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Die Vertreibung der triumphierenden Bestie

Giordano Bruno: Die Vertreibung der triumphierenden Bestie - Kapitel 3
Quellenangabe
authorGiordano Bruno
titleDie Vertreibung der triumphierenden Bestie
publisherMagazin-Verlag Jacques Hegner
firstpub1583
year1904
translatorPaul Seliger
correctorreuters@abc.de
senderHerbert Niephaus
created20180411
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Erläuterndes Widmungsschreiben

gerichtet
an den erlauchten, ruhmreichen Ritter

Herrn Philip Sidney

Sir Philip Sidney (1554 bis 1586), einer der frühesten englischen Prosaiker, stand wegen seiner glänzenden Talente an Elisabeths Hofe in großem Ansehen. 1578 zog er sich vom Hofleben zurück und schrieb auf dem Gute seiner Schwester, die mit dem Grafen Pembroke verheiratet war, den Schäferroman »Arcadia«, der aber unvollendet blieb und erst 1590 erschien. Sein nächstes (zugleich sein bestes) Werk ist die »Defence of poesie« (»Apology for poetry«). Unter seinem Oheim Leicester nahm er an den Kämpfen gegen Spanien teil, wurde aber am 22. September 1586 in dem Gefecht bei Zütphen tödlich verwundet und starb am 7. Oktober 1586 zu Arnheim.

von
dem Nolaner.

Blind, wer die Sonne nicht sieht, töricht, wer nichts von ihr weiß, undankbar, wer sie nicht verehrt: so strahlend ist das Licht, das ihr entströmt, so unermeßlich das Gute, das sie verbreitet, so reich die Wohltaten, die sie spendet – sie, die Lehrerin der Sinne, die Mutter der Grundstoffe, die Urheberin des Lebens! Nun wüßte ich nicht, was ich für ein Mensch wäre, edler Herr, wenn ich nicht Eueren Geist schätzte, Eueren Charakter bewunderte, Euere Tugenden rühmte, die sich mir von dem ersten Augenblick an, wo ich den Boden der britischen Insel betrat, die ganze Zeit hindurch, die ich hier verweilte, enthüllt haben. Ihr zeigt sie vielen, je nachdem sich die Gelegenheit hierzu bietet, und laßt sie jedermann sehen, je nachdem Euere wahrhaft heldenmäßige natürliche Beanlagung Euch dazu antreibt. Lassen wir daher jedermann seine Gedanken und vielen ihre Pflichten. Möge es aber das Schicksal nie zugeben, daß ich für mein Teil, der ich mich so oft gegen die lästigen und beschwerlichen Unhöflichkeiten mancher empfindlich gezeigt habe, so mit dem Makel der Undankbarkeit behaftet vor die Augen der Ewigkeit trete, daß ich Euerem schönen, glücklichen und höchst gesitteten Vaterlande den Rücken kehre, ohne Euch nebst dem hochherzigen und hochgebildeten Herrn Fulke Greville Sir Fulke Greville (gest. 1626), der intimste Freund Sidneys, wurde 1603 mit einem Teil der warwikschen Güter belehnt und 1621 zum Lord Brooke ernannt. ein Zeichen meiner Dankbarkeit zu hinterlassen. Wie dieser mit Euch durch die Bande enger, langandauernder Freundschaft verbunden und mit Euch zusammen erzogen, aufgewachsen und groß geworden ist, so gleicht er Euch auch in vielen hohen äußeren und inneren Tugenden. Meinem Urteile nach war er der zweite, der mir nach Euch, meinem ersten Gönner, an zweiter Stelle Wohltaten in Aussicht stellte und anbot, die ich erhalten und er mir sicherlich auch in der Tat erwiesen hätte, wenn die neidische Erinnys nicht das Gift gemeiner, böswilliger und eigennütziger Menschen zwischen uns gestreut hätte. Daher behalte ich mir vor, Eurem edlen Freunde eine andere Schrift zu widmen, und bringe Euch hiermit eine Anzahl von Gesprächen dar, die sicher ganz ebenso gut oder schlecht, gelehrt oder unwissend, hoch oder niedrig, nützlich oder schädlich, fruchtbringend oder leer, ernst oder ausgelassen, religiös oder weltlich sein werden, wie diejenigen, in deren Hände sie gelangen können, die eine oder die andere entgegengesetzte Gesinnung haben. Und da die Zahl der Unverständigen und Schlechten unvergleichlich größer ist als die der Weisen und Gerechten, so kommt es, daß, wenn ich nach Ruhm oder anderen Früchten, die die Stimmenmehrheit verteilen kann, streben wollte, ich soweit entfernt bin, auf einen günstigen Erfolg meiner Studien und Arbeiten zu hoffen, daß ich vielmehr fürchten muß, Anlaß zur Unzufriedenheit zu geben, und es daher vorziehe, lieber zu schweigen als zu sprechen. Setze ich jedoch mein Vertrauen auf das Auge der ewigen Wahrheit, vor dem die Dinge um so wertvoller und wichtiger sind, von je wenigeren sie nicht nur gekannt, erforscht und verstanden werden, sondern je mehr sie sogar geringgeschätzt, herabgewürdigt und verfolgt werden: dann geschieht es, daß ich um so mehr meine Kraft anstrenge, dem Laufe des tosenden Stromes entgegenzuschwimmen, je mehr Stärke ich ihm von der wirbelnden, tiefen, wilden Flut zugeführt sehe.

Lassen wir daher die Menge lachen, scheuen, spotten und sich an den oberflächlichen Leistungen der schauspielerhaften, possenreißerischen und komödiantenhafte Silene ergötzen, unter denen in sicherer Obhut und wohlverborgen der Schatz der Güte und Wahrheit ruht, ebenso wie es im Gegenteil auch nicht an solchen fehlt, die unter strengen Mienen, bescheidenem Auftreten, lang herabwallendem Barte und ernster Professorentracht zum allgemeinen Schaden ebenso tiefe wie anmaßende Unwissenheit, und nicht weniger verderbenbringende als gefeierte Büberei verstecken.

