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Die Silbermine in den Ozarkgebirgen

Friedrich Gerstäcker: Die Silbermine in den Ozarkgebirgen - Kapitel 1
Quellenangabe
typenarrative
booktitleDie Silbermine
authorFriedrich Gerstäcker
yearca. 1890
publisherNeufeld & Henius Verlag
addressBerlin
titleDie Silbermine in den Ozarkgebirgen
pages45-64
created20021030
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Friedrich Gerstäcker

Die Silbermine in den Ozarkgebirgen

Der Donner rollte dumpf und drohend über den hohen Gipfeln der Ozarkgebirge hin, schmetternd sein Echo fordernd aus den dunkeln Schluchten und die Nebel niederpressend in die engen, schroff in die Hänge gerissenen Thäler. Der Blitz zischte dabei grell und flammend an den Felsen nieder, der ganzen wilden Landschaft mit dem falben Lichte des scheidenden Tages eine eigene, unheimliche Beleuchtung gebend. Der Regen rasselte in Strömen auf die dichtbelaubten Eichen und Hickories nieder, wurde aber trotzdem von dem durstigen Boden aufgesogen, ehe er das tiefliegende Bett des kleinen Flüßchens »Hurricane« erreichen konnte, in dem das Wasser selbst jetzt nur in einzelnen kleinen Lachen stand.

Da klommen, als das Gewitter gerade den höchsten Punkt erreicht zu haben schien und Schlag auf Schlag, von vielfältigem Echo verdoppelt, in den Schluchten dahinraste, zwei Jäger, in große, weiße wollene Decken gehüllt, die die ganze Figur, fast bis auf die befranzten Moccasins hinunter, bedeckten, an den steilen Seitenwänden nieder, welche den Hurricane von seinen Quellen bis dahin, wo er sich in den Mulberry ergießt, umgeben. Sie hielten auch nicht eher, als bis sie sich auf dem untersten, terrassenförmigen Vorsprung befanden, von dem aus sie das steinige Bett des Flusses, das dicht in die ihn starr und steil umgebenden Felsen eingezwängt liegt, übersehen konnten.

»Hol' der Henker den Sturm!« brach endlich der Aeltere von ihnen das Schweigen, indem er stehen blieb und, seine Decke zurückschlagend, das mit Leder bedeckte Schloß seiner Büchse untersuchte, ob es auch noch trocken und wohlverwahrt sei – »er tobt ja heute zwischen den alten Stämmen, als ob er den ganzen Wald mit der Wurzel ausreißen wollte; ich bin herzlich froh, daß wir den Fluß erreicht haben, denn mir sinken die Glieder fast von dem schnellen Marsch, und die scharfen Steine haben mir Moccassins und Füße zerrissen.«

»Also Du weißt sicher,« fragte der Jüngere, dessen Name Thomson war, seinen wohl um zehn Jahre älteren Kameraden – »daß Du auf der richtigen Fährte bist? und daß die Spanier diesen Weg eingeschlagen haben?«

»Ich sah heute Morgen mit Tagesanbruch ihr Wachtfeuer unten an dem kleinen Schilfbruch, etwa anderthalb Meilen von hier, und hörte die Glocken ihrer Maulthiere,« antwortete Preston.

»Und wie viel Männer glaubst Du, daß zu dem Zuge gehörten?« fragte der Andere bedenklich.

»Ich habe Dir schon gesagt,« entgegnete der Aeltere mürrisch, »daß, so oft diese Fremden nun schon hier gesehen worden sind, nie mehr als zwei Männer von der Mündung des Hurricane aufwärts gingen, obgleich acht oder neun, gewöhnlich am Ausfluß des Hurricane, die Rückkehr der beiden Erstgegangenen erwarten.«

»Ich kann aus der ganzen Geschichte nicht klug werden,« antwortete Thomson kopfschüttelnd, »und lieb wär' es mir, wenn Du mir jetzt einmal reinen Wein einschenktest und Alles, was Du davon weißt, erzähltest; denn da wir das Abenteuer zusammen bestehen wollen, möchte ich doch auch nicht gerne im Dunkeln tappen.«

»Gut,« erwiderte sein Kamerad, »der Regen hat ziemlich nachgelassen; so wollen wir denn zum Wasser hinunter gehen und dort unser Lager aufschlagen; bei einem guten Feuer und gehörig gebratenen Stück Hirschfleisch erzählt sich die Sache viel besser, und aufrichtig gesagt, werden wir wohl zum morgenden Tag unsere Kräfte noch etwas gebrauchen. Es fängt auch schon an, recht dunkel hier unten zu werden, und wir möchten das schwache Licht nöthig haben, um schnell das nasse Holz in Brand zu bringen.«

Damit, und ohne die Antwort seines Gefährten abzuwarten, klomm er einen schmalen Hirschpfad, der an den Fluß hinunter führte, abwärts und stand bald, von Jenem gefolgt, an dem steinigen Bett des Hurricane, und zwar gerade da, wo dieser in einer Biegung, und in Folge einer unterirdischen Quelle, ein kleines Becken von tiefem, obgleich gegenwärtig durch den Regen etwas getrübtem Wasser enthielt.

