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Gutenberg > Aristophanes >

Die Vögel

Aristophanes: Die Vögel - Kapitel 3
Quellenangabe
typecomedy
booktitleKomödien
authorAristophanes
translatorLudwig Seeger
firstpub1845-48
yearca. 1960
publisherVollmer Verlag
addressWiesbaden / Berlin
titleDie Vögel
pages129-130
created20070408
sendergerd.bouillon
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Zweite Szene

Der Chor. Pisthetairos und Euelpides, beide mit Vogelmasken und Flügeln. Später nacheinander: Ein Priester, ein Poet, ein Wahrsager, Meton, ein attischer Kommissär, ein Ausrufer

Pisthetairos lachend:
Das wär' vorüber! – Aber nein, bei Zeus,
So spaßhaft hab' ich doch noch nichts gesehn!

Euelpides: Was lachst du?

Pisthetairos lachend:         Die improvisierten Flügel! –
Du, weißt du, wem du gleichst mit deinen Federn?
'Ner Gans, die roh ein Maler hingekleckst!

Euelpides: Du einer Amsel mit gerupftem Kopf!

Pisthetairos: So sind wir denn, nach Aischylos, jetzt Vögel,
»Durch fremdes nicht, durch eigenes Gefieder,«

Chorführer: Was muß denn jetzt geschehn?

Pisthetairos:                                                 Vor allem geben
Der Stadt wir einen Namen, groß und prächtig!
Dann opfern wir den Göttern!

Chorführer:                                   Meinetwegen!
Laßt sehn, wie nennen wir die Stadt denn gleich?

Euelpides: Wollt ihr was Großes, was Lakonisches?
Benennen wir sie Sparta?

Chorführer:                             Nein, da sei
Herakles vor! Wer spart da, wo es gilt
Zu baun der Vögel stolze Residenz?

Euelpides: Nun, welchen Namen willst du denn?

Chorführer:                                                         Er muß
Hoch in die Wolken, in den Weltraum ragen,
– Ein rechtes Maul voll!

Pisthetairos der indessen nachdenklich gestanden, ruft plötzlich:
                                        Wolkenkuckucksburg?
Nicht wahr?

Chor:                   Ja, Wolkenkuckucksburg! Juhe!

Chorführer: Prachtvoller Name, den du da gefunden!

Euelpides: Ist das dasselbe Wolkenkuckucksburg,
Wo so viel Land Theagenes besitzt
Und Aischines sein Erbgut?

Pisthetairos:                               Ja, wenn nicht
Dort liegt das Phlegrafeld, wo einst die Götter
Großmäulig die Titanen niedertrumpften!

Chorführer: Ha, eine »fette« Stadt! Wer wird denn auch
Ihr Schutzpatron? Wem wirken wir den Peplos?

Pisthetairos: Ich denke, wir behalten die Athene!

Euelpides: Wie kann denn Ordnung sein in einer Stadt,
Wo eine Göttin steht, ein Weib, in Waffen
Bis an die Zähn' – und Kleisthenes am Webstuhl?

Pisthetairos: Wer schirmt die Mauer, die pelargische?

Chorführer: Der Unsern einer, persischen Geblüts,
Ein Vogel, weltbekannt als hitz'ger Degen,
Des Ares Küchlein!

Euelpides:                       Küchlein, hoher Gott,
Wie thronst du passend auf der Felsenzinne!

Pisthetairos zu Euelpides:
Hör, Freund, du mußt jetzt in die Luft hinauf!
Geh dort den Maurern an die Hand, zieh aus
Den Rock, und trage Stein' und rühre Kalk,
Den Kübel trag hinauf, und fall die Leiter
Herab, stell Wachen aus, hab acht aufs Feuer,
Geh mit der Schell' herum, und schlaf dabei,
Schick einen Herold zu den Göttern droben,
Und an die Menschen drunten einen zweiten,
Und dann zurück, meinthalb, zu mir –

Euelpides in den Bart murmelnd:                 Und du
Bleib hier meinthalb und hole dich der –

Pisthetairos:                                                   Bester,
Tu, wie ich sag': es geht nicht ohne dich!
Euelpides ab
Ich aber will den neuen Göttern opfern
Und zur Prozession den Priester rufen.
Abgehend zu den Sklaven
Weihwasser, Bursch, und bring' den Opferkorb!

Der Priester kommt mit Pisthetairos:
Ich bin dabei, ich steh' zu Dienst;
Ja, den Vorschlag heiß' ich gut:
Laßt uns in festlichem Zug
Wallen den Göttern zu Ehren!
Und ich denke, wir schlachten auch ihnen zum Dank
Einen stattlichen Bock!
Zum Raben, der als Flötenspieler fungiert
Voran, voran denn, pythisch Flötenspiel!
Mitpfeifen mag auch Chairis!

