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Die wahren Reichen

François Coppée: Die wahren Reichen - Kapitel 2
Quellenangabe
authorFrançois Coppée<
titleDie wahren Reichen
publisherVerlag von J. Engelhorn
year1894
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correctorJosef Muehlgassner
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Es wird zurückbezahlt.

Sapristi, welche Kälte!

Der Nebel ist so dicht, daß man ihn mit dem Messer durchschneiden könnte; ein echter Weihnachtsnebel! Die Gaslaternen, die schon angezündet sind, obwohl es kaum vier Uhr nachmittags ist, haben einen gelblichen Hof. Wie phantastische Schemen eilen die Fußgänger auf den Trottoirs vorüber, die Hände in den Taschen, den Rockkragen heraufgeschlagen und mit den Füßen stampfend, als ob sie zornig wären.

Welch ein Husten! Welch ein Niesen! Man könnte meinen, daß die ganze lärmende Menge in der Chaussée d'Antin nur einen einzigen Katarrh hätte. Hem! Hum! Ha! Atschi! ... Der Fiakerkutscher, der sich unter seinem warmen Mantel zusammenkauert; die kleine Ausläuferin eines Putzgeschäftes, die unter ihrem falschen Astrachankragen vor Kälte schaudert; der Straßenjunge, der, den Hals mit einem dicken Shawl umwickelt, sich am Ofen des Kastanienhändlers die Hände wärmt; der feine Herr in seinem schweren Pelzrock, alle zahlen sie der Bronchitis und dem Schnupfen ihren Tribut.

Wirklich ein unerfreulicher Weihnachtsabend! Wie tröstlich ist doch der Gedanke, daß Bethlehem in einem gemäßigten Klima liegt, und daß Jesus in einem Stall zur Welt kam, wo der Atem eines Ochsen und eines Esels seine zitternde Nacktheit erwärmte! Man stelle sich vor, das Ereignis hätte sich zu derselben Zeit in dem schrecklichen Pariser Klima zugetragen. Es ist gerade der Augenblick, wo das Bauhandwerk stockt, wo dem armen Zimmermann alles fehlt, namentlich das Holz für den Kamin und die Kohle für den Kochofen. Ja, hier wäre wenig Hoffnung gewesen, den Neugeborenen am Leben zu erhalten.

Und welch ein Verlust wäre das gewesen! Ganz abgesehen von der religiösen Idee, von der moralischen Lehre, die seit beinahe neunzehnhundert Jahren einen großen Teil des menschlichen Geschlechts tröstet, gibt es nichts Rührenderes als dieses Weihnachtsfest, als diesen allgemeinen Jubel, womit wir die Geburt eines kleinen Kindes feiern.

Am traulichsten ist es doch an einem solch nebligen Wintertage daheim. Dieser Ansicht war auch der Abbé Moulin, der alte Vikar der Trinitékirche, der in seiner bescheidenen Wohnung, im dritten Stock eines Hauses der Rue de Clichy, vor dem Kaminfeuer saß und über dem Lesen seines Breviers sanft eingenickt war.

Es war ein ausgezeichneter Mensch, dieser Abbé Moulin, aber einer von den einfachen, die, wie man im Volk sagt, die Oblaten nicht erfunden haben.

Beiläufig gesagt, hat diese Redensart nicht den geringsten Wert. Die Oblaten, welche heute aus der Mode gekommen und höchstens noch auf ganz konservativen Staatskanzleien im Gebrauch sind, bedeuten für die Menschheit doch nur eine recht mittelmäßige Wohlthat, und ihre Erfindung kann durchaus nicht als ein Geniestreich betrachtet werden.

Wie dem aber auch sei, der Abbé Moulin hat sie nicht erfunden, er hatte überhaupt nichts erfunden. Mit seinem Köhlerglauben, seiner biedern altfränkischen Tugend bildete dieser alte Priester eine Ausnahme unter der Pariser Geistlichkeit, die im allgemeinen so besonnen, so weltlich – beinahe hätte ich gesagt »so skeptisch« ist. Der Abbé hatte lange sein Amt in der Vorstadt, in den Armenvierteln ausgeübt und dort Beweise einer edlen, naiven Liebesthätigkeit gegeben. Sein elterliches Erbteil, das aus einer Rente von mehreren Tausend Franken bestand, war dabei bis zum letzten Sou draufgegangen.

Er hatte sogar einige Schulden gemacht, deren Deckung ihm schwer fiel. Wer wollte ihn deshalb tadeln? Geld borgen, um es den Armen zu schenken, insolvent werden, um das Elend andrer zu mildern, das ist auch eine Art von Sozialismus und nicht die schlechteste.

