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Die Schwestern

Georg Ebers: Die Schwestern - Kapitel 27
Quellenangabe
typefiction
authorGeorg Ebers
titleDie Schwestern
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
seriesGeorg Ebers - Ausgewählte Werke
volumeVierter Band
year1893
firstpub1880
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20081021
projectid5c81e946
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Fünfundzwanzigstes Kapitel

König Euergetes ging unruhig in dem hohen Gemache, das sein Bruder mit besonderer Pracht für ihn zum Empfangszimmer eingerichtet hatte, auf und nieder.

Kaum war mit dem Aufgang der Sonne sein Geburtstag angebrochen, als er sich mit großem Gefolge, und bevor Philometor das gleiche getan, in den Tempel des Ptah begeben hatte, um zu opfern, die mächtigen Leiter des Heiligtums für sich zu gewinnen und das Apisorakel zu befragen.

Es war günstig ausgefallen; denn der heilige Stier hatte ihm willig aus der Hand gefressen, aber es wäre ihm lieber gewesen, wenn er sich von dem Kuchen abgewandt und Euläus ihm die Nachricht gebracht hätte, der Anschlag auf das Leben des Römers sei gelungen.

Gaben über Gaben, Glückwunschschreiben aus allen Gauen des Landes und priesterliche, zu seiner Ehre verfaßte Dekrete auf Tafeln von hartem Stein lagen auf allen Tischen und standen an den Wänden des großen Raumes, den die Gratulanten soeben verlassen.

Nur des Königs Freund Hierax war bei ihm geblieben und lehnte sich, auf den Wink des Gebieters wartend, an den reich mit Gemmen geschmückten, hohen Thronsessel von Gold und Elfenbein, den die jüdische Gemeinde von Alexandria ihrem Gebieter gesandt hatte.

Der Feldoberst kannte seinen Herrn und wußte, daß es unvorsichtig sei, ihn anzureden, wenn er so aussah wie jetzt.

Aber Euergetes empfand selbst das Bedürfnis zu reden und sagte, ohne den Gang zu unterbrechen oder den stattlichen Freund anzuschauen:

»Auch die Philobasilisten erwiesen sich käuflich, meine Soldaten in der Burg sind zahlreicher und dazu besser als die dem Philometor treu gebliebenen, und es gäbe also für mich nichts weiter zu tun, als ein kurzes Gedresche von Schwert auf Schild ins Werk zu setzen, mich auf den Thron zu schwingen und zum König ausrufen zu lassen; aber mit der stärksten Heeresabteilung des Feindes im Rücken geh' ich nicht in die Schlacht! Auf dem Hals meiner Schwester sitzt der Kopf meines Bruders, und solang ich ihrer nicht sicher bin ...«

Ein Kämmerer, der eilig in das Gemach stürzte, unterbrach ihn und rief:

»Die Königin Kleopatra!«

Über die Züge des jungen Riesen flog ein triumphierendes Lächeln.

Nachlässig warf er sich auf ein purpurnes Polster, ließ sich eine köstliche Leier von Elfenbein reichen, die ihm die Schwester als Geschenk übersandt hatte, und in die mit wundervoller Kunst und Feinheit die erste Hochzeit, die des Kadums mit der Harmonia, bei der alle Götter als Gäste erschienen, geschnitten war.

Mit außerordentlicher Kraft und meisterlichem Geschick griff Euergetes in die Saiten und begann einen Hochzeitsmarsch zu spielen, in dem leidenschaftlicher Jubel mit sehnsuchtsvollem, leisem Liebesgeflüster zu wechseln schien.

Der Kämmerer, der Kleopatra zu ihrem Bruder einzuführen hatte, wollte das Spiel seines Herrn unterbrechen, die Königin aber hielt ihn zurück und blieb mit ihren Kindern lauschend an der Tür stehen, bis Euergetes das Lied mit einem mutwilligen Griff in die Saiten und einem lauten, das Ohr verletzenden Mißklange jäh beendete, die Laute auf das Polster warf und dann erst, als habe er, vertieft in sein Spiel, das Kommen der Königin völlig überhört, sich scheinbar überrascht erhob und auf sie zuging.

Herzlich und indem er ihr beide Hände entgegenstreckte, begrüßte er die Schwester, und auch die Kinder, die ihn nicht fürchteten, weil er mit ihnen wie ein ausgelassener Knabe tolle Scherze zu treiben verstand, hieß er so zärtlich willkommen, als sei er ihr eigener Vater.

