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Die verkaufte Großmutter

Hanns Heinz Ewers: Die verkaufte Großmutter - Kapitel 16
Quellenangabe
typefairy
authorHanns Heinz Ewers
titleDie verkaufte Großmutter
publisherGeorg Müller
printrun6. bis 10. Tausend
illustratorPaul Haase
year1923
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20140417
projectid1f83c22c
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XV. Das Märchen vom großen preußischen Wappen

Wie sehr sich der Herr Bender darüber freute, daß er Hoflieferant geworden war, kann man ganz gut daraus ersehen, daß er sich gleich von dem Hofmarschallamt in Berlin eine Zeichnung des großen preußischen Wappens kommen ließ. Das ließ er fein bunt oben auf seine Briefbogen anbringen und es kam ihm gar nicht darauf an, daß nun alle seine Kunden Strafporto bezahlen mußten, weil das Wappen so groß war und also die Briefbogen auch alle so schrecklich groß waren und deshalb viel zu schwer für einfaches Gewicht.

Denn der reiche Herr Bender war ein sehr patriotischer Mann, und das Strafporto, sagte er, müsse man dem Patriotismus zum Opfer bringen; und darum täte ers, sagte er. Weil man nun aber in der Schule gar nichts von solchen Wappen lernt, so sagte der Herr Bender zu dem Hauslehrer seines Sohnes Otto, er solle sich ein Buch anschaffen über das preußische Wappen und dem kleinen Otto alles genau erklären und einstudieren. Und er wolle den Jungen selber überhören, sagte er.

So kam es, daß der kleine Otto Bender des Mittwochnachmittags zu Hause bleiben mußte, anstatt mit seinem Freunde Jupp Quetschbüdel auszugehen. Er mußte Wappen lernen und das ist gar nicht leicht und gar nicht angenehm, so daß er Jupp ordentlich beneidete, weil er keinen Herrn Hoflieferanten, sondern nur einen Packmeister zum Vater hatte und deshalb natürlich auch durchaus nichts von Wappen zu wissen brauchte. Sein Hauslehrer hatte ihn in sein Zimmer eingesperrt und ihm gesagt, daß er ihn nicht eher herauslassen würde, bis er alle zweiundfünfzig Wappenfelder von vorwärts und von rückwärts aufzählen und erklären könne. Zuerst nun klappte Otto das Buch zu und nahm sich vor, gar nichts zu lernen; später aber überlegte er sich, daß er dann wahrscheinlich nächsten Mittwoch wieder nicht hinausdürfe, und daß es deshalb doch wohl besser sei, jetzt das Wappen zu lernen.

Deshalb setzte er sich hin und besah die bunten Blätter mit den vielen, abenteuerlichen Tieren. Er studierte so eifrig, daß er gar nicht merkte, wie die Zeit verging. Da hörte er plötzlich jemanden leise pfeifen, er ging ans Fenster und sah seinen Freund, Jupp Quetschbüdel, im Garten stehen.

»Wo kommst du denn her?« fragte er,

»Ich bin über die Mauer geklettert, damit mich niemand merkt,« antwortete Jupp. »Ich wollte dich abholen kommen, wir wollen zum Kittelbach im Volker Busch gehen und Kaulquappen fangen.«

Otto wäre für sein Leben gern mitgegangen, Kaulquappen fangen, er seufzte und sagte:

»Ich kann ja nicht heraus, ich muß Wappen lernen. Mein Hauslehrer hat mich eingesperrt.«

Jupp sah zum Fenster hinauf und überlegte:

»Springen kannst du nicht,« sagte er dann, »das Fenster ist zu hoch. – Weißt du, klettere doch an der Regenkalle herunter!«

Otto sah zu der Röhre hin, aber die war so weit vom Fenster weg, daß er sie kaum mit den Händen fassen konnte. Betrübt ließ er den Arm wieder sinken und meinte:

»Ach, ich glaub, es geht nicht!«

»Es geht nicht?« rief Jupp hinauf. »Feiger Zippel! – – Gut, dann geh ich eben allein Kaulquappen fangen!«

Er ging ein paar Schritte in den Garten hinein, dann wandte er sich noch einmal um.

»Krebse sind auch in dem Bach,« sagte er, »und kleine Fischchen, Stachelditzken!«

Das war doch zu verlockend und Otto konnte nicht mehr widerstehen.

»Warte, Jupp,« rief er, »ich wills versuchen!«

Er sprang auf die Fensterbank und griff nach der Kalle. Sie schien ganz fest und rasch schwang er sich hinaus. Wie er aber an der Regenröhre hing, krachte sie in allen Fugen, und eine große Eisenklammer löste sich gerade über ihm. Er kletterte so rasch wie möglich nach unten, da merkte er, wie die Kalle nachgab und sich loslöste. Er fiel, kam aber glücklich auf beiden Füßen unten an, nur schlug ihm die Blechröhre eine tüchtige Beule an den Kopf.

»Gut gemacht!« murmelte Jupp und nahm ihn bei der Hand. »Nun aber schnell fort, die dumme Regenkalle hat solchen Radau gemacht, daß gewiß jemand kommen wird.«

Die beiden Jungens liefen durch den Garten, kletterten über die Mauer und trabten dann durch die Felder hin. Die Sonne brannte ihnen auf die Köpfe und sie waren froh, als sie in den kühlen Schatten der Bäume kamen.

»Wir wollen baden,« erklärte Jupp, »dann können wir die Kaulquappen nackigt fangen!«

Sie zogen die Kleider aus und stiegen in den frischen klaren Bach hinein. Jupp nahm seine große Flasche, füllte sie mit Wasser und beide setzten kleine Frösche und Kaulquappen, auch Schwimmkäfer, Schnecken, Wasserläufer und Stichlinge hinein. Krebse aber konnten sie gar keine finden, obwohl sie ganz besonders danach suchten.

»Hast du nicht vielleicht irgendwas Totes bei dir?« fragte Jupp.

»Nein!« antwortete Otto. – »Wozu denn?«

»Mein Vater hat mal gesagt, Krebse müsse man immer mit was Totem fangen,« erklärte Jupp. »Das essen sie so gern! – Vielleicht könnten wir eins von deinem Papa seinen Pferden totmachen und damit Krebse fangen?«

»Wie sollen wir aber das tote Pferd hierherschaffen?« wandte Otto ein.

Jupp sah ein, daß das nicht gehen würde. Er sann eine Weile nach, dann hatte er einen neuen Gedanken.

»Ich weiß was anderes!« rief er. »Wir wollen mal sehen, ob wir von dem Trobitz Karl, der mit uns auf der Klasse ist, nicht für nächste Woche eine tote Katze kriegen können. Der kann uns sicher für ein paar Dutzend Knicker eine verschaffen, denn sein Vater ist doch Wildbrethändler!«

Das leuchtete Otto ein, er erklärte sich bereit, für diesen Zweck die Glaskugeln herzugeben.

So sahen denn die beiden Jungen für heute von der Krebsjagd ab und fuhren fort, alle möglichen anderen Wassertiere in ihre Flasche zu sammeln.

