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Die Totenhand

Dumas-Le Prince: Die Totenhand - Kapitel 22
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typefiction
authorDumas-Le Prince
titleDie Totenhand
publisherDumas-Le Prince
translatorK. Walther
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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Zweiter Band.

I. Das Kolosseum.

Das berühmte Amphitheater, in welchem einst zur Belustigung der Römer die Martern der Christen stattfanden, scheint den Namen, unter welchem man es seit einigen Jahrhunderten bezeichnet, von einer riesigen Statue Neros angenommen zu haben, die am Fuße dieses Gebäudes errichtet war.

Benedetto erstieg die Stufen, welche zu den Trümmern der kaiserlichen Tribüne führen und ließ von dort seine Blicke über das weite Amphitheater schweifen, als ob sein Auge die Dunkelheit zu durchdringen vermöchte, welche die Nacht hervorrief und die sich über die Trümmer des römischen Prunkes gelagert hatte.

An den Orten, welche der Mond minder hell beschien, glänzten einige Fackeln in dem Mittelpunkte kleiner Gruppen von Kunstliebhabern, denen ein Cicerone den Bau des prachtvollen, im Verfall begriffenen Gebäudes erklärte. Der Sohn Villeforts stieg die Estrade hinab, welche zu der kaiserlichen Tribüne geführt hatte und vermied dabei das Zusammentreffen mit jenen Gruppen Neugieriger, indem er sich mitten durch die Ruinen hindurch jenem Teile zuwendete, welcher Zirkus der Tiere genannt wird und jetzt ganz verödet zu sein schien. Der Schall von Schritten machte indes, daß er stehen blieb und sich im Schatten einer riesigen Säule verbarg.

Bald darauf zeigte sich ein Mensch, in einen braunen Mantel gehüllt, den Augen Benedettos, beleuchtet durch einen der matten Strahlen des Mondes. Dieser Mensch hatte die Augen auf die rötliche und flackernde Flamme eines der Cicerone gerichtet, die in einer geringen Entfernung brannte.

»Sie ist es,« murmelte der Unbekannte, der mit wirrem Blicke den Bewegungen der Flamme folgte; »sie ist es – das Weib, das ich nicht vergessen kann, selbst nicht einen einzigen Augenblick! Weh mir! Wohin soll ich, durch dieses Fieber verführt, geraten! Ha, Eugenie d'Armilly – Du mußt mein sein!«

»Das ist Vampa!« sagte Benedetto bei sich selbst in dem Augenblick, in welchem der Bandit, ängstlich umherblickend, sein Gesicht den Strahlen des Mondes preisgab, indem er es der Richtung zuwendete, in welcher Benedetto sich verborgen hatte.

Das Licht der Fackel, welches in diesem Teile der Ruinen funkelte, begann sich dem Zirkus der Tiere zu nähern, und Vampa erbebte unwillkürlich, indem er auf die Säule zuschritt, hinter welcher Benedetto stand.

In diesem Augenblicke erschienen an dem Eingange des Zirkus zwei Frauengestalten, denen der unermüdliche Cicerone voranschritt, welcher den Arm mit der Fackel ausstreckte, deren flackerndes Licht seine unsicheren Strahlen in die Tiefe des Zirkus sendete, in welche diese Frauen ihre neugierigen Blicke senkten.

»Sehen Sie hier,« sagte der Cicerone, »dort war der Käfig der Tiere, in welchem sie ihr wildes Geheul der Wut und des Hungers ausstießen, bevor sie in die Arena geführt wurden, aus der sie sich dann zurückzogen, gesättigt durch das Gemetzel, den Rachen mit Blut gefärbt, das Auge feuersprühend und drohend. Weiterhin,« fuhr der Cicerone fort, indem er auf einen Ort deutete, der durch den Mond beschienen wurde, »lag die Tür, durch welche die Verurteilten eintraten, um nicht mehr wieder hinauszugehen. – Da war die Tribüne der Kaiser, von wo sie auf die Wut der wilden Tiere herabsahen und mit kalter Verachtung die flehenden Bitten der Christen und Sklaven vernahmen, die zu diesem kriegerischen und barbarischen Spiel verurteilt waren.«

Der Cicerone schwieg, indem er den Arm mit der Fackel noch erhoben hielt, während die beiden jungen Frauen sich gegenseitig umschlungen hielten und den Gefühlen überließen, welche der Ort, die Szene und die durch den Führer gegebenen Erklärungen in ihnen hervorgerufen hatten.

