Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Aristophanes >

Die Vögel

Aristophanes: Die Vögel - Kapitel 2
Quellenangabe
typecomedy
booktitleKomödien
authorAristophanes
translatorLudwig Seeger
firstpub1845-48
yearca. 1960
publisherVollmer Verlag
addressWiesbaden / Berlin
titleDie Vögel
pages129-130
created20070408
sendergerd.bouillon
Schließen

Navigation:

Erste Szene

Hochgelegene Wald- und Felsgegend

Pisthetairos und Euelpides, durch ihr Gepäck als Auswanderer kenntlich, jeder mit einem Vogel auf der Hand, treten auf

Euelpides zu der Dohle, die er auf der Hand trägt:
Gradaus, dort nach dem Baum zu weist du mich?

Pisthetairos zu seiner Krähe:
Ei, berste du! – Die krächzt uns nun zurück.

Euelpides: Verdammt! Da stolpern wir nun auf und ab
Und laufen kreuz und quer hinein ins Blaue!

Pisthetairos: Ich Tor! – zu folgen einer Kräh', und mehr
Als tausend Stadien Wegs herumzuirren!

Euelpides: Ich Narr! – zu folgen einer Dohl', und mir
Die Nägel an den Zehen abzulaufen!

Pisthetairos: Wo mögen wir in aller Welt nur sein?

Euelpides: Du – fändest du von hier die Vaterstadt?

Pisthetairos: Unmöglich – selbst für Exekestides!

Euelpides stolpernd:
Au weh!

Pisthetairos:   So geh doch diesen Weg, Kam'rad!

Euelpides: Der Vogelhändler hat uns schön geprellt,
Philokrates, der hirnverbrannte Krämer,
Der log: die beiden führten uns zum Tereus,
Dem Wiedehopf, nunmehrigem Vollblutvogel.
Die Dohle – Tharrheleides' Kind – verkauft' er
Uns für 'nen Obolos, und hier die Krähe
Für drei! und beide können nichts als beißen!
Die Dohle pickt nach ihm
Was schnappst du wieder? Willst du uns die Felsen
Hinabspedieren? – Hier ist weit und breit
Kein Weg!

Pisthetairos:   Beim Zeus, auch nicht der schmälste Fußpfad!

Euelpides: Sagt deine Krähe dir denn nichts vom Weg?

Pisthetairos: Ach nein! die kreischt das alte Lied mir vor.

Euelpides: Was sagt sie denn vom Weg?

Pisthetairos:                                           Was wird sie sagen?
Weghacken wolle sie mir noch die Finger!

Euelpides gegen die Zuschauer:
Ist das nicht arg, daß wir, die doch zum Geier
Zu gehn parat und voll Verlangen sind,
Nun erst den Weg dahin nicht finden können?
Denn wißt, ihr Herrn Zuschauer, unsre Krankheit
Ist just das Widerspiel von der des Sakas:
Der, Nichtstadtbürger, drängt sich ein, doch wir,
Von Stamm und Zunft und Haus aus makellos,
Vollbürger, nicht verjagt, aus eignem Antrieb
Entflogen spornstreichs wir der Heimat; – nicht
Als wär' uns diese Stadt verhaßt und wäre
Nicht herrlich, groß und weit und allen offen,
Die drin ihr Geld verprozessieren wollen!
Denn einen Monat oder zwei nur zirpen
Im Laub die Grillen: doch ihr ganzes Leben
Verzirpen im Gerichtshof die Athener.
Dies ist der Grund, warum wir hier marschieren
Mit Korb und Topf und Myrtenreis; wir streifen
Herum und suchen einen Friedensort,
Um allda unsre Wohnung aufzuschlagen.
Gerad zu Tereus geht jetzt unsre Fahrt,
Zum Wiedhopf, um zu fragen, ob er als
Gereister Vogel so 'ne Stadt gesehn.

Pisthetairos: Du?

Euelpides:           Was?

Pisthetairos:                 Die Krähe winkt mir immer dort
Hinauf.

Euelpides:   Und meine Dohle reckt den Schnabel
Weit offen in die Höh', mir was zu zeigen.
Kein Zweifel mehr, hier müssen Vögel sein:
Wir schlagen Lärm, da sind wir gleich im klaren.

Pisthetairos: Hör, stoß doch mit dem Fuß hier an den Felsen!

Euelpides: Stoß du doch mit dem Kopf, dann klopft es doppelt.

Pisthetairos: So poch mit einem Stein!

Euelpides:                                             Wie du befiehlst!
He, Bursch!

Pisthetairos:       Was rufst du? Nennst den Wiedhopf Bursch?
Nicht Bursch, du mußt Huphup dem Wiedhopf rufen

Euelpides: Huphup! Wie lange muß ich denn noch klopfen?
Huphup!

Zaunschlupfer mit langem, weitoffenem Schnabel tritt heraus; Pisthetairos und Euelpides fahren zurück; Dohle und Krähe fliegen fort

Zaunschlupfer:   Wer klopft? Wer ruft hier meinem Herrn?

Euelpides: Apollon, sei uns gnädig! Welch ein Schlund!

Zaunschlupfer: Ich Unglücksel'ger, weh, zwei Vogelsteller!

Euelpides in höchster Not:
Weh, was passiert mir? Unaussprechliches!

Zaunschlupfer: Hol' euch –

Euelpides:                             Für Menschen hältst du uns?

Zaunschlupfer:                                                                   Was sonst?

Euelpides: Ich bin der Vogel Graus aus Afrika.

Zaunschlupfer: Du lügst!

Euelpides:                       Da frag die Sauce an meinen Beinen!

Zaunschlupfer zu Pisthetairos:
Und welch ein Vogel bist denn du? sag an!

Pisthetairos: 'Ne Art von Goldfasan – der Diarrhöling.

Euelpides zum Zaunschlupfer:
Was bist denn du nun aber für ein Tier!

Zaunschlupfer: Ein Vogelsklave!

Euelpides:                                     Welche Demut! – Hat
Ein Kampfhahn dich besiegt?

Zaunschlupfer:                             O nein! Doch als
Mein Herr zum Wiedhopf wurde, bat er mich,
Als Vogel mitzugehn und ihm zu dienen.

Euelpides: Braucht denn ein Vogel auch noch Dienerschaft?

Zaunschlupfer: Er wohl! vermutlich, weil er Mensch einst war;
Bald hätt' er gern phalerische Sardellen,
Gleich schlupf ich mit dem Töpfchen fort und hole;
Dann will er Mus – nach Quirl und Pfanne schlupf ich
Durch Heck' und Zaun –

Euelpides:                             Nun kenn' ich dich: Zaunschlupfer!
Hör, weißt du was, Zaunschlupfer, schlupf hinein
Und ruf uns deinen Herrn!

Zaunschlupfer:                         Der macht sein Schläfchen!
Denn Schnaken aß er just und Myrtenbeeren.

Euelpides: Geh nur und wecke ihn!

Zaunschlupfer:                               Ach nein, ich weiß
Gewiß, er brummt. – Nun, euch zulieb', ich weck' ihn! Ab

Pisthetairos ihm nachrufend:
Daß du krepierst! Mich so halbtot zu ängsten!

Euelpides: O weh, auch mir entflogen ist vor Angst
Die Dohle!

Pisthetairos:     Feiges Tier, du hast vor Angst
Die Dohle fliegen lassen?

Euelpides:                               Hast denn du
Beim Fallen nicht die Krähe fahren lassen?

Pisthetairos: Ich nicht, bei Zeus!

Euelpides:                                   Wo ist sie denn?

Pisthetairos:                                                         Entwischt!

Euelpides: Und du, du hieltst sie nicht, du tapfrer Held?

Wiedehopf hinter der Szene:
Tu auf den Wald, daß ich mich offenbare!
Tritt heraus

Euelpides: Welch Wundertier! Herakles, welch Gefieder!
Und auf dem Kopf drei Büsche! – Neue Mode!

Wiedehopf: Wer wünscht zu sehn mein Antlitz?

