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Die Wiedergeburt des Melchior Dronte

Paul Busson: Die Wiedergeburt des Melchior Dronte - Kapitel 45
Quellenangabe
typefiction
booktitleDer Seelenwanderer
authorPaul Busson
year1996
publisherGrasmück Verlag
addressAltenstadt
isbn3-931723-00-3
titleDie Wiedergeburt des Melchior Dronte
pages292
created20000325
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1921
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Im trüben Morgenlicht konnten wir durch die zwar hochgelegenen, aber gesäuberten und hellen Fenster sehen, daß draußen feiner Regen fiel. Tropfen hingen funkelnd an den Eisenstangen des Gitters.

Dieser Kerker, freilich der letzte, in dem wir untergebracht waren, zeigte sich in jeder Beziehung freundlicher als das finstere Kohlengelaß, in dem wir unserer Aburteilung entgegengeharrt hatten. Ein krummbeiniger Kerkermeister mit gutmütigem Gesicht und einer natürlichen Begabung zu Scherzworten, brachte uns in Holzkannen Waschwasser und lieh uns reine, grobe Tücher zum Abtrocknen des Gesichts und der Hände. Jenen Gefangenen, die noch Geld bei sich trugen, besorgte er Schokolade zum Frühstück und Kuchenstücke. Die anderen erhielten eine Suppe aus eingebranntem Roggenmehl und eine große Schnitte Brot.

Da mich alles nichtig dünkte, was noch mit den Bedürfnissen des Leibes zusammenhing, begnügte ich mich mit einigen Löffeln Suppe. Auch in diesen letzten Stunden meines Lebens war es mir manchmal, als stünde ich ganz außerhalb der Geschehnisse und sähe von ferne, wie ein Beobachter, mich und meine Leidensgefährten. Dennoch hing dieses beobachtende Wesen, das mein Ich war, durch einen leitenden Faden mit dem Körper zusammen, der Morgenkühle, Hunger und jenes dumpfe, schnürende Gefühl in der Magengegend empfand, das schlimmen Ereignissen vorausgeht. Dieses seltsame Außer-mir-selbst-Stehen war so stark, daß mir meine eigenen Hände wie etwas Fremdes vorkamen, denn ich betrachtete sie genau und mit einer sonderbaren Rührung, als sähe ich etwas Bekanntes nach langer Zeit wieder. In all diese zwiespältigen Gefühle mischte sich noch eine Art von Bedauern über die Undankbarkeit, mit der die Seele sich gleichmütig anschickte, das Wohnhaus, in dem sie so lange gewesen war und durch dessen Sinne sie das Bild der wechselnden Umgebung aufgenommen hatte, für immer zu verlassen. Ich konnte, so sehr ich es auch versuchte, in dem bevorstehenden Abgang aus der gewohnten Form des irdischen Lebens nichts Großes oder Entscheidendes erblicken. Es war, als ob der Leib, obwohl seine Empfindungen alle fortbestanden, an denen der Seele keinen Anteil mehr habe.

Selbst die Szenen, die sich rings um mich abspielten, konnten mich nicht heftig bewegen, so sehr ich mir auch ihrer Traurigkeit bewußt war. Beständig regte sich etwas in mir, als müsse ich zu den armen Menschen sprechen und ihnen sagen, daß dies alles nur von untergeordneter Wichtigkeit sei und eigentlich nicht viel zu bedeuten habe. Aber es war mir auch völlig klar, daß sie mich keinesfalls verstanden hätten, und so schwieg ich und hielt mich abseits.

Um mich geschah vieles. Frauen weinten bitterlich, und ihre heißen Tränen, mit denen sie vom Leben Abschied nahmen, tropften in die tönernen Suppenschalen, aus denen sie aßen. Der Marquis de Carmignac saß in einer Ecke und ließ sich rasieren und sein Haar ordnen. Ein vertrockneter, wehmütig lächelnder Greis las einer kleinen Schar von Zuhörern aus den »Tröstungen der Philosophie« von Boethius vor. Ein hübscher junger Mensch im Reitanzug lehnte mit verzückten Augen an einer Säule und summte immer wieder ein Liedchen, das ihm offenbar als Erinnerung teuer war. Er hörte erst auf, als ein Abbé, der mit mehreren älteren und jüngeren Damen flüsternd betete, auf ihn zutrat und höflich bat, die religiöse Sammlung der Sterbenden nicht zu stören. Mehrere saßen stumpf, verzweifelt und ganz in sich versunken auf den Strohsäcken der Betten, die hier aufgestellt waren.

