Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > >

Die Schelmenkappe

: Die Schelmenkappe - Kapitel 61
Quellenangabe
pfad/antholog/schelmen/.schelmen.xml
typelegend
authorVerschiedene Autoren
titleDie Schelmenkappe
publisherCarl Flemming und C. T. Wiskott A.-G.
editorCarl Ferdinands
seriesFlemmings Saatbücher
illustratorHans von Volkmann
year1922
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090919
projectidbe4212ab
Schließen

Navigation:

Hans, blas 's Licht aus

Ludwig Auerbacher

In Frankfurt lebte ein Weinhändler namens Mauskopf: der hat die Kunst verstanden, von der Armut sich Reichtum zu verschaffen. Wenn er nämlich von einem Winzer hörte, daß es mit dessen Vermögen auf die Neige gehe und zur Vergantung, so war er flugs bei der Stelle, wie ein Rabe, der um Sterbende kreiset, des Aases gewärtig. Einstmals aber hat er doch eine falsche Rechnung gemacht. Ein Winzer an der Bergstraße, wo guter Wein wächst, war drum und dran, den Garaus zu machen. Dies hatte kaum unser Mauskopf gehört, als er sogleich zu dem Manne eilte, um ihm den Rest von seinen Weinen abzuknicken. Der Winzer, wie er das Begehren vernommen, machte nicht viel Worte und Umstände, sondern sagte bloß zum nebenan stehenden Knechte: »Hans, zünd 's Licht an!« und er führte dann sogleich den Weinhändler in seinen größtenteils schon ausgeleerten Keller, wo Kraut und Rüben, Schaufeln und Hacken, leere Fässer und Gestelle kunterbunt untereinander lagen, so daß sich die Besuchenden kümmerlich durchwinden mußten bis in den tiefsten Hintergrund, wo noch ein volles Faß stand. Der Winzer gab dem Kaufmann stillschweigend ein Glas zu kosten, und dieser fand den Wein vortrefflich und hoffte somit einen guten Fang zu machen. Auf die Frage, was das Ohm koste, nannte der Winzer den Preis, einen äußerst billigen. Der trügerische Kaufmann aber, der Mauskopf, bot einen Schandpreis. Was tat nun der Winzer? ... Der Volksfreund kennt einen Landsmann, einen ehrenwerten Leinwandhändler aus den Stauden; wenn diesem ein Kaufherr einen Spottpreis der Art auf seine Ware schlug, so kehrte er sich um, stellte sich in die Stubenecke, und, indem er die Hände faltete und die Daumen im Kreisel spielen ließ, murmelte er zwischen den Zähnen: »Zorn, komm morgen!« »Zorn, komm morgen!« »Zorn, komm morgen!«, wie es Kaiser Augustus getan, der, um den aufbrausenden Zorn zu unterdrücken, das griechische Alphabet herzusagen pflegte ... Unser Winzer aber tat anders; er sagte bloß: »Hans, blas 's Licht aus!« und er durchzog drauf mit Hansen den ihm wohlbekannten Keller ohne Gefährde und kümmerte sich um den Kaufmann nicht weiter mehr. – Dieser aber hatte nun seine liebe Not, wie er in der Finsternis durch den Wirrwarr aus dem Keller kommen sollte. Jetzt stolperte er über einen Kraut- und Rübenhaufen, dann fiel er über ein leeres Faß oder ein Gestelle, drauf rannte er an die Wand und kam zuletzt mit hinkenden Beinen, mit geschundenen Händen und mit Beulen am Kopf kümmerlich aus dem verfluchten Kellerloch. Der Winzer aber war inzwischen schon aufs Feld gegangen, und Hans hielt dem Kaufmann an der Kutsche das Leitseil hin und die Peitsche, nachdem er ihm noch, aus Unachtsamkeit, ins Gesicht geflitzt hatte. Also mußte er unverrichteter Dinge abziehen.

Seitdem geht in Frankfurt die Rede, wenn man auf einen schnöden Handel nicht eingehen will: »Hans, blas 's Licht aus!«

 << Kapitel 60  Kapitel 62 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.