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Die wissenschaftliche Emancipation der Frau

Hedwig Dohm: Die wissenschaftliche Emancipation der Frau - Kapitel 7
Quellenangabe
typetractate
authorHedwig Dohm
titleDie wissenschaftliche Emancipation der Frau
noteNach dem Reprint der 1874 erschienenen Abhandlung, Wedekind & Schwieger 1874, Berlin
year1874
publisherAla Verlag Zürich
isbn3-85509-008-4
senderhelga.luebcke@t-online.de
created20030102
firstpub1874
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Nachdem Herr v. Bischof im Allgemeinen gegen das Studiren der Frauen polemisirt hat, kommt er nun auf das besondere Studium der Medicin, von dem das weibliche Geschlecht zurückzuschrecken, die eigentliche Aufgabe seiner Broschüre ist. Für befremdlich müssen wir es halten, daß ein gelehrter Herr wie Herr v. Bischof nicht zu wissen scheint, daß die Frauen bereits in der Geschichte der Medicin eine nicht unwesentliche Rolle gespielt haben. Eine kurze historische Uebersicht mag hier am Platze sein.

So weit dürftige Nachrichten uns ein Urtheil gestatten, haben die Frauen von jeher eine ganz besondere Begabung für die Medicin gezeigt. Bei den alten nordischen Völkern zeichneten sich die Druidinnen dergestalt aus, daß die Druiden in der Regel ihnen die Sorge für die schwersten Krankheiten überließen und der Aberglaube ihnen die Macht zuschrieb, selbst unheilbare Krankheiten zu heilen.

Im elften Gesange der Iliade ist von Mulios die Rede, dessen Eidam Augeias war, »seiner ältesten Tochter vermählt, Apamede der blonden, die Heilkräuter verstand, so viel rings nähret das Erdreich«. Und im Hippolytos des Euripides bittet die Amme die kranke Phädra: »Und wenn’s ein heimlich Uebel ist, an dem du krankst, sind hier die Frau’n mit ihrer Hülfe dir bereit«, - woraus wir wohl schließen dürfen, daß in der alten Welt Frauenkrankheiten von Frauen behandelt wurden.

Unter den Griechinnen finden wir Olympias von Theben genannt die Plinius erwähnt und Aspasia, deren Schriften über Frauenkrankheiten, Aëtius, ein mesopotamischer Arzt, in seinen Werken aufbewahrt hat.

Auf Hygienus’ Autorität beruht die Geschichte eines atheniensischen Mädchens, Agnodice, deren Erfolge in der Medicin die staatliche Erlaubniß für die medicinischen Studien der Frau veranlasst haben sollen.

Als Curiosität sei hier einer Version dieser Geschichte erwähnt aus der Feder der Mrs. Celleor, einer Hebamme unter der Regierung Jakobs II., die im Jahre 1867 veröffentlicht wurde und sich jetzt in British Museum befindet. [Dieses Schriftstück, so wie einige der nachfolgenden historischen Notizen sind dem englischen Werk »Woman’s Work and Woman’s Culture, edited by Josephine Butler« entlehnt.]

Mrs. Celleor theilt mit, daß eine Zeit lang in Athen ein Gesetz bestanden, das den Frauen bei Todesstrafe verbot, Medicin und Wundarznei zu studiren oder auszuüben, und daß in Folge dieser Bestimmung viele Frauen umgekommen seien, sowohl im Kindbett als in anderen Krankheiten, indem ihre Schamhaftigkeit ihnen nicht gestattete, sich Männern anzuvertrauen. Darauf – fährt sie fort – erweckte Gott den Geist der Agnodice, einer edlen Jungfrau. Sie fühlte Mitleid mit dem Elend ihres Geschlechts und wagte ihr Leben, um den Frauen zu helfen. Sie kleidete sich wie ein Mann und wurde Schüler des Hierophilos, des gelehrtesten Arztes seiner Zeit, und nachdem sie seine Kunst erlernt hatte, fand sie eine Frau, die lange an geheimen Leiden siechte; sie bot ihr ihre Dienst an und versprach ihr, sie zu heilen. Die Kranke aber wies sie zurück, in dem Glauben, daß sie ein Mann sei. Als ihr aber Agnodice ihr Geschlecht entdeckte, gab sich die Frau in ihre Hände und genas. Und mit derselben Kunst und Sorgfalt stellte sie noch viele Andere her, so daß sie bald der vielgeliebte Arzt des ganzen weiblichen Geschlechtes wurde. Aber ihr Geschlecht ward ruchbar, und man verurtheilte sie zum Tode um der Uebertretung des Gesetzes willen. Als das den edlen Frauen Athens zu Ohren kam, liefen sie vor den Areopag und umschlossen das Haus, und Viele von ihnen traten vor die Richter und riefen ihnen zu, daß die Männer sich nicht betragen hätten wie ihre Freunde und Gatten, sondern wie ihre grausamsten Feinde; denn zum Tode verurtheilten sie diejenige, die ihnen Gesundheit und Leben geschenkt hätte, und sie betheuerten, sie Alle wollten lieber mit Agnodice sterben, als mit ansehen, wie man sie zum Tode schleppe. – Dieser Vorfall veranlaßte den hohen Rath, jenes Gesetz zu annuliren und ein neues zu machen, welches edlen Frauen das Studium und die Ausübung aller Zweige der Medicin gestattete, welche sich auf ihr eigenes Geschlecht beziehen, und denen, welche sich in ihrer Kunst auszeichneten, glänzende Stipendien bewilligte.

