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Die Saga von dem Gunlaugur genannt Drachenzunge und Rafn dem Skalden

Friedrich de la Motte Fouqué: Die Saga von dem Gunlaugur genannt Drachenzunge und Rafn dem Skalden - Kapitel 77
Quellenangabe
typelegend
booktitleDie Saga von dem Gunlaugur genannt Drachenzunge und Rafn dem Skalden
authorFriedrich de la Motte Fouqué
year1826
firstpub1826
publisherAnton Pichler
addressLeipzig
titleDie Saga von dem Gunlaugur genannt Drachenzunge und Rafn dem Skalden
pages645
created20120417
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Neunzehntes Kapitel.

Es blieb seitdem Alles still und friedlich auf Island, bis nach dem winterlichen Juelfest.

Bis dahin nehmlich krankte Gunlaugur noch immer an seinem ausgerenkten Fuß, und mehr noch an den wilden Schmerzen seiner fast aus allen Fugen und Banden gekommenen Seele.

Zwar hatte er wohl bald eingesehen, er seye damahls nicht wirklich mit zugegen gewesen bey Schön-Helga's Hochzeitfeste, sondern es habe ihm nur davon Wunderliches geträumt.

Doch um so trüber ward seine edle und tief liebende Seele.

Und dazu war ihm Hallfredur, der wirre Skalde von hinnen gezogen, gleich am Morgen nach jener trüben Heimkehr in Gilsbacka.

Hallfredur hatte gesungen: 141

»Hier laß ich einen Kranken
In seiner Lieben Rund.
Mich treiben die Gedanken,
Ach, wie so wirr und bunt!
Mich dünkt: mir lebt ein Bruder
Noch hier am Islandstrand.
Faß er mein Geistesruder
Mit hülfreich tapfrer Hand.
Kann der vielleicht mich retten,
Mich lösen vom Jammerbund?
Wohlan! Sonst will ich mich betten,
Zu Trümmern auf Meeresgrund!«

Und so ging der wirre Skalde von hinnen, und Gunlaugur blieb an seinem Herdeslager mit seinen wechselnden Geistesgebilden nur um destomehr allein.

Doch fand er das eigentlich nicht sehr zu bedauern, denn der Mensch und sein Jammer verstehen und vertragen sich meist um so besser, je mehr man sie mitsammen allein läßt.

Aber es kam anders.

Als kaum das Juelfest vorüber war, trat Illugi der Schwarze vor seinen trauernden Sohn hin, und sagte:

»Freund, warum schmückest Du Dich nicht, und sattelst nicht Dein Roß?«

142 »Zu welch einem Ritt soll ich satteln, Vater?« fragte Gunlaugur.

»Ey, Sohn,« entgegnete Illugi, »hast Du es denn vergessen? Oder hast Du wieder einmahl nicht hingehört? Die schöne Hungerda, Jofridurs Tochter aus deren erster Ehe, ist dem edlen Swertingur verlobt, und auf Skaney wird ihre Hochzeit gefeyert. Der edelste Wehrfester dorten, der Wallbrand-Sohn, ist ja Hungerda's nächster Anverwandter von Vaterseite, und hat sich's drum bey ihrem Stiefvater Thorstein ausbedungen, daß er das Fest an seinem eignen Herde ausrichten dürfe. Alle edlen Wehrfester der Gegend sind geladen, und natürlicherweise auch wir.«

»Ich weiß, Vater. Ich habe gehört, und nichts vergessen;« sprach düster Gunlaugur. »Aber ich will dort nicht hin.«

Da rief Illugi mit wehmüthigem Unwillen aus:

»Ey lieber Sohn, mein Freund, wahr und wahrhaftig sollst Du mit mir dorthin! Ein Mägdlein ist nicht so ein gar seltnes Ding, daß man sich darob in Sehnsucht verzehren sollte. Faß Dich wie ein Mann zusammen, und laß dergleichen jenes hochmüthige Wesen nicht merken! 143 Dir wird schon irgend ein anderes schönes Weib zu Theil.«

Gunlaugur schwieg. Er rüstete sich zur Fahrt, und nahm die edelsten Kostbarkeiten mit sich, die ihm auf seinen Kampfesreisen als Geschenk oder Beute zugefallen waren.

Tages darauf zog Illugi mit seinen Söhnen zur Festlichkeit hinaus. 144

 


 

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