Er wurde nicht müde zu danken, die sinnige Gabe Kleopatras an ihn. der sich ja wie Kadmus der Harmonia zu bemächtigen versuchte, zu rühmen, und faßte sie, die noch gar nicht zu Worte gekommen war, endlich bei der Hand, um ihr auch die Geschenke ihres Gatten und der Gaue des Landes zu zeigen. – Aber Kleopatra schien wenig Gefallen an diesen Dingen zu finden und sagte:

»Es ist gewiß alles vortrefflich – genau ebenso, wie es im vorigen Jahre und vor zwanzig Jahren gewesen, aber ich bin nicht hierher gekommen, um zu sehen, sondern um zu hören.«

Ihr Bruder strahlte von Heiterkeit, sie aber war bleich und ernst und brachte es nur manchmal zu einem erzwungenen Lächeln.

»Ich dachte, es hätte dich vor allem der Wunsch, mir Glück zu wünschen, hierher geführt,« entgegnete ihr Euergetes, »und die Eitelkeit gebietet mir auch, dies zu glauben. Philometor war bereits bei mir und entledigte sich dieser Pflicht rührend herzlich. Wann begibt er sich in den Festsaal?«

»In einer halben Stunde, und bis dahin bitt' ich dich, mir zu eröffnen, was du mir gestern ...«

»Das Beste bereitet sich langsam vor,« unterbrach sie ihr Bruder. »Darf ich dich bitten, die Wärterinnen mit den Kindern auf einige Minuten in die inneren Gemächer treten zu lassen?«

»Sogleich!« rief Kleopatra eifrig und drängte ihren ältesten Knaben, als er ungestüm forderte, bei dem Oheim zu bleiben, gewaltsam und ohne seiner Pflegerin Zeit zu lassen, ihn zu beruhigen und auf den Arm zu nehmen, nach der Tür hin.

Während sie unfreundlich und mit kurzen, scheltenden Worten die Fortführung der Kinder zu beschleunigen suchte, war Euläus in das Zimmer getreten.

Euergetes nahm, sobald er ihn erblickte, die ganze Gestalt straff zusammen und holte so tief Atem, daß seine gewaltige Brust sich mächtig erhob und ein kräftiger Luftstrom ihm über die Lippen wehte; dabei schritt er ihm langsam entgegen.

Der Eunuch wies mit den Blicken bedeutungsvoll auf Kierax und Kleopatra, trat ganz nahe an den König heran, flüsterte ihm einige Worte ins Ohr und beantwortete seine kurzen Fragen mit leiser Stimme.

»Gut,« sagte Euergetes endlich und befahl Euläus und dem Freunde mit einer entschiedenen Fingerbewegung, das Gemach zu verlassen.

Totenbleich biß er die Unterlippen mit den Zähnen und schaute starr zu Boden.

Sein Wille war geschehen, Publius Kornelius Scipio lebte nicht mehr; ungehindert konnte jetzt sein Ehrgeiz das letzte Ziel seiner Wünsche erreichen; und doch freute er sich nicht, konnte er sich eines tiefen Abscheus vor sich selbst nicht erwehren und schlug mit der geballten Faust auf die breite Stirn.

Er stand seinem ersten Meuchelmord gegenüber.

»Was meldete dir Euläus?« fragte Kleopatra, die ihren Bruder noch nie so gesehen hatte, in großer Spannung; er aber überhörte diese Worte, und erst, als sie dieselben nachdrücklicher wiederholte, fuhr er zusammen, maß sie vom Kopf bis zu den Füßen mit einem finsteren Blicke und fragte sie dann, indem er die Hand so schwer auf ihre Schulter fallen ließ, daß sie mit einem leisen Aufschrei die Knie beugte, bedeutungsvoll und doch leise:

»Bist du stark genug, etwas Großes zu hören?«

»Rede,« entgegnete sie leise, und während sie die Hand auf das Herz drückte, hingen ihre Augen an seinen Lippen.

Ihre Begier zu hören verknüpfte sie mit ihm wie mit greifbaren Banden, und als wünsche er diese durch die Wucht seiner Worte zu sprengen, sagte er furchtbar ernst, mit tiefer Stimme und jede Silbe betonend:

»Publius Kornelius Scipio Nasica ist tot.«

Die bleichen Wangen Kleopatras färbten sich bei diesen Worten mit glühendem Rot, und mit der kleinen Faust in die Linke schlagend, rief sie mit leuchtenden Augen: »Das hab' ich gehofft!«

Euergetes trat einen Schritt von seiner Schwester zurück und sagte:

»Du hattest recht; nicht nur unter dem Volk der Götter sind von allen die furchtbarsten – Weiber.«

»Das sagst du?« fragte Kleopatra. »Soll ich glauben, daß Zahnschmerzen den Römer gestern beim Gastmahl und heut bei mir zu erscheinen abhielten? Soll ich dir nachsprechen, daß er an ihnen starb? Jetzt sag es heraus, denn es freut mein Herz, es zu hören: wo und wie hat der freche Heuchler geendet?«

»Eine Schlange stach ihn,« entgegnete Euergetes und wandte sich von der Schwester ab. »In der Wüste geschah es, unweit der Apisgräber.«

»Er hatte sich um Mitternacht zu einem Stelldichein in die Totenstadt begeben? Das scheint lustiger begonnen als geendet zu haben!«