Selbst im griechischen Kaiserreich widmeten sich Frauen der Medicin. Der Historiker Amadée Thierry berichtet von einer reichen und ausgezeichneten Jungfrau, Namens Nikarete, die unter Chrysostomus und Eudoxia nach Constantinopel kam in der Voraussicht, dort, wo das tiefste Elend herrschte, ihr Erbtheil am besten verwenden zu können. Durch die Inspiration einer fast übermenschlichen Barmherzigkeit, heißt es, erlernte sie die Medicin und die Zubereitung von Arzneimitteln. Sie verwandelte ihr Haus in ein Laboratorium von Droguen, die sie unentgeltlich an die kranken Armen vertheilte. Bald wurde sie der Arzt alles Volkes von Constantinopel, welches mit naivem Vertrauen an ihr hing, und es ging die Rede im Volk: Nikarete’s Arzneien heilen immer.

Tausende von Jahren hindurch war die Hexe der einzige Arzt des Volkes. Die Kaiser, Könige, Päpste und reicheren Barone hielten sich einige Doktoren aus Salerno, Mauren und Juden; aber die Masse des Volkes, ja man könnte sagen die Welt, fragte nur die Saga oder kluge Frau um Rath. [Michelet: »Die Hexe.«] Als Paracelsus im Jahr 1524 sämmtliche Arzneien verbrannte, erklärte er, nichts weiter zu wissen, als was er von den Hexen gelernt habe.

Das Mittelalter kennt berühmte weibliche Aerzte.

Ein Cabinetsschreiben vom Jahre 1225 bewilligt einer Frau, welche unter dem Titel eines médecin royal Ludwig IX. und seine Familie auf dem Kreuzzuge begleite hatte, eine lebenslängliche Pension.

Vorzugsweise in den Feudalschlössern war das Studium der Medicin unter den Schloßherrinnen verbreitet, die bei der Behandlung ihrer Leibeigenen hingebende Sorgfalt bewiesen und geschickt die Wunden verbanden. Berühmt in der Heilkunde war die Baronin von Nabutin-Chantal. In der Dichtung des Mittelalters ist die Aerztin der Typus des vollkommenen Weibes. Als Aerztin schildern sie uns die bretonischen Gesänge; so wird sie in einem berühmten Roman des 13. Jahrhunderts dargestellt. (Vgl. Parthenopeus de Blois, dessen Heldin die sieben freien Künste übt, die Vorzüge der Heilmittel kennt und die Kunst, zu heilen, versteht.)

Als die Schule von Salerno im höchsten Glanze war, hatte eine Frau, deren Ruhm den ihrer Collegen verdunkelte, den meisten Zulauf.

Aus der großen Zahl von Aerztinnen, die Klemm und Andere anführen, will ich einige Namen hervorheben.

In Spanien lebte im 16. Jahrhundert zu Alcarez Olivia Sabuco de Nantes, die ausgebreitete Kenntnisse in der Medicin besaß, und deren Schriften 1580 in Madrid gedruckt wurden.

