Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Hans Dominik >

Die Spur des Dschingis-Khan

Hans Dominik: Die Spur des Dschingis-Khan - Kapitel 12
Quellenangabe
typefiction
authorHans Dominik
titleDie Spur des Dschingis-Khan
publisherErnst Keils Nachfolger
printrunVierundvierzigstes bis achtundvierzigstes Tausend
yearo.J.
firstpub1923
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150903
projectidb4bcbfee
Schließen

Navigation:

Nachdem die Dinge in Asien geordnet, war Isenbrandt nach Berlin zurückberufen worden und in das Direktorium der E. S. C. eingetreten. Nach jenen sensationellen und politisch so einschneidenden Vorgängen war er von den Berichterstattern der großen internationalen Presse bestürmt worden, die ihn, den neuen St. Georg, den Drachentöter, wie ihn der Volksmund nannte, interviewen wollten.

Doch kein Wort war über seine Lippen gekommen. Auch jetzt, nachdem bereits mehrere Monate vergangen waren, verlautete nichts Näheres über seine wunderbaren Entdeckungen. Übereinstimmend hatten sich natürlich die gelehrten Köpfe jeder Art dahin geäußert, daß diese Entdeckungen in ihrer Anwendung einen völligen Wandel der Weltwirtschaft zur Folge haben müßten. In ununterbrochenen Artikeln beschäftigte sich die Presse der ganzen Erde damit und erschöpfte sich in Vermutungen, ob und wann diese Erfindungen zur allgemeinen Kenntnis und Anwendung kommen würden.

Eine allgemeine Weltkonferenz würde über die schwierige Frage entscheiden müssen, wie und wo diese so scharf in den Gang der Natur eingreifenden Mittel arbeiten durften. Bisher war jedoch von einer Einberufung einer solchen Konferenz nichts bekannt.

Bereits regten sich Stimmen, die Europa beschuldigten, das Mittel für sich allein und zur Verfechtung imperialistischer Ideen behalten zu wollen. Nur das war bekannt geworden, daß die Analysen und die genauen Beschreibungen der Verfahren an wohlgesicherten und versteckten Orten aufbewahrt seien. Und auch dies war nur geschehen, um der Welt das Zwecklose eines etwaigen Attentates auf den Erfinder klarzumachen.

Am Bismarckdamm in Berlin stand Wellington Fox vor dem Palast der E. S. C. und wartete auf Georg Isenbrandt. Die Herbstsonne stand schon tief und vergoldete das rote Laub der Straßenbäume, als der Erwartete endlich aus dem Gebäude trat.

»Das hat ja lange gedauert, Georg!«

»Oh, entschuldige, Fox. Aber die Sitzung war von großer Wichtigkeit.«

»Schadet auch nicht viel! Es fiel mir, während ich hier wartete, so mancherlei von dem ein, was sich ereignet hat, seitdem ich das letztemal hier stand.

Ein schicksalsreicher Sommer! Und vieles von dem, was geschah, seitdem wir uns trennten, bleibt noch zu erzählen ... Wird, wenn ich es an meinem Stoff messe, lange Abende am Kamin der Frau Maria füllen. Ich denke, wir gehen den Weg zu deiner Wohnung an diesem schönen Herbsttag zu Fuß.«

Sie bogen von dem hohen Damm zu dem tiefergelegenen Havelufer ab, das mit einem Kranze stattlicher Landhäuser besäumt war. Wellington Fox begann, während sie langsam der sinkenden Sonne nachschritten:

»Denk dir nur, vorhin erhielt ich die Nachricht aus Amerika, daß es dort immer noch unter der Asche glimmt. In den Südstaaten gibt es immer wieder Zusammenstöße zwischen Schwarzen und Weißen. Der Widerstreit scheint nicht zur Ruhe kommen zu wollen.«

»Wird nie zur Ruhe kommen!« warf Isenbrandt ein. »Die Kluft zwischen den Rassen ist zu tief. Keine Brücke führt darüber. Es handelt sich um ein kategorisches Entweder – Oder. Einer muß weichen!«

