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Die Unbezähmbaren

Max Brand: Die Unbezähmbaren - Kapitel 22
Quellenangabe
authorMax Brand
titleDie Unbezähmbaren
publisherVerlag von Th. Knaur Nachf.
yearo.J.
translatorHellmuth Wetzel
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20170530
projectid32f6fa5d
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Einundzwanzigstes Kapitel.
Nur ein Ausweg

Am Abend des Tages, der auf Calders Tod folgte, saß Jim Silent mit Kilduff, Rhinehart und Jordan in dem alten Haus, das früher einem Manne namens Salton gehört hatte, und das jetzt der Bande als Rastplatz diente. Purvis war unterwegs. Das lange Ausbleiben von Lee Haines beunruhigte die Bande, und Purvis sollte nach ihm Ausschau halten. Verschiedentlich hatten sie den Versuch gemacht, Kate zu überreden, ihnen Gesellschaft zu leisten. Sie hatte sich geweigert und hielt sich in dem Zimmer eingeschlossen, das ihr bei der Ankunft zugewiesen worden war. Um die Zeit zu vertreiben, zog Kilduff eine Mundharmonika aus der Tasche und begann eine wehleidige Ballade. Aber mitten drin brach er ab und starrte nach der Tür. Die anderen folgten der Richtung seines Blickes. Im Türrahmen stand Black Bart. Sein zottiger Körper zeichnete sich als scharfe Silhouette gegen den Abendhimmel ab. Fluchend sprangen alle von ihren Sitzen. Rhinehart zog den Revolver heraus.

»Wart' mal 'nen Augenblick«, befahl Silent.

»Verdammt!« rief Jordan. »Siehst du denn nicht, daß das der Wolf des Pfeifenden Dan ist? Wenn das Biest hier ist, kann Dan nicht weit weg sein.«

»Wenn der Wolf erschossen werden soll, dann laß Hal Purvis das Vergnügen. Dem wässert schon lang der Mund danach. Und der Pfeifende Dan ist nicht mit bei dem Wolf«, sagte Jim Silent. »Sieh mal, er hat 'nen Weiberhandschuh im Maul. Denke, den hat er in den Weiden damals aufgelesen und ist dem Mädel damit nachgetrottet. Jetzt schaut ihn mal an!«

Der Wolf glitt geduckt durch das Zimmer. Vor der Tür zu Kates Raum machte er halt. Kate öffnete – schrie auf, als sie Black Bart erblickte. Das Tier ließ den Handschuh fallen, und sie bückte sich hastig danach.

»Kein Grund zur Aufregung«, sagte Silent. »Der Pfeifende Dan kommt seinem Köter nicht nach.«

Kate warf wortlos die Tür ins Schloß.

Gerade eben kam Purvis nach Hause. Er ging schnurstracks auf Silent zu, stemmte die Arme in die Hüften und blickte ihm herausfordernd in die Augen. Ein verblüffend unangenehmes Lächeln zeigte sich in seinem Gesicht.

»Well,« sagte Jim, »was ist los? Was gibt's Neues? Die Blicke, die du schmeißt, Hal, sind zwar vielsagend, aber ohne Worte komm ich doch nicht aus.«

»Neues? Neues? Verdammnis!« sagte Purvis. »Haines ...«

»Was ist mit ihm?«

»In Elkhead is' er!«

»Elkhead?«

»Der Pfeifende Dan hat ihn in Morris' Kneipe erwischt und ihn mit Tex Calders Leiche zusammen nach Elkhead geschafft. Jim, für das mußt du uns allen Rede und Antwort stehn. Du bist mit Lee zu Morris gegangen. Du hast dich gedrückt und hast ihn dort sitzen lassen. Du bist dran schuld, daß der verflixte Dan ihn am Kragen gekriegt hat!«

»Recht so, Purvis«, sagte Kilduff. Man hörte seine Zähne zusammenschlagen. »Ist das sauberes Spiel?«

»Boys,« sagte Silent mit Nachdruck, »wenn ich gewußt hätte, daß der Pfeifende Dan dort im Hause ist, ich hätte niemals Haines allein zurückgelassen. Morris hat mir nicht ein Wort gesagt, daß Tex Calder nicht allein war. Ich war mit Haines im ersten Stock oben, und just wie's Abendbrotzeit wird, kommt der Kerl herauf und erzählt uns, daß Tex Calder eben unten zum Essen hereingekommen ist. Das war alles. Hat der Pfeifende Dan Lee von hinten angegriffen?«

»Keine Rede davon! Wie's zum Schießen gekommen ist, war Dan so flink, daß Lee seine Kugel weg hatte, ehe noch sein Revolver recht aus dem Halfter war.

