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Die Sauhatz

Joseph von Lauff: Die Sauhatz - Kapitel 1
Quellenangabe
typepoem
booktitleDie Martinsgans
authorJoseph von Lauff
firstpub1920
year1938
publisherG. Grote'sche Verlagsbuchhandlung
addressBerlin
titleDie Sauhatz
pages1-5
created20051013
sendergerd.bouillon
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Joseph von Lauff

Die Sauhatz

Ein komisches Sau-, Wein- und Mosel-Märchen

Der »Brixiade« 3ter und letzter Teil


Auftakt

                  Die Hasen hatten abgerammelt,
Des Rotwilds Brunftschrei war verhallt,
Und von der Arbeit ganz verdammelt
Zog matt der Haupthirsch durch den Wald.
Die Sau nur hatte frohe Tage;
Sie rudelte im tiefen Tann;
Denn nach des Daseins Pein und Plage
Brach ihr die goldne Rauschzeit an.
Da war's . . . auf weichen Lammfellsocken,
Durch Thyrsusstöcke, öd und kahl,
Den Bart umeist mit kalten Flocken,
Der Winter kam ins Moseltal.
Dezember war's! – Der Himmel blaute,
Das weite Land lag eingeschneit,
Und rings, so weit das Auge schaute,
Zog glitzerblanke Herrlichkeit.
Die Berge trugen Silberborten,
Die Wälder standen duftig weiß,
Und schaumig glitt als Sahnetorten
Den Strom zu Tal das Moseleis.
Da war's, da kam mir gute Kunde
Aus meinem lieben Moselnest;
Denn fröhlich ging's von Mund zu Munde:
»Im Conder Wald sind Sauen fest!«
Im Conder Wald! – das Wort schlug Funken;
Und Sauen fest! – ha, wie das klang!
Und tiefbeseelt und wonnetrunken,
Ward meine Sprache zum Gesang.
Ich hörte schon das Hifthorn tönen,
Versprach mir himmlischen Genuß,
Und um das Ganze noch zu krönen,
War Rendezvous bei Brixius.
Bei Brixius im Schank »Zur Traube«!
Ein Zauberwort, ein Wort der Lust!
Das lockte wie die Turteltaube,
Das wölbte stolz die Männerbrust,
Das ließ die Pulse rascher schlagen
Und schob die Freunde mir zurecht,
Mit denen ich in frohen Tagen
Geliebt, gejubelt und gezecht.
Denn hier »Zur Traube«, voll der Gnade,
Von Rebenbergen überragt,
Hier hatte einst die »Brixiade«
Sich abgespielt und froh getagt.
Hier ward mit auserwählten Zungen
Und sonder Grimm und sonder Gram
Der »Martinsgans« ein Lied gesungen,
Wie es die Welt noch nie vernahm.
Drum auf nach Cond! – Die Freunde harren,
Gebt Urlaub mir, geliebte Frau!
Die alten Fuderfässer knarren,
Und eingekesselt liegt die Sau.
O laßt mich ziehn! – Die Tafelrunde
Zergrämt vor Ungeduld sich schier.
Ich zog und fand in später Stunde
Bei Brixius mein Nachtquartier,
Fand gute Rast bei gutem Schmause
Und hörte dann nach tiefer Ruh,
Wie Hermann Joseph, Herr vom Hause,
Am Morgen blies zum Rendezvous.
Potz Blitz! – ein braver Weidgeselle,
Mit Stutz und Busch und Lodenhut,
Stand Hermann Joseph auf der Schwelle,
Und weiß der Teufel, er blies gut.
Hift, hift, hallo! – Kein Leisetreter –
Nein spurgerecht, vom Licht umtanzt,
Wie Scheffels feuriger Trompeter
War Hermann Joseph aufgepflanzt.
Hift, hift, hallo! – in alle Fernen,
Hin über Strom und Berg und Tal
Und unter dem Gewirr von Sternen
Zog jubelnd fort das Hornsignal.
Der Morgen graut, die Sterne schwinden.
Hift, hift, hallo! – mit Gunst und Glück
Und jubelnd von den Lescher Linden
Kam Gruß und Weidmannsheil zurück.
Wacht auf, wacht auf! Empor die Nasen,
Heraus aus eurem warmen Nest!
Bald wird das Treiben angeblasen:
Im Conder Wald sind Sauen fest!
Den Rucksack her, die Weidmannstasche,
Und in den Lodenrock hinein!
Nehmt auch 'nen Schluck noch aus der Flasche,
Damit die Sauen gröber sein!
So ging der Ton, und als die Weise
Erstarb in dulci jubilo,
Habt acht! – geheimnisvoll und leise
Erschallt das erste Horrido.
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