Das Gewitter ließ jetzt nach; weit im fernen Norden verhallte der Donner, und an vielen Stellen schaute der blaue, azurne Himmel durch die weißlich grauen Wolkenschleier, die, von einem frischen Südostwind gejagt, in langen, wehenden Streifen über das Thal hinwegzogen.

Wenig aber schienen sich die beiden Männer des schönen Abends zu erfreuen, sondern waren nur eifrig bemüht, ein Feuer anzumachen, um sowohl bei der erwärmenden Gluth Schutz gegen die keineswegs milde Nachtluft zu finden, als auch einige Stücke rohes Hirschfleisch, das Preston in einem frisch abgestreiften Fell umhängen hatte, zum Abendessen zuzubereiten. Thomson schlug jetzt Feuer an und entzündete einen, wohl mit Pulver eingeriebenen Lappen, während Preston kleine trockene Späne herbeibrachte, die er mit seinem Tomahawk aus einem umgestürzten, verdorrten Baume herausgehauen hatte. In wenigen Minuten flackerte auch, durch vereintes Blasen und Schwenken erweckt, eine schwache Flamme empor, die, durch schnell und sorgsam nachgelegte Stücke genährt, bald zur hohen, erwärmenden Gluth emporloderte.

Die Jäger hingen nur ihre Decken zum Trocknen an in den Boden gestoßene Stangen, sammelten von den umherliegenden, oft schon halb verfaulten Stämmen einige Rinde, die sie auf die Erde breiteten, um nicht auf dem nassen Boden liegen zu müssen, steckten dann dünn geschnittene Scheiben Hirschfleisch auf zugespitzte Hölzer nahe an die glühenden Kohlen, und suchten die Zeit, in welcher das Fleisch briet, zu benutzen, sich selbst ein wenig zu trocknen und auszuruhen.

Beide Männer waren in einfache, dunkelblaue Jagdhemden, aus grobem wollenen Zeug verfertigt, gekleidet, doch hatte der Jüngere noch eine Art Garnitur von kurzen, hellgelben Fransen an dem seinigen, mit der es am Kragen, an den Aermeln und an allen Nähten besetzt war. Sie trugen lederne Leggins oder Gamaschen und Moccasins, und in ihren ledernen Gürteln, welche die Jagdhemden zusammenhielten, staken die breiten, langen Bärenmesser. – Preston's Kopf war mit einem alten, abgetragenen Filzhut bedeckt, während Thomson ein hellfarbiges Tuch fest um die Schläfen gebunden hatte, daß sein dunkles, lockiges Haar sich oben hindurchdrängte.

Ihre langen Büchsen, mit darüber hinhängenden Kugeltaschen, hatten sie an einen jungen Baum gelehnt, und warfen sich nun selbst, müde und matt von der gehabten Anstrengung, auf die Rindenstücke an's Feuer, daß die verdunstende Feuchtigkeit ihres Anzuges in dichten Dampfwolken von ihnen emporstieg.

»Nun, Preston,« begann Thomson nach einiger Zeit, nachdem er sich eins der mit Fleisch besteckten Hölzer hingenommen, von den rohen Stücken die gargekochten, dünnen Streifen abgeschnitten hatte, und das Uebrige wieder zum Feuer zurück steckte; »rücke mit Deiner absonderlichen Erzählung einmal heraus, nenne die Gefahren und sage den möglichen Gewinn, dann werde ich Dich auch wissen lassen, ob ich mit von der Partie bin oder nicht.«

»Wissen lassen – Partie sein oder nicht?« fragte verwundert der also Angeredete, indem er sich auf einem Ellbogen emporhob und den jüngeren Kameraden staunend anschaute. – »Sind wir denn hier in Sturm und Ungewitter hergekommen, damit Du jetzt noch zweifelhaft wärest, was Du thun oder lassen solltest? Wartest Du vielleicht nur noch darauf, eine etwas weniger günstige Beschreibung des Ganzen zu hören, um wieder ruhig heimzukehren und mir allein die Entdeckung zu überlassen, an die ich, wie Du weißt, nun einmal mein Leben gesetzt habe?«

»Nun, nun,« lachte Thomson, »nur nicht so hitzig; heraus mit der Sprache; Du weißt, ich bin gewöhnlich der Letzte, der einen einmal gefaßten Beschluß wieder aufgiebt. Also klar und deutlich denn – was haben wir zu hoffen? damit wir schnell und kräftig unsere Maßregeln treffen können.«

