ auch das Feuer auf dem Herd löschen und bestellte einen blinden Sänger, der jeden Tag in den Palast kommen und Klagelieder singen sollte.

Sie ließ Giannita für den Signor Palmeri sorgen, damit sie selbst mit den versammelten Frauen ruhig im Sterbezimmer bleiben konnte.

Am Todestag gegen Abend waren alle Vorbereitungen beendet, und man wartete nur noch auf die weißen Brüder, die die Leiche abholen sollten. Im Leichenzimmer herrschte Totenstille. Alle Frauen der Nachbarschaft saßen mit verweinten Gesichtern unbeweglich da.

Donna Micaela war blaß vor Kummer und Angst; sie war nicht imstande, ihre Augen von dem über die Leiche gebreiteten Bahrtuch abzuwenden. Es war ein Bahrtuch, das dem Geschlecht der Alagonas gehörte. In Riesengröße prangte das Familienwappen mitten darauf, und es hatte silberne Fransen und dicke Quasten. Dieses Bahrtuch war niemals über einen anderen gebreitet worden als über einen Alagona.

Es schien Micaela, als liege es da, um sie keinen Augenblick vergessen zu lassen, daß ihre letzte Stütze gebrochen war und daß sie sich nun allein und ohne Schutz mitten unter einem erregten Volk befand.

Da trat jemand ein und meldete, daß die alte Assunta gekommen sei. Die alte Assunta, was wollte denn die alte Assunta? Ja, das sei die Lobrednerin, die den Toten die Nachrede halte.

Da ließ Donna Micaela die alte Assunta eintreten. Sie sah aus wie alle Tage, wenn sie auf der Domtreppe saß und bettelte; sie kam in derselben zerlumpten Kleidung, mit demselben verblaßten Kopftuch und mit demselben Krückstock.

Klein, mit gekrümmtem Rücken, hinkte sie zum Sarg hin. Sie hatte ein verschrumpeltes Gesicht, einen eingefallenen Mund und erloschene Augen. Donna Micaela dachte, mit ihr sei wahrlich die verkörperte Schwäche und Hilflosigkeit ins Zimmer getreten.

Die Alte erhob ihre Stimme und begann nun im Namen der Gattin zu klagen:

»Mein Herr ist tot, und ich bin allein. Er, der mich zu sich erhob, ist tot! Wie wunderlich ist es doch, daß mein Haus seinen Herrn verloren hat! – Warum sind die Läden vor deinen Fenstern verschlossen? sagen die Vorübergehenden. – Und ich antworte: Weil ich das helle Tageslicht nicht ertragen kann, weil mein Leid groß ist, ja mein Leid ist dreifach. – Sind denn so viele deines Geschlechts von den weißen Brüdern hinausgetragen worden? – Nein, keiner von meinem Geschlecht ist gestorben, aber ich habe meinen Mann verloren, meinen Mann, meinen Mann!«

Die alte Assunta hatte nicht nötig, noch mehr zu sagen. Donna Micaela weinte laut. Das ganze Zimmer wurde von den Klagelauten der versammelten Frauen erfüllt. Denn kein Schmerz ist so groß, als wenn eine Frau ihren Mann verliert. Die, welche Witwen waren, dachten an den, den sie verloren hatten, und die, welche es noch nicht waren, dachten an die Zeit, wo sie nirgends mehr hingehen könnten, weil sie keinen Begleiter mehr hätten, wo sie der Einsamkeit, der Armut und der Vergessenheit anheimfallen würden, wo sie nichts mehr waren, nichts mehr bedeuteten, wo sie die ausgestoßenen Kinder der Welt waren, weil sie keinen Gatten mehr hatten, weil sie nichts mehr hatten, was ihnen das Recht zu leben gab.

*

Es war Ende Dezember, in den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr.

Noch immer herrschte die gleiche Aufruhrgefahr, und man hörte dieselben beängstigenden Gerüchte. Es hieß, Falco Falcone habe draußen im Steinbruch eine ganze Räuberbande versammelt und warte nur auf den Tag, der für den Aufstand festgesetzt sei, um über Diamante herzufallen und es zu plündern.

Es wurde auch erzählt, in mehreren der kleinen Bergstädte habe sich das Volk erhoben; es habe die Zollhäuser an den Stadttoren eingerissen und die Zollbeamten fortgejagt. Man behauptete auch, die Soldaten zögen von Ort zu Ort; sie nähmen alle Verdächtigen fest und ließen sie zu Hunderten erschießen.

Jedermann sagte, daß man sich wehren müsse. Man dürfe sich nicht ohne Widerstand von diesen Italienern hinschlachten lassen.