Euergetes nickte bejahend der Fragenden zu und sagte ernst: »Sein Schicksal hat ihn ereilt, aber ich kann darin nichts Erheiterndes finden.«

»Nicht?« fragte die Königin. »Und meinst du, daß ich die Natter nicht kenne, die dies blühende Leben zerstörte? Glaubst du, daß ich nicht weiß, wer den giftigen Wurm auf den Römer gehetzt hat? Du bist der Mörder, und Euläus mit seinen Gesellen war's, der dir half! Gestern noch hätte ich mein Herzblut vergossen, um den Kornelier zu retten, und lieber dich als ihn zu Grabe geleitet; heute aber, nachdem ich weiß, welches Spiel dieser Elende mit mir spielte, hätt' ich die Bluttat auf mich genommen, die dich nun befleckt. Kein Gott darf ungestraft deine Schwester so verhöhnen und so beleidigen, wie er es getan hat! Schon einer, daß du es weißt, endete wie er, der bithynische Kipparch Eustorgos, der, während er aus Liebe für mich zu vergehen schien, meine Gespielin Kallistrate zum Weibe begehrte. An ihm haben sich die Schlangen und Raubtiere in ihrer finsteren Kunst geübt. Dir Gewaltigem hat die Botschaft des Euläus mit kalter Hand ans Herz gegriffen, in mir, dem schwachen Weibe, erregt sie unbeschreibbare Wonne, denn das Beste, das ein Weib zu gewähren vermag, hab' ich ihm geboten, und er trat es frech in den Staub. Hätt' ich kein Recht, zu verlangen, daß mit seinem Besten, das ist sein Leben, ebenso verfahren werde, wie er es sich mit dem meinen, das ist meine Liebe, zu tun unterfing? – Mir kommt es zu, mich seines Todes zu freuen. Ja, jetzt schließen schlaffe Lider die schönen Augen, die doch nicht besser zu lügen verstanden als der strenge Mund, der die Wahrheit so kräftig zu preisen wußte. Jetzt steht das treulose Herz still, das die Liebe einer Königin verschmähte, für was? für wen? Oh, ihr barmherzigen Götter!«

Bei den letzten Worten schluchzte die Königin laut auf, erhob schnell beide Hände, bedeckte mit ihnen die Augen und eilte der Tür zu, durch die sie das Gemach des Bruders betreten.

Aber Euergetes stellte sich ihr in den Weg und sagte streng und entschieden: »Du bleibst hier, bis ich wieder zurück bin. Sammle dich; denn bei dem nächsten Ereignis, das dieser bedeutende Tag bringt, wirst du erstarren und ich werde lachen!«

Mit wenigen schnellen Schritten verließ er das Gemach.

Kleopatra vergrub das Gesicht in die weichen Polster des Ruhebettes und weinte ohne Unterlaß, bis lautes Geschrei und Waffengerassel sie aufschreckten.

Ihr schneller Geist sagte ihr, was da geschehe.

In wilder Hast eilte sie auf die Tür zu, aber sie fand sie verschlossen.

Kein Rütteln, kein Rufen, lein Klopfen schien das Ohr der Wache zu erreichen, die eintönig vor ihrem Gefängnis auf und nieder schritt.

Und nun ward das Toben und Waffengeklirr, worein sich Trommelschall und Trompetengeschmetter zu mischen begannen, lauter und lauter.

In Todesangst eilte sie ans Fenster und sah in den Palasthof hernieder, und in demselben Augenblick sprang die Pforte des großen Festsaals auf und in ordnungslosem Gewirr stürzte eine fliehende Schar und dann eine zweite und dritte ins Freie, und alle trugen die Rüstung des Königs Philometor.

Jetzt eilte sie nach dem Gemach hin, in das sie ihre Kinder gestoßen, aber auch dieses fand sie verschlossen.

Verzweifelnd sprang sie noch einmal ans Fenster, schrie den fliehenden Mazedoniern zu, standzuhalten, bedrohte sie und flehte sie an, aber keiner hörte sie, und ihre Zahl wuchs und wuchs, und endlich sah sie den Gatten mit einer klaffenden Wunde an der Stirn auf der Schwelle des großen Saales erscheinen und mit Schild und Schwert sich stark und mutig gegen die ihm nachdringenden Leibwächter des eigenen Bruders verteidigen.

In furchtbarer Erregung rief sie ihm ermunternde Worte zu, und er schien sie zu hören; denn mit einem wuchtigen Schlage des Schildes warf er einen Leibwächter, der sich ihm entgegenstellte, zu Boden, sprang mit einem gewaltigen Satze in die Mitte seiner fliehenden Getreuen und verschwand mit ihnen in dem Gange, der zu den Marställen führte.