Nach einiger Zeit trat ein junger, blaß aussehender Barbiergehilfe mit dem Kerkermeister ein, winkte seinem Genossen, der gerade mit vielen Verbeugungen das Trinkgeld des Marquis entgegennahm, und forderte mit zitternder Stimme die Anwesenden auf, sich der Reihe nach auf eine in die Mitte des Raums gestellte Bank zu setzen, um sich die Haare abschneiden zu lassen. Diese Aufforderung rief lautes Schluchzen und einen Anfall von Ohnmacht hervor, aber die Toilette, wie das Verfahren kurz genannt wurde, ging rasch vonstatten. Die langen Flechten der Damen, die sorgfältig abgeschnitten und in einen kleinen Korb gelegt wurden, erbat er sich sehr höflich als für sein Geschäft brauchbar und überreichte jeder Frau, die ihre Einwilligung gab, ein kleines Fläschchen mit Riechsalz als Gegengabe.

Auch meinen Nacken berührte frostig und klappernd das bewegliche Eisen der Schere, und ihre Klingen durchtrennten knirschend mein Haar. Kühl empfand ich den Mangel.

Ringsum wurde das Beten lauter und inbrünstiger.

Um acht Uhr rasselte ein dröhnender Trommelwirbel, und die Tür tat sich auf. Vor einer Schar Soldaten erschien ein Kommissar mit der Schärpe und las hart und gleichgültig Namen auf Namen von einer Liste ab. Alle Genannten erhoben sich sofort und stellten sich links an die Tür in einer Reihe.

»Bürger Melchior Dronte!«

Ich verneigte mich kurz vor denen, die offensichtlich zurückblieben, und stellte mich neben einen großen, starken Mann, der mit geringschätziger Miene, hämisch das Kinn verschiebend, die Eskorte musterte. An seinen Tressen und Aufschlägen, sowie an der Uniform erkannte ich ihn als einen Major vom Regiment Broglie.

»Stinktiere – Gesindel aus der Gosse!« knurrte er vor sich hin und spuckte so heftig aus, daß ein kleiner, hungrig aussehender Soldat erschrocken einen Seitensprung tat.

Ein etwas schief gewachsener, grau gekleideter Mensch mit spöttischem Gesicht, der zu den Aufgerufenen gehörte, lachte leise vor sich hin.

»Dieses Fastnachtsspiel ist bald vorüber. Und es war nicht einmal sehr lustig.«

Wir wurden nun, etwa zwanzig an der Zahl, aus dem Keller geführt, gingen die Treppe hinauf und kamen auf einen Hof, der ganz von Soldaten umstellt war. Noch immer rieselte es dünn vom trüben Himmel. Einige Leiterwagen standen da, und man wies uns an, auf den quergenagelten Brettern Platz zu nehmen. Ein Junge von etwa fünfzehn Jahren stieg hinter uns auf und band uns mit starken Rebschnüren die Hände auf den Rücken, von einem berittenen Sergeanten beaufsichtigt. Ich sah, daß der junge Bursche jedem, an dem er seine Tätigkeit ausübte, etwas ins Ohr flüsterte. Und als an mich die Reihe kam, hörte ich von hinten, halb gehaucht, während warmer Atem meinen fröstelnden Nacken traf, die Worte: »Verzeihen Sie mir!« Ich fühlte, wie unruhig und heiß die Hände waren, die meine Arme banden.

Unter vielem Geschrei, Hin- und Herlaufen und Auf- und Abgetrabe der Kavallerieeskorte waren endlich die Wagen mit ihrer Menschenfracht beladen. Neben den Kutscher schwang sich ein Soldat auf den Bock, und die große Tür des Hofes tat sich mit lautem Knarren auf. Unabsehbare Menschenmassen füllten die Straße draußen und bildeten zwei Reihen, zwischen denen unsere Fuhrwerke nun langsam zu rollen begannen.