In dieser ganzen Zeit war Donna Micaela an das Krankenbett ihres Vaters gefesselt, wie sie früher an Don Ferrantes gefesselt war. Sie konnte nicht aus Diamante fliehen, und ihre Angst nahm so zu, daß sie unaufhörlich zitterte und bebte.

Die letzte und schlimmste aller Schreckensbotschaften, die zu ihr drang, war eine über Gaetano.

Denn kaum eine Woche nach Don Ferrantes Tod war Gaetano zurückgekehrt. Das hatte ihr jedoch keineswegs Entsetzen verursacht, es hatte sie im Gegenteil gefreut. Sie hatte in ihrem Herzen gejubelt, daß sie nun endlich jemanden in der Nähe habe, der sie beschützen könne.

Gleichzeitig beschloß sie aber, Gaetano nicht zu empfangen, wenn er sie besuchen wollte. Sie fühlte, daß der Tote noch ein Recht auf sie hatte. Deshalb wollte sie Gaetano lieber nicht sehen, bevor ein Jahr vorüber wäre.

Nachdem jedoch eine ganze Woche seit Gaetanos Rückkehr verflossen war, ohne daß er sich im Sommerpalast gezeigt hätte, erkundigte sie sich bei Giannita nach ihm.

»Wo ist denn Gaetano? Ist er vielleicht schon wieder abgereist, da niemand von ihm spricht?«

»Ach, Micaela«, antwortete Giannita, »je weniger man von Gaetano spricht, desto besser ist es für ihn.«

Und sie erzählte Donna Micaela in einem Ton, als ob es sich um die größte Schande handelte, daß er Sozialist geworden sei.

»Er ist in England ganz verwandelt worden«, sagte sie. »Er betet nicht mehr, weder zu Gott noch zu den Heiligen. Er küßt dem Pfarrer nicht die Hand, wenn er ihm auf der Straße begegnet. Er sagt zu allen Leuten, sie sollen den Zoll am Stadttor nicht mehr entrichten, und die Bauern fordert er auf, ihre Pacht nicht zu bezahlen. Er trägt Waffen bei sich. Er ist heimgekehrt, um den Aufruhr anzuzetteln, um den Banditen zu helfen.«

Mehr brauchte sie nicht zu sagen, um Donna Micaela einen Schrecken einzujagen, wie sie noch nie einen empfunden hatte und der sie schaudern machte.

Das war es, was die trüben Herbsttage prophezeit hatten. Er, gerade er mußte der sein, der den Blitz aus den Wolken herabriß. Daß sie das nicht schon lange geahnt hatte!

Das war die Strafe und die Rache. Sie, gerade sie mußte das Unglück hervorrufen.

In den letzten Tagen war sie etwas ruhiger gewesen. Sie hatte gehört, daß alle Sozialisten ringsum auf der Insel gefangen seien und die kleinen Aufruhrflammen, die sich in den Bergstädten entzündet hätten, schnell wieder erstickt worden wären. Es hatte fast ausgesehen, als ob der Aufruhr im Sand verlaufen würde.

Aber nun war der letzte Alagona aufgestanden, und ihm lief natürlich das Volk zu. Nun kamen die schwarzen Massen auf dem Markt in Bewegung. Die Männer in den leinenen Gewändern überschritten den Simeto, Falco Falcones Räuberbande kletterte die Steinbrüche herauf – – –

*

Am nächsten Abend hielt Gaetano auf dem Marktplatz eine Rede. Er saß am Brunnen und sah zu, wie die Leute Wasser holten. Seit zwei Jahren hatte er die Freude entbehren müssen, zu sehen, wie die schlanken Mädchen die schweren Wasserkrüge auf den Kopf hoben und mit festen, gemessenen Schritten nach Hause gingen.

Aber zum Brunnen kamen nicht nur die jungen Mädchen, sondern Leute jeden Alters.

Und als er sah, wie arm und unglücklich die meisten waren, wollte er mit ihnen über die Zukunft sprechen.

Er versicherte ihnen, daß die Zeiten bald besser würden. Er sagte der alten Assunta, sie werde künftig ihr Auskommen haben, ohne daß sie einen Menschen um ein Almosen zu bitten brauche. Und als Assunta ihm erwiderte, sie begreife nicht, wie das zugehen solle, fragte er sie fast zornig, ob sie denn nicht wisse, daß die Zeit gekommen sei, wo weder die Betagten noch die Kinder ohne Schutz und Schirm sein würden?

Er deutete auf den alten Stuhlmacher, der ebenso arm war wie Assunta, und fragte diese, ob sie denn meine, man werde noch länger dulden, daß es keine Armen- und Siechenhäuser gebe? Ob denn niemand begreife, daß es so nicht weitergehen könne und daß in Zukunft für die Armen und Kranken gesorgt werden müsse?

