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Die Vertreibung der triumphierenden Bestie

Giordano Bruno: Die Vertreibung der triumphierenden Bestie - Kapitel 4
Quellenangabe
authorGiordano Bruno
titleDie Vertreibung der triumphierenden Bestie
publisherMagazin-Verlag Jacques Hegner
firstpub1583
year1904
translatorPaul Seliger
correctorreuters@abc.de
senderHerbert Niephaus
created20180411
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Erster Dialog.


Unterredner:
Sofia. Saulino. Siehe Einleitung, Fußnote im letzten Abschnitt. Mercurio.

Sofia. Wenn also die Körper, die Materie und das Seiende nicht der Veränderung, der Mannigfaltigkeit und dem Wechsel unterworfen wären, so würde es nichts schickliches‚ nichts gutes, nichts angenehmes geben.

Saulino. Du hast dies sehr gut bewiesen, Sofia.

Sofia. Jeder Genuß besteht, wie wir sehen, aus nichts anderem als aus einem gewissen Übergang, einer Umwandlung, einer Bewegung. Denn der Zustand des Hungers ist lästig und peinlich, unangenehm und niederdrückend der Zustand des Sattseins, aber das, was angenehm ist, ist der Übergang von einem Zustande zum anderen. Der Zustand der Liebesleidenschaft ist quälend, der Zustand nach Stillung der Begierde ist niederdrückend, aber das, was Genuß verschafft, ist der Übergang von einem Zustande zum anderen. In keinem gegenwärtigen Zustande empfindet man Vergnügen, wenn der vorhergehende nicht in Unlust vorübergegangen ist. Die Anstrengung gefällt nur zu Anfang nach der Ruhe, und umgekehrt liegt auch in der Ruhe nur anfangs nach der Anstrengung Genuß.

Saulino. Du hast dies gut bewiesen, Sofia.

Saulino. Wenn dem so ist, so gibt es keinen Genuß ohne Beimischung von Unlust, da in der Bewegung zugleich befriedigendes und nicht befriedigendes liegt.

Sofia. Du hast recht. Außerdem füge ich noch hinzu, daß Jupiter manchmal, wenn er es überdrüssig ist, Jupiter zu sein, sich damit belustigt, sich als Ackermann, als Jäger oder Krieger zu erholen, dasselbe ist bei den Göttern, bei den Menschen und bei den Tieren der Fall. Die Dorfbewohner suchen ihr Vergnügen und ihre Kurzweil in den Städten; die Städter verbringen ihre Erholungs-‚ Ferien- und Mußezeit auf dem Lande. Wer gesessen oder gelegen hat, findet Vergnügen und Genuß am Gehen, und wer auf seinen Füßen eine weite Strecke zurückgelegt hat, erholt sich im Sitzen von seiner Anstrengung. Wer allzulange in seinem Hause geweilt hat, findet in der freien Luft Erquickung, und wer des Aufenthalts im Freien satt ist, rühmt das Zimmer. Der häufige Genuß einer noch so wohlschmeckenden Speise erzeugt am Ende Widerwillen, so daß der Umschlag des einen Extrems ins andere für die Zwischenstufen zwischen beiden, die Bewegung von einem Gegensatz zum anderen für die Zwischenstadien genußreich ist. Kurz, wir bemerken zwischen zwei Gegensätzen eine solche Verwandtschaft, daß der eine mehr mit dem anderen übereinstimmt als das ähnliche mit dem ähnlichen. Dieser Gedanke stammt von Platon; vgl. Philebos 44 E, Phaidon 60 B.

Saulino. So erscheint es auch mir, denn die Gerechtigkeit betätigt sich nur dort, wo eine Verfehlung vorhanden ist, die Eintracht nur dort, wo Gegensätze herrschen; das runde ruht nicht auf dem runden, weil sich zwei Kugeln nur in einem Punkte berühren, sondern das konkave findet seinen Halt im konvexen. In sittlicher Beziehung kann der Stolze nicht mit dem Stolzen, der Arme mit dem Armen, der Geizige mit dem Geizigen auskommen, sondern der eine findet seine Freude am Bescheidenen, der andere am Reichen, der dritte am Freigebigen. Mag man daher die Sache vom physiko-mathematischen oder vom moralischen Standpunkte aus betrachten, so sieht man, daß der Philosoph, der zu der Erkenntnis der Übereinstimmung der Gegensätze gelangt ist, eine sehr wichtige Wahrheit gefunden hat und daß der Weise, der diese Übereinstimmung zu suchen weiß, wo sie vorhanden ist, kein ungeschickter Praktiker ist. Alles daher, was ihr vorgebracht habt, ist buchstäblich wahr. Aber ich möchte wissen, Sofia, zu welchem Zwecke und in welcher Absicht ihr dies sagt.