»Du hast recht, Georg. Aber das ist leichter gesagt als getan. Man kann doch nicht die sämtlichen schwarzen Bürger der Union auf Schiffe verfrachten und nach ihrer Heimat Afrika zurückschicken.«

»Natürlich nicht! Aber man muß die Bestrebungen unterstützen, die schon lange unter den Schwarzen der Union im Schwange sind. Was man vor 150 Jahren im kleinen in Liberia machte, muß man im großen Stil wiederholen. Die schwarze Intelligenz muß dabei den Anfang machen. Sie findet in der neuen alten Heimat ein unendlich viel reicheres Betätigungsfeld. Ich bin auch fest überzeugt, daß bei dem immer stärker werdenden Rassenbewußtsein und Stolz der Schwarzen die Frage in diesem Sinne gelöst werden wird.«

»Hoffen wir, daß du recht behältst! Ich bin etwas skeptisch und möchte nicht die Notwendigkeit von der Hand weisen, der Sache mit etwas Druck nachzuhelfen. Blieben also schließlich noch die Halfcasts?«

»Die wird wahrscheinlich keine von beiden Parteien haben wollen«, sagte Isenbrandt lachend.

»Also ein Schiedsgericht!«

»Jawohl, ein Schiedsgericht.«

Beide lachten laut auf.

»Das wird wohl tagen, bis der Jüngste Tag anbricht«, sagte Wellington Fox. »Die Frage ist buchstäblich eine weitverzweigte. Oft ist kaum zu entscheiden, wo das Halfcaft aufhört oder anfängt. Denke zum Beispiel an John Dewey und seine Tochter Florence.«

»Allerdings. Dein Beispiel ist typisch. Hier wird die Schwierigkeit der Frage evident. Das Schicksal der Florence Dewey und des jungen Discount Lowdale ist tragisch. Die Nachricht von dem Tode Averil Lowdales hat mich tiefberührt. Ich schätzte ihn sehr. Auch der General Bülow betrauert in ihm einen guten Kameraden und tüchtigen Offizier. Du warst bei seinem Tode zugegen?«

»Ich kam leider zu spät. Ich konnte dem Mörder, dem Schuft, dem Cameron nur noch ein paar Kugeln nachschicken, von denen eine auch Gott sei Dank getroffen hat.«

»Wie? Du erschossest ihn?«

»Nicht direkt. Ich verwundete ihn nur. Er lief mir fort. Ungefähr eine Woche später gab es eine Razzia im Chinesenviertel, wo sich viele der Kompromittierten versteckt hatten. Dort fand man auch Collin Cameron. Er lag in den letzten Zügen. Die an sich nicht tödliche, aber schlecht behandelte Wunde führte sein Ende herbei.«

»Maria wird darüber nicht trauern. Ich glaube, sie hat auch jetzt noch manchmal dieses Halunken wegen Beklemmungen gehabt. In seiner Rachgier war er reiner Asiate. Was wurde aus den Deweys?«

Wellington Fox zuckte die Achseln.

»Sie verzogen alsbald aus Frisko und befinden sich seitdem ständig auf Reisen. Die arme Florence ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Nach dem tragischen Ende Averil Lowdales lag sie wochenlang auf den Tod danieder. Für den Vater war diese Krankheit in einer Beziehung sogar ein Vorteil. Man ließ deswegen davon ab, ihm wegen gewisser Konspirationen den Prozeß zu machen. Ich habe mich auf Helens Bitten in diesem Sinne sehr bemüht ...«

»Und da du, alter Freund«, vollendete Georg Isenbrandt lachend, »neuerdings einiges in den Staaten zu bedeuten hast, ist dir das natürlich glänzend gelungen.«

»Spotte nur, alter Junge!« lachte Fox. »An der Wiege von August Wilhelm Fuchs in Berlin an der Panke wurde allerdings nicht gesungen, was aus Archibald Wellington mal werden könnte. Mein teurer Schwiegerpapa bedauert täglich, daß ich nicht in den Staaten geboren bin. Sonst wäre mir nach seiner Meinung der Präsidentenstuhl sicher.