Er sah auch einige Kinder, von denen er wußte, daß sie hauptsächlich von Kresse und Sauerampfer lebten, die sie am Flußufer und an den Grabenrändern sammelten, und er versprach, daß von jetzt an niemand mehr hungern solle. Er legte den Kindern die Hand auf den Kopf und beteuerte so stolz, als sei er der Fürst von Diamante, daß es ihnen nicht mehr an Brot fehlen werde.

In Diamante wisse man nichts, sagte er, da seien die Leute ganz unwissend; sie hätten keine Ahnung, daß eine neue herrliche Zeit gekommen sei, sondern glaubten, das alte Elend werde ewig so fortgehen.

Während er so den Armen predigte, versammelten sich immer mehr Menschen um ihn. Da sprang er plötzlich erregt auf, schwang sich auf den Brunnenrand und begann lauter zu reden.

Und er sagte, wie sie nur so einfältig sein könnten, zu glauben, es würden niemals bessere Zeiten kommen. Sollten die Menschen, denen doch die ganze Erde gehörte, sich damit zufriedengeben, daß die Alten hungerten und die Kinder zu Taugenichtsen und Verbrechern heranwuchsen?

Ob sie denn nicht wüßten, daß in den Bergen und im Meer und in den Feldern reiche Schätze verborgen lägen? Ob sie nicht gehört hätten, daß die Erde sehr reich sei? Ob sie glaubten, diese könne ihre Kinder nicht mehr ernähren?

Aber sie sollten nur nicht untereinander tuscheln und sagen, es sei ganz unmöglich, es anders zu machen. Sie sollten doch ja nicht glauben, daß es Reiche und Arme geben müsse. Wenn sie das meinten, dann wüßten sie nichts. Sie kennten ihre Mutter Erde gar nicht. Glaubten sie etwa, diese hasse einen von ihnen? Sie hätten sich doch wohl auch schon auf den Boden gelegt und da die Erde reden hören! Hätten sie da etwa gehört, daß sie Gesetze vorschrieb? Hätten sie sie Urteile fällen hören? Und hätte sie etwa befohlen, daß die einen verhungern und die andern im Wohlleben ersticken sollten? Warum täten sie denn nicht ihre Ohren auf und lauschten den neuen Lehren, die durch die Welt flogen? Wollten sie es denn etwa gar nicht besser haben? Gefielen sie sich denn so gut in ihren Lumpen? Wären sie ganz zufrieden mit Kresse und Sauerampfer? Wollten sie lieber kein Dach über dem Kopf haben?

Und er sagte weiter, daß es gar keinen Einfluß habe, wenn sie sich auch sträubten, an die neue Zeit, die nun anbrechen werde, zu glauben. Deshalb komme sie doch. Sie brauchten ja auch die Sonne morgens nicht aus dem Meer zu heben. Die neue Zeit werde zu ihnen kommen gerade wie die Sonne, aber warum wollten sie nicht unter denen sein, die ihr entgegengingen? Warum schlössen sie sich ein und fürchteten sich vor dem neuen Licht?

Gaetano sprach lange in dieser Weise, und die Menge der armen Leute, die sich um ihn versammelte, wurde immer größer.

Aber je länger er sprach, desto schöner formte sich seine Sprache und desto klangvoller wurde seine Stimme.

Ein Feuer glühte in seinen hellen klaren Augen, und dem Volk, das zu ihm aufschaute, erschien er wie ein junger Fürst.

Er sah aus wie einer der einstigen mächtigen Herren seines Stammes, der die Macht gehabt hatte, allen Menschen in seinem weiten Land Gold und Glück zuteil werden zu lassen. Sie glaubten ihm, als er sagte, er könne ihnen das Glück schenken. Sie fühlten sich getröstet und waren froh, daß ihr junger Herr sie liebte.

Als er seine Rede geschlossen hatte, jubelten sie ihm zu und versprachen, ihm zu folgen und alles zu tun, was er befehle. In einem einzigen Augenblick hatte er die Herrschaft über sie erlangt. Er war so schön, so herrlich, daß sie ihm nicht widerstehen konnten. Und sein Glaube war von der Art, die hinreißt und besiegt.

In dieser Nacht gab es in ganz Diamante nicht einen einzigen armen Menschen, der nicht glaubte, Gaetano werde ihm sorgenfreie glückliche Tage schenken. In dieser Nacht flehten alle, die in Schuppen und Hinterhäusern wohnten, den Segen Gottes auf ihn herab. In dieser Nacht legten sich die Hungrigen in dem festen Glauben nieder, daß am nächsten Tag ein gedeckter Tisch für sie bereitstehen werde.

