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Die schlimmen Nonnen von Poitiers

Felix Dahn: Die schlimmen Nonnen von Poitiers - Kapitel 16
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleDie schlimmen Nonnen von Poitiers
seriesDahn, Sämtl. Werke
volumeBd. IV.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorGerd Bouillon
senderwww.gaga.net
created20070523
projectid5b771ba0
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Fünfzehntes Kapitel.

Groß war am andern Morgen König Childiberts Erstaunen, als auf seine höchst ungnädige Botschaft hin, die Herzog Rauching noch ungnädiger ausrichtete, Chrodieldis sofort ihre Unterwerfung unter des Königs Gebot erklärte.

Sein Wort brechen? Er hätte es gern gethan! Weniger das Gewissen, – die Furcht vor König Guntchramm, seinem Oheim, hielt ihn ab. Doch gedachte er, wenigstens die beiden Alamannen zu deren Vater heimzuschicken. Eifersucht hatte ihn erfaßt. Entgingen ihm, dem König, die schönen Bäslein, so sollten andere gewiß nicht ... Bald nachdem er dies zu wissen gethan, kam der Priester Theutar in sein Gemach mit einem Gesicht, das war noch viel verlegener, furchtsamer und blöder als sein gewöhnliches. »Was willst du?« fuhr ihn der König an. »Eines bisher braven Mägdleins Schwäche beklagen! Ich, ein Priester des Herrn, ich sollte nicht solche Botschaft tragen. Es ist,« seufzte er, »wie Kuppelei.« Hoch horchte der Königsknabe auf. »Welches Mädchen?« »Basina ist es – leider!« fuhr der stöhnend fort. »Ei, bei Frau Abundia! Die ist noch viel lieblicher als ... Was will das süße Kind?« – »Sie bereut, daß sie so unartig gegen ihren lieben Vetter und König war. Tief hat sich sein Bild ihr eingeprägt. Und sie bittet, Abschied nehmend von diesem Bild, ihm den versagten Kuß geben zu dürfen.«

»O der Engel! Wo ist sie?« – »Schon draußen!« – »Führ sie herein! Rasch! Und geh.« – »Gleich! Aber ... –« – »Was noch!« – »Dafür bittet sie, daß die beiden Schwaben die Reise nach Poitiers begleiten dürfen.« Der Knabe verzog den Mund! »Das ist mir nicht lieb.« – »Sehr wohl!« Er rief durch den Vorhang. »Geh' nur, Kind. Der brave Herr König will nichts von dir wissen. Behalte, was du bringen wolltest.« – »Ah, so laß dir doch Zeit! Und mir! – Meinetwegen! – Sei's um die Schwaben.« Basina stand schon im Gemach: »Ihr gebt Euer Königswort?«

»Ich gab es schon, reizendes Bäslein.« – »Bitte: nochmal! Aber recht deutlich. – Vor dem Priester und mir!« – »Beim roten Donner: ja! – Hinaus mit dir, Mönch.« »Kind, halt' dich tapfer,« flüsterte der und verschwand.

Der König eilte auf das Mädchen zu, das hart an dem Vorhang stehen blieb, und streckte beide Arme nach der reizvollen Gestalt aus.

»Gemach,« bat sie leise. »Draußen stehen vierzig Menschen. Hübsch säuberlich! – Sehet nun, Herr König, wie Euch, weil Ihr sündhafter Lust blind gefolgt seid, ein kleines Mädchen überlistet hat.« – »Ah, was ist das?« »Ich rat' Euch, nicht zu schreien,« fuhr sie ganz leise fort, »um Eurer Ehre willen! Nicht um der meinen Willen, die ist mir sicher. – Was wollt Ihr denn nun thun, großmächtiger Herr König von Austrasien, wenn ich diesen Vorhang zurückschlage und vor all' den Priestern und Palatinen dort ausrufe: ich sagte, Euer Bild habe sich tief mir eingeprägt, ich versprach, zum Abschied dies Euer Bild zu küssen. Nichts andres that ich dir zu wissen. Sieh diese Münze, König Childibert, sie trägt dein Bild: – tief eingeprägt hab' ich's – du siehst es hier – in meinem nackten Arm: ich küsse hier dein Bild: und hab' mein Wort gelöst und hab' mein Spiel gewonnen! – Und allgemeines Gelächter wird dein Los.« »Das wäre ... –:« er errötete vor Scham. – »Mädchenlist gegen Königslist, die du tückisch gegen uns arme schutzlose Kinder geschmiedet hattest. Aber, Vetter Childibert – ich will's nicht thun. Ich hoffe, wir kommen besser auseinander. Daß sich dein Bild meinem Herzen in Liebe eingeprägt, das hab' ich nie gesagt. Aber – gefallen hast du mir doch.« Geschmeichelt, doch mißtrauisch blickte er auf. »Wirklich? Dir soll ich noch trauen?« – »Ja, denn ich sage dir die Wahrheit. Du bist sehr schön.« Er errötete über und über. »Ich habe viel über dich nachgedacht, seit ich dich verlassen, obwohl ich sonst mich nicht viel abgebe mit Denken, auch über mich selbst genug zu denken hatte. Allein ich dachte wirklich viel an dich und sagte mir: Wie schade! Ein echter Königsjüngling von Ansehn und Gestalt, des edeln Sigbert, der herrlichen Brunichildis Sohn!«