Sofia. Was ich damit klarmachen will, ist, daß der Anfang, das Mittel und das Ende, der Ursprung, das Wachstum und die Vollendung alles dessen, was wir sehen, von Gegensätzen ausgehen, sich durch Gegensätze vollziehen, sich in Gegensätzen bewegen und zu Gegensätzen hinführen und daß, wo Gegensätzlichkeit vorhanden ist, Wirkung und Gegenwirkung, Bewegung, Verschiedenheit, Vielheit, Ordnung, Abstufung und Aufeinanderfolge vorhanden sind. Daher wird sich niemand, der es sich wohl überlegt, jemals wegen seiner gegenwärtigen Lage den Mut sinken lassen oder sich überheben, so sehr sie ihm auch im Vergleich zu anderen Verhältnissen und Geschicken gut oder schlecht, schlechter oder besser erscheinen mag. So habe auch ich, die ich mit meinem göttlichen Zwecke, der Wahrheit so lange flüchtig umhergeirrt, verborgen, niedergehalten und unterdrückt worden bin, auf Befehl des Schicksals diesen Zeitpunkt als Beginn meiner Rückkehr, Wiedererscheinung, Erhebung und Herrlichkeit bestimmt, die um so größer sein wird, je mächtiger die mir feindlichen Gewalten geworden sind.

Saulino. Daher kommt es auch, daß derjenige, der kräftig von der Erde in die Höhe schwingen will, sich zuvor niederducken muß, und daß derjenige, der sich bemüht, einen Graben erfolgreich zu überspringen, seinen Zweck erreicht, wenn er sich acht bis zehn Schritte zurückzieht.

Sofia. Ich hoffe also im Vertrauen auf die Gunst des Schicksals auf um so größeren Erfolg in der Zukunft, je schlechter es mir bisher ergangen ist.

Saulino.

.... Je gedrückter,
Je weiter unten liegt der Mensch am Rade,
Um desto näher ist er jenem Punkte,
Der sich nach oben wieder muß bewegen.
So mancher neigte schon das Haupt zum Blocke,
Der andern Tags der Welt Gesetze gab.

Aber ich bitte dich, Sofia, fahre fort, dich deutlicher zu erklären!

Sofia. Nachdem der Donnerer Jupiter so lange Jahre als Jüngling gelebt, sich der Liederlichkeit ergeben und mit Waffentaten und Liebesabenteuern beschäftigt hat, beginnt er jetzt, von der Zeit gebändigt, sich von den Ausschweifungen und Lastern und jener Lebensweise abzuwenden, die das Mannesalter und die Jugend mit sich bringen.

Saulino. So haben in der Tat die Dichter, aber nie die Philosophen die Götter geschildert. So altern also auch Jupiter und die übrigen Götter? So ist es also nicht unmöglich, daß auch sie die Ufer des Acheron überschreiten müssen?

Sofia. Schweig, unterbrich mich nicht, Saulino. Laß mich bis zu Ende sprechen!

Saulino. Sprich nur, ich werde dir aufmerksam zuhören, denn ich bin überzeugt, daß aus deinem Munde nur hohe und schwerwiegende Gedanken strömen; ich fürchte aber, mein Kopf kann sie nicht fassen und behalten.

Sofia. Fürchte nichts! Jupiter beginnt, sage ich, verständig zu werden und läßt nur solche Personen zu seinem Rate zu, die auf dem Haupte Schnee, auf der Stirn Furchen, auf der Nase eine Brille, am Kinn einen weißen Bart, in den Händen den Stab, an den Füßen Blei haben; das heißt im Kopfe die geregelte Phantasie, das sorgfältige Nachdenken, das festhaltende Gedächtnis, auf der Stirn den besonnenen Ernst, in den Augen die Klugheit, auf der Nase den Scharfsinn, auf der Zunge die Wahrheit, in der Brust die Aufrichtigkeit, im Herzen die geordneten Triebe, auf den Schultern die Geduld, auf dem Rücken das Vergessen der Beleidigungen, im Magen die Mäßigkeit, im Unterleibe die Nüchternheit, im Schoße die Keuschheit, in den Beinen die Festigkeit, in den Füßen die Rechtlichkeit, in der Linken den Pentateuch der Gesetze, in der Rechten die Vernunft der Rede, die aufklärende Wissenschaft, die ausgleichende Gerechtigkeit, die befehlende Herrschergewalt und die ausführende Macht.

Saulino. Eine vortreffliche Ausrüstung! Aber zuvor müssen sie sauber gewaschen und gereinigt sein.