Denn wenn Gaetano sprach, war seine Rede von so hinreißender Gewalt, daß er die Alten zu der Überzeugung brachte, daß sie noch jung seien, und die Frierenden, daß es ihnen warm sei. Und man hatte das Gefühl, daß das, was er versprach, eintreffen mußte.

Er war der Fürst der neuen Zeit. Seine Hände waren freigebig; nun, da er gekommen war, würden Wunder und Segensspenden auf Diamante herabregnen.

*

Am nächsten Tag gegen Sonnenuntergang trat Giannita in das Krankenzimmer und flüsterte Donna Micaela zu: »In Paterno ist der Aufruhr ausgebrochen. Es wird schon seit mehreren Stunden geschossen, man kann es bis hierher hören. Man hat schon von Catania Truppen verlangt. Und Gaetano sagt, es werde auch hier bald losgehen. Er sagt, es werde in allen Ätnastädten zu gleicher Zeit losgehen.«

Donna Micaela bedeutete Giannita, bei ihrem Vater zu bleiben, sie selbst aber ging über die Straße und in Donna Elisas Laden. Donna Elisa saß vor ihrem Stickrahmen hinter dem Ladentisch, arbeitete aber nicht. Große schwere Tränen liefen ihr die Wangen hinab, so daß sie ihre Arbeit hatte einstellen müssen.

»Wo ist Gaetano?« fragte Donna Micaela ohne Umschweife. »Ich werde mit ihm sprechen.«

»Gott gebe, daß es dir gelinge«, erwiderte Donna Elisa. »Er ist draußen im Garten.«

Donna Micaela ging über den Hof und in den von einer hohen Mauer umgebenen Garten.

In dem Garten waren viele schmale Gänge, die sich von Terrasse zu Terrasse schlängelten. Es waren auch eine Menge Lauben, Grotten und Ruheplätze da. Und alle waren so umwachsen von steifen Agaven, dichten Zwergpalmen, hartblättrigen Gummibäumen und Rhododendron, daß man keine zwei Schritte voraussehen konnte. Donna Micaela wanderte lange in den unzähligen Gängen umher, ohne Gaetano zu finden. Und je länger sie ihn suchte, desto ungeduldiger wurde sie.

Schließlich fand sie ihn am äußersten Ende des Gartens. Sie erblickte ihn auf der untersten Terrasse, die auf eine der Bastionen der Stadtmauer hinausgebaut war. Da saß er ganz ruhig und arbeitete mit Meißel und Hammer an einer Statuette. Als er Donna Micaela bemerkte, kam er ihr mit ausgestreckten Händen entgegen.

Sie ließ sich kaum Zeit, ihn zu begrüßen.

»Ist es wahr«, sagte sie, »daß Ihr heimgekehrt seid, um uns alle zu verderben?«

Er begann zu lachen.

»Der Sindaco ist hier gewesen. Der Pfarrer ist hier gewesen. Und nun kommt auch Ihr noch?«

Es verletzte sie, daß er lachte und daß er von dem Pfarrer und von dem Sindaco sprach. Es war doch wohl etwas anderes und mehr, wenn sie kam.

»Wollt Ihr mir sagen«, begann sie steif, »ob es wahr ist, daß heute abend ein Aufruhr hier losbrechen wird?«

»O nein«, antwortete er, »bei uns bricht kein Aufruhr los.« Und er sagte dies in so traurigem Ton, daß sie fast Mitleid mit ihm fühlte.

»Ihr macht Donna Elisa sehr viel Kummer«, rief sie.

»Und auch Euch«, sagte er mit leichtem Spott. »Ich mache euch allen viel Kummer. Ich bin der verlorene Sohn, ich bin Judas, ich bin der Racheengel, der euch aus dem Paradies vertreibt, worin ihr euch nur von Gras ernährt habt.«

»Vielleicht finden wir, daß unser jetziges Los immer noch besser ist, als von den Soldaten erschossen zu werden.«

»Ja, gewiß ist es besser, wenn man verhungert. Daran ist man gewöhnt.«

»Es ist auch nicht angenehm, von Banditen erschossen zu werden.«

»Aber warum in aller Welt läßt man zu, daß es Banditen gibt, wenn man doch nicht von ihnen ermordet werden will?«

»Oh, ich weiß wohl«, sagte sie immer erregter, »Ihr habt allen Reichen den Untergang geschworen.«

Er antwortete nicht sogleich, sondern biß sich auf die Lippen, um nichts Übereiltes zu sagen.

