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Die verkaufte Großmutter

Hanns Heinz Ewers: Die verkaufte Großmutter - Kapitel 8
Quellenangabe
typefairy
authorHanns Heinz Ewers
titleDie verkaufte Großmutter
publisherGeorg Müller
printrun6. bis 10. Tausend
illustratorPaul Haase
year1923
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20140417
projectid1f83c22c
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VII. Beim Fliegenkönige

Am nächsten Samstage gingen Otto und Jupp wieder auf das Feld hinaus nach der Postkutsche; sie trafen dieselben Vorbereitungen wie das letztemal, das heißt, sie aßen ihre Vorräte auf, worunter sich diesesmal auch ein großes Stück Kirschenkuchen befand; dann streckten sie sich gemütlich aus.

Kaum hatten sie die Augen ein wenig zugemacht, als Otto ein Summen zu vernehmen glaubte. Er stieß Jupp an; der machte schlaftrunken die Augen auf und fing an zu singen:

»Oh! da sitzt ne Flieg an der Wand,
Flieg an der Wand!
Wollt ich sie kriegen.
Ging sie mir fliegen.
Oh! da sitzt ne Flieg an der Wand,
Flieg an der Wand!«

»Sei doch still, Jupp,« sagte Otto, »das ist vielleicht die Fliegenprinzessin!«

Die Fliege kam zu den Jungen herangeflogen, setzte sich gerade vor ihnen in das Heu und sagte:

»Nein, ich bin nicht die Prinzessin, ich bin nur eine gewöhnliche Kriegsfliege und bin von dem Fliegenkönige und seiner schönen Tochter ausgesendet worden, um euch zu holen!«

»Wir kommen gleich mit,« rief Jupp, »wir wollen uns nur erst klein machen, damit wir in euer Königreich hineinkönnen.« Er griff in die Tasche, um das Fernrohr herauszunehmen, fand es aber nicht. Otto suchte ebenfalls nach, konnte es aber auch nicht finden. Die beiden Jungen sahen sich bestürzt an: sie hatten das Fernrohr vergessen und konnten sich nicht klein machen.

Die Fliege bemerkte ihre Verlegenheit; aber als sie erfahren hatte, um was es sich handelte, lachte sie und reichte ihnen mit ihren zarten Beinchen ein kleines Stückchen hin.

»Hier,« rief sie, »das ist ebensogut wie euer Fernrohr! Es ist echtes Mückenfett, und damit kann man sich beliebig groß und klein machen. Ihr braucht nur den Arm damit einzureiben.«

Illustration: Paul Haase

Jupp nahm etwas zweifelnd das Stückchen hin, das so klein war, daß er es kaum sehen konnte. Er strich sich damit von unten den Arm herauf, und in demselben Augenblicke begann er schrecklich zu wachsen. Sein Kopf stieß schon oben an die Bretter an, und er mußte sich schnell hinsetzen, um nicht die Decke durchzustoßen. Dabei wuchs er immer mehr; er nahm schon die ganze Postkutsche ein, und Otto mußte sich in eine Ecke kauern, um nicht erdrückt zu werden. Er erschrak sehr, als Jupp mit Riesenstimme zu brüllen anfing:

»Die häßliche Fliege! Sie hat mich so groß gemacht, daß ich nie wieder aus dem Kutschkasten heraus kann!«

Die Fliege brach in ein Lachen aus; dann flog sie an Jupps Kopf hinauf, setzte sich auf das Ohrläppchen und sagte ihm, daß er falsch gestrichen habe, wenn er wieder klein werden wolle, so müsse er den Arm von oben nach unten mit dem Mückenfette einreiben.

»Ich will's probieren!« brüllte Jupp. »Aber wenn es nicht wahr ist, so will ich dich gleich zerquetschen!«

»Wenn du mich kriegen kannst,« lachte die Fliege und versteckte sich im Heu.

Jupp rieb sich nun den Arm von oben nach unten ein, und sofort begann er zusammenzuschrumpfen, bis er wieder Däumlingsgröße hatte. Dann rieb sich auch Otto mit dem Mückenfette ein. Die Fliege kam wieder aus dem Heu herausgekrochen und frug, ob sie nun reisefertig wären.