»Luise,« sagte die jüngere, »ich habe große Lust, dort hinabzusteigen an den Ort, an welchem so viele Opfer in den letzten Qualen der Todesfurcht und unter den Krallen der entsetzlichen Tiere Asiens und Afrikas zitterten; ich will nachdenken, auf dem Boden, benetzt durch das Blut und die Tränen so vieler tausend Weiber, welche sich zum letztenmal umarmten, einen Sohn, eine Tochter, eine Freundin innig an sich schließend, indem sie versuchten, sie gegen den Zahn der wilden Tiere zu schützen. Komm, Luise – komm, meine Freundin!«

Der Cicerone richtete einen fragenden und scharfen Blick auf die beiden Frauen, blieb indes regungslos stehen, den Befehl erwartend, sie zu begleiten; aber die beiden Freundinnen gaben ihm dies Zeichen nicht, und daran gewöhnt, den Launen der Besucher sich zu fügen, begnügte er sich damit, durch die Fackel die Stufen der Treppe zu beleuchten; dann setzte er sich, lehnte die Fackel gegen die Steine und erwartete geduldig die Rückkehr der Damen, indem er die Zeit dazu verwendete, zwischen den Fingern seiner rechten Hand die Perlen eines Rosenkranzes hindurchgleiten zu lassen, während er mit der linken eine Zigarre hielt, die er mit allen Zeichen des vollständigsten Genusses rauchte.

Eugenie Danglars und Luise d'Armilly gelangten zu dem Zirkus, dessen Ausdehnung der entschlossene Blick der ersteren prüfte, während die zweite sich damit begnügte, auf denselben einen flüchtigen und schüchternen Blick zu richten, einen jener Blicke, welche sie außerhalb der Bühne charakterisierten.

»Du zitterst, teure Freundin?« fragte Eugenie, »und weshalb? – Bedenkst Du denn nicht, daß wir ganz allein sind? – Tun die traurigen Erinnerungen dieses Ortes Dir weh? – Ich gestehe, daß ich unrecht hatte, Dir diesen nächtlichen Besuch in dem Kolosseum vorzuschlagen! Ich glaubte, Du wärest minder leicht zu erschrecken, minder schüchtern. Ach, wer hätte denn wohl auch glauben können, daß der Schatten der Nacht und eine gewaltige Granitmasse die Macht hätten, so Deine Seele zu erschüttern? Und ich, die ich die Nacht so lieb habe, fühle mich in der Mitte dieser Trümmer unendlich wohl! Dieses erhabene, feierliche Schweigen, diese majestätischen Schatten, welche die riesigen Säulen des Gebäudes werfen, die von Jahrhundert zu Jahrhundert mit Bewunderung betrachtet wurden – die Erinnerungen, welche jeder dieser Steine, dieser Boden, diese Arena, hervorruft, dieser wahre Schauplatz, wo der Despotismus und die Leiden sich mit ihren unvergänglichen Diademen schmückten – das alles steht in so vollkommener Harmonie zu meiner Seele! – Ach, Luise, wenn Du jemals so geliebt hättest, wie ich liebe, wenn Du nur ein einziges Mal alle Deine Gedanken auf ein Wesen geheftet hättest, welches das Geschick, durch eine seiner Launen mit unserem Geiste verkettet und sozusagen einen wesentlichen Teil von uns selbst bildet – ach ja, dann würdest auch Du die Schatten, das Schweigen der Nacht, die Einsamkeit, lieben!«

Vampa vernahm begierig diese Worte Eugenies. Benedetto hörte deutlich die heftigen schnellen Schläge von dem Herzen des römischen Banditen; denn wie wir bereits sagten, war die Säule, hinter der Benedetto sich verborgen hatte, eben die, an welche der berüchtigte Bandit sich lehnte.

