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Die schlimmen Nonnen von Poitiers

Felix Dahn: Die schlimmen Nonnen von Poitiers - Kapitel 14
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleDie schlimmen Nonnen von Poitiers
seriesDahn, Sämtl. Werke
volumeBd. IV.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorGerd Bouillon
senderwww.gaga.net
created20070523
projectid5b771ba0
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Dreizehntes Kapitel.

Kaum hatten die beiden Mädchen die Schwelle des kleinen, mit Mosaiken und Wandteppichen reich geschmückten Gemaches überschritten, als sich jede an der Rechten gefaßt und lebhaft nach vorn gezogen fühlte.

Ein schlanker Knabe, in reichem golddurchwirktem Gewand riß sie ungestüm von der Thüre hinweg, – er hatte der Merowingen meerblaues Auge, das lange Goldgelock, die kurze, feingeschnittene Nase mit den nervös beweglichen Nüstern, die üppigen, verlangenden, genußgierigen Lippen und eine blendend weiße, mädchenzarte Hautfarbe: lieblicher Flaumbart träufelte sich ihm auf der Lippe und auf den wohlgebildeten Wangen: er war sehr schön; es war König Childibert. Er strahlte vor Vergnügen.

»Weg von der Thüre!« flüsterte er. »Da hören sie uns! Und dann, weh uns! – O dunkelschöne Base! Was hast du gethan! Kein Mann auf Erden wagte das: – er wäre des Todes! Den Großgewaltigen, Rauching, den Herzog des Stolzes! Du hast ihn – vor Zeugen – geschlagen. Habe alles gesehen!« kicherte er, kindlich vergnügt. »Konnte es nicht aushalten vor Neugierde – nach euch. Habe durch die Vorhänge geguckt! Thu's oft. – Du bist gewiß Chrodieldis! – Ich erschrak vor Entsetzen! Aber tief, tief hat mich's gefreut. Ich muß dich belohnen.« Und er mühte sich, sie zu küssen. Aber es genügte, daß die schlanke Jungfrau sich zu ihrer vollen Höhe aufrichtete, um ihm diese Hoffnung vollständigst zu entrücken.

»Hui, ist die stolz, die Große! – Du, liebes kleines Bäschen, du bist gewiß nicht so ... –« »Lang«, sagte Basina, »aber noch viel hurtiger.« Und schon war sie unter seinem umschlingenden Arm durchgeschlüpft und stand wieder dicht am Eingang. »Schwöre Frieden, – Kußfrieden, jung Vetterlein, du zuchtlos Königsbüblein. Sonst schlag' ich hier die Vorhänge zurück und du stehst recht kläglich da vor deinem Hofgesind.« – »Um Gott!« – »Schwöre, Königlein! Schwöre! Oder –« sie griff in die Falten. – »Laß zu, laß zu! Ich schwör's bei allen Teufeln.« – »Und – auch bei deiner lieben Braut?« – »Die ist dabei schon eingezählt! – Ei, seid ihr dornige Röselein! Vettern und Basen küssen sich doch.« »Bei den Bauern, ja, und den Schneidern,« zürnte Chrodieldis, »nicht in Königshäusern. – Herr König von Austrasien! Wir fordern von dir unser Recht. Und wären wir arme Bettlerinnen ... –« – »Ihr seid aber viel was Schlimmeres, ihr seid entsprungene Nönnlein!«

»Da liegt – ich seh's – unsere Klageschrift auf deinem Tische. Hast du sie gelesen?« – »Behüte. Ist viel zu lang! Aber es versteht sich: alles geschieht, was ihr haben wollt.« – »Wirklich?« – »O Dank!« – »Nun das versteht sich doch! Die Äbtissin – ich hasse Äbtissinnen! – ist eine alte langweilige, saure Holzbirne. Und ihr – weiß Gott – ihr seid die schönsten Mädchen, die ich ... –« »Je geküßt,« spottete Basina. »Du, Kleine! Wäre nur der Saal da draußen nicht! – Und noch neununddreißig andere! Sind auch noch recht hübsche darunter?« fragte er neugierig. »Also unsere Forderung ist gewährt?« fragte Chrodieldis ungeduldig. »Gewiß! Vorausgesetzt, – daß« – fügte er mit schüchternem Blick auf den Vorhang bei – »daß Herzog Rauching und Bischof Egidius ... –«

