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Die Unbezähmbaren

Max Brand: Die Unbezähmbaren - Kapitel 6
Quellenangabe
authorMax Brand
titleDie Unbezähmbaren
publisherVerlag von Th. Knaur Nachf.
yearo.J.
translatorHellmuth Wetzel
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20170530
projectid32f6fa5d
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Fünftes Kapitel.
Drei Dollar – und ein falscher

Dan blickte von Morgan zu Silent und wieder zurück. Er fühlte, daß irgend etwas nicht stimmte, aber er hatte nicht den geringsten Schimmer, was es war. Seit vielen Jahren hatte der alte Cumberland mit großer Geduld ihm die Lehre eingeimpft, daß die schlimmste Versündigung gegen Gott und Menschheit sei, im Streit gegen Mitmenschen die Hand zu heben. Der alte Viehzüchter hatte ihm die Überzeugung beigebracht, daß es genüge, eines anderen Weg nicht zu kreuzen, um selbst unbehelligt zu bleiben. Diese Sittenlehre erschien in sich abgerundet und zufriedenstellend. Wenn Dan die Welt in Frieden ließ, ließ die Welt ihn in Frieden. Dan hatte es geglaubt. Der still dahingleitende Strom seines Lebens hatte niemals das weißschäumende Toben des Zornes gekannt.

Deshalb blickte er sich jetzt betroffen im Kreise um. Sie lachten – sie lachten über ihn – und in der unerfreulichsten Weise. Es war seltsam. Aber es konnte ja keine böse Absicht dahinterstecken. Deshalb antwortete er selbst mit einem allerdings recht unsicheren Lächeln. Morgan holte aus, um ihm ermutigend und kameradschaftlich auf die Schulter zu schlagen, aber Dan wich geräuschlos und gewandt wie eine fliehende Schlange der niederfallenden Hand aus. Er hatte eine tiefe Abneigung gegen die körperliche Berührung mit anderen Menschen. Er haßte sie, wie ein wildes Pferd den Schatten des fliegenden Lassos haßt.

»Nur ruhig Blut, Kamerad,« sagte Morgan, »die Burschen führen nichts Böses im Schilde. Der Große da allerdings ist beträchtlich aus dem Häuschen, aber das wird nur dazu führen, daß er selbst seinen Sombrero gegen Euch verwetten wird, wenn die Sache mit dem Schießen perfekt wird.«

Er wandte sich an Silent.

»Da seht her, Nachbar!« sagte er. »Das ist der Mann, von dem ich erzählt habe, dessen Kugeln vier Dollars aufspießen, eh' sie zu Boden fallen. Ich denke, Ihr könnt Euch nicht vorstellen, daß so etwas möglich ist, was?«

»Der da?« sagte Silent mit allen Anzeichen des Abscheus. »Schickt ihn zu seiner Mama heim, eh' einer von uns Hackfleisch aus ihm macht. Du lieber Himmel! Noch nicht mal 'n Schießeisen hat er.«

Morgan machte eine Pause, die dazu bestimmt war, seinen folgenden Worten mehr Eindruck zu geben.

»Fremder,« sagte er, »ich habe immer noch so rund Stücker fünfhundert Dollar in meiner Kassenschublade, und jeder einzelne Cent brüllt laut, daß Dan fähig ist, zu tun, was ich gesagt habe.«

Silent besann sich einen Augenblick. Seine Moral war reichlich weitherzig, aber es ging ihm doch gegen den Strich, einen Trunkenen oder Verrückten zu übervorteilen. Indessen! Fünfhundert Dollar sind immerhin fünfhundert Dollar! Dazu kam, daß das hübsche Bürschchen, das eben eine Demütigung von Hal Purvis ohne weiteres hingenommen hatte und über seine eigene Schande jetzt auch noch töricht lächelte, tatsächlich die Frechheit besessen hatte, den Roten Peter zu reiten. Die Erinnerung daran machte Silent wütend.

