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Die schönsten Kinder- und Hausmärchen

Brüder Grimm: Die schönsten Kinder- und Hausmärchen - Kapitel 98
Quellenangabe
titleDie schönsten Kinder- und Hausmärchen
authorJacob und Wilhelm Grimm
typefairy
created20110909
publisherHille u. Partner
senderreuters@abc.de
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Die kleinen Schuhe

un sagt mir, Marie«, sprach Herr Cote zu Marie Cogan, als er ihr eines Tages auf der Straße, gerade auf dem alten Torweg von Kilmallock, begegnete, »habt Ihr je etwas von einem Cluricaun gehört?«

»Von einem Cluricaun? Das mein ich, und mehr als einmal; wie oft habe ich meinen Vater Ruhe seiner Seele! davon erzählen hören, eine Geschichte nach der andern.«

»Aber habt Ihr selbst niemals einen gesehen, Marie?«

»Nein, ich selbst mein Lebtag nicht; aber mein Großvater, meines Vaters Vater, ja der hat einmal einen gesehen, sogar in den Händen gehabt.«

»In den Händen gehabt! Ei, Marie, das müßt Ihr mir erzählen.«

»Gerne will ich das tun. Seht, mein Großvater war draußen im Moor gewesen, hatte Torf heimgefahren, und der arme alte Gaul war von seinem Tagewerk müde, und der alte Mann war hinaus in den Stall gegangen, um nach ihm zu sehen, ob er sein Futter gefressen habe. Und als er zu der Stalltür kam, hörte er etwas hämmern und hämmern, ganz genauso, als wenn ein Schuster Schuhe macht, und dabei ein so hübsches Liedchen pfeifen, wie er sein Lebtag noch keins gehört hatte. Mein Großvater, der dachte gleich: ›Das ist ein Cluricaun‹, und sprach zu sich selbst und sagte: ›Wenn's geht, so fange ich ihn, und dann habe ich Geld genug, solange ich lebe.‹ Er öffnete die Türe sachte, sachte und machte nicht soviel Lärm als eine Katze, die nach der Maus schleicht; er schaute sich überall um, es war aber von dem kleinen Männchen nichts zu sehen, und doch hörte er, wie es hämmerte und pfiff. Da schaute er und schaute, bis er endlich den kleinen Gesellen sah, und denkt, er saß in der Gurt unter der Stute. Er hatte ein kleines Schürzfell um, den Hammer in der Hand und eine kleine rote Nachtmütze auf dem Kopf und machte Schuhe. Er war so mit seiner Arbeit beschäftigt, hämmerte und pfiff so laut, daß er meinen Großvater gar nicht merkte, bis ihn dieser fest mit der Hand packte. ›Jetzt habe ich Euch‹, rief er, ›und ich sage Euch, ich lasse Euch nicht eher los, als bis ich Euren Geldbeutel habe, der ist jetzt mein, nur gleich heraus damit.‹ – ›Halt, halt!‹ sagte der Cluricaun, ›ich will ihn holen.‹ Mein Großvater, denkt Euch, ist so ein Narr und öffnet seine Hand ein wenig, und der Kleine hüpft lachend fort, und er sah ihn niemals wieder, noch weniger etwas von dem Geldbeutel; nur den kleinen Schuh behielt er, solange er lebte, und meine eigene Mutter hat mir erzählt, daß sie ihn oft genug gesehen und in der Hand gehabt und daß es der niedlichste Schuh gewesen, den ihre Augen jemals erblickt hätten.«

»Und habt Ihr ich auch gesehen, Marie?«

»Lieber Himmel, nein, das war lange, ehe ich auf die Welt kam, doch meine Mutter hat mir oft genug davon erzählt.«

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