Daher können sich viele, die sich vermöge ihrer Güte und Gelehrsamkeit nicht als gut und gelehrt ausweisen können, doch hervortun und dadurch den Beweis liefern, wie unwissend und lasterhaft wir sind. Aber Gott weiß es – er durchschaut die untrügliche Wahrheit –‚ daß, wie jene Menschengattung töricht, verderbt und verbrecherisch ist, ich in meinen Gedanken, Worten und Taten nur Aufrichtigkeit, Schlichtheit, Wahrheit verfolge und nach nichts anderem strebe. Das Urteil wird dort gesprochen werden, wo heldenhafte Taten und Anstrengungen nicht als wertlose und unnütze Früchte angesehen werden, wo es nicht als Gipfel der Weisheit gilt, alles ohne Unterschied zu glauben, wo man Menschenbetrug von göttlichen Ratschlüssen zu sondern vermag, wo man es nicht als eine gottgefällige und von übermenschlicher Frömmigkeit zeugende Handlung betrachtet, das Naturgesetz zu verfälschen, wo ernstes Studium nicht als Narrheit gilt, wo die Ehre nicht in habsüchtigem Zusammenraffen von Eigentum besteht, der Glanz nicht in Schlemmerei, die Vornehmheit nicht in der Zahl der Diener, wie geartet diese auch sein mögen, die Würde nicht in der Kleiderpracht, die Größe nicht in der Menge der Besitztümer, die Wahrheit nicht in Wundergeschichten, die Klugheit nicht in Arglist, die Freundlichkeit nicht in Verräterei, die Lebensart nicht in Lug und Trug, die Tapferkeit nicht in der Wut, das Gesetz nicht in der Gewalt, die Gerechtigkeit nicht in der Tyrannei, die Rechtspflege nicht in Vergewaltigung und so fort durch alle Beziehungen der Menschen zu Menschen hindurch. Daher spricht Giordano in allgemein verständlichen Ausdrücken, nimmt kein Blatt vor den Mund, gibt allem, dem die Natur das ihm zukommende Sein gegeben hat, den ihm zukommenden Namen, schämt sich nicht, das zu benennen, was die Natur würdig erschaffen hat, verhüllt nichts, was sie offen zur Schau trägt, nennt das Brot Brot, den Wein Wein, den Kopf Kopf, den Fuß Fuß und bezeichnet auch die übrigen Teile mit den ihnen zukommenden Namen; er nennt das Essen Essen, das Schlafen Schlafen, das Trinken Trinken und bezeichnet ebenso die übrigen natürlichen Verrichtungen mit den richtigen Namen. Er hält Wunder für Wunder, Heldentaten und Märchen für Heldentaten und Märchen, Wahrheit für Wahrheit, Gelehrsamkeit für Gelehrsamkeit, Güte und Tugend für Güte und Tugend, Betrügereien für Betrügereien, Täuschung für Täuschung, Dolch und Feuer für Dolch und Feuer, Worte und Träume für Worte und Träume, Frieden für Frieden, Liebe für Liebe. Er betrachtet die Philosophen als Philosophen, die Pedanten als Pedanten, die Mönche als Mönche, die Geistlichen als Geistliche, die Prediger als Prediger, die Blutsauger als Blutsauger, die Marktschreier, Scharlatane, Kleinigkeitskrämer, Betrüger, Komödianten, Schwätzer als das, wofür sie sich ausgeben, als was sie sich erweisen und was sie sind, ebenso hält er die Tätigen, der Menschheit Nützlichen, die Weisen und Helden für das, was sie sind. Drum auf, auf, du Bürger und Bewohner der Welt, Sohn des Vaters Sonnenglanz und der Mutter Erde, weswegen du auch die Welt allzu inbrünstig liebst, laß sehen, wie du von dieser gehaßt, geschmäht, verfolgt und herumgestoßen wirst. Aber bei alledem bleibe nicht mäßig und beschäftige dich angesichts deines Todes, deines Hinüberwallens, deiner Verwandlung nicht mit unwesentlichen Dingen!

Heut bringt Giordano Bruno seinem Gönner Sidney die in gehörige Ordnung gebrachten Grundlagen seiner Moralphilosophie dar, nicht damit sie dieser als etwas neues bewundere, lese, studiere, sondern damit er sie prüfe, betrachte und beurteile, indem er alles billigt, was zu billigen ist, alles entschuldigt, was zu entschuldigen ist, alles verteidigt, was zu verteidigen ist, gegen das Stirnrunzeln der Heuchler, das Nasenrümpfen und Zähnefletschen der Anmaßenden, das Durchhecheln und den Hohn der Pedanten – indem er die ersten daran erinnert, daß Giordano genau mit jener Religion Bescheid weiß, die in der Auferweckung der Toten, der Heilung der Kranken, dem Almosenspenden ihren Anfang, ihre Fortentwickelung und die Mittel zu ihrem Weiterbestande findet, und daß er sich nicht dort zu erwärmen vermag, wo man anderen das ihre raubt, die Gesunden zu Krüppeln macht und die Lebenden tötet, indem er den zweiten den Rat gibt, sie möchten sich zu dem lebendigen Geiste und der Sonne der Vernunft bekehren, und den Nolaner bitten, denen Belehrung zu teil werden zu lassen, die ihrer bedürfen; indem er den dritten erklärt, daß es sich für uns nicht geziemt, Sklaven bestimmter und festgesetzter Worte und Ausdrücke zu sein, sondern daß uns dies dank der Gnade der Götter nicht gestattet ist, und daß wir völlige Freiheit besitzen, uns jener nach unserem Nutzen und Belieben zu bedienen, sie anzuwenden und umzumodeln. So werden die ersten nicht von ihrem schlechten Gewissen bedrückt werden, die zweiten nicht von ihrem blinden Gesichte und die dritten nicht von ihrer übel angebrachten Besorgnis, wenn die ersten nicht der Torheit, des Neides und der Böswilligkeit bezichtigt, die zweiten nicht ihrer Unwissenheit, ihrer Anmaßung und Voreiligkeit wegen getadelt, die dritten nicht der Gemeinheit, Leichtfertigkeit und Eitelkeit beschuldigt werden wollen. Dann werden die ersten von der strengen Kritik unserer Urteile, die zweiten von dem scharfen Tadel unserer Empfindungen und die dritten von der peinlichen Sichtung unserer Worte verschont bleiben!