»Ich möchte mich bei Euch aussprechen, Donna Micaela«, sagte er schließlich. »Erlaubt mir, daß ich Euch alles erkläre.«

Zugleich nahm sein Gesicht einen ganz ruhigen Ausdruck an. Und nun fing er an, ihr den Sozialismus zu erklären, so klar und einfach, daß ein Kind ihn hätte verstehen können. Trotzdem war sie weit davon entfernt, ihm zu folgen. Sie wäre vielleicht dazu fähig gewesen, aber sie wollte nicht. Gerade jetzt wollte sie nichts vom Sozialismus hören. Ihr war so merkwürdig zumute geworden, als sie ihn erblickt hatte. Der Boden hatte unter ihr zu schwanken begonnen. Etwas Herrliches, Glückseliges hatte sie ergriffen und ganz bezaubert.

»Lieber Gott, das ist der, den ich liebe!« hatte sie zu sich selbst gesagt. »Er ist es wirklich.«

Ehe sie ihn sah, hatte sie sehr gut gewußt, was sie ihm sagen wollte. Sie hatte ihn zu seinem Kinderglauben zurückführen wollen. Sie hatte ihm zeigen wollen, daß diese neue Lehre verabscheuungswürdig und gefährlich sei. Aber dann war die Liebe über sie gekommen. Sie machte sie verwirrt und dumm. Sie konnte ihm nichts entgegnen. Sie schwieg und wunderte sich, daß er so reden konnte.

Sie fragte sich, ob er jetzt noch schöner sei als früher. Früher war sie gar nicht so verwirrt geworden, wenn sie ihn gesehen hatte. Noch niemals war sie in diesem Grad hingenommen gewesen. Oder kam es daher, daß er ein freier, starker Mann geworden war? Ihr wurde ganz bange, als sie fühlte, welche Macht er über sie hatte. Sie wagte nicht, ihm zu widersprechen, ja, sie wagte nicht einmal, etwas zu sagen, weil sie fürchtete, dann in Tränen auszubrechen. Wenn sie hätte sprechen können, würde sie sicher nicht von Politik gesprochen haben. Sie würde ihm erzählt haben, was sie an jenem Tag erlebt hatte, als die Glocken von San Pasquale läuteten. Oder sie würde ihn gebeten haben, seine Hand küssen zu dürfen. Sie hätte ihm gerne gesagt, was sie von ihm geträumt hatte, und sie würde ihm dann auch gesagt haben, daß ihr das Leben ganz unerträglich gewesen wäre, wenn sie nicht von ihm hätte träumen dürfen. Ja, sie würde ihn gebeten haben, seine Hand aus Dankbarkeit küssen zu dürfen, zum Dank dafür, daß er ihr in all diesen Jahren die Möglichkeit zu leben gegeben hatte.

Wenn es aber keinen Aufruhr geben sollte, warum sprach er dann vom Sozialismus?

Was ging sie der Sozialismus an, während sie hier mit ihm in Donna Elisas altem Garten saß? Sie schaute den Gartenweg entlang. Luca hatte auf beiden Seiten hölzerne Bogen aufgerichtet, und an diesen schlängelten sich nun Rosengirlanden empor, deren junge Zweige mit Knospen und Blüten bedeckt waren. Immer wieder fragte man sich, wohin dieser Pfad wohl führe. Er führte aber zu einem kleinen verwitterten Amor. Der alte Luca verstand die Sache besser als Gaetano.

Während sie so beieinander saßen, ging die Sonne unter, und der Ätna färbte sich ganz rosenrot. Es war, als erröte er aus Zorn über das, was sich in Donna Elisas Garten zutrug. Bei Sonnenuntergang, wenn der Ätna in leuchtendem Rot erglühte, pflegte Donna Micaela an Gaetano zu denken. Es war ihr dann, als hätten sie beide Gaetano erwartet und als sähen sie ganz deutlich, wie es sein würde, wenn er einmal zurückkehrte. Sie hatte nur gefürchtet, er würde allzu feurig und stürmisch sein. Und nun sprach er von nichts als von diesen gräßlichen Sozialisten, die sie verabscheute und fürchtete.

Er sprach lange. Sie sah, wie der Ätna verblaßte und eine goldbraune Färbung annahm, und dann brach die Dunkelheit herein. Sie wußte, daß der Mond bald aufging. Sie saß ganz still und hoffte auf die Hilfe des Mondscheins. Sie selbst konnte ja nichts tun. Sie war vollständig in seiner Gewalt. Aber als der Mondschein kam, half er ihr doch nicht. Gaetano redete weiter von Kapitalisten und Arbeitern.