»Gesprochen wie ein Mann,« antwortete der Aeltere, wieder in seine behagliche ruhende Stellung zurückgleitend; »und nun erfahre denn auch Alles, was ich von dem ganzen geheimnißvollen Leben und Treiben der Spanier weiß, denen ich jetzt schon Jahre lang nachspüre. Aber noch nie hat ein Fuchs einen Hound mehr zum Narren gehabt und öfter von der Fährte abgebracht, als diese verwünschten Señores mich, der ich ihnen nicht weniger treu und gierig gefolgt bin. Du weißt, daß schon seit Jahren die Cherokesen von einer Silbermine gesprochen haben, die sich irgendwo an den Wassern des Hurricane befinden und außerordentlich reichhaltig sein soll; nie aber konnten alle nur erdenklichen Versprechungen auch nur Einen von ihnen bewegen, den Platz genauer zu beschreiben, da nach ihren Gesetzen der Tod auf dem Verrath stand, trotzdem, daß doch Keinem von ihnen das Geheimniß mehr etwas nützen konnte. Einige Spanier aber müssen im Besitz desselben sein, denn schon seit langen Jahren (seit drei Jahren beobachte ich sie selber) kommen mehrere in lange mexikanische Mäntel gehüllte Gestalten mit drei oder vier Maulthieren an die Mündung des Hurricane, wo der größte Theil derselben in dem fast undurchdringlichen Dickicht, von dem der Fluß seinen Namen hat, lagert. Zwei steigen dann mit den Thieren den Berg an der linken Seite des Flusses hinauf, ziehen aus der zweiten Terrasse von oben fort, durchschneiden dort den »flat mountain« oder die mehrere hundert Schritt breite offene Stelle am Abhang des Berges, dem kleinen Rohrdickicht gegenüber, das etwa eine Meile von hier den Fluß hinauf liegt, wenden sich dann wieder in's Thal, indem sie ihre Maulthiere in dem Rohrdickicht ausgehobbelt (mit zusammengebundenen Vorderfüßen) lassen, und suchen dann die Mine aus, die, Gott weiß wo, aber sicher in dieser Gegend liegen muß. Nach vierundzwanzig Stunden schon kehren sie gewöhnlich mit schwerbeladenen Thieren zu ihrer Gesellschaft zurück und sind dann wieder für zwölf Monate verschwunden. – Drei Jahre nun passe ich ihnen schon auf und habe, wenn sie fortzogen, mit unermüdlicher Sorgfalt ihren Spuren nachgeforscht, beide Seitenwände des ganzen Flußbettes von oben bis unten durchwühlt, fast keinen Stein unumgewendet liegen gelassen, als ob sämmtliche Bären von Arkansas nach Würmern gesucht hätten, und – Alles vergebens. Vom Schilfdickicht aus waren sie mehrere hundert Schritt bergan gestiegen, hatten sich aber dann so zwischen den Felsen und dem Gestein gehalten, daß jede Spur verschwand und mein Auge, sonst keineswegs eins der schlechtesten, ihrer Spur nicht weiter zu folgen vermochte. Zwei Jahre hintereinander machte ich solch' vergebliche Versuche, und zu meiner Schande muß ich's gestehen, daß mich auch eine von den Nachbarn erweckte Furcht abhielt, meinen Nachforschungen den gehörigen Erfolg zu sichern. Diese erzählen den finsteren Spaniern nämlich viele schauerlich klingende Geschichten nach, daß sie zum Beispiel, um ihr Geheimniß zu bewahren, Menschenblut nicht geachtet haben sollen, und einst einen einsamen Jäger, der sie zufällig bei ihren Arbeiten überraschte, ermordet hätten, und andere dergleichen schreckliche Geschichten.

»War ich allein, so übermannte mich stets unwillkürlich eine fast weibische Furcht, wenn ich solchen Mordes gedachte, und scheu blickte ich dann wohl umher, hinter jedem vorspringenden Felsen oder umgestürzten Baumstamm die gespannte Büchse eines der dunkeläugigen Schufte vermuthend. Jetzt ist das etwas Anderes; wir sind unserer Zwei und sie sind Zwei; finden wir den Platz, wo sie graben, und sie entdecken uns und zeigen sich feindselig, wohl, so schießen unsere Büchsen so sicher wie die ihrigen, vielleicht noch sicherer. – Nehmen sie aber Vernunft an, desto besser, mich verlangt nicht nach Menschenblut, und es wird genug Silber für uns alle Vier vorhanden sein; aber wissen muß ich den Platz, und umsonst will ich nicht Jahre lang damit vergeudet haben, ihren Spuren nachgeschlichen zu sein, ohne meinen Zweck erreicht zu haben.«

Preston schwieg und schaute sinnend, über seinen Plänen brütend, in die zusammenfallenden Kohlen, während Thomson einige Minuten ebenfalls tiefes Schweigen beobachtete und mit seinem breiten Jagdmesser allerlei Figuren vor sich in die Erde grub; endlich wandte er den Kopf halb zu seinem Gefährten herum und frug. während er dabei die Spitze seines Messers auf den ledernen Leggins reinigte und sich damit die Zähne stocherte:

»Wann wollen wir aufbrechen?«

»Sobald der Mond aufgeht und das geschieht ein Viertel nach Zwölf,« lautete die Antwort; »dann müssen wir dem Lauf des Flusses stromaufwärts folgen, bis wir an das Schilfdickicht kommen, und dort dasselbe umlauern, bis die Spanier, mit dem edlen Metall beladen, zu ihren Thieren zurückkehren. Sie werden den Weg oft machen müssen, und unserer Schlauheit ist es jetzt anheimgestellt, das Ganze friedlich, das heißt unbemerkt – oder feindselig, wenn entdeckt – abzumachen. Hunde haben sie nicht mit sich, von diesen ist also keine Entdeckung zu fürchten, und finden wir den Platz, so sind wir gemachte Leute.«