»Gewiß!« sagten die Jungen, und Jupp frug, ob sie wieder auf dem Heupferde reiten könnten; aber die Fliege sagte, daß die Reise dieses Mal auf dem Wasser ginge, da könne man das Heupferd nicht gebrauchen. Sie ging voran, Otto und Jupp hinterdrein, erst den Heuschacht hinab, dann durch das Gras, bis sie an einen Bach kamen, der ihnen jedoch wie ein mächtiger Strom erschien.

»Hier liegt das königliche Schiff,« sagte die Fliege und führte die beiden auf ein kleines Brett, in dessen Mitte ein Stöckchen eingesteckt war. Daran waren mit Spinnweben ein paar große Lindenblätter befestigt, die als Segel dienten. Man stieg ein, und die Fliege setzte sich an das Steuerruder, das aus einer Walnußschale gemacht war. Der Wind war günstig, und schnell ging es den Strom hinunter.

Mit einem Male wurde das Boot an der einen Seite gehoben, so daß sich die Jungen an dem Maste festhalten mußten, um nicht herabzurutschen.

»Die Nilpferde!« rief die Fliege. »Nehmt die Ruder!«

Zu gleicher Zeit tauchten schwarze Köpfe aus dem Wasser auf. Es waren große, runde Wasserkäfer, die versuchten, das Schiff umzuwerfen. Als ihnen das nicht gelang, schwammen sie von der Seite heran und wollten hinaufklettern. Jupp und Otto ergriffen rasch die Ruder, und ein heftiger Kampf begann. Es gelang den beiden mit vieler Mühe, die großen, häßlichen Tiere vom Rande herunterzuwerfen; aber kaum schöpften sie ein wenig Atem, als sie sahen, wie ein anderer mächtiger Schwimmkäfer von hinten über das Steuerruder her aufgestiegen war. Die Fliege rettete sich auf den Mast, und Jupp und Otto eilten mit den Rudern herbei, um ihn herunterzujagen. Otto schlug zuerst zu; aber sein Ruder brach an der dicken Haut des großen Käfers in Stücke. Der Käfer richtete sich hoch auf und wollte sich gerade auf Otto stürzen, als Jupp mit einem wohlgezielten Stoße des oben ziemlich zugespitzten Ruders den Bauch des Käfers traf und diesen durchbohrte. Dadurch waren auch die anderen Käfer entmutigt und schwammen fort. Auf den Rat der Fliege lösten Jupp und Otto die starken Flügeldecken des erlegten Tieres ab, um sie dem Fliegenkönige zu bringen; dann warfen sie es in das Wasser.

Ohne weitere Gefahren segelte jetzt das Schiffchen den Bach hinunter; ein paarmal ging es über Wasserfälle und Klippen, aber die Fliege lenkte das Steuer so geschickt, daß sie überall gut durchkamen. Endlich lenkte sie dem Ufer zu, legte unter dichtem Gebüsch an, ließ ihre Passagiere aussteigen und führte sie dann einen schmalen Weg hinauf.

Nach einer Weile hörten sie eine Stimme rufen:

»Halt! Wer da?«

Es war eine andere Kriegsfliege, die mit einem Säbel umgürtet vor einem kleinen Schilderhause stand.

»Freunde des Königs!« rief die Fliege. Und sie und die Jungen durften passieren.

Sie kamen auf einen freien runden Platz, der rings von Gebüschen eingefaßt war, die nach hinten zu einer Laube verwachsen waren. Darunter saß der Fliegenkönig auf einem Throne, und neben ihm saß die junge Fliegenprinzessin; ringsumher saßen und standen viele hundert Fliegen. Als die Prinzessin die drei ankommen sah, sprang sie gleich von ihrem Throne herunter, nahm Otto und Jupp bei der Hand und führte sie zu ihrem Vater.

»Hier sind die tapferen Helden,« sagte sie, »die mich aus dem Froschbauche erlöst haben.«

Otto und Jupp machten, so gut sie es konnten, eine tiefe Verbeugung, und der König reichte ihnen huldvoll die Hand und bedankte sich sehr.

