Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Max Brand >

Die Unbezähmbaren

Max Brand: Die Unbezähmbaren - Kapitel 16
Quellenangabe
authorMax Brand
titleDie Unbezähmbaren
publisherVerlag von Th. Knaur Nachf.
yearo.J.
translatorHellmuth Wetzel
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20170530
projectid32f6fa5d
Schließen

Navigation:

Fünfzehntes Kapitel.
Kreuzwege

Als Black Bart, dem Pfiff seines Herrn gehorchend, davonraste, kam Kate aus ihrer Betäubung wieder zu sich und rannte schluchzend ihm nach. Sie rief laut nach Dan, aber Silent sprang ihr nach und packte sie am Arm. Sie schrie auf und versuchte vergeblich, sich aus seinem Griff zu befreien.

»Folgt ihm nicht!« rief Silent seinen Leuten zu. »Das ist ein Hund, der sogar noch beißen kann, wenn er davonläuft. Ruhig, Mädel!«

Lee Haines packte Silent bei der Schulter und riß ihn herum. Seine Hand krampfte sich um den Kolben seiner Waffe. Sein Arm zitterte, so sehnlichst wünschte er, sie herauszureißen und abzufeuern.

»Nimm deine Hand von dem Mädel, Jim!« sagte er.

Silent starrte ihn nicht minder wütend an. Auch seine Hand fuhr nach der Hüfte. Mit der Linken hielt er noch immer Kates Handgelenke umspannt.

»Nicht auf deinen Befehl, Lee!«

»Verdammt! Laß das Mädel los!«

»Bei Gott, Haines, ich hab' mir schon zu viel von dir gefallen lassen!«

Aber keiner nahm die Waffe heraus. Sie wußten beide, daß sie es mit dem Leben bezahlen würden. Bill Kilduff sprang zwischen sie und stieß sie auseinander.

»Haben wir nicht schon genug auf dem Hals, daß wir uns noch gegenseitig in die Haare geraten müssen?« rief er. »Terry, Jordan ist durch den Arm geschossen.«

Kate zerrte an dem Arm, der sie festhielt. Sie wollte nicht fliehen, sie wollte nur an Haines herankommen.

»Ist das Eure Freundschaft?« rief sie. Ihre Stimme erstickte fast vor Leid und Haß. »Mich hierherzubringen, weil ihr einen Köder für Dan brauchtet? Jetzt hört zu! Alle miteinander! Dan ist euch entwischt und er wird zurückkommen! Denkt an ihn! Denn er wird euch nicht vergessen!«

»Hörst du das?« sagte Silent zu Haines. »Und diese Furie soll ich loslassen?«

»Silent,« sagte Haines, »du hast nicht bloß das Mädel hinters Licht geführt. Du hast mich gemein hereingelegt, und früher oder später wirst du dafür bezahlen!«

»Tag oder Nacht, Sommer oder Winter, ich bin bereit, es mit dir auszufechten. Rhinehart und Purvis, schafft das Mädel ins Lager. Ich hab' mit Lee noch zu reden.«

Die anderen gehorchten wortlos. Der Führer blieb mit seinem Leutnant allein zurück. Sie starrten sich an. Dann schob sich Silent langsam vor und streckte die Hand aus.

»Lee,« sagte er mit ruhiger Stimme, »ich bin dir 'ne Abbitte schuldig. Und ich bin Manns genug, es zuzugeben.«

»Ich kann deine Hand nicht nehmen, Jim.«

Silent besann sich.

»Denke, du hast triftigen Grund, wild auf mich zu sein, Lee«, sagte er. »Kann sein, ich hab's zu eilig gehabt, einen Trumpf auszuspielen. Es ist mir nicht im Traum eingefallen, dir einen gemeinen Streich zu spielen. Das einzige, was ich gesehen hab', war, daß ich auf diese Art den Pfeifenden Dan aus der Welt schaffen könnte. Deshalb griff ich zu dem Mittel, ohne daran zu denken, daß du dich für das Mädel verbürgt hast.«

Haines musterte seinen Führer aufmerksam.

»Wollte Gott, ich könnte deine Gedanken lesen,« sagte er schließlich, »aber ich bin bereit, dein Ehrenwort dafür anzunehmen, daß du es getan hast, ohne nachzudenken.«

Seine Hand streckte sich zögernd der Silents entgegen.

»Und was soll jetzt aus dem Mädel werden, Lee?«

»Ich will sie zu ihrem Vater zurückschicken. Es ist keine große Sache, ihr den richtigen Weg zu zeigen.«

»Siehst du denn nicht ein, daß das nicht geht?«

»Jim! Willst du dich über mich lustig machen?«

»Ich rede zu dir, wie wenn ich's selbst wäre. Wenn wir das Mädel loslassen, rennt sie mit unserem Steckbrief hin und hetzt uns die ganze Gegend auf den Hals.«

Haines starrte stumm vor sich hin.

Silent fuhr fort: »Und da wir sie nicht loslassen können, bleibt uns nur eins übrig – sie mit uns zu schleppen.«

»Weißt du keinen anderen Ausweg? Auf Ehre?«

»Weißt du einen?«

»Sie kann ja versprechen, den Mund zu halten?«

»Kann ein Leopard versprechen, ein anderes Fell zu bekommen, Lee? Es gibt kein Mittel, ein Frauenzimmer zum Schweigen zu bringen.«

»Wie können wir denn ein Mädel mit uns schleppen?«

»Es ist ja nicht für lang. Wenn wir die Geschichte am achtzehnten gelandet haben, werden wir uns ohnehin nach Süden verziehen müssen. Dann können wir sie laufen lassen.«

»Und es wird ihr kein Haar gekrümmt, solange sie bei uns ist?«

»Hier hast du meine Hand darauf, Lee.«

»Und wie kann sie mit uns reiten?«

»Ich habe schon daran gedacht. Ich hab' von Elkhead 'ne neue Ausstattung für Purvis mitgebracht – Hosen, Gamaschen, Hemden und alles übrige. Purvis ist klein gebaut. Das Zeug wird dem Mädel passen.«

»Weißt du wirklich keinen anderen Weg, Jim?«

»Ich überlass' es dir selbst, zu entscheiden. Der Himmel weiß, daß ich keinen Wert darauf lege, mit einem Weiberrock herumzuziehen.«

 << Kapitel 15  Kapitel 17 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.