»Eugenie,« sagte Luise, »ich begreife, welches Gefühl dieses Schweigen, diese Schatten, die Einsamkeit, in Deiner Seele erwecken, die, frei von jedem andern Bilde, sich ganz den Betrachtungen dessen überläßt, durch welches es allein erfüllt wird; aber ich, die ich nicht hier unter dem Eindrucke dieses ausschließlichen Gefühls stehe, welches alle Gedanken beherrscht und in sich einschließt, ich, die ich nicht die Kraft und Entschiedenheit Deines Charakters besitze, ich zittere und bebe bei dem geringsten Flüstern der Luft. Jeder Stein flößt mir Furcht ein; aus jedem glaube ich eine unheimliche Gestalt hervorsteigen zu sehen, welche auf uns ihre drohenden Blicke schleudert, wie die der wilden Tiere. – Ja, siehst Du, ich bin furchtsam – ich bin schwach – ich gleiche allen Frauen – ich weiche nur in einem Gefühle von ihnen ab: Ich liebe nicht.«

Ohne auf die Freundin zu hören, schritt Eugenie melancholisch und träumerisch durch den Zirkus; Luise sah sich gezwungen, ihr zu folgen.

»Eugenie! Eugenie!« rief plötzlich Luise, indem sie mit zitternder Hand den Arm Eugenies erfaßte.

»Erschreckt Dich irgend eine Vision, meine Liebe?« fragte Eugenie, indem sie sich von dem Griff losmachte.

»Ach nein,« erwiderte Luise nach einer Pause und indem sie eine Anstrengung machte, um zu sprechen; »es ist nicht eine bloße Vision.«

»Deine Hand ist eiskalt,« flüsterte Eugenie; »solltest Du Dich fürchten?«

»Ich möchte diese Furcht nicht hegen – aber ich kann sie nicht besiegen.«

»Laß hören; was versetzt Dich denn in diese auffallende Unruhe?«

»Sieh nur,« sagte Luise dumpf, indem sie auf eine der Säulen deutete; »dort steht ein Mann.«

»Wo?«

»Da, an der vierten Säule links, vor dem Portikus.«

»Ich sehe nichts,« erwiderte Eugenie, indem sie mit dem Auge der Hand Luises folgte.

»Er wird sich ohne Zweifel verborgen haben. Aber ich habe mich nicht getäuscht, dessen bin ich gewiß. Ich habe dort – dort – das Gesicht eines Menschen gesehen.«

»Ach, es wird nur Einbildung gewesen sein; es war ohne Zweifel der Schatten einer Säule; ich wette, es war ein Riese.«

»Eugenie! Eugenie! Laß uns gehen!«

Luise ergriff aufs neue den Arm Eugenies, wendete sich rasch gegen die Treppe, um dahin zurückzukehren, aber sie wich plötzlich zurück, indem sie einen leisen Schreckensschrei ausstieß.

»O mein Gott!« flüsterte Eugenie.

Luigi Vampa stand vor den beiden Sängerinnen.

Regungslos, als wäre er eine Bildsäule, hielt der Bandit seinen Blick fest auf das Gesicht Eugenies geheftet, seinen scharfen, durchbohrenden Blick, und dieser schien mehr zu sagen, als die beredtesten Lippen auszusprechen vermocht hätten.

Indes machte die Lage einige Worte unvermeidlich, denn Luigi Vampa schien den beiden Freundinnen den Weg zu vertreten. Er zog daher den Hut, ließ den Mantel fallen und sagte: »Signorine, ich habe Ihnen gesagt, daß in dem Schatten und dem Schweigen der Nacht ein Mann existiert, der gegen ein einziges Wort aus Ihrem Munde eine Ewigkeit der Qualen annehmen würde. Sie haben die Schatten und das Schweigen der Nacht aufgesucht – Sie sind mir begegnet. Darf ich nun hoffen, dieses Wort zu vernehmen, oder muß ich für meine Seele eine Ewigkeit der Martern erwarten? – Sprechen Sie!«

Die Furcht hatte Luise d'Armilly für einen Augenblick betäubt, wie dies nervösen Personen leicht geschieht, und das arme Mädchen stützte sich gegen einen Granitblock, das Gesicht in die Hand bergend, ohne den Banditen zu sehen, noch zu hören. Eugenie dagegen sah und hörte ihn, doch nicht mit dem Schrecken ihrer Freundin, sondern mit einem unbeschreiblichen Gemisch der Furcht und des Vergnügens, denn sie erkannte in dem Manne des Kolosseums den geheimnisvollen Zuschauer des Theaters Argentino.