Um nun meine Absicht, die ich mit den gegenwärtigen Gesprächen verfolge, jedem, der sie verstehen will und kann, zu erläutern, so erkläre ich auf das bestimmteste, daß ich für meine Person das billige, was insgemein von allen Guten und Weisen der Billigung für würdig erachtet wird, und daß ich mit ebendenselben das Gegenteil davon tadele. Daher bitte und beschwöre ich alle, es möge niemand so vermessenen Mutes und so böswilligen Geistes sein, anzunehmen und sich und anderen einzureden, daß das, was in diesem Buche geschrieben steht, meine wahre Meinung darstelle; auch möge niemand glauben, wofern er der Wahrheit Gehör schenken will, daß ich unmittelbar oder mittelbar gegen die Wahrheit ankämpfen oder gegen das Sittliche, Nützliche, Natürliche und folglich auch gegen das Göttliche anzustürmen beabsichtige, sondern jedermann sei fest davon überzeugt, daß ich mit all meinen Kräften gerade das Gegenteil erstrebe, und sollte einmal der Fall eintreten, daß er dies nicht sofort zu erkennen vermag, so möge er sich nicht entscheiden, sondern die Sache in der Schwebe lassen, bis er in den innersten Kern meiner Gedanken eingedrungen ist, und dann erst die Entscheidung treffen. Außerdem möge er bedenken, daß es Dialoge sind, in denen Unterredner vorkommen, die ihre persönliche Meinung äußern und von denen die Gespräche vieler anderer berichtet werden, die ebenfalls ihre eigenen Ansichten kundgeben und mit dem denkbar glühendsten Eifer, der ihrem Charakter angemessen ist, vertreten. Daher möge er sie nur von dem Standpunkte aus betrachten, daß diese drei Dialoge bestimmt sind, einem künftigen Kunstwerk als Stoff und Unterlage zu dienen. Denn da ich beabsichtige, die Moralphilosophie nach dem inneren Lichte, das die göttliche Sonne der Vernunft in mich hineingestrahlt hat und noch hineinstrahlt, zu behandeln, so erscheint es mir angemessen, zuerst einige Präludien nach der Weise der Musiker vorauszuschicken, einige versteckte und verworrene Linien und Schatten anzubringen wie die Maler, einige Fäden zu ordnen und auszuspannen wie die Weber und einige unterirdische, tiefe und nicht bemerkbare Fundamente zu legen wie die großen Baumeister. Dies schien mir nicht besser ausgeführt werden zu können, als wenn ich sämtliche Urformen der Sittlichkeit, das heißt die Haupttugenden und die Hauptlaster, aufzählte und in bestimmte Ordnung brächte, in der Weise, daß ich Euch einen Jupiter vor Augen führe, der es bereut, den Himmel mit soviel Bestien, das heißt ebensovielen Lastern, unter der Gestalt von achtundvierzig berühmten Sternbildern bedeckt zu haben, und der jetzt mit den anderen Göttern Rat hält, auf welche Weise er diese aus dem Himmel, dem Sitze der überschwänglichen Herrlichkeit, verbannen und ihnen größtenteils bestimmte Gegenden auf der Erde anweisen und in die leer gewordenen Räume die schon so lange Zeit verbannten und schmachvoll herumirrenden Tugenden versetzen könne. Wenn Ihr dabei Dinge tadeln hört, die Euch des Tadels unwert erscheinen, Dinge hintansetzen, die Euch der Beachtung wert erscheinen, Dinge erheben, die Tadel verdienen, und umgekehrt, so laßt es Euch gesagt sein, daß dies alles auch von denen, die es aussprechen, unbestimmt gemeint, gleichsam in Zweifel gezogen und zur Diskussion gestellt ist, um geprüft, untersucht und erörtert zu werden, ob die Musik harmonisch sein, das Bild sich gestalten, das Gewebe fest werden, das Dach sich erheben werde. Dabei stellt Sofia Sofia vor, Saulino Saulino, Jupiter Jupiter, Momus, Juno, Venus und andere Griechen oder Ägypter, mögen sie nun ausgelassen oder ernst sein, das, was und wie sie sind; kurz, die auftretenden Personen können sich nach ihren Verhältnissen und ihrem Wesen für das ausgeben, was sie darstellen. Wenn Ihr ernste oder scherzhafte Reden hört, so bedenkt, daß sie alle darauf berechnet sind, nicht durch die gewöhnlichen Augengläser betrachtet zu werden. Endlich haltet nichts für sicher und ausgemacht als die Anordnung und die Anzahl der verschiedenen Punkte der moralischen Betrachtung nebst den Grundlagen einer solchen Philosophie, die Ihr ganz in ihnen dargestellt seht. Im übrigen mag sich jeder aus dieser Untersuchung soviel aneignen, wie seiner Fassungskraft entspricht; denn es gibt nichts so schlechtes, das sich nicht zum Vorteil und Nutzen der Guten verwenden ließe, und nichts so gutes und tüchtiges, daß es nicht den Schlechten Anlaß und Stoff zu Ärgernis gäbe. Alles andere, von dem er keine beachtenswerte Erkenntnisfrucht pflücken kann, möge er als zweifelhaft, ungewiß und fraglich ansehen und als unsere Endabsicht die Darstellung der Anordnung, der Tabulatur, der logischen Aufeinanderfolge, der Untersuchungsmethode, des Baumes und des Schauplatzes der Tugenden und Laster betrachten; sodann müssen wir untersuchen, prüfen, weiterforschen, auf dem richtigen Wege bleiben, uns über die verschiedenen Fragen verbreiten, auf früher erörtertes zurückkommen und uns mit anderen Ansichten auseinandersetzen. Haben wir diese Aufgabe nach bestem Können und Wollen erledigt, so wollen wir dann in weiteren Einzeldialogen den Gesamtaufbau einer derartigen Philosophie vollenden und in bestimmterer Weise darlegen.

