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Die Schelmenkappe

: Die Schelmenkappe - Kapitel 33
Quellenangabe
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typelegend
authorVerschiedene Autoren
titleDie Schelmenkappe
publisherCarl Flemming und C. T. Wiskott A.-G.
editorCarl Ferdinands
seriesFlemmings Saatbücher
illustratorHans von Volkmann
year1922
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090919
projectidbe4212ab
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Das goldbordierte Hütlein

Ludwig Auerbacher

In der Rechnung des Kastenamts Burghausen vom Jahre 1773 hatte sich ein sonderbarer Ausgabe-Posten vorgefunden: »Item für ein goldbordiertes Hütlein: thuet 16 fl. 25 kr.« Den Herren von der Rechnungskammer in München, die alles genau nahmen, fiel das auf, und sie stellten den Kastner darüber zur Rede, wie das goldbordierte Hütlein in die Kastenrechnung gekommen sei.

Er antwortete: »Auf die natürlichste und rechtmäßigste Weise. Als nämlich im Mai vergangenen Jahres der gnädigste Kurfürst nach Burghausen kam, wollte und mußte ich ihm wohl besondere Ehre erweisen, und ritt ihm vor auf einem Mietgaul; und damit er mich aus allen heraus kennete, als seinen Beamten, so schaffte ich mir ein goldbordiertes Hütlein an und paradierte damit, nicht ohne Erfolg; denn der gnädigste Herr bemerkte es in Gnaden und erklärte nachmals, daß es mir gut angelassen, das goldbordierte Hütlein. Und da dies nun im höchsten Dienste geschehen und zu Ehren des Landesvaters – schloß er – so möchte ich wissen, wem ich's anders auf die Rechnung schreiben sollte, als ihm selbst, dem gnädigsten Kurfürsten?«

Die Herren von der Kammer aber meinten: »Es sei zwar die patriotische Gesinnung, die er an den Tag gelegt, gar sehr zu loben: aber die Unkosten, die er dem hohen Gaste zu Ehren freiwillig gemacht habe, müsse natürlich er selbst tragen, weil ihm keine besondere Vollmacht dazu gegeben worden sei.« Also mußte er sich's gefallen lassen, daß ihm der Posten gestrichen wurde. »Je nun,« sagte der Kastner, »wenn's nun schlechterdings nicht in der vorjährigen Rechnung stehen soll, das goldbordierte Hütlein, so mag's meinethalb in die Rechnung des laufenden Jahres kommen.« – »Das wollen wir sehen!« sprachen die Herren. »Das sollen die Herren nicht sehen!« sagte der Kastner. Also nahmen sie's für Spaß und waren zufrieden.

Im folgenden Jahre, als die Hauptrechnung des Kastners eingelaufen war, spionierten die Herren sorgfältigst nach dem Posten, das Hütlein betreffend: und sie sprachen alsdann zum Kastner: »Wie ist's? wir suchen nach dem Hütlein vergebens.« »Wo es sei?« versetzte der Kastner. »Drinnen steckt's,« sagte er, »aber ihr mögt suchen, solang ihr wollt, ihr werdet's doch nimmermehr finden.«

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