Auch wo das Studium der Medicin den Frauen verboten war, müssen sie vielfach heimlich ärztliche Praxis ausgeübt haben; denn im Jahre 1421 wurde Heinrich V. von England eine Petition überreicht, des Inhalts: man möge den Frauen unter Strafe schweren Gefängnisses die Ausübung der Medicin untersagen. [New-York. Medical Gazette, April 24. 1752.]

Englische Aerztinnen: Im 17. Jahrhundert die berühmte Aerztin Lady Ann Halket. [Ballards Memoirs of several Ladies of Great-Britain. Oxford 1752.]

Einige der ersten Aerzte des Königreichs, hieß es, fühlten sich nicht verletzt, wenn Personen vom höchsten Range diese Aerztin in ihren Krankheitszuständen consultirten, und viele Frauen, deren Leiden bis dahin aller ärztlichen Kuren gespottet hatten, wurden schließlich von den Aerzten selbst ihrer Behandlung anvertraut und gesundeten mit ihrer Hülfe.

Eine andere viel genannte Aerztin war Elisabeth Lawrence, ums Jahr 1644 geboren. In einer Geschichte ihres Lebens, von ihrem Gatten Samuel Bury erzählt [An account of the life and death of Mrs. Elizabeth Bury, Bristol 1721.], bezeugt dieser, daß nie ein zärtlicheres, sanfteres und mitleidigeres Weib gelebt habe als seine Gattin. Er berichtet, daß die ersten Männer der Fakultät in Staunen gerathen seien über ihre präcise und scharfsinnige Darlegung der schwierigsten Fälle der Medicin und über das große Misstrauen, das sie trotz ihrer umfassenden Kenntnisse und ihrer außerordentlichen Geschicklichkeit in sich selber gesetzt habe. Die Fälle, fügt der Biograph hinzu, in denen sie durch ihre Kunst Menschen das Leben rettete, sind nicht zu zählen.

Französische Aerztinnen: Fräulein v. Rézé, eine vielgesuchte Aerztin ums Jahr 1719; Frau von Zoutelandt, als medicinische Schriftstellerin hoch geschätzt; Madame Souchard und Angelique Leboursier de Condray. Als Anatomin zeichnete sich Mad. Boivin aus, die 1814 zum besoldeten Mitdirektor (mit dem Marquis de Belloy) des General-Hospitals der Seine und Oise ernannt wurde und 1815 dem Ruf zur Leitung eines Militairlazareths folgte. Für die Dienste, die sie in dieser Stellung geleistet, wurde ihr ein öffentlicher Dank votirt. [Quérard »Litterature Française.]

Italienische Aerztinnen: 1400-1436 nahm Dorothea Lucca in Bologna einen Lehrstuhl der Heilkunde ein. Im 18. Jahrhundert lehrte Anna Mazzolini Morandi, die zugleich Malerin und Bildhauerin war, in ihrer Vaterstadt, Bologna, Anatomie und wurde fast von allen gelehrten Akademien Italiens zum Mitgliede ernannt. Berühmt waren ihre anatomischen Präparate in Wachs, jetzt eine Zierde des Museums zu Bologna. Joseph II. soll sie im Jahre 1769 aufgesucht und nach verschiedentlichen Unterredungen mit öffentlichen Ehren überhäuft haben.

Ihre Tochter Zaffini Feretti scheint das Talent der Mutter geerbt zu haben. Sie studirte in Bologna Medicin und erlangte dort den Doctorhut. Ferner: Maria della Donne, die nach ihrem Tode in einer Biographie des »Raccoglitore Medico« als eine der wissenschaftlichen Berühmtheiten Bologna’s angeführt wird. Als Aerztin zeichnete sich zu Florenz Maria Magdalena Petraccini, Gattin des Dr. Feretti aus, die ein Werk über die physische Erziehung der Kinder herausgab. Klemm hebt besonders hervor, daß sie eine vortreffliche Mutter und sehr liebenswürdig gewesen sei.

Maria Mastellari Collizzoli Sega erhielt 1799 den Doctorhut. Eine ausgezeichnete Hausfrau und Mutter, sagt Klemm. Ich wiederhole hier, daß dieser Schriftsteller der entschiedenste Gegner der heutigen Frauenbestrebungen ist, aber ein sehr gewissenhafter Gelehrter, der aufs Sorgfältigste seine Quellen studirt hat und diese Quellen auch stets angibt.