Sofia. Nun gibt es keine Tiere mehr, in die er sich verwandelt: keine Europa, die ihm die Hörner eines Stieres verleiht, keine Danae, der zuliebe er den bleichen Glanz des Geldes annimmt, keine Leda, die ihn in Schwanengefieder hüllt, keine Nymphe Asteria und keine phrygischen Knaben, die ihn zu einem Adler mit scharfem Schnabel umwandeln, keine Dolis, die ihn zu einer Schlange macht, keine Mnemosyne, die ihn zu einem Hirten erniedrigt, keine Antiope, die ihn zu einem Halbtiere‚ einem Satyr, herabwürdigt, keine Alkmene, die ihn in Amphitryon verwandelte; denn das Steuer, das jenes Schiff der Verwandlungen lenkte und richtete, ist so schwach geworden, daß es dem Ansturm der Wogen kaum Widerstand leisten kann und es möglich ist, daß die Wellen es in die Tiefe ziehen. Die Segel sind derart zerfetzt und zerrissen, daß der Wind sie nicht mehr blähen kann. Die Ruder, die den ungünstigen Winden und dem stürmischen Wetter zum Trotz das Fahrzeug vorwärts zu bringen pflegen, wird der Bootsmann, sei die Luft auch noch so ruhig und das Gebiet des Neptuns noch so glatt, vergebens nach rechts oder links, nach rückwärts oder vorwärts in Gang zu bringen suchen, weil die Ruderer wie gelähmt sind.

Saulino. Welches Unglück!

Sofia. So kommt es, daß man Jupiter in Mythen und Sagen nicht mehr als sinnlich und wollüstig schildert, denn der gute Vater hat sich dem geistlichen Leben zugewandt.

Saulino. Wie, der, der so viele Frauen, so viele Mägde von Frauen, und so viele Konkubinen gehabt hat, ist am Ende übersättigt, des Genusses überdrüssig und müde geworden wie jener, der da sagte: »Eitelkeit, Eitelkeit, alles ist eitel!«

Sofia. Er denkt an den Tag des Gerichtes, denn das Ende der etwa oder genau sechsunddreißigtausend Jahre ist, wie verkündet, ganz nahe, wo die Wende des Weltjahrs Weltjahr (auch großes oder platonisches Jahr) wird die Periode genannt, innerhalb deren die verlängert gedachte Erdachse einen Umlauf um den Pol der Ekliptik beendet. Gegenwärtig wird sie nur auf 26000 Jahre berechnet. droht und ein anderer Celeus die Herrschaft übernehmen wird, und er fürchtet, infolge der Veränderung, die die Bewegung des Zitterns mit sich bringt, und infolge der mannigfaltigen Beziehungen und Gewohnheiten der Planeten, von denen man zuvor nie etwas gesehen oder gehört hat, das Schicksal möchte bestimmen, daß die Erbfolge nicht dieselbe sei, wie in der vorhergehenden großen Weltenwende, sondern ganz davon verschieden, und wenn die das Prognostikon stellenden Astrologen und andere Wahrsager auch noch so schrieen.

Saulino. Er fürchtet also, es möchte irgend ein vorsichtigerer Celeus kommen, der nach dem Vorbilde des Priesters Johannes Der Priester (Presbyter) Johannes ist ein sagenhafter Priesterkönig des Orients, von dem die erste Kunde um die Mitte des 12. Jahrhunderts in Europa. Sein Reich wurde teils nach Indien, teils nach China, teils nach Abessinien verlegt; letzteres Land blieb bis ins 17. Jahrhundert als regnum presbyteri Joannis bekannt. Auch im »Parzival« Wolframs von Eschenbach kommt der Priester Johannes vor; hier ist er der Sohn des Feirefiz und der Repanse de Schoie., um etwaigen künftigen Unzuträglichkeiten vorzubeugen, seine Söhne nicht in die Verließe des Berges Amarat und andere verbannte, und aus Furcht, irgend ein Saturn möchte ihn entmannen, es niemals unterließe, sich eiserne Unterkleider anzuziehen und sich niemals entschlösse, ohne diamantene Beinkleider zu schlafen? Wenn daher nicht dieselbe Wirkung eintritt wie vorher, wird allen anderen Folgen Tür und Tor versperrt werden, und vergebens wird man den Geburtstag der cyprischen Göttin, den Sturz des lahmen Saturn und die Thronbesteigung Jupiters, die Vermehrung der Söhne und Söhnessöhne, der Enkel und Enkelsenkel bis zu der Generation, in der wir jetzt leben, und möglicherweise bis zu dem zukünftigen vorherbestimmten Zeitpunkte erwarten.

Nec iterum ad Trojam magnus mittetur Achilles. Nicht wird wieder nach Troja gesandt der große Achilleus.

Sofia. Bei dieser Lage der Dinge, und da Jupiter in dem unbequemen Memoriale der starkknochigen Gewalt und entnervten Jugend liest, daß sein Tod nahe bevorstehe, so tut er täglich glühende Gelübde und richtet heiße Gebete an das Schicksal, daß in den künftigen Jahrhunderten die Dinge zu seinen gunsten geordnet werden möchten.

