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Die Sieben gegen Theben

Aischylos: Die Sieben gegen Theben - Kapitel 2
Quellenangabe
typetragedy
booktitleGriechische Tragiker Aischylos, Sophokles, Euripides
authorAischylos
translatorJ. G. Droysen (Berlin 1832)
year1961
publisherDeutscher Bücherbund
addressStuttgart, Hamburg
titleDie Sieben gegen Theben
pages41-74
senderahipler@mainz-online.de
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(Palast in Theben)

Eteokles:
Ihr Kadmosbürger, sagen, was die Zeit gebeut,
Muß, wer am Ruder wacht des Staates, Wohl und Weh
Bedenkend, niemals schlafberückt sein wachend Aug;
Denn wenn es wohl uns ginge, wär's der Götter Werk;
Doch träfe je uns Mißgeschick – mag's nie geschehn! –,
Eteokles einzig würde dann von allem Volk
Gefeiert sein mit Hymnen weithin hallender
Wehklag und Trauer, deren Zeus, der Schützende,
Nach seinem Namen recht ein Schutz uns möge sein.
Ihr aber müßt nun alle, auch wem noch die Kraft
Des Mannes mangelt, auch die schon Ergreiseten,
Ein jeder reichlich stärkend seines Leibes Kraft
Und seines Leibes pflegend, wie's sich ziemt, zu Schutz
Der Stadt, den Tempeln, unsres Landes Göttern sein,
Daß ihre Ehren nimmermehr vergehn, zu Schutz
Den Kindern und der liebsten Amme Mutterland.
Denn als ihr klein noch spieltet auf dem weichen Gras,
Da hat sie treu, all auf sich nehmend alle Last
Der Wartung, euch erzogen so zu rüstigen
Getreuen Bürgern, diesen Dienst ihr einst zu weihn. –
Gewogen war uns bis an diesen Tag ein Gott.
Denn sind wir schon belagert eine lange Zeit,
Doch war der Kampf meist glücklich durch der Götter Rat.
Doch sagt der Seher jetzt, der weisen Vögel Hirt,
Der, ernst in Ohr und Sinnen, fern der Flamm, in fromm
Trugloser Weisheit lauscht auf alles Vogels Flug,
Er, Meister dieser zeichendeutigen Künste, sagt:
Ein größter Angriff drüben im Achaierheer
Sei nachts ersonnen und bedrohe diese Stadt.
Drum auf die Mauern, an die Tore rings verteilt
Euch, Bürger, alle vollgerüstet eilt hinaus,
Besetzt die Brustwehr, stellet auf die Platten euch
Der Wallbasteien, an den Torausgängen harrt
Getrosten Mutes; seid mir nicht vor jenem Schwarm
Fremdlinge bang; nein, glücklich wenden wird's der Gott.
Kundschafter auch und Späher hab ich ausgesandt,
Von denen nicht fruchtloser Weg zu hoffen ist;
Wenn sie mir berichtet, soll mich täuschen keine List.

(Ein Bote kommt)

Bote:
Eteokles, teurer König unsrer Kadmosstadt,
Vom Lager drüben bring ich sichre Kunde dir,
Ich selbst ein Augenzeuge dessen, was geschah:
Wie sieben Feldherrn, kampfgewaltig, mutentflammt,
Stieropfer schlachtend auf den schwarzgebundnen Schild
Und dann mit Stierblut jeder netzend seine Hand,
Bei Ares, bei Enyo, beim bluttrunknen Gott
Des Schreckens schwuren, unsre Stadt bewältigend,
Des Kadmos Feste ganz zu verwüsten oder, selbst
Dem Tod bestimmt, zu tränken unser Feld mit Mord.
Andenken dann daheim den Ältern hingen sie
Mit eigner Hand rings an Adrastos' Wagen auf,
Im Auge Tränen, sonder Klage jeder Mund.
Ihr eisenherzger, heiß in Kriegslust glühnder Mut
Schnob gleich den blutdurstblickenden, raubgereizten Leun. –
Und unverzüglich wird Gewißheit dessen dir;
Denn als ich fortging, losten sie, daß seinem Los
Gemäß an ein Tor jeder führte seine Schar.
Drum stelle du, Herr, unsrer Stadt erlesenste
Kriegsmänner eiligst bei den Torausgängen auf;
Denn Argos' Kriegsvolk, vollgerüstet, nahe schon
Anrückt's, heranstäubt's, und das Feld rings überwirft
Der Rosse Schnauben tropfenhaft mit weißem Schaum.
Du aber, König, gleich dem weisen Steuermann
Beschirm die Stadt dir, eh sich auf sie stürzt der Sturm
Der Schlacht; denn herbraust rings des Heers Landwelle schon.
So schnell wie möglich nutze jetzt die rechte Zeit;
Auch ich bewähre ferner dir ein eifriges,
Treuspähndes Auge, daß du durch mein Wort belehrt,
Was draußen vorgeht, ungefährdet könnest sein.
(Ab)