Als deutsche Aerztinnen werden gerühmt Frau von Siebold und Frau von Heidenreich, Frau Dorothea Leporin (1715-62), die bis zu ihrem Tode prakticirte; Anna, Gemahlin des Kurfürsten August von Sachsen, und manche Andere.

Daß die meisten dieser Frauen ihren Doctorgrad nur durch große persönliche Opfer an Geld und Kraft, die ihnen auf dem regelmäßigen Wege erspart worden wäre, erlangt haben, liegt auf der Hand.

Noch einige Worte über den Theil der Medicin, dessen Ausübung von Natur und Rechtswegen einzig und allein der Frau zukommt, gestatte man mir: die Geburtshülfe.

Im alten Frankreich verbot die Gesetzgebung den Aerzten die Geburtshülfe, und die Kirche bestrafte die Uebertretung dieser Verbote mit Exkommunikation.

Zur Befugniß der Hebammen, von denen gründliche Kenntnisse gefordert wurden, das Leichenseciren der Frauen und Kinder mit einbegriffen, gehörte auch die Behandlung der Frauen- und Kinderkrankheiten.

Vereidigte Hebammen examinirten die Kandidatinnen. Bei den öffentlichen Ceremonien, bei den Banketten der Corporation, nahmen die Hebammen neben den Aerzten Platz, mit den Insignien der Stadt geschmückt. Die Hebammen der Könige trugen den grünen Hut (chaperon vert). Sie hinterließen werthvolle Schriften und wurden in jeder Beziehung den Aerzten gleich geachtet.

Aehnliche Verhältnisse finden wir in England. Ein englischer Arzt berichtet, daß in früheren Jahrhunderten die Geburtshülfe sich ganz in den Händen der Frauen befunden, und daß ein Mann nur ausnahmsweise, um hier und da eine Frau zu unterstützen, die Geburtshülfe studirt habe. Der Thätigkeit dieser Aerzte haftete aber ein leiser Makel an, denn man nannte sie niemals anders als »Men midwives« (männliche Hebammen). In einem deutschen medicinischen Buche des 16. Jahrhunderts, das mir in die Hände fiel, ist, wo die Geburtshülfe abgehandelt wird, immer nur von Hebammen, niemals von Aerzten die Rede. So heißt es an einer Stelle: »Die unnatürliche Geburt müsse durch Gottes Gnad – und frommer erfarnen Hebeammenrath und Sorg gebessert werden.«

Indessen gewannen schon während des 17. Jahrhunderts die Geburtshelfer langsam an Terrain; aber erst gegen die Mitte des vorigen Jahrhunderts sanken die Hebammen zu der völlig untergeordneten Stellung herab, die sie heutigen Tages inne haben.

Unter Karls II. Regierung gehörten die Hebammen in London zu den wohlhabendsten und geachtetsten Ausübern der Medicin. Sie besaßen schöne Häuser in den besten Gegenden Londons und wurden für gentle women gehalten, nicht trotz, sondern wegen ihres Berufes.

In Frankreich wurden im 17. u. 18. Jahrhundert Geburtshelfer nur ausnahmsweise benutzt.

Als zum ersten Male ein Arzt bei der Niederkunft der Madame de la Vallière fungirte, suchte man diese Ungeheuerlichkeit vor dem Publikum geheim zu halten. Indessen wurde die Thatsache bald bekannt, und sofort beeiferte sich eine Anzahl vornehmer Leute, ihren Herrn und Meister nachzuäffen.

Wie geschah es nun, daß die Männer einen Zweig der Heilkunde an sich reißen konnten, von dem Gesetz, Kirche und Schamhaftigkeit in früheren Jahrhunderten sie fern gehalten hatte? Sehr einfach. Die Willkür der Gesetzgebung, an welcher Frauen keinen Antheil hatten, verbot eines Tages der Frau das Studium und die Ausübung der Medicin. Der Gesetzgeber rief den Geburtshelfer ins Leben und unterdrückte trotz Vernunft, Schamhaftigkeit und individueller Freiheit das gemeinsame Recht.