Ganz ruhig schaute ich um mich. Vor mir, steif aufgerichtet und über das Volk hinwegschauend, saß der Marquis de Carmignac, neben ihm der Major vom Regiment Broglie, der mit seinem wütend gesenkten roten Kopf an einen gereizten Stier erinnerte. Auf der Bank neben mir kauerte ein etwa sechzigjähriger, offenbar geistesgestörter Mann mit weißen Bartstoppeln, runzeligem Gesicht und rollenden Augen, der unaufhörlich Beschwörungen vor sich hinsagte.

»O Astaroth, o Typhon, o ihr sieben feurigen Drachen, du, o Siegelbewahrer, eilet herbei mir zu helfen! Laßt Flammen auf sie fallen, laßt die Erde sich auftun bis zur untersten Hölle, um sie zu verschlingen, mich aber tragt in den Garten des weißen Ariel Arizoth Araman Arihel Adonai...«

Die Worte wurden unverständlich, und endlich brach er in ein triumphierendes Kichern aus und ward ruhig, offenbar fest überzeugt von der sicheren Wirkung seines Geisterspruchs.

Ich drehte mühsam den Kopf nach der hinteren Bank und erblickte ein alterndes Mädchen mit ziegelroten Flecken auf den Backenknochen, das, gekleidet in ein schwarzes Gewand, mit zum Himmel gerichteten Augen ohne Unterlaß betete. Neben dieser Nonne, die sich leuchtenden Auges auf den Märtyrertod vorbereitete, zitterte wie eine Gallerte ein weißbestäubter Bäcker, dessen verquollene Augen aus dem heißen Gesicht in Todesangst glotzten. Sein riesiger Bauch, der fast die Nesteln der Hose sprengte, wackelte bei jedem Schritt der Pferde hin und her.

Ich sah übermäßig deutlich, und nicht die geringste Kleinigkeit entging mir. Ich bemerkte am Rock des Marquis einen herabhängenden silbernen Knopf. Am Halse des Majors eine entzündete Pustel. Auf der Weste des neben mir sitzenden Mannes klebten die Reste von genossener Eierspeise, und die Medaillen am Rosenkranz der Nonne schlugen manchmal klingend an ein Brett des Wagens.

Mein armer, nunmehr der Veränderung anheimgestellter Körper tat alles, um die ruhige Heiterkeit des Geistes, der sich zur Ausreise anschickte, zu stören und mit unwichtigen Sorgen von seinem Wege in die Ewigkeit abzulenken. Ein natürliches Bedürfnis, zu dessen Befriedigung keine Zeit mehr gewesen war, stellte sich mit lästiger Qual ein. Ein alter Erkältungsschmerz, der mich lange nicht mehr gepeinigt hatte, war nachts in die rechte Hüfte eingeschossen und bereitete mir bei den Stößen des Wagens große Qualen. Und zu dem allen kam noch die Todesfurcht, die der Leib empfand. Sie äußerte sich in starken Magenschmerzen und brachte es zuletzt dahin, daß von meiner Stirne ein kalter Tropfen über mein Gesicht rann. Kalter Schweiß war es, Todesschweiß...

Aber ich stand über oder neben diesen Empfindungen, die trotz ihrer Stärke doch nicht mehr recht zum Bewußtsein vordringen konnten. Es war eine scharfe und unwiderrufliche Scheidung zwischen Leib und Seele eingetreten, und die Seele erkannte mit Freuden, daß kein irdisches Fühlen sie auf ihrem Weg begleiten würde.

Aus der Menge brauste in vollen Akkorden ein Lied auf, in das Tausende von Stimmen einfielen. Die wirklich hinreißende Melodie, deren Worte ich nicht verstehen konnte, bis auf »Vaterland«, »Tyrannei« und ähnliches, wirkte stark und ergreifend auf mich ein. Sie war ein echtes und edelgeborenes, feuriges Kind der Zeit, und es war mir, als trage dieser rauschende Gesang etwas Verheißungsvolles in sich.