»Wir haben Ew. Majestät auch was mitgebracht,« sagte Otto und zog aus der Tasche ein Fläschchen heraus, das er zu Hause mit Milch gefüllt hatte, da er glaubte, daß sie dem Fliegenkönige sehr gut schmecken würde. Jupp schleppte indessen die Flügeldecken des Käfers heran und legte sie vor den König hin.

»Die schenken wir Ihnen auch noch, Herr König,« sagte er. »Wir haben sie eben erst erbeutet.«

Der König bedankte sich für die schönen Geschenke; die Milch ließ er sogleich in kleine Becher füllen und trank selbst mit seinem ganzen Hofe auf das Wohl seiner Gäste. Die starken Flügeldecken ließ er in seine Waffenkammer bringen, um daraus Schilde für seine Leibgarde arbeiten zu lassen. Als er erfuhr, wie tapfer die Jungen auf dem Schiffe den Angriff der Schwimmkäfer abgeschlagen hätten, freute er sich sehr, und auch die anderen Fliegen lobten sie über die Maßen.

Plötzlich flog staubbedeckt und ganz atemlos eine Fliege vor den Königsthron.

»Die Mücken sind in das Land gebrochen, viele, viele Tausende! Sie haben alle unsere Wachtposten überfallen und totgestochen.«

Kaum hatte sie zu Ende gesprochen, als eine andere Fliege ankam, die drei große Löcher in den Flügeln hatte und aus mehreren Wunden blutete. Sie brachte mit Mühe die Worte heraus:

»Das Mückenheer hat unsere Vorhut angegriffen und alles niedergemacht. Ich bin die einzige, die entkommen ist. Schnell, bewaffnet euch, sie können jeden Augenblick kommen.«

Der König gab ein paar Kommandorufe, und sofort stellte sich die Schar der Fliegen in Schlachtordnung auf; von allen Seiten kamen sie herangezogen, alle mit krummen Säbeln bewaffnet.

Da trat Jupp vor.

»Wir wollen gern helfen, Herr König,« rief er. »Sagen Sie uns nur, was wir tun sollen.«

»Bleibt hier und beschützt meine Tochter,« sagte der Fliegenkönig dankbar, »ich lasse euch hundert meiner besten Leute zurück.«

Dann zog der König mit seinem ganzen Heere den Mücken entgegen, während Jupp und Otto und hundert kräftige Fliegen bei der Prinzessin blieben. Die Prinzessin ließ sich die Flügeldecken des Schwimmkäfers bringen und machte aus starken Spinnweben Griffe daran, so daß sie von ihren beiden Rittern als Schilde benutzt werden konnten. Diese suchten sich noch tüchtige Stöcke, die sie als Keulen gebrauchen konnten, und erwarteten so den Angriff des Feindes.

Der ließ auch nicht lange auf sich warten. Von obenher kam eine Schar von etwa fünfhundert Mücken herangeflogen; die hundert Fliegen warfen sich ihnen sofort entgegen, und in der Luft entspann sich ein furchtbarer Kampf. Aber so tapfer auch die Fliegen mit ihren Säbeln dreinschlugen, die Übermacht der Mücken war zu groß, und eine Fliege nach der anderen fiel, von den langen Speeren getroffen, tot zu Boden; kaum ein Dutzend Fliegen konnten sich noch retten; sie scharten sich um die Prinzessin, vor der Jupp und Otto standen.

»Da ist die Prinzessin, die müssen wir lebendig fangen und unserem Könige bringen!« rief der Mückengeneral. Und alle Mücken ließen sich auf die Erde nieder und rückten mit gezückten Speeren vor.

Da aber brachen die Jungen los. Die Speere der Mücken glitten wirkungslos an ihren harten Schilden ab, und rechts und links schlugen sie ihren Feinden die Schädel ein. Die Prinzessin klatschte in die Hände und ermunterte sie durch Zurufe, und die kleinen Helden richteten ein solches Blutbad unter den Mücken an, daß, nachdem auch der General gefallen war, die Überlebenden in wilder Flucht davoneilten. Otto und Jupp wollten gerade zu ihrer Prinzessin zurückkehren, als von der anderen Seite des Platzes neues Kampfgetümmel ertönte; sie sahen, wie in der Luft die übermächtigen Scharen der Mücken die Fliegen immer mehr zurückdrängten. Der Fliegenkönig kämpfte wie ein Verzweifelter und säbelte einer Mücke nach der anderen den Kopf herunter; aber immer neue Gegner drangen auf ihn ein; er blutete schon aus vier tiefen Wunden.

