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Die stummen Dinge

Hilda Bergmann: Die stummen Dinge - Kapitel 68
Quellenangabe
authorHilda Bergmann
titleDie stummen Dinge
publisherKrystall-Verlag
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
senderAdolf Weishäupl
created20180525
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WEGE DER SEHNSUCHT

Und wieder ward mein Auge aufgetan
und sah vor sich den ungeheuren Berg
der Schöpfung ragen. Wege führten hin
und wanden sich zur Höhe, viele Wege,
die einen breit, begangen, ausgetreten,
die andern schmal und steil durch Fels und Knieholz.
Von Ost und West, von Mitternacht und Mittag
kam Volk auf diesen Wegen aufgestiegen
dem Gipfel zu, der grau in Wolken lag.

Und eine Stimme sagte: »Sieh, dies ist
der Gipfel der Vollendung. Nebelwallen
birgt ihn vor jedem Blick. Die Menschheit sucht,
solang sie denken kann, den Weg zu ihm.
Von Ost und West, von Mitternacht und Mittag
führt sie die Sehnsucht nach dem Berge her
und jeder geht den eignen Weg zum Ziele.«
»Doch welcher ist der rechte?« fragte ich,
mit meinen Augen nach dem besten suchend.

Die Stimme sagte: »Jeder ist der rechte,
wenn er nur aufwärts führt. Vollendung ist
an keinen Weg gebunden. Liebe leitet,
Sehnsucht entscheidet: Sehnsucht nach der Höhe.«

Die Stimme schwieg. Im Schatten lag der Berg,
nur der verhangne Gipfel stand im Licht,
im roten Abendleuchten der Verheißung.
Von Mitternacht und Mittag zieht die Menschheit
die Straßen ihrer ew'gen Sehnsucht hin.

 

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