Über meine Absichten für die Zukunft wußte er bisher noch nichts Gewisses. Erst jetzt, nachdem ich mit mir klar bin, will ich ihm damit kommen. Erst mußte ich sicher sein, daß meine Pläne deine Unterstützung finden.«

»Die hast du, Fox!«

Die beiden Freunde hatten auf ihrer Wanderung den höchsten Punkt der Straße erreicht. Hier blieben sie eine kurze Zeit stehen. Vom Golde der sinkenden Sonne beleuchtet, dehnte sich weit vor ihren Blicken die Havel. Weit drüben am Horizont schimmerten die Türme und Bauten von Siemensstadt.

Gerade jetzt erhob sich dort eine Flottille mächtiger Flugschiffe. In schneller Folge stiegen sie auf, setzten sich in Kiellinie und nahmen den Kurs nach Osten. Unablässig gewannen sie dabei an Höhe, wurden klein und immer kleiner und waren schon fast Punkte, als sie über den Köpfen der beiden Freunde dahinzogen.

Wellington Fox verrenkte sich beinahe das Genick, um sie über sich zu beobachten.

»Was ist das, Georg?«

Es dauerte lange Sekunden, bevor Isenbrandt, wie aus Träumen erwachend, die Antwort gab: »Was das ist, Fox? Ver sacrum! Ein neuer heiliger Frühling, den das alte Europa nach Asien schickt. Junge Siemensstädter sind es mit ihren Frauen und Bräuten, die dorthin gehen. Das sind keine Bauernsiedler, sondern Industriesiedler.«

Wellington Fox unterbrach den Freund: »Ich hörte davon. Aber ich wußte noch nicht, daß diese Pläne sich bis zur Ausführung verdichtet haben. Bisher wollte sich europäisches und amerikanisches Kapital nicht recht an die Ausbeutung der asiatischen Bodenschätze heranwagen.«

»So war es, Fox, solange die politischen Machtverhältnisse da drüben in Asien unsicher waren. Jetzt hat sich das radikal geändert. Jetzt, wo unsere Herrschaft feststeht, sind plötzlich Riesenkapitalien vorhanden, um die reichen Bodenschätze dort zu heben. Was Europa in Afrika verloren hat, findet es in Asien dreifach wieder.«

Die letzten Flugschiffe der Flottille waren jetzt am dunklen Osthimmel verschwunden. Wellington Fox, der ihnen bis zuletzt nachgespäht hatte, sprach wieder:

»Wenn aber Kapital und Bevölkerung in diesem großen Maße nach Osten verpflanzt werden, wird sich dann nicht der Schwerpunkt Europas, sein Schwerpunkt in jeder Beziehung nach Osten verschieben?«

»Nein, Fox. Man wird dort Eisen schmelzen und Halbfabrikate machen. Aber die Feinfabrikation bleibt in Europa. Die Schreibtische ... die Organisation ... das Hirn, das diesen ganzen Mechanismus steuert, bleibt hier, wo es wurzelt und ausschließlich gedeihen kann. Du brauchst keine Entvölkerung Europas zu befürchten. Es bleibt das Züchtungsland hochwertigen weißen Blutes.«

Langsam weiterschreitend hatten sie das Heim Isenbrandts erreicht. Durch das Gartentor schritten sie den Abhang zum Hause empor. Unter dem Schatten des schon leicht vergilbenden Laubes einer alten Kastanie saß Frau Maria im Kreise ihrer Gäste.

Theodor Witthusen ... Francis Garvin ... Helen Fox, geb. Garvin. Ihr Geplauder schallte den Eintretenden entgegen. Jetzt hatte Helen die beiden erspäht.

Schnellfüßig eilte sie ihnen entgegen.

»Endlich kommt ihr. Wir hatten uns so auf die gemeinsame Kaffeestunde gefreut, und jetzt, wo sie vorüber ist, kommt ihr erst. Daran bist du sicher schuld.«

Wellington Fox deutete mit der Miene eines unschuldig Verdächtigten auf Georg Isenbrandt.