Der König trat betroffen einen Schritt zurück.

»Schön, gescheit, witzig, liebenswürdig! Und verdirbt sein junges, edles Leben mit eitel Liebelei. Nein, nicht er verdirbt's.« – Sie sprach ganz leise nun: »zwei herrschsüchtige Männer, die er nicht lieben kann ... –« Er schüttelte heftig die langen Locken. »Die er durchschaut mit seinem Königsblick.« Er nickte drohend. »Sie verderben ihm das Leben, um ihn desto sicherer zu beherrschen. O König Childibert, ich bin kein Mann, verstehe nichts vom Staat! Aber glaubst du nicht, dein guter Oheim Guntchramn meint es besser mit dir, mit Eurem Hause, als dieser hochfahrende Rauching? – Mit deiner Ehre! – Denn wär's nun nach deinem – nein, nach seinem Willen gegangen – hättest du wirklich zwei junge Mädchen, die, um Recht und Schutz flehend, zu dir eilten, in Eitelkeit der Jugend – denn auch wir sind jung und eitel und schwach, lieber Vetter! – dazu gebracht, deine – das garstige Wort, es muß heraus! – deine Buhlinnen zu werden ...« – sie stammte auf vor Scham und Zorn und stampfte mit dem Füßlein – »die nächsten Lilien deines Hauses! – dann wärst du heute noch viel, viel ehrloser als wir!« »Laß ab, Basina,« bat er. »Du hast recht – schone mich. Ich bin ein ... –« – »Du warst ein Knabe, Vetter. Sei fortab ein Mann, wirf diese Liebeleien weit von dir und mit ihnen: das Netz der Schande.« – »So hat nie Mann, nie Weib zu mir gesprochen.« »Doch, deine Mutter. – Aber du hörst lieber,« lächelte sie, »auf jüngere Lippen ... –« – »O Basina! Wenn du meine Königin ... –« – »Das geht nicht an, lieb Vetterlein! Du hast schon eine Braut: ein schönes, kluges, sanftes Mädchen – viel schöner und viel klüger und viel sanfter als Basina. Ich kenne sie so gut! Laß sie kommen, sofort! Sie liebt dich warm; sie hat es mir, der Freundin gestanden; du hast ihr nur noch das Herz nicht aufgethan.« – »Sie lassen sie mir ja nie! Ich habe ja nur eine gemalte Braut. Auch ist sie kalt.« – »Das ist sie nicht! Aber keusch. Und das ist zweierlei. Laß sie kommen – heute noch. Lerne, welchen Schatz du an ihr hast: sie wird dein Glück und deine Ehre sein.« »Du hast gesiegt, Basina!« rief der Jüngling. »Heute noch reit' ich zu Faileuba. Meine Mutter muß an den Hof zurück! Mein Oheim Guntchramn soll fortan mich leiten. Und du meinst, die beiden Vornehmen da draußen haben absichtlich mich durch meine – Eitelkeit beherrscht? Haben euch mir deshalb zugeführt und mir geraten, euch ... –« – »So ist es!« »Ich verbanne sie, beide,« rief er zornig. – »Das heißt: sowie König Guntchramn hier ist,« fügte er schüchtern bei. – »Werde nur nicht rückfällig, Vetterlein!« – »Nein! Ich schwör's, ich will mich bessern! Ich schwör's bei König Sigberts, meines edeln Vaters Blut!« – »Dank dir, Vetter, das war ein Manneswort. Nun, bitte, reich' mir deine Hand, nimm diesen Kuß darauf, junger König. Und willst du schwanken: – schau auf deine Hand, die meine reinen Lippen jetzt berühren, und denke dran, was du Basina gelobt hast. –« Sie war verschwunden.

Und tief im Innersten erschüttert sah ihr der Jüngling nach.

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