»Gut!« rief Thomson, auf's Neue ein mit Fleisch bestecktes Holz vor sich hinpflanzend, welchem Beispiel diesmal sein ernsterer Jagdgefährte folgte; »gut – ich bin dabei – es ist wenig Mühe und Gefahr und die Hoffnung auf ungeheuren Gewinn; da widersteh' ein Anderer. Wir wollen uns nur noch tüchtig stärken und ein halb Stündchen schlafen, denn wer weiß, wie wir's nöthig haben werden; kommt dann der Mond, so haben wir wieder Kräfte und ertragen, was uns in den Weg kommt, leichter und mit frischerem Muthe.«

Schweigend beendeten die beiden Männer ihre Mahlzeit, schürten dann das Feuer auf, das, von dürrem Holz genährt, hoch emporloderte, hüllten sich in ihre Decken und versuchten, ihre Körper zu den bevorstehenden Anstrengungen auszuruhen.

Der Jüngere war bald sanft eingeschlafen, und sein tiefes, regelmäßiges Athmen bewies, wie wenig er die Gefahr, der er entgegenging, kannte, oder wenn er sie kannte, wie furchtlos er sie erwartete. Der Aeltere wickelte sich zwar auch in seine Decke und schien, den Kopf auf ein Stück faulen Holzes gelegt, zu schlummern, seine Augen aber waren und blieben geöffnet und sinnend schaute er hinauf zu den Myriaden von Sternen, die oben vom dunkeln Nachthimmel friedlich und freundlich auf ihn herabfunkelten.

Endlich erhellte sich an den östlichen Bergkuppen der Himmel – der Mond mußte gleich erscheinen; da hob sich Preston von seinem harten Lager, dehnte und streckte die Glieder, weckte seinen Kameraden und ging dann zum nur wenige Schritte entfernten Wasser, sich Gesicht und Hände darin zu baden, um mit klaren Augen und hellem Verstand den gefährlichen Weg anzutreten.

Thomson sprang auf und folgte seinem Beispiel; Beide wickelten dann ihre Decken zusammen und hingen sie sich über die Schulter, nahmen ihre Büchsen, schütteten frisches Pulver auf die Pfanne und waren so gegen Alles, was ihnen entgegentreten mochte, gerüstet.

»Sollen wir nicht lieber im Thale hingehen?« fragte jetzt Thomson, als er sah, daß Preston an einigen steilen Felsstücken hinaufkletterte, um eine der Terrassen zu erreichen – »wir haben auf jeden Fall besseren Weg und können schneller fortkommen; denn, hol's der Henker, so in der Nacht zwischen den scharfen Steinen mit zerrissenen Moccasins umherzuklettern, ist eine verteufelt böse Sache – meine Füßen brennen mir schon jetzt wie Feuer.«

»Wir müssen uns aus eben dem Grunde zwischen den Felsen halten, aus dem die Spanier den rauheren Weg gewählt haben – um alle Fährten zu vermeiden. Bleiben wir unbemerkt, so ziehen wir uns leise und vorsichtig zurück, und erregen nicht den Verdacht der Fremden, die sicher, wenn sie auch nicht den Thalweg einschlagen, doch hinunterspüren, ob sie keine verräterischen Fußspuren dort entdecken können.«

Mit rüstigen Schritten, ohne weiter ein Wort laut werden zu lassen, stieg der Aeltere jetzt voran und Thomson, wohl einsehend, daß der erfahrenere Kamerad Recht habe, folgte, dann und wann nur, wenn er gerade auf einen recht spitzigen Stein getreten war, seinen Schmerz mit einem halb unterdrückten Fluch beschwichtigend.

Eine kleine Stunde mochten sie so langsam fortgestiegen sein, der Mond goß freundlich vom hohen Himmel herab sein silbernes Licht durch den Wald, als Preston anhielt und, nach vorn deutend, seinem Kameraden zuflüsterte, daß dort das Schilfdickicht sei und er den Klang eines Glöckchens zu hören glaube. Klar und deutlich drang auch jetzt der feine, reine Ton einiger kleinen Schellen durch die stille Nacht, und die Männer hielten, um sich über ihr weiteres Vorschreiten zu berathen.

»Sind sie denn auf der rechten oder linken Seite des Flusses?« fragte Thomson leise seinen Kameraden, der aufmerksam dem Schall der Glocken horchte, um zu wissen, wie viel Thiere sie diesmal mit sich führten.

»An der rechten,« flüsterte Preston zurück, »wenigstens gingen jedesmal an dieser ihre Fußspuren hinauf; aber,« unterbrach er sich, »horch doch einmal, wie viele Glocken Du hörst – das bimmelt ja untereinander herum, als wenn es fünf oder sechs wären.«

Mit gespannter Aufmerksamkeit lauschten jetzt Beide dem vermischten Klange, der aus dem Thal zu ihnen heraufdrang, bis Thomson endlich das Schweigen brach und leise vor sich hinmurmelte, daß er vier verschiedene Glocken gewiß höre.