»Bist du König oder ist es Herzog Rauching?« rief Chrodieldis. – »Still, still! Um Gott! Er hört so scharf. – Er hat, nach meinem königlichen Willen, ja gesagt.« – »Also!« »Aber auch ich habe meinen Willen,« prahlte der Knabe. »Und ich bedang dabei, daß ihr nur dann des Königs Gnade finden sollt, wenn,« flüsterte er und griff – umsonst – nach Basinas vollem Arm, »auch ihr für den König nicht ungnädig seid. – Wie kommt es doch, daß ich euch noch nie gesehen?« »Weil man uns, nach unsrer Väter Tod, ohne uns, ohne unsere Mütter zu fragen,« zürnte Chrodieldis, »ins Kloster steckte.« – »Und vorher?« »Vorher? Ei du lieber Gott,« lachte Basina. »Da ging der Herr König ja noch in Kinderhöslein.« – »Kleiner Krauskopf, ich werde dir zeigen, daß ich ein Mann bin! ich werde dir Respekt beibringen.« Er griff nach ihrem Gürtel. Patschend schlug sie ihn auf die Hand. »Das müßtet Ihr aber beides ganz anders versuchen als bisher.«

Da zuckte ein unheilverheißender Blitz aus den lodernden Merowingeraugen und der erboste Knabe rief sehr laut: »Ihr seid entlassen! Nicht in Gnaden! Euer Gesuch kann nicht so rasch entschieden werden. Wir werden euch Bescheid zufertigen lassen – in drei, vier Monaten.« Beide Mädchen erbleichten. »Ja, was meint ihr denn? Gottlose Nonnen! Kirche und Staat, die Ehre des Königshauses stehen auf dem Spiel. – Auch der Ruf unseres Hofes! –«

Leise lachte er dazwischen durch: »Hier seid ihr in meiner Gewalt! Das sollt ihr fühlen. Von hier entwischt ihr nicht wie zu Poitiers und Tours. Ihr sollt mir diese Stunde, diese Sprödheit büßen!« Laut fuhr er wieder fort: »Durch Herzog Rauching werdet ihr näheres erfahren.« Er schlug mit der Faust zornig auf ein Metallbecken. Die Vorhänge rauschten auf: zwei Höflinge erschienen.

»Meine Basen sind scharf zu überwachen! Natürlich nur,« schloß er höhnisch, »daß sie nicht Übles erleiden. So tugendreiche Mägdlein thun nichts Böses.«

Die Mädchen schritten schweigend durch den Vorsaal. Die jungen Alamannen wollten ihnen aus demselben in den Gang folgen. »Halt!« gebot Herzog Rauching. »Des Herzogs Sigfrid Söhne sind meine Gäste. Sie bleiben. Sie folgen mir in mein Haus.« Da traten die Jünglinge vor, verbeugten sich und Sigvalt sprach: »Ihr habt hier zu befehlen, Herzog: – aber nicht uns.« »König Guntchramn hat uns durch seinen Domesticus eingeschärft,« fuhr Sigbert fort, »soweit die Schicklichkeit verstattet, Tag und Nacht in der Nahe der jungen Königinnen zu bleiben.« »Er wird euch wohl nicht schwer, dieser Dienst?« grollte der Herzog.

»Wir werden also,« fiel Sigvalt ein, »mit unsern Schwertern vor der Jungfrauen Schwelle liegen und bürgen, daß niemand von ihnen herausgeht ... –« »Und niemand zu ihnen hinein,« schloß Sigbert.

»Kecke Schwaben!« brauste der Gewaltige auf. »Ein Wink, und –« Aber Egidius zog ihn am Mantel: »Gieb ihn nicht, diesen Wink. König Guntchramn – er haßt uns lange – lauert nur auf die Gelegenheit, uns zu stürzen, Krieg anzufangen, brauchst du Gewalt gegen seine Sendlinge. Laß mich gewähren! Ich setze sie bis morgen früh ins hellste Unrecht, Dann – Gewalt, blutige, wenn es sein muß, – Geht, meine Söhne! Gehet nur mit diesen Lämmlein, sie zu hüten, – Der König ruft mich zum Vortrag. Ich komme!«

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