»Wenn wir nur fliegen könnten!« rief Otto.

Da raunte die Prinzessin einigen Kriegsfliegen ein paar Worte ins Ohr, und diese rannten weg. Gleich darauf brachten sie zwei der großen grünen Heupferde aus dem Stalle, die die Knaben schon kannten; jedes trug einen schönen Sattel. Die Prinzessin half ihnen selbst aufsteigen; die Heupferde machten erst ein paar Sätze auf dem Boden, flogen dann in die Luft und dem Kampfplatze zu. Otto sah, wie eine starke Mücke ihren Speer auf den Fliegenkönig warf, der rings von Feinden umzingelt war. Der Wurf würde sicher tödlich gewesen sein, wenn nicht Otto schnell mit seinem Schilde den Speer aufgefangen hätte. Dann hieb er rechts und links die Feinde nieder und befreite den bedrängten König.

Währenddessen hatte Jupp sein Rößlein auf die Mitte der feindlichen Scharen gelenkt, hinter denen er den Mückenkönig mit dem wehenden Mückenbanner halten sah; er ritt auf einer großen Libelle, die selbst zwei lange Speere trug. Jupp bahnte sich einen Weg dorthin, und obwohl sich immer neue Mücken ihm entgegenwarfen, und sein Schild ordentlich von Speeren starrte, konnte ihn doch niemand zurückhalten. Endlich sah er sich dem Mückenkönige gegenüber, der seiner Libelle die Sporen in die Flanke setzte und geradewegs auf ihn zusprengte. Jupp hielt seinen Schild weit vor, damit die Speere der Libelle nicht sein Heupferd treffen sollten. Der Zusammenstoß erfolgte; beinahe wäre Jupp aus dem Sattel geflogen; aber er hielt sich fest, und es gelang ihm, den Speerstoß des Königs rasch mit seiner Keule auf die Seite zu schlagen. Dann schwang er seine Keule hoch durch die Luft und zerschmetterte dem Mückenkönige damit den Kopf.

Als die Mücken sahen, daß ihr tapferer König gefallen war, befiel sie eine allgemeine Entmutigung. Auf der anderen Seite waren die Fliegen durch das Angreifen der Jungen frisch angefeuert worden und stürmten unter Ottos Führung von neuem heran. Überall wurden nun die Reihen der Mücken durchbrochen, und bald zerstob das ganze Mückenheer in wilder Flucht, verfolgt von den siegenden Fliegen.

Heiß erregt von dem stürmischen Kampfe kehrten Jupp und Otto in die Königslaube zurück. Dort saß schon der Fliegenkönig, dem seine Tochter soeben die Wunden verbunden hatte. Einige Kriegsfliegen halfen ihnen von den Heupferden absteigen und brachten die tapferen Tiere zum Stalle zurück, andere nahmen ihnen die mit Speeren gespickten Schilde ab und brachten sie zum Könige.

Als nun die Freunde vor den Fliegenkönig traten, schrie plötzlich die Prinzessin laut auf und lief auf die beiden zu. Jetzt erst merkten sie, daß sie an den Beinen bluteten; sie hatten eine Menge Wunden erhalten, von denen sie in der Hitze des Kampfes gar nichts gemerkt hatten. Die Fliegenprinzessin ließ Wasser kommen, wusch ihnen die Wunden aus und bestrich sie mit einer Wacholdersalbe; da schlossen sich die Wunden sofort und heilten im Augenblicke. Die Wunden des Fliegenkönigs waren auch schon geheilt, und er winkte nun die beiden zu sich heran.

»Zweimal habt ihr meiner Tochter das Leben gerettet,« redete er sie an, »einmal aus dem Froschbauche und heute in der Schlacht. Du, Otto, hast außerdem noch mein Leben gerettet, als ich schon den sicheren Tod vor Augen sah, und du, Jupp, hast meinen Feind, den Mückenkönig, besiegt und erschlagen! – Ihr beide habt mir heute die Schlacht gewonnen; ohne euch wäre mein ganzes Volk verloren gewesen! Wie soll ich es euch danken? – Ich habe nur eine einzige Tochter! Einem von euch will ich sie zur Frau geben; der andere soll meinen Schatz haben, der tief in der Erde verborgen liegt!«

»Gebt mir lieber den Schatz, Herr König!« rief Jupp, dem an der Fliegenprinzessin gar nichts gelegen war.