»Morgan,« sagte er, »ich habe fünfhundert Dollar, die ich gegen Euren Einsatz setze.«

»Er muß dir was vorgeben, Morgan,« sagte eine Stimme in der Menge, »nämlich ...«

Ein Blick von Silent genügte, um den Ratgeber verstummen zu lassen. Danach war kaum noch ein lautes Wort zu vernehmen. Der Einsatz war groß. Die allgemeine Aufregung veranlaßte die Leute, bei jedem Wort die Stimme zum Flüstern zu senken. Morgan fuhr sich mit der Zunge über seine trocken und blutlos gewordenen Lippen.

»Ihr seht, daß ich keinen Revolver mit mir herumzuschleppen pflege«, sagte Dan. »Kann mir jemand einen leihen?«

Jeder Revolver, der im Hause war, war augenblicklich zu seiner Verfügung. Alle waren sie von Herzen geneigt, Dan wegen des vorausgegangenen Vorfalls mit Purvis zu verachten; aber da er mutig genug schien, das Unmögliche zu unternehmen, wollten sie ihm helfen, soweit es in ihren Kräften stand. Er nahm die Revolver, die ihm gereicht wurden, nacheinander in die Hand, prüfte den Mechanismus und gab sie zurück. In seinen Fingerspitzen schien ein sechster Sinn zu sitzen, der ihn über Wert und Unwert der Waffe, die er gerade in der Hand hielt, unterrichtete.

»Hübscher Revolver,« sagte er zu dem ersten Mann, dessen Waffe er entgegennahm, »aber ich habe nichts übrig für einen so schweren Lauf. Es ist mindestens eine Unze zuviel Gewicht im Lauf.«

»Was soll das heißen?« fragte der Cowboy. »Ich habe das Schießeisen jetzt schon so ziemlich acht Jahre lang mit mir herumgeschleppt.«

»Tut mir leid«, sagte Dan und ging zum nächsten. »Aber ich kann mit einem Revolver, der vorne Übergewicht hat, nichts ausrichten.«

Den nächsten Revolver gab er beinahe augenblicklich seinem Eigentümer zurück.

»Was ist mit dem Ding los?« fragte der Besitzer beleidigt.

»Das Magazin dreht sich zu schwer«, war Dans unwiderrufliche Entscheidung. Und gleich darauf hieß es bei einem anderen: »Schlechter Kolben! Liegt nicht gut in der Hand.«

Bei Jim Silents Revolvern besann er sich länger als bei allen anderen, gab sie schließlich aber doch zurück. Der riesige Mann schnitt ein finsteres Gesicht.

Dan blickte ihn mit einem Ausdruck sanfter Überraschung an: »Seht Ihr,« erklärte er gelassen, »man muß mit einem Revolver umgehn wie mit einem Pferd. Wenn man ihn nicht gut behandelt, läßt er einen im Stich. Das ist meine ganze Weisheit. Euer Revolver ist nicht gerade besonders sauber gehalten, Fremder, und ein Schießeisen, das nicht instand gehalten wird, hat seine besonderen Tücken.«

Silent warf einen Blick auf seine verschmähten Waffen, fluchte leise vor sich hin und schob beide wieder in die Halfter zurück.

»Lee,« raunte er zu Haines hinüber, der neben ihm stand, »weißt du, was er damit gemeint hat? Meinst du nicht auch, daß er was Besonderes im Schilde führt und daß er sich deshalb so anstellt wie irgend so ein verdammtes Weibsbild?«

»Ich weiß auch nicht«, sagte Haines sehr ernst. »Macht mir einen verqueren Eindruck, der Bursche

– gewissermaßen anders als gewöhnliche Leute

– verdammt anders – Chef.«

Inzwischen hatte Dan zwei Revolver gefunden, die ihm zusagten. Er ließ sie in der Hand herumwirbeln, versuchte abwechselnd den Mechanismus und erklärte dann, daß er bereit sei. In allgemeiner Grabesstille schritt ein Mann die zwanzig Meter Distanz ab.

Dan stand mit dem Rücken gegen die Schußrichtung, ließ die Revolver leicht durch die Hand gleiten und lächelte auf sie hinunter, als ob sie für eine Liebkosung Empfindung und Verständnis hätten.

»Wie fühlt Ihr Euch, Dan?« fragte Morgan besorgt.

»Rundherum glänzend«, antwortete er.

