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Die teutschen Volksbücher

Joseph von Görres: Die teutschen Volksbücher - Kapitel 36
Quellenangabe
typelegend
authorJoseph Görres
titleDie teutschen Volksbücher
publisherHerbert Stubenrauch / Verlagsbuchhandlung
printrun
editorLutz Mackensen
year1925
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160608
projectide1da5798
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34.

Romanusbüchlein, vor Gott der Herr bewahre meine Seele, meinen Aus- und Eingang, von nun an bis in alle Ewigkeit, Amen, Halleluja. Gedruckt zu Venedig.

 

Von allen Weltgegenden her zusammengetrommelter Unsinn in Beschwörungen, Zaubersprüchen und Besprechungen sich ergießend. Es ist ein wunderbarliches Vertrauen, was die Menschen so lange hin in die Macht des Wortes über die Elemente und das Geisterreich gesetzt. Sie sahen, wie sie mimisch in den untern Organen ihres Leibes die Materie bemeistern konnten; sie schlossen, daß sie durch das höhere Organ gleichfalls wohl das Höhere bändigen mögten. Aber sie vergaßen, daß das Geisterreich das Reich der Freiheit im Guten und im Bösen sey; daß sie die Elemente durch ihre Willkühr dadurch körperlich nur beherrschen, daß sie ihre Kraft gleichsam eintreten lassen in die allgemeine Naturkraft, und durch sie und in ihr nun die Körperwelt besiegen; daß aber das Wort unmächtig abprallt von jenen Regionen, in denen die Naturkraft nicht mehr gebieten mag, und daß die Geister höherer Ordnung mehr noch der Beschwörung spotten, als der Mensch, und allenfalls nur das Thier sich ihr gehorchend fügt. Was dumpfe, trübe, übermüthige Beschränktheit vergangener Zeiten in diesem Felde ausgebrütet, das hat das vorliegende kleine Buch in Eins gesammelt, und der Unsinn ist häufig darin so weit getrieben, daß er als Ironie erscheint, und es den Anschein gewinnt, als wolle der Sammler sich über sein Publikum mockiren. So in dem Spruche gegen die Mundfäule: »Job zog über das Land, der hat den Stab in seiner Hand, da begegnete ihm Gott der Herr, und sprach zu ihm: »»Job, warum trauerst du so sehr««? Er sprach: »»Ach Gott, warum soll ich nicht trauern? Mein Schlund und mein Mund will mir abfaulen««. Da sprach Gott zu Job: »»Dort in jenem Thall, da fließt ein Brunnen, der heilet dir N. N. deinen Schlund und deinen Mund, im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes, und des heiligen Geistes! Amen!«

Oder gegen das Feuer:

Schreibe folgende Buchstaben auf jede Seite eines Tellers, und wirf ihn in das Feuer, sogleich wird es geduldig auslöschen:

S. A. T. O. R.
A. R. E. P. O.
T. E. N. E. T.
O. P. E. R. A.
R. O. T. A. S.

 

Ein andermal gewinnt das Wort in der seltsamen Fügung und Ideenverbindung einen eigenen, dunkelschauerlichen, gespenstermäßigen, wahnsinnigen Anstrich, wie in einen Hexenkreis um Mitternacht hineingesprochen, um die Werke der Finsterniß zu vernichten. So z. B. »Gottes Gnad und Barmherzigkeit, die gehe über mich N. N., jetzo will ich ausreiten oder ausgehen, ich will mich umgürten, ich will mich umbinden mit einem sicheren Ring, wills Gott der himmlische Vater, der wolle mich bewahren, mein Fleisch und Blut, alle meine Aederlein und Glieder auf dem heutigen Tag und Nacht, wie ichs vor mir hab, und wie viel Feind meiner waren, sollen sie verstummen, und alle werden wie ein schneeweißer, todter Mann, daß mich keiner schießen, hauen, noch werfen kann, noch überwinden mag, er habe gleich Büchsen oder Stahl in seiner Hand, von allerlei Metall, wie alle böse Wehr und Waffen seyn genannt, meine Büchse soll abgehen, wie der Blitz vom Himmel, und mein Säbel soll hauen, wie ein Scheermesser. Da gieng unsere liebe Frau auf einen sehr hohen Berg; sie sah hinab in ein sehr finsteres Thal, und ihr liebes Kind unter den Juden stehen, so herb, so herb, daß er gefangen, so herb, daß er gebunden so hart, das behüte mich der liebe Herr Jesus Christ, vor Allem was mir schädlich ist, Amen«. Dann folgt wieder einmal gegen den Husten: »Nimm Wachholderbeeren, Zuckerbrod und Wermuth, koche es untereinander, und thue es warm über den Magen.«

Das Buch wäre wohl, wo es häufig umgeht, allenfalls Gegenstand der Polizei, wenn Diese nicht lieber der Zeit den Unsinn überlassen will, daß sie ihn verzehre.

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