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Die Verzauberten

Roland Betsch: Die Verzauberten - Kapitel 8
Quellenangabe
typefiction
booktitleDie Verzauberten
authorRoland Betsch
year1934
firstpub1934
publisherG. Grote'sche Verlagsbuchhandlung
addressBerlin
titleDie Verzauberten
pages282
created20160728
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Brigitte hat ein Geheimnis

Wir ziehen schon drei Tage mit dem Porzellan umher und Hurrle ist so recht in seinem Fahrwasser. Herr Schluckebier, der ein gutes Geschäft gemacht hat und mit dem Geld in der Tasche klimpert, ist in einer aufgekratzten Stimmung und läßt die Taler springen.

Heute wollen wir unsere Stellung aufkündigen, um rascher vorwärtszustreben in das wunderliche Leben auf der Walze. Ich habe mich recht gut an das Porzellan gewöhnt und könnte es gut und gerne noch zwischen den klappernden Zerbrechlichkeiten aushalten. Nein, Freunde, Brigitte ist nicht schuld daran, auf keinen Fall; ich bin ein Mann und habe ein hartes Herz, ich bin keineswegs verliebt in den Landstraßenwisch, Gott bewahre mich davor.

Wenn ich hingegen die Jahre zurückdenke und mein Leben überprüfe so muß ich feststellen, daß ich für Porzellan schon immer eine Schwäche hatte.

Brigitte hat mich tief gerührt, als es sich nämlich darum handelte, was mit Lohengrin geschehen sollte. Ich habe mich an das Tier gewöhnt, ja mir ist die struppige Hundeseele ans Herz gewachsen. Ich wollte ihn gerne mit mir nehmen auf meinen fernen Wanderfahrten. Herr Schluckebier aber, der Materialist, behauptet, er habe ihn herausgefüttert, ja er habe ihn, man dürfe es ruhig sagen, fett gemacht, und wenn er nun fünf Mark verlange, so sei das ein besonderes Entgegenkommen.

Ich will mein Geld, das ich beim Porzellanverkauf ehrlich verdient habe, gerne opfern, um Lohengrin käuflich zu erwerben, greife also großspurig in die Tasche und gebe dem dicken Händler einen Schleusendeckel. Lohengrin ist mein und niemand kann ihn mir streitig machen. Was aber tut Brigitte? Einen genialen Griff tut sie in die Hauptkasse, und schon habe ich meine fünf Silberlinge wieder.

42 »Der Alte merkt das nicht,« sagt sie lachend, »und außerdem geht's ja doch nur an meiner Mitgift ab.«

So ist Brigitte. Man müßte sie gern haben, wenn sie nicht ein solcher Besen wäre, dem nicht über den Weg zu trauen ist.

Wir gondeln jetzt langsam die Landstraße entlang, und bei der nächsten großen Straßenkreuzung wollen wir uns trennen. Na ja, es wird auch ohne Porzellanwagen gehen. Hüa, Ida, hüa!

An der Straßenkreuzung ist ein Wirtshaus. Unter den Lindenbäumen stehen Tische und Stühle. Wir nehmen dort noch einen Abschiedstrunk. Oh, ich habe eigentlich gar keinen Durst; nein, ich habe keinen Durst, mir ist es so eng in der Kehle. Es ist übrigens Mittagszeit, und als wir so friedlich im Schatten der Linden sitzen, wird beschlossen, hier Mittagbrot und kurze Rast zu halten. Ich habe auch keinen Hunger; Gott ist mein Zeuge, ich fühle mich satt bis herauf zum Hals. Ich mag nicht essen.

Einerlei: die andern tafeln und lassen sich alles herzhaft schmecken. Während wir also am Holztisch sitzen und über uns die Stare schwätzen, schaue ich mir die Porzellanbrigitte noch einmal genau an. Wie kommt es nur, daß mir dieses Gesicht so bekannt erscheint? Wem, unter den Menschen, die im Strom des Lebens an mir vorübergetrieben sind, sieht sie ähnlich?

