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Die Saga von dem Gunlaugur genannt Drachenzunge und Rafn dem Skalden

Friedrich de la Motte Fouqué: Die Saga von dem Gunlaugur genannt Drachenzunge und Rafn dem Skalden - Kapitel 79
Quellenangabe
typelegend
booktitleDie Saga von dem Gunlaugur genannt Drachenzunge und Rafn dem Skalden
authorFriedrich de la Motte Fouqué
year1826
firstpub1826
publisherAnton Pichler
addressLeipzig
titleDie Saga von dem Gunlaugur genannt Drachenzunge und Rafn dem Skalden
pages645
created20120417
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Ein und zwanzigstes Kapitel.

Wenn ein Jüngling von seinem liebsten und schönsten Hoffen hienieden auf immer scheidet, und dennoch ein edelstolzes Andenken an die reine Huld der Geliebten mit sich davon tragen mag, ist er zu kühnen Fechtergedanken absonderlich geneigt. Und sogar Männern – vielleicht unter gewissen Umständen sogar auch Greisen – mag Ähnliches begegnen.

Was Wunder denn, daß der rasche Jüngling Gunlaugur für dasmahl der emporflammenden Morgensonne mit sehr kühn flammenden Gedanken entgegen ritt.

Es wollte sich aber nicht gleich Gelegenheit zu Kampf oder sonst etwas ernst Gewagtem zeigen, und so spornte er nur einstweilen sein brausendes Roß wild über Hecken und Gräben fort, den Seinen weit voraus.

150 Da fügte es sich, daß auch Rafn den Seinen vorausgezogen war, aber zu Fuß; düster träumerisch sinnend über die Erfüllung seiner Wünsche, daraus ihm sein Elend erblüht war. Er stand auf einem dicht von hochdornigen Hecken eingehegtem Ackerstück, und kam sich vor wie ganz allein auf der Welt, oder doch von allen Lebenden still vergessen, wobey er das Unglück herb empfand, nicht auch seinerseits wiederum Alles vergessen zu können.

Als er dabey starr auf die hartgefrornen, dicht überreiften Erdfurchen niederblickte, rasete plötzlich Gunlaugurs wildgesporntes Roß mit seinem Reiter im hohen Schwunge über die Hecken herein, und prellte grad auf den Skalden los. Der trat in seiner Überraschung schnell zur Seite. Da zügelte Gunlaugur das schäumende Thier so gewaltsam, daß es bäumend in die Höhe stieg, und sprach zugleich, mit düsterm Hohn auf Rafn herniederschauend: »Du hier, alter Freund? Aber was sprangest Du mir so scheu aus dem Wege? Weißt Du ja doch wohl, daß ich Niemanden überreite, den ich nicht überreiten will. Oder denkst Du vielleicht daran, was Du um mich verdient hättest?« Rafn, aus seinem 151 trüben Nachdenken verstört, erwiederte dumpfsingend:

»Speereschwinger du,
Speereschwinger ich,
Stört's uns aus der Ruh,
Daß ein Püppchen blank und säuberlich
Mich zum Herrn bekam, nicht dich?
Laß uns Beyd' in Ruh!
Wohl in Ost und Süden findest du
Mehr der Püppchen blank und säuberlich!
Nicht darob den Islandsfrieden brich,
Speereschwinger du!
Speereschwinger ich!«

»Darfst Du so reden, Du Überbeglückter!« rief Gunlaugur im wachsenden Zorn aus. »Mag es Dir so erscheinen; mir erscheint es viel anders, und das will ich Dir mit der That kund geben.« Damit sprang er vom Rosse, band es an die Hecken, und beyde Jünglinge bereiteten sich zum Kampfe.

Derweile aber hatten sowohl Illugi, als Thorstein, Böses ahnend von dem Verschwinden beyder Nebenbuhler, sich beeilt, ihnen nachzukommen, und trafen auch just noch zu rechter Zeit ein, um das Gefecht zu verhindern. 152 Düster gingen die zwey Feinde für dasmahl auseinander. Aber es war Allen dabey zu Sinne, wie etwa dem Landmann im hohen Sommer, wenn schwer heraufziehende Gewitter sich wieder hinter die Berge senken, ohne daß darum die wetterdrohende Schwüle des Firmamentes nachgelassen hätte.

Gunlaugur summte während des Heimrittes folgende Worte vor sich hin:

»Kampfesehre, Kampfeshoffen
Hielt so fern mich und mein Schwert.
Da ist Glück ihm eingetroffen,
Ihm, dem Schwätzer hier am Herd!
Und nun darf so frech er plaudern!
Schmäh'n den Engel, wie er will!
Wart' nur! Mag auch Kampf noch zaudern,
Bald mach' ich den Schwätzer still!« 153

 


 

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