Pisthetairos zum Raben:
Hör auf zu blasen! Wetter, was ist das?
Beim Zeus, ich sah schon viel' und närr'sche Dinge,
Doch einen Maulkorbrabenspielmann nie!
Zum Priester
Auf, Priester, opfre jetzt den neuen Göttern!

Priester: Sogleich! Wo ist der Bursche mit dem Korbe?
Der Sklave mit dem Korb tritt vor den Priester, nimmt Fleisch usw. heraus
Jetzt betet zur geflügelten Hestia
Und zum herdbeschirmenden Weihen,
Zu den olympischen Vögeln
Und Vögelinnen,
Zu jeder und jedem . . . . .

Pisthetairos: Heil dir auf Sunion, Seeschwallbeherrscher!

Priester: Und zum pythischen und zum delischen Schwan,
Zur ortygischen Wachtel Leto,
Und zur Waldschnepfe Artemis . . . . .

Pisthetairos: Waldfürstin einst, Waldschnepfe jetzt, erhör uns!

Priester: Und zu dem Spatzen Sabazios,
Und zur Straußin, der großen
Mutter der Götter und Menschen . . . . .

Pisthetairos: . . . Und Kleokrits! Heil, Straußin Kybele!

Priester: Verleiht den Wolkenkuckucksburgern
Gesundheit, Heil und Segen,
Ihnen und den Chiern!

Pisthetairos lachend:
Die Chier sind doch immer hinten dran!

Priester: Betet auch zu den Vogelhero'n und ihren Sprossen,
Zum Strandreiter und zum Pelikan,
Zum Steißfuß und zur Kropfgans,
Zum Perlhuhn und zum Pfauen,
Zum Kauz und zur Trappe,
Zum Krabbentaucher, zum Reiher,
Zum Urubu und zum Luruku,
Und zum Kohlmeis'chen –

Pisthetairos: Zum Geier, schweig mit deinem: zumzumzum!
Schau doch das Opfer an, zu dem du Narr
Steinadler lädst und Falken! Siehst du nicht:
Ein einz'ger Weihe fräße das ja auf!
Geh fort mit deiner Priesterbinde, geh!
Ich will das Opfer schon allein verrichten.

Priester ab

Pisthetairos beginnt die Zeremonie wieder:
So will ich denn ein ander Lied
Singen zur Besprengung
Mit dem heil'gen Wasser und laut
Feierlich rufen die Götter –
Oder einen zum wenigsten, denk' ich, wofern
Noch das Futter reicht!
Denn was an Opferstücken hier zu sehn,
Ist nichts als Haut und Knochen!
Betend und den Weihkessel schwingend
Laßt betend uns den Vogelgöttern opfern . . . . . .

Ein Bettelpoet langhaarig und zerlumpt, tritt auf und singt:
Wolkenkuckucksburg, die beglückte Stadt,
Preise mir, Muse,
Mit deiner Hymnen Wohllaut . . . . . .

Pisthetairos: Was kommt da für ein Wesen? Kerl, wer bist du?

Poet: Ich bin ein honigsüßengesangausströmender
»Eifriger Diener der Musen –«
Mit Homeros zu sprechen!

Pisthetairos: Wie kommst du denn als Knecht zu langem Haar?

Poet: Nicht doch! Wir all', des Gesanges Meister,
Sind »eifrige Diener der Musen« –
Mit Homeros zu sprechen!

Pisthetairos: Dein Flaus hat auch schon lang gedient: man sieht's!
Nun sprich, Poet, was Henkers führt dich her?

Poet: Ich hab' auf eure Wolkenkuckucksburg
Viel Oden, Hymnen, Jungfraunchör' ersonnen,
Prachtvoll, im Stile des Simonides.

Pisthetairos: Wann hast du angefangen, die zu machen?

Poet: Schon lang, schon lang besing' ich eure Stadt!

Pisthetairos: Was? Feir' ich denn nicht just ihr Namensfest
Und sage, wie das Kindlein heißen soll?

Poet singt:
Aber geschwind eilen die Kunden der Musen,
Gleich wie ein Renner blitzend dahinfährt!
Du nun, »o Vater, Gründer von Aitna,
Hieron, Name voll heiligen Klangs,
O ich bitte dich, gib,
Was du gnädig mir willst
Mit dem Haupte zunicken, o gib, gib, gib!«

Pisthetairos: Der Kerl inkommodiert uns nur! Am besten,
Man gibt ihm was, so werden wir ihn los.
Zu einem Sklaven
He du, du hast ja Rock und Lederwams,
Zieh's aus und gib's dem genialen Dichter!
Zum Poeten
Da, frostiger Geselle, nimm das Wams!