Da dachte sie, dafür könne es nur eine Erklärung geben. Er hatte aufgehört, sie zu lieben. Und plötzlich tauchte eine Erinnerung in ihrem Gedächtnis auf. Vor acht Tagen, gerade an dem Tag, als Gaetano nach Hause gekommen war, wollte sie Giannita in ihrem Zimmer aufsuchen. Sie war so leise eingetreten, daß Giannita sie nicht gehört hatte. Und da hatte sie Giannita wie in einer Verzückung gefunden; mit emporgehobenen Armen und zum Himmel gerichtetem Antlitz stand sie da. In den Händen hielt sie ein Porträt. Bald führte sie es an die Lippen und küßte es, bald hob sie es hoch empor und betrachtete es im höchsten Entzücken. Das Bild aber stellte Gaetano dar.

Als Donna Micaela, das sah, zog sie sich ebenso leise, wie sie gekommen war, wieder zurück. Und damals hatte ihr Giannita nur leid getan, weil sie Gaetano liebte. Aber jetzt, als Gaetano nur vom Sozialismus sprach, erinnerte sie sich an jene Szene.

Nun begann sie zu glauben, daß auch Gaetano Giannita liebe. Sie entsann sich, daß die beiden Spielgefährten gewesen waren. Er liebte sie vielleicht schon lange. Vielleicht war er nur nach Hause gekommen, um sie zu heiraten. Donna Micaela konnte nichts dagegen sagen, sie konnte sich über nichts beklagen. Kaum vor einem Monat hatte sie an Gaetano geschrieben, es sei unrecht von ihm, daß er sie liebe.

In diesem Augenblick beugte er sich vor, sah ihr in die Augen und zwang sie endlich, auf das zu hören, was er sagte. »Ihr müßt verstehen, Ihr müßt sehen und verstehen, Donna Micaela«, sagte er. »Was wir hier im Süden brauchen, ist eine Wiedergeburt, eine Auferstehung, wie es das Christentum seinerzeit war. Hinauf mit den Sklaven, herunter mit den Herren! Einen Pflug herbei, der neue Gesellschaftsschichten nach oben kehrt! Wir müssen in eine neue Erde säen, die alte ist ausgelaugt. Die alten oberen Erdschichten bringen nur ein dünnes, elendes Wachstum hervor. Laßt den Grund ans Licht kommen, und Ihr werdet andere Erfolge sehen.

Seht, Donna Micaela, warum lebt der Sozialismus weiter, warum ist er nicht längst untergegangen? Weil er mit einem neuen Wort erscheint. ›Denkt an die Erde!‹ heißt dieses Wort, gerade so wie einst das Christentum mit dem Wort kam: ›Denkt an den Himmel!‹ Seht Euch um! Seht die Erde an, macht sie nicht unser einziges Besitztum aus? Darum müssen wir uns hier so einrichten, daß wir glücklich werden. Warum, ach warum nur hat man früher nicht so gedacht? Nur darum, weil wir uns zuviel mit dem beschäftigt haben, was nachher kommt. Wir sollten dem Hinterher doch endlich den Laufpaß geben. Die Erde, die Erde, Donna Micaela! Wir Sozialisten, wir lieben sie. Wir beten die heilige Erde an, diese arme verachtete Mutter, die sich in Trauer hüllt, weil ihre Kinder zum Himmel aufsteigen wollen. Glaubt mir, Donna Micaela, ehe sieben Jahre vergangen sind, wird es geschehen sein. Ehe das Jahr neunzehnhundert anbricht, wird alles getan sein. Dann werden Märtyrer geblutet haben, dann werden Apostel gesprochen haben, dann wird eine Schar Menschen um die andere zu uns übergegangen sein. Wir, die echten Söhne der Erde, werden den Sieg erringen. Und die Erde wird sich vor uns in ihrer ganzen Schönheit entfalten. Sie wird uns Schönheit, Genuß, Kenntnisse und Gesundheit geben.«

Gaetanos Stimme begann zu zittern, und Tränen glänzten in seinen Augen. Er trat an den Rand der Terrasse und streckte die Arme aus, als wolle er die mondbeglänzte Erde umarmen. »Du bist blendend schön!« rief er. »Blendend schön!«

Und Donna Micaela war es einen Augenblick, als könne sie seine Angst über die Qual, die sich unter dieser schönen Oberfläche der Erde verbarg, mitfühlen. Sie sah das Leben mit seinen Lastern und Leiden sich durch diese strahlende, schöne Welt daherschlängeln wie ein schmutziger Fluß voll stinkenden Unrats.

»Und niemand kann sich deiner freuen«, sagte Gaetano, »niemand darf es wagen, sich an dir zu erfreuen. Du bist ungezähmt und voller Tücke und Schlechtigkeit. Du bist voller Unsicherheit und Gefahr, voller Reue und Qual, voller Schmach und Schande, voller Zerstörungsluft, voll von allem Furchtbaren, weil die Menschen dich nicht besser machen wollen.