»Ich wasche meine Hände in Unschuld. Da steht er, der Missetäter. Zwei Stunden rammte ich das Pflaster des Bismarckdammes. Nimm dir ein Beispiel an dem Gesicht Marias, Helen dear. Nichts von Vorwürfen ... nichts von Ungeduld. Glückselig der Mann, der ein sanftmütig Weib freite!«

»Wellington! ... Du Ungeheuer ... Du Unhöflichster aller Menschen ...«

»Diese Versicherung hörte ich seit dem ersten Tage unserer Bekanntschaft wohl täglich ein dutzendmal.«

»Pfui, Wellington! Du bist ...«

»... der unhöflichste Mensch auf Erden.«

Ein leiser Klaps auf Wellingtons Wange quittierte seinen Einwurf. Lachend enteilte sie seinem Griff und hing sich in Marias Arm, die an Isenbrandts Seite zur Terrasse emporschritt.

Brummend ging Wellington Fox ihnen nach. Sein Auge haftete auf den beiden ebenmäßigen hohen Gestalten der Isenbrandts. Äußerlich wie innerlich schienen diese beiden Menschen wie füreinander gemacht. Der Zufall, der sie einst zusammengeführt, hatte sie auf ewig aneinandergebunden.

Keine lange Werbung ... keine Beteuerung der Liebe ... kein langsames Aufsprießen einer Neigung ... Das erste Zusammentreffen entschied über ihr Schicksal ... und das vollendete sich, als die Stunde gereift.

Und dann glitt sein Blick zu Helen. Mit Entzücken verfolgte er die Bewegungen ihrer zierlichen Glieder und dachte bei sich:

Ich hätte mein Leben lang nicht geglaubt, daß es unter Milliardärstöchtern so ein famoses Mädel gibt. Weiß der Teufel, was die Dollarkönige einen anständigen Menschen abschrecken können. Na! Schließlich hat sich doch auch mein teurer Schwiegerpapa als ganz famoser old fellow entpuppt. Seine Hochachtung vor mir ist geradezu beängstigend. Ich fürchte, mein neuester Plan wird ihm den knock out geben.

Dann war Wellington Fox bei seiner Frau und legte seinen Arm unter den ihren.

»Die Abrechnung zwischen uns beiden wird später geschehen. Ich habe mir meine Rache inzwischen gründlich überlegt. Teuerste Frau Maria, Sie täten unendlich viel Gutes an einem Unglücklichen, wenn Sie diesen Wirbelwind etwas in die Schule nähmen.«

»Ich werde mich hüten, Mr. Fox!« antwortete Maria lachend. »Für Sie ist Helen so, wie sie ist, gerade die Richtige.«

»Bravo, Maria!« rief Helen. »Gib's ihm ... gib's ihm tüchtig! Zu gut ... viel zu gut bin ich für diesen ...«

»... unhöflichsten aller Menschen«, vollendete gelassen Fox.

Er wollte sich, eines plötzlichen Angriffs gewärtig, zurückziehen, als Helen ihn umfing und mit schnellem Kusse seine Wange streifte.

Und dann saßen alle zusammen um den runden Tisch im Schatten des alten Baumes. Wellington Fox hatte neben seinem Schwiegervater Platz genommen.

Sein lebhafter Mund war eine geraume Zeit fast auffällig verstummt. Mechanisch rührte er in seiner Tasse und vergaß das Trinken. Endlich ergriff er sie und trank sie mit einem Zuge leer.

»All right!« kam es aus seinem Munde. Er entzündete sich eine Zigarre und legte sich behaglich in seinen Stuhl zurück.

»A propos, teuerster Mr. Garvin, wäre Ihnen mit einer guten Position gedient?«

Der Milliardär sah ihn erstaunt an. Seine buschigen Augenbrauen hoben sich fast bis zu seinen Haarwurzeln. Seine Augen ruhten fragend auf den vollkommen ernsten Zügen seines Schwiegersohnes.

»Hm! ... hm! Wie meinen Sie, lieber Wellington?«

»Ob Ihnen mit einer guten Position gedient wäre?«

Jetzt verriet Garvin das leise Zucken um Wellingtons Lippen den Schalk, der hinter der Frage steckte, und er beeilte sich, darauf einzugehen.