»Ich weiß gar nicht,« sagte Otto plötzlich, »mir wird ganz duselig im Kopf!«

»Das schadt nichts,« lachte Jupp, »das ist bloß von der Beule von der Regenkalle.«

»Ich bin aber so schrecklich kalt,« sagte Otto, »gerad wie Eis.«

»Na, dann komm!« meinte sein Freund. »Dann wollen wir uns was in die Sonne legen!«

Die beiden Jungen stiegen aus dem Wasser hinaus und krochen durch die Büsche auf eine freie Grasfläche. Die Sonne stand schon tief am Himmel, aber ihre Strahlen waren noch stark genug, sie wieder zu erwärmen. Jupp wälzte sich wohlig in dem langen Grase herum.

»Na, Otto,« fragte er, »ist dir nun wieder besser?«

»Komisch,« antwortete Otto, »jetzt bin ich so heiß, als ob ich im Ofen stäke.«

»Gehen wir also zurück in den Bach!« schlug Jupp vor und eins, zwei, drei, sprangen sie wieder kopfüber ins Wasser hinein.

Sie plätscherten eine Weile herum, dann sagte Otto: »Du fühl doch mal, ich glaube, ich werde immer heißer!«

Jupp fühlte erst Ottos Hand, dann sein Bein, endlich den Hals. Sein Freund war wirklich glühend heiß und das kam ihm doch bedenklich vor.

»Hm!« sagte er, »es ist vielleicht besser, wenn wir nach Hause gehn – Außerdem wirds bald dunkel!«

Die beiden Jungen zogen sich an und machten sich auf den Heimweg, Jupp trug die große Flasche in der Hand. Als sie an der Ulmenallee waren, rief Otto plötzlich:

»Jupp, ich werde ganz schwindlig!«

Jupp sah seinen Freund an und erschrak: der sah kreidebleich aus. Er schob seinen Arm unter den Ottos und stützte ihn, so gut es ging.

»Ich hab so schrecklichen Durst,« klagte Otto, »wenn ich nur was zu trinken hätte!«

Jupp sah sich um, aber außer in dem schmutzigen Straßengraben war nirgends Wasser zu sehen. Da nahm er die Flasche und gab sie dem Freund.

»Sei aber vorsichtig,« riet er ihm, »daß du nicht so ein Stachelditzken mittrinkst, die stechen!«

Otto nahm ganz langsam einen Schluck, dann gingen sie weiter.

»Warte,« rief Jupp, »ich werde die Flasche wegwerfen, dann kann ich dich besser stützen.«

Mit einem großen Seufzer schüttete er all die schönen Tiere in den Straßengraben aus, was ihnen wahrscheinlich gar nicht so unangenehm war. Er warf die Flasche hinterdrein und hieß dann seinen Freund den Arm über seine Schulter legen. So ging es langsam, ganz langsam vorwärts und die Sonne war schon untergegangen, als beide todmüde vor dem Hause von Ottos Eltern ankamen.

»Laß dir nur nichts merken, Otto!« riet Jupp, dann drückte er zaghaft auf den Schellenknopf.

Ein paar schwere Tritte kamen und der Hauslehrer, der Ottos Entweichen längst gemerkt hatte, öffnete die Türe. Er machte ein furchtbar böses Gesicht und hätte sicher gleich zu schelten angefangen, wenn nicht zufällig gerade Ottos Mutter über den Flur gegangen wäre. Nun hatte der arme Jupp zwar für gewöhnlich vor den reichen Eltern seines Freundes einen außerordentlich großen Respekt, jetzt aber fühlte er, daß er für ihn eintreten müsse.

Er faßte sich also ein Herz und sagte:

»Frau Bender, der Otto kann gar nichts dafür! Ich hab ganz allein die Schuld. – Und außerdem ist er ganz heiß und schwindelig!«

Dann lief er schnell über die Straße und versteckte sich hinter einen Baum. Als er aber sah, wie die gute Frau Bender ihren Sohn in die Arme schloß, küßte und ins Haus führte, da war er ganz sicher, daß seinem Freunde nichts geschehen würde. Beruhigt steckte er die Hände in die Hosentaschen, pfiff ein Liedchen und trollte langsam nach Hause.

 

* * *

 

Frau Bender führte ihren Sohn die Treppen hinauf, sie sah gleich, daß er recht krank war. Sie sandte den Hauslehrer sofort zum Arzte; derweil ließ sie sich von Otto erzählen, was er den Nachmittag über mit seinem Freunde getrieben hatte. Der Junge sagte ihr alles ganz genau, aber mit leiser und schwacher Stimme, er fühlte sich so müde, daß seine Mutter ihm helfen mußte, die Kleider auszuziehen und sich zu Bett zu legen. Er schloß gleich die Augen und als das Mädchen einen Teller heißer Bouillon heraufbrachte, mußte ihm seine Mutter jeden Löffel einzeln zum Munde führen. Es tat ihm unbeschreiblich wohl, wie seine Mutter ihre kühle, schmale Hand auf seine glühende Stirne legte und er wünschte nur, daß es immer so bleiben möchte. Dann hörte er, wie es klopfte und wie seine Mutter aufstand, um den Doktor zu begrüßen. Er hielt seine Augen fest zu und tat, als ob er schliefe, aber er vernahm doch ganz deutlich, was die beiden sprachen. Der Doktor nahm seinen Puls in die Hand, setzte ihm ein kleines Hörrohr auf die Brust, klopfte und lauschte. Darauf sagte er leise zu seiner Mutter:

»0 nein, es ist gar nichts Beunruhigendes, nur ein ganz leichtes Fieber. Decken Sie den Jungen warm zu und lassen Sie ihn nur tüchtig schlafen; morgen ist wieder alles in Ordnung!«

Dann fühlte Otto, wie seine Mutter ihn leicht auf beide Augen küßte und sacht mit dem Doktor aus dem Zimmer ging. Nun lag er allein in seinem Bett, ganz still, ganz ruhig in einem wohligen, dämmernden Halbschlummer.

Da war es ihm plötzlich, als ob unten im Garten jemand pfiffe. Erst antwortete er nicht, aber als es noch einmal pfiff, dachte er doch, es könne Jupp sein, der ihm noch irgendetwas zu sagen habe. Er stand auf und ging ans Fenster, sah aber niemanden. »Ach,« dachte Otto, »vielleicht hat er sich ins Gebüsch versteckt!« Er suchte nach der Regenröhre, wahrhaftig, sie war wieder an ihrem Platze. Leise glitt er zum Fenster hinaus und kletterte hinab in den Garten, wie am Nachmittag,

»Jupp!« rief er mit leiser Stimme, als er unten war. »Jupp!«

Aber niemand antwortete. »Vielleicht ist er schon fort über die Mauer,« dachte Otto, sprang durch den Garten und stieg auch hinüber. Er blickte sich um, doch nirgends war sein Freund zu sehen.

»Ich will ihn schon suchen!« sagte der kleine Junge und schritt feldein.