Gebrochen sank die Königin neben dem Fenster auf die Knie und hörte durch den Schleier der Ohnmacht, die ihren Geist umfing, erst Pferdegetrappel, dann immer lauteres Trompetengeschmetter und endlich in weithin hallendem Jubelgeschrei die Worte:

»Heil dem Sohne der Sonne!

Heil dem Vereiniger beider Lande!

Heil dem Könige von Ober- und Unterägypten, dem Gotte Euergetes!«

Bei dem letzten Rufe gewann sie die volle Besinnung wieder und richtete sich auf.

Von neuem schaute sie in den Hof und sah dort den Bruder auf der Thronsänfte ihres Gatten von Würdenträgern getragen.

Neben den Leibwächtern des Verräters marschierten ihre eigenen Philobasilisten und Diadochen und die des Philometor.

Der glänzende Zug verließ den großen Hof des Palastes, und als sie nun auch priesterlichen Gesang vernahm, da wußte sie, daß sie die Krone verloren habe und wohin sich ihr treuloser Bruder begebe.

Zähneknirschend sah sie im Geiste alles, was sich nun wirklich begab.

In den Tempel des Ptah wurde Euergetes getragen und von den überraschten Leitern desselben zum Könige beider Ägypten und Nachfolger Philometors ausgerufen.

Man ließ vier Tauben vor ihm auffliegen, die allen Himmelsrichtungen mitteilen sollten, daß ein neuer Fürst den Thron seiner Väter bestiegen, und reichte ihm unter Gebet und Opfern eine goldene Sichel, mit der er, einer alten Sitte gemäß, eine Kornähre zerschnitt.

Von dem Bruder verraten, von dem Gatten im Stich gelassen, von ihren Kindern getrennt, von einem geliebten Manne verschmäht, entthront, machtlos, ja zu schwach und gebrochen, um auch nur an Rache zu denken, verbrachte sie in furchtbarer Seelenqual zwei unendlich lange Stunden in ihrem von Glanz und Geschenken strotzenden Gefängnis.

Wäre Gift zur Hand gewesen, in dieser Stunde hätte sie unbedenklich ihrem vernichteten Leben ein Ziel gesetzt.

Bald ging sie ruhelos auf und nieder und fragte sich, was nun ihr Los sein werde, bald warf sie sich auf das Lager und gab sich dumpfer Verzweiflung hin.

Da stand die Leier, die sie ihrem Bruder geschenkt, und ihr Blick fiel auf die Darstellung der Hochzeit des Kadmus mit der Harmonia und eine Frauengestalt, die der Braut ein Geschmeide reichte.

Die Geberin dieses Geschenkes war die Göttin der Liebe, und dieser Schmuck, so erzählte die Sage, brachte denen Unheil, die ihn ererbten.

Die finstersten Stunden ihres Lebens traten ihr vor die Seele, und gerade die schwärzesten von ihnen waren auch ihr aus Aphroditens Gaben erwachsen.

Schaudernd gedachte sie des gemordeten Römers und der Stunde, in der Euläus ihr einst mitgeteilt hatte, daß ihr bithynischer Freund durch wilde Tiere den Tod gefunden.

Den rächenden Eumeniden preisgegeben, eilte sie in Todesangst von einer Tür zur andern, schrie zum Fenster hinaus nach Rettung und Hilfe und durchlebte in einer Stunde die folternden Qualen eines ganzen Jahres.

Endlich, endlich öffnete sich die Tür des Gemaches und im Purpur, mit den Kronen beider Ägypten auf dem mächtigen Haupte, trat ihr strahlend vor freudiger Erregung Euergetes entgegen.

»Sei gegrüßt, Schwester!« rief er heiter und nahm den schweren Kopfschmuck von seinen Locken. »Du darfst heut stolz sein, denn dein leiblicher Bruder ist hoch gestiegen und König von Ober- und Unterägypten geworden.«

Kleopatra wandte sich von ihm ab.

Er ging ihr nach und versuchte ihre Hand zu fassen, sie aber entzog sie ihm heftig und rief:

»Setze deinen Taten die Krone auf und mißhandle das Weib, das du beraubt und zur Witwe machtest. Mit einer Voraussagung bist du vorhin zu der größten deiner Schandtaten geschritten. An dir selbst trifft sie zu, denn du lachst über unser Unglück, an mir aber scheitert sie völlig; denn ich erstarrte nicht, ich fühle mich nicht überwunden, nicht hoffnungslos und ich werde ...«

