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Die Saga von dem Gunlaugur genannt Drachenzunge und Rafn dem Skalden

Friedrich de la Motte Fouqué: Die Saga von dem Gunlaugur genannt Drachenzunge und Rafn dem Skalden - Kapitel 60
Quellenangabe
typelegend
booktitleDie Saga von dem Gunlaugur genannt Drachenzunge und Rafn dem Skalden
authorFriedrich de la Motte Fouqué
year1826
firstpub1826
publisherAnton Pichler
addressLeipzig
titleDie Saga von dem Gunlaugur genannt Drachenzunge und Rafn dem Skalden
pages645
created20120417
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Zweytes Kapitel.

Am andern Morgen kam es dem Hausvater beynahe vor, als habe er nur geträumt. Wenigstens von dem Adlerkampf in den nächtlichen Lüften, dachte er das zuversichtlich, und sprach dazu in sich selber: »Ey ja freylich war das ein Traum! War jenes Traumes Nachhall, der vor nun schon vielen Jahren in meine Seele kam, von den zwey Adlern, wie sie um das schöne Schwanenweib stritten, welches auf meines Hauses Giebel thronte!«

Und in diesen Gedanken sah er an seinem Hause empor, nach dem blauröthelnden Frühhimmel, als wolle er sich die Träume vollends aus den Augen und aus der Seele fortleuchten lassen, durch das erwachende Morgenlicht.

Da stand seine Tochter, Schön-Helga droben auf einem hohen Vorsprunge, in weisses 13 Pelzwerk gegen die Kühle des erwachenden Tages gehüllt. Aber sie mochte wohl nur erst kaum von ihrem Lager unruhig erstanden seyn, denn die Gewande, eilig und regellos umgeworfen, umweheten sie wild, gleich Fittigen. Sie gewahrte ihres Vaters nicht, und gewahrte überhaupt in diesen Augenblicken wohl keiner andern Erscheinung, als des Morgensternes, der so eben vor dem heller werdenden Tage zu erbleichen begann, und den sie in schmerzlicher Begeisterung mit diesen Worten ansang:

»Du hast zu lang gesäumet
In ferner kühler See!
Mir hat von dir geträumet;
Mir war mein Herz so weh.
Ich weiß nicht, was du säumtest,
Nicht, was du, Meer, so schäumtest!
Nicht weiß ich, was ihr Augen
So schwammt in heißen Laugen,
Als ich vom Schlaf erwachte,
Und an den Frühstern dachte!
Das Eine nur, das weiß ich:
Mir ist mein Herz so weh!«

Darauf hüllte sie sich, bitterlich weinend, noch tiefer in ihre Gewande, und schlich in das Gehöfte zurück. Aber der erwachende 14 Morgenwind entriß ihr, ohne daß sie es bemerkte, ihren Hauptschleyer, und führte ihn dicht über Thorstein's Scheitel hin, so daß dieser sich unwillkührlich davor bückte, als greife wildes Geflügel nach seinen Locken.

»Wehe, das Schwanenweib!« seufzte er, ohne gleich zu wissen, was er sprach, und schlug sich unwillig vor die Stirn, bemerkend, was er gesprochen hatte. Dann rief er alsbald nach seinem schnellesten Rosse, und trabte an den Seestrand hinaus. 15

 


 

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