Höheren Ortes lächelte man freilich über diesen ehrlichen Mann, aber trotzdem schätzte man ihn sehr hoch. Als er ganz auf dem Trockenen saß, hatte man Mitleid mit ihm und ernannte ihn zum Vikar des reichen Kirchspiels der Trinité, wo man wenigstens sicher war, daß er angesichts der zahlreichen Einladungen zum Mittagstisch nicht Hungers sterben würde. Er ließ es geschehen und beeilte sich, dem Bischof seinen unterthänigsten Dank abzustatten. Einmal in der Woche hatte er nun bei einem Geldwechsler, ein andres Mal bei einem Taxator, die fromme Frauen hatten, sein Couvert gedeckt. Eine ehemalige Operettensängerin, die sich wegen ihres zunehmenden Embonpoints vom Theater hatte zurückziehen müssen und sich zur Kirche bekehrt hatte, lud ihn gleichfalls einmal in der Woche zu Tisch.

Der Abbé war aber durchaus kein Feinschmecker. Innerlich bedauerte er es, seine früheren Pfarrkinder verlassen zu haben, seine Lumpensammler aus der Butte-aux-Cailles, die er noch unlängst bei anbrechender Nacht besuchte, wie eine Köchin mit einem großen Korb am Arm, in dem er ihnen Zucker, Kaffee, wollene Strümpfe, Flanelljacken, Arzneien und andre gute Dinge zutrug. Jeden Morgen beim Erwachen betrachtete er mit Rührung das an der Wand seines Schlafzimmers über dem Betpult hängende Kruzifix aus Muscheln, das ihm seine lieben Lumpensammler verehrt hatten.

Es braucht kaum gesagt zu werden, daß dieser plebejische Priester von seinem geistlichen Vorgesetzten, – einem stattlichen, sehr dekorativen Kleriker von etwa fünfzig Jahren, der mit den Manieren eines Prälaten die eines grand-seigneur verband und einst durch seine frappante Aehnlichkeit mit einem großen Schauspieler berühmt gewesen war – sehr bald erkannt und demgemäß beurteilt wurde. Dieser entfernte den Abbé, der ein etwas schwerfälliger Redner war, sofort von der Kanzel und lud ihm dafür die mühsameren Fronarbeiten auf, als da sind: Katechismuslehre, Leichenbegängnisse, Früh- oder Spätmessen. Als Beichtiger bekam er sofort den Auswurf der andern Beichtstühle; die Thoren und Schwätzerinnen, die seine Amtsbrüder eingeschüchtert hatten, boten ihm nun eine herrliche Gelegenheit, seine christliche Langmut an ihnen zu üben; die Dienstmädchen machten ihn zum Vertrauten ihrer Klagen über die Herrschaft, die Hausfrauen wieder schütteten ihm ihr Herz über die Schlechtigkeit ihrer Dienstboten aus, und er hörte sie alle geduldig an. Er war einer jener aufrichtigen Christen, die sich jedes Mißgeschicks annehmen und es demütig dem Herrn darbieten.

Während der Abbé Moulin so das unter der Lampe aufgeschlagene Brevier vergaß und vor dem Kaminfeuer sitzend, die langen Rockschöße zurückgeschlagen, die Füße auf das eiserne Schutzgitter gestützt, scheinbar schlummerte, dachte er an seine ehemaligen Pfarrkinder, an die Lumpensammler, die dort oben auf der Butte-aux-Cailles so schwer um ihr Leben kämpften und sich dabei wie die Kaninchen vermehrten. Im vergangenen Jahr, da er am Weihnachtsabend noch in ihrer Mitte weilte, hatte er seine letzte Rente verkauft, um den Kindern einige nützliche Geschenke an Wäsche und Fußzeug machen zu können. Dieses Jahr war seine Börse leer, und es schien, als würde er auf dieses Vergnügen verzichten müssen.

Beim letzten Diner der Frau Taxatorin, wo man die Krebse so schön dampfend auftrug, und bei der ehemaligen Diva, wo man nur vierundsiebziger Léoville trank und wo es immer so feine Trüffeln gab, hatte der brave Mann wohl versucht, während des Bratens das Mitleid der Gäste für seine kleinen Lumpensammler in Anspruch zu nehmen. Aber er hatte es recht ungeschickt angegriffen.

Als er, um das Herz der reichen Gastgeberin zu rühren, von der großen Anzahl unverheirateter Mütter sprach, die man leider in der Welt der Lumpensammler findet, da hatte sie, aufs höchste chokiert, den Mund verzogen. Und als er der Sängerin von der Krätzeepidemie sprach, die vor zwei Jahren unter den Kinderscharen der Quartiere Mouffetard und Gentilly geherrscht, schrie die korpulente Dame: »Pfui! Wie abscheulich!« und wäre vor Ekel beinahe in Ohnmacht gefallen. Kurz, der arme Abbé hatte nichts erhalten und infolge seiner enttäuschten Hoffnungen die Trüffeln und Krebse sehr schlecht verdaut.