»Und mir ist's, als wären's fünf,« erwiderte eben so leise Preston.

»Nun, zum Teufel, so laß es zehn sein!« entgegnete unmuthig Thomson – »wir sind einmal hier und auf ein paar Spanier mehr oder weniger wird es jetzt auch nicht ankommen; wir stehen hier auf Onkel Sam's eigenem Grund und Boden und haben die Fremden, im Fall sie uns entdecken sollten, böse Absichten, so mögen sie sich's selber zurechnen, wenn wir mit unserem Blei freigebig sind. – Aber was hast Du denn da?« fragte er, sich unterbrechend, seinen Kameraden, der sich dicht niederbog und den Boden genau zu untersuchen schien.

»Eine Spur, so wahr ich lebe, und von einem beschuhten Fuß!« rief Preston; – »sie müssen hier hinaufgegangen sein.«

»Bst,« flüsterte Thomson, seinen Arm ergreifend und festhaltend, »ich höre Schritte.«

In gespannter Erwartung horchten Beide jetzt auf, und deutlich und immer näher kommend klang das Geräusch eines langsam bergan steigenden Mannes zu ihnen her. Lautlos schmiegten sie sich an die Erde, auf der sie standen, hinter einige zerstreut umherliegende Felsstücke und erwarteten die Gestalt, die, in einen braunen langen Mantel gehüllt, den Kopf mit einem breitrandigen schwarzen Filzhut bedeckt, langsam die Terrasse, an deren Rand die zwei Jäger lagen, erklomm, dort stehen blieb, sich etwa fünf Minuten lang vorsichtig umschaute, nach allen Himmelsrichtungen hinhorchte und dann einen leisen, aber vernehmlichen Ruf, den Ton der Eule nachahmend, dreimal ertönen ließ.

Er wurde einmal aus dem Rohrdickicht heraus beantwortet und darauf war Alles wohl eine halbe Stunde lang still wie im Grabe; dann scholl derselbe Ruf wieder aus dem Thal heraus. Die Schildwache, denn etwas Anderes konnte die hoch aufgerichtete dunkle Gestalt, die, an einem Stamm lehnend, dem geringsten Laut zu horchen schien, nicht sein, antwortete wie das vorige Mal, stieg dann den Weg, den sie gekommen, wieder hinunter, und in wenigen Minuten, als ihre Schritte in der Entfernung verhallt waren, lag die ganze Gegend so einsam und verlassen, als ob sie noch nie von einem menschlichen Fuß entweiht worden wäre.

Wohl noch eine Viertelstunde blieben die beiden Männer in ihrem Versteck, dann aber, als Alles sicher zu sein schien und sie glauben konnten, daß sich die Fremden wieder entfernt hätten, hob Thomson den Kopf, schaute einen Augenblick in das von dem jetzt hoch stehenden Monde erhellte Thal und wandte sich gegen seinen älteren Kameraden, der indessen ebenfalls aufgestanden war und wiederum nach dem Schloß seiner Büchse schaute, ob durch das Niederlegen des Gewehrs das Pulver nicht von der Pfanne gefallen sei.

»Nun, Preston, was hältst Du von der Erscheinung? – mir gefiel sie gar nicht; ich hatte einmal große Lust, vorzuspringen und dem langen Burschen das Messer in die Kehle zu stoßen – es wäre einer weniger gewesen!«

»Das würde so unbesonnen als thöricht gewesen sein,« entgegnete mit halb unterdrückter Stimme der Angeredete, »und hätte unsern ganzen Plan nicht allein verderben, sondern uns auch der Rache sämmtlicher brauner Schurken preisgeben können. Nein – mir ist es jetzt klar geworden – die Burschen müssen mit ihrer Beute im Thal herabkommen und zwar im felsigen Bett des Bergstromes selbst, sonst hätte ich in früheren Jahren ihre Spur gefunden, und dieser lange Gesell war nur hier oben aufgestellt, um sie vor irgend einer Ueberraschung von unten her zu sichern, während sie indessen ihre Last zum Sammelplatz brachten, um dort nachher Alles bequem zusammen aufladen zu können. Wir haben aber jetzt keine Zeit mehr zu verlieren, denn wer weiß, ob sie den Weg noch mehr als einmal machen, und finden wir sie nicht beim Graben beschäftigt, so daß ich mir den Platz genau merken kann, so hilft unser ganzer Zug nichts.«

»Sie können aber doch unmöglich all' das beste Erz in der Nacht finden und werden sicher ihre Arbeit noch nach Tagesanbruch fortsetzen,« antwortete Thomson.