Poet es anziehend:
Ungern nicht empfäht das Geschenk,
Freundlich und hold die Muse;
Aber vernimm und beherzige jetzt
Dieses pindarische Lied!

Pisthetairos: Ich sehe schon, der geht noch nicht vom Platz!

Poet: »Unter nomadischem Skythenvolk
Irrt Straton umher,
Der ein ›wollegewoben Gewand‹ nicht sein nennt!
Ruhmlos geht« ohn' Weste das Wams –
»Aber du wirst mich verstehn!«

Pisthetairos: Versteh! Du willst 'ne Unterweste –
Zum Sklaven                                             zieh
Sie aus! Die Künstler muß man unterstützen!
Zum Poeten
Da nimm und geh jetzt!

Poet:                                     Ja, ich geh' von hinnen!
Und komm' ich in die Stadt, dann sing' ich freudig:
›Preis', o König auf goldenem Thron,
Preise die fröstelnde, schnatternde!
Zu dem schneeumwehten, besäten Gefild
Schwang ich mich auf: Trala!‹

Pisthetairos: Ei nun, der Schwank beschützt dich doch vorm Schnattern,
Indem du hier zu Wams und Weste kamst!
Poet ab. Zum Sklaven
Schwing' wieder den Weihkessel jetzt im Kreis!
Andächt'ge Stille!

Ein Wahrsager rennt herein:
Opfre nicht den Bock!

Pisthetairos: Wer bist du?

Wahrsager:                       Ich? Ein Seher.

Pisthetairos drohend:                                 Sieh dich vor!

Wahrsager: Tollkühner, spaße nicht mit Göttlichem! –
Hört einen Spruch von Bakis, der bezieht
Sich grad auf Wolkenkuckucksburg! –

Pisthetairos:                                               Warum
Hast du ihn nicht, eh' ich die Stadt gebaut,
Verkündigt?

Wahrsager:       Weil der Gott es mir verbot!

Pisthetairos: Nun, ist es uns vergönnt, den Spruch zu hören?

Wahrsager zieht eine Rolle hervor und liest:
»Aber wenn Wölfe dereinst und schwärzliche Krähen zusammen
Wohnen inmitten des Raums, der Sikyon trennt von Korinthos –«

Pisthetairos: Was gehn mich hier denn die Korinther an?

Wahrsager: Der Luftraum ist's, den Bakis angedeutet!
Liest weiter
»Opfre zuerst der Pandora den schneeweißwolligen Widder,
Aber dem ersten sodann, der dir mein Orakel verkündet,
Schenke dem Seher ein schmuckes Gewand und neue Sandalen –«

Pisthetairos: Stehn die Sandalen drin?

Wahrsager:                                           Da sieh ins Buch!
»Reiche den Becher ihm dar und fülle mit Fleisch ihm die Hände –«

Pisthetairos: Steht auch vom Fleisch was drin?

Wahrsager:                                                         Da sieh ins Buch!
Liest
»Tust du nach meinem Gebot und folgst mir, o göttlicher Jüngling,
Wirst du ein Aar in den Wolken! Doch wenn du die Gabe verweigerst,
Wirst du nicht Fink und nicht Spatz, nicht Adler, noch Falke, noch Grünspecht!«

Pisthetairos: Das alles steht darin?

Wahrsager:                                       Da sieh ins Buch!

Pisthetairos: Seltsam! Ganz anders lautet das Orakel,
Das ich bei Phoibos selbst mir aufgeschrieben.
Liest von seinem Stock ab
»Aber wenn frech ein Gauner, ein ungebetner Schmarotzer,
Opfernde stört und begehrt von dem Opfer das Herz und die Leber,
Klopfe den Raum ihm durch, der die Schulter trennt von der Schulter!«

Wahrsager: Ein schaler Spaß von dir!

Pisthetairos:                                         Da sieh ins Buch!
Liest
»Schone des Lästigen nicht, noch des Adlers in Wolken, und wär's auch
Lampon oder sogar der große Prophet Diopeithes!«

Wahrsager: Steht alles das darin?

Pisthetairos:                                 Da sieh ins Buch –
Und geh zum Henker! Prügelt ihn

Wahrsager:                       Ich geschlagner Mann! Ab

Pisthetairos: Nun lauf woanders hin und prophezeie!