Komisch, die Gegend schien ihm ganz verändert. Auch war es merkwürdig, daß es so hell war, obwohl er doch wußte, daß längst die Nacht angebrochen war. Die Sonne schien nicht und der Mond auch nicht und doch war es ganz hell überall. Dann wunderte er sich, daß er auf einmal alle seine Kleider anhatte, während er sich doch ganz genau erinnerte, daß er nur im Nachthemdchen war, als er aus dem Fenster kletterte. Das alles war sehr seltsam, aber der kleine Junge hatte keine Zeit, darüber nachzudenken. Er hörte nämlich plötzlich zwei rauhe Baßstimmen, die ihm zuschrien:

– »Halt!!«

– »Halt!!«

Otto blickte erschreckt auf und sah vor sich zwei riesige Kerle mit langen, weißen Bärten. Sie hatten nur einen Schurz von Eichenlaub um die Hüften und einen Eichenkranz im Haar, sonst waren sie ganz nackt. Außerdem trug jeder eine mächtige Keule, der eine in der linken, der andere in der rechten Hand.

»Was willst du hier?« schrie der erste Riese.

»Eintritt verboten!« schrie der zweite Riese.

»Entschuldigen Sie, meine Herren,« sagte Otto kleinlaut, »ich wollte nur meinen Freund Jupp Quetschbüdel suchen. Haben Sie ihn vielleicht gesehen?«

»Nein!« rief der eine Riese. »Ich kenne den Quetschbüdel nicht!«

»Wer bist du eigentlich?« fragte der andere Riese etwas milder.

Otto antwortete:

»Ich bin der Sohn von dem Hoflieferanten Bender.«

Da machten die beiden Riesen auf einmal sehr tiefe Verbeugungen vor ihm.

»So,« sagte der erste sehr liebenswürdig, » Hoflieferant ist dein Herr Vater? – Dann darfst du natürlich hereinkommen.«

Beide traten zur Seite und Otto sprang zwischen ihnen durch. Er war froh von den beiden wilden Männern fortzukommen und lief schnell über eine lange schmale Brücke, die über einen Teich mit toten Seeblättern führte. Er kam auf ein großes gelbes Lupinenfeld, da sah er drei starke Löwen daher kommen, die ganz blau waren, und so durchsichtig wie Glas. Zwei kleinere liefen hinterher, der vordere aber ging stolz auf den Hintertatzen und jonglierte mit neun roten Herzen, die er auffing und dann mit dem Schwanze und den Vorderpranken wieder hoch in die Luft warf. Er war sehr betrübt, weil ihm immer ein paar Herzen auf die Erde fielen und er sich dann schnell bücken mußte, um sie wieder aufzuheben, sonst hätten ihm die beiden andern blauen Löwen sie gleich weggefressen. – Ein Herz, das er mit dem Schwanz ganz hoch hinaufgeschlagen hatte, fiel gerade vor Otto zwischen die Lupinen hin, der hob es auf und brachte es dem Löwen zurück.

»Danke schön!« sagte der Jonglierlöwe.

»Bitte sehr!« rief Otto höflich. »Weshalb werfen Sie eigentlich immer die Herzen in die Luft?«

»Zur Erinnerung an Richard Löwenherz,« erwiderte würdevoll der Blaue. »Ich stamme nämlich aus Lüneburg. – Übrigens ist es sehr lästig und auf die Dauer schrecklich langweilig! Ich weiß nur nicht, wohin damit, wenn ich sie weglege, so fressen sie mir die kleinen da hinten gleich auf.«

»Ich will Ihnen was sagen,« schlug Otto vor, »geben Sie mir die Herzen, ich kann sie bequem in der Tasche verwahren. Dann können Sie mich ein wenig herumführen, ich bin ganz fremd hier in der Gegend!«

Damit war der blaue Löwe sehr einverstanden und Otto sammelte die Herzen auf und steckte sie in die Rocktaschen.

»Wenn es dir Recht ist,« sagte der blaue Löwe, »wollen wir erst meinen Nachbar, den Fischgreif, mal besuchen.«

Damit führte er den kleinen Jungen an einen schönen, klaren Teich. Der Löwe bahnte einen Weg durch das Schilf, dicht ans Ufer, dann rief er laut:

»He, oller Pommer, wo steckst du denn? Komm mal raus, es ist Besuch angekommen!«

In dem Teich blieb alles ruhig, aber von der Krone einer alten Fichte hob sich ein gewaltiger Vogel und flog mit mächtigen Flügelschlägen durch die Luft. Dann stürzte er sich mitten in den Teich hinein. Otto blickte dahin, da sah er, wie das Tier, den Leib unten, mit einem großen Fischschwanze das Wasser peitschte.

»Es ist also ein Fisch, kein Vogel,« dachte er.

Inzwischen schwamm das Ungetüm ans Land und kroch durch das Schilf daher, da sah Otto, daß er einen Leib und eine Mähne hatte, wie ein Löwe. »Ho, Nachbar, wie gehts?« rief die rote Bestie. »Bringst du was zum Fressen mit?«

Dabei schielte er so gierig auf Otto, daß diesem angst und bange wurde.

Der blaue Löwe streckte aber schützend seine Pranken vor und rief:

»Du darfst dem Jungen nichts tun, er verwahrt mir meine Herzen. – Das ist der Fischgreif,« wandte er sich an Otto, »es ist der einzige, den es überhaupt gibt. Wie gefällt er dir?«

»Es geht,« sagte Otto.

»Hör mal, Fischvogel,« fuhr der blaue Löwe fort, »wir möchten über den Teich, um dem Pelikan guten Tag zu sagen. Willst du den Jungen nicht hinübertragen?«

Der rote Fischgreif machte ein bitterböses Gesicht, aber er ließ Otto doch auf seinen Rücken steigen. Dann sprang er in den See hinein und zog mit mächtigen Flügel- und Schwanzschlägen dahin, so daß der Löwe, der hinterher schwamm, kaum dabeibleiben konnte. Am andern Ufer warf er seinen Reiter kopfüber ins Schilfgras und schwamm wieder zurück. Otto und sein Freund, der blaue Löwe, befanden sich jetzt auf einer mit Disteln bestandenen Landstrecke, über die in großen Bogen hohe Stacheldrahtzäune gespannt waren.

»Der Fischgreif ist nämlich ein arges Raubtier,« erklärte der Löwe, »er möchte gar zu gern dem braven Pelikan seine Jungen wegfressen. Deshalb sind die Stachelhecken angebracht, da kann er nicht hinüber.«

»Wie kommen wir denn durch?« fragte Otto.

»Paß nur auf!« erwiderte der Blaue, zeigte dem Jungen ein festverschlossenes Tor und hieß ihn dreimal mit einem der Löwenherzen dagegen schlagen. Da sprang das Tor gleich auf und schloß sich wieder hinter ihnen. Sie zogen eine Weile weiter, da trafen sie auf ein großes Nest, auf dem der weiße Pelikan mit seinen Jungen saß. Er schlug mit den Flügeln und steckte ihnen den langen Schnabel kampfbereit entgegen, als er aber sah, daß es sein Freund, der Lüneburger Löwe, war, hieß er sie beide willkommen.

»Wie gehts deinen Jungen, Onkel Pelikan?« fragte der blaue Löwe.

»Danke, sie wachsen,« erwiderte der Wasservogel. »Ich bin gerade dabei sie zu füttern.«

Bei diesen Worten hackte er sich mit dem spitzen Schnabel die eigne Brust auf, daß das Blut herausdrang, und gab den kleinen Pelikänchen den roten warmen Saft zu trinken.

»Bekommen denn deine Kinder immer nur dein Blut?« fragte Otto.