Aus den Fenstern der Vorstadthäuser sahen überall Leute heraus, fielen mit hellen, begeisterten Stimmen in das Lied ein und winkten mit ihren Tüchern. Die Pferde vor unserem Wagen, ein Schweißfuchs und ein Sommerrappe, wieherten auf, begannen zu tänzeln und nickten mit den Häuptern im Takt der gewaltigen Weise, die sich glühend und stürmend zum Himmel aufschwang. Selbst der Fuhrmann, ein finster blickender Mensch, und der junge Soldat neben ihm sangen die Hymne, denn eine solche war es, mit lauter Stimme mit.

Der Weg war nicht allzu lange. Ich sah noch einmal mit den altgewordenen Augen, die so vieles umfaßt hatten während meines Daseins, um mich und genoß die buntscheckige Vielheit der Bilder, die sich mir zeigten. Ich sah den Schlächter, der ein dampfendes, abgebrühtes Schwein in einer Holzmulde hin- und herbewegte, und die Messingbecken eines Barbiers, die im Regenwind klapperten und voll kleiner Tropfen hingen. Ich nahm den mitleidigen Blick zweier dunkler, schöner Mädchenaugen unter einer blühweißen Haube mit, bemerkte einen schwarzen Hund, der mich an die arme Diana erinnerte, und roch den kräftigen, säuerlich-herben Geruch frischer Lohe, der aus einer Gerberwerkstatt kam. Eine stahlblaue Fliege mit Glasflügelchen setzte sich auf meine Knie und reiste so ein ganzes Stück ohne eigene Mühe. Ein Haufen lustig schreiender, an allem Menschentum unbeteiligter Spatzen warf sich wie eine braune Wolke über den rauchenden Berg von Pferdemist, der von einem der vorderen Wagen stammte, und eine uralte Platane, ganz mit Wasserperlen behängt, ließ uns grämlich und gleichgültig vorüberfahren.

Und dann blieben mit einem Ruck alle Wagen stehen.

Wir waren auf dem häßlichen Platze angelangt, auf dem ich vor nicht langer Zeit mit dem jungen Offizier über die französische Nation gesprochen hatte, und mein Blick fiel auf das hagere rotbraune Gerüst, das hoch über unseren Köpfen steil und in grauenhafter Einfachheit emporragte.

In diesem Augenblick zerriß die Nebelwand, und ein bleicher Sonnenstrahl fiel mit mattem Blinken auf das schräge Messer hoch droben unter dem Querholz.

»Wie bald wird dies alles vorüber sein!« dachte ich und erinnerte mich an so viele Augenblicke der Ungeduld und des Nichterwartenkönnens, die weit hinter mir in alten Zeiten lagen.

Wir mußten absteigen, und man half uns dabei. Das Volk schrie nicht. Es herrschte nur jenes leise, tausendstimmige Murmeln, das die Spannung einer großen Menschenmasse verrät. Niemand rief uns Schimpfworte zu, und viele Augen blickten teilnahmsvoll. Ich hatte das Gefühl, daß das große Morden bei einer solchen allgemeinen Stimmung bald nachlassen und endlich ganz aufhören werde.

Meine Knie waren steif vom Sitzen und von der Morgenkühle. Die Not des Leibes setzte noch einmal krampfartig ein, und die rechte Hüfte schmerzte sehr beim Gehen.

Ich sah Menschen auf der Plattform erscheinen, sich bewegen. Das Messer fiel mit mattem Klatschen und wurde wieder aufgezogen. Es war rot. Irgend etwas schlug strampelnd und mit hohlem Dröhnen gegen die Bretter des Blutgerüstes.

Fast gewann die Angst des Leibes die Oberhand. Ein Gedanke drängte sich vor, gewann Raum: Irgend etwas zur Rettung zu unternehmen, zu schreien, zu bitten, die Menge zu durchbrechen, die Bande zu sprengen...

Da sah ich ihn...