Saulino. Du sagst mir da Wunderdinge, Sofia. Behauptet ihr, daß Jupiter nicht das Wesen des Schicksals kenne, das nach dem ihm zukommenden und nur allzubekannten Epitheton das unerbittliche genannt wird? Es ist jedoch wahrscheinlich, daß er in seinen Mußestunden, falls das Schicksal ihm solche gestattet, sich dazu bequemt, irgend einen Dichter zu lesen, und es ist sehr leicht möglich, daß ihm der Tragiker Seneca in die Hände gefallen ist, der ihm folgende Lehre erteilt:

Das Fatum führt, und wir gehorchen ihm;
Denn was für Fäden spinnt die Schicksalsspindel,
Wir können sie mit allen Müh'n nicht ändern.
Und was wir tun und dulden, kommt von oben
Und ist vorausbestimmt seit ewgen Zeiten.
Die grause Schwester
Zieht, was sie einmal spann, nie mehr zurück;
Die Parzen handeln nach bestimmtem Plane,
Doch von uns geht jeder
Ins Ungewisse dem Geschick entgegen. Oedipus 1001–1011. Im lateinischen lautet die Stelle:
              Fatis agimur: cedite fatis,
              non solicitae possunt curae
              mutare rati stamina fusi.
              Quicquid patimur mortale genus,
              quicquid facimus, venit ex alto
              servatque suae decreta colus
              Lachesis dura revoluta manu.

              Omnia recto tramite vadunt
              primusque dies dedit extremum;
              non illa deo vertisse licet
              quae nexa suis currunt causis.

Brunos Übersetzung dieses Chorliedes hat im Italienischen folgenden Wortlaut (nach der Ausgabe von Lagarde):

        Fate ne guida, et noi cedemo al fato;
        E i' rati stami del contorto fuso;
        Solleciti pensier mutar non ponno.
        Ciò che facciamo, et comportiamo, d' alto
        Et prefisso decreto il tutto pende;
        Et la dura sorella
        Il torto filo non ritorce à dietro.
        rentre ciascun ti noi
        Va incerto ad incontrar glifati suoi.

Sofia. Auch das Schicksal will, daß, obgleich Jupiter selbst weiß, daß es unabwendbar sei und nicht anders sein könne, als es müsse und sein werde, er nicht unterlasse, durch derartige Mittel sein Geschick zu erfüllen. Das Schicksal hat die Bitten angeordnet, die teils etwas erreichen, teils erfolglos bleiben, und um die hinübergewanderten Seelen nicht gar zu sehr zu belasten, reicht sie ihnen durch das Mittel der Veränderungen den Trank aus dem Letheflusse, damit infolge des Vergessens sich jedermann eifrigst bemühe, sich in seinem gegenwärtigen Zustande zu erhalten. Daher sehnen sich die Jünglinge nicht nach dem Zustand der Kindheit, und die Kinder wünschen nicht, in den Mutterleib zurückzukehren, und niemand wünscht sich den Zustand jenes Lebens zurück, das er lebte, bevor er in diese Körperlichkeit eintrat. Das Schwein will nicht sterben, weil es dann nicht mehr Schwein wäre; das Pferd fürchtet sich am meisten davor, nicht mehr Pferd zu sein. Jupiter fürchtet sich dieser Naturnotwendigkeit zufolge am meisten davor, nicht mehr Jupiter zu sein. Aber die Gnade und Gunst des Schicksals wird seinen Zustand nicht ändern, ohne ihn mit dem Wasser aus jenem Flusse getränkt zu haben.

Saulino. So muß also auch dieser Gott, Sofia – unerhörte Tatsache! – Gebete an eine höhere Macht richten? So befällt auch ihn die Furcht vor gerechter Wiedervergeltung? Ich wunderte mich, warum die Götter sich so fürchten, bei dem stygischen Sumpfe einen Meineid zu leisten; jetzt weiß ich, daß dies von der Strafe herrührt, die auch ihnen droht.

Sofia. So ist es. Er hat seinem Schmiede Vulkan verboten, an Feiertagen zu arbeiten; er hat Bacchus untersagt, seinen Hofstaat erscheinen zu lassen, und gestattet dessen Begleitern auch nicht das Herumschwärmen außerhalb der Zeit des Karnevals und an den Hauptfesten des Jahres erst nach dem Abendessen kurz vor Untergang der Sonne und nicht ohne seine besondere und ausdrückliche Erlaubnis. Momus, der die Götter getadelt und ihnen nach ihrer Meinung ihre Vergehen allzuscharf vorgehalten hatte und deswegen von ihren Beratungen und der Unterhaltung mit ihnen ausgeschlossen worden war, der sich an der Spitze des Schweifes der Kallisto befindet, ohne die Möglichkeit, den Ort dieser Himmelsbreite verlassen zu können, unter der das Kaukasusgebirge liegt und wo der arme Gott von Kälte und Hunger abgezehrt war, wurde jetzt zurückberufen, gerechtfertigt, in seine frühere Stellung wieder eingesetzt und als ordentlicher und außerordentlicher Herold angestellt mit der weitest gehenden Vollmacht, die Laster tadeln zu dürfen, ohne Rücksicht auf den Titel und Rang irgend jemandes. Er hat Cupido verboten, unter den Menschen, Heroen und Göttern fernerhin so entblößt umherzustreifen, wie er es gewöhnt ist, und ihm aufgetragen, die Blicke der Himmelsbewohner nicht mehr dadurch zu beleidigen, daß er ihnen auf der Milchstraße und im olympischen Senat sein Gesäß zeigt, sondern wenigstens vom Gürtel abwärts bekleidet erscheint, ihm auch den strengsten Befehl erteilt, er solle sich nicht unterstehen, seine Pfeile anders als zu natürlichem Zwecke abzuschießen, und solle die Liebe der Menschen der der Tiere gleichmachen, indem er ihnen bestimmte und feststehende Jahreszeiten zum Verlieben anwiese; wie für die Katzen der März, für die Esel der Mai Regel, so sollten den Menschen jene Tage zugewiesen werden, in denen sich Petrarca in Laura, Dante in Beatrice verliebte. Dies wurde in Form eines Interims bis zur nächsten Ratsversammlung beschlossen, wenn die Sonne in den zehnten Grad der Wage eintritt, der durch den Kopf des Flusses Eridanus gelegt ist, dort, wo sich die Einbiegung des Knies des Orion befindet. Hier soll jenes natürliche Gesetz wiederhergestellt werden, das jedem Manne gestattet, so viele Frauen zu haben, wie er ernähren und befruchten kann. Denn es ist überflüssig und ungerecht und widerspricht in der Tat der natürlichen Ordnung, daß in eine bereits befruchtete und schwangere Frau oder in andere verworfene Geschöpfe wie illegitime Geliebten, die aus Furcht vor Schande den Abortus bewirken, jener menschenbildende Same eingestreut wird, der Heroen schaffen und die leeren Sitze des Empyreums füllen könnte.