Meton tritt auf mit geometrischen Instrumenten

Meton: Ich such' euch heim –

Pisthetairos:                           Schon wieder so ein Unhold?
Was willst du hier? Was brütet dein Gehirn?
Was führt dich im Kothurnschritt her zu uns?

Meton: Vermessen will ich euch das luft'ge Land
Und juchartweis' verteilen –

Pisthetairos:                                 Alle Wetter!
Wer bist du?

Meton:                 Wer ich bin? Ich? – Meton, den
Ganz Hellas und Kolonos kennt!

Pisthetairos:                                       Sag an,
Was hast du da?

Meton:                       Das Meßzeug für die Luft!
Denn schau: die Luft ist an Gestalt durchaus
Backofenähnlich. – Nehmen wir das Reißzeug
Und setzen hier den krummgebognen Fuß
Des Zirkels ein – verstehst du?

Pisthetairos:                                     Nicht ein Wort!

Meton: Nun leg' ich an das Lineal und bild'
Ein Viereck aus dem Kreis – hier in die Mitte
Da kommt der Markt, und alle Straßen führen
Schnurgrad zum Mittelpunkt und gehn wie Strahlen
Von ihm, als kugelrundem Stern, gradaus
Nach allen Winden –

Pisthetairos:                     Hört! Ein zweiter Thaies! –
Meton!

Meton:       Was gibt's?

Pisthetairos:                 Ich mein' es gut mit dir:
Drum folge mir und mach dich aus dem Staub!

Meton: Ist hier Gefahr?

Pisthetairos:                 Man treibt hier, wie in Sparta,
Die Fremden aus! Schon mancher ward beseitigt,
Und Prügel regnet's in der Stadt! –

Meton:                                                   Ein Putsch?
Rebellion?

Pisthetairos:     Nicht doch!

Meton:                                 Was denn?

Pisthetairos:                                           Einmütig
Beschlossen ist's – Windbeutel auszustäupen!

Meton: So muß ich mich zurückziehn?

Pisthetairos:                                         Leider ist's
Vielleicht zu spät!
Schlägt ihn     Schon pfeift dir's um die Ohren!

Meton: Ach Gott, ach Gott! Zieht ab

Pisthetairos:                       Hab' ich dir's nicht gesagt?
Vermiß du jetzt woanders, du Vermeßner!

Ein Kommissär tritt auf

Kommissär: Wo ist der Resident –?

Pisthetairos:                                     Wer ist denn dieser
Sardanapal?

Kommissär:         Der Kommissär, gewählt
Für Wolkenkuckucksburg.

Pisthetairos:                             Der Kommissär?
Wer schickt dich her?

Kommissär:                       Der Wisch da, ausgefertigt
Von Teleas –

Pisthetairos:         Ei, willst du nicht den Sold
Einstreichen gleich, die Zeit und Mühe sparen,
Und gehn?

Kommissär:     Nun ja! Zur Volksversammlung sollt'
Ich ohnehin, für Pharnakes zu wirken!

Pisthetairos prügelt ihn:
So packe dich, da hast du deinen Sold!

Kommissär: Was soll das?

Pisthetairos:                       Wirken soll's für Pharnakes!

Kommissär zum Chor:
Man schlägt den Kommissär, ihr seid mir Zeugen!

Pisthetairos: Willst du dich schieben, du mit deinen Urnen?
Kommissär ab
Ist's nicht empörend? Kommissäre schicken
Sie in die Stadt, noch eh' sie eingeweiht?

Ein Ausrufer tritt auf und liest aus einer Rolle

Ausrufer: »Und so ein Wolkenkuckucksburger einen
Athener injuriiert –«

Pisthetairos: Was ist das? Wieder so ein Schelmenbuch?

Ausrufer: Gesetze hab' ich feil, die allerneusten
Euch anzubieten kam ich her.

Pisthetairos:                                 Zum Beispiel?

Ausrufer: »In Wolkenkuckucksburg soll gelten gleiches
Maß und Gewicht und Recht
Wie zu Heulenburg!«

Pisthetairos droht ihm mit dem Stock:
Du kriegst dein Maß nach Beulenburgschem Recht!

Ausrufer: Mir dieses?

Pisthetairos:                 Pack dich fort mit den Gesetzen,
Sonst lehr' ich dich ein bitterböses kennen!

Prügelt ihn. Der Kommissär kommt zurück mit einem Zeugen

Kommissär: Den Pisthetairos lad' ich wegen Realinjurien
Vor auf den Monat Munichion!