Euelpides:                                                           Die zwölf Götter –
Gegen das Publikum
Traktierten, scheint's, dich schlecht!

Wiedehopf:                                             Ihr spottet mein
Und meiner Schwingen? Fremdlinge, ich war
Einst Mensch –

Euelpides:               Wir lachen dich nicht aus –

Wiedehopf:                                                         Wen denn?

Pisthetairos: Dein krummer Schnabel nur erschien uns spaßhaft.

Wiedehopf: So hat der Sophokles mich zugerichtet
In seinem Trauerspiel, ja mich, den Tereus!

Euelpides: Du bist der Tereus? Hahn wohl oder Pfau?

Wiedehopf: Ein Vogel doch!

Euelpides:                             Wo sind denn deine Federn?

Wiedehopf: Mir ausgefallen –

Euelpides:                                 Wohl in einer Krankheit?

Wiedehopf: Nein, alle Vögel mausern sich im Winter,
Es wachsen dann uns neue nach! – Allein
Wer seid denn ihr?

Euelpides:                     Wir beide? Menschenkinder!

Wiedehopf: Woher?

Euelpides:                 Woher die stolze Flotte stammt.

Wiedehopf: So? Heliasten? –

Euelpides:                               Antiheliasten,
Grad' umgekehrt!

Wiedehopf:                 Gedeiht denn solches Korn
Dort auch?

Euelpides:         Gar dünn gesät ist's auf dem Land.

Wiedehopf: Was habt ihr vor? »Was führt euch denn hierher?«

Euelpides: Dich sprechen wollen wir!

Wiedehopf:                                           Worüber denn?

Euelpides: Einmal: du warst ein Mensch einst, so wie wir,
Und hattest wohl auch Schulden, so wie wir;
Und zahltest sie nicht gerne, so wie wir;
Zum zweiten hast, zum Vogel umgestaltet,
Du Erd' und Meer umflogen, und so weißt
Du, was ein Mensch und was ein Vogel weiß.
Drum nah'n wir uns in Demut dir und bitten,
Ob du vielleicht uns eine Stadt kannst nennen,
Wo weich und warm man in der Wolle sitzt?

Wiedehopf: Und größer als die Stadt der Kranaer?

Euelpides: Nicht größer, aber dienlicher für uns.

Wiedehopf: Haha, du denkst aristokratisch?

Euelpides:                                                     Ich?
Mit nichten, Skellios' Sohn ist mir ein Greuel!

Wiedehopf: In welcher Stadt denn wohntet ihr am liebsten?

Euelpides: Wo dies die wichtigsten Geschäfte wären: –
Früh kam' an meine Tür ein guter Freund
Und spräche: ›Beim olymp'schen Zeus, du kommst
Doch ja zu mir mit deinen Kindern, wenn
Sie morgens frisch gewaschen sind: wir haben
Ein Hochzeitsmahl: und fehl mir ja nicht, sonst
Bleib mir auch weg, wenn's einmal schmal mir geht!‹

Wiedehopf: Bei Zeus, du liebst beschwerliche Geschäfte!
Zu Pisthetairos
Und du?

Pisthetairos:   Dergleichen lieb' auch ich!

Wiedehopf:                                                 Zum Beispiel?

Pisthetairos: Wenn einer schwerbeleidigt sich bei mir
Beklagt', ein Vater eines hübschen Knaben:
›So, schön von dir, Stilbonides! Mein Söhnchen,
Das frischgebadet du beim Ringhof trafst,
Mir nicht zu grüßen, küssen, mitzunehmen –
Und auszugreifen – Du, mein alter Freund?!‹ –

Wiedehopf: Du armer Mann, du liebst vertrackte Dinge!
Nun, in der Tat, solch eine Stadt der Wonne
Liegt fern am Roten Meer –

Euelpides:                                   Um Gottes willen,
Nur nicht am Meer! – daß eines Morgens – schrecklich! –
Die Salaminia auftaucht, uns zu holen?
Kannst du uns keine Stadt in Hellas nennen?

Wiedehopf: Laßt euch zu Lepreos in Elis nieder!

Euelpides: Zu Lepreos, dem Krätznest? Pfui, das hass' ich,
Eh' ich's gesehn, schon von Melanthios her!

Wiedehopf: So siedelt euch bei den Opuntiern an
In Lokris!

Euelpides:       Was, in Lokris? Lockrer Lump!
Das würd' ich nicht um eine Tonne Golds! –
Wie ist denn bei euch Vögeln hier das Leben?
Du kennst es ja!

Wiedehopf:               Kein übler Aufenthalt!
Man braucht hier, um zu leben, keinen Beutel!

Euelpides: Da gibt's auch keine Beutelschneiderei!

Wiedehopf: Wir picken in den Gärten weißen Sesam,
Mohnkörner, Myrtenbeeren, Wasserminze.

Euelpides: Da führt ihr ja ein wahres Hochzeitleben!

Pisthetairos: Ha! Hört!
Zu großen Dingen, seh' ich, ist bestimmt
Das Vögelvolk – wenn ihr mir folgen wollt!

Wiedehopf: Dir folgen? Wie?

Pisthetairos:                           Vor allem flattert nicht
Mit offnen Schnäbeln in der Welt herum,
Das schickt sich nicht für euch! Wenn dort bei uns
Man fragt nach solchen flatterhaften Burschen:
»Wer ist der Vogel?« – gleich sagt Teleas:
›Ein wetterwend'scher Mensch, charakterlos,
Heut so und morgen so, ein luft'ger Zeisig!‹

Wiedehopf: Beim Dionysos, und der Mann hat recht!
Was tun?

Pisthetairos:   Erbaut euch eine Stadt für alle!

Wiedehopf: Wir Vögel eine Stadt bau'n? Wie denn das?

Pisthetairos: »Mein Gott, wie albern du nur reden kannst!«
Da schau hinab!

Wiedehopf:               Ich schau'!

Pisthetairos:                               Nun schau hinauf!

Wiedehopf: Und nun?

Pisthetairos:               Jetzt dreh den Hals herum!

Wiedehopf:                                                             Bei Zeus,
Es lohnt sich wohl, den Hals mir zu verrenken?

Pisthetairos: Was sahst du nun?

Wiedehopf:                                 Die Wolken und den Himmel!

Pisthetairos: Das ist doch wohl der Staat der Vögel, nicht?

Wiedehopf: Was, Staat? Wie meinst du das?

Pisthetairos:                                                   Die Station,
Wo stattlich ausgestattet, was ihr wollt,
Ihr euch gestattet – sieh, das ist ein Staat!
Und baut ihr Häuser da und Mauern drum,
Dann habt ihr in dem Staat auch eine Stadt!
Heuschrecken sind dann gegen euch die Menschen,
Die Götter hungert ihr gut melisch aus –

Wiedehopf: Wie?

Pisthetairos:         Zwischen Erd' und Himmel ist die Luft,
Nicht wahr? – Wie wir, wenn wir nach Delphi gehn,
Um freien Durchzug die Boioter bitten,
So, wenn die Sterblichen den Göttern opfern
Und die den Durchgangszoll euch nicht entrichten,
Laßt durch die Luftstadt ihr die fremde Ware,
Den Opferbratenduft, nicht mehr passieren.

Wiedehopf: Der Tausend auch!
Bei allen Netzen, Schlingen, Vogelstangen!
Ein beßrer Einfall kam mir nie zu Ohren!
Es gilt! Ich bau' mit dir die Stadt, wofern
Die andern Vögel einverstanden sind.

Pisthetairos: Wer stellt den Antrag ihnen vor?

Wiedehopf:                                                       Du selbst!
Durch langen Umgang bracht' ich den Barbaren –
Das waren sie – ein bißchen Sprache bei.

Pisthetairos: Kannst du sie denn zusammenrufen?

Wiedehopf:                                                             Leicht!
Ich gehe nur geschwind da ins Gebüsch
Und wecke meine Nachtigall; dann rufen
Wir ihnen, und sobald sie unsre Stimme
Vernehmen, eilen sie im Flug herbei.