Ich kann nicht dahinterkommen, und außerdem hält Hurrle es für angebracht, eine Geschichte zum besten zu geben, die er einmal erlebt hat; diese anknüpfend an den Umstand, daß Herr Schluckebier gerade eine Portion Ochsenzunge mit Kartoffeln und grünen Erbsen schmatzend verzehrt.

»Wenn ich,« so fängt er ganz ohne Hintergedanken zu erzählen an, »wenn ich Sie, Herr Schluckebier, so die Ochsenzunge verzehren sehe, wozu ich Ihnen den besten Appetit wünsche, dann taucht unwillkürlich in meinem Gedächtnis eine andere Ochsenzunge auf, die sogar bis zu den Schranken des Gerichtes vorstieß und mehrere hohe Justizbeamte beschäftigte.«

»Eine Ochsenzunge? Mhm!« Schluckebier verschlingt mit Behagen eine Scheibe und füllt Kartoffeln nach.

43 »Ihr wißt,« fährt Hurrle fort, »daß ich auch ein Maler bin, oder war, ich meine ein Kunstmaler. Als solcher war ich einmal in Oberbayern. Bekanntlich läuft dort das Rindvieh frei herum. Ich stelle also an einem Wiesenpfad meine Staffelei auf und male eine grüne Almlandschaft und dahinter die felsigen Schneeberge. Es wird ein gutes Bild, ich will mich gewiß nicht loben, aber es wird ein Bild, das, so dachte ich mir, von sich reden machen würde. Müde geworden, lege ich mich ins Gras und habe das Künstlerpech, einzuschlafen. Als ich aufwache, sehe ich einen oberbayrischen Ochsen gemächlich damit beschäftigt, mein frisch gemaltes Bild mit seiner gewaltigen Ochsenzunge abzulecken. Ich springe auf und stelle fest, daß der Wiederkäuer schon fast die ganze Landschaft auf der Zunge hängen hat.«

Die Geschichte freut Herrn Schluckebier, er lacht, daß der Bauch wackelt.

»Na und weiter! Was weiter?«

»Es gab eine Gerichtsverhandlung, und dabei standen verschiedene strafbare Delikte zur Debatte. Der Ochse nämlich, samt Ochsenzunge, war am Schweinfurter Grün meines Bildes eingegangen. Ich verlangte Ersatz für meine Landschaft, die, was nachgewiesen schien, von hohem naturalistischem Wert gewesen sein mußte, sonst hätte der Ochse in ihr nicht eine wirkliche Wiese vermutet, die man abgrasen könne. Hinwiederum stand, was den Ochsen betrifft, Körperverletzung mit nachgefolgtem Tod zur Debatte, und drittens wies der Bauer nach, daß ich mich auf fremdem Eigentum, wenn auch nicht auf seinem, befunden hatte, daß also sowohl ich, als auch der Ochse in verbotenes Gebiet eingedrungen waren.«

Die Erzählung löst große Heiterkeit aus, ja, sie entfesselt bei Schluckebier wieder einen seiner bekannten Hustenanfälle.

»Wie ist denn die verteufelte Ochsengeschichte ausgegangen?«

»Überhaupt nicht. Ich kann Ihnen im geheimen mitteilen, daß ich demnächst wieder eine Vorladung erwarte.«

»Das ist gelogen.« Brigitte haut auf den Tisch. »Du bist ein 44 Schwarzkünstler und Komödiant, wie er im Buch steht. Weißt du was: du hättest Schauspieler werden sollen.«

»Oh, mein Fräulein,« flüstert Hurrle, »das war schon immer mein Traum. Ich sage Ihnen, der Komödiant ist der Bruder der ganzen Menschheit. Tausend gute und tausend schlechte Menschen, Spitzbuben, Hochstapler und Heilige, Philosophen und Narren wohnen in einer einzigen Komödiantenbrust. Hallo, Herr Wirt, bringen Sie mir noch ein Bier und eine Brasil, mir ist plötzlich so heimatlich zumute.«