»Das wäre ... Mr. Fox? ... Es ist zwar schon lange her, daß ich eine Position ... Sie meinen doch wohl eine Anstellung bei irgend jemand ... bekleidet habe. Nach einer dreißigjährigen selbständigen Geschäftsführung würde mir das nicht so leicht fallen ...

Ganz abgesehen von der Frage des Salärs ... würde die Person meines Chefs für die Frage von ausschlaggebender Bedeutung sein.«

Mit unterdrücktem Lachen folgten die anderen dem Wortgefecht der beiden.

»Hm!« machte Wellington Fox und blies einen schöngeformten Rauchring von sich. »Sie treffen den Punkt nicht ganz, Mr. Garvin. Ihre Stellung würde weniger die eines Angestellten als die eines Partners sein. Der Chef wäre ich!«

»Ah!«

Mr. Garvin beugte sich vor und machte Fox eine Verbeugung.

»Dürfte ich den Herrn Chef nach seinen Bedingungen fragen?«

»Bedingungen, Mr. Garvin, trifft wieder nicht ganz das Richtige. Ich sehe, meine Frage war nicht ganz präzis. Die Sache ist einfach die, ich habe ein gutes und großes Geschäft vor und suche dazu einen kapitalkräftigen Partner.«

»Sehr wohl!« sagte Francis Garvin. »Und Sie wollen mir die Ehre erweisen, mich zu Ihrem Partner zu nehmen?«

»Eventuell, Mr. Garvin.«

»Eventuell?« echote es aus Garvins Munde.

»Ja! Das heißt nämlich, ich brauche ziemlich viel Kapital ... und da ich über Ihre Vermögensverhältnisse nicht genau unterrichtet bin, so hängt es davon ab, ob Sie in der Lage sind, das nötige Kapital einzuschießen.«

»Interessant! ... Höchst interessant!« flüsterte Garvin. »Sie machen mich gespannt ... ein Geschäft ... bei dem das Kapital von Francis Garvin nicht ausreichen könnte ... wundervoll ... höchst interessant, Mr. Fox ... Ich bin aufs äußerste gespannt.

Um was handelt es sich? Bitte, reden Sie!«

Wellington Fox sah einen Augenblick einem seiner kunstvoll geblasenen Rauchringe nach.

»Es handelt sich ... sagen wir mal ... darum, einen Erdteil zu kaufen!«

Garvin fuhr mit einem so komischen Ausdruck des Staunens in seinen Sessel zurück, daß alles hell auflachte.

»Nicht möglich, Mr. Fox! Ihre Idee ist großartig! Und da ich weiß, daß Sie sich mit Kleinigkeiten nicht abgeben, vermute ich, daß es der größte sein wird ... also Asien?«

»Nicht doch, Mr. Garvin! Sie verkennen meine Bescheidenheit. Ich meine den kleinsten.«

»Australien? ... Meines Wissens gehört Australien dem australischen Volk.«

»Ihr Einwurf trifft wieder nicht ganz das Richtige, Mr. Garvin. Gewiß! Der australische Erdteil gehört dem australischen Volk. Aber der größte Teil gehört ihm ebenso, wie ihm die Luft darüber gehört. Es hat ihn und hat ihn doch nicht. Insofern nämlich, als der größte Teil davon Wüste und für menschliche Siedlungen ungeeignet ist.«

»Ah!« Garvin legte den Finger an seine Nase und sah Fox bewundernd an. Der kluge Geschäftsmann witterte etwas von den Plänen seines Schwiegersohnes.

»All right, Mr. Fox! Soweit stimmt ihr Kalkül. Ich bin gespannt auf das Nähere.«

»Gut, Mr. Garvin! Ich werde Ihnen meinen Plan in aller Kürze auseinandersetzen. Sie wissen, daß von den hundertvierzigtausend Quadratmeilen Australiens fünfzigtausend ganz Wüste und sechzigtausend nur knappes Weideland – in dürren Jahren auch ganz unfruchtbar sind.

