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Die schönsten Novellen

Bjørnstjerne Bjørnson: Die schönsten Novellen - Kapitel 1
Quellenangabe
typenovelette
authorBjörnstjerne Björnson
titleDie schönsten Novellen
publisherAlbert Langen, München
printrun1. bis 15. Tausend
editorWalter von Molo
year1921
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060523
projectid267d14cd
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Die schönsten Novellen

Björnstjerne Björnson

 

Vorwort

Björnson hatte die Begeisterung. Durch seine Seele flutete der wilde kämpferische Meeresstrom, Björnson war voll von Zacken und Schroffen, in ihm war das Lächeln der Sonne über den schönen Fjorden, über dem jungfräulichen Weiß der Birken im Lenz und im Herbst. Björnson war »eine Mischung von fein und grob – eine echt norwegische Mischung«. Er trug viele Härten aus Sehnsucht in sich, er glaubte an die Macht der Menschen, das Schicksal zu beugen. »Ich leide Herzensqualen vor Sehnsucht nach Wärme und Glauben an irgendeine gute Kraft in den Menschen.« Björnson war ein gewalttätiger Titane ethischen Wollens, eine Tätigkeitsmaschine, getrieben von unerhörten Herzensenergieen. »Einzig die ursprünglichen Individuen sind es, die dauernd zu erschüttern vermögen.« Björnson war Kleinstaater, ein nordischer Provinziale, das gab ihm durch die Übersehbarkeit des Lebens seiner Heimat universale Erfahrung, er sah die mordende Spießbürgerlichkeit um sich klarer als wir, denen das unübersichtliche großstaatliche Spezialistentum den vollen Einblick, die Vollerfahrungen aus den Realitäten unseres Daseins zu oft verstellt und verweigert. Er vermochte zu allen Fragen des Tages Stellung zu nehmen, er nahm zu allem Stellung. »Das Leben ist mir das Höchste.« Sein Dichten entquoll seiner Zeit, den Lebensnotwendigkeiten seiner Nation, wie er sie sah. »Ein Hurra dem Tag! Klares Wetter für die Flaggen!« Der künstlerische Mensch Björnson verbrannte seine Schlacken im Kampf als Bürger, als Journalist, als Theaterdirektor und Politiker, als alles, was einer sein kann und »offiziell« als Dichter nicht sein »darf«. Dadurch hob er die Politik zum Geisteskampf, dadurch stand er in seinen Dichtungen über den Dingen, dadurch war er als Poet reinstes Licht. »Die reichen Naturen, die, welche das große Talent in den tausend Geschehnissen des Lebens geübt haben, deren Herz weich, deren Verstand scharf, deren Mut sicher geworden ist in Kämpfen ohne Zahl, die meistern sich selbst, wo sie auch stehen.« Björnson hatte keine Angst vor »Zersplitterung«, er kannte keine Bedenklichkeiten, er hatte kein Bangen, sich »zu verlieren«, »unbekümmert um die Folgen« lebte er sich als Mann, als Norweger, als selbsternannter Führer seines Volkes aus. Er schrieb politische Feuilletons, er war ein schreiender Volksredner, ein krähwinklerischer Vereinsmeier, ein utopistischer Pazifist und Antimilitarist, ein verrannter Darwinist, Sozialist, Frauenrechtler, Sittlichkeitsapostel, Pädagoge, Gegner des Alkohols, ein pastorliches Gemüt, ein Freidenker, ein Frondeur gegen die Justiz, gegen das Königshaus, gegen alles, was ihm gegen den Strich ging, er war der königliche norwegische Freibauer der Urzeit, ein Gegner jeder Autorität, jeder Obrigkeit, Norweger, Germane, Europäer und Mensch. Er war überall dabei, wo es ihm nötig schien, einer Sache einen Stoß vorwärts zu geben, es schien ihm überall nötig, er glaubte an den Sieg des Lichts gegen alles »Waschlappige«, er liebte die »stolze, die herrische Opposition, die die Tat zeugt«, er ließ sich durch nichts stören, er war immer »in sich selbst zu Hause«. Selbstverständlich und höchst gleichgültig, daß er oft dabei in seiner Begeisterung danebenhieb, daß er oft in Unrecht geriet, daß er oft rechthaberisch, bös, eitel, unversöhnlich und bitter werden konnte, daß er oft von Dingen sprach, die er nicht ganz verstand, daß er vieles nur von einer Seite sah, daß er nicht alles genügend durchdenken konnte, daß er sich und seiner heiligen stets wachen Selbsttreue oft hereinfiel. »Es ist guter, alter Wein, nur zu hastig eingeschänkt, sie drängen mich!