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Die vierzehn Nothelfer

Karl Bröger: Die vierzehn Nothelfer - Kapitel 16
Quellenangabe
typelegend
authorKarl Bröger
titleDie vierzehn Nothelfer
publisherVerlag Fritz Heyder
printrun5.-7. Tausend
yearo.J.
illustratorRudolf Schiestl
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150527
projectideeab6578
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Legende von den Geiseln

Florian

Vor Kaiser Decius der Presbyter steht.
»Cäsar, du hast mich herbefohlen.
Daß es um Christi Gemeinde geht,
ahne ich wohl, doch soll ich Gewißheit holen.«
Den Arm reckt der Kaiser gebietend aus.
»Höre, Bischof, was ich dir übertrage.
Du schickst mir jeden Zehnten deiner Gemeinde ins Haus,
Mann, Weib oder Kind. Ich warte drei Tage.
Sind sie nicht hier, zur bestellten Frist,
werden meine Kohorten sie aus den Häusern jagen.
Du bist entlassen. Gehe nun, Christ,
deinen Sippen die Kunde anzusagen.«

Am dritten Tag ist die Halle dicht gefüllt,
Scharen drängen noch in Höfen und Gassen.
Der Cäsar, in seinen Purpur gehüllt,
schaut finster über die wimmelnden Massen.
Ruhig tritt der Presbyter vor Decius.
»Cäsar, ich habe nach deinem Befehl getan.
Doch es ist der Gemeinde einmütiger Beschluß:
Jeder geht, denn es kommt aller Sache daran.
Die ganze Gemeinde harrt deines gnädigen Spruchs.«

Decius reckt sich zu seinem höchsten Wuchs
und dröhnt: »Ihr habt nicht für meinen Sieg gebetet,
als ich gegen die Goten im Felde lag.
Daß ihr nicht an die Altäre der Götter tretet,
weiß ich und will es ändern von diesem Tag.
Meinen Namen habt ihr geschmäht mit Lästern und Schelten.
So ist denn mein Wille, wohlbedacht:
Jeder Zehnte aus eurem Kreise soll entgelten,
daß ihr in mir die Götter zu Spott gemacht.«

Der Bischof strafft den gesenkten Rücken.
»Cäsar, du hast über alle Gewalt
und kannst uns zwischen der eisernen Faust zerdrücken,
die sich dir zornig um den Schwertgriff ballt.
Doch irre nicht! Wirst du uns auch zertreten,
noch im letzten Röcheln müssen wir unsre Sprache beten.«

Aus des Kaisers Augen flammt ein Blitz.
»Genug der Worte! Ich will den Trotz euch ducken.
Jeder Zehnte brennt für euren Aberwitz.
Wählt selbst die Geiseln.«
                              Ein Zittern und Zucken
rennt durch die Reihen wie durch ein Ährenfeld.
In den Höfen schon dampfen die Scheiterhaufen.

Florianus, der sieggekrönte Held,
tritt vor den Kaiser.
                              »Laß mich diese kaufen
mit meinem Leben. Ich setz es für alle ein,
denn wisse: Ich glaube, was diese Christen glauben.
Gern duld ich dafür die grimmige Feuerpein.«

Zum Himmel sich Flammen winden und schrauben.
Florian steigt heiter auf einen Stoß
mit weit gebreiteten segnenden Händen.
Da bricht über Rom ein Wetter los,
der blaue Himmel birst aller Enden,
und dichter Regen rauscht auf die Flammen.
Sie sinken demütig in sich zusammen
und geben das heilige Opfer frei.

In allen Seelen bäumt sich ein Schrei,
bricht durch die Münder und steigt über alle Dächer himmelan.

»Florian! Florian!«

Illustration: Rudolf Schiestl
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