»Ach,« sagte der Pelikan, »mein Teich ist so klein und der schöne See da unten, der so fischreich ist, wird von dem scheußlichen Fischgreif bewohnt. – Ich kann doch die Kleinen nicht hungern lassen!«

»Ich hab was für sie!« lachte Otto, und ehe der Löwe es noch hindern konnte, steckte er den Pelikänchen die Herzen in den Schnabel, die diese gleich gierig verschlangen.

Nun war der Blitzblaue aber doch wütend, am liebsten hätte er den Jungen gleich aufgefressen.

»Meine Löwenherzen!« brüllte er. »Gib mir meine Löwenherzen wieder.«

Otto flüchtete rasch um das Vogelnest herum und rief:

»Freu dich doch, jetzt brauchst du nicht mehr damit zu jonglieren!«

»Der Herr Zeremonienmeister ist so streng, er wird mich sicher absetzen, wenn ich die Herzen nicht mehr habe!« jammerte der Löwe.

Otto versuchte ihn zu trösten.

»Na, dann gehst du eben in einen andern zoologischen Garten!« sagte er.

»Was? schrie der Löwe furchtbar zornig. »Was hast du gesagt? Zoologischer Garten? Ich soll in einen zoologischen Garten gehn?«

Damit stürzte er hinter dem Jungen her, daß dieser gar nicht schnell genug um das Nest herumlaufen konnte. Auch hätte er ihn sicher erwischt, wenn nicht der dankbare Pelikan und seine Jungen von oben her auf den Löwen losgehackt hätten.

»He, Schimmel! Schimmel!« rief der Pelikan.

Da kam hinten von der roten Erde her ein wundervolles, schneeweißes Pferd mit mächtigen Sätzen dahergestürmt.

»Spring auf!« rief der Wasservogel dem kleinen Jungen zu und der ließ sich das nicht zweimal sagen. Er hielt sich an der Mähne fest und schwang sich auf den Rücken; und so schnell rannte der Schimmel mit ihm davon, daß der blaue Löwe, der sie verfolgte, weit zurückblieb. Der brave Hengst trabte gerade mit seinem kleinen Reiter einen schmalen Waldweg entlang, als Otto durch die Bäume den lustigen Ruf eines Posthorns vernahm.

»Das ist der Postillon von Oranien,« rief der Schimmel, »der die Neuigkeiten in unserm Lande austrägt. Wir wollen einmal hören, was es gibt!«

Mit langen Sätzen sprang er eine Anhöhe hinauf und bald konnte Otto den schmucken Postillon im rotgelben Frack erkennen, der auch auf einem Schimmel saß.

»Er reitet auf meinem Vetter, dem Lauenburger,« erklärte Schimmel.

Die beiden Pferde wieherten sich vergnügt an, während der Postillon rief:

»Hallo, Westfalenroß! Gut, daß ich dich treffe!« Mit diesen Worten zog er eine große Rolle aus der Brusttasche und begann zu lesen:

»Wir, Graf von Stillfried-Alcantara, Oberhof- und Zeremonienmeister, tun hiemit allen getreuen Wappentieren und Geschöpfen der preußischen Krone, als Adlern, Greifen, Löwen, Stieren, Bären, Pferden, Hirschen, Hähnen und Pelikänen und allem andern kreuchenden oder fleuchenden Getier jeder Farbe und Gestalt, kund und zu wissen, befehlen ihnen, ordnen, heißen und setzen an, daß allsogleich und sofort männiglich sich versammeln möge auf dem rotweißen Mannsfelde, allwo ein großer Zweikampf, auch Turnier oder Buhurd genannt, stattfinden und anheben soll, zwischen dem Niederlausitzer Stier und der schwarzen Henne von Henneberg. Zum unparteiischen Kampf- und Schiedsrichter ist von Uns der Sohn des Herrn Hoflieferanten Bender, Otto Bender, ausgewählt, erküret, bestallet und eingesetzt worden!«

»Das bin ich ja!« rief der kleine Junge verwundert.

»So?« fragte der Postillon. »Dann wollen wir nur gleich zum Kampfplatze reiten, die Versammlung wird schon auf uns warten.«

Sie kamen nun durch eine merkwürdige Gegend, überall standen Kreuze am Wege, schwarze, rote, gelbe und weiße, dazwischen her rollte ein altes Karrenrad.

»Das ist sicher ein Kirchhof,« sagte Otto.

»Natürlich!« sagte der Postillon, »da liegen alte Bischöfe begraben, die schon viele hundert Jahre tot sind. – Das Rad da ist toll geworden und läuft nun immer zwischen den Gräbern herum.«

Inzwischen waren sie auf dem großen Mannsfelde angelangt. Ein runder Platz war abgesteckt und hinten eine geräumige Tribüne errichtet, auf deren Ehrenplatz Otto von dem Postillon hingeleitet wurde. Die beiden wilden Männer waren auch da, sie trugen jetzt lange Standarten in der Hand und senkten sie tief, als Otto sich auf seinen Sitz niederließ. Rings saßen oder standen eine Menge abenteuerlicher Geschöpfe; namentlich viele rote, weiße und schwarze, gelbe oder blaue Adler und Löwen waren da. Der Postillon tutete dreimal in sein großes Horn, da traten von zwei Seiten die Herolde, zwei rot und weiß gestreifte Löwen, auf den Kampfplatz. Hinter ihnen her kamen die beiden Kämpfer. – Der Niederlausitzer Stier war ein riesiger Geselle, blutrot, mit mächtigen Hörnern, durch die Nase hing ihm ein großer, eiserner Ring. Er schritt mit lang heraushängender Zunge und tief gesenktem Kopfe daher, während die schwarze Henne im Gegenteil den Kopf recht hoch trug und nur von Zeit zu Zeit vom Boden ein Körnchen aufpickte.

»Pfui, wie unfein!« rief ihr der vornehme rote Adler zu. »Schämst du dich nicht, altes Huhn?«

Statt aller Antwort schlug die Henne mit beiden Flügeln in die Luft und krähte laut:

»Ki-ke-ri-kiiii!«

»Sieh einer mal die Henne an,« brüllte der Stier, »sie kräht, als ob sie ein Hahn wäre!«

»Sei still, dummer Ochs!« rief die Henne. »Du kannst ja nicht ein einziges Ei legen!«

»Will ich auch gar nicht,« schrie der Stier, »ich bin kein Vogel! Aber du willst ein Vogel sein und kannst nicht mal ordentlich fliegen!«

»Immer noch hoch genug, um dir deine blöden Ochsenaugen auszuhacken!« gackerte die Henne und pickte ganz ruhig ein paar Weizenkörner auf.

»Ich wette auf den Stier!« schrie der rote Berglöwe. »Fünfundzwanzig Pfennige auf den Stier.«

Er ging zu dem weißen Frankfurter Adler hin, der das Wettgeschäft machte und alle Wetten in ein großes Buch einschrieb.

»Ich wette auch auf den Stier!« rief der schwarze Greif. »Fünfzig Pfennig!«

»Ich auch! Ich auch!« riefen die Löwen und Adler, und auch die Pferde und die wilden Riesen und der Hirsch von Sigmaringen wetteten auf den Stier.