»Was sie am gestrigen Tage erbeutet haben, schaffen sie jetzt in Sicherheit und vernichten wieder alle Spuren, die sie hinterlassen könnten,« entgegnete Preston; »nein, nein, auf Tagesanbruch dürfen wir nicht warten, überdies scheint es, als ob sie Verrath ahnten, was der Posten zur Genüge beweist. Komm also in's Thal hinunter, wir schleichen durch den Schilfbruch, wo sie schwerlich eine Wache zurückgelassen haben und folgen leise dem Lauf des Flusses. Finden wir sie bei der Mine beschäftigt, so merken wir uns den Platz und entfernen uns wieder so schnell und leise als möglich, denn ich vermuthe nicht ohne Grund, daß sie diesmal in stärkerer Anzahl als gewöhnlich da sind. Laß sie dann, was sie gesammelt haben, mit fortnehmen, – wenn sie das nächste Mal wieder kommen, sollen sie's schwerer finden, ihre ledernen Felleisen zu füllen, als bisher, das Silber müßte denn haufenweis in den Bergen vorkommen.«

Die Jäger stiegen jetzt vorsichtig in das enge Flußthal hinab, und krochen, Schlangen gleich, in den nicht sehr dicht stehenden kleinen Schilfbruch hinein, aufmerksam dabei auf das Geringste achtend, was ihnen Gefahr oder Entdeckung drohen konnte. Aber keine Wache war bei den Maulthieren, die ruhig weideten und die Anschleichenden gar nicht zu beachten schienen, zurückgelassen, und hoch aufathmend erreichten sie wieder den offenen Wald oberhalb des Schilfes, wo Preston schnell weiter eilen wollte, als ihn Thomson am Arme hielt und frug, ob sie nicht lieber das Silber erst aufsuchen sollten, was die Spanier schon irgendwo hierher getragen haben mochten.

»Geh zum Henker mit Deiner Thorheit!« entgegnete mürrisch Preston – »nicht wahr, die Zeit hier mit Kinderspielen versäumen, um eine Sache aufzufinden, die wir nicht einmal anrühren dürfen, ohne augenblicklich Entdeckung fürchten zu müssen. – Komm, komm, wir können jeden Augenblick den wieder zurückkehrenden Schuften begegnen, und es wäre doch zu wünschen, daß wir sie hörten, ehe sie von unserer Nähe eine Ahnung hätten.«

Mit diesen Worten machte er sich von Thomson's Hand los und glitt mit unhörbarem Schritt über die runden, glatten Kiesel des Flußbettes, von seinem Kameraden eben so geräuschlos gefolgt, wie zwei den Gräbern entstiegene dunkle Schatten der Unterwelt.

Wohl eine Meile mochten sie ungestört und ununterbrochen ihren Weg fortgesetzt haben, ohne auch nur das Geringste zu vernehmen, was die Nähe lebendiger Wesen hätte verrathen können, als sie plötzlich, dicht vor sich, Stimmen hörten, und kaum noch Zeit behielten, sich in den Schatten einer umgestürzten Platane zu werfen, ehe fünf dunkle Gestalten, mit kleinen Säcken auf den Rücken, die übrigens, dem gebückten Gehen der Männer nach zu urtheilen, ein bedeutendes Gewicht haben mußten, ihnen gerade entgegenkamen und lautlos, von einem großen Stein auf den andern tretend, dem Schilfbruch zuwanderten. Als sie nur noch wenige Schritte von dem Versteck der Jäger entfernt waren, blieb der Führer stehen und richtete einige Worte in spanischer Sprache an die ihm Folgenden; gleich darauf aber setzte er wieder seinen Weg fort und war bald mit seinen Begleitern an einer Biegung des Hurricane hinter einer Felsecke verschwunden.

»Verstandest Du, was der lange Schuft da in den Bart murmelte?« fragte Thomson seinen neben ihm liegenden Gefährten.

»Nicht ein Wort,« entgegnete dieser, »es ist das erste Mal, daß ich Spanisch reden höre; komm aber schnell, wir dürfen keinen Augenblick verlieren, vielleicht können wir die Mine noch entdecken, ehe Jene zurückkehren, denn, hol's der Teufel, es sind ihrer doch mehr, als ich dachte, und die Burschen führen scharfe, lange Messer.«

Schnell und leise verfolgten Beide wieder wohl noch mehrere tausend Schritt den Lauf des kleinen Stromes, als Preston plötzlich stehen blieb und auf mehrere Hacken und Hämmer deutete, die zerstreut gerade in einem ausgetrockneten Theil des Flußbettes umherlagen.

»Da, beim Himmel!« rief er, krampfhaft Thomson's Schulter erfassend, der neben ihn getreten war – »wir sind im Nest!«

»Und was ist das Dunkle dort, was da unter dem Busch liegt?« fragte Thomson, indem er mit vorgestrecktem Oberkörper der fraglichen Stelle näher trat und sich niederbog, um den Gegenstand, der seine Aufmerksamkeit erregt hatte, zu erkennen. Aber mit einem Ruf des Schreckens und Erstaunens sprang er zurück, denn nur wenige Zoll von den seinigen entfernt blitzten ihm die dunkeln Augen eines Mannes entgegen, der auch in demselben Augenblick mit gezogenem Messer auf die Füße sprang und einen lauten Nothruf ausstieß.