Saulino. Eine vortreffliche Maßregel, wie mir scheint. Was weiter?

Sofia. Jener Ganymed, der der eifersüchtigen Juno zum Trotz bei ihm in so hoher Gunst stand und dem es allein gestattet war, sich an seine Seite zu schmiegen und ihm die dreizackigen Blitze zu reichen, während sich die anderen Götter ehrfurchtsvoll in weiter Entfernung hielten, wird, wie ich gegenwärtig glaube, wenn er keinen anderen Vorzug besitzt als jenen, der beinahe verblaßt ist, noch möglicherweise froh sein müssen, wenn er, anstatt bei Jupiter Page zu bleiben, sich bei Mars als Schildknappe verdingen kann.

Saulino. Woher kommt dieser Umschwung?

Sofia. Sowohl von der schon erwähnten Änderung Jupiters wie daher, daß der neidische Saturn in früherer Zeit in erheuchelter Liebkosung ihm mit seiner rauhen Hand das Kinn und die rosigen Wangen streichelte, so daß sich ihm von dieser Berührung das Antlitz mit Haaren bedeckte und allmählich jene Anmut verschwand, vermöge deren er es einst vermochte, Jupiter aus dem Himmel zu locken und sich von Jupiter in den Himmel entführen zu lassen, wodurch also der Sohn eines Menschen zum Gotte erhoben und der Vater der Götter in einen Vogel verwandelt wurde.

Saulino. Zu wunderbare Dinge! Fahre fort!

Sofia. Er hat allen Göttern untersagt, Pagen oder Kammerdiener unter fünfundzwanzig Jahren zu halten.

Saulino. Haha! Was tut oder sagt nun aber Apollo betreffs seines teueren Hyacinthus?

Sofia. O, wüßtest du, wie mißvergnügt er ist!

Saulino. Ich glaube sicher, daß seine Traurigkeit dieses trübe Wetter verursacht, das nun schon seit mehr als acht Tagen herrscht; sein schwerer Atem erzeugt so viele Wolken, seine Seufzer so stürmische Winde und seine Tränen so reichliche Regengüsse.

Sofia. Du hast es erraten.

Saulino. Was wird nun aus dem armen Knaben?

Sofia. Er hat sich entschlossen, ihn die Humaniora auf irgend einer Universität oder in einem reformierten Kollegium studieren zu lassen und ihn der Zuchtrute eines Schulmeisters zu unterstellen.

Saulino. O unsicheres Glück, O trügerisches Schicksal! Dir scheint dies ein Bissen für einen Schulmeister zu sein! Wäre es nicht besser gewesen, ihn unter die Obhut eines Dichters zu stellen, ihn in die Hand eines Redners zu geben oder ihn an die Last des Kreuzes zu gewöhnen? Wäre es nicht besser gewesen, ihn unter die Aufsicht eines –