Zusammengekauert wie eine Fledermaus. Der Fangerle. Auf dem Galgen einer Laterne saß er, greulich sein breites Maul verzerrend, die boshaften gelben Augen auf mich gerichtet, statt des großen Hutes eine rote, phrygische Mütze auf dem Schädel. Seine Augen waren wie zwei Wespen, die in den Höhlen seines Kopfes lebten und umherkrochen...

Ich schloß die Augen. Mein Wille behielt die Oberhand.

»Kehre zur Tiefe zurück!« sprach ich vor mich hin.

Als ich noch einmal mit aller Kraft hinblickte, war die Erscheinung verschwunden, der Pfahl leer.

Ein Soldat ergriff mich fast schüchtern am Arm und schob mich mit sanfter Gewalt vorwärts. Ich sah, wie geronnenes, dickes Blut die Bretter des Gerüsts entlang träge abwärts quoll. Vor mir stieg der Marquis de Carmignac die glitschige, kleine Treppe hinauf. Zwei Männer mit nackten Armen faßten ihn an, schnallten ihn an das Brett, kippten es um. Der obere Teil des Holzes, das den Hals umfaßte, senkte sich. Wutsch...

Ein pfeifender Ton kam aus seinem kopflosen Halse. Die Füße mit den Schnallenschuhen, manierlich noch im Tode, klopften leise den Boden, sein Leib bewegte sich in den Riemen, als wolle er sich bequemer betten. Sie lösten das feuchte Leder, wälzten ihn abseits; die goldene Birne rollte über die Bretter, ein Deckelchen tat sich auf, brauner Schnupftabak staubte heraus. Rasch griff eine Hand nach dem blanken Ding.

Ich war der nächste, stieg die Treppe hinauf.

Eine Hand stützte mich freundlich, bewahrte mich in einem Augenblick des Gleitens vor dem Fall. Ich sah in ein ernstes, gutgeschnittenes Gesicht. Samson war es. Er machte eine höflich-einladende Handbewegung. Hinter ihm stand das rotborstige Scheusal.

Bilder kreisten blitzschnell in meinem Hirn. Der Arm mit dem Richtschwert im Hexenzimmer von Krottenriede, die Dose mit dem singenden Vöglein, brennende Kerzen in einem schwarz ausgeschlagenen Zimmer, das Funkeln von Aglajas Totenkrone, das Tödlein mit Sanduhr und Hippe, wie es aus der alten Uhr sich neigte, der bayerische Haymon als Amicist – – –

Feste Hände packten mich am Arm. Gesichter glitten an mir vorbei. Ich stand am Brett. Warmer Blutgeruch stieg mir kitzelnd und zum Erbrechen reizend in die Nase. Dünne Riemen schlangen sich fesselnd um meinen Oberleib, die Beine. Ich fiel nach vorne – – es knarrte leise um mich, – schmerzend schlug mein Kehlkopf auf ein Halbrund auf.

Ich dachte: Nun wird das Messer schneidend durch den Hals fahren, Sägespäne werden mir die Augen füllen, den Mund – – –

Nasses Holz senkte sich auf meinen Nacken.

Isa Bektschi! Isa Bektschi!

Mit aller Kraft dachte ich an den Ewli. Ich zwang ihn zu mir.

Dicht vor dem meinen sah ich sein Antlitz – seinen Mund, als ob er mich küssen wollte – gütige, dunkle Augen, wie zwei schwarze Sonnen –. Ihr Blick umschloß mich mit unendlicher Liebe und Verheißung.

Ich dachte nichts mehr. Nur ihn sah ich – trank seine Blicke, sog sein Wesen in mich ein.

Da schossen blendende, goldene Strahlen aus seinen Augen, durchbohrten mich schneidend, verzehrten mich in Feuersglut – in goldenem Feuer.

Aber noch immer sah ich dies Angesicht, deutlich, scharf, sah es kleiner und kleiner werden – klein wie einen Punkt und dennoch erkennbar –.

Ich öffnete den Mund, empfand holzige, trockene Splitter, feuchte Brocken – – –

Dann Nacht – – Sausen – – Geräusch – – ein schmerzhaftes Zerreißen – ein Faden schnellte entzwei – – –

 

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