« Aus allen Niederlagen und Enttäuschungen wuchs ihm neue Kraft. »Die Menschen müssen sich näher kennen lernen, die Treue gegen sich selbst, gegen Volk und Vaterland, ist das Gute und das Wahre,« sie ist »die Krone des Gebens«. Unbekümmert um das Kopfschütteln der Blasierten und Feierlichen, die vor lauter »Geschmack« und »Takt« nie zu unseres Daseins vollem Erleben kommen, ohne das kein wahrer Dichter wird, schuf sich Björnson, so weit es ihm irgend möglich war, selbst, als erhabener, selbstherrlicher Autodidakt, seine Lehrmittel, als Mensch und als Dichter, wenn sich Björnsons Trotz den Dickkopf anrannte, so war ihm das unentbehrliches Lernen für das zarte, gütige Allverstehen in seinen Dichtungen; der Mensch muß sich den Kopf anrennen, es ist das dringend nötig, das allein bereichert. Wie soll denn der Mensch anders draufkommen, wie das Leben ist, wenn er's nicht durch Eigenerleben erfährt, aus realer Erfahrung, indem er unentwegt seinen »gesunden Gang« geht? Alles erweiterte Björnson die Möglichkeit seines künstlerischen Sehens. »Der Wald stand unter dem Schnee wie ein gebeugtes, überwundenes Volk; er trug schwerer, als er konnte.« Björnson war ein großer Dichter: denn er war nur »nebenbei« Dichter. »Ich lebte mehr, als ich sang!« Von seinem Vollerleben erhielten Björnsons Dichtungen ihre Fülle, ihre fegende Konzentration, ihren strotzenden, unakademischen Reichtum, ihre universale Schönheit, ihre Form ohne Vorbild und Schule. »In dem schwarzen Wasser lag das Boot, bereit zum Tanz, das war in fröhlicherem Verband daheim, als es die Gesellschaft jener hohen Beisitzer des Natur- und Menschenlebens ist, Gesang und Boot waren ein Protest gegen alles überragend Herrschsüchtige, gegen alles unverschämt Stumpfe und Rohe – ein freischwebender Protest voll stolzer Farbenfreude.« Björnsons Dichten war Protest, Gegenwehr, um vom Finsteren, vom »Aufruhr des Menschenmeeres« nicht unterjocht und mitgerissen zu werden. »Kurz vor dem Gesang war ein Wortgefecht gewesen, so unerbittlich, so bleigrau wie der graue norwegische Berg. Und jetzt, um dieses unheimlich Felsenharte in ihrem eigenen Innern zu überwinden, hatten sie den harnionischen Gesang lange, strahlende Bogen zwischen die Gipfel über den Abgründen spannen lassen.« Björnson »idealisierte«: »Ideale sind Erfahrungen unserer eigenen Natur.« Er sah den Zusammenhang des Charakters, des Herzens mit den gärenden, schaffenden Mächten der Zeit. »Ich gehe darauf los! Es ist meine größte Freude, für andere zu leben.« Er war Naturalist des Erlebens! Stirnrunzelnd, mit größtem Ernste dachte er über alles nach, wenn es ihm aber dabei zu schwül wurde, dann schwenkte er zu anderen Dingen und dichtete los. »Man muß gerecht sein! Die Gegnerschaften müssen sein, sie sind dazu da, daß aus Kampf Liebe wird.« Der Menschheit dauernde Sehnsucht nach Liebe trug Björnson in sich, er war das Ursprüngliche, der ewige Lenz, er war und blieb ein Kind, er war das, was wir immer und immer zu wenig haben: er war die Begeisterung, ein Herz ohne Trägheit. »Aller Frühling ist ein Bild des Starken. Das Frühlingswollen in uns ist das stete Morgen, das Herz des Alls.« Björnson ist der einzigartigste Kinderschilderer, den die Weltliteratur besitzt, er ist der entzückendste Gestalter der Jugend und der Liebe. Keiner malte und meißelte das junge Mädchen wie er, die Weltliteratur hat kaum einen stärkeren Dichter der keuschen, keimenden und sich erfüllenden liebe als Björnson. »Das Verlieben ist zu nett!« Björnson war die Begeisterung, menschgewordene Hoffnung, die innige, leidenschaftliche, ewig läuternde Flamme des Entschlusses, »immer mehr Menschen auf die Seite des Sieges zu ziehen«, die Menschheit im Licht, in der Freude zu halten, sie dorthin, im Glauben an das Ewige in sich, zurückzuführen. Er war Glaube. Er war treu seiner Sonnennatur, dem Leben und damit der Menschheit:

Wir lieben dich, weil dich dein Mut stets vor die Fahnen rief voll Glut; wir lieben dich, weil alles du hingabst für uns, Glück, Zukunft, Ruh; wir lieben dich, trotz allem Haß, weil nie dein Glaube uns vergaß.

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