»Wird's Euch irgendwie schwach zumute?«

»Nein, mit mir ist alles in Ordnung.«

»Nur ruhig Blut, Kamerad!«

»Ruhig Blut? Seht meine Hand an!«

Er streckte den Arm aus. Auch nicht das leiseste Beben war wahrzunehmen.

»Allright, Dan, wenn Ihr schießt, dann denkt daran, daß ich jeden Heller, den ich besitze, auf Euch gesetzt habe. Jetzt holt der Fremde seine vier Dollar heraus.«

Silent stellte sich an den ihm zugewiesenen Platz. Er hielt vier Dollar in der Hand.

»Seid Ihr bereit?« rief er.

»Schießt immer los!« sagte Dan. Er schien nicht im geringsten erregt.

Jim Silent warf die Münzen in die Luft. Er tat dabei alles, um seine Aussichten soviel wie möglich zu verbessern. Eine geschickte kleine Bewegung der Finger versetzte jede Münze in Rotation. Man sah nichts als einen kleinen wirbelnden Lichtfleck. Und er warf sie hoch in die Luft, denn es war anzunehmen, daß der Pfeifende Dan warten würde, bis sie wieder auf dem Weg zum Boden waren. Je höher sie geworfen wurden, desto rascher mußten sie ja in dem Augenblick fallen, wo sie in die Visierlinie des Schützen kamen.

Ein allgemeiner Schrei verkündete, daß die Münzen in der Luft waren. Dan wirbelte auf dem Absatz herum. Die Zuschauer hörten einen Revolver krachen. Sie hatten den Eindruck, als habe Dan geschossen, noch ehe er sich vollständig herumgedreht hatte. Jedenfalls aber stieg eine der Münzen nicht mehr weiter in die Höhe. Man hörte ein leises Klingen, und sie schwirrte ein paar Dutzend Schritte zur Seite. Zwei weitere Schüsse verschmolzen beinahe zu einem. Zwei weitere Dollars schwirrten als blinkende Lichtstreifen zur Seite. Eine Münze war noch im Fallen begriffen. Aber als sie noch einige Zoll von der Erdoberfläche entfernt war, bellte wieder ein Revolver, und der vierte Dollar prallte seitwärts in den Staub. All das geschah viel rascher, als es sich beschreiben läßt. In Wirklichkeit nahmen die sämtlichen vier Schüsse noch nicht einmal den Zeitraum einer Sekunde in Anspruch.

»Der letzte Dollar«, sagte Dan – seine sanfte Stimme war das erste, was in dem allgemeinen Schweigen laut wurde, »hat nichts getaugt. Er hat nicht den richtigen Klang gehabt. War er gefälscht?«

Niemand schien die Bemerkung gehört zu haben. Die Männer stürmten in wildem Getümmel dahin, wo die Dollars niedergefallen waren. Sie fischten im Staub nach den Geldstücken und kamen mit gepuderten Gesichtern und grau bestäubten Kleidern wieder zum Vorschein, um sofort über die Beute miteinander ins Gefecht zu geraten. Diese Dollarstücke mit ihren sauber gebohrten runden Kugellöchern, an denen noch die Metallspäne hingen, waren die einzigen Beweisstücke für eine Geschichte, die in späteren Zeiten auch der Leichtgläubigste lachend oder verächtlich zurückweisen würde, solange man ihm das Schußloch nicht unter die Nase hielte. Ein Cowboy bot zehn Dollar für eine dieser Reliquien, aber keiner war bereit, sich von seiner Eroberung zu trennen.

Gleich nach den vier Schüssen trat Dan gelassen zur Seite und gab die beiden Schießwaffen ihren Eigentümern wieder zurück. Der eine von ihnen griff danach, ohne weiter darauf achtzuhaben. Er war von der Jagd auf eines der durchschossenen Geldstücke zu sehr in Anspruch genommen. Der zweite Cowboy nahm seine Waffe beinahe ehrfürchtig aus Dans Händen entgegen.