Der schwarze schlesische Adler wollte auch auf den Stier wetten und gleich eine ganze Mark. Aber als er bezahlen sollte, sagte er, daß er sein Portemonnaie vergessen hätte, und fragte ob man ihm nichts leihen könnte. Die andern wollten alle nicht, bloß der weiße Adler mit dem ganz krummen Schnabel sagte, daß er ihm die Mark borgen wolle, aber nur gegen Zinsen. Und außerdem müsse ihm der schwarze seine Krone zum Pfande geben, weil ihm seine eigene neulich von dem Herrn Zeremonienmeister weggenommen sei. – Damit war der schwarze Adler von Schlesien erst gar nicht zufrieden, aber er mußte wohl nachgeben, weil er sonst gar nicht hätte wetten können. Er gab also seine schöne Krone her, die sich der weiße Adler gleich auf den Kopf setzte. Als dieser nun alle Wetten durchsah, stellte sich heraus, daß nur der Pelikan zwei Pfennige auf die Henne gesetzt hatte; alle anderen Tiere hatten gewettet, daß der Stier Sieger bleiben würde.

Otto suchte in seinen Taschen nach, er fand glücklicherweise noch einen Groschen und den setzte er auf die arme Henne. Der weiße Adler notierte das, dann erklärte er, daß er auch auf die Henne wetten wolle und zwar gerade soviel, wie alle andern zusammen.

Der Postillon blies wieder dreimal in sein Posthorn und die beiden Riesen senkten die langen Standarten. Das war das Zeichen für den Beginn des Kampfes. Der Stier senkte tief seine Hörner, ging ein paar Schritte zurück und rannte in blinder Wut auf die Henne los. Die sprang geschickt zur Seite, so daß das große rote Tier an ihr vorbeischoß. Darauf drehte sie ihm den Rücken zu und pickte seelenruhig einen Regenwurm auf, während sich der Stier zu einem neuen Angriff anschickte.

»Nimm dich in acht« rief der Pelikan der Henne zu. »Er kommt schon wieder heran!«

Aber die Warnung war gar nicht nötig, die schwarze Henne flatterte zur Seite, suchte am Boden herum und tat überhaupt, als ob sie der ganze Kampf gar nichts anginge. Darüber wurde der Stier natürlich immer wütender, er rannte ihr nach, daß der Sand von seinen Hufen hoch in die Luft wirbelte.

»Feige Eierfrau!« brüllte er. »Du fliegst immer weg, wenn ich komme!«

»Warte nur ein bißchen, alter Brüllochs!« höhnte die Henne. »Ich will nur noch diesen guten Mehlwurm verzehren, dann werde ich dich vornehmen!«

Der Stier geriet ganz außer sich vor Wut, weil ihn die Henne mit einem Mehlwurm verglich. Wie er aber wieder mit gesenktem Kopf auf sie losstürzte, da flatterte die Henne in die Höhe und setzte sich gerade auf seinen Nasenring. Der Stier machte noch ein dümmeres Gesicht, als er schon von Natur aus hatte, er begriff erst gar nicht, daß er die Henne an dem Platze weder mit den Hörnern stoßen, noch mit den Zähnen beißen konnte. Er blieb ganz verdutzt stehen, während ihn die Henne tüchtig in die offenen Nasenlöcher hineinpickte, so daß das Blut bald heruntersickerte. Der Stier brüllte, so laut er konnte, aber das erschreckte die Henne gar nicht.

»Brüll du nur!« rief sie. »Gleich werde ich dir deine Glotzaugen aushacken, ich esse schrecklich gern Ochsenaugen!«

Der Stier rannte im Kreise herum, er schlug mit dem Schwänze und schüttelte den starken Kopf, aber das nützte ihm alles nichts, die schwarze Henne saß fest in dem Ring und hackte nach Herzenslust ihm in die Nüstern.

»So!« gackerte sie. »Jetzt kommen die Augen dran, wenn du nicht gleich auf die Knie fällst und um Verzeihung bittest!«

Der Stier sah, wie sie mit ihrem Schnabel gerade auf sein rechtes Auge losfuhr. Da bekam er eine schreckliche Angst und ließ sich rasch in die Knie fallen.

»Erklärst du dich für besiegt?« fragte die Henne.

»Ja!« sagte der Stier.

»Dann bitte um Verzeihung und sage, daß du ein ganz dummer Ochs bist!« forderte die Henne.

»Ich bin ein ganz dummer Ochs und bitte um Verzeihung!« wehklagte der Stier.

»Na also!« sagte die Henne und sprang von dem Ring herab. »Wenn du hübsch artig bist, will ich dir nächstens Stunde geben im Eierlegen, damit du dummer Kerl doch etwas kannst. – Jetzt kriegst du noch einen ganz kleinen Kuß!«

Damit hackte sie ihm noch einmal tüchtig auf die Nase, schritt von dannen, scharrte im Sande und fing sich ein besonders schönes fettes Ohrwürmchen.

Der Postillon von Oranien blies in sein Horn und Otto erklärte, daß die Henne gesiegt habe. Als Kampfpreis wurde ihr ein wundervoller, neuer Misthaufen geschenkt, worüber sie begreiflicherweise sehr glücklich war. Die Wappentiere waren ziemlich unzufrieden mit dem Ausgang des Kampfes, weil sie ja alle ihr Geld verloren hatten, bloß der Pelikan und Otto hatten gewonnen, alles andere Geld hatte der Frankfurter Adler verdient.

Während man sich deshalb noch hin- und herstritt, kam ein grün- und rotgestreifter Löwenvogel durch die Luft geflogen.

»Ho, wendischer Greif, du kommst zu spät!« rief ihm der Postillon zu. »Der Kampf ist bereits entschieden und die Henne hat gesiegt!«

»Ich bringe schlimme Neuigkeiten,« rief der Greif, »der Bär von Esens ist ins Land gebrochen und hat den goldenen Jungfrauenadler geraubt! Das kommt, wenn die faulen Riesen bei den Spielen zusehen, anstatt ihre Pflicht zu tun und das Land zu bewachen!«

»Wir müssen den Bären fangen und ihm seinen Raub wieder abjagen!« rief der stolze preußische Adler. »Wer folgt mir?«

Alle erklärten sich sofort bereit mitzugehen, nur der Pelikan sagte, daß er zu seinen Jungen müsse, und die Henne meinte, Bärenjagd wäre ein sehr dummer Sport. Sie wolle lieber auf ihrem Misthaufen bleiben und Eier legen.

Man machte sich also auf den Weg, die Adler und Greifen flogen in die Luft, Otto und der Postillon ritten auf ihren Schimmeln und der Hirsch und die Löwen und Stiere folgten ihnen. Den Schluß machten die beiden wilden Männer, die wieder ihre Keulen in die Hand nahmen und schrecklich fluchten.

»Wer ist denn der Bär von Esens?« fragte Otto den Postillon.

»Das ist auch ein ostfriesisches Wappentier,« erwiderte dieser, »gerade wie das goldene Adlermädchen. Der Herr Zeremonienmeister hat ihn aber eines Tages vor die Tür gesetzt, um der schönen Jungfrau mehr Platz zu verschaffen. Darüber ist er wütend und hat nun aus Rache das Vogelfräulein samt ihren vier goldenen Sternen geraubt.«

Die Gegend wurde immer felsiger. Mächtige Gießbäche stürzten von den Bergen herab und umgestürzte Tannen und Föhren versperrten den Weg. An einem steilen Abhange mußten viele zurückbleiben, nur die Adler und Greife flogen durch die Lüfte und die beiden Riesen stampften mit ihren langen Beinen über das Geröll weiter. Einer nahm Otto auf die Schultern, der nun hoch hinab auf alle Lande sehen konnte. Er faßte den Riesen an beiden Ohren und hielt sich tüchtig fest, daß er nicht herunterpurzelte.