Pisthetairos: Du? Alle Wetter! Bist du auch noch da?
Prügelt ihn

Ausrufer: »So aber jemand Staatspersonen nicht respektiert
Und fortjagt, der, laut Anschlag an die Säule –«

Pisthetairos: Das ist zum Bersten! So, auch du noch da?

Ausrufer flieht

Kommissär: Wart nur! Zehntausend Drachmen sollst du mir –

Pisthetairos: Ich reiß' dir dein Dekret in tausend Fetzen!

Kommissär: Denkst du daran, wie nachts du an die Säule – –

Pisthetairos: Haha! Nun packt ihn! Willst du halten, Schurke?
Kommissär ab
Nun laßt uns aber unverzüglich gehn
Und drin im Haus den Bock den Göttern opfern! Ab

Erster Halbchor: Opfer und Gelübde weih'n
Nun dem Allsehendallgewalt'gen,
Mir fortan die Sterblichen!
Denn den Erdball überschau' ich
Und beschirme Blut' und Frucht;
Ungeziefer aller Art
Rott' ich aus, das jeden Keim,
Wie er aufschießt aus dem Grund, mit gefräß'gem Zahn benagt
Auf den Bäumen sitzt und frißt, bis sie abgeleert und kahl;
Alles töt' ich, was die grünen
Gärten schändet, arg verwüstet;
Alles Gewürm, was kreucht und schleicht,
Ist des Tods, soweit der Schwung
Meiner Fittiche mich trägt!

Chorführer an die Zuschauer:
Eben heut wird durch den Herold öffentlich bekanntgemacht:
»Wer Diagoras, den Melier, totschlägt, der bekommt dafür
Ein Talent; und wer der toten Volkstyrannen einen noch
Toter schlagen wird, auch dieser soll bekommen ein Talent!«
Wir nun unsrerseits, wir machen öffentlich bekannt, wie folgt:
»Wer Philokrates, den Finkler, totschlägt, der erhält zum Lohn
Ein Talent, und wer anhero ihn lebendig liefert: vier;
Weil er Finken faßt an Schnüre und für einen Obolos
Sieben gibt, und Drosseln scheußlich aufbläst und zu Markte bringt,
Und den Amseln ihre Flügel in die Nasenlöcher steckt;
Item, weil er freie Tauben fängt und in Verschläge sperrt
Und sie, selbst gebunden, andre in das Garn zu locken zwingt!
Solches tun wir euch zu wissen! Wer Geflügel hält im Hof
Eingeschlossen, fliegen lassen soll er's! So gebieten wir!
Und gehorcht ihr nicht, dann fangen wir, die Vögel, euch: auch ihr
Sollt alsdann bei uns gebunden Menschen locken in das Garn!«

Zweiter Halbchor: Flaumbedecktes Vogelvolk,
Glücksel'ges, das im Winter nicht
Mäntel umzuwerfen braucht;
Und es sengt uns nicht des Sommers
Alldurchleuchtend heißer Strahl!
Auf den Blumenmatten wohn' ich,
In der Blätter grünem Schoß,
Während auf dem Feld ihr Lied die Zikade, gotterfüllt,
In der Mittagsschwüle Glut, sonnetrunken, schrillend zirpt.
Winters wohn' ich dann in Grotten,
Spiele mit des Waldes Nymphen,
Aber im Frühling naschen jungfräuliche,
Weiße Myrtenbeeren wir
In den Gärten der Grazien!

Chorführer an die Zuschauer:
Noch ein Wort, des Preises wegen, an die Richter richten wir:
Krönt ihr uns, jedwedem schenken wir des Guten Fülle dann;
Zehnmal schönre Gaben werden euch, als Paris einst empfing:
Niemals soll es – was bekanntlich Richtern über alles geht –
Niemals euch an lauriotschen Eulen fehlen: ja, sie baun
Dann ihr Nest bei euch und hecken, legen in den Beutel euch
Eier, und als Küchlein schlüpfen lauter junge Dreier aus.
Ferner sollt ihr, wie in Tempeln, wohnen: denn wir setzen euch
Auf den Giebel eurer Häuser einen Adler obenauf.
Fällt durchs Los euch zu ein Ämtchen, und ihr sacket gern was ein,
Spielen wir euch an die Hände eines Habichts flinke Klau'n.
Eßt ihr wo zu Gaste, geben wir euch Vogelkröpfe mit. –
Aber wollt ihr uns nicht krönen, setzt dann nur Blechhauben auf,
Den Statuen gleich, und jeder unter euch, der keine trägt,
Wird gerad, wenn er im weißen Mantel prangt, wie er's verdient,
Vom gesamten Volk der Vögel überschissen um und um!

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