Wir haben also hier einen Jupiter, der nicht als gar zu rechtmäßiger und geeigneter Vertreter und Statthalter des Grundprinzips und der allgemeinen Kausalität, sondern als etwas wandelbares, dem Gesetze der Veränderung unterworfenes aufgefaßt wird. Daher erkennt er, daß in der ganzen einen unendlichen Wesenheit und Substanz unendlich viele, zahllose Einzelwesen vorhanden sind, zu denen auch er gehört und die zwar an Substanz, Wesen und Natur einheitlich sind, aber bezüglich der Anzahl, in der sie vorkommen, einem unendlichen Wechsel und unzählig vielen Arten der Bewegung und der Veränderung unterworfen sind. Jedes von diesen Wesen und namentlich Jupiter fühlt sich als ein derartiges Individuum, von einer derartigen Zusammensetzung, derartigen Zufällen und Umständen unterworfen, die wegen der aus den Gegensätzen entspringenden Unterschiede in der Vielzahl vorhanden sind, aber alle auf ein Grund- und Urverhältnis zurückgeführt werden können, das das Urprinzip aller anderen Verhältnisse ist, die wiederum die nächsten Ursachen aller Veränderung und alles Wechsels sind. Durch ihr Wirken entstand später Jupiter aus etwas, was anfänglich nicht Jupiter war, ebenso wie aus dem, was gegenwärtig Jupiter ist, schließlich etwas wird, was nicht Jupiter ist. Jedes erkennt, daß die ewige körperliche Substanz, die weder vermindert noch vernichtet, wohl aber verdünnt, verdichtet, geformt, geordnet, gestaltet werden kann, sich in ihrer Zusammensetzung auflösen, in ihrem Aufbau sich ändern, in ihrer Form wechseln, in ihrem Wesen sich verwandeln, in ihren Schicksalen veränderlich ist, wobei aber stets die Elemente das bleiben, was sie der Substanz nach sind, ebenso das eine materiale Prinzip, das stets beharrt und die wahre ewige Substanz der Dinge ist, die keinen Anfang und kein Ende kennt. Ebenso weiß jedes Individuum sehr wohl, daß von der ewigen unkörperlichen Substanz sich nichts ändert, gestaltet oder auflöst, sondern daß sie stets das bleibt, was keiner Auflösung unterworfen ist, ebenso wie es auch unmöglich ist, daß sie einer Zusammensetzung unterworfen wäre, und daher kann man auch von ihr weder an sich noch in accidentieller Beziehung sagen, sie sterbe; denn der Tod ist nichts anderes als die Trennung verschiedener zu einem ganzen verbundener Teile, wobei aber das ganze substantielle Sein eines jeden bestehen bleibt, das nicht untergehen kann, wenn auch dieses zufällige Konglomerat von Übereinstimmung, Harmonie, Organisation, Einheit und Ordnung geschwunden ist. Es weiß, daß die geistige Substanz trotz ihrer Verwandtschaft mit den Körpern nicht so aufgefaßt werden darf, als ginge sie im wahren Sinnes des Wortes eine Vereinigung oder Mischung mit diesen ein; denn eine solche findet zwischen Körper und Körper, zwischen einem auf eine Art organisierten Teile der Materie und einem auf eine andere Art organisierten Teile der Materie statt, sondern sie ist etwas, ein von innen heraus wirkendes und bildendes Prinzip, durch das, für das und um das herum sich der Organismus aufbaut. Es wirkt genau wie der Steuermann im Schiff, der Familienvater im Hause und ein Künstler, der nicht von außen, sondern im inneren arbeitet und das Gebäude überall in gutem Zustande erhält; es ist die wirkende Kraft in ihm, die die entgegengesetzten Elemente zusammenhält, einander widersprechende Eigenschaften zu bestimmter Harmonie zusammenmischt und dem Organismus eines Lebewesens seinen Fortbestand sichert. Es bohrt den Meißel ein, ordnet das Gewebe, wirkt die Fäden ein, mischt die Farben, stellt die Ordnung fest, verteilt die Lebensgeister, fasert das Fleisch, dehnt die Knorpel aus, härtet die Knochen, verzweigt die Nerven, höhlt die Arterien aus, füllt die Venen, wärmt das Herz, bläst die Lungen auf und versorgt das ganze Innere mit der Lebenswärme und dem Lebenssafte, von denen ein derartiger Organismus zehrt, und so stimmen Gestalt und Antlitz äußerlich überein. Auf diesem Wege bildet sich die Substanz in allen Wesen, die man belebt nennt, vom Zentrum des Herzens oder einem anderen Organe aus, das diesem entspricht, indem sie die Glieder entwickelt und formt, und die entwickelten und geformten erhält; so verläßt sie, genötigt von dem Prinzip der Auflösung, ihre Behausung und verursacht den Einsturz des Gebäudes, indem sie die entgegengesetzten Elemente auseinanderreißt, die Verbindung löst und den organischen Zusammenhang zerstört, weil sie nicht ewig mit denselben Elementen in demselben Organismus zusammenhausen, dieselben Fäden weiterspinnen und ganz dieselbe Ordnung aufrechterhalten kann; daher zieht sie sich von den äußeren Teilen und den Gliedmaßen nach dem Herzen zurück und zeigt, indem sie gleichsam die unsichtbaren Werkzeuge und Instrumente wieder aufnimmt, daß sie zu demselben Tore hinausgeht, durch das es ihr einstmals gefallen hat, einzutreten. Jupiter weiß, daß es weder wahrscheinlich noch möglich ist, daß, wenn die körperliche Materie, die zusammensetzbar‚ teilbar, gestaltbar, zusammenziehbar, beweglich ist und unter der Herrschaft, dem Befehle und der Führung der Seele steht, unzerstörbar ist, sie auch nur in einem Punkte oder Atome zerstörbar sein sollte; sonst müßte die vortrefflichere Natur, die gebietet, herrscht, leitet, bewegt, belebt, ernährt, beseelt, erhält und zusammenhält, weit eher entweder von schlechterer Art oder, wie einige Dummköpfe, sage ich, die sich für Philosophen ausgeben, behaupten, eine Tätigkeit, die aus Harmonie, Symmetrie, Organisation entspringt, und endlich ein Accidens sein, das infolge der Auflösung des zusammengesetzten sich zugleich mit der Zusammensetzung in nichts auflöst, weit eher als das Prinzip und die innere Ursache der Harmonie, Organisation und Symmetrie, die aus diesem Prinzipe entspringt, das ebensogut ohne den Körper bestehen kann wie der Körper, der von ihm bewegt, regiert, durch seine Anwesenheit zusammengehalten und durch seine Abwesenheit aufgelöst wird, ohne dieses bestehen kann. Dieses Prinzip also hält Jupiter für jene Substanz, die in Wahrheit der Mensch ist, und nicht für ein Accidens, das aus der Zusammensetzung entspringt. Dieses ist die Gottheit, der Held, der Dämon, der Einzelgott, der Intellekt, in dem, durch den und für den die verschiedenen Organismen und Körper ebenso gebildet werden und sich bilden, wie das verschiedene Sein in verschiedene Arten, Kategorien und Klassen zerfällt. Weil dieses Prinzip dasjenige ist, was den Körper bezüglich der vernünftigen Handlungen und Antriebe gemäß der Vernunft bewegt und beherrscht, so ist es höher als jenes andere und läßt sich von diesem nicht zwingen und nötigen; infolge der hohen Gerechtigkeit, die über allen Dingen waltet, geschieht es, daß es für die ungeordneten Begierden in demselben oder einem anderen Körper gepeinigt und erniedrigt wird und nicht auf die Regierung und Verwaltung eines besseren Raumes rechnen darf, wenn es sich in der Beherrschung eines anderen schlecht bewährt hat. Wer nun hier zum Beispiel das Leben eines Pferdes oder Schweines geführt hat, wird, wie viele ausgezeichnete Philosophen gemeint haben, und ich glaube, daß, wenn ihnen auch nicht schlankweg Glauben geschenkt werden kann, ihre Ansicht doch sehr beachtenswert ist, von der unerbittlichen Gerechtigkeit dazu verurteilt, daß ein diesem Vergehen oder Verbrechen entsprechender Kerker sowie zu diesen Verrichtungen und Tätigkeiten geeignete Organe und Werkzeuge in seinen Organismus eingefügt werden. Und wenn er zufolge der durch die Schicksalsfügung bedingten ewigen Veränderung immer weitere Stadien durchläuft, so wird er immer weitere schlechtere oder bessere Lebenslagen oder Schicksale durchmachen, je nachdem er sich in der nächstvorhergehenden Lebenslage besser oder schlechter bewährt hat, genau wie wir sehen, daß der Mensch, der seine Gesinnung und seinen Charakter ändert, aus einem guten ein schlechter, aus einem mäßigen ein unmäßiger Mensch wird und umgekehrt, so wird aus dem, der eine Bestie zu sein schien, ein anderes besseres oder schlechteres Wesen kraft bestimmter Linien und Bildungen, die von dem inneren Geiste ausgehend, am Körper zum Vorschein kommen und einen erfahrenen Physiognomiker nie täuschen können. Wie wir daher unter den Menschen viele wahrnehmen, die im Gesicht, im Antlitz, in der Stimme, in Gebärden, Neigungen und Leidenschaften bald Pferden, bald Schweinen, Eseln, Adlern, Ochsen gleichen, so kann man auch annehmen, daß in ihnen ein Lebensprinzip vorwaltet, durch das in Gemäßheit der nächstfrüheren oder der ihnen nächstbevorstehenden Verwandlung des Körpers entweder Schweine, Pferde, Esel, Adler oder etwas anderes, mit dem sie eine Ähnlichkeit aufweisen, gewesen sind oder es demnächst sein werden, wenn sie sich nicht infolge der Gewöhnung an Selbstbeherrschung, an Studien, an philosophische Betrachtungen und andere Tugenden oder Laster ändern und sich nicht zu etwas anderem geschickt machen. Von dieser Meinung oder vielmehr von uns, die wir den Plan zu der gegenwärtigen Schrift entworfen haben, hängt die Handlung der Reue Jupiters ab, der nach der gewöhnlichen Schilderung als ein Gott dargestellt wird, der Tugenden und edle Gesinnungen hatte, aber auch Ausschweifungen und leichtsinnige Handlungen beging und menschlichen Schwächen‚ die oft brutal und bestialisch waren, unterworfen war. In dieser Weise wird er dargestellt, wenn von ihm erzählt wird, er habe sich in jene verschiedenen Gegenstände oder Formen verwandelt; dadurch wird auch zugleich der Wechsel in den Neigungen bezeichnet, dem Jupiter, die Seele, der Mensch unterliegen, da sie sich sämtlich innerhalb dieser hin- und herflutenden Materie befinden. Dieser selbe Jupiter ist aber auch zum Beherrscher und Beweger des Himmels bestellt, wodurch angedeutet werden soll, daß in jedem Menschen, in jedem Individuum eine Welt, ein Universum steckt; denn unter dem Herrscher Jupiter ist das Licht der Vernunft zu verstehen, das in dieser Welt herrscht und regiert, und in diesem bewundernswürdigen Gebäude die Anordnung der Räume und die Plätze der Tugenden und Laster bestimmt.