»Mein Herr,« flüsterte sie, »ich benutze nur dieses unerwartete Zusammentreffen, um Ihnen für das schöne Geschenk zu danken, durch welches Sie uns bei unserer letzten Vorstellung der Semiramis geehrt haben. Glauben Sie an meine aufrichtige Dankbarkeit, wer Sie auch sein mögen.«

»Und weiter nichts?« fragte Vampa mit dumpfer Stimme und finsterem Wesen.

»Das ist alles, was ich Ihnen zu sagen habe.«

Eugenie trat einen Schritt zurück, um sich Luise zu nähern. Aber der Bandit schritt vorwärts, senkte schnell ein Knie zur Erde und ergriff ihre Hand.

»Signora! Signora!« rief er; »o, Sie vergelten schlecht das innige Gefühl, welches Sie mir einflößen.«

»Vergessen Sie es!« murmelte Eugenie, indem sie ihre Hand den glühenden Lippen Vampas zu entziehen strebte. Aber es fehlte ihr die Kraft, ein solches Opfer zu bringen.

»Wäre es möglich,« fuhr Vampa fort, »kennen Sie wohl das ganze Gewicht des verhängnisvollen Wortes, das Sie soeben sprachen? Sie vergessen? O nein – das vermag ich nicht!«

»Stehen Sie auf – gehen Sie –« sagte Eugenie, »denn dieser plötzliche Impuls des Gefühls, das Sie mir erklären, könnte für Wahnsinn gehalten werden, wenn Sie ihn verlängern wollten.«

»Wenigstens – ein einziges Wort der Hoffnung –«

»Glauben Sie denn, daß Sie ein Recht haben, es zu verlangen?« fragte Eugenie.

»Ich flehe auf meinen Knieen darum!«

»Mein Herr, das würde einem jener unglaublichen Romanabenteuer gleichen. – Ich hoffe, daß in Ihren Gedanken dieses Zusammentreffen ebensowenig eine sichtbare Spur zurücklassen wird wie der Blitz in der Wolke, die er durchzuckt; es wird in den Schatten der Trümmer, die uns umgeben, vergraben bleiben, in denen ohne Zweifel schon tausendmal ähnliche Worte wie die Ihrigen tönten, ohne außerhalb dieses Kreises wiederholt zu werden. – Morgen werden Sie über sich selbst lachen – doch nicht über mich, nein, nicht über mich.«

»Ach ich verstehe Sie!« entgegnete Vampa mit bitterem Lächeln. »Sie können an die Aufrichtigkeit meiner Worte nicht glauben, bevor die Zeit Sie davon überzeugt hat.«

»Sie sprechen die Wahrheit,« erwiderte Eugenie. »Sie sehen wohl, daß ich Sie nicht einmal kenne.«

Bei diesen Worten stand der Bandit auf. Ueber sein Gesicht zog ein finsterer Schatten und seine glühenden, leidenschaftlichen Blicke schienen die Züge Eugenies zu verschlingen.

»Sie haben recht!« sagte er, »und dennoch werde ich Ihnen überallhin folgen, ja, überallhin.«

Indem er so sprach, warf er den Mantel wieder über die Schultern, hüllte sich in dessen Falten und verschwand unter den Trümmern.

Benedetto, welcher Zeuge dieses ganzen Auftrittes gewesen war, trat ebenfalls aus seinem Versteck hervor und folgte schleichend Vampa, indem er murmelte:

»Ei, ich mache schnelle Fortschritte in meinen archäologischen Studien. Ich erkenne zum Beispiel, daß das Kolosseum ein zuverlässiger Ort für verliebte Abenteuer ist, so zuverlässig, daß die dabei beteiligten Personen nicht einmal nötig haben, ihn im voraus zu bezeichnen. Ich werde mir diese Entdeckung aufschreiben, und sie soll den Gegenstand eines besonderen Kapitels bilden, das den Titel führen wird: » Römische Sitten: Besonderer Charakter des Kolosseums!« –

»Liebe Freundin; – meine Luise,« sagte Eugenie, indem sie den Arm ihrer Freundin schüttelte.

»Ach, der Schreck hat mich erstarrt!« flüsterte diese nach einigen Augenblicken.