Pisthetairos: Herzlieber Vogel, steh nicht müßig da,
Ich bitt' dich, geh nur gleich hier ins Gebüsch,
Geh schnell und wecke deine Nachtigall!

Wiedehopf singt hinterm Busch:
O Gespielin, wach auf und verscheuche den Schlaf,
Laß strömen des Liedes geweihte Musik
Aus der göttlichen Kehle, die schmelzend und süß
Um mein Schmerzenskind und das deine klagt
Und melodischen Klangs aushauchend den Schmerz,
Ach, um Itys weint!
Rein schwingt sich der Schall durch das rankende Grün
Zu dem Throne des Zeus, wo Phoibos ihm lauscht,
Der Goldengelockte, zu deinem Gesang
In die elfenbeinerne Harfe greift,
Zu deinem Gesange den schreitenden Chor
Der Unsterblichen führt;
Und weinend mit dir, einstimmig ertönt
Von dem seligen Mund
Der Unsterblichen himmlische Klage.

Flötenspiel hinter der Szene, Nachtigallentöne nachahmend

Pisthetairos: Welch Vogelstimmchen! Nein, das übertaut,
Bei Zeus! mit Honigseim den ganzen Wald.

Euelpides: Du –

Pisthetairos:     Was beliebt?

Euelpides:                               Sei still doch!

Pisthetairos:                                                   Ei, warum?

Euelpides: Der Wiedhopf präludiert, es kommt noch eins!

Wiedehopf singt unter Flötenbegleitung:
Hup hup hup op op op, hup hup hup hup hup,
Juhu, Juhu! Heran, heran, heran!
Heran, ihr meine Mitgefiederten,
Was auf Ährengefilden den Kropf sich füllt!
Heran, ihr Gerstenpicker allzumal,
Körnerauflesende, flinke, geschmeidige,
Wohllautatmende Sänger,
Die ihr in Saatenfurchen
Trippelt, des feinen Stimmchens
Froh, behaglich also zwitschert:
Tiotio tiotio tiotio tiotio!
Ihr, die ihr in Gärten im Efeulaub
Verborgen nascht, auf den Bergen schwärmt,
Berberitzenverschlinger, Erdbeerenverschlucker,
Fliegt schleunig herbei auf meinen Ruf:
Trioto trioto totobrix!
Ihr, die ihr im Meer und in sumpfiger Schlucht
Stechfliegen erschnappt und vom Wiesentau
Benetzt durch die blumigen Auen streift
Und Marathons liebliche Gründe!
Komm, rotbehaubtes Haselhuhn!
»Kommt, die ihr über die Wogen des Meers
Fliegt mit den wandernden Halkyonen,«
Eilt zu vernehmen die Kunde, die neuste!
Sammelt, wir rufen euch, sammelt euch all'
Vom langhalsigen Stamme der Vögel!
Denn ein Greis ist gekommen, ein kluger Kopf,
Der ein neues Werk
Hat ausgeheckt, einen neuen Plan:
Drum kommt nun all' zur Beratung,
Kommet, kommet, kommet, kommet!
Toro toro toro torotix!
Kikkabau! Kikkabau!
Toro toro toro torolililix!

Pisthetairos zu Euelpides:
Du, siehst du einen Vogel?

Euelpides:                                 Keinen Schwanz,
Obwohl ich offnen Mauls zum Himmel gaffe!

Pisthetairos: Der Wiedhopf, scheint's, hat hinterm Busch vergeblich
Gegluckst, gefalzt wie ein Auerhahn.

Ein Flammbart kommt durch das linke Tor in die Orchestra gelaufen

Flammbart: Torotix torotix!

Pisthetairos: Ei der Tausend, Freund, ein Vogel! Sieh, da rückt ein Vogel an!

Euelpides: Ei, ein Vogel! Was für einer, möcht' ich wissen: wohl ein Pfau?

Pisthetairos während der Wiedehopf wieder hervorkommt:
Der da wird's am besten wissen, was das für ein Vogel ist.

Wiedehopf: Das ist kein gemeiner Vogel, den ihr alle Tage seht –
Ein Sumpfvogel!

Pisthetairos:             Alle Wetter, prächtig, purpurrot geflammt!

Wiedehopf: Ganz natürlich! Und deswegen ist er Flammbart auch genannt!

Ein Hahn tritt gravitätisch herein

Euelpides: Du – potz Wetter!

Pisthetairos:                           Nun, was schreist du?

Euelpides:                                                                   Sieh, ein zweiter Vogel kommt!

Pisthetairos: Ja, bei Zeus! Wohl der, »der seine Heimat in der Fremde hat«?
Zum Wiedehopf
Du, »wer ist der seltsam stolze, bergaufsteigende Prophet«?

Wiedehopf: Dieser? Perservogel heißt er!

Pisthetairos:                                               Perser? Beim Herakles, ei,
Sag, wie kommt er denn als Perser ohne sein Kamel daher?

Ein ruppiger Wiedehopf tritt auf

Euelpides: Sieh, da kommt ein Vogel wieder, einen Helmbusch auf dem Haupt!

Pisthetairos: Ei, wie sonderbar! So bist du nicht der einz'ge Wiedhopf hier?
Gibt's denn außer dir noch andre?

Wiedehopf:                                           Der da ist Philokles' Sohn,
Wiedhopfs Enkel, sein Großvater bin ich selbst – gerade wie
»Hipponikos, Sohn des Kallias, Kallias, Hipponikos' Sohn«.

Pisthetairos: Also Kallias ist der Vogel! Denn er mausert sich, sieh her!

Euelpides zu dem zweiten Wiedehopf:
Edler Mann, du kommst herunter, Sykophanten rupfen dich,
Und die letzten Federn raufen dir galante Dirnen aus!

Eine Kropfgans watschelt herein

Pisthetairos: Potz Poseidon! Welch ein Vogel, der in allen Farben spielt!
Nun, wie heißt denn dieser?

Wiedehopf:                                 Kropfgans, der bekannte Nimmersatt.

Pisthetairos: Heißt denn Nimmersatt noch jemand anders als Kleonymos?

Euelpides: Der – Kleonymos? – Verloren hat er ja den Helmbusch nicht!

Pisthetairos: Überhaupt, was soll das Buschwerk auf dem Kopf des Federviehs?
Gibt's 'nen Wettlauf denn?

Wiedehopf:                               Sie machen's eben wie die Karier:
Auf den Hügeln unter Büschen sitzen sie vor'm Feind gedeckt.

Pisthetairos: Ach, Poseidon! Welches Vogelungewitter zieht sich, schau,
Dort zusammen!

Euelpides:                 Ach, Apollon! Wolk' an Wolke, Gott erbarm's!
Kaum vor flatterndem Gevögel ist der Eingang mehr zu sehn!

Der Chor der Vögel rückt ein

Pisthetairos: Dort ein Rebhuhn, ei der Tausend! Hier ein Haselhuhn! Und hier,
Sieh, da patscht 'ne Wasserente, ein Eisvogelweibchen dort!

Euelpides: Hinter diesem aber? –

Pisthetairos:                                 Der dort? Ein Bartgeier wird es sein!

Euelpides: Heißt Bartgeier denn ein Vogel?

Pisthetairos:                                                 Heißt denn Sporgilos nicht so?
Siehst du dort die Eul'?

Euelpides:                           Ich bitte, »bringt man Eulen nach Athen«?

Pisthetairos: Elster, Turteltaube, Lerche, Weihrauchvogel, Käuzchen, Specht,
Turmfalk', Amsel, Taucher, Schnepfe, Adler, Häher, Auerhahn!

Euelpides: Ahi, was Federvieh!
Ahi, was Rabenvieh!
Wie sie piepsen, und wie alles kreischend durcheinanderrennt!
Weh! Mit offnen Schnäbeln drohend, mit ergrimmten Augen sehn
Sie mich an und dich –

Pisthetairos ängstlich:         Wahrhaftig, ich bemerk' es ebenfalls.