Sofia. Genug! Was sein muß, wird sein; was sein mußte, ist. Um nun Ganymeds Geschichte zu vollenden, so reichte ihm dieser in Erwartung der gewohnten Liebkosungen mit seinem üblichen kindlichen Lächeln den Becher mit Nektar. Jupiter aber ließ seine trüben Augen auf seinem Gesichte ruhen und sagte endlich: »Schämst du dich nicht, Sohn des Tros? Glaubst du, noch ein Kind zu sein? Vielleicht kommt dir mit den Jahren das Anstandsgefühl und die Vernunft? Siehst du nicht, daß die Zeit vorüber ist, wo du mir fortwährend die Ohren mit deinem Geschwätz erfülltest und wenn wir uns ins Freie begaben, Silenus, Faunus, der aus Lampsakus Priapus. und andere sich glücklich schätzten, wenn sie dir in die Wange kneifen oder wenigstens deine Kleider berühren und in Erinnerung an diese Berührung sich nicht die Hände wuschen, bevor sie zu Tisch gingen, und andere Dinge taten, die ihnen ihre ausschweifende Phantasie eingab. Nun entschließe dich und bedenke, daß du dir vielleicht einen anderen Beruf wirst suchen müssen. Ich entlasse dich, denn ich will keine dummen Jungen mehr um mich haben.« Wer die Veränderung in den Zügen des armen Knaben oder Jünglings gesehen hätte, von dem weiß ich nicht, ob Mitleid oder Lachen oder der Widerstreit beider Empfindungen die Oberhand gewonnen hätte.

Saulino. Diesmal, glaube ich, risit Apollo.

Sofia. Höre, denn was ich dir bis jetzt erzählt habe, ist nur die Einleitung.

Saulino. Sprich nur!

Sofia. Gestern, als das Fest zur Erinnerung an den Sieg der Götter über die Giganten gefeiert wurde, unmittelbar nach Aufhebung der Tafel hatte jene, die allein das Wesen der Dinge regiert und durch die sich alles freut, was sich unter dem Himmel freut,

Die schöne Mutter beider Liebesgötter,
Beherrscherin der Götter und der Menschen,
Durch die jedwedes lebende Geschöpf
Ins sonnenhelle Dasein ward gerufen,
Vor der die Winde und die Stürme fliehen,
Wenn sie erscheint am lichten Morgenhimmel;
Ihr lächelt zu das glatte Meer; die Erde
Hüllt sich von neuem in den schönen Mantel
Und reicht ihr durch die Hände der Najaden
Das Horn des Flusses Achelous dar,
Gefüllt mit Laub, mit Blumen und mit Früchten –

einen Ball angeordnet, eröffnete ihn mit jener Anmut, die selbst den grämlichen Charon ergötzen und bezaubern würde, und reichte, wie es ihre herkömmliche Pflicht war, zuerst Jupiter die Hand. Statt daß dieser nun, wie es seine Gewohnheit war, sie mit dem linken Arm umschlang, Brust an Brust gedrückt, mit den beiden ersten Fingern der rechten Hand ihre Unterlippe erfaßt, Mund auf Mund, Zähne auf Zähne, Zunge auf Zunge gepreßt hätte – lüsternere Liebkosungen, als sich für einen Vater seiner Tochter gegenüber schicken – und so mit ihr zum Tanze angetreten wäre, legte er ihr gestern seine rechte Hand auf die Brust und hielt sie von sich entfernt, als wollte er sagen: »Noli me tangere«, und sprach zu ihr mit mitleidigem Blicke und einem von Frömmigkeit strahlenden Antlitze: »Ach, Venus, Venus, ist es möglich, daß du auch nicht ein einzigesmal unsere Stellung und namentlich deine bedenkst? Glaubst du denn, es sei wahr, was sich die Menschen von uns erzählen, daß, wer alt ist, immer alt, wer jung ist, immer jung und wer Kind ist, immer Kind bleibe und so in alle Ewigkeit fort, wie wir damals waren, als wir von der Erde zum Himmel emporstiegen, und daß, wie dort unten unsere Bildnisse und Statuen immer dieselben bleiben, so auch unsere Körperkonstitution sich nicht fortwährend verändere? Heute am Feste kommt mir die Erinnerung an jene Stärke, deren ich mich damals erfreute, als ich jene stolzen Giganten niederblitzte und bezwang, die es wagten, den Ossa über den Pelion und den Olymp über den Ossa zu türmen, als ich imstande war, den wilden Briareus, dem seine Mutter, die Erde, hundert Arme und hundert Hände gegeben hatte, damit er mit dem Ungestüm von hundert gegen die Götter geschleuderten Felsen den Himmel erstürmen könne, in die schwarzen Höhlen des abgrundtiefen Orkus zu schmettern; als ich den übermütigen Typhoeus dorthin verbannte, wo sich das Tyrrhenische Meer mit dem Ionischen vereint, indem ich ihn unter die Insel Trinacria stieß, um ihn hier lebend auf immer zu begraben. Daher singt ein Dichter:

Hier drückt dem kühnen, mutigen Typhoeus,
Der unter dem Gewicht Trinacrias seufzt,
Die rechte Hand der Berg Pelorus nieder,
Die linke preßt das Vorgebirg' Pachynus,
Den mächt'gen, breiten Rücken, der vom Drucke
Schon Schwielen hat, belastet Lilybaeum.
Das Haupt beschwert der schauerliche Ätna,
In dem der binkende Vulkan die Blitze
Mit seinem großen Hammer rüstig schmiedet. Übersetzung von Ovid‚ Metamorphosen V, 346–353:

Vasta giganteis ingesta est insula membris
Trinacris, et magnis subiectum molibus urget
Aetherias ausum sperare Typhoëa sedes.
Nititur ille quidem, pugnatque resurgere saepe:
Dextra sed Ausonio manus est subiecta Peloro,
Laeva, Pachyne, tibi: Liliybaeo crura premuntur:
Degravat Aetna caput. sub qua resupinus arenas
Eiactat, flammamque fero vomit ore Typhoëus.