Ich merke bald, daß Schluckebier und Hurrle wieder ein wenig dem Alkohol verfallen und gehe mit der Porzellanbrigitte über die herrlichen Sommerfelder spazieren. Wie lange ist es her, daß ich so schöne Wiesen sah, daß Getreidefelder mir entgegenwogten und daß der nahe Buchenwald zu mir herüberrauschte. Brigitte und ich, wir sind zwei Menschen in der Landschaft; wir wandern über die Fluren, und die Sonne kreist über uns hinweg. Ich weiß wohl, irgendwo gibt es Schnellzüge und Flugzeuge, Luxushotels und Überseeschiffe mit Turbinenanlagen; ich weiß, daß die Kilowatt und Volt, daß die Funkwellen und Lichtwellen, von Menschen genial eingefangen, durch die Luft rasen; ich weiß, daß Menschen in tiefen Schächten nach Erz und Kohlen graben, daß andere vor der wahnwitzig gefesselten Glut der Hochöfen stehen; in riesigen Kesselschmieden hämmern, in Anilinfabriken im Dampf der Säuren brüten und hoch oben an eisernen Brückenträgern die abertausend Nieten hydraulisch und elektrisch in die Eisengitterwerke ziehen. Ich weiß, daß nach Schwefel gegraben, nach Perlen getaucht wird, daß in Schlachthäusern das rote Tierblut strömt, daß aufeinandergetürmte Berge von Fischen ersticken, daß auf Operationstischen von genialen Chirurgen das Herz, die Augen, die verborgensten Zellen operiert werden. Ich weiß, daß Menschen sterben und Menschen aus begnadeter Kehle singen, daß Menschen sich hassen und sich lieben; daß Gott und Teufel in ihrer Brust grausam zwiespältig leben; daß sie in Kirchen und Kathedralen knien, und daß sie dem Gold nachjagen in den Börsen und in jedem 45 Winkel der Welt. Ich weiß, daß Symphonien geschrieben und Kanonen gegossen werden, daß Dichter erstehen und Totschläger, Heilige und Narren. Ich weiß um Lachen und Weinen, um das größte Geschenk der Natur. Ich weiß, daß alles rollt und kreist und tobt und strömt, daß alles in sausender, brausender Bewegung ist; daß man geboren wird als Wunder, daß man lebt inmitten von Wundern, und daß man hineinstirbt in das große, dunkle gespenstische Wunder.

Hier aber blüht eine Wiese, hier singt das Korn, seht nur, wie grün der Wald herüberglänzt. Hier fallen die Jahrhunderte ab von uns, hier ist das verzauberte Leben.

An einem Kornfeld setzen wir uns nieder und sind ganz still. Der Mittag saust in den Wiesen, das Kornfeld ist schweigsam, aber zwischen den Halmen bricht das Feuer des roten Mohnes hervor. Ich liege auf dem Rücken, ganz nahe den Halmen bin ich; sie wachsen biegsam über mich hinaus, es ist ein herrliches Meer von grünen Säulen. Und am Rain wachsen Gras und Schierling und mancherlei Blütchen in blauen und gelben Farben. Das Getier krabbelt an uns herum; es ist viel neugieriges Getier um uns.

Ich sage zu Brigitte: »Jetzt trennen wir uns bald, Brigitte.«

Sie antwortet: »Ich mache mir nichts draus. Pah, was du denkst.«

Und ich: »Ich denke augenblicklich gar nichts.«

Aber Brigitte hat etwas auf dem Herzen, das fühle ich durch Wände hindurch. Brigitte will mir etwas sagen.

»Sag' mal, du heißt doch Stephan von der Wieden? Ich hab's doch in deiner Fleppe gelesen.«

»Ja, so heiß' ich.«

»Dann bist du ja eigentlich ein Baron.«

»Stimmt. Ein Baron in Lumpen.«

Sie wälzt sich herum, stützt die Ellbogen auf und plient mich mit listigen Augen an.

»Mir fällt da was ein.«

»Was denn?«

»Ich sag's nicht.«

»Meinetwegen, sag's nicht.«

Sie kommt näher, ihr Gesicht ist dicht über mir; Haare, schwarz und wirr, hängen ihr über die Augen.

»Ich, ich – hör' mal zu – ich kann's doch nicht sagen.«

»Na, wenn du's nicht sagen kannst.«

»Wenn du mir versprichst, daß du niemand etwas davon erzählst.«

»Ich verspreche es.«

»Es ist nämlich, – du mußt nämlich wissen, daß es ein Geheimnis ist.«

»So?«

»Ich hab's immer für mich behalten. Verstehst du?« Es ist still um uns.