Chor der Vögel durcheinander schnarrend:
Wo, wo, wo, wo, wo, wo ist er, der uns rief, wo horstet er?

Wiedehopf: Hier bin ich, wie immer euer treuer Freund, und warte längst.

Chor: We–we–we–we–we–we–welche Freundesbotschaft bringst du uns?

Wiedehopf: Eine schöne, kluge, biedre, süße, volksbeglückende!
Denn zwei Menschen, wackre Greise, sind gekommen, sind bei mir.

Aufruhr unter den Vögeln

Chor: Wo? Wie? Wa-was?

Wiedehopf: Von den Menschen, sag' ich, kamen zwei ergraute Männer her,
Und zu einem »Riesenwerke« bringen sie den Bauplan mit.

Chorführer: Einen größern Frevler hab' ich, seit ich esse, nicht gesehn!
Nun, was sagst du?

Wiedehopf:                   Laß mich reden! Fürchte nichts!

Chorführer:                                                                     Was tatst du uns?

Wiedehopf: Männer nahm ich auf, die gerne lebten im Verein mit uns!

Chorführer: Diese Tat hast du begangen?

Wiedehopf:                                               Und ich freue mich der Tat!

Chorführer: Und sie sind schon hier? –

Wiedehopf:                                             In eurer Mitte, so gewiß als ich!

Chor: Ach, ach!
Verkauft, verraten, geschändet sind wir!
Denn ein Bruder, ein Freund, der gemeinsam mit uns
Auf den Fluren sein Futter sich suchte,
Hat gebrochen das uraltheil'ge Gesetz,
Hat gebrochen den Eid der Vögel!
Hat ins Netz mich gelockt, mich dem argen Geschlecht
In die Hände geliefert, das, seit es erzeugt,
Mir nur Böses getan!

Chorführer: Nun, mit diesem Vogel reden wir dann später noch ein Wort!
Doch die beiden alten Sünder, denk' ich, züchtigen wir gleich.
Kommt, wir reißen sie in Stücke!

Allgemeine Aufregung

Pisthetairos:                                       Weh, nun ist's um uns geschehn!

Euelpides: Ja, und du, du bist an allem diesem Unglück schuld! Warum
Hast du mich auch mitgenommen?

Pisthetairos:                                         Nun, damit du bei mir bist!

Euelpides: Um es bitter zu beweinen!

Pisthetairos:                                       Sieh, wie albern schwatzt du jetzt!

Euelpides: Albern?

Pisthetairos:           Wein' einmal, nachdem sie dir die Augen ausgehackt!

Chor: Auf, auf!
Nun drauf und daran, und in grimmigem Sturm
Auf den Todfeind los, und umzingelt ihn rings,
Und schlagt ins Gesicht ihm die Flügel!
Laut heulen soll das verruchte Paar,
Ein Fraß für unsere Schnäbel!
Nicht der waldige Berg, nicht die Wolke der Luft,
Nicht das graue Gewässer des Meeres soll
Sie beschützen vor mir!

Chorführer: Nun, was zaudern wir noch länger? Beißt und kratzt und reißt und rupft!
He, wo ist der Hauptmann? – Dringe mit dem rechten Flügel vor!

Euelpides: Nun wird's Ernst! – Wohin entflieh' ich Armer?

Pisthetairos:                                                                       Du, so halt doch stand!

Euelpides: Soll ich mich zerreißen lassen?

Pisthetairos:                                               Hoffst du Narr denn, ihnen noch
Zu entwischen?

Euelpides:               Wie? Das weiß ich freilich nicht!

Pisthetairos:                                                                 So höre denn!
Laß uns kämpfen, unsre Töpfe halten wir in tapfrer Hand!

Euelpides: Und was soll der Topf uns helfen?

Pisthetairos:                                                   Daß uns keine Eule packt!

Euelpides: Wider diese krummen Krallen –?

Pisthetairos:                                                   Nimm den Bratspieß, stecke dran
Einen nach dem andern!

Euelpides:                             Sieh da, die Glotzaugen! Ach, was tun?

Pisthetairos: Nimm das Essigkrüglein oder hier die Schüssel, wehre dich!

Euelpides: Ei, Respekt vor deiner Klugheit! Ganz strategisch ausgedacht!
In Kriegs-Listen und Maschinen stichst du selbst den Nikias aus.

Chorführer: Hurra! Marsch! Bei Fuß den Schnabel! Vorwärts, vorwärts, drauf und dran!
Rupft, reißt, beißt, zerrt, stoßt, haut, raufet! Schlagt zuerst den Topf entzwei!

Wiedehopf dazwischentretend:
Sprecht, was fällt euch ein, was soll das, ungeschlachte Bestien ihr?
Morden wollt ihr Männer, die euch nichts getan, zerreißen wollt
Ihr Landsleute ohne Schonung, Blutsverwandte meiner Frau?

Chorführer: Was? Weswegen sollten ihrer mehr wir schonen als des Wolfs?
Haben wir denn schlimmre Feinde noch zu züchtigen als die?

Wiedehopf: Wenn sie aber, von Geburt zwar Feind, im Herzen Freunde sind,
Wenn, euch guten Rat zu geben, nur sie da sind, nun, wie dann?

Chorführer: Pah! Wie können die uns lehren oder guten Rat wohl gar
Uns erteilen, unsre Feinde, unsrer Ahnen Feinde schon?

Wiedehopf: Freunde! Kluge Leute lernen auch von ihren Feinden gern.
Vorsicht frommt in allen Stücken: von dem Freunde wirst du sie
Schwerlich lernen, doch die Feinde, ja die zwingen dich dazu.
Denn die Städte – nicht dem Freunde, nein, dem Feind verdanken sie's,
Wenn sie hohe Mauern bauen und Fregatten für den Krieg;
Daß sie's lernten, sichert ihnen Hab und Gut und Weib und Kind.

Chorführer: Ihrem Wort Gehör zu schenken, kann vorerst, wie mich bedünkt,
Uns nicht schaden: was Gescheites lernt man manchmal auch vom Feind.

Pisthetairos zu Euelpides:
Gut, ihr Zorn will, scheint's, sich legen. Weiche Schritt für Schritt zurück!

Wiedehopf zum Chorführer:
Das ist billig, und ihr könnt es mir auch zu Gefallen tun!

Pisthetairos zu Euelpides:
Sieh, sie ziehn's doch vor, in Frieden uns zu lassen: lege drum
Hin die Schüssel samt dem Topfe!
Mit dem Speer im Arm, dem Bratspieß,
Wollen wir auf und ab spazieren
Innerhalb des Waffenplatzes,
Nach dem Topf, des Lagers Marke,
Scharf hinsehend: Fliehn wär' Schande!

Euelpides: Meinst du? – Aber wenn wir fallen,
Wo zu Land wird unser Grab sein?

Pisthetairos: Auf dem Töpferplatz! – Damit man
Von Staats wegen uns bestattet,
Werden wir den Feldherrn sagen,
Daß wir kämpfend sind gefallen
In der Schlacht am ›Vogelsberg‹!

Chorführer: Zurück denn, und stellt euch in Reih und Glied,
Und die Lanze des Muts pflanzt neben dem Schild
Des Schlachtgrimms auf, wie im Feld der Soldat;
Wir verhören indessen die Männer da: wer
Und von wannen sie sind,
Und in welcherlei Absicht sie kommen?
Zum Wiedehopf
He, Wiedhopf, gib einmal Bescheid!

Wiedehopf: Bescheid? Was willst du wissen, sprich!

Chorführer: Wer sind die zwei da, und woher?

Wiedehopf: Gastfreund' aus Hellas' weisem Volk!

Chorführer: Welch Ungefähr führt sie denn
Beid' hierher ins Vögelreich?

Wiedehopf: Der Wunsch, mit dir, nach deiner Sitt'
Und Art zu leben allezeit!

Chorführer: So? Und was bringen sie da vor?

Wiedehopf: Unglaublich klingt es, unerhört!