Der Ozean bringt von allen Seiten Regen heran. Aber die Randgebirge, die den Erdteil fast wie ein geschlossener Kranz umgeben, lassen die wasserhaltigen Winde nicht in das Innere des Landes vordringen. An den Außenhängen ein Überfluß von Regen, in der Riesenwanne zwischen den Gebirgen ewige Trockenheit.

Die Frage der Besiedlung hängt davon ab, ob sich die Niederschläge im Landesinnern in genügender Weise steigern lassen. Diese Frage dürfte durch die Anwesenheit unseres verehrten Hausherrn ihre Antwort finden. Er würde in unserem Geschäft als stiller Teilhaber tätig sein. Er würde den Geist einschießen. Seines Beitrittes habe ich mich bereits versichert. Wie denken Sie nun über Ihre Partnerschaft, verehrtester Mr. Garvin?«

Garvin saß starr. Die Größe des Planes von Wellington Fox schien ihn zu überwältigen. Dann kam es endlich von seinen Lippen.

»Mr. Fox, Helen ist mein Zeuge, daß ich Sie stets für einen der klügsten und tüchtigsten Köpfe der Staaten gehalten habe. Was Sie mir jetzt vorschlagen, bringt meine Hochachtung an die äußerste Grenze.«

»Sag' ruhig, zur Anbetung«, warf Helen lachend ein. »Pa, wie hast du dich verändert.«

»Da Mr. Isenbrandt hier sitzt und gegen Ihre im ersten Augenblick so phantastisch klingenden Pläne keinen Widerspruch erhebt, sage ich: Topp, Wellington!

Es wird ein Geschäft werben. Ein großes ... ein smartes Geschäft. Wallstreet wird sich neidisch um die Reste raufen. Was sagen Sie zu meinem Schwiegersohn, Mr. Isenbrandt? War es nicht der glücklichste Griff, den ich je in meinem Sehen getan habe?«

»Was sagst du, Pa? Das sagst du, Pa?« Helen warf sich laut lachend in ihren Stuhl zurück. »Du? ... Der du mich enterben ... verstoßen wolltest, wenn ich diesem Journalisten meine Hand geben würde? Soll ich hier die Worte erzählen, mit denen du seine Werbung aufnahmst?«

»Ich würde mich an deiner Stelle hüten, hier zu verraten, daß du am Schlüsselloch gehorcht hast«, erwiderte Garvin lachend. »Also nochmals: Topp, Mr. Fox! Das Geld ist da! Der Kredit von Francis Garvin genügt zu dem Geschäft«

»Aber, Mr. Garvin« – Wellington Fox hob den Finger, – »eine Bedingung ist dabei. Die Siedler müssen rein weißer Rasse sein!«

Ein leichter Zug von Verlegenheit huschte über Garvins Gesicht.

»Selbstverständlich!« beeilte er sich dann zu sagen. »Aber wird auch genügend Material da sein? Es gehören viele Millionen von Siedlern dazu, um das Neuland zu besetzen. Die E. S. C. zieht alles nach Asien. Jetzt, nachdem die gelbe Gefahr beschworen, wird der Drang nach Osten ungeheuer werden.«

Georg Isenbrandt nahm das Wort:

»Ihre Besorgnis ist unbegründet. Mr. Garvin. Die wirtschaftliche Entwicklung wird auf Grund der neuen Entdeckungen einen derartigen Lauf nehmen, daß Europa einen bedeutenden Bevölkerungsüberschuß abgeben kann. Wir müssen in Turkestan viel Neuland für die Nachkommen unserer Siedler in Reserve halten. Australien als weiteres Siedlungsland ist uns erwünscht, muß uns willkommen sein. Die Patenstelle, die Freund Fox dort übernimmt, gibt ihm eine Aufgabe von größter Bedeutung. Ich weiß, daß seine Worte über das große australische Geschäft Scherze à la Wellington waren. Hier gilt es mehr. Australien soll ein Jungbrunnen der weißen Rasse werden.«

 << Kapitel 11 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.