Diese Welt, aufgefaßt nach der Einbildung törichter Mathematiker und nicht klügerer Physiker, unter denen die Peripatetiker die albernsten sind, die nicht ohne Vorteil für unseren gegenwärtigen Zweck in so viele Sphären eingeteilt und dann in ungefähr achtundvierzig Sternbilder zerlegt wird – unter denen man zunächst einen achten abgeteilten Himmel versteht, der mit den Fixsternen besetzt ist und in der Volkssprache das Firmament heißt – ist die Grundlage und der Gegenstand unserer Schrift. Denn wie Jupiter, der jeden einzelnen von uns darstellt, aus einer Empfängnis geboren worden ist, sich vom Knaben zum Jünglinge und kräftigen Manne entwickelt hat und von da an immer älter und schwächer geworden ist: so wird auch aus einem Unschuldigen und in den Ränken dieser Welt Unbewanderten ein schlechter, geriebener Mensch, ein Bösewicht; mitunter tritt aber auch eine Wendung zum besseren ein: aus einem Unwissenden wird ein Gelehrter, aus einem Trunkenbolde ein nüchterner, enthaltsamer Mensch, aus einem Ausschweifenden ein Keuscher, aus einem Leichtsinnigen ein Ernster, aus einem Ungerechten ein Gerechter – Bekehrungen, zu denen sich die Menschen oft durch die Abnahme ihrer Kraft, und durch die Furcht vor der unerbittlichen Gerechtigkeit des Fatums, das sogar mächtiger ist als die Götter, und dessen Strafen veranlaßt sehen. An dem Tage also, an dem im Himmel das Fest der Gigantomachie gefeiert wird, des Sinnbildes des beständigen und ohne Waffenstillstand fortgeführten Kampfes, den die Seele gegen die Laster und ungeordneten Begierden zu bestehen hat, will der Göttervater das ausführen und ins Werk setzen, was er geraume Zeit vorher beschlossen und bestimmt hatte, wie ein Mensch zur Änderung seiner Lebensweise zuerst durch den Glanz eines Lichtes veranlaßt wird, das von dem Wachtturme, dem Mastkorbe oder dem Steuerruder unserer Seele – von einigen Gewissensangst genannt – ausgeht und hier fast durchgängig in Momus personifiziert erscheint. Er schlägt also den Göttern vor, was zu tun sei, das heißt er übt den Akt der vernünftigen Selbstüberlegung aus, und stellt es zur Beratung; er ruft die Gelübde zusammen, bewaffnet die sittlichen Widerstandskräfte, ermutigt die Vorsätze, nicht nach dem Abendessen, in der Nacht der Unüberlegtheit und ohne die Sonne des Denkens und das Licht der Vernunft, nicht des Morgens bei nüchternem Magen, das heißt ohne Begeisterung und ohne von der Glut aus der Höhe erwärmt zu sein, sondern nach der Mittagsmahlzeit, das heißt nach dem Genuß der Ambrosia des Tugendeifers und des Nektars der göttlichen Liebe, um die Mitte des Tages oder genau zu Mittag, das heißt, wenn der Götterfeind‚ der Irrtum, am wenigsten schaden und die Freundin, die Wahrheit, am meisten nützen kann, in dem Zeitpunkte der höchsten Lichtentfaltung. Dann wird die triumphierende Bestie vertrieben, das heißt die Laster, die die Herrschaft führen und den göttlichen Teil der Seele unter ihre Füße zu treten pflegen, wenn der Geist vom Irrtum befreit wird und sich mit Tugenden schmückt, sowohl aus Liebe zur Schönheit, die in der natürlichen Güte und Gerechtigkeit sichtbar wird, wie aus Sehnsucht nach der aus dem Genusse der Früchte der Schönheit erwachsenden Lust und aus Haß und Furcht vor der entgegengesetzten Häßlichkeit und Unlust.

Dies wird nach unserer Darstellung von allen Göttern insgesamt angenommen und gebilligt, das heißt, die Tugenden und Kräfte der Seele unterstützen die Tätigkeit und Wirksamkeit jenes mächtigen Faktors, der unter der Hülle des gerechten, guten und wahren, jenes hellstrahlende Licht bezeichnet, das dem Gefühle, dem Verstand, der Vernunft, dem Gedächtnis, der Liebe, der Begierde, der Neigung zum Zorne, dem Gewissen, der Willensfreiheit den rechten Weg weist – Seelenkräften, die durch Merkur, Pallas, Diana, Cupido, Venus, Mars, Momus, Jupiter und andere Götter personifiziert werden.

