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Die teutschen Volksbücher

Joseph von Görres: Die teutschen Volksbücher - Kapitel 33
Quellenangabe
typelegend
authorJoseph Görres
titleDie teutschen Volksbücher
publisherHerbert Stubenrauch / Verlagsbuchhandlung
printrun
editorLutz Mackensen
year1925
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160608
projectide1da5798
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31.

Der visirliche Marcolphus, bestehend in einem abentheuerlichen Gespräch zwischen dem König Salomon und diesem unberichtsamen und groben Menschen. Ganz neu gedruckt.

 

Abdruck eines ältern Buches:

Frag und Antwort König Salomonis und Marcolphi,

 

wahrscheinlich um 1569 gedruckt in Nürnberg bei W. Newber. Mit recht guten passenden Holzschnitten im Kartenblätterstyle geziert, die dem Volksbuch, das eine nicht völlig getreue, oft sehr verstümmelte Uebersetzung ist, fehlen. Marcolph, der Vorgänger Eulenspiegels, nur in einer noch tiefern Potenz, erscheint als ein garstiger, unflätiger Lumpenhund, von dem das Original sagt, wie folgt: »Und die Person Marcolphi was kurz, dick und grob, und hat ein groß Haupt, und eine preite Stirn, rot gerunzelte harige Ohren, hangende Wangen, groß fließente Augen, der unter Lebs als ein Kalbslebs, ein stinkenden Bart, als ein Bock, plochet Hend, kurz finger und dicke füß, ein spitzige hogerte Nasen und groß Lebsen, ein eselisch angesicht, Har als ein Igel, groß bewrisch Schuch, und ein Schwert um sich gegürt, mit einer zerrissenen Scheiden, seine Kappen was mit Haar geflochten und gezieret mit einem Hirschen Gehürn, sein Kleid hat eine schnöde Farb, und war von schnödem Tuch, sein rock ging im bis auf die Scham, und zerrissen Hosen« u. s. w. Er und seine gleich plastisch bildschöne Frau stehen vor Salomons Thron, alle drei theilen sich einander ihr Geschlechtsregister mit, dann entspinnt sich ein Dialog, in dem Salomon alle seine weisen Sprüche der Reihe nach auslegt, die Marcolph dann aus dem Stegreife parodirt, so daß der weisse König oben majestätisch mit Kron und Zepter in der Sonne auf und niedergeht, während sein Schatten seitwärts in die Pfütze fällt, und dort alle stolze Haltung verliert. Das ganze Gespräch erinnert übrigens auffallend an ein Aehnliches in dem indischen Calilah und Dimnah, Jenes nämlich, das der König mit Billero da beginnt, wo er ihm den Tod der Königin vorwirft. Da heißt's z. B. »Der König sprach, du soltest schweigen, bis mir der Zorn vergieng. Antwort Billero: drei Ding schweigen, bis Einem der Zorn vergeht: Die Schlang in der Hand ihres Beschwörers, und der Nachts Fische fahen will, und der da hohe Ding betrachtet. Der König sprach, du hast Helebat versaumet, daß du ihr Gerechtigkeit nit hast an den Tag gelegt. Billero antwort: zwey Ding sind, der Gerechtigkeit versaumt wird ohne Schuld: Der ein seiden Kleid anthut und barfuß geht, und der ein Jungfrau zu der Ehe nimmt, und darnach sie wieder von ihm thut, und über ein lange Zeit sie wieder zu ihm nimpt. Der König sprach, jetzt ist mein Feindschaft wider dich in meinem Herzen gewachsen: antwortet Billero: Es seynd acht Dinge die gegeneinander Feindschaft tragen, der Wolf und der Bauer, die Katz und die Maus, der Habbich und die Taube, der Rabe und die Kröte«, und so fort immer in diesem Tone mehrere Quartseiten hindurch, gerade wie bei Marcolph. Tiefer im Buche ist Marcolph in seiner Wohnung; im Holzschnitte ist König Salomon in seine Thüre eingeritten, und sein Esel steht halb innen und halb aussen, in dieser Stellung legt er ihm spitzfündige Räthsel vor, die der König ihm nicht lösen kann; er kömmt dann wieder an Hof mit einem Topfe Milch, dem König zum Geschenk bestimmt, den er aber mit einem Kuhfladen bedeckt, statt des Eierkuchen, den er gegessen hat. Er muß dann über Nacht mit Salomon wachen, auf den Schlaf ist ihm der Tod gesetzt, er rettet sich aber jedesmal mit Schwänken wieder. Am Morgen hetzt er die Weiber zum allgemeinen Auflauf an, eine Posse, die vorzüglich gut angelegt und gehalten ist; wird vom Hofe gejagt, verleitet dann den König zu einer Jagd, die mit einer Szene von derber Obscönität sich endigt. Er wird darüber zum Tode verdammt, rettet sich aber wieder dadurch, daß er sich die Gnade vorbehält, den Baum auszuwählen, an den er gehangen werden soll, wo er sich dann durch ganz Canaan führen läßt, ohne daß ihm einer zu dem Geschäfte anständig wäre. Das Buch ist eine kecke, freie, lebendige, barocke Zote, gleichsam eine Ascaride der Poesie, bei der die Moral doch eben nicht alsogleich sich aufmachen darf, um sie mit Wermuth und Knoblauch abzutreiben. Der Goldkäfer, wenn er wohl auch im Aase und im Miste sich betreten läßt, ist immer doch ein nettes Thier. Auch dies Werk reicht tief in die früheren Jahrhunderte hinab; aus der Stelle, die Eschenburg in seinen Denkmälern teutscher Dichtkunst aus dem Gulielmus Tyrius Historia rerum in partibus transmarinis gestarum und dem Freydank beigebracht, geht hervor, daß sein Ursprung noch hinter dem zwölften Jahrhundert liegt, und daß es damals schon als Volkstradition umgegangen sey. So sagt nämlich der Erzbischofs von Cypern von ihm: Et hic fortasse est, quem fabulose popularium narrationes Marcolfum vocant, de quo dicitur, quod Salomonis solvebat aenigmata, et ei respondebat aequipollenter iterum solvenda proponens. Wahrscheinlich ist das Buch daher neugriechischen Ursprungs, und mit dem Dolopathos etwa von gleichem Alter. Es ist übrigens in den früheren Zeiten in mannigfaltig verschiednen Ausgaben in teutscher und lateinischer Sprache erschienen; die Aelteste 1487. 4. Nürnberg und 1490. 4. Augsburg teutsch, lateinisch 1485 und 88. Die ältern Ausgaben enthalten dabei außer dem zum Volksbuche gewordnen Theil noch einen Andern, in dem Morolf als Bruder Salomons erscheint, und nun für ihn mancherlei Abentheuer in den verschiedensten Verkleidungen mit dem Pharao von Aegypten, dem Könige Cyprian, Ysolt u. s. w. um die entführte Salome, Salomons Gemahlin, besteht, und überall die Rolle eines gewandten, listigen, verschlagenen Menschen, aber keineswegs die des eigentlichen Marcolphs spielt. Dieser ist übrigens unter Allen vorzüglich die Lust und der Liebling der Italiäner, die durch drei Generationen, Vater, Sohn und Enkel den Schwank hindurch getrieben haben.