»Besten Dank«, sagte Dan. »Und ich wünsch' Euch, daß Ihr immer Glück mit dem Ding habt.«

»Glück?« sagte sein Gegenüber. »Das will ich meinen, daß ich damit Glück haben werde. Ich werde die Donnerbüchse einölen und sie daheim unter einen Glassturz legen, und wenn ich einmal Enkel habe, da werd' ich ihnen das Ding zeigen und erzählen, was in früheren Tagen die Leute geleistet haben. Wir wollen hineingehen und einen auf meine Kosten trinken.«

»Nein, danke«, antwortete Dan. »Ich trinke nichts.«

Er zog sich in den äußersten Kreis der Umstehenden zurück und kreuzte die Arme über der Brust. Er schien plötzlich nicht mehr zu all diesen Leuten zu gehören.

Statt der früheren Stille tobte jetzt ein Sturm von Flüchen, Zurufen und Gebrüll. Durch Zufall trafen sich Jim Silent und seine drei Gefolgsleute inmitten der Menge.

»Großer Gott!« flüsterte Lee Haines mit einer Stimme, in der sich tatsächlich eine Art von Entsetzen verriet. »Das war nicht mehr menschlich! Habt Ihr's gesehen? Habt Ihr's gesehen?«

»Bin ich blind?« fragte Hal Purvis. »Und wenn man bedenkt, daß ich hingegangen bin und diesen gefährlichen Burschen geschuhriegelt hab' wie einen kleinen Schuljungen. Mensch, ich sag' dir, so nah am unverdienten Grab hab' ich mein Leben lang noch nicht gestanden. Und dabei bin ich, weiß Gott, einige Male in einer bösen Klemme gewesen. ›Der letzte Dollar taugte nichts! Er hat nicht den richtigen Klang gehabt‹, sagte er, wie er fertig ist! Ich hab' in meinem Leben keine solche Kaltblütigkeit gesehen.«

»Du bist verflixt auf dem Holzweg«, sagte Silent. »Nach der Scheibe schießen kann zur Not auch ein Weibsbild, aber es gehört 'ne verdammt andere Kaltblütigkeit dazu, auf einen Menschen zu schießen. Und der Kerl ist feig bis ins Mark.«

»Ist er das?« knurrte Bill Kilduff. »Well, ich möchte ihm nicht überraschend über den Hals kommen, daß er die Fassung verliert. Der holt aus einem gewöhnlichen Sechsschüssigen so viel heraus wie aus einem Maschinengewehr. Und außerdem hat er mit dem letzten Dollar recht gehabt. Es war reines – Blei!«

»Allright, Haines«, sagte Silent. »Du kannst jetzt jederzeit losreiten, und der Rest folgt so, wie ich's gesagt habe. Ich geh' als letzter hier weg. Ich habe noch 'ne kleine Rechnung mit dem Küken abzumachen.«

Aber Haines starrte unverwandt den Weg hinunter.

»Ich geh' hier noch nicht weg«, sagte er. »Seht mal!«

Er wandte sich zu einem der umstehenden Cowboys.

»Wer ist das Mädel, das die Straße langgeritten kommt, Nachbar?«

»Diese Schürze? Das ist Kate Cumberland – das Mädel von dem alten Joe.«

»Der Name gefällt mir«, sagte Haines. »Sie sitzt im Sattel wie ein Mann.«

Kates Pony hatte sich eingebildet, irgend etwas auf dem Weg zu sehen und einen jähen Seitensprung gemacht. Sie hatte der plötzlichen, heftigen Bewegung elegant und elastisch nachgegeben. Ihr Reittier hielt mit der Plötzlichkeit, die dem Cowboypony eigentümlich ist, vor der Kneipe an, und sie war aus dem Sattel geglitten, ehe Morgan herbeieilen konnte, um ihr zu helfen. Sogar Lee Haines, der weitaus rascher war, war zu spät gekommen.

»Tut mir leid, daß ich zu spät gekommen bin«, sagte Haines. »Soll ich Euer Pferd anbinden?«

Der rasche Ritt hatte Farbe in Kates Gesicht gebracht, und alle Geister des Frohsinns tummelten sich in ihren Augen. Sie lächelte zu ihm empor, und als sie ablehnend den Kopf schüttelte, blieb ihr Blick – es war verzeihlich – einen Augenblick auf seinem angenehmen Gesicht haften. Eine braune Locke fiel ihm tief in die Stirn. An offene und aufrichtige Bewunderung war sie gewöhnt. Aber daß ihr jemand derart vom Fleck weg den Hof machte, war ein neues Erlebnis. Sie mußte noch immer lächeln, als sie Morgan anredete:

»Ihr habt meinem Vater gesagt, daß die Boys ihre Revolver zu Hause lassen würden.«

Morgan verlor etwas die Fassung.