Der schwarze Adler vom Niederrhein, der voranflog, blieb plötzlich in der Luft stehen, dann ließ er sich mit den andern zur Erde hinab.

»Da ist die Bärenhöhle!« rief er.

Vor einem hohen Felsen lagen auf dem Boden eine Menge Knochen und Schädel herum, Überreste der Mahlzeiten des wilden Bären. Ganz unten war ein niedriger Eingang, aus dem ein tiefes Schnarchen heraustönte. Im Eingang aber lag von innen ein mächtiger Felsblock, und so sehr auch die starken Riesen ihn herauszurollen versuchten, er rührte sich nicht einmal, so daß sie bald von ihrem Vorhaben abstehen mußten. Endlich entdeckte einer der Adler oben noch eine andere Öffnung, es war ein Luftschacht zur Höhle, der aber so schmal war, daß keines der Tiere hindurch konnte, geschweige denn die gewaltigen Riesen.

»Ich will hineinklettern!« erklärte Otto.

»Du?« höhnte ihn der schwarze Greif. »Dich verschlingt der Bär ja mit einem Bissen!«

»Der Bär schläft!« sagte Otto. »Wenn er aufwacht, krieche ich wieder hinaus! Seid nur still und macht nicht zu viel Lärm, daß ihr nicht seinen Schlaf stört!«

Einer der Riesen hob ihn empor und Otto kletterte auf dem Bauch ganz langsam durch den langen, engen dunklen Schacht. Es war sehr unangenehm, da ihm ein scharfer Rauch fortwährend ins Gesicht schlug. Endlich wurde es ein wenig heller, und unter sich sah er zwischen ein paar Steinen ein helles Feuer brennen. Er hielt sich fest, um nicht da hineinzufallen, streckte dann aber den Kopf ein wenig vor, um besser zu sehen. Da erblickte er das Adlerfräulein, das eine große Bratpfanne in der einen Kralle hielt und eine große Schürze trug. Sie hatte einen wunderschönen Kopf mit langen, goldblonden Haaren, auch der Hals war menschlich, sonst aber war sie ein richtiger Adler, nur ganz golden. Otto machte: »Pst, Pst!« Da guckte das Fräulein in die Höhe. Sie bekam einen großen Schreck und ließ beinahe die Pfanne fallen.

»Still!« sagte Otto. »Wir sind gekommen, um dich zu befreien. Hilf mir mal herunter!«

Das schöne Vogelweibchen streckte einen Flügel aus, den faßte Otto rasch an und ließ sich daran herunter.

»Die Adler sind draußen,« sagte Otto, »und die Greifen und die wilden Männer. Sie wollen dich herausholen!«

»Ach Gott!« jammerte das Fräulein. »Der Bär hat ja alles verrammelt, ich werde wohl ewig in dem Loch hier bleiben! – Wer bist du denn eigentlich?«

»Ich bin der Sohn vom Herrn Hoflieferanten Bender,« sagte der Junge, »und heiße Otto!«

»Willst du ein Stück Kuchen haben, Otto?« sagte das Adlerfräulein höflich. »Ich muß für den Bären Honig- und Pfefferkuchen backen, die Pfefferkuchen sind schon fertig. Der gräßliche Vielfraß hat mich nämlich als Mädchen für alles hier angestellt!«

»Wieviel bekommst du denn Lohn?« fragte Otto und aß ein Stück Pfefferkuchen, der ganz vorzüglich war.

»Jeden Tag zwei Ohrfeigen, eine morgens und eine abends,« schluchzte das arme Mädchen. »Manchmal bekomme ich auch zwischendurch noch welche, wenn er schlecht gelaunt ist!«

Sie fing laut an zu weinen und trocknete sich mit den langen goldenen Haaren die Tränen.

Da ertönte von hinten her aus dem andern Räume eine tiefe Baßstimme.

»A – uh – ah – uh!« machte der Bär. »Das nenn ich einen gesunden Schlaf!«

Otto wollte schnell zu dem Luftschacht hinauf, aber es war zu spät; der Zottelbär trat schon ein, es war ein mächtiger schwarzer Bursche, der um den Hals ein breites, silbernes Halsband trug.

»Donnerwetter!« schrie er. »Was ist denn das für ein Lausbub in der Küche?«

»Entschuldigen Sie, Herr Bär,« sagte das Adlerfräulein rasch, »es ist ein kleiner Vetter von mir!«

»So!« höhnte der dicke Bär. »Ein Vetter! Ich habe dir doch ein für allemal gesagt, daß ich bei meiner Köchin keinerlei Vettern dulde! Übrigens wollen wir gleich sehen, ob er wirklich zu deiner Familie gehört.«

Er wandte sich an Otto und fragte ihn:

»Kannst du goldene Sterne legen?«

Der Junge war über diese Frage sehr verwundert und wollte gerade »Nein« sagen. Aber das Vogelmädchen kam ihm zuvor und sagte schnell:

»Jawohl, Herr Bär, er kann sehr schöne goldene Eiersterne legen, noch viel besser, wie ich!«

»So?« sagte der Bär ungläubig. »Na, wir wollen sehen! Ich will gleich etwas Lebertran holen. Aber du, faule Trine, backe inzwischen den Kuchen fertig, ich habe Hunger!«

Kaum war der Bär aus der Höhlenküche herausgewatschelt, so fragte Otto das Adlerweibchen:

»Aber weshalb hast du denn dem Bär gesagt, daß ich goldene Sterne legen könnte? – Ich hab in meinem ganzen Leben noch nie welche gelegt!«

»Pst!« machte das goldene Fräulein, »sei leise! – Ich mußte es sagen, sonst hätte er dich ja gleich aufgefressen. Weißt du, ich kann goldene Sterne legen, wie andere Vögel Eier: da hängen welche.«

Sie zeigte an die Wand, wo an einer Schnur vier wunderschöne goldene Sterne hingen, darauf setzte sie die Kuchenpfanne wieder aufs Feuer und rührte tüchtig darin herum. Otto betrachtete die Sterne, dann schüttelte er den Kopf.

»Hör mal,« sagte er, »das Sternelegen muß sehr unangenehm sein!«

Das Vogelmädchen seufzte.

»Man gewöhnt sich dran!« sagte es. »Aber der Bär ist so habgierig, er möchte am liebsten, daß ich ihm Tag und Nacht goldene Sterne legte! – Deshalb gibt er mir auch immer Lebertran ein. Du wirst auch welchen bekommen!«

»Ich mag aber keinen Lebertran!« erklärte Otto.

Diese letzten Worte hatte der Bär mit angehört, der gerade wieder herein kam, einen Medizinlöffel in der einen und eine große Flasche in der andern Hand.

»Du magst keinen Lebertran, Jüngelchen?« brummte er. »Na, dann bekommst du jetzt gerade noch einen Löffel voll mehr!«

Er schenkte den Löffel bis oben voll, setzte die Flasche auf den Tisch und zog das Adlerfräulein an den Haaren heran.