Es blieb also leider dabei, er konnte für seine alten Freunde, für seine Armen von ehemals nichts mehr thun. Er konnte nicht einmal den von ihrer alten Großmutter, der Vorkäuferin aus der Rue Croulebarbe, aufgelesenen fünf Waisen einen jener Teller mit Konfekt bringen, die den Nachtisch der Frau Taxatorin zierten; er konnte der Tochter des alten Julius, des Seniors der Lumpensackträger, der armen, kleinen Celeste, die an Blutarmut mit dreizehn Jahren dahinwelkte, nicht einmal eine oder zwei Flaschen alten Weins bringen, obwohl diese es weit nötiger gehabt hätte, vierundsiebziger Léoville zu trinken, als die dicke, pausbäckige Sängerin, die jeden Tag vor Fett platzen konnte.

Außerdem hatte zwischen Alexandrine, der Arbeiterin in falschen Perlen von der Rue du Fer-à-Moulin, und Josef, der in der Rue de l'Arbalète Lohkuchen preßte, ein Verlöbnis stattgefunden, und die beiden waren, wenn er, der gute Abbé, nicht schleunigst die zur ersten Einrichtung nötigen Hundertfrankenscheine herbeischaffte, im stande, sich der kirchlichen Trauung zu entschlagen! Ah, das wäre noch schöner!

So weit war der Abbé Moulin in seinen melancholischen Betrachtungen gelangt, als er durch einen heftigen Zug an der Hausglocke plötzlich aus seinen Träumen erweckt wurde.

Da er keine Magd hatte, sein Bett selbst machte und das Aufräumen seines Wohnzimmers den Launen der Hausverwalterin überließ, so blieb ihm nichts übrig, als aufzustehen, die Lampe zu ergreifen und selbst die Thüre zu öffnen. Vor ihm stand ein großer, starker Mann im langen Reisemantel mit Doppelkragen, einen breitrandigen Filzhut auf dem Kopf, das auffallend resolute Gesicht von einem langen, grauen, nur auf der Oberlippe nach amerikanischer Art ausrasierten Bart umrahmt.

»Habe ich die Ehre, den Herrn Abbé Moulin zu begrüßen?« fragte der Besucher den Hut ziehend.

»Ja, mein Herr,« antwortete der Priester.

»Ich stelle mich Ihnen also vor: Mein Name ist Adam Harrison, ich bin Pökelfleischhändler in Chicago, und erbitte mir von Ihnen, Herr Abbé, die Gunst einer Unterredung ... O, Sie brauchen keine Angst vor meinem großen Bart und vor meinem wilden Aussehen zu haben,« fügte er hinzu, als ob er den durch diesen unerwarteten Besuch etwas bestürzten Geistlichen beruhigen wollte. »Sie werden mir gewiß gern den kleinen Dienst leisten, um den ich Sie ersuchen will – denn ich muß mich an Ihre Gefälligkeit wenden – und ich werde auch Ihre Armen nicht vergessen.«

Durch diese letzten Worte hatte der Unbekannte sich bereits die Gunst des Abbé Moulin gesichert. Dieser beeilte sich, den späten Gast in seinen kleinen Salon zu führen, und schob ihm selbst einen Lehnstuhl vors Kaminfeuer.

»Setzen wir uns vor allem, mein Herr,« sagte er mit freundlichem Willkommlächeln, »und nun sagen Sie mir gütigst, womit ich Ihnen dienen kann.«

Der Amerikaner – oder derjenige, welcher sich für einen solchen ausgab – nahm sofort und ohne weitere Umstände Platz, warf seinen Filzhut auf den Teppich, knöpfte seinen Reisemantel auf, schlug die Beine übereinander und kehrte die Doppelsohlen seiner schweren naturledernen Stiefel der Kaminflamme zu. Dann, nachdem er eine Weile seinen langen Bart gestreichelt hatte, fragte er plötzlich: »Halten Sie mich wirklich für einen Yankee?«

Jetzt erst bemerkte der Abbé, daß sein Gast das Französische ohne jeden fremden Accent sprach.

»Aber? ...« sagte er verlegen.

»Na, sehen Sie,« fing der Unbekannte wieder an, »die Sache verhält sich nämlich so: Wenn es auch wahr ist, daß ich in Chicago wohne, daß ich heute abend geradeswegs von dort ankomme und so, wie ich hier sitze, dem Schnellzug von Havre entstiegen bin; wenn ich auch wirklich drüben eingesalzenes Schweinefleisch verkaufe, so heiße ich darum doch nicht Adam Harrison. Adam Harrison ist sozusagen nur mein Kriegsname ... Nein, ich decke lieber mein Spiel auf, das ist viel einfacher ... Ich bin Renaudel ... der ehemalige Bankier aus der Rue du Faubourg-Saint-Honoré ... Renaudel, der 1886 mit der Kasse durchbrannte und vom Gericht wegen Fälschung und Betrugs in contumaciam zu zwanzig Jahren Zuchthaus verurteilt wurde.«

Der Abbé Moulin schob unwillkürlich mit einer Gebärde des Abscheus seinen Sessel zurück.

