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Die schönsten Kinder- und Hausmärchen

Brüder Grimm: Die schönsten Kinder- und Hausmärchen - Kapitel 115
Quellenangabe
titleDie schönsten Kinder- und Hausmärchen
authorJacob und Wilhelm Grimm
typefairy
created20110909
publisherHille u. Partner
senderreuters@abc.de
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Lohengrin zu Brabant

er Herzog von Brabant starb, ohne andere Erben als eine junge Tochter Elsa zu hinterlassen. Diese empfahl er auf dem Totenbette einem seiner Dienstmannen, Friedrich von Telramund. Friedrich, sonst ein tapferer Held, der zu Stockholm in Schweden einen Drachen getötet hatte, wurde übermütig und warb um der jungen Herzogin Hand und Land. Da sie sich standhaft weigerte, klagte Friedrich bei dem Kaiser Heinrich dem Vogler unter dem falschen Vorgeben, daß sie ihm die Ehe gelobt hätte. Es wurde Recht gesprochen, daß sie sich im Gottesgericht durch einen Helden gegen ihn verteidigen müsse. Als sich keiner finden wollte, betete die Herzogin inbrünstig zu Gott um Rettung.

Da erscholl weit davon zu Monsalvat beim Gral der Laut der Glocke zum Zeichen, daß jemand dringender Hilfe bedürfe. Alsobald beschloß der Gral, den Sohn Parzivals, Lohengrin, danach auszusenden. Eben wollte dieser seinen Fuß in den Stegreif setzen, da kam ein Schwan auf dem Wasser geschwommen und zog hinter sich ein Schiff daher. Kaum erblickte ihn Lohengrin, als er rief: »Bringt das Roß wieder zur Krippe, ich will nun mit diesem Vogel ziehen, wohin er mich führt.« Im Vertrauen auf Gott nahm er keine Speise mit ins Schiff. Nachdem sie fünf Tage über Meer gefahren waren, fuhr der Schwan mit dem Schnabel ins Wasser, fing ein Fischlein auf, aß es halb und gab dem Fürsten die andere Hälfte zu essen.

Unterdessen hatte Elsa ihre Fürsten und Mannen nach Antwerpen zu einer Landsprache berufen. Gerade am Tage der Versammlung sah man einen Schwan die Schelde heraufschwimmen, der ein Schifflein zog, in welchem Lohengrin auf seinem Schild ausgestreckt schlief. Der Schwan landete bald am Gestade, und der Fürst wurde fröhlich empfangen. Kaum hatte man ihm Helm, Schild und Schwert aus dem Schiffe getragen, als der Schwan sogleich zurückfuhr. Lohengrin vernahm nun das Unrecht, welches die Herzogin litt und übernahm es gerne, ihr Kämpfer zu sein. Elsa ließ hierauf alle ihre Verwandten und Untertanen entbieten, die sich bereitwillig in großer Zahl einstellten. Der Zug machte sich auf den Weg, sammelte sich nachher vollständig zu Saarbrück und ging von da nach Mainz. Kaiser Heinrich, der sich zu Frankfurt aufhielt, kam nach Mainz entgegen, und in dieser Stadt wurde das Gestühl errichtet, wo Lohengrin und Friedrich kämpfen sollten. Der Held vom Gral siegte; Friedrich gestand, die Herzogin verleumdet zu haben und wurde hingerichtet. Lohengrin gewann Elsas Hand, da sie einander längst liebten; doch bedang er sich aus, daß ihr Mund alle Fragen nach seiner Herkunft zu vermeiden habe; denn sonst müsse er sie augenblicklich verlassen.

Eine Zeitlang verlebten die Eheleute in ungestörtem Glück, und Lohengrin beherrschte das Land weise und mächtig; auch dem Kaiser leistete er auf den Zügen gegen die Hunnen und Heiden große Dienste. Es trug sich aber zu, daß er einmal im Speerwechsel den Herzog von Cleve herunterstach und dieser den Arm zerbrach. Neidisch redete da die Clever Herzogin laut unter den Frauen: »Ein kühner Held mag Lohengrin sein, und Christenglauben scheint er zu haben; schade, daß Adels halben sein Ruhm gering ist; denn niemand weiß, woher er ans Land geschwommen kam.« Dies Wort ging der Herzogin von Brabant durch das Herz, sie errötete und erblich. Nachts, als sie mit ihrem Gemahl allein war, weinte sie. Er sprach: »Lieb, was verwirret dich?« Sie antwortete: »Die Clever Herzogin hat mich zu tiefem Seufzen gebracht.« Aber Lohengrin schwieg und fragte nicht weiter. Die zweite Nacht wollte sie wieder davon reden; er aber merkte es wohl und beruhigte sie nochmals. Allein in der dritten Nacht konnte sich Elsa nicht länger halten und sprach: »Herr, zürnt mir nicht! Ich wüßte gerne, von wannen Ihr geboren seid; denn mein Herz sagt mir, Ihr seiet reich an Adel.«

Als nun der Tag anbrach, erklärte Lohengrin öffentlich, von woher er stamme, daß Parzival sein Vater sei und Gott ihn vom Grale hergesandt habe. Darauf ließ er seine beiden Kinder bringen, küßte sie und befahl ihnen, Horn und Schwert, die er zurücklasse, wohl aufzuheben. Der Herzogin ließ er das Ringlein, das ihm einst seine Mutter geschenkt hatte. Da kam mit Eile sein Freund, der Schwan, geschwommen, hinter ihm das Schifflein; der Fürst trat hinein und fuhr wider Wasser und Wogen in des Grales Amt.

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