Wo sich also der kleine Bär befunden hatte, dort kommt wegen der Lage des Ortes, der die höchste Stelle des Himmels einnimmt, die Wahrheit hin, die das höchste und würdevollste von allem und zugleich das erste, letzte und mittelste ist und die dadurch den Umkreis des Seins, der Notwendigkeit, der Güte, des Prinzips, des Mittels, des Zwecks, der Vollkommenheit ausfüllt; sie nimmt die philosophischen Gebiete der Metaphysik, Physik, Moral, Logik in Besitz, und mit dem Bären verschwinden die Höflichkeit, Falschheit, Mangelhaftigkeit, Zufälligkeit, Heuchelei, Betrügerei, Verräterei. Der Platz des großen Bären bleibt frei, weil er hier nicht erwähnt wird. Wo sich der Drache krümmt und windet, lagert sich, um der Wahrheit nahe zu sein, die Klugheit mit ihren Hofdamen, der Dialektik und Metaphysik, die als Nachbarinnen zur rechten die Schlauheit, List und Tücke, zur linken die Dummheit, Trägheit, Unklugheit hat. Sie wendet sich dem Beratungsplatze zu. Von diesem Platze entspringen die Zufälligkeit, die Sorglosigkeit, die Schicksalsfügung, die Nachlässigkeit samt ihren Nachbarinnen zur rechten und linken. Von dort, wo Cepheus allein kämpft, sinken die Trugschlüsse und die Unkenntnis schlechter Charaktereigenschaften, das törichte Vertrauen samt ihren Mägden, Dienerinnen und Nachbarinnen herab, und die Weisheit nimmt hier Platz, weil sie eine Gefährtin der Klugheit ist, und zeigt sich auf den Gefilden des göttlichen, natürlichen, moralischen, vernünftigen. Dorthin, wo der Fuhrmann den Wagen beobachtet, steigt das Gesetz, um seiner Mutter, der Weisheit, nahe zu sein, und verkehrt auf den Gefilden des göttlichen und des natürlichen Rechts, des Völker- und Zivilrechts, der Politik, der Wirtschaftslehre und der angewandten Ethik, über die es zu höheren Dingen empor- und zu niedereren herabsteigt, sich zu gleichartigen Dingen ausbreitet und ausdehnt und in sich selbst verharrt. Von da verschwindet die Pflichtvergessenheit, das Verbrechen, die Ausschweifung, die Unmäßigkeit samt ihren Kindern, Dienern und Gefährten. Wo die nördliche Krone, begleitet vom Degen, leuchtet, ist das Gerichtswesen als nächste Wirkung des Gesetzes und des Wirkens der Gerechtigkeit wahrzunehmen. Dieses wird sich auf den fünf Feldern der Untersuchung, der Verteidigung, der Entscheidung, der Urteilsverkündung, der Vollstreckung bewegen, und infolgedessen entweicht von dort die Unbilligkeit samt ihrer ganzen Familie. In der Gegend der Krone, die die ruhige linke hält, läßt sich die Belohnung und Vergeltung nieder, in der Nähe des Schwertes, das die geschäftige rechte schwingt, lagern sich die Strafe und Rache. Wo sich der Alcide mit seiner Keule Raum schafft, dort hinter dem Platze, wo der Reichtum, die Armut, die Habsucht und das Glück samt ihrem Gefolge ihre Kämpfe ausfechten, schlägt die Tapferkeit ihr Lager auf, die sich, wie ihr sehen werdet, auf den Feldern der Bekämpfung, des Widerstandes, der Eroberung, der Behauptung, des Angriffs, der Verteidigung bewegt; ihr zur linken fliehen die Wildheit, die Wut, die Grausamkeit, zur rechten die Schwäche, die Hinfälligkeit, der Kleinmut; in ihrer Nähe bemerkt man die Tollkühnheit, den Mut, die Vermessenheit, den Übermut, das Selbstvertrauen und gegenüber die Feigheit, die Verzagtheit, die Furcht, die Verzweiflung samt ihren Gefährtinnen und Dienerinnen. Sie bewegt sich auf nahezu allen Gebieten. Wo man die mit neun Saiten bezogene Leier erblickt, dorthin steigt die Mutter Muse mit ihren neun Töchtern, der Arithmetik, Geometrie, Musik, Logik, Poesie, Astrologie, Physik, Metaphysik, Ethik, und infolgedessen weichen die Unwissenheit, die Trägheit und Unmenschlichkeit von dannen. Die Mütter haben das Universum als Betätigungsfeld, und jede der Töchter hat ihre besondere Aufgabe. Wo der Schwan die Schwingen ausbreitet, dort nehmen die Reue, die Sühne, der Widerruf, die Besserung, die Buße ihre Sitze ein, und infolgedessen sinken von dort die Selbstliebe, die Unsauberkeit, die Schmutzigkeit, die Schamlosigkeit, die Frevelhaftigkeit samt ihren gesamten Familien herab. Sie verkehren auf dem Felde des Irrtums und der Täuschung sowie in seiner Nähe. Wo sich die auf dem Lehrstuhl thronende Cassiopea samt der Eitelkeit, der Aufgeblasenheit, der Anmaßung, der Prahlerei und ihren anderen Gefährtinnen, die sich auf dem Felde des Ehrgeizes und der Falschheit blicken lassen, breit macht, dorthin steigen die wohlgeregelte Majestät, der Ruhm, der Anstand, die Würde, die Ehre und die anderen Gefährtinnen samt ihrem Gefolge, die sich gewöhnlich auf den Feldern der Einfachheit, der Wahrheit und auf anderen ähnlichen nach ihrer freien Wahl, mitunter auch unter dem Zwange der Notwendigkeit auf dem der Heuchelei und anderen ähnlichen bewegen, die unter Umständen Zufluchtsstätten der Tugend sein können. Wo der wilde Perseus seine Trophäe, das Gorgonenhaupt, schwingt, dorthin steigen die Anstrengung, die Emsigkeit, das Studium, der Eifer, die Unermüdlichkeit, die Geschäftigkeit, die Übung, der Fleiß samt dem Ansporn der Eifersucht und Furcht. Perseus besitzt die Flügelschuhe des nützlichen Denkens und der Verachtung der landläufigen Auffassung vom Glücke samt deren Dienerinnen Beharrlichkeit, Geist, Rührigkeit, Kunstliebe, Forschungstrieb und Fleiß, und durch seine Söhne lernt er die Erfindung und Aneignung kennen, von denen jede drei mit Gütern des Glücks, des Körpers und des Geistes gefüllte Gefäße mit sich führt. Er bewegt sich auf dem Felde der Kraft, der Stärke und der Unüberwindlichkeit; vor ihm entweichen der Stumpfsinn, der Unmut, der Müßiggang, die Trägheit, die Faulheit, die Feigheit, samt ihren sämtlichen Familien von der einen Seite und von der anderen die Unruhe, die törichte Geschäftigkeit, die Eitelkeit, die Neugierde, die Plackerei, die Verwirrung, die von dem Felde der Reizbarkeit, der Hetzerei, des Zwanges, der Herausforderung und anderer an dem Palaste der Reue arbeitender Diener hervorgehen. An die Stelle des Triptolemus tritt die Menschlichkeit mit ihrer Familie, – dem guten Rate, der Hilfsbereitschaft, der Milde, der Gunst, dem Beistande, der Unterstützung, der Rettung, der Erquickung, nebst anderen Gefährten und Geschwistern der Genannten und ihren Dienern und Kindern, die sich auf dem Felde der Menschenliebe bewegen, dem sich der Menschenhaß samt seinem Gefolge, der Neid, die Bosheit, der Zorn, die Mißgunst und andere Geschwister, dieser, die von den Feldern der Unfreundlichkeit und anderer Laster herkommen, nicht zu nähern wagen. Den Platz des Ophiuchus nehmen der Scharfsinn, die Schlauheit, die