»Sie kennen mich, Herr Abbé, obgleich Sie mich niemals gesehen haben,« fuhr der Fremde fort, »denn Sie waren der Beichtvater meiner armen verstorbenen Frau ... Wenn sie noch gelebt hätte, vielleicht wäre ich ehrlich geblieben ... Ich war seit drei Jahren Witwer, als ich den Streich beging ... Seitdem haben Sie sicher von meinem Vergehen und meiner Verurteilung erfahren.«

Der Abbé bejahte die Frage schweigend mit einem Neigen des Kopfes.

»Und ich kannte Sie auch, ohne Sie jemals gesehen zu haben ... Meine arme Julie hatte mir oft genug von ihrem Abbé Moulin, dem Priester der Lumpensammler erzählt ... Da ich Sie also als eine gute, ehrliche Haut kenne, unfähig, mich dem Gerichte auszuliefern, so bin ich voll Vertrauen zu Ihnen gekommen ... Hatte ich unrecht?«

Und indem er so fragte, richtete der falsche Amerikaner, der jetzt gar nicht mehr einem Bankier, sondern vielmehr einem jener Abenteurer gleichsah, die beim geringsten Anlaß zum Messer oder Revolver greifen, zwei stahlgraue, energisch blitzende Augen auf den Abbé.

Das Vertrauen einer solchen Persönlichkeit schien, offen gestanden, dem Abbé Moulin durchaus nicht schmeichelhaft und er wußte nicht recht, was er antworten sollte.

»Gewiß,« stotterte er, »haben Sie von mir nichts zu fürchten, das heilige Amt, das ich ausübe, der Stand, dem ich angehöre ... machen mir die größte Barmherzigkeit zur Pflicht ... Aber womit kann ich Ihnen dienen?«

Bei der Unruhe des guten Mannes konnte sich Renaudel eines Lächelns nicht erwehren.

»Sagen Sie es nur gerade heraus, Herr Abbé, daß mein Besuch Ihnen durchaus kein Vergnügen macht, daß Sie mich für einen Schuft halten.«

»Sie lachen, mein Herr,« antwortete trotz seiner natürlichen Schüchternheit lebhaft der Priester. »Aber, habe ich nicht das Recht, mich dessen zu erinnern, daß Sie eine sehr strafbare Handlung begangen, daß Sie viel Uebles angestiftet, mehrere Familien zu Grunde gerichtet haben?«

»Und wenn ich nun hergekommen wäre, um es wieder gutzumachen?« rief der Ex-Bankier, indem er aus der Tiefe seines Rockes eine Brieftasche zog und sie neben des Abbés Brevier auf den Tisch legte.

»In dieser Brieftasche,« fuhr Renaudel fort, »befindet sich in guten Tratten auf die ersten Pariser Kreditanstalten eine Summe von zwei Millionen, zweihundertdreiundsechzigtausend, einhundertdreiundfünfzig Franken, was, die Zinsen zum Kapital gerechnet, genau so viel ausmacht, als ich denjenigen, denen ich unrecht gethan, schulde. Dieses Geld ist für meine letzten vier Gläubiger, die zugleich die größten sind, bestimmt; die andern, die kleineren, habe ich bereits brieflich abgefunden. Die ärmsten schienen mir bedauernswerter als die andern, deshalb sind sie zuerst befriedigt worden. Der Dienst, den ich von Ihnen erwarte, Herr Abbé, ist nun folgender: Sie nehmen diese Brieftasche. Ich werde Ihnen die Liste meiner vier Gläubiger und ihre Adressen geben, die ich mir kürzlich von einem Auskunftsbüreau nach Chicago habe telegraphieren lassen. Ich sorge einstweilen dafür, daß Ihr Feuer nicht ausgeht und rauche, wenn Sie es erlauben, einige Cigarren. Hier bei Ihnen wird man mich sicher nicht suchen und verhaften. Sie steigen in den Fiaker, der unten vor der Thüre hält und der Sie schnell fahren wird, denn der Kutscher hat im voraus von mir einen Louisdor Trinkgeld erhalten. Sie lassen sich nach den vier angegebenen Adressen fahren. Sie werden die vier Personen besuchen, denn Ihr Priestergewand erlaubt Ihnen, sich überall Einlaß zu verschaffen. Sie übergeben ihnen die Wechsel, ohne zu sagen, daß ich hier in Paris bin, noch auf welche Weise sie in Ihre Hände gelangt sind. Sodann lassen Sie sich die Quittungen, die sich fix und fertig gleichfalls in der Brieftasche befinden, unterschreiben und bringen sie mir zurück. Ich besteige denselben Fiaker, lasse mich nach dem Bahnhof Saint-Lazare fahren und nehme den Mitternachtschnellzug nach Havre, wo ich meinen Koffer beim Bahnhofsportier in Aufbewahrung gelassen habe. Morgen früh um halb neun Uhr geht der transatlantische Dampfer ›La Normandie‹ in See, um Ihren ergebenen Diener für immer in die Neue Welt zurückzutragen. Sie werden tausend Franken für Ihre Armen erhalten. Paßt Ihnen das?«