Aber dein Tag wird kommen!« rief er jubelnd. »Einst werden sie dir ihre ganze Liebe zuwenden. Sie werden sich nicht einem Traum zuwenden, der nichts tut, nichts gibt und nichts vermag!«

Sie unterbrach ihn plötzlich. Sie fürchtete sich immer mehr vor ihm.

»So ist es also wahr, daß Ihr in England nicht vorwärtsgekommen seid?«

»Wie meint Ihr das?«

»Es heißt, der große Meister, zu dem Miß Tottenham Euch geschickt hat, habe gesagt, Ihr...«

»Was habe er gesagt?«

»Ihr und Eure Bilder paßten nach Diamante, aber nirgendwo anders hin.«

»Wer sagt das?«

»Man glaubt es, weil Ihr so verändert seid.«

»Weil ich jetzt Sozialist bin?«

»Würdet Ihr es sein, wenn Ihr vorwärtsgekommen wäret?«

»Ja, würde ich... Ihr wißt also nicht«, fuhr er lachend fort, »daß mein Meister in England selbst Sozialist war? Ihr wißt nicht, daß er selbst es war, der mich in diese Anschauungen eingeführt hat?...«

Er brach ab und setzte das Gespräch nicht fort, sondern ging zu der Bank hin, auf der er gesessen hatte, als Donna Micaela kam, und holte eine kleine Figur herbei. Diese reichte er ihr. Es war, als wolle er sagen: »Da seht, ob Ihr recht habt.«

Sie nahm die Figur und hielt sie im Mondschein in die Höhe. Es war eine Mater dolorosa aus schwarzem Marmor. Sie konnte sie ganz deutlich sehen, und sie konnte auch das Gesicht erkennen. Das Bild trug ihre eigenen Züge. Dies berauschte sie für einen Augenblick. Aber im nächsten schon wurde sie von Schrecken erfüllt. Er, der Sozialist, der nicht mehr gläubig war, wagte es, eine Madonna zu bilden. Und er hatte dem Bild ihre Züge gegeben. Er zog sie mit in seine Sünde hinein.

»Ich habe sie für Euch gemacht, Donna Micaela,« sagte er. Ha, wenn sie ihr gehörte! Sie schleuderte sie über die Balustrade hinab. Das Bild schlug auf der steilen Bergwand auf. Es fiel immer tiefer hinab, riß Steine los, zerschellte dabei wohl selbst. Endlich vernahm man ein Plätschern im Simeto drunten.

»Mit welchem Recht bildet Ihr eine Madonna?« fragte sie Gaetano.

Er schwieg. So hatte Gaetano Donna Micaela noch nie gesehen.

In dem Augenblick, wo sie sich gegen ihn auflehnte, war sie groß und achtunggebietend geworden. Die Schönheit, die bei ihr kam und ging wie ein unruhiger Gast, thronte auf ihrem Gesicht. Sie sah kalt und unbeugsam aus, wie eine Frau, die zu gewinnen und zu besiegen man sich herausgefordert fühlt.

»Ihr glaubt also doch noch an Gott, da Ihr Madonnen bildet?« sagte sie.

Er atmete heftig. Jetzt war er wie gelähmt. Er war selbst einst gläubig gewesen und verstand, wie sehr er sie verletzt haben mußte. Er sah, daß er ihre Liebe verspielt hatte. Durch seine Schuld war nun ein furchtbarer, bodenloser Abgrund zwischen ihnen entstanden.

Er mußte sprechen, mußte sie auf seine Seite herüberziehen. Er begann wieder zu sprechen, aber leise und stammelnd.

Sie hörte ihn eine Weile ruhig an. Dann unterbrach sie ihn beinahe mitleidig.

»Wie seid Ihr so geworden?«

»Ich dachte an Sizilien«, sagte er ausweichend.

»Ihr dachtet an Sizilien«, wiederholte sie nachdenklich.

»Und warum seid Ihr zurückgekehrt?«

»Ich kehrte zurück, um einen Aufstand zu erregen.«

Es war, als sprächen sie von einer Krankheit, von einer Erkältung, die er sich zugezogen hatte und die ganz leicht zu heilen sein mußte.

»Ihr kehrtet zurück, um uns zu verderben«, sagte sie streng. »Wie Ihr wollt, wie Ihr wollt«, sagte er nachgiebig. »Ihr könnt es ja so nennen. Ach, wenn man mir nicht falsche Nachrichten hätte zukommen lassen, wenn ich nicht eine Woche zu spät gekommen wäre! Sieht das uns Sizilianern nicht so recht ähnlich, daß wir uns die Polizei zuvorkommen lassen? Als ich eintraf, waren die Führer schon verhaftet und die Insel war von vierzigtausend Mann besetzt. Zu spät!«

Es klang so sonderbar hohl in seinem Herzen, dieses: Zu spät! Und für etwas so Aussichtsloses hatte er sein Glück verspielt. Seine Ansichten und Grundsätze erschienen ihm nun wie trockene Spinnengewebe, die ihn gefangen hatten. Er wollte sich losreißen, um Donna Micaela zu erreichen. Sie war das einzig Wirkliche, das einzige, was sein eigen war. Dieses Gefühl hatte er schon früher gehabt. Jetzt kehrte es zurück. Sie war das einzige auf der Welt für ihn.