Vorsicht und andere ähnliche auf dem Felde der Überlegung und Klugheit wohnenden Tugenden ein; es entfliehen von da die Plumpheit, die Dummheit, die Albernheit nebst ihren Dienerinnen, die sämtlich auf dem Felde der Unklugheit und Unüberlegtheit hausen. An Stelle des Pfeils bemerkt man die vernünftige Wahl, die Beobachtung, die Absicht, die sich auf dem Felde des geregelten Studiums, der Aufmerksamkeit, der Strebsamkeit üben; es entweichen von da die Verleumdung, die Herabsetzung, die Verkleinerung und andere Töchter des Hasses und Neides, die sich in den Gärten der Hinterlist, des Spionentums und ähnlicher unedler und gemeiner Gesellen belustigen. Auf dem Platze, auf dem sich der Delphin krümmt, bemerkt man die Liebe, die Freundlichkeit, die Gefälligkeit, die sich samt ihren Gefährtinnen auf dem Felde der Menschenliebe und Vertraulichkeit aufhalten, und es entflieht von da die feindselige und schadenbringende Schar, die sich auf die Felder des Streites, des Duells und der Rache zurückzieht. Dort, von wo der Adler mit dem Ehrgeize, der Anmaßung, der Frevelhaftigkeit, der Tyrannei, der Bedrückung und anderer geschäftigen Gefährtinnen auf das Feld der Räuberei und Vergewaltigung entweicht, lassen sich die Hochherzigkeit, die Seelengröße, die Großmut, die rechtmäßige Herrschaft nieder, die sich auf den Feldern der Würde, Macht, Autorität bewegen. Wo sich der Pegasus befunden hatte, dort weilen nunmehr der göttliche Wahnsinn, die Begeisterung, der Schwung, die Weissagung, die Prophezeiung, die sich auf dem Gefilde der Inspiration aufhalten, in weite Ferne entfliehen der tierische Wahnsinn, die Raserei, der unvernünftige Trieb, die Geisteszerrüttung, die Verwüstung des Gemütes, die sich auf dem Felde der der Geistesverwirrung Einlaß gewährenden finden. Wo Andromeda nebst der Hartnäckigkeit, der Verkehrtheit und der törichten Überredung weicht, die sich gut auf dem Felde der völligen Unwissenheit breit machen, dort nehmen die Freundlichkeit, die Hoffnung, die Erwartung Platz, die sich auf dem Felde der richtigen Erziehung zeigen. Wo sich das Dreieck erhebt, dort schlägt die auch als Treue bezeichnete Zuverlässigkeit, die auf dem Felde der Gediegenheit, Liebe, Aufrichtigkeit, Schlichtheit, Wahrheit und anderer Tugenden verweilt, von denen die Felder des Betrugs, der Täuschung, des Wankelmuts durchaus gemieden werden, ihren Sitz auf. In die Burg des Widders werden die geistliche und weltliche Herrschaft, die Musterhaftigkeit, die Bekanntmachung, die Beratung, der Verordnung verlegt, die sich auf dem Gefilde der Folgsamkeit, des Gehorsams, der Eintracht, des tugendhaften Wetteifers, der Nachahmung wohl fühlen; von da entweichen das schlechte Beispiel, das Ärgernis, die Entfremdung, die auf dem Felde der Zwietracht, Bestürzung, des Abfalls, des Schismas, der Ketzerei gekreuzigt werden. Der Stier stellt sich als ein Abbild der Geduld, Ausdauer und Beharrlichkeit, geregelten und gerechten Zornes dar – Eigenschaften, die sich auf dem Felde der Regierung, der Verwaltung, des Dienstverhältnisses, der Anstrengung, der Arbeit, des Gehorsams usw. bewähren. Mit ihm verschwinden der ungeregelte Zorn, der Ärger, die Verachtung, der Unmut, die Gereiztheit, die Ungeduld, das Klagen, die Wut, die sich auf fast denselben Gebieten zeigen. Wo sich die Plejaden befunden hatten, dorthin steigen die Vereinigung, die Zivilisation, der Zusammenschluß, das Volk, der Staat, die Kirche empor, die sich auf dem Felde des Zusammenlebens, der Eintracht, der Gemeinsamkeit aufhalten, wo die geregelte Liebe den Vorsitz führt und mit denen das Monopol, der Pöbel, die Sekte, das Triumvirat, die Partei, die Faktion, der Anhang herabgestürzt werden, die auf den Gebieten der ungeordneten Zuneigung, des ungerechten Vorhabens, des Aufruhrs, der Verschwörung, an deren Spitze der verkehrte Rat nebst seiner ganzen Familie steht, ein unsicheres Dasein führen. Wo die Zwillinge Platz machen, dort steigen die Sinnbilder der Liebe, der Freundschaft, der Verträglichkeit, die sich auf den ihnen zugewiesenen Feldern freudig bewegen, und jene Verbannten führen die unwürdige Parteilichkeit mit sich hinweg, die das Feld des unbilligen und verkehrten Verlangens hartnäckig behaupten will. Der Krebs entführt mit sich die gewalttätige Unterdrückung, den ungerechten Anspruch, das niedrige Verbrechen, das allzustraffe Anziehen der Zügel, das Aufgeben lobenswerter Pläne und Absichten, das Auftrennen des Gewebes der Penelope und andere ähnliche Genossen und Gefährten, die sich auf dem Felde der Unbeständigkeit, des Kleinmutes, der Geistesarmut, der Unwissenheit und anderer Eigenschaften bewegen und aufhalten, und zu den Gestirnen steigen empor die sittliche Besserung, die Zurückdrängung der Bosheit, die Verdrängung der Falschheit und Ungerechtigkeit samt ihren Dienern, die auf dem Felde der ehrenvollen Furcht, der geordneten Liebe, der guten Absicht, der lobenswerten Reue und anderer dem sittlichen Rückschritt, der Weiterwucherung des bösen, der gewinnsüchtigen Habgier entgegengesetzten Gefährten ein geregeltes Dasein führen. Der Löwe führt mit sich den Donner, den Schrecken, das Entsetzen und die Furcht vor der Tyrannei, die gefahrvolle und verhaßte Herrschaft, den Stolz auf die Anmaßung und das Vergnügen daran, lieber gefürchtet als geliebt zu werden. Diese bewegen sich auf dem Felde der Härte, der Grausamkeit, der Gewalttätigkeit, der Unterdrückung, die hier von den Schatten der Furcht und des Argwohns gequält werden, und in die himmlischen Räume steigen empor die Hochherzigkeit, die Großmut, der Ruhm, der Seelenadel, die Vortrefflichkeit, die auf dem Felde der Gerechtigkeit, der Barmherzigkeit, der gerechten Kriegführung, der würdigen Belohnung ihres Amtes walten, die sich mehr bemühen, geliebt als gefürchtet zu werden, und sich hier mit der Sicherheit, der Seelenruhe und deren Angehörigen trösten. Mit der Jungfrau streben sich die Enthaltsamkeit, Züchtigkeit, Keuschheit, Bescheidenheit, Schamhaftigkeit, Ehrbarkeit zu vereinigen, die auf dem von der Schamlosigkeit, Unenthaltsamkeit und anderen Müttern feindlicher Familien gemiedenen Felde der Reinheit und Ehre triumphieren. Die Wage ist das Sinnbild der Billigkeit, Gerechtigkeit, Dankbarkeit, Erkenntlichkeit, Achtung und anderer Gefährten, Beamten und Gefolgsleute, die sich auf dem dreifachen Felde der Verteilung, des Tausches und Rücktausches bewegen, auf das die Ungerechtigkeit, der Undank, die Unerkenntlichkeit, die Anmaßung und andere ihrer Gefährtinnen, Töchter und Dienerinnen keinen Fuß setzen.