Der Abbé war wie vor den Kopf geschlagen. Er gehörte, wie schon gesagt, nicht zu den starken Geistern, und überdies war das, was ihm heute abend passierte, wohl danach angethan, auch solidere Köpfe als den seinigen in Verwirrung zu bringen.

Welch seltsame Dinge! Da ist zuerst ein Dieb, mit dem er ganz gemütlich, als wären sie alte Freunde, beim Kaminfeuer plaudert; dann zieht dieser Gauner, dieser Betrüger, dieser Zuchthauskandidat, der gekommen ist, seine Gläubiger bis auf den letzten Heller zu bezahlen, Millionen aus der Tasche, Millionen, als ob es deren regnete. Und dann – und dann, das war die Hauptsache, tausend Franken für seine, des Abbés, Armen. Tausend Franken! Das war ja genug, um den Lumpensammlern aus der Butte-aux-Cailles ein wahres Freudenfest zu bereiten, um die fünf Waisen aus der Rue Croulebarbe von Kopf zu Fuß neu zu kleiden und jedem noch extra ein Zwanzigfrankenstück in die Westentasche zu stecken, um die kleine kranke Celestine auf Lebenszeit mit Fischthran und Chinawein zu versorgen und vor dem Altar der heiligen Jungfrau, unter Orgelbegleitung, die Lohkuchen aus der Rue de l'Arbalète mit den falschen Perlen aus der Rue du Fer-à-Moulin ... ehelich zu verbinden!

Nein, es war ein Märchen! Der alte Prediger fragte sich, ob er nicht träume; er erhob sich von seinem Sessel, um sich zu überzeugen, daß er wirklich wach sei.

Und richtig, es war so. Der Mann mit dem langen Bart saß noch immer mit gekreuzten Beinen ihm gegenüber und wiederholte seine Frage: »Paßt Ihnen das?«

»Können Sie noch fragen?« rief der gute Abbé. »Wie? Das Unglück, das Sie angerichtet, wieder gutmachen, den von Ihnen ruinierten Leuten ihr Geld zurückgeben! Diese Handlung ist einfach bewundernswert ... und ich bin bereit ...«

Plötzlich ließ ein Bedenken den würdigen Priester stocken. Woher kam all dieses Geld? Aus welcher Quelle? Sicher aus einer unreinen, vielleicht gar aus einer blutigen. Wer weiß, ob dieser ehemalige Bankier mit dem Räubergesicht nicht vielleicht, die Büchse in der Faust und gefolgt von einer Bande von Rothäuten mit Adlerfedern im Chignon und Ringen in der Nase, einen Eisenbahnzug überfallen und alle Reisenden skalpiert hatte?

»Aber ... ich bitte um Entschuldigung ... gestatten Sie mir eine indiskrete Frage ...« sagte der Abbé fast wieder stotternd. »Diese beiden Millionen, diese enorme Summe ... wie haben Sie sich die verschafft?«

»Auf sehr ehrliche Weise,« antwortete Renaudel ohne Zögern; »auf amerikanische natürlich, oder mit andern Worten, durch Arbeit, Mut und Ausdauer. Diese beiden Millionen und einen kleinen Reservefonds, den ich noch drüben habe, um mein Geschäft fortzuführen, verdanke ich einzig und allein dem Handel mit eingesalzenem Schweinefleisch; ich habe sie mir durch rechtmäßigen Verdienst erworben. Als ich Ihnen sagte, daß ich mit meiner Kasse durchgebrannt sei, drückte ich mich ungenau aus. Ich bin nämlich erst dann entflohen, als meine Kasse völlig leer war. Wie ich überhaupt so weit gekommen bin? Denken Sie sich einen Mann, der seine Frau anbetet, der sie verliert, sich betäuben, seinen Kummer ersticken will und der, weil er für nichts andres mehr eine Empfindung hat, dem Laster verfällt ... Sie können sich mein ausschweifendes Leben, meine verschwenderischen Ausgaben vorstellen ... Hat man einmal das Geld seiner Kunden angegriffen, dann bleibt einem nur die Börse übrig, wo man quitte ou double spielt ... und wo ich verloren habe! Aber was liegt daran? Erfahren Sie nur das eine noch: Als ich mit meinem kleinen Kinde auf dem Arm drüben das Paketboot verließ – denn ich habe einen achtjährigen Knaben, Herr Abbé, dessen Geburt seiner Mutter das Leben gekostet – erfahren Sie also, daß ich an jenem Tage meines ersten Spaziergangs auf dem Broadway kein Zwanzigfrankenstück in der Tasche hatte. Nein, sicher habe ich nicht mit dem Ertrag des Diebstahls begonnen, mein Vermögen wieder zu erwerben. Ja, ich stehe Ihnen dafür ein, das Geld, das sich in dieser Brieftasche befindet, ist ehrlich verdient. Ich lese in Ihren Augen noch ein Bedenken. Sprechen Sie frei heraus; ich kann alles hören.«