Ein Schriftsteller gegen Ende des 18. Jahrhunderts, der noch nicht ahnen konnte, daß der Geburtshelfer im 19. Jahrhundert ein Gesetz sein würde, ruft ein prophetisches Wehe aus über diese abgeschmackte Neuerung und sieht sie als ein Zeichen des Dahinschwindens der weiblichen Schamhaftigkeit an. Er sah nicht voraus, daß man ein Jahrhundert später die Frau zwingen würde, einen Arzt zu nehmen, und daß gegenwärtig nicht die Frau für schamlos gilt, die sich eines männlichen Geburtshelfers bedient, sondern diejenige, welche sich dem wissenschaftlichen Studium der Geburtshülfe widmet.

In Folge des männlichen Monopols sind die heutigen Hebammen nur Handlangerinnen aus den untersten Ständen, Frauen von so geringer moralischer Bildung, daß, wie nur zu wohl bekannt ist, sie sich kein Gewissen daraus machen, ihr geringes Einkommen auf unehrenhafte, wenn nicht gar verbrecherische Weise zu vermehren.

Noch bis zum vorigen Jahrhundert hören wir von Frauen, die als Nachkommen der Hexen und Zauberinnen sich im Besitz trefflicher Heilmittel befanden. Voltaire, den Niemand im Verdacht des Aberglaubens haben wird, preist bei jeder Gelegenheit »les bonnes femmes«, und zu wiederholten Malen zieht er ihr praktisches Wissen den gelehrten Theorien des Doctors Tronchin vor. Er lobt sie, daß sie die Blattern impfen trotz des Verbotes des Parlaments, welches von der Impfung nichts wissen wollte, und daß sie die Krankheiten, über welche die Aerzte nur zu raisonniren pflegen, heilen. So heißt es in einem Briefe Voltaire’s an Madame du Deffant: »Meine Augen sind fast zwei Jahre lang zwei Wunden gewesen, eine bonne femme hat mich fast gänzlich geheilt.« Er schließt seinen Bericht: »C’était à Mr. Tronchin à m’enseigner ce qu’il fallait faire, et c’est une vieille ingnorante, qui m’a rendu le jour. Il faut à la gloire des bonnes femmes que je vous dise, que nous sommes fort sujets au ver solitaire, c’est encore une bonne femme qui en guérit, et le grand Tronchin en raisonne fort bien.«   

Bis zur französischen Revolution macht sich diese natürliche medicinische Anlage der Frauen überall geltend.

Madame Roland, die medicinische Studien getrieben hatte, berichtet, daß sie dieselben zum großen Segen der Dorfbewohner angewandt habe.

Chateaubriand spricht von drei grauen Schwestern, die Tag und Nacht an den Krankenbetten thätig waren. Er rühmt ihre Sanftmuth, und wie sie besonders geschickt gewesen seien, zerbrochene Glieder wieder einzurenken.

Erst unser Jahrhundert hat den traurigen Ruhm, die Aerztin völlig verdrängt zu haben – in der alten Welt. Die neue Welt aber, Amerika, hat in demselben Jahrhundert die Frage endgültig gelöst. In den verschiedenen Theilen Amerika’s prakticiren gegenwärtig mehr als 300 Aerztinnen mit unbestrittenem und unbestreitbarem Erfolge. Elisabeth Blackwell ist der weibliche Pionier, der diese Bahn für das weibliche Geschlecht eröffnet und damit der menschlichen Gesellschaft eine unermessliche Wohlthat erwiesen, deren Tragweite heut noch gar nicht zu ermessen ist.

Lucy Abbott und Eliza Chapin, welche das Krankenhaus von New-York leiten, behandelten in einem Jahre 6887 Frauen und Kinder.

In Philadelphia verdienen 6 weibliche Aerzte zwischen 10 und 50,000 Frcs. jährlich. In Orange (New-Jersey) beläuft sich das Einkommen einer der Aerztinnen auf 75,000 Frcs., und in New-York verdient eine Andere 80,000 Frcs. Einige von ihnen wetteifern an Ruf mit den ausgezeichnetsten und berühmtesten Chirurgen.

Eigenthümlicher Art ist das Vorurtheil, das man in einigen der Cultur entlegenen Weltgegenden bis heut gegen männliche Aerzte bewahrt hat. Die Aerzte der Tscherkessen sind durchgängig alte Frauen. Nur die eigentliche Wundarznei wird von Männern geübt. [Klemms Geschichte.]

In Rußland besucht ein junges Mädchen medicinische Curse auf Kosten der Kosaken von Orenburg, welche hartnäckig männliche Aerzte zurückweisen.

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