»Es wurde heute doch in Paterno gekämpft.«

»Es war nur ein Streit am Stadttor«, sagte er. »Das ist nichts. Ja, wenn ich den ganzen Ätna, den ganzen Städtekranz ringsum hätte anzünden können! Dann hätte man uns doch verstanden. Man hätte uns gehorcht. Jetzt schießt man bloß ein paar Bauernhaufen nieder, um einige hundert hungrige Mägen weniger zu haben. Aber man macht uns nicht ein einziges Zugeständnis.«

Er riß an seinem Spinnengewebe, konnte, durfte er zu ihr hintreten und ihr sagen, daß ihm das alles gleichgültig sei? Er brauche ja gar nicht an Politik zu denken. Er sei ein Künstler, er sei frei. Und er wolle sie besitzen.

Aber gerade in diesem Augenblick wurde die Luft mächtig erschüttert. Ein Schuß rollte durch die Dunkelheit daher, und dann noch einer und wieder einer. Sie trat zu ihm und ergriff ihn beim Handgelenk.

»Ist das der Aufstand?« fragte sie.

Schuß auf Schuß rollte durch die Luft. Dann vernahm man das Schreien und Lärmen eines Volkshaufens, der die Straße hinabstürmte.

»Das ist der Aufstand! Es muß der Aufstand sein. Es lebe der Sozialismus!«

Jubel erfüllte ihn. Der ganze Glaube an seine Sache erwachte wieder. Und auch sie würde er gewinnen. Die Frauen haben sich noch nie geweigert, dem Sieger anzugehören.

Ohne ein weiteres Wort zu sagen, eilten beide durch den Garten zur Pforte. Hier begann Gaetano zu wettern und zu fluchen. Er konnte nicht hinaus. Es steckte kein Schlüssel im Schloß. Er war im Garten eingesperrt.

Er schaute sich um. Auf drei Seiten waren hohe Mauern und auf der vierten ein Abgrund. Es gab keinen Ausweg für ihn. Aber von der Stadt her vernahm man einen furchtbaren Lärm. Menschen rannten hin und her, man hörte Schüsse und Geschrei. Und man hörte sie brüllen: »Es lebe die Freiheit! Es lebe der Sozialismus!«

Gaetano warf sich mit aller Gewalt gegen die Tür, beinahe hätte auch er gebrüllt. Er war gefangen. Er durfte nicht dabei sein! Donna Micaela holte ihn ein, so schnell sie konnte. Jetzt, nachdem er ihr alles erzählt hatte, wagte sie nicht mehr, ihn zurückzuhalten.

»Wartet, wartet!« sagte sie. »Ich habe den Schlüssel an mich genommen.«

»Ihr, Ihr!« sagte er.

»Ich habe ihn abgezogen, als ich kam, denn ich dachte, ich könne Euch hier zurückhalten, wenn ein Aufstand entstehen würde. Ich wollte Euch retten.«

»Welche Torheit!« rief er und riß ihr den Schlüssel aus der Hand.

Während er das Schloß suchte, fand er noch Zeit, sie zu fragen:

»Warum wollt Ihr mich jetzt nicht mehr retten?«

Sie gab keine Antwort.

»Vielleicht um Eurem Gott Gelegenheit zu geben, mich zu verderben?«

Sie schwieg noch immer.

»Wagt Ihr es nicht, mich vor seinem Zorn zu beschützen?«

»Nein, ich wage es nicht«, sagte sie leise.

»Ihr Gläubigen seid furchtbar«, sagte er.

Er fühlte, daß sie ihn verwarf. Ein kalter Schauder erfaßte ihn und raubte ihm den Mut, weil sie nicht den geringsten Versuch machte, ihn zurückzuhalten. Er drehte den Schlüssel hin und her, ohne das Schloß aufzubringen; er war wie gelähmt, weil sie so kalt und bleich hinter ihm stand.

Plötzlich fühlte er ihre Arme um seinen Hals und ihre Lippen, die die seinigen suchten.

Da flog die Pforte weit auf, und er stürmte hinaus. Er wollte ihre Küsse nicht, die ihn doch nur dem Tod weihten. Sie war ihm gespensterhaft unheimlich in ihrem alten Glauben. Er stürzte wie gejagt davon.

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