»Du wirst,« unterbrach sie Euergetes erst mit laut erhobener Stimme, dann aber so freundlich, als habe er ihr die Aussicht auf eine mit vielen Annehmlichkeiten erfüllte Zukunft zu eröffnen, »du wirst dich mit deinen Kindern auf dein Dach begeben und dir dort so viel vorlesen lassen, wie du willst, so gute Bissen naschen, wie du magst, so kostbare Gewänder anziehen, wie du begehrst, meinen Besuch empfangen und mit mir plaudern, so oft dir meine Gesellschaft ebenso angenehm erscheint wie mir deine heute und immer. Außerdem magst du vor so vielen griechischen und jüdischen Gelehrten, wie du nur immer befiehlst, deinen Witz so hell glänzen lassen, bis sie alle samt und sonders stockblind sind. Vielleicht gewinnst du auch schon eher die Freiheit zurück und dazu einen vollen Schatz, einen Stall voll edler Rosse und eine stattliche Wohnung in den Königspalästen im Bruchium des lustigen Alexandrien. Es kommt nur darauf an, wie bald unser Bruder Philometor, der sich heute übrigens wie ein Löwe schlug, einsieht, daß er besser zum Reiterhauptmann, zum Lautenschläger und gut zuhörenden Wirt von silbenstechenden Gästen taugt als zum Regenten. – Ist es nicht für uns Forscher auf dem Gebiet des Lebens der Seele, ich meine dich und mich, Schwester, bemerkenswert, daß der Mann, der im Frieden wie Wachs oder biegsames Rohr ist, in der Schlacht so hart und schneidig wird wie ein tüchtiges Schwert? Wir haben einander die Schilde tüchtig zerhauen, und die Schramme hier an der Schulter verdanke ich ihm. Wenn Hierax, der mit seinen Reitern ihm nachsetzt, Glück hat und ihn beizeiten einfängt, so entsagt er wohl freiwillig der Krone.«

»Er ist also nicht in deiner Gewalt und hat Zeit gefunden, ein Pferd zu besteigen!« rief Kleopatra und die Augen blitzten ihr freudig auf. »Dann, du übermütiger Räuber, dann ist noch nicht alles für uns verloren! Wenn Philometor nach Rom entkommt und unsere Sache vor den Senat bringt ...«

»Dann hat er immerhin einige Aussicht auf die Hilfe der Republik,« unterbrach sie Euergetes, »denn Rom liebt keinen starken König auf dem Thron Ägyptens. Aber ihr habt am Tiber eure beste Stütze verloren, und ich bin im Begriff, mir alle Scipionen und die ganze Korneliersippe zu Freunden zu machen; denn auf lauter Zedernholz und arabischem Gewürz laß ich den verstorbenen Römer verbrennen, Opfer sollen dabei geschlachtet werden, als wär' er ein regierender König gewesen, und seine Asche schicke ich in dem kostbarsten Gefäß von Vasa murrina, das meinen Schatz schmückt, von den edelsten meiner Freunde begleitet, auf einem besonderen Festschiff nach Ostia und Rom. Über Leichen führt der Weg auf die Zinne der feindlichen Burg, und als Feldherr und König ...«

Jäh unterbrach Euergetes diesen Satz; denn Lärm und heftige Reden ließen sich vor der Tür vernehmen.

Auch Kleopatra hatte dies nicht überhört und lauschte hochaufgerichtet; denn an einem solchen Tag und in diesen Räumen konnte jeder Wortwechsel, jedes auffallende Geräusch im Vorzimmer des Königs eine schwere Bedeutung besitzen.

Euergetes verhehlte sich dies so wenig wie seine Schwester und schritt mit der Schlachtsichel, die zu seinem Ornate gehörte, in der Rechten auf die Tür zu.

Aber noch hatte er sie nicht erreicht, als Euläus blaß wie der Tod in das Gemach stürzte und dem Gebieter entgegenrief:

»Der Mörder hat uns betrogen! Der Kornelier lebt und will sich den Einlaß zu dir erzwingen!«

Dem Könige sank der die Waffe haltende Arm, und regungslos blickte er einen Augenblick ins Leere, aber schon im nächsten hatte er sich gefaßt und schrie mit einer Stimme, die wie rollender Donner das weite Gemach erfüllte:

»Wer wagt es, meinem Freunde Publius Kornelius Scipio den Eingang zu mir zu verwehren? Hier geblieben, Euläus, du Wicht, du Scheusal! Die erste Klage, der ich als König beider Ägypter das Ohr öffne, wird die sein, die der Mann, der dein Feind und mein Freund ist, dir ins Gesicht zu schleudern gedenkt. – Willkommen, hoch willkommen an meinem Geburtstage, edler Freund!«

Diese Worte waren an Publius gerichtet, der in der weißen, schön gefalteten Toga der Römer von edler Geburt mit vornehmer Ruhe in das Gemach trat. Er hielt eine versiegelte Briefrolle in der Rechten und schien, indem er sich vor Kleopatra ehrfurchtsvoll verneigte, die ihm entgegengestreckten Hände des Königs zu übersehen.

Euergetes hätte, nachdem der Kornelier seinem ersten Gruß ausgewichen war, ihm, auch wenn es sein Leben gegolten hätte, keinen zweiten geboten.

