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Die schlimmen Nonnen von Poitiers

Felix Dahn: Die schlimmen Nonnen von Poitiers - Kapitel 8
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleDie schlimmen Nonnen von Poitiers
seriesDahn, Sämtl. Werke
volumeBd. IV.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorGerd Bouillon
senderwww.gaga.net
created20070523
projectid5b771ba0
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Siebentes Kapitel.

Wenige Tage darauf bewegte sich auf der alten, gut erhaltenen Römerstraße von Orléans nach Paris ein kleiner Zug von Reitern und von Reiterinnen; auch ein paar Sänften, von je zwei voreinander gespannten Maultieren getragen, waren sichtbar.

Es war wunderschönes Frühlingswetter in diesen Apriltagen: die Obstbäume in den wohlgepflegten Gärten der Villen standen in vollster Blüte, lichte rosige Wölklein zogen, von sanftem Wind langsam getrieben, am heiter blauen Himmel hin: und die Vögelein hatten es überall in Busch und Baum gar geschäftig mit Singen, Werben und Nesterbauen.

Ein paar Lanzenreiter eröffneten den Zug, dann folgten die Reiterinnen, hierauf die Sänften, ein Dutzend Reiter folgte diesen und schloß ab. An der Spitze dieser Nachhut tummelten zwei schöne Jünglinge in vollen Waffen lustig die feurigen Rosse; sie waren Brüder: die große Ähnlichkeit bezeugte das.

»Eigentlich, Sigvalt,« lachte der Jüngere, dem dichte rote Haare aus der Sturmhaube quollen, »wäre wohl, wann wir nicht an ihren Seiten traben dürfen, unser Platz da vorn –: an Stelle der beiden Reiter – als Führer. Aber da müßten wir doch thöricht sein! – Den Herzliebchen den Rücken zu kehren!« – »Hast recht, Bruder Sigbert! Welche Lust ist's, kann ich Chrodielden nicht in das dunkle Auge sehen, wenigstens ihre herrliche Gestalt mit den Blicken zu verschlingen! Und das schöne Rund des Hauptes! Und das prachtvolle Haar! Sieh, wie's im leichten Wind um ihre Schultern fliegt.« – »O und erst Basinas anmutvolles Bild! Schau nur, wie sie eben so zierlich die Reitgerte hob. Und da! Sie hat umgeschaut! Zwar nur ganz scheu! Ein klein wenig nur! Aber doch! – Komm! Laß uns vorsprengen! Wir dürfen wohl wieder neben ihnen reiten.« – »O Bruder, wie ist mir's so selig im Herzen!« – »Und mir! Ein solcher Frühling war noch nie.« – »Wenn doch der Weg nach Paris so weit wäre wie der Weg nach dem Monde.« Beide gaben den Pferden die Sporen und ritten an die Seite der beiden Mädchen.

»Seid Ihr schon wieder da, ihr unnützes Wegekraut?« lächelte Basina dem Rotlockigen zu. »Überall steht Ihr zwischen uns und dem Graben! Wir fallen nicht hinunter! Der Weg ist breit.« – »Ich meine nur, weil Ihr vorhin umsaht, holde Basina! –« – »Ich? Daß ich nicht wüßte! Oder ja – ich sah dem Vöglein zu, das dort Halme zu Neste trug.« – »Ja, jetzt ist die Zeit dazu! Wer jetzt nicht Nestlein baut, – wann sollte der's? Sogar der alte Bischof Truchtigisel sprach solch ein Wort zu mir.« »O der Gute, der Liebe!« rief Basina. »Der hat mir am besten gefallen vom ganzen Hof des unsichtbaren Herrn Ohms.« – »Ja, und wer weiß, ob die andern Herren gerade den Bruder und mich zu euern Begleitern auserkoren hätten. Es gab daselbst noch viele junge Leute, die gar gern die armen, schönen Nonnen beschützt hätten ... –« – »Als ob man sich so ohne weiteres von jedem begleiten und beschützen ließe!« – »Der Bajuvare führte mich an der Hand in den Schloßgarten, tief ins Gebüsch: und wies auf zwei Nester: ›Was für ein Vogel?‹ – ›Ammerling,‹ sagte ich. – ›Was für eine Farbe?‹ – ›Gelb.‹ – ›Ja, wie dein Bruder. – Da drüben: was für ein Vogel?‹ – ›Rotköpfchen, Rotzeisig.‹ – ›Ja, locker und rotköpfig – wie du. Was thun die Vögelein?‹ – ›Sie bauen Nester.‹ Da drückte er mir die beiden mächtigen Hände auf beide Schultern und sprach: ›Gehet hin und thuet desgleichen! Und kommt ihr von Paris zurück, wie ihr hingehet, so seid ihr die beiden dümmsten Alamannen, die der Allmächtige zu schaffen vermochte. Das sind wir aber nicht! Und so reiten wir mit Euch und den andern wackern Mägdelein schon viele Tage lang nach Paris. – Sagt aber an: habt Ihr keinen Freund, keinen Berater dort am Hofe König Childiberts?«

»Keine Seele. Wenn nicht noch Theutar lebt, der alte, bucklige, kleine Mönch, der meiner Mutter Freund und Beichtvater war und später an König Childiberts Hof das Gnadenbrot erhielt: – halb Pfaff, halb Lustigmacher.« – »Wie das?« – »Ei, er steckt voller schlauer Einfälle und ist grundgescheit; aber er stellt sich ein wenig blöd und täppisch an, weil ihm früher seine Schlauheit allerlei Mißtrauen der Mächtigen, Hochverratsprozeß und Folter zugezogen hatte. Aber der müßte jetzt schon sehr, sehr alt sein.« – »Und sonst kennt Ihr niemand an jenem Hof?« – »Freilich, des Königs Braut, Faileuba, – die kenn' ich gut. Sie ist mir eine herzvertraute Freundin, und hat mir viel von ihm, von ihrem Bräutigam, den sie so zärtlich liebt, erzählt. Allein das hilft uns nichts; – das schadet uns eher dort: diese Braut wird ja von dem Bräutigam durch dessen Räte sorglich ferngehalten: – sie ist nie an dem Hof: sie klagte sehr darüber.« – »Ja! Wenn Ihr des Königs Braut befreundet seid, – das verschweigt nur sorgfältig den Machthabern dort! Es könnte Euch schlecht bekommen. O weh, o weh – da läuft uns ein Wiesel über den Weg! Das bedeutet übeln Empfang.« Und er zog den Braunen an und sprach andächtig den Wegsegen:

»Hurtiges Heermännlein,
Wiesel, weiche vom Wege!
Weiche vom Wege weit,
Du scheues, du schönes Schlüpferlein!
Schlepp alles Schlimme schlappab!
Alles Schlimme verschleppe!«

»Das ist so ein Spruch aus der Heidenzeit,« meinte Basina, als sie wieder weiter ritten. »Es ist gar geheimnisvoll mit denen: man meint, man hat's all' schon mal gehört – und möchte stets noch mehr davon vernehmen. So glaubt Ihr also an den Angang?« – »Ich glaub', daß Ihr mein allerbester Angang seid, den ich je auf meines jungen Lebens Reise fand!« »Bangt Euch nicht dabei um den Ausgang?« neckte Basina.

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