Eteokles:
O Zeus und Gaia und ihr Götter dieser Stadt!
Erinnys meines Vaters, allgewaltger Fluch!
Nicht tilgt mir so die wurzelaufhinsterbende
Kadmeerfeste, feindbewältigt, mitgewohnt
Der Griechensprache, nicht der Heimat Herd hinweg!
Dies freie Land darf, diese teure Kadmosburg
Das Joch der Knechtschaft nun und nimmermehr umfahn;
Gönnt Rettung; beiden, uns und euch, frommt, was ich bat,
Des Glückes froh ehrt ihre Götter auch die Stadt! –

(Der Chor stürzt aufgelöst herein und eilt auf den Hügel, in den Händen weiße Wollbinden, das Zeichen der Schutzflehenden, um die Altäre der Götter damit zu umflechten, und Frauenoberkleider als Opfer für die Göttinnen; sie stürzen nacheinander an die verschiedenen Altäre, wie es das Lied schildert)

Chor:
Mich entsetzt ein unermeßliches Weh!
Hervorbricht das Heer aus den Gezelten schon,
Ein ungezähltes Volk Reisige strömt vorauf;
Im Feld himmelan wolkiger Staub bezeugt's,
Ein lautloser, lautkündender Bote mir.
Und vom Schlaf scheuchend, roßhufdröhnend, oh!
Wie naht der Lärm und fliegt und tost brausend her.
Unwiderstehlichen, bergschlagenden Wassern gleich!

Weh! weh! weh! weh! weh! weh!
O Götter, Göttinnen! hinweg scheucht das empörte Weh!
Laut rufend rückt mauerwärts der weißschildigen Feinde Volk,
Mächtig Schar auf Schar
Gegen die Stadt zum Sturm an.
Ach, wer errettet uns!
Ach, wer erbarmet mein sich, Gott, Göttin, wer? Oh!
Nieder zu welchem Bild soll ich der Ewgen jetzt flehend knien?
Erhört, hochthronende Götter, uns!

Eins ist not, zu umfahn die Bilder.
Was säumen wir in unsrer Angst?
Ach, hört ihr oder hört ihr nicht der Schilde Lärm?
Mit Weihkleidern und Kränzen, wann, wenn nicht jetzt,
Sollen wir zu ihnen flehn?
Getös, ich hör es, hör unzähliger Lanzen Klirrn.
Was tust du? Dahin gibst du, Ares,
Dein Land, Urlandeshort!
O goldgehelmte Göttin, sieh, sieh her zur Stadt,
Welche sonst dir vielteuer war!

Kommt, kommt ihr alle!
Götter, Landeshüter ihr,
Sehet der Mädchen schutzflehende Schar; sie flehn bang vor Sklavenjoch!
Helmbuschwogend um die Stadt
Brandet der Feinde Meer, tosend und sturmgepeitscht, wehe! von Ares' Zorn!
Allvater Zeus, du Herr des Alls,
Den Fall der Stadt wend, Allbehüter, von uns;
Denn rings schließt Argos' mächtig Heer Kadmos' Burg ein.
Entsetzen, Kriegswaffen rings!
In dem Gebiß der Rosse Kettenzügel, furchtbar klirren sie Mord entgegen.
Sieben Gewaltge sieh! Im Schlachtschmuck speerhemmender Schilde vorleuchtend, sie stellen sich
Dem Los nach bei den sieben Toren!

Und du, Tochter des Zeus,
Du, schlachtfreudige Macht Pallas', beschirm die Stadt!
Und du, roßgewandter, du meerwaltender Fürst,
Du mit dem Fischjagdtrident, Poseidon,
Nun zu erlösen uns, komm zu erlösen uns!
Und du, Ares, weh uns, wache der Stadt, sie trägt
Ja Kadmos' Namen; offenbar dich hilfreich!
Und Kypris, du des Geschlechtes Urmutter, rett uns!
Aus deinem Stamm, deinem Blut sind wir gezeugt.
In gottvertraunder Demut nahn wir deinem Bilde!
Und du, lykischer Fürst, lykischem Wolf sei gleich
Dem Heer meiner Feinde! Hör mein Jammern!
Und du, letogeborne Jungfrau,
Wappne dein Geschoß jetzt,
Teuere Artemis!

Erste Strophe

Wagengerassel hört! Ach, um die Mauern rings!
O hehre Hera!
Ach in den Naben kracht lastender Achsen Lärm,
Lanzengeschlagen rast sausend der Äther drein!
Weh! Was erträgt die Stadt! Was wird werden aus ihr?
Wohin noch gedenkt ihr der Gott ein Ziel?

Erste Gegenstrophe

Horch! An die Zinnen schlägt ein Steinregen empor!
Teurer Apollo!
Wild in den Toren klirrt eiserner Schilde Gedräng!
Aber bei Zeus ist heiliges, schlachtenentscheidend End alles Kampfs!
Selige Fürstin Onka, draußen am Tore hilf
Dem Siebentorigen, deinem Sitz!

Zweite Strophe

Ihr mächtigen Gottheiten alle!
Ihr Götter, Göttinnen, allsiegende!
Ihr Wall und Burg beschirmenden!
Die speerzitternde Stadt gebet nicht hin an ein fremdsprechend Volk!
Hört der Mädchen Flehn, hört ihr gerechtes, händeringendes Flehn an!