Chorführer: Wie denken sie die Aufenthaltsbewilligung
Zu lohnen uns? Und wollen sie
Mit uns dem Feinde schaden und
Befördern ihrer Freunde Wohl?

Wiedehopf: Ein großes Glück verheißt er uns,
Unglaublich, unaussprechlich groß!
Daß rundum alles euch gehört,
Was unten, oben, rechts und links,
Das demonstriert er euch aufs Haar.

Chorführer: Ist er verrückt denn, der Tropf?

Wiedehopf: Oh, ein durchtriebener Kopf!

Chorführer: Sollte was hinter ihm sein?

Wiedehopf: Der ist verschlagen und fein!
Der Witz, der Kniff, der Pfiff, der Scharfsinn selbst!

Chorführer: Ich will ihn hören, ruf ihn gleich!
Was du da sagst – mich juckt's davon
Schon jetzt in allen Federn!

Wiedehopf zu Pisthetairos und Euelpides:
Wohlan denn du, und du, den Waffenplunder
Schafft weg und hängt zur guten Stund' ihn auf
Im Rauchfang, bei dem Bild des Feuergottes!
Du aber laß dein Wort, zu dem ich sie
Berief, uns hören: sprich!

Pisthetairos:                           Beim Phoibos, nein!
Wenn sie mit mir nicht eingehn den Vertrag,
Wie ihn mit seinem Weib der ›Affe‹ schloß,
Der Messerschmied: – mich nicht zu beißen, nicht
Am Hodensack zu zerren, nicht zu krabbeln
Mir da –

Chorführer:   Dahinten? – Nein!

Pisthetairos:                               Am Auge, mein' ich!

Chorführer: Das geh' ich ein!

Pisthetairos:                           Beschwöre mir's!

Chorführer:                                                         Ich schwöre!
So wahr ich mit den Stimmen aller Richter
Und alles Volks zu siegen wünsch' –

Pisthetairos:                                             Es gilt!

Chorführer: – Und halt' ich's nicht – mit einer Stimme nur!

Pisthetairos zu Euelpides:
Hört, Bürger und Soldaten, geht mit Wehr
Und Waffen jetzt nach Haus; und habt wohl acht
Des Maueranschlags, der das Weitre sagt!

Erster Halbchor: So verschlagen in allen Stücken auch der Mensch
Von Haus aus ist, doch will ich dich hören; sag an!
Denn wohl ist es möglich,
Daß du bessern Rat mir zu geben imstand bist,
Als ich selbst es vermöchte,
Und zu größerer Macht mir verhelfen kannst,
Die mein blöderer Geist nicht geahnt: drum rede!
Was Ersprießliches du uns
Zu verschaffen weißt – wir teilen es redlich!

Chorführer: Wohlan denn, was gab den Gedanken dir ein, was bewog dich, an uns dich zu wenden?
Das berichte getrost! Denn wir werden zuerst den geschloßnen Vertrag nicht verletzen!

Pisthetairos: Schon gärt mir's im Kopfe, beim Zeus, und der Teig zu der Rede, schon ist er im Gehen;
Jetzt ohne Verzug, jetzt knet' ich ihn aus! Einen Kranz her, Bursch, und ein Becken!
Komm, gieße das Wasser mir über die Hand –

Euelpides:                                                                 Wie? Geht es zum Schmause denn, oder –

Pisthetairos zu Euelpides:
Nichts weniger! Nein, ich studiere schon lang auf ein mächtiges, schlagendes Kraftwort,
Zu erschüttern die Seele des Volks –
An den Chor
                                                            Ja seht, nur für euch bin ich also bekümmert,
Daß ihr, einst Könige –

Chorführer:                         Könige wir? Über was denn?

Pisthetairos:                                                                       Könige, freilich,
Über alles, was lebt und webet, zuerst über mich, über den da,
auf Euelpides deutend                                                             ja Zeus selbst;
Denn älter, weit älter ist euer Geschlecht, als Kronos zusamt den Titanen
Und die Erde –

Chorführer:             Die Erde?

Pisthetairos:                             Fürwahr, bei Apoll!

Chorführer:                                                               Ei, das erste Wort, das ich höre!

Pisthetairos: O Einfalt! Du hast dich nicht umgetan und deinen Aisop nicht gelesen,
Der es deutlich doch sagt, daß die Schopflerch' einst der erste der Vögel gewesen,
Eh' die Erde noch war! Und da sei ihr am Pips ihr Vater gestorben und habe
Fünf Tag' unbeerdigt gelegen, dieweil die Erde noch nicht existierte;
Aus Verzweiflung grub dann im eigenen Kopf sie ein Loch zu des Vaters Bestattung.

Euelpides: So liegt denn der Vater der Schopflerch' jetzt, der sel'ge, begraben im Schopfloch.

Pisthetairos: Und wenn sie nun lang vor der Erde, lang vor den Göttern gelebt, da gebührt doch
Als den Ältesten ihnen mit Fug und Recht die Gewalt und das Zepter der Herrschaft!

Euelpides: Beim Apollon, gewiß! Drum laß dir nur ja lang wachsen in Zukunft den Schnabel,
Denn das Zepter wird Zeus abtreten so schnell nicht dem tannenpickenden Schwarzspecht!

Pisthetairos: Daß wirklich nun aber die Götter nicht vorzeiten die Menschen beherrschten,
Daß die Vögel als Könige herrschten, dafür gibt's hundert und tausend Beweise.
So war, zum Exempel, vorzeiten der Hahn souveräner Regent und Gebieter
Im persischen Reich, vor den Fürsten lang, vor Dareios und Megabyzos,
Drum heißt er denn auch, weil er einst dort gebot, der persische Vogel noch heute.

Euelpides: Drum stolziert er auch noch auf den heutigen Tag mit der aufrecht spitzen Tiara
Auf dem Kopf umher, wie der große Schah, er allein von sämtlichen Vögeln.

Pisthetairos: So gewaltig war er, so mächtig und stark, daß heut noch, wenn mit dem Tag er
Sein Morgenlied kräht, die Schlafenden all', seiner sonstigen Größe gedenkend,
Aufspringen und rasch an die Arbeit gehn, die Töpfer, die Schmiede, die Gerber,
Mehlhändler, Barbierer und Schneider und Schuh- und Harfen- und Schildfabrikanten,
In die Schlappschuh' fahren im Dunkeln sie schnell und rennen –

Euelpides:                                                                                             Da hört ein Geschichtchen:
Mein Mantel von phrygischem Wollenzeug, durch den Gockel kam ich um diesen!
Ich war in die Stadt zu dem Namensfest eines Bübchens geladen, da trank ich
Mir ein Räuschchen und dämmert' allmählich ein, eh' die andern noch tranken: da kräht' er;
Ich, wähnend, es tag', geh' Halimos zu und laviere so grad' vor die Mauern
Hinaus: da versetzt mir ein Straßendieb mit dem Knüttel eins über den Rücken:
Da lag ich im Dreck und versuchte zu schrein, doch davon war Mantel und Spitzbub!

Pisthetairos: Der Hellenen König und Herrscher, das war in selbigen Zeiten der Weihe!

Euelpides: Der Hellenen auch?

Pisthetairos:                             Und er führte zuerst als ihr Herr und Gebieter den Brauch ein,
Vor dem Weih' in den Staub sich zu werfen.

Euelpides:                                                             Ach ja, so warf ich mich selbst bei dem Anblick
Eines Weihen einmal in den Staub, und es fuhr, wie ich offnen Maules so dalag,
In den Hals mir hinunter mein Obolosstück: leer bracht' ich nach Hause den Schnappsack!

Pisthetairos: Im Ägyptenland und im weiten Gebiet der Phoinikier herrschte der Kuckuck,
Und sobald sein ›Kucku‹! der Kuckuck rief, da machten sich schnell auf die Beine
Die Phönizier all' und schnitten ihr Korn auf den Äckern, und Gersten und Weizen.