Darum kreuzte er mit königlicher Würde die Arme und sagte:

»Es tut mir leid, unter allen Glückwünschen, die dieser Tag mir bringt, den deinen zuletzt zu empfangen.«

»So hast du deinen Sinn geändert,« entgegnete Publius und richtete die schlanke, den König überragende Gestalt hoch auf. »An gehorsamen Werkzeugen fehlt es dir nicht, und in dieser Nacht hattest du die Bestimmung getroffen, meinen Glückwunsch erst im Reiche der Schatten entgegenzunehmen.«

»Meine Schwester,« gab Euergetes achselzuckend zurück, »rühmte gestern die bilderlose Schlichtheit deiner Sprache; heute aber beliebt es dir, wie ein ägyptischer Zeichendeuter in Rätseln zu reden.«

»Sie sind für dich und diesen da nicht eben schwer zu lösen,« erwiderte Publius kalt und wies mit der Hand auf Euläus; »die Schlangen, über die ihr gebietet, verfügen über kräftiges Gift und scharfe Zähne, doch haben sie diesmal sich in ihrem Opfer geirrt und statt des Gastes ihres Königs einen armen Klausner des Serapis in den Hades gesandt.«

»Deine Rätsel werden immer schwieriger!« rief der König; »meine Fassungsgabe wenigstens ist ihrer Lösung nicht gewachsen, und ich muß dich bitten, in weniger dunklen Worten zu reden oder mir ihren Sinn zu erklären.«

»Später,« versetzte Publius bestimmt, »denn diese Dinge betreffen mich selbst, und ich stehe hier im Auftrage des römischen Staates, dem ich diene. – Heute noch trifft als Gesandter der Republik Juventius Thalna hier ein, und dies Schreiben des Senats betraut mich bis zu seiner Ankunft mit seiner Vertretung.«

Euergetes nahm die versiegelte Rolle, welche Publius ihm reichte, in Empfang.

Während er sie aufriß und ihren Inhalt rasch überflog, öffnete sich von neuem die Tür und mit geröteten Wangen und wirrem Haar zeigte sich Hierax, der Vertraute des Königs, auf der Schwelle.

»Wir haben ihn!« rief er, bevor er sie überschritt. »Bei Heliopolis sank er vom Pferde.«

»Philometor!« schrie Kleopatra und stürzte auf Hierax zu. »Vom Pferde sank er? Ihr habt ihn gemordet?«

Aus diesen Worten klang solcher Schmerz und solches Entsetzen, daß der Feldhauptmann mitleidsvoll versicherte: »Beruhige dich, hohe Frau, die Stirnwunde deines Gatten ist ungefährlich. Die Ärzte in den großen Sälen beim Sonnentempel haben ihn verbunden und mir gestattet, ihn auf einer Sänfte hierher zu führen.«

Ohne Hierax völlig zu Ende zu hören, eilte Kleopatra auf die Tür zu; Euergetes aber vertrat ihr den Weg und gebot mit der ihm eigenen, jeden Widerspruch ausschließenden Entschiedenheit:

»Du bleibst, bis ich dich selbst zu ihm begleite. Ich wünsche euch beide in meiner Nähe zu haben.«

»Damit du uns durch jede Marter zu zwingen vermagst, dem Thron zu entsagen,« rief Kleopatra. »Heute bist du im Glück, und wir sind deine Gefangenen.«

»Du bist frei, hohe Königin,« unterbrach der Römer die an allen Gliedern bebende Frau, »und auch für den König Philometor fordere ich hier die Freiheit im Namen des Senats auf Grund der mir bewilligten Vollmacht.«

Das Blut schoß bei diesen Worten in die Wangen und Augen des Euergetes, und seiner selbst kaum mächtig, stammelte er mehr, als er sprach:

»Popilius Laenas beschrieb um meinen verstorbenen Oheim Antiochus einen Kreis und bedrohte ihn mit Roms Feindschaft, wenn er ihn überschritte. Du möchtest es deinem kühnen Landsmanne, dessen Geschlecht ja weit weniger vornehm ist als das deine, zuvortun; ich aber, ich ...«

»Dir steht es frei, dich dem Willen Roms zu widersetzen,« unterbrach Publius den König mit trockener Härte, »aber wenn du es wagst, so kündet es dir durch mich seine Freundschaft. Ich stehe hier im Namen des Senats, der den Vertrag zu hüten bestrebt ist, der den Syrern dies Reich entriß, dich und deinen Bruder aber verpflichtet, euch in die Herrschaft Ägyptens zu teilen. Das hier Geschehene zu ändern, liegt nicht in meiner Macht, wohl aber bin ich verpflichtet, Rom die Möglichkeit offen zu halten, jedem von euch das zuzuerteilen, was ihm nach jenem von der Republik gebilligten Vertrage gebührt. In allen Fragen, die diesen Pakt betreffen, hat Rom zu entscheiden, und mir liegt es ob, Sorge zu tragen, daß der Kläger nicht verhindert werde, lebend und frei vor seinen Schutzherrn zu treten. Im Namen des Senats fordere ich dich auf, Euergetes, den König Philometor, deinen Bruder, und die Königin Kleopatra, deine Schwester, dahin ziehen zu lassen, wohin sie begehren.«