Zweite Gegenstrophe

Ihr teuren Dämonen alle,
Ihr schutzbereit um die Stadt wandelnden,
Zeiget jetzt, wie lieb sie euch!
Erbarmet euch um des Volks Weihn, erbarmt meines Gebets euch, sendet Schutz,
Seid mir der opferkundigen, der heiligen Orgien mir gedenk! –

Eteokles:
Euch selber frag ich, unerträgliche Wesen ihr,
Ist dies das Beste, dienet dies der Stadt zum Heil
Und zur Ermutigung unsrem eingeschloßnen Heer,
Daß, vor der Schutzgottheiten Bildern hingestürzt,
Ihr schreit und wehklagt, ihr, dem weisen Mann ein Greul?
Niemals im Unglück noch der liebren Zeit des Glücks
Möcht ich Gemeinschaft haben mit dem Weibervolk.
Ein Weib, das herrscht, vor Frechheit ist's nicht auszustehn;
In Angst gar ist sie ein doppelt Kreuz für Haus und Stadt.
Auch jetzt erweckt ihr mit dem Geschrei der zitternden,
Verwirrten Flucht ruhmlose Feigheit unsrem Volk
Und helft dem Feinde draußen auf das trefflichste,
Indes wir selbst uns selbst vernichten in der Stadt.
Das hat zu hoffen, wer verkehren mit Weibern muß! –
Wenn irgend jemand meinem Willen nicht gehorcht,
So Mann wie Weib und jeder andre, wer es sei,
Das Todesurteil soll für den gesprochen sein;
Nicht mehr entkommt mir der der Steinigung des Volks.
Es liegt dem Mann nur, nicht zugleich den Weibern ob,
Was draußen vorgeht; schade sie nur drinnen nicht.
Hörst du? Du hörst nicht? Sprech ich tauben Ohren? Wie?

Erste Strophe

Chor:
O du, des Ödipus
Teuerer Sohn, voll Angst hört ich der Wagen heranrasselnd Getös, Getös,
Da von den radrollenden Naben es laut hierher,
Laut vom ruhlosen Steur in dem Gebiß der Rosse klang,
Dem feuergebornen Zügel!

Eteokles:
Und dann? Gewinnt der Schiffer wohl, der bang vom Steur
Zum Vorderdeck flieht, sich der Errettung sichren Weg,
Wenn ihm der Kiel ankämpfet gegen wilde Flut?

Erste Gegenstrophe

Chor:
Aber ich kam besorgt
Zu den uralten Bildsäulen der Götter her, trauend den Ewigen;
Da das Getös des Steinhagels die Tore schlug,
Da bezwang uns die Angst, und zu den Göttern flehten wir,
Daß sie sich der Stadt erbarmten.

Eteokles:
Ruft Wall und Turm an, vor dem Geschoß zu decken uns;
Das freilich nicht liegt bei den Göttern; doch es heißt,
Die Götter zögen von der bezwungnen Stadt hinweg.

Zweite Strophe

Chor:
Nimmer, solang ich leb, möge verlassen sie
Unserer Götter Chor; mögen wir nimmermehr
Feindedurchstürmt die Stadt, nimmer der Unsern Volk
Feindlichen Feuers bewältigt sehn.

Eteokles:
Mit deinem Beten werde selbst uns nicht zum Feind;
Es ist Gehorsam alles glückerrettenden
Erfolges Vater; Mädchen, das bedenket wohl.

Zweite Gegenstrophe

Chor:
Aber darüber hoch ist noch der Götter Macht;
Oft in der Zeit der Not, wenn dem Verzweifelnden
Wolken des Grams das Aug in Nacht hüllen, sie
Richten ihn auf in des Unglücks Last.

Eteokles:
Zukommt's den Männern, heilges Opfer und Geschenk
Den Göttern darzubringen, wenn die Feinde dräun,
Doch dir, zu schweigen und zu harren still im Haus.

Dritte Strophe

Chor:
Nur mit der Götter Gunst bleibt unbesiegt die Stadt,
Bleiben die Mauern uns gegen den Feind ein Schutz;
Wie mag ein Tadel mich treffen drum?

Eteokles:
Nicht neiden will ich's, daß du hoch die Götter ehrst;
Indes damit du nicht das Volk feigherzig machst,
So bleibe ruhig, fürchte nichts zu sehr voraus.

Dritte Gegenstrophe

Chor:
Da ich so neues, kampfwildes Getös vernahm,
Bin ich in scheuer Flucht her zu der hohen Burg
Kommen, dem götterbewachten Sitz. –

Eteokles:
Nicht jetzt, wenn manchen man verwundet oder tot
Euch nennt, empfangt ihn laut mit wildem Klageruf;
Denn Ares weidet gern an solchem Morde sich.

Chorführerin:
Ich höre deutlich auch der Rosse Wiehern schon!

Eteokles:
Doch höre jetzt nicht allzu deutlich, wenn du hörst.

Chor:
Es seufzt von Grund auf feindumzingelt unsre Stadt.

Eteokles:
Und nicht genügt dir's, daß ich vorgesorget hab?