»Schnabel auf!« rief er, und das arme Mädchen mußte den Mund weit aussperren, während ihr der Bär den ekligen Lebertran hineingoß. Kaum war sie fertig, als der Bär den Löffel wieder füllte und ihr noch einmal zu trinken gab.

»Geh an deine Arbeit!« rief er und lachte. »Und nun kommst du dran, mein Bürschchen!«

Mit diesen Worten faßte er Otto und zog ihn zu sich heran. Er setzte sich auf einen Stein und klemmte den Jungen zwischen die Knie fest.

»Schnabel auf, Herr Vetter!« kommandierte er und schob ihm den vollen Löffel zwischen die Zähne. Otto verzog das Gesicht und kniff den Bären, so arg er konnte, aber das half ihm nichts, er mußte den alten Lebertran herunterschlucken.

»Schmeckts?« höhnte ihn der zottige Kerl. »Lecker, lecker – was?«

Dann flößte er Otto noch einen zweiten Löffel voll ein. Beim dritten aber schmeckte es dem Jungen so scheußlich, daß er hustete und prustete und eine Menge Lebertran verschlabberte. Der Bär leckte sich ganz ruhig die Pfote ab und sagte:

»Zur Strafe kriegst du noch einen vierten Löffel!«

Alles Weinen half Otto nichts, er mußte wahrhaftig auch den vierten Löffel Lebertran herunterschlucken.

»So!« sagte der Bär. »Nun strengt euch beide an! Wenn ihr bis heute Abend um sieben Uhr keine goldnen Sterne gelegt habt, setzts was! Dich, Küchentrine, rupf ich bei lebendigem Leib, dich aber, dummer Junge, freß ich mit Haut und Haaren auf! Merkt euch das! – Und nun laßt mal sehen, was es für mich zu fressen gibt.«

Er nahm die Pfefferkuchen und aß sie auf, einen nach dem andern. Dann verzehrte er auch die guten Honigkuchen, die gerade fertig geworden waren. Otto hätte gern einen mitgehabt, um den Lebertrangeschmack wegzubekommen, aber der Vielfraß ließ kein kleines Stückchen übrig, er schnupperte sogar noch die Krumen auf. Als er alles aufgefressen hatte, mußte ihm das Adlermädchen mit einer Serviette die große Schnauze abwischen, dann rief er:

»Ich bin heute zufrieden mit deiner Backerei, drum sollst du auch einen Kuß kriegen, Trine!«

Damit leckte er dem armen Fräulein mit der langen, rauhen Zunge über das ganze Gesicht.

Dann legte er sich der Länge nach hin, um wieder ein Schläfchen zu machen, während das Vogelfräulein ihm mit den Krallen den zottigen Bauch krabbeln mußte.

»Sing mir ein Liedchen,« befahl er und grunzte laut, so zufrieden war er.

Das goldene Adlerweibchen sing an zu singen:

»Schlafe, liebes, süßes Bärchen,
Sieh, ich kraue dir die Härchen
Auf dem Kopf, dem Hals und auch
Auf der Brust und auf dem Bauch!«

»Brumm, brumm!« quietschte der Bär. »Nicht zu stark, ich bin leicht kitzelig.« Das Vogelfräulein sang weiter:

»Schlafe, kleines Wonnepetzchen
Auf dein Schnäuzchen gibt ein Schmätzchen
Dir ein Schätzchen, aber auch
Auf den Hals und auf den Bauch.«

»Brumm!« grunzte der Bär. »Du singst sehr schön! Nur weiter!«

Das Adlermädchen fuhr fort:

»Bärchen, sollst der Ruhe pflegen,
Und ich will dir Sterne legen:
Einen auf die Brust und auch
Einen mitten auf den Bauch.«

»Das ist schön!« brummte der Bär schon halb im Schlafe. »Streng dich nur recht an, daß die goldenen Sterne hübsch groß werden!«

Das schöne Fräulein scheuchte eine Fliege fort, die sich ihm gerade auf die Nase setzen wollte, dann sang es weiter:

»Schlafe, süßes Zottelriekchen,
Ach, wie schön, du Kolibrichen,
Ist dein Näschen doch, und auch
Öhrchen, Pfötchen, Zottelbauch.

Wenn du schläfst, geliebtes Mäuschen,
Fang die Flöhchen ich und Läuschen
Dir vom Rücken weg und auch
Welche mitten von dem Bauch!

Schlafe, Petzchen, kleines Frätzchen,
Kriegst drei Schmätzchen, süßes Schätzchen,
Zwei aufs Schnäuzchen – – aber auch
Eines mitten auf den Bauch!«

Der Bär schnarchte schon, daß es eine Lust war; es war, als ob neununddreißig Holzarbeiter neununddreißig dicke Tannenbäume durchsägten.

»Weißt du,« sagte Otto leise, »du hast eine ganz nette Stimme, aber wie kannst du dem ekligen Kerl so schrecklich schmeicheln!«

»Ach Gott, ach Gott!« seufzte das arme Adlerweibchen. »Wenn man Mädchen für alles ist!«

»Hast du nicht einen guten Stein?« frug Otto. »Ich will dem Scheusal den Kopf einschlagen!«

»Nein, das geht nicht!« antwortete das Fräulein. »Sein Schädel ist härter als alle Steine!«

Da hörte Otto draußen etwas husten, er trat rasch unter den Luftschacht, um besser zu hören. Einer der Riesen rief so leise er konnte: »Otto!«

»Ja, was gibts,« antwortete der Junge.

»Schläft der Bär?« fragte der Riese.

»Ja, ganz tief!« antwortete Otto.

»Dann schlinge diesen Strick fest durch sein Halsband,« sagte der Riese und ließ durch die Öffnung ein armdickes Seil hinab.

Otto nahm das eine Ende, während der Riese das andere festhielt. Vorsichtig schlich er sich an den Brummbären heran, zog das Ende durch den Halsring, kletterte auf einen Stein und reichte es durch die Öffnung wieder nach oben. Die wilden Männer zogen nun mit einem Ruck, so stark sie konnten, an dem Seile; sie rissen den Bären auf und zogen ihn dicht an die Felswand heran. Das Ungetüm, das so unsanft in seinem süßen Schlummer gestört wurde, schlug wild mit allen vier Tatzen um sich, so daß Otto und das Adlermädchen sich nur mit großer Mühe vor den Hieben retten konnten. Dem armen Fräulein riß er sogar noch eine schöne Feder aus.

Als der Bär sah, daß er überrumpelt worden war, fing er schrecklich an zu schimpfen, aber Otto lachte ihn aus. Er nahm die schönen, goldenen Sterne von der Wand und sprang mit dem Vogelweibchen in den vorderen Raum der Höhle. Dort löste er mit ihrer Hilfe die Ketten, mit denen der Bär den Felsblock, der den Eingang versperrte, befestigt hatte, so daß die Riesen, die mittlerweile den Strick, an dem der Bär zappelte, außen um einige starke Tannen geschlungen hatten, nun den Stein leicht fortrollen und selbst in die Höhle kriechen konnten.

