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Die Schelmenkappe

: Die Schelmenkappe - Kapitel 43
Quellenangabe
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typelegend
authorVerschiedene Autoren
titleDie Schelmenkappe
publisherCarl Flemming und C. T. Wiskott A.-G.
editorCarl Ferdinands
seriesFlemmings Saatbücher
illustratorHans von Volkmann
year1922
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090919
projectidbe4212ab
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Der Hofprophet

Karl Simrock

An einem Hofe war ein Prophet angestellt; der mußte das Wetter vorhersagen, wofür er ein ansehnliches Gehalt bezog. Er hatte aber das Unglück, daß seine Prophezeiungen nicht eintrafen, und so zog er sich den Spott der andern Hofbeamten zu. Das ließ er sich zwar gefallen – denn das Gehalt wurde ja doch ausbezahlt, das Wetter mochte ausfallen, wie es wollte –, heimlich aber wurmte es ihn doch.

Nun geschah es, daß auf dem Lande ein Dorfprophet großen Ruf erlangte, weil seine Prophezeiungen immer eintrafen. Da dachte er: Wenn du doch erfahren könntest, wie dieser Bauer es anstellt, daß er immer richtig prophezeit, so brauchtest du dein Brot nicht mit Schanden zu essen.

Da steckte er eines Tages eine gute Summe Geldes zu sich und machte sich auf den Weg zu dem Dorfpropheten. Dem trug er sein Anliegen vor und ließ sich gar höflich vernehmen: Wenn er ihm sagte, wie er es anstellte, das Wetter immer so richtig vorherzusagen, so sollte es sein Schaden nicht sein. Aber der Dorfprophet sagte: »So geht das nicht, guter Freund! Ihr Herren am Hofe seid gewohnt, viel zu versprechen und wenig zu halten. Butter an die Fische! oder ich halte reinen Mund.« Da mußte sich der Hofprophet entschließen, hundert Goldgulden hinzuzahlen. »Hm!« sagte der Dorfprophet. »Wenn Ihr noch hundert dazulegtet, so wäre es gerade noch einmal so viel.«

Der Hofprophet mußte also den Beutel zum andernmal ziehen und die Summe verdoppeln. »Jetzt könnte ich mir's schon überlegen,« sagte der Dorfprophet, »aber wer weiß, wie es ausfiele? Darum solltet Ihr zur Sicherheit lieber gleich noch hundert Goldgulden hervorlangen.« Dem Hofpropheten kam es hart an, denn es war sein letztes Geld, aber es mußte sein. Er zählte also auch die letzten hundert Goldgulden noch hin und sagte: »Nun aber heraus mit der Sprache!« Der Dorfprophet strich das Geld gemütlich ein, schloß es in seinen Schrank und klopfte sich auf die lederne Hose, daß es schallte: »Nun merkt auf,« sagte er, »wie ich es mache, daß ich immer richtig prophezeie. Seht: ich warte, bis Ihr prophezeit habt, – alsdann prophezeie ich das Gegenteil. Damit treffe ich immer das Richtige. Adjes, Herr Hofprophet!«

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