Ich, der ich auf jenen anderen die Insel Prahyta geschleudert habe, ich, der ich die Frechheit Lycaons bestraft und zu Deucalions Zeiten die gegen den Himmel aufsässige Erde überschwemmt und mich durch so viele andere deutliche Kundgebungen meiner Herrschergewalt würdig erwiesen habe, besitze jetzt nicht mehr den Mut, Durchschnittsmenschen entgegenzutreten, und muß zu meinem großen Verdrusse die Welt dem Zufall und dem Ungefähr überlassen; wer dem Glücke näher auf den Fersen bleibt, erreicht es, und wer es bezwingt, genießt es. Jetzt bin ich jenem alten Löwen bei Äsop gleich geworden, dem der Esel ungestraft Fußtritte versetzt und den der Affe verspottet, und fast reibt sich an mir das Schwein wie an einem fühllosen Baumstamme seinen schmutzigen Wanst. Dort, wo ich die berühmtesten Orakelstätten, Tempel und Altäre gehabt habe, sind diese jetzt eingestürzt und auf das schmählichste entweiht, und an ihrer Stelle sind Altäre und Statuen anderer errichtet worden, die ich mich zu nennen schäme, weil sie tiefer stehen als unsere Satyrn und Faune und anderen Halbtiere, ja noch viel geringer sind als die Krokodile Ägyptens. Denn diese letzteren zeigten, wenn sie auch durch Zauberei geleitet waren, doch eine Spur von Göttlichkeit; jene aber sind in der Tat nichts als Kot und Mist. Dies ist aber alles infolge der Feindschaft unserer Widersacherin Fortuna geschehen, die jene auserwählt und erhoben hat nicht sowohl um sie zu ehren wie um uns herabzuwürdigen, zu beschimpfen und zu beleidigen. Die Gesetze, die ich gegeben, die Verordnungen, die ich erlassen, die Kulte, die Opfer und Feiern, die ich angeordnet habe, sind aufgehoben und außer Kraft gesetzt, und an ihrer Stelle bestehen die schmutzigsten unwürdigsten Albernheiten, die sich dieses blinde Frauenzimmer jemals ausdenken konnte, damit, wie durch uns die Menschen zu Heroen wurden, sie jetzt schlimmer werden als Tiere. Nicht mehr dringt Bratengeruch zu uns empor und steigt von den Altären uns zur Ehre auf; sondern wenn uns das Verlangen danach ankommt, müssen wir wie die Tellerreiniger in die Küche laufen, um uns diesen Genuß zu verschaffen. Und obgleich noch einige Altäre vom Brandopfer rauchen, quod dat avara manus Das eine geizige Hand darbringt., so fürchte ich doch, daß sich nach und nach dieser Rauch in Rauch auflöst, damit keine Spur mehr von unseren geheiligten Einrichtungen übrigbleibe. Diese Tatsachen zeigen uns, daß die Welt einem mutigen Rosse gleicht, daß es sehr wohl erkennt, wenn es von jemand bestiegen wird, der es nicht versteht, es fest zu zügeln, ihn nicht ertragen will und versucht, ihn abzuwerfen, und wenn es ihn zur Erde geschleudert hat, ihn mit den Hufen bearbeitet.

Sieh, mir vertrocknet der Körper, und das Gehirn wird mir weich. Die Nägel wachsen mir, und die Zähne fallen mir aus; das Fleisch wird mir gelb und das Haar weiß; die Augenlider werden weit, und die Sehkraft nimmt ab; der Atem wird schwach und der Husten stärker; der Puls zittert, und die Rippen werden steif; ich bleibe fest sitzen und zittere beim Gehen; die Glieder werden dünn und die Gelenke dick, und schließlich, was mich am meisten kränkt, ist der Umstand, daß mir die Fersen hart und die Sehnen schlaff werden, daß die Knochen hervortreten und das Fleisch schwindet.

Meine Juno ist nicht länger eifersüchtig,
Meine Juno kümmert sich um mich nicht mehr.

