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Die teutschen Volksbücher

Joseph von Görres: Die teutschen Volksbücher - Kapitel 3
Quellenangabe
typelegend
authorJoseph Görres
titleDie teutschen Volksbücher
publisherHerbert Stubenrauch / Verlagsbuchhandlung
printrun
editorLutz Mackensen
year1925
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160608
projectide1da5798
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1

Albertus Magnus von Weibern und Geburten der Kinder, sammt denen dazu gehörigen Arzneien; und Unterricht, wie sich sowohl die Gebührenden zu verhalten, als auch die Hebammen ihrer Pflicht gemäß, oder andere dabei benöthigte Personen ihren Dienst recht versehen sollen. Nebst einer Erklärung von den Tugenden der vornehmsten Kräuter, und von Kraft und Wirkung der Edelsteine, von der Art und Natur etlicher Thiere, aus Apollinaris größerm Kräuterbuch gezogen; auch ein bewährtes Mittel für die Pestilenz, und wie man sich wegen des Aderlassens verhalten soll. Aufs neue verbessert und den Landleuten zum Nutzen eingericht, mit dazu dienlichen Figuren. Gedruckt in diesem Jahr.

 

Das erste Buch von Weibern und Geburten der Kinder, ist eine moderne Umarbeitung des Albertischen, wahrscheinlich durch die Endterische Verlagshandlung in Nürnberg veranstaltet, und enthält eine faßliche Auseinandersetzung der Erscheinungen der Schwangerschaft, und eine ganz verständige Anleitung für die Hebammen auf dem Lande, nach der sie in den meisten Fällen sich richten können; erläutert durch Holzschnitte, die die verschiedenen Lagen der Kinder in der Gebärmutter vorstellen. Das andere Buch von etlichen namhaften Kräutern und ihrer Tugend hingegen ist noch das Alte, und contrastirt seltsam mit dem Vorigen. Die Verbena, zwischen zwei Liebespersonen geworfen, stiftet großen Verdruß und Uneinigkeit; Lamium bei sich getragen, macht gütig und gnadenreich; Metel mit Martagon gemischt, giebt die Springwurzel, vor der alle Schlösser aufspringen, und mehr dergleichen, wissenschaftlich unsinnig, praktisch unschädlich, weil alle Angaben der mancherlei Eigenschaften auf Curiositäten und Neckereien hinauslaufen, die, da das Ganze keinen weitern Grund in der Wirklichkeit hat, sich selbst ohne irgend einigen Nachtheil zerstören. Das dritte Buch handelt von den Eigenschaften und Wirkungen etlicher Edelsteine. Es war eine seltsame kindisch naive Zeit, in der man glauben konnte, daß der Magnet unter das Haupt einer Frau gelegt, wenn sie unkeusch wäre, sie aus dem Bette fallen mache; daß ein Stein Ophthalmus, in ein Lorbeerblatt gewickelt, Unsichtbarkeit gebe; daß der Stein Meda gestoßen und in Wasser zergangen, dem die Hände abfallen mache, der sich darin wasche; daß der Agat den Menschen gewaltig mache, daß der Saphir Friede und Einigkeit bewirke, und mehr dergleichen. Die Zeit für diesen Glauben ist vorüber, aber man dulde ihn immerhin, da ohnehin dergleichen Dinge in der öffentlichen Meinung stillschweigend als Mährchen gelten, und niemand weiter mehr berücken. Dasselbe ist beim vierten Buche der Fall, das von den Kräften und allerlei Tugenden einiger Thiere handelt. Im fünften Buche von viel köstlichen Arzneimitteln, besonders Aqua vitae, das ist vom lebendigen Wasser, oder vom Wasser des Lebens, meist unschädliche Tincturen und Latwergen aus dem Pflanzenreiche, selten mit Gewürzen versetzt, daher nicht leicht dem Mißbrauche unterworfen, und allenfalls nur negativ schädlich, durch Verhinderung des Bessern, das aber dem Landmann nur selten geboten werden kann. Albertus magnus war übrigens bekanntlich scholastischer Philosoph, von 1254 an Provinzial der Dominikaner in Deutschland, 1260 Bischof zu Regensburg bis 1280, wo er starb in Cöln. Diesem, Umstand besonders, nebst seiner großen Celebrität ist es wohl zuzuschreiben, daß in diesem Buche ein Theil seiner Schrifften als Volksbuch in so allgemeinen Umlauf gekommen. Ein und zwanzig Foliobände füllen diese Schriften, vom Dominikaner Peter Jammy gesammelt, und 1687 herausgegeben, worunter sein Werk von der Natur der Dinge und von den Geheimnissen der Weiber, zu diesem Buche zunächst die Veranlassung und den Stoff gegeben.

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