Chor:
Ich zittre! Weh, das Tosen an den Toren wächst!

Eteokles:
So schweige! Nicht verlauten darf's in die Stadt hinab.

Chor:
Ihr Götter alle, nicht verratet diese Burg!

Eteokles:
Tod dir! Vermagst du nicht zu bändigen deinen Mund?

Chor:
Ihr heimischen Götter, nur in Knechtschaft stoßt mich nicht!

Eteokles:
Du selber knechtest dich und mich, die ganze Stadt.

Chor:
Allmächtger Zeus, wirf auf die Feinde dein Geschoß!

Eteokles:
O Zeus, zu was erschufest du das Weibervolk?

Chor:
Zu leiden gleich den Männern, deren Stadt besiegt.

Eteokles:
Mit bösen Worten wieder nahst den Bildern du!

Chor:
Es reißt in Ohnmacht meine Furcht den Mund dahin.

Eteokles:
Ein Kleines bitt ich; gönntest du mir doch Gewähr!

Chor:
So sag's geschwinde, und ich weiß und will es gleich.

Eteokles:
So schweig, du Unglückselige, schreck die Unsern nicht!

Chor:
Ich schweige, mit den andern trag ich mein Geschick.

Eteokles:
Ich nehme dies Wort statt der frühren gern von dir;
Sodann hinweg von diesen Bildern tretend, fleht
Das Beßre, daß Mitstreiter uns die Götter sei'n.
Wenn ihr vernommen mein Gelübde, feierlich
Beginnet dann der Weihe heilgen Festgesang
In der opferweihnden Weise des Hellenenvolks,
Den Unsern Mut anfachend, selber frei von Angst. –
Euch, Göttern meines Landes, euch, Stadtschirmenden,
Euch, Feldeswaltenden, euch, den Hütern dieses Markts,
Euch, Dirkes und Ismenos' Quellen, gelob ich laut,
Wenn alles wohl geht und die Stadt gerettet wird,
Zu tränken euren Götterherd mit Lammesblut,
Feststiere dankbar euch zu opfern, wenn des Siegs
Trophä'n wir einweihn und das zerschlagne Waffenzeug
Aufhängen rings an euren Tempeln, euch zum Schmuck. –
Du bete nun dasselbe, doch mit Seufzen nicht
Und nicht mit nutzlos ungestümem Schluchzen; denn
Nicht wirst du darum deinem Lose mehr entfliehn.
Ich aber will sechs Männer, selbst der siebente,
Zum Widerstand den Feinden die Bewährtesten,
An die sieben Tore unsrer Stadt zu ordnen gehn,
Eh falschberichtend flüchtiges, schnellverbreitetes
Gerücht sich naht, leicht zündend bei des Volkes Not. –
(Eteokles mit seinen Begleitern ab)

Erste Strophe

Chor:
Ich will's; doch Angst läßt der Brust keine Ruh;
Meines Herzens Nachbar, die Sorge,
Wecket mein Verzagen.
Um Wall und Tor Feinde rings, sie fürcht ich Giftschlangen gleich,
Die, im Nest brütend, die Taube zu Raub nahen sieht,
Zitternd für die Jungen. –
Sieh, und dort zu den Türmen
Weithin Scharen zu Scharen
Nahn schon! Was mir erwarten?
Sieh! Dort schleudern sie ringsher
Empor gegen die Unsern
Kantig Gestein, zerschmetternd.
Rettet die Stadt, wie ihr es könnt,
Götter ihr, Zeus' Geschlecht,
Schützt das Geschlecht des Kadmos!

Erste Gegenstrophe

In welch Gefild könnt ihr ziehn, herrlicher
Denn diese Aun, die tieffurchengrünen,
Feinden preisgegeben?
Und Dirkes vielklarer Quell, vor allem Trank labesüß,
So viele senden Poseidon, der Erdgürter, mag
Und die Tethyskinder?
Darum, Götter, Behüter
Der Stadt, wollet in Gnaden
Vor den Toren den Feinden
Männermordend Verderben,
Wehrhinraffend Verderben
Niedersenden, den Meinen
Sieg und Ruhm zu bereiten!
Retter der Stadt, Hüter treu
Eurer Burg, zeiget euch
Meinen den flehnden Klagen!

Zweite Strophe

Greul wär's, stürzte die Stadt ältesten Ruhms in den Hades hinab, ascheverweht,
Blutig siegender Speere Raub,
Von achaischem Kriegsvolke mit Zeus' Willen vertilgt in Schanden;
Würden wie Sklavinnen fortgerissen,
Ach! ach!
Alle, Jung und Alte,
Wie von Rossen am Haar, ihr Kleid, ach! um die Brust frech zerfetzt.
Dann hallt weit die menschenöde Stadt
Von der Gefangenen hinsterbendem Ruf! –
Ja, hart ist's, was ich zitternd nahn seh!