Und von deinem Vulkan, um die anderen Götter beiseite zulassen, möchte ich, daß du dieselbe Meinung hegst. Er, der mit solcher Kraft den festen Amboß zu bewegen pflegte, daß auf das Krachen und Toben, das aus dem feuerspeienden Ätna bis zum Horizonte dringt, Echo aus den Höhlen des campanischen Vesuv und des steinigen Taburnus antwortete – wo ist jetzt die Kraft meines Schmiedes und deines Gatten? Ist sie nicht erloschen? Hat er vielleicht noch die Kraft, die Blasebälge zu treten, um das Feuer anzufachen? Hat er vielleicht noch die Kraft, den schweren Hammer zu schwingen, um das glühende Metall zu schmieden? Auch du, liebe Schwester, wenn du keinem anderen glaubst, so befrage deinen Spiegel und sieh, wie du wegen der Runzeln, die du bekommen hast, und der Furchen, die der Pflug der Zeit dir ins Antlitz gegraben hat, es dem Maler von Tag zu Tag schwieriger machst, dich nach der Natur abzukonterfeien, wenn er nicht lügen will. Auf deinen Wangen, wo sich beim Lachen jene reizenden Grübchen bildeten, Zentren, Punkte inmitten der so lieblichen Vertiefungen, während dein Lachen, das die ganze Welt erheiterte, deinem Antlitz noch zehnmal mehr Anmut verlieh, so daß aus ihm ebenso wie aus deinen Augen Amor scherzend seine spitzen, glühenden Pfeile entsandte, beginnt sich jetzt, von den Mundwinkeln angefangen bis zu dem eben erwähnten Teile, von einem Ende bis zum anderen die Form von vier Parenthesen hinzuziehen, die vereinigt den Anschein erwecken, als zögen sie dir den Mund zusammen und verhinderten dich, durch jene kreisförmigen Bogen, die zwischen den Zähnen und Ohren sichtbar werden, am Lachen, so daß du einem Krokodile gleichst. Warum weinst du, Venus? Warum lachst du, Momus?« unterbrach er sich, als er sah, wie dieser seinen Mund zum Lachen verzerrte und jene Tränen vergoß. »Auch Momus erinnert sich des Abends«, fuhr er fort, »an dem einer jener Schalksnarren‚ von denen jeder dem Fürsten mehr Wahrheiten über sein Verhalten zu hören gibt als der ganze übrige Hof zusammengenommen, und durch die meistens jene, die nicht selbst zu sprechen wagen, unter der Maske des Scherzes sprechen und Vorschläge machen lassen und machen, sagte, Äskulap habe dir ein Pulver von Hirschfleisch und Korallen gegeben, nachdem er dir zwei verfaulte Mondkälber in solcher Heimlichkeit herausgenommen hat, daß es jetzt kein Steinchen im Himmel gibt, das es nicht wüßte. Du siehst also, liebe Schwester, wie die verräterische Zeit uns bezwingt, wie wir alle dem Wechsel unterworfen sind, und was uns dabei am meisten kränkt ist der Umstand, daß wir keinerlei Gewißheit oder Hoffnung haben, dasselbe Dasein zu genießen, dessen wir uns heute erfreuen. Wir gehen dahin und kehren nicht mehr als dieselben zurück, und wie wir keine Erinnerung an das haben, was wir waren, bevor wir in dieses Dasein eintraten, so können wir auch keine Kunde von dem haben, was wir dereinst sein werden. So schwinden die Scheu vor uns, die Frömmigkeit und Religion, die Anbetung, die Ehrfurcht und die Liebe dahin, und mit ihnen die Macht, die Vorsehung, die Tugend, Würde, Majestät und Schönheit, die genau so vergehen wie der Schatten zugleich mit dem Körper. Die Wahrheit allein nebst der absoluten Tugend ist unwandelbar und unsterblich, und wenn sie sich auch mitunter verbirgt und in Vergessenheit gerät, so kehrt sie doch mit Notwendigkeit zu ihrer Zeit zurück, wobei ihre Dienerin Sofia ihr den Arm reicht. Hüten wir uns daher, dies göttliche Fatum zu beleidigen und jener Doppelgottheit, die von ihr so begünstigt und beschützt wird, ein Unrecht zuzufügen. Denken wir an unser nächstkommendes Dasein und verfehlen wir nicht, als ob wir uns wenig um die allgemeine Gottheit kümmerten, unser Herz und unseren Sinn zu jener Spenderin alles Guten und Verteilerin aller anderen Lose zu erheben! Wir wollen sie anflehen, daß sie uns bei unserer Umwandlung oder Verpflanzung oder Metempsychose zu seligen Geistern mache, da, so unerbittlich sie auch sein mag, wir doch erwarten können, daß wir durch die Ablegung von Gelübden entweder in unserem gegenwärtigen Dasein erhalten werden oder in ein anderes übergehen, das besser, gleich gut oder wenig schlechter sein wird. Ich spreche nicht davon, daß freundliche Gesinnung gegen die höchste Gottheit gleichsam ein Unterpfand künftiger Gnadenerweisungen von ihrer Seite ist; wie es für den, dem es bestimmt ist, Mensch zu werden, notwendig und unerläßlich ist, daß ihn das Schicksal durch den Mutterleib geleite, und der Geist, der das Schicksal trifft, sich in einem Fisch zu verkörpern, zuvor ins Wasser tauchen muß, so geziemt es sich auch für den, der von den Göttern begünstigt werden wird, den Weg frommer Gelübde und guter Wege zu betreten.«

 

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