Die Prinzessin sah ihn dankbar an; sie glaubte, er habe aus Edelmut für seinen Freund Otto auf sie verzichtet; sie selbst hatte diesen auch viel lieber; sie trat gleich auf ihn zu und gab ihm die Hand.

Otto war das gar nicht angenehm, denn wenn auch die Fliegenprinzessin für eine Fliege sehr nett war, so war und blieb sie doch immer nur eine Fliege. Aber er mußte jetzt gute Miene zum bösen Spiele machen.

»Nun, dann bekommt also Otto die Prinzessin, und wir können gleich Verlobung feiern!« sagte der König. Er machte für Otto einen Platz auf dem Throne frei, und dieser mußte sich zwischen den König und seine Tochter setzen.

Die Fliegen kamen in langem Zuge vorbeigewandelt; vor dem Throne machten sie alle eine tiefe Verbeugung und brachten dem jungen Paare ihre Glückwünsche dar. Die Prinzessin strahlte förmlich vor Glück; auch der König sah sehr vergnügt aus, und nur Otto machte ein dummes Gesicht zu alledem. – Jupp aber stand im Hintergrunde, sah zu und lachte.

Als die Begrüßung vorüber war, wollte der König ein großes Verlobungsfest geben. Otto aber hatte schon mehr wie genug von seiner Fliegenbraut; er sagte daher dem König, daß sie gleich weg müßten, weil sie vor dem Dunkelwerden wieder zu Hause sein müßten. Schon wollte er sich verabschieden, als Jupp herankam und den König fragte, wie es mit seinem Schatze stehe?

»Der liegt tief in der Erde!« sagte der Fliegenkönig.

»Wo liegt er denn?« fragte Jupp, der das gar zu gern wissen wollte.

»Unter der Postkutsche,« antwortete der König. »Ich will euch hinführen, wenn ihr wiederkommt!«

Otto drängte zum Aufbruche; da fragte der Fliegenkönig, ob sie reiten wollten, oder ob er seine Kalesche anspannen lassen solle?

Da nun die Jungen von dem Kampfe ein wenig müde waren, zogen sie den Wagen vor, und der König ließ anspannen. Es war ein runder Wagen, der aus einer großen Walnußschale gearbeitet war und mit zwei grünlich schillernden Grashüpfern bespannt war. Man nahm Abschied, und Otto konnte es nicht hindern, daß die Fliegenprinzessin, die Rührungstränen vergoß, ihm auf jede Backe einen Kuß gab. Dann stiegen Jupp und Otto in den Wagen; eine Fliege setzte sich auf den Bock, knallte mit der Peitsche, und fort ging es in lustigem Trabe. Das ganze Fliegenvolk schrie dreimal Hurrah, und der Fliegenkönig und die Prinzessin schwenkten mit ihren Tüchern und riefen:

»Auf Wiedersehen nächsten Samstag!«

Dann bog ihr Wagen um die Ecke, und bald waren sie aus den Grenzen des Fliegenreiches hinaus. Beide waren sehr müde; sie versuchten sich durch Plaudern wachzuhalten; aber bald konnten sie gegen die Müdigkeit nicht mehr ankämpfen, sie lehnten sich zurück und schliefen fest ein.

Otto wurde wach, weil Jupp furchtbar schnarchte; er sah sich um, es war schon ganz dunkel. Er weckte Jupp, und beide sahen, daß sie wieder in ihrer Postkutsche auf dem Heu lagen und ihre natürliche Größe hatten.

»Die Fliege wird uns wohl hingelegt und uns gleich mit dem Mückenfette eingerieben haben,« sagte Jupp. – »Aber nun müssen wir laufen, daß wir nach Hause kommen; ich bekomme sicher heute abend was ab!« –

Otto war es auch nicht besonders angenehm zumute; beide erhoben sich rasch, sprangen aus der Postkutsche heraus und liefen so schnell sie konnten nach Hause. –

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