Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Karl Simrock >

Die Schildbürger

Karl Simrock: Die Schildbürger - Kapitel 15
Quellenangabe
typesatire
booktitleDie Schildbürger
authorKarl Simrock
publisherVitalis Verlag
addressFurth im Wald
isbn3-934774-37-7
titleDie Schildbürger
pages119
created20011201
sendergerd.bouillon@t-online.de
Schließen

Navigation:

Vierzehntes Kapitel

Wie die Schildbürger einen Acker mit Salz besäeten, daß es wachsen sollte und was sich damit zutrug.

Als nun das Rathhaus vollführt und mit Narren besetzt war, fingen sie an, alle Tage zusammen zu kommen und sich um die Sachen zu bekümmern und zu zermartern, welche zum gemeinen Nutz und Regiment gehörten, dessen sie sich nun, wie sie schuldig und verpflichtet waren, mit immer möglichstem, all ganz eifrigstem Ernst annahmen. Nun hatte ihr Witz sie auf eine Zeit dahin getrieben, daß sie an den Proviant gedachten und Rath hielten, wie man einen Vorrath hinterlegen möchte, um dessen bei vorfallender Theurung zu gebrauchen, damit man nicht bei den Wucherern und Kornwürmern gute Worte geben müßte. Dies bedachten sie gar weislich, denn es steht ja einer hochverständigen Obrigkeit zu, sich mit solchen Vorräthen zu versehen, um bei einfallendem Mangel den Unterthanen zu helfen, und den Wucherern, welche den ohnedies schon genug bedrängten Armen wie die Egel das Blut aus dem Leibe, ja das Mark aus den Knochen saugen, ihr unredlich niederträchtiges Gewerbe zu legen.

Sonderlich über das Salz (dessen Feilkauf der schwebenden Kriegsläufe wegen gehemmt war, daher sie großen Mangel daran litten) kam zur Sprache, ob man nicht die Sache dahin bringen könnte, daß sie auch ihr eigen Salz hätten, da sie ja des Salzes in der Küche so wenig entbehren könnten als des Mistes auf dem Acker. Dieser Handel ward nun in die Läng und Breite, nach eines jeden Gutdünken erwogen, und das nach allen Seiten, denn es wurden allerlei Mittel, deren man sich bedienen könnte, vorgebracht und nach ihrer Weisheit bedacht. Endlich wurden sie Raths und beschlossen einhellig: Sintemal kund und offenbar, daß der Zucker, welcher dem Salz nicht unähnlich, auch wachse, so müsse ja folgen, daß das Salz gleichermaßen auf dem Felde hervorwachse, wie nicht minder daraus abzunehmen, daß auch das Salz Körner habe, wie man sage: Ein Körnlein Salz u.s.w. Da ferner kund und offenbar, daß andere Dinge wüchsen, z.B. Kälber, wenn man Käse setze, Hühner, wenn man Eier in den Boden stecke, so auch kein besserer Rath, als daß man ein großes Stück Feld, welches der Gemeinde gehöre, umbräche und baute und alsdann das Salz (dessen sie weniger entrathen könnten als der Narren) in Gottes Namen hineinsäete: so hätten sie auch eigen Salz und dürften nicht Andern darum nachlaufen und zu Füßen fallen.

Das ward nun alsobald ins Werk gesetzt, der Acker gepflügt und wie ihre Weisheit erkannt hatte, mit Salz besäet, in der Hoffnung, es würde ihnen reichlich lohnen und Gott auch zu ihrer Arbeit den Segen überflüssig geben, zumal sie es in seinem Namen gesäet hatten. Auch versahen sie sich, ob sie gleich einen Gewinn davon hätten, so sei doch solcher Gewinn nicht als ein Landwucher ungerecht und schändlich, sondern von Gott gegönnt und gegeben und von Jedermann gebilligt. In solchem Vertrauen haben sie auch um den Acker desto fleißiger Sorge getragen und an die vier Ecken (denn er war nicht dreieckig wie das Rathhaus) Hüter oder Bannwarte gesetzt, jeden mit einem langen Blaserohr in der Hand, um die Vögel, wenn sie das gesäete Salz etwa wie andere Samen aufpicken wollten, niederzuschießen.

Es währte nicht lange, so fing der Acker an, aufs Allerschönste zu grünen, worüber die Schildbürger unsägliche Freude gewannen. Sie meinten, nun sei es ihnen einmal gerathen, gingen alle Tage hinaus, um zu sehen, wie das Salz wüchse, und beredeten sich selber, sie hörten es wachsen, wie Jener das Gras. Und je mehr es wuchs, je mehr wuchs auch in ihnen die Hoffnung, und es war Keiner unter ihnen, welcher nicht in seinem Sinn schon einen ganzen Scheffel gegessen hätte.

Zur größeren Sicherheit und bessern Verwahrung ihres Salzfeldes, welches sie gern vergrößert hätten, setzten sie, in Betracht, daß nicht nur die Vögel, sondern auch andere Thiere, als Pferde, Kühe, Schafe und sonderlich die leidigen Geißen, welche ohnedies gern Salz lecken, dem Samen Schaden zufügen könnten, zu den vorigen Hütern noch einen andern Bannwart und befahlen ihm, wenn etwa eine Kuh oder Geiß, ein Pferd oder Schaf auf den Acker käme, so sollte er sie wo möglich mit Stoßen, Jagen, Schlagen, Puffen, Klopfen, Zwicken, Scheuchen, oder wie er nur immer könnte, vertreiben, welches er ganz getreulich zu leisten versprach, wie er auch gethan hat laut dem, was folgen wird.

 << Kapitel 14  Kapitel 16 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.