»Ich gebe Dir die Versicherung, daß Du das Opfer eines wahrhaft panischen Schreckens gewesen bist.«

»Und der Mann?« fragte Luise, indem sie an allen Gliedern zitterte.

»Welcher?« entgegnete Eugenie. – »Du siehst ja wohl – es ist hier kein Mann; es ist hier nichts als die Nacht, die Dunkelheit und das Schweigen. – Laß uns gehen!«

Die beiden Freundinnen schritten der Treppe zu, auf deren Gipfel der treue Cicerone saß, der sich erhob, um sie mit einem anmutigen Lächeln zu begrüßen, welches ihm aus der Hand Eugenies den doppelten Preis gewann, der für seine Erklärung des Denkmals des Flavius Vespasian bedungen war.

Benedetto beeilte seine Schritte und hatte sehr bald Luigi Vampa eingeholt.

»Ich verzweifelte schon, Euch zu begegnen,« sagte Benedetto mit dem erzwungenen Tone des Verdrusses. »Ich glaubte, Ihr hättet Euch zu irgend einem verliebten Rendezvous begeben, Maestro.«

»Entschuldigen Sie mich,« flüsterte Vampa, »ich irrte zwischen den Ruinen umher und wir haben uns wahrscheinlich gekreuzt, das ist alles.«

»Mir schien indes, als hättet Ihr nicht große Eile, das Zusammentreffen zu bewirken.«

»Ganz im Gegenteil; ich wartete mit der lebhaftesten Teilnahme darauf, denn ich glaube, Sie sind damit einverstanden, mir alle notwendigen Mitteilungen zu machen –«

»Nun, es ist gut; ich will sie Euch geben. Ich empfing aus Euren Händen achttausend Piaster, um damit die Gunst des Schelmes, des Baron Danglars, zu erkaufen. Der Mann nahm das Geld, wird Euch in seinem Hause empfangen und Euch mit aller möglichen Rücksicht behandeln, indem Ihr Euren wahren Namen verbergt. Demzufolge könnt Ihr Euch Eurem ehemaligen Gaste in den Katakomben zeigen; seine Tochter Eugenie wird ihm morgen einen Besuch machen.«

Der Bandit bebte vor Entzücken, als er diese letzten Worte hörte.

Benedetto fuhr fort: »Also sind wir einverstanden. Ihr vollzieht die Entführung Eugenies und richtet die Forderung für ihre Freilassung nach dem Vermögen ein, welches wir ihr zuschreiben, Signor Vampa.«

»Gut!« sagte der Bandit nach kurzem Besinnen, währenddessen sich Benedetto nicht eine seiner Bewegungen entgehen ließ; »sehr gut! Ich werde nach dem Hause des Barons gehen. Indes ist es unerläßlich, einige Befehle an Peppino gelangen zu lassen, und das kann nur durch eine vertraute Person geschehen.«

»Ihr habt sehr recht.«

»Wollen Sie den Auftrag übernehmen?«

»Weshalb nicht? Wo treffe ich Peppino?«

»In den Katakomben des heiligen Sebastian,« erwiderte der Bandit. »Ich darf schon kein Geheimnis mehr vor Ihnen haben. So erfahren Sie denn, daß Sie, wenn Sie der Via Appia folgen, zu Ihrer Linken an die tiefe Höhlung vor dem Zirkus des Caracalla kommen. Dort werden Sie einen gewundenen Fußpfad bemerken, der in den Felsen gehauen ist. In gleicher Höhe mit dem Fußpfade liegt rechts der geheimnisvolle Eingang zu den Katakomben.«

»Ich werde dort vielleicht eine Schildwache finden, die mir den Weg versperrt.«

»Sie sagen das Erkennungswort und gehen ungehindert weiter.«

»Wie heißt dieses Wort?«

» Al su commodo!« entgegnete Vampa.

»Und die Instruktionen für Peppino?«

»Hier sind sie.«

Vampa übergab mit diesen Worten Benedetto ein versiegeltes Papier.

»Rechnet auf meinen Eifer.«

Benedetto entfernte sich schnell aus dem Kolosseum, während Vampa ihm mit finsteren Blicken folgte und vor sich hinmurmelte: »Geh nur! Du wirst nicht zurückkehren! Mein Geheimnis bleibt mit Dir begraben!«

*

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