Zweite Gegenstrophe

Greul wär's, müßte die süßblühende Braut vor der Weihe der frühpflückenden Brautnacht
Gehn vom Haus den verhaßten Weg;
Ja, welche dahinraffte der Tod, glücklicher nenn ich die dann!
Vieles, wenn feindunterjocht die Stadt sinkt,
Ach! ach!
Arges leiden muß sie;
Hinweg reißen sie, morden wild, stecken in Brand da und dort.
Mit Rauch schwärzt sich rings die Stadt;
Tosenden Sturmes und alltilgend hinein
Weht Ares, heiliger Stätte Schänder.

Dritte Strophe

Dumpf in den Straßen Kriegslärm;
Zur Burg empor rings ein Hag von Flammen;
Und tot schlägt den Mann mit dem Speer der Mann;
Drein schallt blutiges Wimmern,
Schaurig, von sterbenden Säuglingen, den kaum gebornen.
Wüstes Schweifen, freches Rauben blutvereint.
Und der Plündrer stößt zum Plündrer,
Und der Leere ruft den Leeren,
Zum Genossen will er ihn.
Doch nicht mindres, doch nicht gleiches scheint ihm gnug! –
Oh, wie noch endet uns sich dieser Tag?

Dritte Gegenstrophe

Jegliche Frucht des Feldes,
Am Boden verstreut, kränkt den Schaffnerinnen
Den gramvollen Blick, daß sie es müssen sehn;
Viele Gaben der Erde
Schlämmt durcheinandergemengt eitel die träge Flut fort.
Leiden müssen neue Mägde, leiden neu
Speererrungne Lust des Lagers,
Siegesstolzen Mannes Wollust.
So dem Feind in Diensten bleibt
Nur die Hoffnung, daß zu Nacht einst führt der Tod,
Zur Lösung aller allbeweinten Not! –

Chorführerin:
Seht dort den Späher! Wie es scheint, so bringt er uns,
Ihr Lieben, neue Kunde mit vom Feindesheer,
So eilen radgleich, seht, die Speichen seines Schritts!
Und auch der König selbst, der Sohn des Ödipus,
Kommt her, zu hören seines Boten neue Mär;
Die Eile läßt auch seinen Fuß nicht eben ruhn.

(Der Bote und Eteokles mit großem kriegerischem Gefolge treten von verschiedenen Seiten auf)

Bote:
Wohl unterrichtet sag ich an, was bei dem Feind
Geschehn, wie jeder eins der Tore sich erlost.
Schon wütet Tydeus voller Trotz an Proitos' Tor;
Jedoch der Seher lässet durch Ismenos' Furt
Ihn nicht hindurchgehn; günstig sei das Opfer nicht.
Doch Tydeus, tollkühn und des Kampfes gierig, tobt,
Wie wenn ein Drache wild in Mittagshitze zischt,
Und sticht mit Schmähwort des Oïkles weisen Sohn,
Mit seiner Feigheit schmeichl er Kampf fort und Gefahr.
So schmäht er, schüttelt seine drei hochschattenden
Roßschweif, des Helmes Mähnen, und an seinem Schild
Die erzgetriebnen Schellen lärmen helle Furcht.
Auf seinem Schild prangt dieses stolze Wappenbild:
Von Sternen glühend ist ein Himmel dargestellt,
Der helle Vollmond, aller Gestirne schönstes, strahlt
Inmitten seines Schildes hell, ein Aug der Nacht.
So frech in seinen allzustolzen Waffen tobt
Er an dem Gestad des Flusses voller Kampfbegier,
Gleichwie ein Streitroß sein Gebiß anschnaubt und schäumt,
Wenn's auf die Schlachttrompete harrend stampft und bäumt.
Wen stellst du dem entgegen? Wer wird Proitos' Tor,
Wenn's aufgetan ist, recht zu schirmen tüchtig sein?

Eteokles:
Ich bin um den nicht bang mit allem seinem Prunk;
Denn Wunden schlagen können jene Bilder nicht;
Helmbusch und Glöcklein ritzen auch nicht sonder Speer;
Und jene Nacht, die, wie du sagst, auf seinem Schild
Im Funkelspiel der Himmelssterne gleißt und blitzt,
Gar leicht prophetisch kann ihm diese Torheit sein.
Denn senket Nacht sich nieder auf sein sterbend Aug,
Dem Wappenträger wär das stolze Wappen dann
In Ernst und Wahrheit als bedeutungsvoll erprobt,
Und seinen Hochmut legt' er selbst sich selber aus.
Ich will dem Tydeus Astakos' erlauchten Sohn
Entgegenstellen als Beschirmer jenes Tors,
Den hochgebornen, der dem hehren Thron der Scham
Stets nah in Ehrfurcht, übermütger Rede feind,
Zum Schlechten langsam, gern sich doppelt brav bewährt,
Der erdentsproßnen Sparten, die der Kampf verschont,
Berühmten Sprößling, dieses Landes echten Sohn,
Melanippos. Jetzt entscheidet Ares' Würfel nur;
Und gleich des Blutes heilgem Recht treibt's ihn hinaus
Zum Schutz der Muttererde gegen Feindesspeer.

Erste Strophe

Chor:
Daß mein Kämpfer heut glücklich im Kampfe sei,
Gewährt's, Götter! Ja, gerecht zieht er hin,
Unserer Stadt zum Schirm. –
Und doch fürcht ich sehr, zum Heil der Seinen sterben ihn
Blutigen Tod zu sehn.