Tief atmend und in ohnmächtigem Grimm krampfte Euergetes bald die Hände zu Fäusten zusammen, bald spreizte er die Finger auseinander und wich dem Blicke des Korneliers schweigend aus, der ihm mit kalter Ruhe fragend ins Antlitz schaute. Dann fuhr er sich mit beiden Händen durchs Haar, warf das Haupt gewaltsam von einer Seite zur andern und rief: »Danke dem Senat und sage ihm, ich wisse, was wir ihm schulden, und bewundere seine Weisheit, die lieber ein geteiltes Ägypten sieht als ein in kräftigen Händen vereintes. Philometor ist frei, und du, Kleopatra, bist es mit ihm!«

Einen Augenblick schwieg er. Dann lachte er auf und rief der Königin zu:

»Dich, Schwester, führt das zärtliche Herz gewiß auf den Flügeln der Liebe zu dem verwundeten Gatten!«

Kleopatras bleiche Wangen hatten sich bei der Rede des Römers hoch gerötet, und ohne die höhnischen Worte ihres Bruders einer Antwort zu würdigen, schritt sie stolz auf die Tür zu. Als sie an Publius vorbeiging, sagte sie mit einer herablassenden Bewegung der schönen Hand: »Wir sind dem Senate verpflichtet.«

Publius verneigte sich tief, sie aber verließ mit abgewandtem Haupte das Zimmer.

»Du hast deinen Fächer vergessen und deine Kinder!« rief der König ihr nach; doch Kleopatra hörte nicht mehr diese Worte; denn vor dem Gemach ihres Bruders flog ihr die gewaltsam behauptete Fassung in alle Winde und, die Hände an die Schläfen pressend, eilte sie, als würde sie von Feinden verfolgt, die breite Treppe des Palastes hinunter.

Als ihre Schritte verhallten, wandte sich Euergetes an den Kornelier und sagte:

»Da du nun das getan, was du für deine Pflicht hieltest, bitte ich dich um die Deutung der dunklen Worte von vorhin, die sich ja wohl nicht auf den Fürsten, sondern den Menschen Euergetes bezogen. Verstand ich dich recht, so meintest du, es sei dir hier nach dem Leben getrachtet, und statt deiner einer der wunderlichen, dem Serapis geweihten Alten gemordet worden.«

»Auf deinen Befehl und den deines Helfers Euläus,« entgegnete Publius kühl.

»Tritt hierher, Eunuch!« donnerte der König den zitternden Höfling an und blickte ihm mit einem furchtbar drohenden Blick in die Augen: »Hast du Mörder gedungen, um meinen Freund, der deine Schandtaten ans Licht zu ziehen drohte, um diesen edlen Gast unseres Hauses zu töten?«

»Gnade!« wimmerte der Eunuch und sank vor dem Könige auf die Knie nieder.

»Er gesteht die gräßliche Untat!« rief Euergetes, berührte mit der Hand den Gürtel seines wimmernden Werkzeuges und befahl Hierax, ihn ungesäumt der Wache zu übergeben und vor aller Augen bei der hohen Pforte der Königsburg aufhängen zu lassen.

Der Eunuch wollte um Gnade betteln und reden, der kräftige Feldhauptmann aber, dem der Hämling verhaßt war, riß ihn in die Höhe und stieß ihn zum Gemach hinaus.

»Du hattest recht, dich zu beklagen,« sagte Euergetes, während das Geheul des fortgeschleppten Eunuchen auf der Treppe verklang, »aber du siehst, wie ich diejenigen zu bestrafen verstehe, die unsere Gäste beleidigen.«

»Ihm wird heute das zuteil, was er seit Jahren verdient hat,« entgegnete Publius. »Nun aber, da wir Mann gegen Mann allein sind, muß ich auch mit dir die Rechnung zum Abschluß bringen. Euläus hat auf deinen Befehl und in deinem Dienste zwei Mörder auf mich gehetzt –«

»Publius Kornelius Scipio!« unterbrach der König den Feind mit drohender Stimme; der Römer aber fuhr kalt und ruhig fort:

»Ich sage nichts, was ich nicht durch Zeugen zu belegen vermöchte, und habe in zwei Briefen der Wahrheit gemäß berichtet, was König Euergetes in dieser Nacht gegen das Leben eines Gesandten des römischen Staates unternommen. Das eine Schreiben ist an meinen Vater, das andere an Popilius Laenas gerichtet, und beide sind schon auf dem Wege nach Rom. Sie sollen, das verordnete ich, eröffnet werden, wenn ich sie in drei Monaten, von heut an gerechnet, nicht zurückverlangt habe. Du siehst, daß dir an der Erhaltung meines Lebens und der Erfüllung dessen, was ich von dir fordern muß, gelegen sein muß. Tust du mir in allem, was ich verlangen werde, den Willen, so wird das, was in dieser Nacht geschehen ist, das verspreche ich dir, und ich habe mein Wort noch niemals gebrochen, ein Geheimnis bleiben zwischen dir und mir und einem Dritten, für dessen Verschwiegenheit ich einstehe.«

»Rede,« sagte der König, warf sich auf das Ruhebett und riß, während Publius sprach, die Federn aus dem vergessenen Wedel der Kleopatra.