»Teufel!« schrie Preston, der bei der ersten Bewegung des Fremden sein Messer ebenfalls aus der Scheide gerissen hatte, »Teufel!« und sprang von der Seite auf den Spanier los. Gar verderblich würde aber der Sprung für ihn gewesen sein, hätte nicht zufällig die Büchse, die er in der linken Hand hielt, den sichern Stoß des Angegriffenen abgewandt, dem in demselben Augenblick das breite Messer des Jägers in der Brust saß, daß er aufschreiend zu Boden stürzte; im Falle selber aber riß er noch eine Pistole aus dem Gürtel und brannte sie auf den von ihm Zurückschreckenden ab.

Wohl fehlte die Kugel Den, für welchen sie bestimmt war; doch zerschmetterte sie die linke Hand seines neben ihm stehenden Kameraden, die dieser eben erhoben hatte, um den Feind mit einem Kolbenschlage unschädlich zu machen.

Machtlos sank Thomson's Arm und seine Büchse rasselte in die Steine nieder; doch wie ein Tiger flog er auf den zum Tod Getroffenen zu und stieß dem schon Verschiedenen dreimal noch die breite Klinge in die Brust, bis Preston seinen Arm faßte und ihn zurückzog.

»Fort, fort,« rief dieser, »laß Den, der hat genug, aber bald werden uns die Teufel auf der Fährte sein – fort! ich möchte nicht um alle Silberminen der Welt mit ihren fünf Messern Bekanntschaft machen!«

»Ich bin verwundet,« flüsterte jetzt, mit verbissenem Schmerz, Thomson, »meine Hand ist zerschmettert.«

»Besser die Hand, als der Kopf,« knirschte Preston, die Büchse vom Boden aufhebend und seinem verstümmelten Kameraden hinreichend; »komm! – in fünf Minuten ist's zu spät;« und mit schnellen Schritten eilte er, von Thomson, der die Nähe der Gefahr erkannte, gefolgt, eine kurze Strecke im Flußbett fort, und sprang dann an der rechten Thalwand in die Höhe, um vielleicht noch vor den Verfolgern den Gipfel des Berges zu erreichen und dann an der andern Seite desselben, unter dem Schutz der Nacht, leichter die Flucht zu bewerkstelligen.

Die zerschossene Hand vorn an der Brust geborgen, blieb Thomson, seinen Schmerz verbeißend, dicht an jenes Seite, und in wenigen Minuten waren Beide in der Dunkelheit des Waldschattens verschwunden; in demselben Augenblick aber raschelten die Büsche, und fünf finstere Gestalten brachen durch die Sträuche auf den eben von den Flüchtigen verlassenen Wahlplatz.

Einen Schreckensruf stießen sie aus, als sie den Leichnam ihres gemordeten Kameraden erblickten, und spähende Blicke sandten sie umher, die Thäter zu entdecken und ihrer Rache zu opfern: da mahnte eine schnelle, gebieterische Geberde ihres Führers zum Schweigen, und wie eben so viele, aus dunkelm Marmor gehauene Figuren standen die Männer, ohne auch nur zu athmen, da und lauschten hinein in den stillen, in heiliger Ruhe sie umgebenden Wald.

Einen Augenblick herrschte Todesschweigen, da scholl das Krachen eines dürren Astes an ihr Ohr – da noch einmal, und mit lautem Freudenruf – wie Hunde, die die Nähe ihres fliehenden Feindes, des Panthers, wittern – sprangen die fünf kräftigen Männer an der fast steilen Felswand, die das enge Thal einschloß, hinauf und folgten der Richtung, in der sie das Geräusch gehört hatten.

Schon hatten die beiden Flüchtigen, die durch einen Fehltritt und Sturz des verwundeten Thomson die Verfolger auf ihre Spur gebracht, die sechste Terrasse erreicht, und eilten in langen Sätzen einem Kastaniendickicht zu, das dunkel vor ihnen lag, als sie die Schritte des schnellsten ihrer Feinde hinter sich hörten. Preston riß gerade noch zur rechten Zeit seinen Gefährten in eine kleine Schlucht hinein, neben der, kaum zwei Schritte von ihnen entfernt, ein dunkler Abgrund sie angähnte, als eine lange, dunkle Gestalt an ihnen vorbeisprang und dem Dickicht zueilte. Dieser folgte rasch eine zweite und dritte und schon hatten die beiden Letzten den Rand der Terrasse erklommen und wollten dieselbe Richtung nehmen, als der Eine von ihnen, ob aus Zufall oder durch den Instinct, der ihm seinen Feind verrieth, getrieben, nach dem dunkeln Platze, der die beiden Verfolgten barg und der ihm verdächtig scheinen mochte, zusprang und aufmerksam darauf hinschaute.

Der Mond trat gerade hinter einer dünnen Wolke hervor und der glänzende Büchsenlauf mußte die Versteckten verrathen haben, denn ein durch die Ueberraschung ausgepreßtes

»Ha!« entfuhr den Lippen des Spaniers. Es war aber sein letzter Laut, denn Preston, als er sah, daß sie entdeckt waren, hatte ruhig die Büchse heraufgenommen und angelegt, und bei dem Krach des Gewehres zuckte auch der sicher Getroffene zusammen und stürzte mit schwerem Fall zwischen die Steine nieder.