Bote:
Ihm mögen also Sieg verleihn die Ewigen!
Das Tor Elektra ferner loste Kapaneus,
Ein zweiter Riese, mächtiger als der erste noch;
Sein stolzes Trotzen sinnet mehr denn Menschliches;
Er droht den Mauern, Gott behüt sie, Gräßliches;
Denn sei's mit Gottes Willen oder nicht, die Stadt
Zerstören woll und müß er, nicht abhalten werd
Ihn selbst des Zeus Zorn, schlüg auch rings sein Wetter ein;
Ja, allen Blitzstrahl und des Donners glühnden Pfeil
Nennt er des Mittags warmen Sonnenstrahlen gleich.
Als Wappen trägt er einen nackten Feuerknecht,
Der, einer Fackel drohnden Brand in seiner Hand,
Mit goldner Inschrift kündet: Ich zünd an die Stadt!
So kühnem Kämpfer sende – wer mißt sich mit ihm?
Wer steht des Mannes kühnem Trotze sonder Furcht?

Eteokles:
Auch dieser Vorzug, nach sich zieht er sein Gericht;
Denn gegen jeden tritt, dem eitlen Übermut
Sogleich gerecht, sein eigner Mund als Kläger auf.
So droht in Waffen Kapaneus, indem er frech
Die Götter mißehrt; und ermüdend seinen Mund
Mit eitler Siegeslust, sendet er, ein Sterblicher,
Dir, Zeus, gen Himmel seiner wilden Worte Flut.
Ich weiß es, ihn wird niederschmettern und mit Recht
Ein glühnder Blitzstrahl, welcher dann mitnichten gleich
Dem warmen Mittagsonnenstrahl ihm möchte sein.
Als Gegner steht ihm, wie er keck auch prahlen mag,
Des Polyphontes Kraft, ein Mann von glühndem Mut,
Ein großes Bollwerk, durch der Schützerin Artemis
Beistand und aller Götter Gnad ein sichrer Schutz.
Nenn einen anderen, anderem Tore zugeteilt. –

Erste Gegenstrophe

Chor:
Tod dem, der sich so uns zu bedrohn vermaß.
Des Blitzstrahles Pfeil hemme des Frevlers Fuß,
Eh er ins Haus mir dringt,
Eh wild fort er mich, aus mädchenhafter Kammer fort
Treibt mit der frechen Lanze.

Bote:
So sag ich weiter, wer das nächste Tor erlost.
Dann als dem dritten fiel das dritte Steinchen nun
Für Eteoklos aus dem umgestürzten Eisenhelm,
Der Seinen Schar zu führen zum Neïtischen Tor.
In weiten Kreisen jagt er sein zaumknirschendes
Gespann, das torwärts durch das Feld zu fliegen drängt;
Durch ihr Gebiß zischt wie Barbarenmundes Laut
Des nüsternstolzen Wieherns dampfgeschnaubter Hauch.
Kunstreich gemalt glänzt auf dem Schild sein Wappenschmuck;
In voller Rüstung steigt an einer Leiter rasch
Ein Mann zu einem Turm empor, um den er kämpft,
Nach seiner Inschrift goldnen Zeichen sagt er aus,
Daß Ares selbst ihn nicht vom Turme stürzen soll.
Auch diesem stell entgegen einen Tüchtigen,
Um das Joch der Knechtschaft abzuwehren von der Stadt.

Eteokles:
Den möcht ich schicken, und vielleicht mit bestem Glück –
Jawohl, ich schick ihn, Megareus, des Kreon Sohn,
Vom Stamm der Sparten, dessen Schild nichts prahlend trägt,
Der nicht, vom wilden Rossewiehern eingeschreckt,
Aus seinem Tor wird weichen, nein, entweder, treu
Dem Wohl der Heimat dienend, fallen oder selbst,
Die Männer beide fangend und des Schildes Turm,
Mit Siegesbeute schmücken wird sein Vaterhaus.
So rühm dann andre, nichts verhehl uns dein Bericht!

Zweite Strophe

Chor:
Laut fleh ich, dir möge das Glück gedeihn, du Vorkämpfer der treuen Stadt!
Doch Unglück dem Feind!
Wie sie mit frechem Mut gegen die Stadt in wahnsinnigem Stolz gedräut,
Schaue sie Zeus, der Vergelter, zürnend!

Bote:
Ein andrer vierter steht am nächsten Tore, dem
Der Pallas Onka, wieder stolz in wildem Lärm.
Es ist Hippomedons hehre Kraft und Riesenleib.
Den weiten Mondhof, seines Schildes Riesenkreis,
Sah ich mit Entsetzen schwingen ihn; ich leugn es nicht.
Sein Wappenbildner war von nicht geringer Kunst,
Der solch ein Kunstwerk ihm in seinen Schild gemalt,
Wie eben Typhon aus dem feuersprühnden Mund
Den schwarzen Qualm, des Feuers flüchtgen Bruder, bläst;
Mit verschlungnen Schlangen dräuend rings umrandet wird
Gehalten seines hochgewölbten Schildes Bauch.
Er beginnt den Schlachtruf, stürzt, des Ares trunken, sich
Gleich einer Thyias, Tod im wilden Blick, zum Kampf. –
Mit solchem Mann zu wagen heischt vorsichtigen Mut;
Denn Angst und Zagen weckt er tobend schon am Tor.