»So, du räuberischer Bär,« sagte der eine, »jetzt bleibst du am Felsen festgebunden, zur Strafe für deine Missetaten! Honigkuchen und andere Leckereien gibts nicht mehr, nur jeden Monat einmal komme ich her und bringe dir einen Sack voll alter Knochen!«

Der Bär jammerte, aber der andere Riese rief:

»Jetzt heißts fasten, Meister Petz! Und du kommst nicht eher wieder los, als bis du dich gründlich gebessert hast.«

»Ich hab mich schon gründlich gebessert und wills auch niemals mehr wieder tun!« wehklagte der Bär.

Die Riesen, die wohl sehr stark, aber auch ziemlich dumm waren, hätten ihm beinahe geglaubt und überlegten schon, ob sie ihn wieder losbinden sollten. Aber Otto lachte laut und rief:

»Laßt euch nur nichts weismachen von dem Kerl! Der machts gerade wie mein Freund, der Jupp Quetschbüdel! Wenn der vom Lehrer in die Ecke gestellt wird, sagt er auch immer gleich, daß er sich schon gebessert habe, aber in Wirklichkeit hat er sich gar nicht gebessert und sagt es bloß so; das weiß ich ganz genau, weil mir der Jupp es selber oft gesagt hat!«

Da ließen ihn die wilden Männer in der Lage drin und gingen hinaus, Otto aber schrieb vorher noch mit Kreide an den Felsen:

»Füttern verboten!«

Die Adler und Greifen und auch alle die anderen Tiere, die unten am Bergabhang warteten, lobten Otto wegen seines Mutes und bedankten sich bei ihm, der Junge mußte eine ganze Menge rechter Krallen und Hufe und Tatzen schütteln. Namentlich der schwarze preußische Adler war sehr froh, weil er das Adlermädchen so gut leiden mochte, und weil es ihm schon ein paarmal geraubt worden war. Er ließ es sich nicht nehmen, Otto selbst zu tragen, und so flog der Junge hoch auf dem stolzen Tiere zwischen den Wolken dahin.

»Wohin soll ich dich bringen?« fragte der schwarze Adler.

»Nach Hause!« sagte Otto. »Ich muß wirklich wieder nach Hause!«

Der Adler schlug mit mächtigen Schwingen die Luft und flog so rasch, daß alle anderen Tiere weit zurückblieben.

»Adieu! Adieu!« riefen sie ihm von fernher zu, und der lustige Postillon tutete zum Abschied in sein blaues Horn. Otto aber winkte ihnen noch lange mit dem Taschentuch nach.

Das Vogelmädchen begleitete sie und als der schwarze Adler durch das Fenster in Ottos Zimmer hineinflog, flog es mit hinein. Otto stieg ab, verabschiedete sich von seinem stolzen Reittier und machte schnell, daß er zu Bett kam. Er war wirklich sehr müde und schlief im ersten Augenblick.

– Aber nach einiger Zeit kitzelte ihm etwas im Gesicht. Er wußte nicht, was es war, und machte ein Auge ein ganz klein wenig auf, da sah er, daß es langes, goldblondes Haar war, das über sein Gesicht fiel und ihn so kitzelte.

»Ach,« dachte er, »es ist sicher das Adlerfräulein, das an meinem Bett sitzt und mir noch etwas Gesellschaft leistet.« Wie er aber die Augen ein wenig weiter aufmachte, da sah er, daß das Vogelmädchen gar keine Flügel und Krallen mehr hatte und auch etwas anders aussah im Gesicht, vielmehr so, wie seine eigene Mama. Da wurde er ganz wach und nun sah er, daß es auch wirklich seine eigene richtige Mama war.

»Nun, Junge, wie geht es dir?« fragte sie ihn. »Bist du wieder gesund?«

»Ja, Mama, ganz gesund!« erwiderte Otto.– »– Aber sag doch mal, wo hast du denn das lange, goldene Haar her?«

»Das hab ich doch immer!« lachte seine Mutter.

»Aber sonst hast du es doch hochgesteckt?« fuhr Otto fort.

»Freilich, lieber Junge,« sagte seine Mama, »aber heute morgen mußte ich gleich, als ich aufwachte, sehen, wie es dir geht, und da wollte ich mir nicht erst die Haare machen!«

»– Mama, du siehst gerad aus wie das Adlerfräulein!« rief Otto.

Aber als sie ihn fragte, wer das denn sei, da sprang er rasch aus dem Bette und erklärte, daß er ihr das jetzt nicht sagen könne, weil es schon so spät sei und er sich eilen müsse, um zurecht zur Schule zu kommen, und daß er es ihr lieber später einmal erzählen wolle.

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Schlüssel
zu dem Märchen vom großen preußischen Wappen

Nachdem Otto zwischen den beiden wilden Männern durchgegangen ist, tritt er ins Wappenland über den Bogen der grünen Rautenbrücke von Sachsen (Feld 7), die an dem klaren Teiche vorbeiführt, auf dem die roten Seeblätter von Engern wachsen (Feld 9), Er gelangt auf die gelben Lupinenfelder von Schleswig (Feld 13) und Lüneburg (Feld 11) und trifft die drei blauen Löwen dieser Lande. Mit dem Lüneburger Herzlöwen geht er an den pommerschen Silberteich (Feld 10), über den ihn der Fischgreif von Usedom trägt. Sie durcheilen die Distelfelder und Drahtzäune Holsteins (Feld 12) und gelangen zu Magdeburgs Pelikan (Feld 14). Hier besteigt Otto den westfälischen Schimmel, der von der roten Erde (Feld 8) herantrabt und trifft etwa in der Höhe von Thüringen (Feld 26) mit dem Postillon von Oranien (Feld 29) zusammen, der auf dem Lauenburger Schimmel (Feld 23) reitet. Beide traben über den großen Friedhof der alten Bischöfe von Paderborn, Pyrmont, Verden, Münster, Minden, Hildesheim, Kammin und Fulda (Felder 32, 38, 34, 35, 37, 39, 40), durch dessen Kreuze und Grabmäler das tollgewordene Rad von Osnabrück (Feld 36) läuft. Endlich gelangen sie auf das weißrote Mannsfeld (Feld 48), wo der Kampf zwischen der Henne von Henneberg (Feld 43) und dem Niederlausitzer Stiere (Feld 28) anhebt. Herolde sind die rotweißen Löwen von Thüringen (Feld 26) und Hessen (Feld 25); das Wettgeschäft macht der weiße Frankfurter Adler (Feld 51). Auf der Tribüne sitzen der Sigmaringer Hirsch (Feld 49), der Nürnberger Löwe (Feld 3), der Mecklenburger Stier (Feld 24), die Adler von Brandenburg, Preußen, Schlesien, Posen, Krossen und vom Niederrhein (Felder 2,1,4,6,22,5) und viele andere Wappentiere. Der wendische Greif (Feld 20) bringt die Kunde, daß der Bär von Esens ins Land gebrochen sei und die ostfriesische Adlerjungfrau (Feld 31) geraubt habe. Unter Führung des stolzen preußischen Adlers machen sich alle zur Verfolgung auf, die über das Blutfeld (Feld 52) geht. Der Adler vom Niederrhein entdeckt die Höhle des Bären, in die Otto trotz des Hohnes des schwarzen kassubischen Greifen (Feld 21) mutig hineinsteigt. Er errettet das Adlermädchen von Ostfriesland und dankbar trägt ihn der preußische Adler selbst nach Hause.

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