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Die vierzehn Nothelfer

Karl Bröger: Die vierzehn Nothelfer - Kapitel 5
Quellenangabe
typelegend
authorKarl Bröger
titleDie vierzehn Nothelfer
publisherVerlag Fritz Heyder
printrun5.-7. Tausend
yearo.J.
illustratorRudolf Schiestl
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150527
projectideeab6578
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Die Himmelfahrtslegende

Sebald

Feucht dampft die Frühe um Fichten und Föhren,
ein Leuchten rührt klingend an den Wald,
Meise und Buchfink lassen ihr Stimmlein hören,
und Sankt Sebald
zieht seine zwei Kühe aus ihrem Stall;
nachquillt die Wärme aus allen Ritzen.
Der Morgen hebt den goldenen Ball
der Sonne schon über die schlanken Tannenspitzen.

Vom weißen Haar Sankt Sebald sein Käpplein nimmt,
grüßt die Sonne und faßt in die welken Hände
ein Scheit, das noch rot von Funken glimmt,
schwingt es ins Morgenrot und wirft es zwischen die Wände
der Klause. Zufrieden brummt eine Kuh.
Die Hütte brennt und der Heilige singt dazu.

               »Ein neuer Tag ist aufgewacht!
               Versunken ist die bange Nacht
               mit ihren dunklen Ängsten.
               Nun gib dich, Herz, dem Lichte preis
               und rüste zu der letzten Reis',
               der seligsten und längsten.

               Verbrennen muß, was an dir hängt,
               was hart und irdisch zu dir drängt
               und will dich erdwärts biegen.
               Tu alles ab, was du begehrt!
               Es ist nur Last, die dich beschwert.
               Auf, Seele! Du sollst fliegen.«

Ins Kummet schirrt Sankt Sebald sein Gespann,
faßt die Zügel und steigt auf den Wagen.
Oben breitet die Arme der heilige Mann!
und die Kühe hören ihn starke Worte sagen.
»Wir fahren heim! Euch will ich mich anvertraun,
meine Freunde und immer treue Gefährten.
Heute noch muß ich die selige Stadt beschaun,
durch das Tor einziehen aller in Gott Bewährten.
Geht euren Gang! Und wo ihr nimmer wollt,
mögen mich fromme Hände der Muttererde geben.
Euch wird für alle Liebe vom Himmel Dank gezollt
und auf fetter Weide dürft ihr noch lange leben.«

Durch den Wald stampfen die Rinder gemessenen Gang,
klirren in den Ketten und schütteln die breiten Gesichter.
Sankt Sebald liegt auf der Bohle. Um ihn ist alles Gesang,
in ihm brennen die sieben heiligen Gotteslichter
und er träumt:
                              Daß er auszog als Königssohn,
Weisheit und wahre Gnade zu finden.
Daß sich die Tochter ihm neigte vom fränkischen Königsthron,
ihn an Ehre, Ruhm und nichtige Macht zu binden.
Daß er floh in Wälder, Berge, Schluchten
und den Geist mit sich trug.

Daß ihn die Menschen in seiner Höhle suchten,
und er das Kreuz über ihre Scheitel schlug.
Daß die Welt verdämmerte in einem grünen Kranz,
und er seine Kühe zur Himmelfahrt aufgezäumt ...
Aus dem Gras summen Mücken, die Sonne brennt heiß,
die Höhen sind weit von gelben Bändern umsäumt.

Vor Sebaldus wachsen die goldnen Pfeiler und Türme der Stadt,
das Tor bricht auf von Marmor und Edelstein,
eine Kuppel, die Gott selber gebogen hat,
zieht Straßen und Plätze in einen Tempel ein.
Alle Menschen sind gut und gleich,
leben unter einem Szepter und Reich,
und ist der Freude und des Segens kein Ende abzusehen ...

Auf einer Lichtung bleiben die Kühe stehen,
legen sich hin und kauen in Ruhe wieder.
Hinter den Wäldern geht die Sonne nieder.

Um die Zeit der ersten Sternenbleiche
finden Bauern von Sankt Sebalds Traum eine edle Leiche.

Illustration: Rudolf Schiestl
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