Euelpides: Potz Tausend! Da kommt wohl das Sprichwort her: »Kuckuck, in das Feld, ihr Beschnittnen!«

Pisthetairos: So gewaltig regierten die Vögel im Land, daß, wo in den Städten von Hellas
Ein König noch war, Menelaos etwa, Agamemnon oder ein andrer,
Da saß auf dem Zepter ein Vogel ihm auch, um zu teilen mit ihm die – Schmieralien.

Euelpides: Von all dem wußt' ich kein Wörtchen und sah mit Verwundrung, wie mit dem Vogel
Auf dem Zepter hervor oft Priamos trat auf die Bühne: da stand er, der Vogel,
Und lauerte scharf dem Lysikrates auf, was er etwa bekam' an Schmieralien.

Pisthetairos: Doch das Schlagendste, Freunde, das kommt erst jetzt! Zeus selber, der Herrscher von heute,
Da steht er, der König der Könige, doch mit dem Vogel, dem Adler, zu Häupten;
Mit der Eule sein Kind, die Athene; sein Knecht und Getreuer Apoll mit dem Habicht.

Euelpides: Ganz richtig bemerkt: bei Demeter, so ist's! Doch wozu die Begleitung der Vögel?

Pisthetairos: Deshalb: wenn einer beim Opfern das Herz und die Leber, so wie es gebräuchlich,
In die Hand ihm drückt – daß sie selbst vor Zeus das Herz und die Leber sich nehmen! –
Bei den Göttern schwur kein Sterblicher sonst, jedmänniglich schwur bei den Vögeln;
Noch heut, wenn Lampon aufs Prellen ausgeht – nicht bei Zeus, er schwört bei dem Zeisig.
So hat man vorzeiten euch überall als heilig verehrt und gewaltig!
Jetzt sieht man für Tölpel, für Sklaven euch an
Und schlägt euch wie wütende Hunde tot
Und schießt nach euch in den Tempeln sogar!
Und die Vogelsteller, sie lauern euch auf
Mit Netz, Leimrute, mit Schling' und Garn,
Mit Dohne, mit Sprenkel und Meisenschlag.
Und sie fangen und bringen euch schockweis zu Markt,
Und da kommen die Käufer und greifen euch aus!
Und sie braten euch, Wetter! Und wären sie nur
Noch zufrieden, euch so zu servieren bei Tisch!
Da kommt noch geriebener Käse dazu,
Weinessig und Baumöl, Teufelsdreck
Und Honig und Speck, durcheinandergerührt,
Und die Sauce dann schütten sie siedendheiß
Euch über das Fell,
Als wär' es verstunkenes Luder!

Zweiter Halbchor: O wie schwer, o wie schwer das Wort aufs Herz mir fällt,
Das du, Alter, mir sagst! Ich beweine die Schmach
Und die Feigheit der Väter,
Welche so glänzende Hoheit, ererbt von den Ahnen,
Mir zum Schaden verscherzten.
Doch es führt ja so glücklich ein gutes Geschick
Dich als Retter mir jetzt und Beschirmer entgegen.
In die Arme dir sink' ich
Mit den Küchlein, um fortan im Frieden zu wohnen!

Chorführer: Nun erkläre dich aber, was müssen wir tun? Denn es lohnt nicht der Mühe zu leben,
Wenn wir unser erbeigenes Königtum, wie auch immer, nicht wiedererobern!

Pisthetairos: So vernehmt mein Wort: Eine Stadt muß erstehn zur Behausung sämtlicher Vögel;
Dann müßt ihr die Luft, den unendlichen Raum, müßt Himmel und Erd' ihr begrenzen,
Wie Babylon, rund mit Mauern umziehn, kolossal aus gebackenen Quadern!

Wiedehopf: Kebriones, ha! und Porphyrion! Welch himmelanstrebender Stadtbau!

Pisthetairos: Und sobald sie dann steht, die erhabene Stadt, dann verlangt ihr von Zeus, daß er abdankt,
Und will er nicht dran und schlägt er es ab und besinnt sich nicht gleich eines Bessern,
Dann erklärt ihr ihm selber den heiligen Krieg und verbietet den sämtlichen Göttern,
Durch euer Gebiet auf den Strich zu gehn mit himmelansteigender Rute,
Wie sie früher so oft eh'brecherisch geil zu Alkmene sich niederließen,
Zu Alope, Leda und Semele; und kommen sie dennoch, dann müßt ihr
Sie kurzweg infibulieren, damit sie die Weiberchen lassen in Ruhe.
'Nen Vogel schickt ihr dann ohne Verzug zu den Menschen hinab als Gesandten
Und gebietet: als Königen sollen sie euch von der Stund an opfern den Vögeln;
Und nach euch erst kriegen die Götter ihr Teil: und es steht dann geziemenderweise
Den Göttern stets ein Vogel zur Seit', wie er eben für jeglichen passend:
So, wer Aphroditen ein Opfer weiht, der streue dann Körner dem Sperling,
Und wer dem Poseidon ein Schaf darbringt, der bedenke die Ente mit Weizen,
Wer ein Rind dem Herakles, bediene zugleich mit Honigkrapfen die Kropfgans,
Wer dem Zeus als König 'nen Schafbock weiht – Zaunkönig ist ebenfalls König,
Und es ziemt sich, vor Zeus ihm den männlichen – Floh als hüpfendes Böcklein zu schlachten!

Euelpides: Ein ergötzlicher Spaß – der geschlachtete Floh! Ei, da schlage der Donner des Zeus drein!

Wiedehopf: Wie sollen denn aber für Götter und nicht für Dohlen die Menschen uns achten?
Wir fliegen und haben doch Flügel am Leib?

Pisthetairos:                                                         O Einfalt! Hat denn nicht Flügel
Auch Hermes und fliegt, und er ist doch ein Gott, und es fliegen der Götter noch viele,
Die Nike mit goldenen Schwingen, sie fliegt, und es fliegt doch, beim Zeus! auch der Eros,
Und »der schüchternen Taube vergleichbar« ist nach Vater Homeros die Iris?

Wiedehopf: Schlägt Zeus dann nicht drein mit dem Donnerkeil und schickt uns geflügelte Blitze?

Pisthetairos: Und wollen für nichts euch die Sterblichen dann, aus purer Beschränktheit, noch achten
Und für Götter dort oben nur die im Olymp, dann soll eine Wolke von Spatzen,
Ein fliegendes, körneraufpickendes Korps, wegschnappen die Saaten der Äcker;
Und metzenweis mag die Demeter dann an die Hungrigen Weizen verteilen.

Euelpides: Die läßt das wohl sein, gib acht, die ersinnt Ausreden und läßt sie verhungern!

Pisthetairos: Dann laßt ihr die Raben dem mageren Vieh, mit dem sie die Äcker bepflügen,
Und den Schafen aushacken die Augen, damit sie erkennen, wer Herr ist und Meister;
Und Apollon, der Arzt, er kuriere sie dann, wie er pflegt – für bare Bezahlung!

Euelpides: Nur ein bißchen noch wartet! Ich möchte nur erst meine Stierchen zuvor noch verkaufen!

Pisthetairos: Doch beten als Schöpfer und Gott sie dich an, als Poseidon, Kronos und Gaia,
Dann genießen sie Güter im Überfluß!

Wiedehopf:                                                 So nenne mir eines der Güter!

Pisthetairos: Nie werden den knospenden Reben fortan Heuschrecken die Augen zerfressen,

Denn Sperber und Eulen – nur eine Schwadron wird genug sein, sie zu vertilgen.
Gallwespen und Fliegen und andres Geschmeiß, sie benagen nicht länger die Feigen,
Denn die Krammetsvögel, ein einziger Schwarm – glattsauber putzt er die Bäume.

Wiedehopf: Wo kriegen wir aber den Reichtum her für die Menschen? Das ist ja ihr Liebstes!

Pisthetairos: Wer um Silberminen die Vögel befragt, – sie verleihn die ergiebigsten Schachte;
Wo die besten Geschäfte zu machen sind, durch die Seher erfährt er's von ihnen;
Nicht ein Seefahrer verunglückt mehr!

Wiedehopf:                                                 Nicht einer? Wie sollte das zugehn?