Eteokles:
Es wird zuerst Onka, die stadtnachbarliche,
Die nah am Tor weilt, Feindin allen Übermuts,
Gleich wildem Drachen wehren ihn von ihrem Volk;
Dann ist in Oinops' edlem Sohn Hyperbios
Dem mächtgen Feind ein gleicher Feind erwählt, der kühn
Im Kampf des Schicksals sein Geschick erproben will,
Nicht an Gestalt und nicht an Mut noch Waffenschmuck
Verwerflich; wohl hat Hermes sie zum Kampf gepaart;
Denn feindlich tritt hier gegenüber Held und Held,
Auch tragen beide feindliche Götter auf dem Schild;
Denn jener führt des feuerspeienden Typhon Bild,
Und auf Hyperbios' Schilde sitzet Vater Zeus,
Erhaben thronend, flammenden Blitz in seiner Hand;
Und überwunden sah den Zeus doch keiner noch.
So offenbart sich beider Götter Schutz und Gunst:
Wir auf des Siegers Seite, auf des Besiegten die;
Und gleiches Los muß werden beiden Kämpfenden,
Wenn Zeus den Typhon je im Kampf bezwungen hat
Und für Hyperbios nach des eignen Schildes Bild
Der Zeus in seinem Wappen ein Beschützer ist.

Zweite Gegenstrophe

Chor:
Ich glaub es fest, der den verhaßten Feind des Zeus träget in seinem Schild,
Des Unholdes Leib,
Scheußliches, Menschen und ewigen Göttern grausenhaftes Dämonenbild,
Wird sich am Tor das Haupt zerschmettern.

Bote:
So mag es enden; doch den fünften nenn ich nun,
Der bei dem fünften, dem Borrheïschen Tore steht,
Dem Grab Amphions nah, des Zeusgeborenen.
Bei seiner Lanze schwört er, die dem Vermessenen
Mehr denn ein Gott gilt, teurer als sein eigen Aug,
Furchtbar zerstören woll er Kadmos' heilge Stadt
Trotz Zeus. So jauchzt der Sohn der Bergwaldjägerin,
Holdselig blühnden Angesichts, ein Jüngling-Mann;
Der weiche Flaum sprießt eben ihm um Wang und Kinn,
Der blühnden Jugend erstes dichtvorkeimend Haar.
Nicht aber, wie sein Name lügt, jungfräulich scheu,
Nein, rohen Mutes, wilden Blickes stellt er sich
In frechem Hochmut tobend dort an unser Tor.
Denn jenes Scheusal unsrer Stadt an seinem Schild,
Dem erzgefügten, kreisgestaltgen Schirm der Brust
Mit Nägeln kunstreich angefügt, schwingt er, der Sphinx,
Der blutgenährten, hell in Erz getriebnes Bild;
Und vor sich trägt sie einen Mann von Kadmos' Volk,
So daß zumeist den all Geschoß verwunden muß.
Denn ins Feld gezogen scheint er nicht mit Krämermut
Und nicht zur Schande dieses weiten Weges. So
Steht Parthenopaios aus Arkadia kampfbereit,
Der zweiten Heimat Argos seinen Dank zu weihn,
Der Feste dräuend, was ein Gott verhüten mag.

Eteokles:
Ja, bei den Göttern, möchte, was sie sinnen, auch
Um solch ein heillos freches Prahlen schon geschehn,
Dann würde hilflos, gnadenlos sie untergehn.
Doch steht zu jenem Arkader, den du genannt,
Ein Mann, der nicht prahlt, dessen Hand nur Taten will,
Arkteus, der Bruder dessen, der soeben ging;
Nicht wird er dulden, daß ein tatenlos Geschrei
Durchs Tor daherströmt, frech zu mehren unser Leid,
Noch daß er eindringt, der im allverhaßten Schild
Des fluchgenannten Ungeheuers Zeichen trägt.
Von uns zu ihm hin wird sie wenden ihren Zorn,
Wenn dichte Lanzen auf sie stürmen vor der Stadt.
Mit Gottes Beistand wird sich bewähren, was ich sprach.

Dritte Strophe

Chor:
Es dringt dieses Wort mir tief ein ins Herz,
Des Haares Locke sträubt sich mir entsetzt empor,
Da ich von den verruchten Prahlern hören ihr Prahlen muß!
Wollt, o Götter, Götter, sie tilgen in diesem Lande!