»Nun gut, es sei,« erwiderte der Abbé, »verzeihen Sie aber, wenn ich Sie beleidige ... Ich finde, daß Ihr Benehmen so gar nicht das eines reuigen Sünders ist ... Ich frage mich, was Sie zu dieser Rückerstattung bestimmt haben mag.«

»Sie beleidigen mich durchaus nicht und Ihre Neugierde ist ganz natürlich. Offen gestanden, dachte ich im vorigen Jahre um diese Zeit noch nicht im entferntesten daran, meine Gläubiger abzufinden. Ich lebte drüben ruhig unter dem Namen Harrison, gab mich für einen in Marseille erzogenen Engländer aus und hatte mit dem alten Europa abgeschlossen. Ich war ein andrer Mensch geworden und das Glück lächelte mir. Ich besaß bereits ein sehr großes Vermögen und sagte mir: alles ist gut! Renaudel ist tot, es lebe Harrison! Wie Sie ganz richtig bemerkten, war ich durchaus kein reuiger Sünder; ich hatte nur hin und wider Anwandlungen von Gewissensbissen. Es ist erstaunlich, wie schnell man die Vergangenheit vergißt. Uebrigens ... ich bedaure aufrichtig, Ihnen dies Geständnis machen zu müssen ... glaube ich weder an Gott noch Teufel ... Und dennoch, wenn das Gefühl der Redlichkeit wieder in mir erwachte, so geschah es infolge des letzten Weihnachtsfestes.«

Der alte Priester machte eine Gebärde des Erstaunens.

»Sie wissen, welche Wichtigkeit das Weihnachtsfest in England und in den Ländern englischer Abstammung hat. Im vergangenen Jahre gab die Frau eines Kaufmanns aus Chicago, mit dem ich in Geschäftsverbindung stehe, eine Kindergesellschaft, zu der ich meinen kleinen Viktor führte. Denn ward ich auch nach und nach aller besseren Gefühle bar, so habe ich mir eines wenigstens unangetastet erhalten: die Vaterliebe. Ich vergöttere meinen Sohn, der mich an meine Julie erinnert ... an die Zeit, wo ich noch ein reines Gewissen hatte. Viktor ist jetzt acht Jahre alt, fast schon ein kleiner Mann, aber ich pflege ihn wie ein Baby und jeden Abend bringe ich ihn selbst zu Bett. In jener Kindergesellschaft nun stopfte er sich mit Süßigkeiten voll; er plünderte mit andern Jungen den mit Konfekt und Spielsachen reich beladenen Tannenbaum und amüsierte sich göttlich. Ich saß an der Ecke eines Tisches bei einer Tasse Thee, schaute ihm zu und war glücklich über seine Freude. Obgleich ich keine Religion habe, sagte ich mir an jenem Abend, daß dieses Weihnachtsfest der Christen doch ganz reizend ist, daß während dieses Festes das Glück der Kleinen auf die reifen Männer und Greise zurückstrahlt, ihnen etwas von der Unschuld und Seelenreinheit, die sie mehr oder weniger verloren haben, wiedergibt. Zum erstenmal seit lange, seit jener Zeit, da ich die fieberhafte Existenz eines Spielers und Wüstlings führte, seit meinem Verbrechen, seit dem Beginn meines neuen, arbeitsvollen, so harten und schweren Lebens, empfand ich in meinem Herzen wieder ein süßes und bitteres Gefühl zugleich, das mich wehmütig stimmte ... In diesem Augenblick sprang mein kleiner Toto mir auf den Schoß und lehnte seinen Kopf an meine Schulter. Er hatte genug gespielt und genug gelacht. Der Sandmann war gekommen, wie die Mütter zu sagen pflegen, und Toto schlief ein. Zum nächsten Morgen hatte ich eine Ueberraschung für ihn vorbereitet. Ich flüsterte meinem Sohn ins Ohr: ›Nicht wahr, Toto, du vergißt doch nicht, bevor du zu Bett gehst, deine Schuhe in den Kamin zu stellen?‹ Er öffnete seine schlaftrunkenen Augen, blickte mich an und antwortete: ›O nein, gewiß nicht, Papa ... und weißt du, was ich mir vom kleinen Christkind wünsche? Eine Schachtel Bleisoldaten. Aber weißt du, Soldaten mit roten Hosen, eben solche, wie ich sie lebendig in jenem großen Garten gesehen habe, in dem meine Bonne mich spazieren führte, als ich noch ganz klein war ... du weißt, es war der große Garten mit den vielen Statuen und den Bäumen in den grünen Kisten, an dem die Straße mit den Arkaden vorüberführt ... Erinnerst du dich? Ich trug noch Röckchen wie ein kleines Mädchen und man nannte mich damals Toto Renaudel.‹