»Der Kerl, der dir das erzählt hat, hat gelogen«, sagte Silent. »Haines ist mit dem Schießeisen beinah so fix, wie ich selbst – beinah.«

Die übrigen tauschten ein vielsagendes Kopfnicken.

Purvis kümmerte sich nicht um die Unterbrechung: »Wie ich die Geschichte von dem Kampf heraus hatte, macht' ich mich auf den Weg nach Elkhead«, fuhr er fort. »Ich war fünf Meilen von der Stadt, da treffe ich Rogers, den Untersheriff von Elkhead. Ich hab' mir immer eingebildet, du wärst mit dem Kerl im Reinen?«

»Verdammt, und ob ich's war! ... Läßt er uns jetzt aufsitzen?«

»Ein frostiger Dezembermorgen ist nichts gegen die Art, wie der Kerl geredet hat.«

»Laß all das Geschwätz«, unterbrach Rhinehart, »und sag' uns endlich, ob Rogers imstande sein wird, Haines die Lyncher vom Hals zu halten.«

»Für ein paar Tage, sagt er, ist von Lynchgericht nicht die Rede,« sagte Purvis, »aber die ganze Gegend steht auf, sämtliche Viehzüchter auf Meilen im Umkreis sitzen im Sattel und sind nach Elkhead unterwegs. Sie möchten den berüchtigten Lee Haines mal zu Gesicht kriegen. Rogers sagt, wenn erst mal genug zusammen sind, dann werden sie die Justiz in eigene Hände nehmen, und dann kann nichts mehr sie halten.«

»Warum hat der stinkige Hund, der Rogers, Haines nicht längst eine Gelegenheit gegeben, auszukneifen?« fragte Silent. »Haben wir ihm nicht immer getreulich einen Anteil zugewiesen, seitdem wir hier in der Gegend arbeiten?«

»Er hat's nicht riskieren wollen«, sagte Purvis. »Er sagt, die Leute führen schon verdammt hitzige Reden. Es kribbelt ihnen schon allen in den Fingern. Sie haben vor dem Gefängnis eine Wache aufgestellt und erklärt, wenn Haines ausreißt, werden sie Rogers aufknüpfen. Sie sind alle wie rasend, weil Tex Calder erschossen worden ist, Jim! Der alte Saunderson hat fünftausend aus seiner eigenen Tasche gegeben, um die Belohnung, die auf deinen Kopf gesetzt ist, zu erhöhen.«

»Und der Pfeifende Dan?« sagte Silent. »Aus dem machen sie wohl schon einen regulären Helden?«

»Rogers sagt, auf zehn Meilen in der Runde sprechen sie nur von Dan. Keine zwei Tage, und er ist in der ganzen Gegend berühmt. Wie er nach Elkhead gekommen ist, hat er sich was Feines geleistet. Du weißt ja auch, daß fünftausend für die Ergreifung von Haines ausgeschrieben sind. Rogers hat sie ihm angeboten. Was denkst du nun, das Dan getan hat? Den Scheck in die Tasche geschoben? Kein Gedanke dran! Er erwischt ihn und reißt ihn in tausend Fetzen. Sagt er: ›Ich will kein Blutgeld.‹«

»Nein,« sagte Silent, »der ist nicht hinter Geld her – der ist hinter mir her.«

»Morgen wird Calder beerdigt. Und am Tag drauf, kannst du sicher sein, ist Dan wieder auf unserer Fährte – und wieder allein, wie immer. Rogers hat ihm ein Fahndungskommando angeboten. Aber er wollte nicht.«

»Damit kommen wir nicht weiter«, knurrte Bill Kilduff. »Das einzige, worauf 's ankommt, ist, wie wir Haines loskriegen. Silent, das ist deine Sache. Du bist weggeritten und hast ihn in der Patsche sitzen lassen.«

Silent warf einen Blick auf den Kreis der Gesichter, die ihn wartend anstarrten, dann nickte er:

»'s ist meine Sache. Laßt mich mal nachdenken.«

Er begann im Zimmer hin und her zu wandern und murmelte leise vor sich hin. Schließlich blieb er stehen.

»Boys, es gibt ein Mittel, mit dem man's zuwege bringt! Wenn man einen Kerl zum Narren machen will, dann gibt's nichts Besseres als eine Weiberzunge. Ich werd' mit dem Mädel da, mit Kate, aus dem Pfeifenden Dan einen kompletten Idioten machen.«

»Du lieber Himmel! Wie willst du denn das Mädel dazu bringen, daß sie sich nach Dan auf die Suche macht und mit ihm redet?« fragte Rhinehart.

»Sonny,« antwortete Silent, »du hast just 'nen gewaltigen Fehler – du redest 'nen mächtigen Haufen zuviel. Wenn ich's zustande gebracht hab', dann werd' ich Euch erzählen, was ich mir ausgeknobelt habe.«

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