»Ich verlange zuerst die Freisprechung des königlichen Verwandten und Vorstehers des Chrematistenkollegiums, Philotas von Syrakus, seine und seines Weibes sofortige Erlösung von der Zwangsarbeit und ihre Heimsendung aus den Bergwerken.«

»Beide sind gestorben,« sagte Euergetes; »mein Bruder kann es bezeugen.«

»So fordere ich, daß in einem besonderen Dekret erklärt werde, daß Philotas ungerecht verurteilt worden sei und daß er in all seine Würden wieder eingesetzt werde. Ich verlange ferner, daß du mir und meinem Freunde, dem Korinther Lysias, sowie dem Bildhauer Apollodor gestattest, mit des Philotas Töchtern, Klea und Irene, die dem Serapis als Krugträgerinnen dienen, ungehindert Ägypten zu verlassen. – Du zauderst mit der Antwort?«

»Nein,« entgegnete der König und warf seine Hand hoch in die Höhe; »denn für diesmal hab' ich das Spiel verloren.«

»Den Töchtern des Philotas, Klea und Irene,« fuhr Publius mit unerschütterlicher Ruhe fort, »werden die eingezogenen Güter ihrer Eltern zurückgegeben.«

»Die Schönheit deiner Geliebten scheint dir nicht zu genügen,« fiel Euergetes spöttisch dem Römer ins Wort.

»Sie genügt mir völlig. Als meine letzte Forderung verlang' ich, daß diese Güter zur Hälfte dem Tempel des Serapis zugewiesen werden, damit der Gott willig und ohne Einspruch seinen Dienerinnen entsage. Die andere Hälfte soll meinem Sachwalter Dicäarch zu Alexandria übergeben werden, weil es mir gefällt, daß Klea und Irene nicht ohne das Heiratsgut, das ihnen zukommt, mein eigenes und das Haus des Lysias von Korinth als Gattinnen betreten. In einer Stunde muß ich das Dekret und die Rückerstattungsakte in der Hand haben; denn sobald Juventius Thalna hier ankommt – und ich erwarte ihn, wie gesagt, noch am heutigen Tage – gedenken wir Memphis zu verlassen und in Alexandria ein Schiff zu besteigen.«

»Seltsame Fügung!« rief Euergetes, »du bringst mich um Rache und Liebe, und ich sehe mich dennoch gezwungen, dir eine glückliche Fahrt zu wünschen. Ein Opfer muß ich dem Poseidon, der zyprischen Göttin und den Dioskuren schlachten, damit sie deinem Schiff eine günstige Fahrt verleihen, und dennoch trägt es den Mann, der mir zu Rom in Zukunft durch seine bittere Gegnerschaft schaden wird wie kein anderer.«

»Ich werde für denjenigen unter euch eintreten, auf dessen Seite das Recht steht.«

Mit einer stolzen, grüßenden Handbewegung verließ Publius das Gemach, Euergetes aber sprang, sobald sich die Tür hinter dem Römer geschlossen hatte, von dem Lager auf, schüttelte drohend die geballte Faust und rief:

»Du steifer Gesell und deine geschwollene Patriziersippe könnt' mir am Tiber wohl schaden, aber vielleicht gewinne ich trotz euer das Spiel! Im Namen des Senates von Rom kreuzest du meine Bahnen. Wenn Philometor in den Vorzimmern der Konsuln und Senatoren wartet, so können wir dort gewiß einander begegnen, aber ich versuch' es auch mit dem Volke und seinen Tribunen!

Seltsam! In einer Stunde hat dieser Kopf hier oben mehr gute Einfälle als solch ein kühler Gesell in einem Jahre, und dennoch bin ich ihm unterlegen, und will ich gerecht sein, so muß ich gestehen: es war nicht nur sein Glück, es war seine Klugheit, die mich überwand. Mag er mit seiner stolzen Hera davonfahren; mir winken dafür in Alexandria zehn Aphroditen!

Ich bin wie das Hellas, und er wie das Rom von heute. Wir haschen, in der Sonne flatternd, nach dem, was unserem Geiste zusagt und unseren Sinnen gefällt, sie suchen, zu Boden schauend, mit festem Schritte die Macht und den Vorteil. So kommen sie weiter als wir, und doch – ich mag nicht mit ihnen tauschen!«

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