»Nachdem mein Kind dieses Wort gesprochen, schlief es ermüdet ein. Ich war wie versteinert. Ich erbebte plötzlich vom Kopf bis zu den Füßen. Wie, Viktor, der zur Zeit unsrer Flucht erst vier Jahre alt war, erinnerte sich noch seiner ersten Kindheit; er erinnerte sich des Namens Renaudel, des seinigen und des meinigen, den ich entehrt hatte! Jene Nacht, Herr Abbé, habe ich unter schrecklichen Betrachtungen wachend am Lager meines Sohnes verbracht. In jener Nacht sagte ich mir, daß ich, der unbestrafte Verbrecher, ein Glück genieße, dessen ich nicht würdig sei, daß früher oder später die ewige Gerechtigkeit sich dieses Kindes bedienen würde, um mich zu züchtigen! Dann sagte ich mir wieder, daß, da Viktor seinen wahren Namen nicht vergessen hatte, es nur eines Zufalles bedürfe, um ihm zu entdecken, daß dieser Name derjenige eines Diebes, eines flüchtigen Galeerensträflings sei! Der Gedanke, daß mein Sohn die Wahrheit erfahren, über mich erröten könnte, daß er sich von mir mit Abscheu abwenden würde, war mir unerträglich. Da schwor ich mir zu, alles, was ich einst entwendet, mit Zinseszinsen bis zum letzten Heller zurückzuerstatten und dafür die schriftlichen Beweise, die Quittungen, in Händen zu haben. Denn, wenn das Unglück es will, daß Viktor eines Tages erfährt, daß ich gestohlen, dann kann ich ihm wenigstens antworten: ›Ja, es ist wahr, aber ich habe alles zurückbezahlt!‹ Vielleicht flöße ich ihm dann Mitleid ein, vielleicht verzeiht er mir! ... Nachdem ich diesen Entschluß einmal gefaßt, machte ich sofort alles, was ich besaß, zu Geld. Aber ach, der Gesamtbetrag blieb noch weit hinter meiner Schuld zurück. Doch seit einem Jahre habe ich stramm darauf los gearbeitet und heute besitze ich nicht nur so viel, um alles zurückzahlen zu können, sondern sogar noch ein paar tausend Dollars darüber, mit denen ich meinem kleinen Toto ein andres Vermögen erwerben will – ein Vermögen, an das niemand sonst einen Anspruch erheben kann.«

Der Abbé Moulin hatte keinen Augenblick Renaudel aus den Augen verloren, der sich immer mehr ereiferte und von dessen Wimpern am Schluß seiner Rede – seltsam genug, aber es war so – zwei große Thränen langsam in den Bart hinunter rollten. Ein andrer Priester hätte diese Gelegenheit benutzt, um dem ehemaligen Bankier eine den Umständen angemessene Bußpredigt zu halten. Der Abbé jedoch, der, wie schon bemerkt, kein großes Licht war und überdies wenig Vertrauen in seine Rednergabe hatte, benahm sich einfach mit jenem Takt, der nur zarten Seelen eigen ist. Er erhob sich von seinem Sessel, trat auf Renaudel zu und streckte ihm beide Hände entgegen.

»Ich stehe ganz zu Ihren Diensten, mein Herr,« sagte er, »und bin bereit, mich sogleich auf den Weg zu machen. Wollen Sie mir, bitte, Ihre letzten Instruktionen erteilen. Nur auf eines mache ich Sie aufmerksam: ich muß unbedingt zur Mitternachtsmesse in der Trinitékirche sein.«

»Das ist auch gerade die Zeit, wo mein Zug abgeht,« entgegnete Renaudel, dem Abbé die Hand drückend. Seine Erregung war bereits verflogen, und wieder in seinen früheren Ton zurückfallend, setzte er hinzu: »Ja, das ist die Stunde für meinen Schnellzug nach Havre, den ich ebensowenig zu versäumen gedenke, als Sie Ihre Messe, denn die Pariser Luft – Sie wissen ja, warum – taugt nichts für mich, und ich bin nur hierher gekommen, um einen sicheren Vermittler zu finden, auf den ich mich verlassen kann. Den habe ich, Gott sei Dank, in Ihnen gefunden; Sie werden mir meine Quittungen in aller gehörigen Form unterschrieben zurückbringen. Bedenken Sie, daß es sich um mehr als zwei Millionen handelt. Aber, unbesorgt, alles wird gut gehen. Es ist jetzt die Stunde des Diners, wo jedermann zu Hause ist. Sie werden alle antreffen, ich habe das Vorgefühl, daß Sie diese Angelegenheit rasch und gut erledigen werden.