Astuzie sottilissime di Bertoldo dove si scorge un villano accorto e sagace, il quale dopo vary et strani accidenti, alla fine per il suo raro ed acuto ingegno vien fatt' uomo di corte, e regio consigliero con l'aggiunta del suo Testamento; ed altri detti sententiosi. Opera di giulio cesare della croce in Lucca, per S. et G. D. Marescandoli.

Dann:

Le Piacevoli e ridicolose semplicita di Bertoldino figliulo dell' astuto ed accorto Bertoldo, con le sottili ed argute risposte della Marcolfa sua madre, e moglie di esse Bertoldo, opera piena di moralita, e di spasso di giulio cesare Croce. In Lucca etc.

Endlich:

Novella di cacasenno figlio del simplici Bertoldino, divisa in diversi Ragionamenti, opera onesta, e di spassevole rattenimento. Nuovamente aggiunta al Bertoldino del Croce. Dal sig. Camillo Scaliggeri dalla Fratta.

In jenem ersten Bertoldo, als dessen Verfasser sich 22 Akademiker ankündigen, erscheint er zwar noch von Person beinahe eben so unflätig, wie im Teutschen, aber sonst durchhin reiner, gewitzigter, verschlagener, etwa wie jener Morolf. Das ganze Buch ist daher durchaus feiner, höflicher; alle Zoten sind wegpurgirt; um religiöses Aergerniß zu vermeiden, tritt an die Stelle von König Salomon ein König Alboin aus der Lombardey; der Anfangsdialog ist beinahe ganz weggeschnitten und in ein honettes halbweg witziges Wechselgespräch verwandelt, und statt dessen, was sich keineswegs säuberlich geben lassen wollte, sind andere oft recht witzige Spässe eingelegt. Auch eine unsäglich verwässerte Uebersetzung ist von dem Bertoldo Francfurt 1751 erschienen. Die beiden letztern Schriften aber sind von geringerem Werth und neueres Anhängsel.

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