»Warum sagst du denn nichts?« fragt sie nach einer Weile verwirrt.

»Na, ich denke du willst was sagen?«

»Nein, lieber nicht!«

Sie wälzt sich wieder auf den Rücken, und ich höre, wie sie seufzt und wie sie am Geheimnis herumwürgt.

Sie ist schon wieder da, diesmal noch näher. Ich ziehe sie an mich heran, und so liegen wir eine Weile, der ganze Duft ihres Körpers strömt auf mich über. Das gelbe, verwaschene Kleiderfähnchen geht noch zuschanden.

Sie hebt den Kopf und nun ist ihr Gesicht verändert. Ein Zug von Traurigkeit liegt über den Augen.

»Wenn du keine Ruhe hast, will ich dir's doch sagen. Es handelt sich um den Baron.«

»Um den Baron?«

»Na ja, es ist doch so komisch, daß du ein Baron bist. Paß mal auf: meine Mutter ist vor ein paar Jahren unterwegs gestorben. Und – und bevor sie gestorben ist, da hat sie mir noch etwas gesagt.«

»Was denn, Brigitte?«

47 »Der Vater war mal paar Minuten fort, da hat sie mich ganz nahe zu sich hingezogen und hat zu mir gesagt: Brigitte, du darfst es keinem Menschen auf der Welt verraten: Dein Vater ist nicht dein Vater! Dein Vater ist der Baron! Das hat sie gesagt.«

»Hat sie das gesagt? Allerdings recht merkwürdig. Dann bist du am Ende doch noch ein Fürstenkind.«

»Sieh mal, ich muß so oft daran denken, und ich kann's nicht herauskriegen, wen sie mit dem Baron gemeint hat.«

Sie tut mir jetzt fast leid, wie sie so dasitzt und über Fragen nachdenkt, über die man nicht nachdenken sollte. Das Geheimnis aber hat sie nun glücklich an den Mann gebracht. Ich streiche ihr die Haare aus dem Gesicht; sie muß schon wieder lachen.

»Eigentlich, wenn man dich betrachtet, schaust du ja mehr aus wie eine Zigeunerin.«

Da wird sie gewalttätig und zeigt eine glühende Angriffslust. Wir ringen und wälzen uns im Gras und ich denke, es ist wirklich Zeit, daß sie wieder auf- und davonzieht.

»Ich habe auch ein Geheimnis,« sage ich.

»Dann verrat's.«

»Ich bin kein Tippler, wie du denkst. Ich bin ein Komödiant. Da hast du's!«

Sie richtet sich halb auf und schaut mich glückselig an.

»Ein Komödiant?! Dann gehst du auf die Jahrmärkte?«

»Ja,« rufe ich laut und muß in den Himmel lachen, »ja, Brigitte, auf die Jahrmärkte. Dahin gehöre ich.«

»Ich habe einen Freund bei den Komödianten. Sie haben ein schönes Zelt.«

»Ich habe kein Zelt, Brigitte.«

»Er ist der Mann mit der Lokomotivstärke.«

»Gott schütze mich vor ihm.«

»Wir kommen auch oft auf die Jahrmärkte. Einmal hat mich ein Dompteur engagieren wollen.«

»Das ist ja großartig.«

»Ich hätte ihn im Löwenkäfig rasieren sollen. Aber nein, sowas 48 habe ich Gott sei Dank noch nicht nötig. Und du bist ein Komödiant? Ja, warum bist du denn vor die Hunde gegangen?«

»Vor die Hunde?«

»Na ja, du verkommst doch auf der Straße.«

»Ich verkomme?«

»Natürlich. Alle verkommen. Wer mal so richtig auf der Landstraße ist, den läßt sie nicht mehr los.«

»Du magst recht haben. Es ist eine Witterung, der man immer wieder folgen muß. Das ist ein Leben, das neben dem andern Leben, neben dem großen Leben, hergeht.«

»In was arbeitest du denn? Bist du Parterre oder am Trapez?«

»Meistens am Trapez, Brigitte.«

»Das ist schön, aber gefährlich.«

»Ja, ja, das ist es.«

Da liegen wir, und das Kornfeld ist über uns; da liegen wir, und die Erde dampft uns entgegen. Und rot leuchtet der blutende Mohn. Mit jedem Atemzug strömt ein Meer von Duft in meine Brust.