Pisthetairos: Ein Vogel wird jeden, sobald er ihn fragt, vor der Fahrt aufs beste beraten:
›Jetzt segle nicht ab: denn es droht dir ein Sturm!‹ – ›Du gewinnst: jetzt lichte die Anker!‹

Euelpides: Ei, da kauf ich ein Schiff mir und stech' in die See: ich verlass' euch, ich bleibe nicht länger!

Pisthetairos: Dann decken sie ihnen die Schätze auf, die die Leute vor alters verscharrten,
Voll blinkenden Silbers: sie wissen gar wohl, wo sie liegen, drum heißt es im Sprichwort:
»Ich hab' 'nen Schatz, und es weiß es kein Mensch wo er liegt: das weiß nur der Geier!«

Euelpides: Ich verkaufe mein Boot, schaff' Hacken herbei, und da grab' ich mir Töpfe voll Gold aus.

Wiedehopf: Wie verschaffen wir ihnen Gesundheit denn? Bei den Göttern ja wohnt Hygieia?

Pisthetairos: Wenn's ihnen nun aber recht grundwohl geht, das ist doch Gesundheit die Fülle!
Denn, sieh mal, geht es dem Menschen schlecht, dann fehlt die Gesundheit ihm vornweg!

Wiedehopf: Wo bekommen wir aber das Alter her? Denn das Alter ist auch im Olympos:
Dann sterben die Menschen als Kinder schon weg –

Pisthetairos:                                                                     Mitnichten! Die Vögel, sie legen
Dreihundert Jahre den Menschen noch zu!

Wiedehopf:                                                       Und woher denn?

Pisthetairos:                                                                                   Woher? Von sich selber!
»Die krächzende Krähe«, das weißt du doch wohl, »fünf Menschenalter durchlebt sie.«

Euelpides gegen das Publikum:
Potz Wetter, das nenn' ich mir Könige, die weit besser als Zeus für uns taugen!

Pisthetairos ebenso:
Das mein' ich doch auch!
Wir brauchen da marmorne Tempel nicht mehr
Zu errichten für sie und Portale daran
Zu erbaun aus Gold: oh, die wohnen auch gern
Im Wacholdergebüsch und im Haselnußstrauch,
Und der Ölbaum wölbt sich zum heiligen Dom
Für die Allerhöchsten im Vogelreich.
Nach Delphi zu pilgern, zu Ammons Sitz
Und zu opfern daselbst, fällt keinem mehr ein:
Wir stellen uns mitten ins Dickicht hin
Von wilden Oliven und Erdbeergebüsch
Und streu'n Hanfkörner und Weizen für sie
Und flehn mit erhobenen Händen sie an
Um Geld und Gut, und das wird uns dann auch
Ohne weitres gewährt
Für die Handvoll Korn, die wir streuen!

Chorführer: Ehrwürdiger Greis, zum vertrautesten Freund aus dem bittersten Feind mir geworden,
Nie weich' ich von dir, treu werd' ich bei dir und deinen Entwürfen verharren!
Durch deiner Worte Kraft begeistert schwör'
Ich's heilig, und die Drohung sprech' ich aus:
Wenn du in heiliger Allianz
Mit mir zum Kampf auf Tod und Leben
Dich verbündest und treu
Wider die Götter mir hilfst,
Ein Herz und eine Seele, Freund,
Dann, Götter, sollt ihr länger nicht
Unser Zepter schänden!
Und das machen wir so: wo der rüstigen Kraft es bedarf, da postieren wir selbst uns;
Wo es aber zu denken, zu raten gilt, da vertrauen wir deinem Genie uns!

Wiedehopf: Nun aber ist, beim Zeus, nicht mehr zum Zaudern
Und Schlafen Zeit, zur Nikiasnickerei!
Wir müssen handeln, und das gleich! So tretet
Vorerst hier ein in meine Nestbehausung
Und nehmt vorlieb mit Halmen, Stroh und Reisig!
Ei, nennt uns doch auch eure Namen!

Pisthetairos:                                             Gern,
Ich heiße Pisthetairos!

Wiedehopf:                         Schön! Und du?

Euelpides: Euelpides von Thria.

Wiedehopf:                                 Seid mir beide
Willkommen!

Pisthetairos:         Schönen Dank!

Wiedehopf:                                   Nun tretet ein!

Pisthetairos: Geh du voran, wir folgen dir.

Wiedehopf:                                                 So kommt!

Pisthetairos: Halt! Du, wie ist denn das? – Komm doch zurück!
Wie können wir, die Unbeflügelten,
Mit euch denn leben, den Beflügelten?

Wiedehopf: Ganz gut!

Pisthetairos:               Du weißt, wie übel in der Fabel
Aisops es jenem Fuchs ergangen ist,
Der mit dem Aar gemeine Sache machte!

Wiedehopf: Sei unbesorgt! Es gibt ein Würzelchen:
Das kaut ihr nur, dann seid ihr gleich beflügelt.

Pisthetairos: Nun denn, wir folgen!
Zu den Sklaven                   Du da, Manodoros
Und Xanthias, nehmt die Bagage mit!

Chorführer: Noch ein Wort, noch ein Wort, ei so höre doch!

Wiedehopf: Nun?

Chorführer:         Du geleitest ins Nest sie, die Gäste,
Und bewirtest sie gut! Doch die Nachtigall, Freund, die süße Gespielin der Muse,
Die schick uns heraus zur Gesellschaft und laß mit der Holden uns spielen und scherzen!

Pisthetairos: O ja, bei Zeus, tu ihnen den Gefallen
Und lock das Vögelchen aus dem Gebüsch!

Euelpides: Ja, bei den Göttern, lock es her und gönn'
Auch uns den Anblick deiner Nachtigall!

Wiedehopf: Nun, wenn ihr wollt, so sei es!
Ruft ins Gebüsch                             Philomele,
Komm 'raus und zeige dich den werten Gästen!

Philomele tritt auf als Flötenspielerin, mit einer Vogelmaske

Pisthetairos: Großmächt'ger Zeus, welch niedlich Vögelchen,
Wie zart, wie weiß –

Euelpides:                         Ich sage dir, mit der
Probiert' ich schon vierfüßig eins zu spielen!

Pisthetairos: Was die mit Gold behängt ist! wie die Jungfrau!

Euelpides: Kaum halt' ich mich: ich muß, ich muß sie küssen!

Pisthetairos: Du Narr, sieh nur den Bratspießschnabel an!

Euelpides: Ich darf ihr nur die Eierschale da
Vom Köpfchen streifen – komm und laß dich küssen!

Wiedehopf nimmt ihn am Arm:
Gehn wir hinein!

Pisthetairos:               Glück zu! Wir folgen dir!

Alle ab

Chor singt:
Liebliches Blondköpfchen,
Süßestes Vögelein,
Meiner Lieder Begleiterin,
Nachtigall, holde Gespielin!
Bist du's, bist du es, kommst du,
Bringst du mir süße Gesänge mit?
Komm und flöte mir himmlische
Frühlingstön'! Anapästische
Rhythmen laß uns beginnen!

