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Die wirkliche Lage in Rußland

Leo Trotzki: Die wirkliche Lage in Rußland - Kapitel 14
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authorLeo Trotzki
titleDie wirkliche Lage in Rußland
publisherAvalun-Verlag
translatorWilhelm Cremer
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Staatsindustrie und der Aufbau des Sozialismus

Das Tempo der industriellen Entwicklung

»Die einzige materielle Grundlage für den Sozialismus,« sagt Lenin, »ist eine ausgedehnte Maschinenindustrie, die imstande ist, den Ackerbau neu zu gestalten.«

Die Grundbedingung für eine sozialistische Entwicklung auf der gegenwärtigen, vorbereitenden Stufe und in der nun einmal vorliegenden geschichtlichen Situation – einer Umschließung durch kapitalistische Staaten und einer Verlangsamung der Weltrevolution – ist ein genügend schnelles Tempo der Industrialisierung, um in naher Zukunft die Lösung wenigstens der folgenden Probleme zu sichern:

  1. Die materielle Lage des Proletariats muß absolut und relativ gebessert werden (Vergrößerung der Zahl der beschäftigten Arbeiter, Herabsetzung der Zahl der Arbeitslosen, Verbesserung der materiellen Lage der arbeitenden Klasse und besonders eine den sanitären Anforderungen genügende Vergrößerung ihres Wohnraumes).
  2. Die Arbeit in der Industrie, im Transportwesen und auf den elektrischen Stationen muß zum mindesten im gleichen Maße mit den Bedürfnissen und den Hilfsquellen des ganzen Landes wachsen.
  3. Die Landwirtschaft muß die Möglichkeit finden, allmählich zu einer höheren technischen Grundlage überzugehen und der Industrie einen wachsenden Zustrom von Rohmaterial zu sichern.
  4. In der Entwicklung der produktiven Kräfte, in der Technik und in der Verbesserung der materiellen Bedingungen der Arbeiterklasse und der gedrückten Massen muß die Sowjetunion nicht mehr länger hinter den kapitalistischen Ländern zurückbleiben, sondern sie in naher Zukunft überflügeln.
  5. Industrialisierung muß genügend stark sein, um die Verteidigung des Landes und besonders ein entsprechendes Wachsen der Kriegsindustrien zu garantieren.
  6. Die sozialistischen, staatlichen und genossenschaftlichen Elemente müssen geflissentlich vermehrt werden, um vorsozialistische wirtschaftliche Elemente hinauszudrängen, andere zu unterwerfen oder umzuformen (die Kapitalisten und Vorkapitalisten).

Trotz unseres beträchtlichen Erfolges auf den Gebieten der Industrie, des Transports und der Elektrisierung ist die Entwicklung unserer Industrie noch weit von dem entfernt, was notwendig und möglich ist. Das augenblickliche Tempo der Industrialisierung und das für die kommenden Jahre angegebene Tempo sind offensichtlich einander nicht entsprechend.

Es gibt keine Politik, und es kann natürlich keine geben, die alle unsere Schwierigkeiten auf einen Schlag beseitigt, oder es uns gestattet, eine längere Periode planmäßiger Entwicklung unserer Industrie und Kultur zu überspringen. Aber gerade unsere Rückständigkeit in Industrie und Kultur verlangt eine außergewöhnliche Anspannung von Kräften und Mitteln, eine wirkliche und rechtzeitige Flüssigmachung unseres gesamten Wohlstandes, um das Land so schnell wie möglich zu industrialisieren. Das chronische Zurückbleiben der Industrie und ebenso des Transportwesens, der Elektrisierung und des Bauwesens hinter den Anforderungen und Bedürfnissen der Bevölkerung hält den ganzen Geschäftskreislauf des Landes wie in einem Schraubstock fest. Es beschneidet eine wirksame Gütererzeugung in der Landwirtschaft und ihren Export. Es beschränkt den Import auf sehr enge Grenzen, treibt Preise und Kosten der Produktion empor, verursacht die Schwankungen unseres Geldes und verlangsamt die Entwicklung der produktiven Kräfte. Es hält alle Verbesserung der materiellen Lage des Proletariats und der bäuerlichen Massen auf, führt zu einem beunruhigenden Anwachsen der Arbeitslosen und zu einer Verschlechterung der Lebensbedingungen. Es untergräbt die Einheit von Industrie und Landwirtschaft und schwächt die Verteidigungsfähigkeit des Landes.

Das unzulängliche Entwicklungstempo der Industrie führt auch wieder zu einer Verlangsamung der landwirtschaftlichen Entwicklung. Zu gleicher Zeit ist aber keine Industrialisierung möglich ohne ein entschiedenes Anwachsen der produktiven Kräfte der Landwirtschaft und der Quantität ihrer Gütererzeugung.

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