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Die Saga von dem Gunlaugur genannt Drachenzunge und Rafn dem Skalden

Friedrich de la Motte Fouqué: Die Saga von dem Gunlaugur genannt Drachenzunge und Rafn dem Skalden - Kapitel 83
Quellenangabe
typelegend
booktitleDie Saga von dem Gunlaugur genannt Drachenzunge und Rafn dem Skalden
authorFriedrich de la Motte Fouqué
year1826
firstpub1826
publisherAnton Pichler
addressLeipzig
titleDie Saga von dem Gunlaugur genannt Drachenzunge und Rafn dem Skalden
pages645
created20120417
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Fünf und zwanzigstes Kapitel.

Eines Frühmorgens, bald nach dieser Zusammenkunft, war Illugi und seine ganze Hausgenossenschaft zu mannigfachem Schaffen und Arbeiten aus dem Hause gegangen; nur den trüben Gunlaugur ausgenommen. Der lag noch in seiner Kammer wachend auf dem Lager, und dachte an Schön-Helga, und an den unausgefochtnen Zweykampf, und überschaute so still bey sich sein ganzes Unglück. Da klang es vom Gange Bewaffneter in der Halle; der trübe Gunlaugur vernahm es nicht.

Jetzt aber sprang die Kammerthür auf, und herein trat Rafn der Skalde in Waffen, zwölf kampfrüstige Männer hinter ihm. Rasch fuhr Gunlaugur in die Höhe, und erfaßte Schwert und Schild. Rafn aber sah ihn freundlich an, und sprach mit sanfter Stimme: »Laß ruhen für 173 dasmahl Schwert und Schild. Du bedarfst ihrer heute noch nicht. Höre mich an. Wir allezwey können ja doch nimmer das Weh unseres unausgefochtnen Krieges ertragen. Da laß uns noch in diesem Sommer hinausfahren gen Norweg, und dort unsern gestörten Holmgang freudiglich vollbringen, wo es weder Väter noch Vettern noch Muhmen noch Basen gibt, uns zu hemmen. Willst Du?« »Ob ich will!« rief Gunlaugur freudiglich aus. »Heilbringende Kunde hast Du gesprochen, wie sie einem Heldensänger Deinesgleichen geziemt. Hier hast Du meine Hand auf den Vertrag. Und nun laß uns mitsammen fröhlich seyn. Du bist mir ein lieber Gast sammt Deinem wackern Gefolge, und was das Haus vermag, ist Euer.« Rafn erwiederte: »Du erbiethest mir's edel und schön, mein Gunlaugur, und wärest Du der Herdeswirth, so nähm' ich Deine Ladung willig an, und wir könnten zu guter Letzt noch einmahl recht traulich mitsammen bey den Bechern singen. Aber dann hätt' ich auch ohne dieß Gefolge zu Dir kommen können. Und überhaupt, dann wär' unsere Sache ja schon auf Auxar-Holm ausgefochten worden.«

»Freylich wohl!« erwiederte Gunlaugur. »Aber ich hoffe doch nicht, Du trauest meinem 174 Vater so Häßliches zu, er könne einen Feind beleidigen wollen, der als Gast an seinem Herde sässe.«

»Nicht eben, daß er es wolle!« sagte Rafn. »Aber unsere Nordlandsherzen sind rasch zum Zorn, und unsere Nordlandsbecher beym Mahle weit und tief. Ja, wenn unsere zwey Väter selbst ihre Lust an unserem Holmgang fänden, da hätt' es nichts mit dem Zorn und mit den Bechern zu sagen. Aber seitdem sie beliebt haben, sich auf die friedliche Seite zu werfen! Laß mich reiten, mein Gunlaugur. Es ist wohl uns Allen besser so.«

Er saß auf, und trabte mit den Seinigen von hinnen. Noch aus der Ferne winkten die beyden Jünglinge einander grüßend zu, ihres geschloßnen Vertrages froh. 175

 


 

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