Flötenspiel

Chorführer an die Zuschauer:
O ihr Menschen, verfallen dem dunklen Geschick, »den Blättern des Waldes vergleichbar«,
Ohnmächtige Zwerge, Gebilde von Lehm, traumähnliche Schattengestalten,
O ihr Eintagsfliegen, der Flügel beraubt, ihr erbärmlichverweslichen Wesen,
Jetzt lauschet und hört die Unsterblichen an, die erhabenen, ewiglich jungen,
Die ätherischen, himmlischen, seligen, Uns, die Unendliches sinnenden Geister,
Die euch offenbaren die Lehre vom All und den überirdischen Dingen:
Wie die Vögel entstanden, der Götter Geschlecht, und die Ströme, die Nacht und das Chaos:
Auf daß ihr erkennet, was ist und was war, und zum Geier den Prodikos schicket!
In der Zeiten Beginn war Tartaros, Nacht, und des Erebos Dunkel und Chaos;
Luft, Himmel und Erde war nicht; da gebar und brütet' in Erebos' Schoße,
Dem weiten, die schattenbeflügelte Nacht das uranfängliche Windei;
Und diesem entkroch in der Zeit Umlauf der verlangenentzündende Eros,
An den Schultern von goldenen Flügeln umstrahlt und behend wie die wirbelnde Windsbraut.
Mit dem Chaos, dem mächtigen Vogel, gepaart, hat der in des Tartaros Tiefen
Uns ausgeheckt und heraufgeführt zu dem Lichte des Tages, die Vögel.
Noch war das Geschlecht der Unsterblichen nicht, bis er alles in Liebe vermischte.
Wie sich eins mit dem andern dann paarte, da ward der Okeanos, Himmel und Erde,
Die unsterblichen, seligen Götter all! – Und so sind wir erwiesenermaßen
Weit älter, als alle Unsterblichen sind! Denn, daß wir von Eros gezeugt sind,
Ist sonnenklar: denn wir fliegen wie er und gesellen uns gern den Verliebten:
Manch reizenden Knaben, der kalt sich verschloß, hat nah an der Grenze der Jugend
Durch unsre Gewalt der verliebte Freund noch gewonnen durch Vögelpräsente:
Durch ein Perlhuhn oder ein Gänschen wohl auch, durch Wachteln und persische Vögel!
Was es Schönes auf Erden und Großes gibt, das verdanken uns alles die Menschen:
Wir verkünden die wechselnden Zeiten des Jahrs, den Frühling, den Sommer, den Winter:
Der Kranich, er mahnt euch zu säen im Herbst, wenn er krächzend nach Libyen wandert,
Und der Seemann hängt sein Steuer alsdann in den Rauch, um aufs Ohr sich zu legen:
Den Orestes heißt er sich weben ein Kleid, um im Frost es nicht stehlen zu müssen.
Kommt aber der Weih, so verkündet er nach dem Winter die mildere Jahrszeit,
Wo die Frühlingswolle den Schafen ihr müßt abscheren; die zwitschernde Schwalbe,
Die erinnert euch jetzt, zu vertrödeln den Pelz und ein sommerlich Röckchen zu kaufen;
Kurz, Ammon sind wir und Delphi für euch und Dodona und Phoibos Apollon!
Stets wendet ihr euch an die Vögel zuerst, eh' eure Geschäft' ihr besorget,
Als: Lohnarbeit und Kauf und Verkauf und Eheverlöbnis und Hochzeit.
Wer beißt euch die Mutter ins Bein und verheißt und beschert euch den Segen? – Der Storch ist's!
Gar manchem entschlüpft vor Verwund'rung ein ›Ei!‹ und ihr ›höret ein Vögelchen pfeifen‹;
›Das weiß nur der Geier!‹ bekennt ihr, und geht euch ein Licht auf, sagt ihr: ›Es schwant mir!‹
Erkennt ihr es endlich und seht ihr in uns den leibhaftigen Seher Apollon?
Nun wohlan! Wofern ihr als Götter uns ehrt,
Weissagende Musen dann habt ihr für Wind
Und Wetter, für Sommer und Winter und Lenz
Und die Kühle des Herbsts! Wir entlaufen euch nicht,
Wir setzen uns nicht vornehm und bequem
In die Wolken hinauf so breit wie Zeus;
Aus traulicher Nähe verleihen wir euch,
Euch selbst samt Kindern und Enkeln, Gedeih'n
Und Gesundheit die Füll',
Und Leben und Segen und Frieden und Ruh'
Und Vergnügen und Spaß und Jugend und Tanz,
Und Hühnermilch!
Ja, ihr werdet's, ihr all', aushalten nicht mehr
Vor Vergnügen und Lust:
So werdet ihr schwimmen im Reichtum!

Erster Halbchor Gesang mit Flötenbegleitung:
Melodienreiche – Die Nachtigall fällt ein
Tiotio tiotio tiotio tiotinx!
Muse des Hains, mit der ich oft
In den Tälern und hoch auf waldigen Bergen – Wie oben
Tio tio tiotinx!
Schaukelnd im schattigen Laube der Esche mein Lied –
Tiotio tiotio tiotinx!
Aus der Tiefe der Brust ausströmte, den Pan
Feiernd mit heiligem Sang und die hehre
Bergedurchschwärmende Mutter der Götter, –
Tototo tototo totototinx!
Dort, wo gleich der Biene schwärmend
Phrynichos einst sich gepflückt
Des Gesanges ambrosische Frucht, der Sänger
Unerschöpften Wohllauts!

Chorführer an die Zuschauer:
Hat von euch Zuschauern etwa einer Lust, sein Leben froh
Mit den Vögeln hinzuspinnen? – Macht euch auf und kommt zu uns!
Denn was hierzulande schändlich und verpönt ist durchs Gesetz,
Das ist unter uns, den Vögeln, alles löblich und erlaubt.
Wenn es hier für Infamie gilt, seinen Vater durchzubleu'n,
Ei, bei uns, da gilt's für rühmlich, wenn der Sohn den Vater packt,
Tüchtig prügelt und noch auslacht: ›Wehr dich, wenn du Sporen trägst!‹
Ist bei euch gebrandmarkt einer als ein durchgebrannter Sklav',
Der erhält bei uns den Namen: buntgefleckter Pelikan;
Und wenn unter euch ein Myser etwa ist, wie Spintharos,
Der passiert bei uns als Meise, von Philemons Vetterschaft.
Wer ein Sklav' ist und ein Karer, gleich dem Exekestides,
Mag mit uns als Gimpel leben, und da hat er Vettern g'nug.
Wer, wie Peisias' Sohn, den Frevlern heimlich öffnen will das Tor,
Ein Zaunschlupfer mag er werden, seines Vaters würd'ge Brut;
Denn bei uns – wer wird ihn schelten, wenn er durch die Zäune schlüpft?

Zweiter Halbchor Gesang:
Und Schwäne stimmten –
Tiotio tiotio tiotiotinx!
Lieder mit an und jauchzten laut,
Mit den Flügeln schlagend zum Preis des Apollon, –
Tiotio tiotio tiotinx!
Ruhend am Ufer, den flutenden Hebros entlang;
Tiotio tiotio tiotinx!
Und es schwang ihr Gesang sich zum Äther empor:
Tiere des Waldes, sie lauschten und stutzten,
Spiegelhell ruhten, geglättet die Wogen –
Tototo tototo tototototinx!
Widerhallte der ganze Olympos,
Staunen ergriff auf dem Thron
Die Götter, die Grazien stimmten mit ein
Und Musen in den Jubel!

Chorführer an die Zuschauer:
Nichts ist schöner, nichts bequemer, glaubt mir, als geflügelt sein!
Posito, ihr hättet Flügel, und gelangweilt fühlte sich
Ein Zuschauer hier, aus purem Hunger, durch ein Trauerspiel:
Nun, der flöge schnell nach Hause, nähm' ein Gabelfrühstück ein,
Und mit vollem Magen käm' er dann im Flug hierher zurück.
Wenn ein Patrokleides unter euch in Leibesnöten ist,
Braucht er's nicht ins Hemd zu schwitzen: ›Platz, ihr Herrn!‹ – er fliegt davon,
Dampft sich aus, und wohlgelüftet kommt er flugs hierher zurück.
Wenn – ich meine nur – in eurer Mitt' ein Ehebrecher sitzt,
Und er sieht den Mann der Dame auf den Ratsherrnbänken hier,
Über euren Häuptern fliegt er auf der Liebe Schwingen weg,
Protzt schnell ab und ist im Umsehn wieder hier auf seinem Platz!
Flügel zu besitzen – kennt ihr, sagt es selbst, ein schöner Glück?
Hat Diitrephes, der Flügel nur aus Flaschenbast besaß,
Doch zum Hauptmann, Reiteroberst sich erhoben, ist aus nichts
Nun ein großer Mann geworden, wie ein Roßhahn aufgebläht!

 << Kapitel 1  Kapitel 3 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.