»Mache den andern Schuft kalt – schnell oder er entflieht,« rief er jetzt seinem Gefährten zu, der bleich und athemlos neben ihm am Felsen lehnte.

»Nimm mein Gewehr – ich kann es nicht mehr heben,« hauchte dieser und reichte ihm die Büchse, die Preston in fieberhafter Aufregung ergriff, um auch den andern Feind unschädlich zu machen; doch dieser trat hinter eine starke Eiche, die ihn schützend bedeckte, und sein Ruf brachte in wenigen Minuten die Anderen zur Stelle zurück, die, durch den Krach der Büchse in ihrem Lauf aufgehalten, jetzt mit wilder Freude dem Zeichen Folge leisteten.

Aber Preston war indessen nicht müßig gewesen und hatte, da er sah, daß sich der Spanier außer dem Bereich seiner Büchse hielt, Thomson's Gewehr hingestellt, das seinige wieder geladen, und schüttelte gerade Pulver auf die Pfanne, als die dunkeln Schatten der Verfolger sichtbar wurden, wie sie schnell durch die umhergestreuten Felsstücke und Stämme einherglitten. Mit wenigen Worten beschrieb der Zurückgebliebene den Schlupfwinkel ihrer Feinde und zeigte ihnen das neue Opfer, das durch Preston's sichere Hand gefallen; aber nur ein lauter, wilder Schrei der Rache, bei dem die beiden Verfolgten unwillkürlich zusammenzuckten, war die Antwort, und wie Tiger warfen sich die Spanier auf ihre Beute.

Preston lag im Anschlag, und der Erste, der, in der linken Hand eine Pistole, in der rechten ein Messer, kaum zehn Schritt von ihm entfernt, hinter einem Felsstück auf ihn ansprang, fiel, durch das Herz geschossen, nieder; seine Büchse dann wegwerfend, ergriff er die seines Kameraden und legte mit Blitzesschnelle auf den Nächsten an – aber harmlos berührte sein Finger den Drücker! Wohl schnappte der Hahn und die Funken flogen in die geöffnete Pfanne hinab, doch das Pulver war ihr beim Sturz entfallen und erfolglos klappte der Stein gegen den Stahl. In dem Augenblick schoß ein scharfer Blitz hinter einem dicht neben ihm liegenden Fels hervor, und mit zerschmettertem Haupt sank Preston auf seinen Kameraden zurück.

Da sprang dieser, mit Zusammenraffen seiner letzten Kraft und gezücktem Messer unter der Leiche vor und vertheidigte sich, Verwundung und Gefahr verachtend, mit wilder Verzweiflung gegen die drei auf ihn anstürmenden Feinde; doch ein Kolbenschlag machte ihn taumeln, und während er noch versuchte, sich mit der linken, zerschmetterten Hand anzuklammern, stürzte er mit dumpfem Fall und lautem Angstschrei in die tiefe, gähnende Schlucht an seiner Seite hinab.

Drei Tage waren vergangen, als ein Jäger aus den Ansiedlungen am Hurricane der Spur eines Hirsches folgte und Unmassen von Aasgeiern eine der Terrassen umkreisen sah.

Aus Neugierde, um zu sehen, was für ein Wild dort den Raubvögeln zur Beute gefallen sei, näherte er sich dem Platze und fand auf dem Berge ein, und in der Schlucht, durch die Geier geleitet, ein zweites Gerippe, nicht weit aber von dem ersten entfernt ein frisches Grab, und auf demselben, als Grabstein, einen breiträndigen schwarzen Filzhut, mit einem langen Messer auf den schnell aufgeworfenen Hügel festgespießt.

Wohl eilte er, so schnell er vermochte, in die Ansiedlungen zurück und brachte schon am nächsten Morgen alle Nachbarn, die er auftreiben konnte, auf den Wahlplatz, um von hier aus die leicht errathenen Thäter zu verfolgen und zu bestrafen; vergebens aber blieben sie, mit dem Scharfsinn der Indianer, Tage lang auf der Fährte der Maulthiere; die schlauen Spanier hatten sich und Alles, was ihnen gehörte, auf Canoes in Sicherheit gebracht und nur Einen mit den Lastthieren in's Land geschickt, um die Verfolger, die sie nach kurzer Zeit vermuthen mußten, irre zu leiten. Dieser hatte dann die Thiere verkauft und war, ohne daß Jemand auf ihn achtete, spurlos verschwunden.

Seit dieser Zeit hat zwar Keiner der Spanier gewagt, jene Gebirge, wo ihn die Rache der wilden Grenzbewohner erwartete, wieder zu betreten, aber auch die Silbermine am Hurricane ist noch nicht wieder von den dort Wohnenden entdeckt, und vergebens haben bis jetzt die Jäger ein Geheimniß zu ergründen versucht, das zu bewahren schon so viel Blut vergossen wurde.








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