Bote:
Den sechsten Kämpfer nenn ich nun, den edelsten,
Den kühnsten Mann, des Sehers Amphiaraos Kraft;
Ans Homoloische Tor gesendet, tadelt er
Mit lautem Scheltwort frank und frei des Tydeus Kraft.
Nennt blutgen Mörder und Zerrütter seiner Stadt,
Nennt ärgsten Leides Lehrer fürs Argivervolk,
Der Bluterinnys Schergen ihn und Knecht des Bluts,
Dem allen Unheils bösen Rat Adrastos dankt.
Zu deinem unglückselgen Bruder blickt er dann,
Zurückgewandt das Auge, zu Polyneikes' Kraft,
Ruft endlich zweimal seinen Namen kummervoll
Und spricht noch einmal diese Worte wider ihn:
"Ja, wohlgefällig ist den Göttern dein Bemühn,
Im Mund der Nachwelt vielbewundert, vielgerühmt,
Die Stadt der Väter und der Heimat Götter so
Hinwegzutilgen, fremden Heeres überstürmt!
Doch welches Recht je tilgt des Mutterlandes Quell?
Und deine Heimat, unterjocht von deiner Wut
Mit blutgem Speer, wie wird sie mit dir stehn im Kampf?
Ich aber muß bald selber düngen dieses Feld,
Der Seher, unter feindlich Land gebettet ruhn.
Zum Kampfe! Nicht ruhmloser Tod erwartet mein!"
So sprach der Seher, seinen erzgediegnen Schild
Im Kreise schwingend, dessen Rund kein Zeichen trug.
Denn nicht gerecht nur scheinen will er, sondern sein,
Aus tiefen Furchen erntend seiner treuen Brust,
Draus ihm hervorsprießt viel bewährten Rates Frucht.
Dem rat ich einen weisen, edlen Widerpart
Zu senden; stark ist, wer die Götter scheut und ehrt.

Eteokles:
Weh dieses Unsterns, welcher den Gerechten uns
Mit jenen ganz gottlosen Menschen einigte!
In allem Tun ist aber schlimme Genossenschaft
Das Schlimmste, freudlos einzusammeln ihre Frucht;
Denn auf des Frevels Feldern erntet man den Tod.
Und wenn in ein Schiff steigt der Gottesfürchtige
Mit wildem Schiffsvolk, mit Verworfenheit und Trug,
So kommt er selbst um samt dem gottverfluchten Volk.
So wer mit seinen Landesbrüdern, selbst gerecht,
Mit bösen, gastrechtschändenden, gottvergessenen,
Desselben Fanges mitgefangene Beute wird,
Erliegt der Gottesgeißel mit, die alle trifft.
Auch dieser Seher, des Oïkles weiser Sohn,
Ein gerechter, weiser, tapfrer, gottesfürchtger Mann
Und großer Zeichenkündger, da er den Frevlern sich,
Den frechen Prahlern, trotz des eigenen Sinns gesellt,
Er wird, so Zeus will, mit in den Tod hinabgestürzt.
Zwar glaub ich, nicht angreifen wird er jenes Tor;
Nicht daß er feig ist noch Verrat im Sinne trägt,
Nein, weil er einsieht, daß er fallen muß im Kampf,
Wenn nicht in Nichts zerfallen soll des Phoibos Spruch,
Der schweigen oder, was erfüllt wird, sagen pflegt.
Doch mag sich ihm auch dieser, Lasthenes' Gewalt,
Dem Feind ein gar unfreundlicher Pförtner, stellen, der
Ein Greis an Einsicht, doch in Jugend kräftig blüht,
Der flüchtgen Auges, doch die Hand nicht säumen läßt,
Herauszuschwingen vor dem Schild den entblößten Speer.
Doch Göttergunst ist's, wenn ein Mensch zu Glück gedeiht.

Dritte Gegenstrophe

Chor:
Erhört, Götter, uns! Erfüllt gnadenreich
Unser gerechtes Flehn, glücklich Gedeihn der Stadt!
Den uns mit der Gewalt des Speeres bedräuenden Fremdling, hinaus
Weist ihn, tief vom Wall hinab schleudre zum Tod ihn Zeus' Blitz.

Bote:
So höre nun vom siebenten, der am letzten Tor
Sich aufgestellt hat, deines Bruders feindlich Haupt,
Zu welchem Schicksal der die Stadt verwünscht, verflucht!
Am Wall empor sich schwingen und, der Geächtete,
Den Schlachtgesang anstimmen will er, selbst mit dir
Zum Kampf sich treffen, dich erschlagen, neben dir
Selbst fallen oder, lebst du, selbst dich, der ihn zur Schmach
Verbannt, verbannen, rächen so durch gleiche Schmach.
So dräut Polyneikes, und die Götter seines Volks
Und Vaterlandes ruft er an, daß gnädig sie
Auf seine Bitten und erhörend niederschaun.
Und einen Erzschild trägt er, neu und festgebaut,
Und drauf befestigt glänzt ein doppelt Wappenbild:
In Gold getrieben führt ein Weib dort einen Mann
In voller Rüstung, leitet ihn mit klugem Maß.
Sie heiße Dike, sagt sie, wie die Schrift besagt:
"Heimführen will ich diesen Mann, die Vaterstadt
Soll er besitzen und des Vaterhauses Macht."
Dies also ist es, was erdacht von jenem ward;
Du aber selbst bedenke, wen du zu schicken meinst.
Mich schiltst du sorglos meines Botenamtes nicht;
Es bleibt das Steur der Stadt zu lenken deine Pflicht!
(Bote ab)

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