Wo der Skorpion seinen gebogenen Schwanz krümmte und seine Scheren ausstreckte, erscheinen jetzt nicht mehr der Betrug, der ungerechte Beifall, die erheuchelte Liebe, die Täuschung, der Verrat, sondern die entgegengesetzten Tugenden, die Töchter der Redlichkeit, Aufrichtigkeit, Wahrheit, die auf den Gefilden ihrer Mütter verweilen. Wir wissen, daß der Schütze das Sinnbild der Betrachtung, des Studiums, des guten Vorsatzes und ihrer Gefolgsleute und Diener war, die sich das Feld des wahren und guten zum Schauplatz ihrer Tätigkeit gewählt haben, um den Verstand und Willen zu bilden und die eitle Unwissenheit und die verächtliche Nachlässigkeit weit weg zu verbannen. Dort, wo noch jetzt der Steinbock haust, habe ich die Einsamkeit, die Ungestörtheit, die Sammlung und andere Mütter, Gefährtinnen und Mägde gesehen, die sich auf das Feld der Unabhängigkeit und Freiheit zurückziehen, auf das sich die Unterhaltung, die Verabredung, die Gerichtsverhandlung, die Geselligkeit nebst anderen ihrer Angehörigen, Kindern, Gefährten und Dienern nicht hingetrauen. Auf dem Platze des feuchten und unmäßigen Wassermanns habe ich die Mäßigkeit erblickt, die Mutter vieler und unzähliger Tugenden, die sich namentlich hier zeigt, samt der Bildung und Höflichkeit, ihren Töchtern, aus deren Gebiete die maßlose Leidenschaft nebst dem ungesitteten, rauhen Benehmen und der Barbarei entweicht. Dorthin, von wo zusamt dem unwürdigen Schweigen, dem Neid gegen die Weisheit, der Vorenthaltung der Wissenschaft, die sich auf dem Felde des Menschenhasses und der Geistesarmut breit machen, die Fische verdrängt worden sind, sind das würdige Schweigen und die Zurückhaltung versetzt worden, die sich auf dem Felde der Klugheit, Verschlossenheit, Geduld, Mäßigung und anderer Tugenden bewegen, und vor denen die Gesprächigkeit, Vielrednerei, Schwatzhaftigkeit, Albernheit, Possenreißerei, Schauspielerei, Leichtfertigkeit, Sinnlosigkeit, Klatschsucht, Prozeßsucht, Verleumdung entfliehen. Wo sich der Walfisch im trocknen befand, ist nunmehr die Seelenruhe anzutreffen, die auf dem Felde des Friedens ein ungestörtes Dasein führt, nachdem von dort der Zorn, die Verwirrung, der Kummer, Unruhe und andere ihrer Genossen und Geschwister vertrieben worden sind. Dorthin, von wo der göttliche und wunderbare Orion samt der Betrügerei, der Ränkesucht, der zwecklosen Höflichkeit, der leeren Wundersucht, der Gaukelei, Taschenspielerei und Gaunerei winkt, die als Führer, Leiter und Pförtner der Prahlerei, der Ruhmredigkeit, der widerrechtlichen Besitzergreifung, der Räuberei, der Fälschung und vielen anderen Lasten dienen, auf deren Gebieten sie sich bewegen, wird der Kriegsdienst gegen die ungerechten – sichtbaren wie unsichtbaren – Mächte erhoben, der sich auf dem Felde der Seelengröße, Tapferkeit, Vaterlandsliebe, Wahrheit und zahlloser anderer Tugenden abmüht. Wo sich noch jetzt das Phantasiegebilde des Flusses Eridanus zeigt, ist etwas hohes, edles anzutreffen, von dem wir bei anderen Gelegenheiten sprechen wollen, da der erhabene Gegenstand nicht in unsere jetzige Untersuchung hineinpaßt. Dort, von wo der flüchtige Hase mit der grundlosen Furcht, der Feigherzigkeit, dem Schrecken, dem Mißtrauen, der Verzweiflung, dem falschen Verdachte und anderen Söhnen und Töchtern der Zaghaftigkeit und Unwissenheit, bemerkt man die Scheu, die Tochter der Klugheit und der Überlegung, die Dienerin des Ruhms und der wahren Ehre, die sich auf allen Gebieten der Tugend bewähren können. Dorthin, wo, im begriff, dem Hasen nachzurennen, der große Hund seine Glieder hingestreckt hat, steigt die Wachsamkeit, die Sorgfalt, die Vaterlandsliebe, die Beaufsichtigung der häuslichen Geschäfte, der Tyrannenmord, der Eifer, die heilsame Predigt, die sich auf dem Felde der natürlichen Klugheit und Gerechtigkeit aufhalten, und mit dem Hunde steigen die Jagd und andere rohe und brutale Beschäftigungen herab, die nach Jupiters Willen für heroisch gelten sollen, obgleich sie sich auf dem Felde der Schurkerei, Brutalität und Schlächterei bewegen. Der kleine Hund nimmt die Liebedienerei, die Schmeichelei und den knechtischen Gehorsam samt ihren Gefährten mit sich nach unten, und dafür steigen die Verträglichkeit, die Vertraulichkeit, die Freundlichkeit, die Liebenswürdigkeit empor, die auf dem Felde der Dankbarkeit und Treue verweilen. Von wo das Schiff zusamt der niedrigen Habsucht, dem betrügerischen Handel, dem schmutzigen Gewinn, der auf dem Meere herumschweifenden Seeräuberei und anderer schändlichen und meistenteils tadelnswürdigen Genossen ins Meer zurückkehrt, dort lassen sich die Freiheit, die dienstfertige Gemeinschaft, die rechtzeitige Fürsorge, der nützliche Vertrag, das Reisen zu würdigen Zwecken, die einträgliche Güterbeförderung samt ihren Brüdern, Begleitern, Steuerleuten, Ruderern, Soldaten, Wachen und anderen Dienern, die sich auf dem Felde des Glückes hemmtummeln, nieder. Wo die südliche Schlange, Hydra genannt, sich dehnt und streckt, dort lassen sich die behutsame Vorsicht, die verständige Beurteilung, die kräftige Männlichkeit blicken; dafür sinken herab die Erstarrung und das Kindischwerden des Alters, nebst der Hinterlist, dem Neide, der Zwietracht, der Verleumdung und anderen ihrer Gefährten. Wo der Rabe mit seinem schwarzen Gefieder, seinem heiseren Krächzen, seiner schändlichen, zigeunerhaften Neigung zum Diebstahle, seiner lästigen Streitsucht, seiner blinden Geringschätzung, seiner Nachlässigkeit im Dienste, der Hintansetzung seiner Pflichten und seiner gierigen Gefräßigkeit verschwunden ist, dort tritt an seine Stelle die göttliche Magie nebst ihrer Tochter, der Weissagung, und ihren Dienerinnen und Mägden, unter denen die Auslegung der Vorbedeutungen die erste und oberste Stelle einnimmt und die sich auf dem Felde der Kriegskunst, der Gesetzgebung der Religion und des Priestertums mit gutem Erfolge zu bewähren pflegen. Wo sich mit der Schlemmerei und Trunksucht der Becher zeigte, samt jener Menge von Dienerinnen, Gefährtinnen und Angehörigen, dort erblickt man die Enthaltsamkeit, dort die Nüchternheit und Mäßigkeit der Lebensweise samt ihrer Regelmäßigkeit und ihren Bedingungen. Wo der halbgöttliche Centaur verweilt und in seinem Heiligtum thront, stellen sich das göttliche Gleichnis, das heilige Geheimnis, die moralische Erzählung, das göttliche, heilige Priestertum ein; es sinken herab und werden verbannt die nichtige und unsittliche Erzählung, samt ihren törichten Vergleichungen, ihren leeren Analogien, ihren geheimnisvollen Andeutungen, ihrer albernen Bibelerklärung und nichtssagenden Bildersprache, mit ihren trügerischen Versammlungen, ihren schmutzigen Zusammenkünften, ihren aufrührerischen Sekten, unklaren Graden, angeordneten Orden, verschlechternden Reformen, unsauberen Reinigungen, säuischen Läuterungen und den niederträchtigsten Betrügereien, die sich auf dem Felde der Habsucht, der Anmaßung und des Ehrgeizes bewegen, auf denen die scheel blickende Bosheit die Herrschaft führt, und blinde, krasse Unwissenheit gepflegt wird.

Bei dem Altare befindet sich die Religion, die Frömmigkeit und der Glaube; auf seinem östlichen Flügel sinken die Grausamkeit mit all ihren Torheiten und der Aberglaube mit all den zugehörigen Dingen, Dingelchen und Sächelchen herab, auf dem westlichen Flügel stürzen der gottlose Unglaube und der wahnwitzige Atheismus in den Abgrund. Wo die südliche Krone funkelt, dort weilen die Belohnung, die Ehre und der Ruhm, die nicht die Früchte anstrengungsreicher Tugenden und tugendhafter Anstrengungen sind, sondern die von der Gunst der genannten himmlischen Mächte abhängt. Wo der südliche Fisch verschwindet, dort herrscht der Genuß der schon genannten ehren- und ruhmvollen Früchte, dort die Freude, dort flutet der Strom der Wonne, die Woge der Lust, dort wird Erquickung gewonnen, dort

»Nährt sich die Seele von so edler Speise,
Daß sie den Göttern nicht den Nektar neidet.«

Hier ist das Ende der stürmischen Meerfahrt, hier das weiche Lager, hier der erquickende Schlummer, hier die sichere Ruhe.

 

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