Wir schlendern zurück, und ich sehe, daß Herr Schluckebier dem Pferd Ida die Trense anlegt. Lohengrin kommt uns freudig entgegen, man sieht ihm ordentlich an, wie sehr ihm dieses neue Familienleben gefällt.

Schluckebier und Hurrle sind, es muß nun mal ausgesprochen werden, nicht mehr ganz nüchtern. Hurrle hat den Arm um den Porzellankönig gelegt und beteuert seine unverbrüchliche Freundschaft.

»Und das steht fest,« sagt Hurrle, und hat einen bedrohlichen Schluckauf, »daß wir uns demnächst wieder sehen, und dann werde ich dir, lieber Xaver, den Porzellanwagen grün streichen.«

Schluckebier ist sichtlich gerührt über den grünen Wagen. Er bekommt Wasser in die Augen und der Bauch wächst stolz hinaus.

»Und bringe auch gleich den Ochsen mit zum Abschlecken.«

Schluckebier lacht wie ein Gewitter über seinen Witz.

49 Die Porzellanbrigitte klettert aus dem Wagen heraus und winkt mir, ich solle hinters Haus kommen.

»Das schenke ich dir zum Abschied.«

Sie gibt mir einen farbigen Teller, mit Blumen wunderschön bemalt, und in der Mitte glänzt in verzierten Buchstaben ein Spruch:

Umsonst ist das Glück.

Ich nehme den Teller, und mir wird weh ums Herz.

»Gefällt er dir?«

Sie schlingt die Arme um meinen Hals. Und dann muß sie heulen. Da steht sie hinterm Haus und flennt, und die Tränenrinnsale laufen über ihr Gesicht.

Ich ziehe den Silberling hervor. Hört ihr, den Silberling, den mir die strohgelbe junge Dame geschenkt hat, den krame ich aus der Tasche hervor. Und mit dem Messer mache ich ein Zeichen hinein und schenke ihn der Porzellanbrigitte.

»Da, nimm ihn. Bewahre ihn auf; er soll dir Glück bringen.«

Oh, was liegt mir an Brigitte. Mag sie davonziehen; ich bin ein Mann. Ich lasse mir nicht das Herz schwer machen, wenn so ein Straßenbesen in gelben Lappen sich wieder aus dem Staub macht. Behüt dich Gott auf deiner Fahrt, behüt dich Gott!

Siehst du, ich schaue dir nicht einmal nach. Fällt mir nicht ein. Hinter die Scheune gehe ich und lehne mich an die Bretterwand.

Ho ho, was du dir einbildest mit deinem Löwenkäfig und deinem Mann mit der Lokomotivstärke.

Hier lehne ich mich an die Scheunenwand. Da krabbeln Ameisen; viele Ameisen. Merkwürdig, wohin man schaut, überall gibt es Ameisen. Entsetzlich viele Ameisen gibt es auf der Welt. Ich höre Herrn Schluckebiers Peitsche knallen. Da fährt er jetzt davon und knallt in den lieben Mittag hinein.

Sicher hockt die Porzellanbrigitte im Wagen und lümmelt sich ins Heu hinein. Meinetwegen! Meinetwegen, sage ich.

Jetzt kommt Lohengrin um die Ecke.

50 Außerdem, denke ich, hat sie fünf Mark aus der Kasse gestohlen und damit habe ich Lohengrin bezahlt.

Nein, nein, ein Mädel, das fünf Mark stiehlt, das kann mir gestohlen werden.

»Lohengrin, komm her.«

Er kommt, und ich nehme seinen Kopf in beide Hände.

Was für Wunderaugen er hat.

Dort fährt der Porzellanwagen; ich sehe ihn auf der Landstraße. Etwas Gelbes flattert im Wind.

Ich wende mich ab. 51

 

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