Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Aristophanes >

Die Vögel

Aristophanes: Die Vögel - Kapitel 5
Quellenangabe
typecomedy
booktitleKomödien
authorAristophanes
translatorLudwig Seeger
firstpub1845-48
yearca. 1960
publisherVollmer Verlag
addressWiesbaden / Berlin
titleDie Vögel
pages129-130
created20070408
sendergerd.bouillon
Schließen

Navigation:

Vierte Szene

Chor. Prometheus. Pisthetairos

Prometheus vermummt, ängstlich:
Ach Gott, ach Gott, daß Zeus mich nur nicht sieht! –
Wo ist der Pisthetairos?

Pisthetairos kommt heraus

Pisthetairos:                         He, was soll
Der Mummenschanz?

Prometheus:                     Pst! Siehst du keinen Gott
Da hinter mir?

Pisthetairos:           Bei Zeus, ich sehe nichts!
Wer bist du?

Prometheus:       Welche Zeit ist's wohl am Tag?

Pisthetairos: Je nun, ich denk': ein wenig über Mittag!
Wer bist du denn?

Prometheus:               Bald Feierabend? He?

Pisthetairos: Nun wird mir's bald zu toll!

Prometheus:                                             Was macht auch Zeus?
Klärt er den Himmel auf? Umwölkt er ihn?

Pisthetairos: Zum Henker –

Prometheus:                         Nun, so will ich mich enthüllen!
Tut es

Pisthetairos: Prometheus, Teurer –

Prometheus:                                   Schrei nicht! Mäuschenstill!

Pisthetairos: Was hast du?

Prometheus:                       Nenne meinen Namen nicht!
Es ist mein Tod, wenn Zeus mich hier erblickt.
Nun laß dir sagen, wie's da oben steht!
Nimm hier den Sonnenschirm und halte mir
Ihn über, daß die Götter mich nicht sehn!

Pisthetairos: Haha, haha!
Echt promethei'sch, sinnreich vorbedacht!
Macht den Schirm auf
So, steh da unter, sprich und fürcht' dich nicht!

Prometheus: Nun hör einmal!

Pisthetairos:                           Ich bin ganz Ohr.

Prometheus:                                                       Mit Zeus
Ist's aus'

Pisthetairos:   Ist's aus? Der Tausend! Und seit wann?

Prometheus: Seitdem ihr in der Luft euch angebaut!
Den Göttern opfert keine Seele mehr
Auf Erden, und kein Dampf von fetten Schenkeln
Steigt mehr zu uns empor seit dieser Zeit.
Wir fasten, wie am Thesmophorienfest,
Kein Altar raucht, und die Barbarengötter
Schrei'n auf vor Hunger, kreischen auf illyrisch
Und drohn, den Zeus von oben zu bekriegen,
Wenn er kein Ende macht der Handelssperre
Und freie Einfuhr schafft dem Opferfleisch!

Pisthetairos: Gibt's denn Barbarengötter auch bei euch
Und über euch?

Prometheus:             Barbaren freilich, wie
Der Schutzpatron des Exekestides.

Pisthetairos: Wie heißen die Barbarengötter denn
Mit Namen?

Prometheus:       Wie? Triballen!

Pisthetairos:                                 Ich versteh':
Ihr Zorn trieb allen Göttern Angstschweiß aus!

Prometheus: So ist's! Nun aber laß noch eins dir sagen:
Gesandte kommen bald zur Unterhandlung
Hier an von Zeus und den Triballen droben!
Laßt euch nicht ein mit ihnen, wenn nicht Zeus
Das Zepter wieder abtritt an die Vögel
Und dir zum Weib die Basileia gibt.

Pisthetairos: Wer ist die Basileia?

Prometheus:                                   Oh, ein Mädchen
Blitzschön, und hat zum Donnern das Geschoß
Des Zeus, die ganze Wirtschaft unter sich,
Recht, Politik, Gesetz, Vernunft, Marine,
Verleumdung, Staatsschatz, Taglohn und Besoldung!

Pisthetairos: Verwaltet sie das alles?

Prometheus:                                       Wie ich sage!
Bekommst du sie von ihm, dann hast du alles!
Drum bin ich hergekommen, dir's zu sagen:
Denn für die Menschen feurig brennt mein Herz!

Pisthetairos: O ja, wir backen Fisch' an deinem Feuer.

Prometheus: Du weißt, voll Götterhaß ist meine Brust.

Pisthetairos: Der Götter Haß – den hast du! Ja, du bist
Ein wahrer Timon!

Prometheus:                 Muß jetzt fort! Den Schirm!
Damit mich Zeus, wenn er heruntersieht,
Für einer Festkorbträg'rin Diener hält. Ab

Pisthetairos: Nimm auch den Stuhl, als heil'ger Klappstuhlträger!

Chor: Nah beim Land der Schattenfüßler
Liegt ein See, wo Sokrates
Ungewaschen Geister bannt. –
Um zu schauen seinen mut'gen
Geist, der lebend ihm entwischt,
Kam Peisandros auch dahin:
Ein Kamel von einem Lamm
Bracht' er mit und stach's durchs Herz,
Trat zurück dann, wie Odysseus –
Da entstieg der Tiefe, lechzend
Nach dem Herzblut des Kameles, –
Chairephon, die Fledermaus!

 << Kapitel 4  Kapitel 6 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.