»Hier ist die Liste,« fügte er, ein vierfach gefaltetes Papier aus der Tasche ziehend, hinzu. »Vier Besuche haben Sie zu machen. Sie beginnen mit Louis Dublé, einem Schriftsteller, der in der Rue des Abbesses wohnt. Sie übergeben ihm diesen Wechsel im Betrage von zweihunderteinundfünzigtausend, dreihundertundneunzig Franken. Damals, als ich entfloh, war er noch ein ganz junger Mann mit langen Haaren, ungepflegten Nägeln, der ein lustiges Zigeunerleben führte. Wie es scheint, hat er seitdem einigen Erfolg gehabt. Wenn er seinen alten Gewohnheiten treu geblieben ist, dann wird in den Kaffeehäusern, wo seine Kameraden verkehren, manches Bierfaß dran glauben müssen.

»Hier, Fräulein Latournure, Rue du Cardinal Lemoine. Sapperlot, das ist weit! Dort soll diese alte, griesgrämige Jungfer, diese eingebildete Kranke, eine Mädchenschule leiten. Wechsel von dreihundertfünfundsechzigtausend, vierhundertdreiundvierzig Franken. Das genügt ihr hoffentlich zum Kauf aller nur möglichen Pillen und Mineralwasser.

»Henri Burtal, ein Architekt, wohnt in der Rue de Rennes. Ich erinnere mich seiner nur noch als eines hübschen jungen Mannes, eines Mädchenjägers ... Wechsel auf fünfhundertsiebenundsechzigtausend, achthundertneunundneunzig Franken. Seit ich fort bin, hat er sich verheiratet. Er mag mit dieser Summe seine Töchter aussteuern, wenn er welche haben sollte.

»Schließlich mein am schwersten geprüftes Opfer, der Marquis von Capdecamp, Mitglied des Jockeyklubs. Er wohnt Boulevard Malesherbes. Sie werden ihn auf dem Rückweg besuchen. Ist von gutem Adel, der Herr Marquis ... seine Ahnen haben bei Azincourt, bei Pavia, bei Malplaquet und Roßbach gekämpft. Es ist geradezu staunenswert, was diese Familie zu den verlorenen Schlachten beigesteuert hat ... Ein sehr verblühter und abgelebter Kavalier. Vor fünf Jahren hatte er bereits ein kolossales Vermögen durchgebracht. Er ist verheiratet. Wie man mir schrieb, soll mein Diebstahl ihn veranlaßt haben, Fräulein Mardock, die Tochter des berüchtigten Finanzmannes, zu heiraten, um mit ihrer Mitgift sein Wappen neu zu vergolden. Doch gleichviel, ich denke mir, daß diese letzte Tratte, die eine Million, achtundsiebzigtausend, vierhunderteinundzwanzig Franken beträgt, ihm immerhin eine angenehme Ueberraschung bereiten wird.

»Sagen Sie, bitte, meinen vier Gläubigern, daß ich keineswegs die Absicht habe, mich dem Gerichte nachträglich zu stellen oder mich durch einen neuen Prozeß freisprechen zu lassen, sondern daß ich ganz einfach meine Schulden bezahlen will. Sagen Sie ihnen auch, wenn Sie wollen, daß Renaudel seinen Namen und sein Vaterland gewechselt hat, daß er für sie nicht mehr existiert. Verlangen Sie vor allem die Quittungen, damit ich sie im Fall eines Unglücks meinem Viktor zeigen kann ... Hier, Herr Abbé, ist die Brieftasche und hier die Liste. Es ist schon halb sechs Uhr. Wir haben somit keine Zeit zu verlieren. Ich danke Ihnen nochmals herzlichst für den großen Dienst, den Sie mir erweisen, aber ich will Sie jetzt nicht länger aufhalten.«

Renaudel, der sich bei den letzten Worten erhoben hatte, nahm jetzt seinerseits die Lampe, schob den Abbé Moulin sanft ins Vorzimmer, reichte ihm seinen Priesterhut, half ihm den Ueberrock anziehen, öffnete ihm die Flurthüre und schloß sie hinter ihm wieder zu. Dann setzte er sich wieder behaglich ans Feuer, zog aus seiner Tasche ein großes Cigarrenetui, aus diesem eine Havannacigarre von gleichfalls nicht gewöhnlichen Dimensionen, zündete sie an, lehnte sich in den Sessel zurück und hob, eines nach dem andern, seine Beine in die Höhe, bis seine schweren Reisestiefel auf der Marmorplatte des Kamins bequem auflagen. Dann fing er an, wie ein abgehender Dampfer dicke Rauchwolken in die Luft zu blasen.

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