»Ja, es scheint, daß sie alle ihre Revolver bei sich haben«, sagte er hilflos. Sein Auge glitt über die waffenstarrende Versammlung, haftete an den drohenden Gestalten von Hal Purvis und Bill Kilduff und ganz besonders an Jim Silent, der einen Kopf größer war als alle übrigen. Jim hielt sich etwas im Hintergrund. Aber die verächtliche und herausfordernde Miene, mit der er den Pfeifenden Dan unverwandt anstarrte, beherrschte die ganze Szene.

»Es ist doch klar,« sagte Morgan, »zehn Männer hätten alle Hände voll zu tun, um der Bande hier die Revolver abzunehmen. Seht sie Euch doch an.«

Sie warf einen Blick auf die Leute, die sich um sie drängten, und zuckte zusammen. Sie hatte Dan gesehen.

»Wie ist er hierhergekommen?«

»Ach, Dan?« fragte Morgan. »Mit dem ist alles in Ordnung. Der hat just eben die feinste Nummer im Schießen geleistet, die ich je miterlebt hab'.«

»Aber er hat meinem Vater doch versprochen ...« begann Kate und brach dann errötend ab.

Hatte ihr Vater recht mit dem, was er über Dans Charakter behauptet hatte? Dann mußte der heutige Tag der kritischste in Dans Leben werden! Er befand sich mitten unter Leuten, die Waffen trugen! Wenn in seinem Charakter irgendeine verborgene Wildheit versteckt lag, mußte sie heute ans Licht kommen. Kate war beinahe froh darüber, daß der Tag der Prüfung endlich gekommen war.

Sie sagte: »Wie wird das mit den Revolvern, Mister Morgan?«

»Wenn Ihr wollt, daß man sie sammelt und für 'ne Weile unter Verschluß nimmt, werde ich tun, was ich kann, um Euch zu helfen«, erbot sich Lee Haines.

Ihr dankendes Lächeln brachte sein Blut in Wallung. Sein Blick verweilte etwas zu lang und zu warm auf ihr. Und sie errötete leicht.

»Miss Cumberland,« sagte Haines, »darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Lee.«

Sie zauderte. Die Manieren, die man ihr in ihrer Schule im Osten beigebracht hatte, verboten es ihr, aber sie war ein Kind des Westens, und ihr Instinkt war stärker und echter als die angelernte Erziehung: Sie streckte ihm die Hand hin.

»Ich freue mich sehr, Sie kennenzulernen, Mr. Lee.«

»Allright, Fremder«, sagte Morgan. Er war die ganze Zeit über von einem Bein aufs andere getreten und hatte sich ausgemalt, wie kläglich unter Umständen der Versuch, den Leuten die Waffen abzunehmen, scheitern konnte. »Wenn Ihr mir helfen wollt, all die Schießeisen einzufangen, dann wollen wir jetzt mit dem Zusammentreiben beginnen.«

Kate ging mit den beiden. Die Revolver wurden ihnen ohne alle Schwierigkeiten ausgeliefert. Ein Blick aus Lee Haines stählernen, blauen Augen wirkte besser und rascher als alle Überredungskünste.

Schließlich kamen sie zu Jim Silent. Der starrte Haines gerade ins Gesicht. Dann zog er langsam seine beiden Revolver aus ihren Halftern und reichte sie seinem Kameraden; seine Augen glitten dabei zu Kate hinüber, und er sagte eisig: »Lady, ich hoffe, ich bin nicht der letzte, der Euch beglückwünscht.«

Sie verstand die Bemerkung nicht, aber Haines wurde rot und machte ein finsteres Gesicht. Alles strömte jetzt wieder in die Kneipe. Auch Dan wurde mitgezogen. Und nur Lee Haines blieb draußen mit Kate zurück. Sie hatte ihn mit einer Bewegung zurückgehalten.

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